XLII
EINLEITUNG.
genommen wurde, fand seinen Platz unter den Meißnern, denn er war, wie ein Zusatz besagte, inErfurt geboren worden. Bei einzelnen Weltgeistlichen ist, namentlich in den ersten Jahren, der Ortihrer Thätigkeit angegeben worden, also W. 1409 Misn. No. 14 Theodericus Morung, plebanus in Seyfrid-hayn, aber diese Form der Angabe hat man später fallen lassen, da sie zu Unklarheiten hinsichtlich derNationsangehörigkeit führen konnte. Vereinzelt ist neben dem Geburtsort auch der letzte Aufenthalts-ort genannt worden. So S. 1413 Misn. No. 8 Johannes Michelwicz de Luckaw in Misua. Wohl alszu umständlich hat man diese Form aufgegeben und sich auf die Heimathsangabe beschränkt.
Wo Ausnahmen von dieser Regel Vorkommen, handelt es sich um Nachlässigkeit oder Will-kürlichkeit des Rectors. So gehörte Johannes Eiben, der im W. 1539 inscribirt wurde, als geborenerBerliner von Rechts wegen zu den Sachsen, aber Caspar Börner setzte ihn unter die Meißner mitder Begründung Berlini natus, sed puer biennis Lipsiam translatus atque hic alitus. Das war sicher-lich ein Verstoß gegen das Herkommen. Ein solcher Verstoß scheint auch W. 1491 Sax. No. 1 vor-zuliegen bei doctor Kilianus de Ytczstein Magd[eburgae] residens. Wahrscheinlich hat sich derRector Wenceslaus Judicis hier durch den Wohnort bestimmen lassen, den Intitulirten zu den Sachsenzu setzen. Unrichtig war es jedenfalls, wenn frater Caspar Reyel de Stiria professus in Porta imW. 1516 zu den Meißnern und nicht zu den Bayern gesetzt worden ist. Vielleicht wollte der RectorJohannes Langer ihn nicht von den übrigen Pfortaer Mönchen trennen, deren einige in diesem Se-mester in die meißnische Nation aufgenommen wurden.
Jedenfalls haben Mißverständnisse oder Unkenntnis der Studenten oder auch Irrthümer derRectoren häufig dazu geführt, daß ein Neuaufgenommener zu einer unrichtigen Heimathsangabe kamund einer falschen Nation zugeschrieben wurde. Bei manchem wurde später aus irgend einem An-laß, z. B. bei der Promotion oder Relegation, wo es galt, die Inscription amtlich festzustellen, derIrrthum entdeckt und verbessert. Zu der Versetzung in eine andere Nation, die alsdann erfolgte,bedurfte es in diesem Falle eines Beschlusses des Conciliums. So war Laurentius Köp oder Ivoppim W. 1500 unter Nennung des Ileimathsortes Leipzig als zweiter bei den Meißnern eingetragenworden. Erst im W. 1509 stellte es sich heraus, daß er aus Straßburg stammte, und nun wurde erdurch Beschluß des Concils zur bayrischen Nation geschrieben.
Noch ist zu bemerken, daß zur selben Zeit zwei Träger eines Namens inscribirt sein konnten.In diesem Falle erhielt, um Verwechselungen vorzubeugen, der an zweiter Stelle Intitulirte den Zu-satz junior. So finden sich z.B. im S. 1512 (Misn. No. 62 und 63) zwei Joannes Taubhorn de Gottawhinter einander genannt, von denen der erste als senior, der zweite als junior bezeichnet wird. ImS. 1439 Misn. No. 13 wurde Johannes Burborger senior de Leipczk und S. 1445 Misn. No. 16 einTräger desselben Namens mit dem Zusatz minor eingetragen.
3. Der Stand der Studenten. Die Angaben über den Stand der Studenten sind in derH. Tabelle niedergelegt worden. Sehr häufig war die Kleriker - Eigenschaft bei den Universitäts-angehörigen. Aber während die Matrikeln von Heidelberg und Köln eine Menge von Klerikern auf-zählen, finden wir deren in der Leipziger Matrikel keine genannt. Man hat also diese Eigenschafthier nicht besonders hervorgehoben. Leider haben die Rectoren auch sonst auf genaue Standes-bezeichnungen nur wenig Werth gelegt.
Wenden wir uns zuerst zu den dem geistlichen Stande angehörenden Studenten, so stoßenwir insofern gleich auf Schwierigkeiten, als manche geistliche Personen nur mit dominus (abgekürztdns.) bezeichnet worden sind. Dieser Titel kam nur den Priestern, den Canonikcrn und höherenOrdensgeistlichen zu, ist ihnen aber in der Matrikel nicht regelmäßig gegeben worden. Ich habe dieals domini genannten Studenten, bei denen es klar ist, daß sie nicht als weltliche Herren oder auseinem anderen Grunde dieses Prädikat führen, in eine Columne gestellt. In der Hauptsache werdensie wohl zu den Weltgeistlichen zu rechnen sein, doch sind ohne Zweifel manche Klosterbrüder, diedie Priesterweihe empfangen hatten, darunter. Zahlreich sind die Weltgeistlichen, die in Leipzigstudirten, gerade nicht. Bis zu 10% der Gesammtzahl der Inscribirten machen sie nur aus im