Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

A e z

gevrt«kt wird. Das Aezen ist eine-Art, vhlie Grabstichel zu stechen, undist zum Gebrauch der Kupferstcchcr-kiinst erfunden worden.

Die Hauptumständc des Aezenssind folgende. Man nimmt einewohl geglättete und fein polirtc Ta-fel, fast allezeit von feinem Kupfer.Diese überzieht mau mit einer dün-nen Haut von Firnis, welche manhernach mit dem Rauch einer Lampeschwärzt, oder mit einem andernmatten Grund überzieht. Auf diesenGrund wird dieZeichnung ganz leichtmit Blcystift oder Rothcl aufgetra-gen, oder auf eine andre Art des Ab-zeichnens darauf gebracht.

Nach dieser Zeichnung wird miteiner scharfen Xadirnasel der Fir-nis bis auf das Kupfer weggerissen,auch wird wol etwas in das Kupferhineingerizt. Diese Verrichtung wirdeigentlich das Rasiren genennt *).

Alsdenn wird um den Rand derTafel ein Bord von Wachs gemacht,und das Aczwasser auf die Tafel ge-gossen. Dieses frißt alle aufgerisseneStriche in das Kupfer ein, ohneden Firnis selbst anzugreifen, unddieses wird eigentlich das Aezen ge-trennt. Wenn es tief genug einge-frcssen hat, so wird das Aczwasservon der Tafel abgcfpühlt, der Fir-nis abgenommen, und damit ist dieTafel fertig.

Jede der beschriebenen Verrichtun-gen erfodcrt gewisse Handgriffe, diein besondren Artikeln umständlicherbeschrieben werden "ch. Das Beson-dere aber, was bey dem eigentlichenAezen in Acht zu nehmen ist, wollenwir hier umständlicher beschreiben.

Die Vollkommenheit des Aezensbesteht darin, daß das Wasser jedenStrich dcr Radirnadel mit der Stär-ke oder Schwäche ausfresse, welchedie Haltung des Ganzen crfodert.

*) Vom lateinischen rsüere.

55) S- Gründen ; Abzeichnen Z Äadiren ;

Firnis.

Aez 61

Hiezu tragt zwar schon das Radirenselbst das Vornehmste bey, indemman mit der Nadel einige Strichebreiter oder feiner, stärker oder schwä-cher in das Kupfer eingräbt: alleindas Aezen selbst muß diese Vor-sichtigkeit unterstützen, indem dasSchwache flächcr, das Starke tiefereingeäzt werden muß. Dieses crfo-dert große Vorsichtigkeit bey demAezen.

Die Schwierigkeiten, die sich da-bcy zeigen, kommen sowol von demAezwassei, als von andern Umstän-den her. Selten kann man den Gradder Schärfe des Wassers vorher be-stimmen: dasselbigc Wasser ist schar-fer oder schwächer, nach Beschaffen-heit der Luft und besonders der Wär-me derselben. Bisweilen ist eine hal-be Minute der Zeit zu viel, und schonim Stande alles zu verderben.

Es ist überhaupt nothwendig, daßauf den schwachen Stellen das Was-ser eine kürzere Zeit fresse, als aufden starken. Damit man dieses er-halte, so läßt man das Wasser erstnur so lange würben, als etwa zuden schwachen Stellen noch ig ist;alsdenn läßt man es ablaufen, unddckt dieselben mir einer fetten Mate-rie , welche die Würkung des Was-sers hemmet, zu: wenn dieses ge-schehen ist, so rann es auf tue star-kern Stellen wieder aufs neue ange-gossen werden. Wenn man diesessorgfältig beobachtet, so wird dieTafel ihre gehörige Haltung bekom-men.

Doch darf man auch die allerkraf-tigsten Stellen nicht allzu lange derWürkung des Wassers überlassen.Es frißt sowol in die Breite als indie Tiefe, so daß durch ein zu langesFressen die stärkcrn Striche, die na-he an einander liegen, ganz in ein-ander fließen, welches denn eine übleWürkung thut. Es ist deßwegennothig, daß man, che dieses ge-schieht, die Würkung des Wassers

kenne,