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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
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« Abs

der Stimme, gelesen wird. Siescheinet auf der einen Hälfte des Ver-ses zu steigen uiw auf der andern zufallen. Im ersten Vers scheint sieallmählig zu steigen, bi^ man dasWort fpach ausgesprochen hat, nachwelchem eine kleine Ruhe, oder eineunveränderte Stimme bleibt, die inder andern Hälfte des Verses wiederfällt oder nachläßt.

Darinn gleichen solche Verse einemTakt in der Musik, der ebenfalls inzwei) Thcile oder Zeiten zerfällt, dieder Aufschlag und Niederschlag ge-nennct werden. Am merklichstenwird der Absehnit in unfern gewöhn-lichen alcxandrinischen Versen.

Die Seele macht ihr Glük; ihr sind dieÄussern Sache»

Zur Lust und zum Verdruß nur die Ge-legenheit:

Ein wohlgcscyt Gemüth kann Gallesüsse machen,

Da ein verwöhnter Sinn auf alles Mer-muth streut.

Alle längere Versartcn haben ihreAbschnitt, welche der Wohlklangnothwcndig macht. Ihren Ursprungmüssen wir um so viel mehr unter-suchen, da diejenigen unsrcr Kunst-richter, die den Wohlklang der Versebis auf die geringste Kleinigkeit schei-nen zergliedert zu haben, diesenPunkt versäumet haben.

Schon die ungebundene Rede (umso viel mehr die gebundene) har et-was von dem Charakter der Musik,oder des Tonstüks an sich. Worinndieses bestehe, ist an seinem Orte »)deutlich gczeiget worden. EineHauptcigenschaft der wohlklingendenRede also, ist das rplkmiscbe der-selben, wodurch sie in Glieder abge-theikt wird. Daher entstehen in derMustk der Takt, die Ukinschnitto unddie PerioScn, in dem Takt aber, dieSelten des Auf- und Niederschlages.Alles was von dem natürlichen Ur-sprung **) dieser Dinge angemerktArt. Wohlklang.

") S.Musik. Takt.

A b s

worden, gilt auch von der gebunde-nen Rede, darinn der Vers mit deinTakt, der Absehnit desselben mit denZeiten des Takts, genau überein-kommen. Wie aber die ungebunde-ne Rede weniger an einen bestimm-ten Wohlklang gebunden ist, als dieVerse, so sind es diese viel weniger,als die Musik. Daher sie zwar ihreabgemessene Takte, aber nicht ebenihre gleichen Zeiten desselben haben.In dein Takt sind die Zeiten überalldurch das ganze Stük, darinn erherrscht, vollkommen gleich, indemVers aber leidet der Absehnit eineVeränderung. Hiedurch ist also dasWesen und der Ursprung des Ab-schuits bestimmt.

Wer nicht auf die Natur der Mu-sik, in welcher der wahre Ursprungdes Verses und des Abschnits ge-gründet ist, zurük sehen will, derkann sich seineu Ursprung auch sovorstellen. Wenn wir Verse lesen,so müssen wir der Stimme außer denWendungen, die ihr schon in der un-gebundenen Rede zukommen, nocheine andre geben, die dem Gange desVerses eigen ist. In kurzen Vers-arten ist das Metrum hiczu hinläng-lich, zumal, da dergleichen Verseinsgemein durch ihre Ungleichheit ei-ne angenehme Abwechselung machen.Längere Verse aber, zumal solche,die eincrley Füße haben, wie unsreAlexandriner, crfodcrn mehr Abwech-selung des Tons, der sich erst all-mählig heben und denn wieder sin-ken muß, so wie im Fortschreiten derFuß sich hebt und wieder sinkt.

Mit gleich starkem Athcm ist esohnedem nicht möglich einen Hexa-meter auszusprechen. Dieses, mitdem dunkeln Gefühl, daß ein solcherVers zu lang sey, um durchaus miteinerlei) Stimme vorgetragen zu wer-den, macht, daß wir jeder Hälfteihre besondere Schattirung der Stim-me geben, wenn uns nur der Dichterdie Gelegenheit dazu, nicht ganzlich

benom-