DIE FORM DER EINTRAGUNG.
XLIII
S. 1412, W. 1430 und W. 1433. Im W. 1434 steigt die Zahl auf ungefähr 14°/ 0 , im S. 1415 sogarauf ungefähr 20°/ 0 . In den übrigen Semestern hält sich die Zahl jedoch in sehr bescheidenen Grenzen.Sehr wenig sind, verglichen mit anderen Universitäten, höhere Geistliche in Leipzig in die Matrikeleingetragen worden. Nur zwei Bischöfe finden sich darunter. Es hängt dies offenbar damit zu-sammen, daß es in Leipzig nicht Sitte war, jeden durchreisenden höheren Geistlichen ehrenhalber indie Matrikel aufzunehmen. Unter den immatrikulirten Canonikern finden sich indeß wiederholtAngehörige hoher adeliger Familien, so im S. 1510 ein Graf von Waldeck, außerdem mehrere Grafenvon Wertheim und Stolberg. Der letzte Canoniker ist im W. 1532 inscribirt worden, dann kommendomini nur noch im S. 1535 und W. 1540 vor. Im letzteren Semester war es Johannes Pfeffingervon Wasserburg. Den Schluß macht in S. 1557 ein ecclesiastes. Nicht unbeträchtlich ist die Zahlder Ordensgeistlichen, die sich in Leipzig den Studien hiugaben. Leider ist nicht immer dasKloster und nicht immer der Orden genannt, dem sie angehörten, und damit wird die Menge derSchlüsse, die hei größerer Genauigkeit aus der statistischen Uebersiclit gezogen werden könnte,wesentlich eingeengt. Ich habe mich daher darauf beschränkt, nur die Zahlen anzugeben. Diese sindim Anfänge niedrig, werden aber seit der Mitte des 15. Jahrhunderts höher. Im S. 1464 steigt dieZahl der inscribirten fratres bereits auf 9, und wenn sie auch zeitweilig wieder fällt, so weist dochdas S. 1487 wieder 12, das S. 1511 sogar 17 fratres auf. Der letzte Klostergeistliche ist im W. 1536immatrikulirt worden. Wenige Jahre später schloß sich die Hochschule der neuen Kirche an.
Soweit sich in der Matrikel Angaben über Orden und Kloster finden, sehen wir, daß alleOrden, vor allem der Cistercienserorden, der ja seine eigene Stiftung, das Collegium des heil. Bern-hard, in Leipzig besaß, an der Universität vertreten waren. Die alten Cistercienserstiftungen Pforta,Alt- und Neuzelle, Dobrilugk und Walkenried haben den zahlreichsten Zuzug gestellt, aber es istkaum ein bedeutenderes Kloster in weiterem Umfange vorhanden, das nicht einmal einen Angehörigenan die Universität entsendet hätte. Jedenfalls läßt die Anzahl der vor der Reformation in Leipzigstudirenden Klosterbrüder keinen ungünstigen Schluß auf die wissenschaftlichen Studien der mittel-deutschen, insbesondere der meißnisch-thüringischen Klöster zu.
Weltliche Herren haben sich im Verhältnis zu anderen Universitäten, vor allem zu dem be-nachbarten Erfurt, in Leipzig nur wenige intituliren lassen. Von Mitgliedern fürstlicher und hohergräflicher Häuser zählen wir zwei Herzoge von Sachsen, einen Herzog von Braunschweig, neunFürsten von Anhalt, je einen Grafen von Oldenburg und von Holstein, zwei Grafen von Schwarzburg,zwölf Grafen von Mansfeld, drei Herren von Gera, zwei von Plauen, einen von Weida u. a. m.
Die Eintragung hochadeliger Personen ist meist hervorgehoben worden, sei es, daß man dieNamen roth geschrieben, roth unterstrichen oder roth durchstrichen hat. Aber sie erscheinen genaunach der Zeit der Inscription mitten unter den anderen Intitulirten. Eine Ausnahme ist ganz alleinim S. 1425 mit dem Herzog Sigismund von Sachsen, dem einzigen Wettiner, der sich in den Jahren1409—1559 in Leipzig inscribiren ließ, gemacht worden. Wohl weil er ein Angehöriger desHerrscherhauses war, ist ihm unter den Intitulirten die erste Stelle vor allen Nationen zu-gewiesen worden.
Wie an anderen Universitäten, so war es auch in Leipzig gestattet, einen Studenten vor-nehmen Standes mit dem Purpur des Rectors zu schmücken. Zwar enthalten die den Prager Statutenentlehnten ältesten Bestimmungen über die Rectorwahl nichts über eine solche Gewohnheit 73 ), aberdie von Herzg Moritz bestätigten Statuten von 1543 nehmen ausdrücklich Rücksicht auf diesenBrauch 74 ). Es wurde dabei das Statut, wonach der Rector mindestens 25 Jahre alt sein mußte,außer Kraft gesetzt und dem Rector ein Magister beigeorduet, der als Prorector die Amtsgeschäfte
,3 ) Zarncke, Statutenbücher 48.7l ) Das. 77.