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1 (1895) Die Immatrikulationen von 1409 - 1559
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EINLEITUNG.

Ziffern auf. Gegen Mitte des 16. Jahrhunderts werden bereits wieder mehrere Male über 400 Stu-denten im Jahre intitulirt.

Das Steigen und Sinken der Inscriptionszahlen läßt sich in einzelnen Fällen leicht erklären.Zunächst fällt auf, daß das Sommersemester zumeist höhere Zahlen nennt. Wenn wir von demersten Semester, das wegen besonderer Umstände nicht in Betracht gezogen werden darf, absehen,so ist in 129 von 150 Jahren das Sommersemester durch eine höhere, in nicht seltenen Fällen sogarum 100 Procent höhere Inscription vor dem Wintersemester ausgezeichnet. Es ist das keineLeipziger Eigenthümlichkeit gewesen. Auch in Erfurt und Rostock, in Frankfurt a/O. und Witten-berg stoßen wir auf dieselbe Erscheinung. Ein Blick auf die III. Tabelle zeigt, daß im ganzenGebiete Norddeutschlands die Intitulationen in der überwiegenden Mehrheit im Sommer vor-genommen wurden. Der Grund für diese Erscheinung liegt natürlich in der Erleichterung desReisens während der Sommermonate.

Krieg und Seuchen haben in der Regel die Zahl der Intitulationen verringert. Um dieUebersicht hierüber zu erleichtern, habe ich zu den Kriegsjahren zwei gekreuzte Schwerter hin-zugefügt, die Inscriptionsziffern der Pestjahre aber in Cursive setzen lassen. Das erste Minimum imJahre 1429 fällt mit dem verheerenden Hussiteneinfall im Meißnischen zusammen. Zu W. diesesJahres hat der Rector auch zur Erklärung der niedrigen Zahl der Inscribirten bemerkt: Nota eodemanno, quo supra, intraverunt Hussite primo terram Misnensem.

In der nächsten Zeit lassen sich die niedrigen Inscriptionsziffern wiederholt durch dieHussitengefahr und durch Seuchen erklären. Die seit 1440 beginnende Hebung der Frequenz wurdeerheblich in den Jahren 14461450 unterbrochen. Damals wirkte der durch die Theilung hervor-gerufene Bruderzwist im Hause Wettin mit seinen verheerenden Fehden verderblich auf den Besuchder meißnischen Hochschule. Das dritte Minimum wurde im Jahre 1468 erreicht. Eine Erklärungfür den Rückgang wird man vielleicht in den besonderen Leipziger Verhältnissen, vor allem inStreitigkeiten der Hochschule mit der Stadt zu suchen haben 171 ). Er trifft indeß, wenn auch nichtin gleicher Stärke, ziemlich gleichmäßig alle deutschen Hochschulen. Bald erholte sich Leipzigwieder. Wohl ließ gelegentlich die Pest die Zahl der Intitulationen zurückgehen, aber die Steigungdauerte ununterbrochen bis 1509. Dann erfolgte zuerst ein langsames, von 1521 an ein raschesSinken. Die religiösen Streitigkeiten schlugen dem academischen Leben schwere Wunden. DerBauernkrieg trug zugleich zur Verarmung der unteren Classen, aus denen die Universitäten bisdahin starken Zuzug erhalten hatten, bei. Endlich büßte mit der kirchlichen Spaltung Leipzig einengroßen Theil des süddeutschen Gebietes ein, das bisher seine Jugend nach der Meißner Hochschuleentsendet hatte. Eine Reihe von Jahren hat es dann gedauert, bis sich Leipzig wieder von demschweren Fall erholte. Der sclnnalkaldische Krieg, der Kampf um Magdeburg und Seuchen habenein Zurückgehen der Frequenz auch jetzt zur Folge gehabt,

VIII. Die Universität Leipzig in ihrem Verhältnis zu den anderen norddeutschen Hoch-schulen. Das Bild des Steigens und Fallens der Intitulationsziffer würde unvollständig sein, wolltenwir nicht die Inscriptionen der anderen deutschen Hochschulen damit vergleichen. Eine Beschrän-kung auf die norddeutschen Universitäten erschien mir dabei geboten. Das Land, in dem sie liegen,bildete in der Hauptsache ein Wirthschaftsgebiet und gab später den Boden für die Erhebung einerneuen Kirche.

Ich bemerke von vornherein, daß ein Vergleich durch den Umstand erschwert wird, daßdie Inscription verschieden gehandhabt, daß namentlich die Frage, wie weit die nicht studirendenUniversitätsverwandten in die Matrikel eingetragen werden sollten, verschieden beantwortet wordenist. Da die Zahl der eigentlichen Studenten sich in den meisten Fällen gar nicht berechnen läßt,

71 ) Drobisch, Beiträge zur Statistik der Univ. Leipzig 72.