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Heinrich Heine : In charakteristischen Zügen zum 100. [einhundertsten] Geburtstag
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Kurze Charakteristik.

Halt, weil er von dessen furchtbarer Schreibweise zermalmt znwerden fürchtete. Kurz, es gab zn Heine's Lebzeiten fast keine be-deutende Persönlichkeit in Deutschland, die er nicht mit beißenderIronie und höhnendem Spott verfolgt hätte, die sich bisweilenzu einer Art von Wildheit steigerten.

Wohl ist es wahr, daß sein Lied zuweilen süß wie das derNachtigall erklang, aber es ist auch wahr, daß es nur zu oft un-heimlich wie der Ruf des Sturmvogels ertönte. Durch die fastunnachahmliche Form, auf die der Dichter allerdings die sorg-fältigste Feile angewendet und tage- oft wochenlang an einem Ge-dichtchen geformt, und das musikalische Element derselben verab-reichte er wie durch Zuckeraufguß Gift in einer schönen Schale,wußte durch erheuchelte Gefühle und Seelenschmerzen beim lesen-den Publikum zartes Mitgefühl zu erregen und so dasselbe fast un-merklich an Geist und Herz zn Schanden zu machen. Eine Uu-glückseligkeit löst, mit Gutzkow zu reden, bei ihm die andere ab,so daßdabei an eine tiefe, nachhaltige Absicht nicht gedacht"werden kann. Leichtsinnig, eitel, sinnlich und rachsüchtig, ist ernur darin wahrhaft imponierend, wie er wahre Poesie zu zer-setzen und in den Kot zu zerren verstand; zu den parodistischenGedichten bemerkt Johannes Scherr, daß das erste Gedicht desKladderadatsch" in jeder Weise Treffenderes bringt als der No-manzero oder dasklägliche Buch Deutschland", das Heine selbstalsnicht bloß radikal, revolutionär, sondern auch antinational" be-zeichnet. Wohl ist er derletzte, abgedankte Fabelkönig der Ro-mantik", aber auch die Spottdrossel, der Schmutzfink des deutschenDichterwaldes, der zumeist im Kot gesehen und gefunden werdenkonnte und kann. Bei einer Poesie aber, die von Schiller'schemAdel und Goethe'scher Klassizität nichts oder nichtviel an sich trägt,kann der Duft der vollen Rose, wie er ab und zn aus dem Buchder Lieder hervorströmt, am wenigsten in Betracht kommen, wo essich um Heine, den ganzen Mann und handelnden Geist, handelt,der sich nicht zn zähmen wußte und so das Wort Freiligrath's ansich erfährt:der Dichtung Flamm' ist allezeit ein Fluch".