DIE FREQUENZ DER UNIVERSITÄT.
LXV
Zu viel bescheideneren Ansätzen kommt Fr. Paulsen 168 ). Er bringt die Zahl der Inscrip-tionen in Verbindung mit der der Promotionen. Nach der von Gersdorf 169 ) gemachten Zusammen-stellung über die Promotionen berechnet er die Dauer des Baccalariatscursus auf drei, die desMagistercursus auf drei und ein halbes Jahr. Indem er dann weiter für die Jahre 1467—1472unter Abzug der unmündigen und nicht studirenden Universitätsvenvandten wie derer, die sichsofort den höheren Facultäten zuwaudten, die jährliche durchschnittliche Inscription zu 248 Studentenberechnet, von denen er im Mittel 102 zum Baccalariat und 15 zum Magisterium gelangen läßt,erhält er z. B. für das Jahr 1472 einen Bestand von 590 oder, die Studirenden der oberen Facultäten,für deren Studien eine durchschnittliche Dauer von vier Jahren angenommen werden muß, hinzu-gerechnet, von 662 Scholaren.
Paulsens Berechnung der Frequenzziffer hat ungleich mehr Wahrscheinlichkeit für sich alsdie von Drobisch. Aber sie geht, wie Paulsen selbst sich nicht verhehlt, von einer Voraussetzungaus, die sich nicht erweisen läßt, von der Voraussetzung, daß die große Zahl derer, die keinen Graderwarb, die Universität sehr bald wieder verließ und die Hörer, die sich mit dem Baccalariat be-gnügten, nicht lange über die erste Promotion hinaus blieben, und außerdem beruht sie hinsichtlichder Schätzung derer, die inscribirt wurden, ohne eigentliche Studenten zu sein, und hinsichtlich derHörer der oberen Facultäten lediglich auf Vermuthungen.
Mag also auch Paulsens Schätzung sich jedenfalls der Wirklichkeit eher nähern als dieBerechnungen seiner Vorgänger: ungewiß sind doch alle derartigen Ansätze, und so bleibt uns nichtsübrig, als das Anwachsen und Fallen der Frequenz nach den Inscriptionen zu messen. Die höchstenund niedrigsten Inscriptionszahlen zeigen annähernd die größte und die geringste Frequenz der Uni-versitätsverwandten im Allgemeinen wie der Hörer an.
Durch eine Kurve hat Drobisch 170 ) das Steigen und Sinken der Inscriptionsziffern aufGrund von Zahlen, die allerdings nicht immer richtig sind, dargestellt. Wir haben danach vier Minimaund vier Maxima. Wie ein Blick auf die III. Tabelle in der Einleitung zu dieser Ausgabe zeigt, fälltdas erste Minimum auf das erste Jahrzehnt des Bestehens. Von 507 Intitulirten im 1. Jahre, einerMenge, die als normal nicht in Anrechnung gebracht werden kann, sinkt die Zahl im W. 1415—S. 1416auf 115 herab. Von da erfolgt ein rasches Ansteigen und W. 1422 — S. 1423 wird mit einerJahresinscription von 310 das erste Maximum erreicht. Alsdann erfolgte ein Rückgang. Im JahreW. 1429 — S. 1430 erreicht die Inscriptionsziffer mit 85 das zweite Minimum. Nach einer neuenErhebung erfolgt vom Jahre 1446 an ein Rückschlag, der aber schon im Jahre 1451 überwundenworden ist, und im Jahre W. 1466 — S. 1467 gelangt man zum zweiten Maximum, zu einer Inscrip-tionszifler von 471 im Jahre. Hierauf erfolgt ein rascher Niedergang zum dritten Minimum imW. 1468—S. 1469, zu einer Anzahl von nur 171 Inscribirten. Aber sehr bald hebt sich wiederder Besuch der Hochschule zu einer jährlichen Intitulation von ungefähr 280—320. Von 1485 über-steigt er wiederholt 400 und im Jahre W. 1508 — S. 1509 erhebt er sich zu dem dritten Maximum,der Zahl 539. Seitdem beginnt ein langsames Sinken, das sich aber vom S. 1521 an in einenraschen Sturz verwandelt. Im Jahre 1526 langt man bei dem vierten Minimum an. Die Intitulationdieses Jahres beträgt 81, die niedrigste Ziffer, die die Matrikel seit dem Bestehen der Hochschuleverzeichnet. Ganz langsam begann sich dann die Frequenz wieder zu heben, zumal seit dem An-schluß an die neue Kirche und seit der reichen Dotation, durch die Kurfürst Moritz die Universitäterst recht lebensfähig machte. Wenn wir auch in Betracht zu ziehen haben, daß die Zahl der Noniurati jetzt unverhältnismäßig airwuchs, so w'eisen doch die nächsten Jahre wieder recht stattliche
168 ) Die Gründung der deutschen Universitäten im Mittelalter in Sybcls Ilistor. Ztsclir. XLY. 29G.159 ) Die Rectoren der Univ. Leipzig 122 ff.
17 °) Beiträge zur Statistik der Universität Leipzig 86.
COD. DIPL. SAX. II. 16. i