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Mxandvinischer Vers.
Ein sechsfüßiger jambischer Vers,der insgemein nach der sechsten Syl-be einen männlichen Abschnit, undnach deutschem Gebrauch wechsels-weisczwey weibliche und zwei) mann-liche Auegange hat, wie aus folgen-der Stelle zu sehen ist:
Nicht den, der viel besitzt, den soll manselig nennen;
Der das, was Gott idm schenkt, recht mitVerminst erkennen.
Und Armutb tragen kann, und fürchtetSchand und Spott,
Die er ihm selber macht, noch Ärgerals den Tod.
Opiz.
Dieser Vers ist eine Erfindung neue-rer Zeiten. Denn obgleich der sechs-füßige jambische Vers den griechi-schen Trauerspieldichtern sehr ge-wöhnlich ist, so ist er doch von die-sem ganz unterschieden; weil er sichnicht so, wie er, durch den Abschnitin zwey gleiche Thcile schneidet. Fastalle heutigen Abendländer haben die-sen Vers angenommen, und brau-chen ihn zu etwas langen, lehrendenoder erzählenden Gedichten; dcßwc-gcn wird er auch der heroische Versgenennt. Seinen Ursprung leitet maninsgemein von einem erzählendenGedichte her, Alexander der Große,gencnnt, das im zwölften Jahrhun-dert in französischer Sprache von vierVerfassern, deren einer Alexander vonParis hieß, geschrieben worden ist.Dieses soll das erste Gedicht in zwölf-sylbigen Versen gewesen seyn; dadie altern Romanzen achtsylbigc hat-ten ').
Es ist von verschiedenen Kunstrich-tern angemerkt worden, daß dieserVers, so wie wir ihn beschrieben ha-ben, etwas langweilig und unbequemsey, auch in der Folge einen ekelhaf-ten Gleichton in das Gedicht bringe;
5) S. Versuch über Popens Genie und
Schriften, gegen dem Ende des V.
Abschn.
Ale ?r
zumal, wenn man, wie einige ganzunüberlegt rächen, mit jedem Verseinen Sinn der Rede schließt. Gpi?und die besten Dichter nach ihm, ha-ben diesem Mangel dadurch etwasabzuhelfen gesucht, daß sie den Schlußdes Sinnes an verschiedene Stellen,bald im zwcyten, bald im drittenVers, ober noch weiter hinaus ge-setzt haben. Eben ans diesem Grun-de haben einige den Abschnit gesetzt.Gewiß ist es, daß viel Kunst dazugehört, diesen Vers in die Lange er-träglich zu machen.
Er scheinet sich zu Lehrgedichten,wo bestandig wichtige und neue Be-griffe den Geist rühren, noch besserzu schiken, als zur Epopee; wo esunmöglich ist, den Geist oder dasHerz in jedem einzeln Vers hin-länglich zu bcschafftigen; wo esnothwcndig Stellen geben muß,die matt seyn wurden, wenn nichtder Wohlklang des Verses sie etwaserhöhte.
Am schlechtesten wird dieser Vers,wenn der Abschnit sich mit dem Endereimt. Denn dadurch wird cr in zweyhalbe Verse gcthcilet, und man kannnicht mehr wissen, ob man kurzesechsfüßige Jamben oder Alexandri-ner hört. Herr Dusch hat eine Ver-änderung in demselben angebracht,indem er ihm weibliche Abschnitt ge-geben :
V?ie Ertlich klagt der Vogel und
ladet durch den Hayn,Den kaum der ftenz verjüngest, sein
künftig VUeibchen ein!Doch, wenn durchs heiße Feld dieGommcrwinde keichen.Das Aaub sich dunkler färbt, diedürrenAcdren bleiche»;So endigt Vatersorge die Tage des
Gesangs'
Und Fleis beseyt die Stunden dessüßen Müßiggangs!Wisscnsch. VII. Buch.
Eine Veränderung in dem Abschnittedes Alexandriners, um diesen mannich-E 4 faltiger