64 A e z
Vollkommenheit zu ertheilen, muß et,bald mit spielender Nadel, den Gegen-ständen angenehme Leichtigkeit zu erthel-len wissen, und zu diesem Zwecke nur dieOberfläche des Kupfers mit der Nadel be-rühren, bald bey Gegenständen, welchemehr Kraft und Nachdruck erfordern, indas Kupfer selbst eingreifen, und, mitbeständiger Hinsicht auf die Wirkung desSlezwassers, arbeiten. Hierüber lassensich schlechterdings ihm keine Regeln vor-schreiben, oder Grundsätze bestimmen.Seine eigene Einsicht muß ihn lehren, ober den Charakter seines Originals und dieeinzeln Theilc desselben, mit breiten oderdünnen, mit weiten oder engen, mit tie-fen oder flachen, mit krummen oder ge-raden Strichen, oder mit Punkten odermit Linien, am vollkommensten darstellenkann. — Was das eigentliche Aexen,oder den Gebrauch des Scheide- oder Slez-wassers anbctrift: so verhindert man dasEinfrcsscn desselben an denjenigen Stellen,auf welche es nicht mehr ivirkcn soll, ambeßtcn dadurch, daß man, nachdem mandas Wasser von der Platte abgegossen, undsie hat trocknen lassen, diese Stellen miteinem dazu bereiteten, minder flüßigcnCvpalstrniß, vermittelst eines Pinsels, be-streicht. Daß das Zlezwasscr nachher wie-der über die ganze Platte, nicht, wieH. S. sagt, blvs auf die stärker« Stellengegossen wird, oder nur gegossen werdenkann, versteht sich von selbst. Auch wirdder Firnißoder besser der Aezgrund,nicht blos weggenommen, wie es im Texteheißt, sondern wcggcschmolzcn. Wenn,nähmlich, der Aezkünstler glaubt, daßdas Scheide - oder Aezmasser die verlangteWirkung gcthan, gießt er es ab, lclßtdie Platte trocknen, bestreicht sie mit einwenig Baumöl, und legt sie wieder überKohlen; durch die Wärme schmilzt als-denn der Grund mit dem Oelc dergestaltzusammen, daß er mit einem leinenenkappen weggewischt werden kann. —Wenn H. S. ferner verschiedentlich sagt,daß ganz seine und leichte Stellen sich nurmit dem Grabstichel machen lassen: soscheint er diesen mit der so genannten,
kälten Nadel (s. den Art. Radiren)verwechselt zu haben. Diese, die letztere,ist es, mir welcher die sanften Uebergängcbis zum höchsten Lichte seit der Feit gear-beitet werden, daß die so genannte kupfcr«stechcrische Manier im Siezen, vorzüglichvon den französischen Künstlern, vervoll-konimt worden ist. Der Grabstichel wirdnur gebraucht, um den zu matten Stel-len mehrere Tiefe und Kraft, und den zurauh gefressenen mehrere Reinlgkeit zu ge-ben. Die Verbindung bepder, des Grab-stichels mit der Nadel, bleibt indessen, be-sonders bey Landschaften, und auch beyhistorischen Gegenständen, immer noth-wcndig. — Eben so unrichtig, und un-bestimmt, behauptet H. S. daß, in ebendem Zeiträume, worin eine einzige Plattezu stechen ist, wohl hundert geätzt werdenkönnen; und es würde nicht eben zu ver-wundern sepn, wenn dieser Ausspruch denKünstlern Aergcrniß gegeben hätte. Die,zu dem Radiren und Aezcn erforderlicheZeit hängt von der Art ab, wie der Aez-künstler, ob in fleißiger, so genannterkupferstecherischer, oder leichter, so ge-nannter mahlcrischcr Manier, (s. den Art.Radiren) arbeitet; und hat er» mitdem eigentlichen Kupferstecher, (wie wires hier annehmen müssen) ein und dasselbeUrbild auf die Platte zu bringen, undverwendet er gleiche Sorgfalt mit ihm aufseine Arbeit: so macht zwar die, in Vcr«gleichung mit dem Grabstichel, leichtereFührung der Nadel, in Ansehung der,zu der Vollendung der Platte, erforder-lichen Zeit, einen, allein wirklich sehrkleinen, Unterschied. Auch werden indiesem Falle, bcpdc Platten leicht zu ver«wechseln sepn. In der so genannten wäh-lerischen Manier kann unstreitig viel ge-schwinder, als mit dem Grabstichel gear-beitet werden; aber auch hier gicbt es soviele Abstuffuugen, daß schlechterdings sichnichts Bestimmte» darüber behauptenläßt. — Was H. S. von der Verschie-denheit der Anzahl möglich guter Abdrückevon gestochenen und geäzten Platten sagt,ist bereits bey dem Art. Abdruck (S> o. d)näher bestimmt worden. —
AUS-