DIE UNIVERSITÄT LEIPZIG UNTER DEN NORDDEUTSCHEN HOCHSCHULEN. LXVII
so liabe ich mich begnügen müssen, die Zahlen der Inscribirten anzuführen, die die Matrikeln auf-weisen. Ein Vergleich ist weiterhin dadurch erschwert, daß, während Leipzig seine Eintragungen mitgrößter Regelmäßigkeit unter stetem, semesterweise erfolgendem Wechsel des Rectorats verzeichnet,die Matrikeln der anderen Universitäten nicht selten zwei oder mehrere Semester zusammenziehen.Ich habe überall, wo es nur anging, versucht, die Semesterinscriptionen zu berechnen. In einzelnenFällen, wo der Rector mehrere Semester im Amte blieb und die Semester hinsichtlich der Inscrip-tionen auseinanderhielt, war dies nicht schwer. Aber häufig wird eine Zahl von Intitulationen fürzwei oder drei Semester angegeben. In diesem Falle mußte die Semesterinscription durch Theilungwillkürlich gebildet werden. Vom S. 1520 an mußte ich darauf verzichten, für die norddeutschenUniversitäten insgesammt die Semesterinscription anzugehen, da die Unordnung an einzelnen Uni-versitäten zu groß wurde und man immer seltener die Semesterzahlen angab.
Ich bemerke dabei noch, daß die überwiegende Mehrzahl der Universitäten das Sommer-semester im April oder Mai, das Wintersemester im October begann. Marburg und Jena setzten da-gegen den Anfang des einen Semesters auf den 1. Januar, den des anderen auf den 1. Juli. Ich habedas erste als Sommer-, das zweite als Wintersemester bezeichnet und die Berechnung dem entsprechendangestellt. Dabei mußten natürlich Fehler unterlaufen. Denn leicht konnte sich jemand am 1. Januarin Marburg und im August in Leipzig oder Wittenberg immatrikuliren lassen. Er ist dann imSommersemester doppelt gezählt worden. Aber dieser Fehler fällt schließlich wenig ins Gewicht:können ja doch alle diese Zahlen nur als annähernd richtige bezeichnet werden.
Die Jahressummen werden zuerst für Winter- mit darauffolgendem Sommersemester angegeben,da Leipzig mit dem Winter begann. Von 1520 an ist mit Rücksicht auf Erfurt, das ohne Nennungder Semesterziffern Sommer- und Wintersemester vereinigt, das Jahr vom 23. April an gerechnetworden, und von 1539 an mußte wieder mit Rücksicht auf Erfurt die Jahresziffer nach Jahrengegeben werden, die mit dem Wintersemester beginnen.
Kriegerische Verwickelungen in der Nähe der Universitätsstadt sind auch hier überalldurch zwei gekreuzte Schwerter, Pest oder andere ansteckende Krankheiten durch cursiv gesetzteInscriptionsziffern angedeutet worden.
Die Gründung der Leipziger Universität hat die Zahl der Inscriptionen in Norddeutschland,wo bis dahin nur die Universität zu Erfurt bestand, auf die erhebliche Zahl von 829 gebracht. Alsein natürlicher Rückschlag darf es wohl betrachtet werden, wenn die Inscriptionen in der Folgerasch sanken. Das erste Minimum Leipzigs W. 1415—S. 1416 fällt auch mit dem tiefsten Standeder Inscriptionen in Norddeutschland, 194 in einem Jahre, zusammen. In der Folge hebt sich dieJahresziffer wieder stetig. Sie erreicht bis zum Jahre 1429 einen Durchschnitt von 598 In-scriptionen.
Weit über diesen hinaus geht allein das Jahr W. 1419 — S. 1420 mit 841 Inscriptionen.Die Gründung der Universität Rostock kommt in diesem starken vorübergehenden Anschwellen zumAusdruck. Das zweite Minimum Leipzigs fällt auch mit dem zweiten tiefsten Stand der norddeutschenInscriptionsziffer zusammen. Im Jahre W. 1429 — S. 1430 verzeichnet die Leipziger Matrikel nur 85,die der norddeutschen Hochschulen zusammen 349 Intitulirte. 'Während dieser Zeit hat Leipzigseinen Besitzstand im Großen und Ganzen behauptet, aber die Gründung Rostocks macht sich dochinsofern bemerkbar, als die Zahl der Sachsen nicht mehr in dem Maße wuchs, als man ursprünglichhoffen durfte, und die gefährliche Nachbarschaft der Hussiten brachte es mit sich, daß man vonSüddeutschland aus lieber Erfurt als das den böhmischen Angriffen leichter ausgesetzte Leipzigaufsuchte. Es gelang Erfurt, sich an die erste Stelle der norddeutschen Universitäten zu setzen, diees in der Folge, wenige Ausnahmen abgerechnet, behauptete.
Nach der Beendigung der Hussitenkämpfe, und nachdem sich die Stürme der conciliarenPeriode gelegt haben, wird der Zudrang zu den Universitäten erheblich größer. Außerordentlichviele kirchliche Anstalten wurden gegründet, die Ausbildung der städtischen Verfassung wie die