Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

20 A ce

fenheit der Accorde, jeden für sichbetrachtet, erklärt; das was zu ih-rer Verbindung gehört, wird an ei-nem andern Orte vorkommen *).

Man findet bey den Tonlehrerneine große Verschiedenheit der Mei-nungen über die Anzahl, den Ur-sprung und den Gebrauch aller zurMusik dienlichen Accorde. DieseMaterie scheint überhaupt so sehrverworren, daß man denken sollte,es scy unmöglich sie methodisch zuordnen. Allem Ansehen nach habendie ältesten dreistimmigen Gesängeeine Folge consonirender Accorde zumGrund gehabt. Die Begierde, dieHarmonie reizender zu machen, hatohne Zweifel die Tonsetzer vermocht,auf einigen Accorden einen Ton ausdem nächst vorhergehenden beizube-halten und ihn erst, nachdem er dasGehör durch den Mißklang etwasgereizt hatte, in den consonircndenTon herüber gehen zu lassen **).Nach und nach mögen sie bemerkthaben, daß mehrere, und sogar alleTöne des consonircnden Accords sokönnen versetzt werden, daß der Fort-gang des Gesanges dadurch angeneh-mer wird. Durch unzählige Probendies«- Art ist endlich eine sehr großeAnzahl verschiedener Accorde in dieMusik eingeführt worden, über de-ren Werth und Gebrauch man nochnicht einstimmig ist, und worüberman insgemein das Gehör der erfahr-ncstcn Tvnsetzer zum Richter anruft.

Bei) dieser Beschaffenheit der Sa-che wäre es sehr zu wünschen, daßeine Methode entdckt würde, durchwelche man alle brauchbare Accordebestimmen ftfimte. Der französischeTonsetzer Rameau hat dieses versuchtund här bei) vielen Beifall gefunden.Zn der That scheinet er auch in man-chen Stüken auf den eigentlichenGrund der Sachen gekommen zu fcyn.Es würde für uns zu weitlauftig

*) S- Fortschrcitung.

S. Dissonanz. Vorhalt.

A c e

scyn, sein System auseinander zusetzen, daher wir uns begnügen, dieSchriften anzuzeigen, in denen mandasselbe findet ^). Noch tiefer scheintTartini in den Grund der Sache ge-drungen zu seyn, aus dessen Systemsich die Accorde und ihr Gebrauchherleiten ließen. Rousseau hat einesehr deutliche Entwiklung dieses Sy-stems gegeben -»). Nach genauerUeberlegung der Sachen scheint fol-gende Vorstellung dieser Materie sichdurch ihre Einfalt und Deutlichkeitvorzüglich zu empfehlen.

Man kann zuerst annehmen, daßein jedes Tonstük blos auf eine Ney-he consonirender Accorde gegründetscy, und zu dieser Voraussetzung diebrauchbaren Accorde aufsuchen; her-nach kann man die Gründe erforschen,aus denen wahrscheinlicher Weise dieDissonanzen in der Harmonie ent-standen sind, und versuchen, ob da-durch die Anzahl und Beschaffenheitder dissonirenden Accorde könne be-stimmt werden.

Die erwähnte Voraussetzung hatnichts erzwungenes. Es ist wahr-scheinlich, daß im Anfang, da dervielstimmige Gesang aufgekommen,alles darinn blos confonircnd gewesenscy: und man hat noch gute Stükeohne Dissonanzen. Es ist übcrdcmeine nicht nur wahre, sondern wich-tige und wesentliche Bemerkung, daßein vollkommenes Tonstük allemalso gefetzt fcyn müsse, daß, wenn alleDissonanzen ausgestrichen werden,das, was übrig bleibet, einen gutenharmonischen Zusammenhang habe.Darum ist es eiss wesentlicher Thcilder Setzknnsi, daß man einen Gesang

durch

') l'rgire'ste l'Iiarmome etc. pzr dte.liaineau 4ro. Marpurgs Handbuchzum Generalbaß und dcrCdmuositwn.Desselben Ilcbersci-ung des Herrn d'A-lcmbcrts systematischer Einleitung indie Selzkunst. OiÄionaire cle bluügueP2> .l j. kousscau.

55) ^rc. Systeme.