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1 (1895) Die Immatrikulationen von 1409 - 1559
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EINLEITUNG.

überhaupt nicht, die polnische nur ein Mal, die meißnische sechs Mal, die bayrische hingegen ein-undvierzig Mal. Greifen wir ferner die Semesterinscriptionszahlen über 250 in demselben Zeitraumheraus, so sehen wir, daß von 26 Semestern die Inscriptionen der Bayern neun Mal mehr als 50°/ 0 ,ein Mal genau 50°/ 0 , in vierzehn Fällen 33 l j a —50°/ 0 und nur ein Mal weniger als 33 l l s °l 0 aller Ein-tragungen bilden. Die Frequenz der Universität wird daher geradezu durch die Menge der inscri-birten Bayern bestimmt und die Frequenzkurve der bayrischen Nation gieht ein mit der Frequenz-kurve der Universität derart übereinstimmendes Bild, daß man die Universität, da die Angehörigender bayrischen Nation überwiegend dem jetzigen Franken und Bayern angehören, eher eine bayrischeoder fränkische als eine meißnische nennen könnte 66 ).

Den Grund für die Verschiebung in der Frequenz der einzelnen Nationen aufzuiinden, istnicht schwer. Das Gebiet der sächsischen Nation erhielt im Jahre 1419 eine neue Universität inRostock, ihr folgte 1456 Greifswald, dazu kamen in den skandinavischen Ländern 1477 Upsala und1479 Kopenhagen. Endlich gründete Kursachsen 1502 die Hochschule zu Wittenberg und 1506Kurbrandenburg die zu Frankfurt a/O.

Diese neuen Hochschulen begannen allmählich in einen siegreichen Wettbewerb mit Leipzigzu treten. Die Zahl der nach der Meißner Universität ziehenden Sachsen sank in Folge dessen vonJahr zu Jahr.

Wohl hat es auch auf dem Gebiete der bayrischen Nation nicht an neuen Hochschulen ge-fehlt. Im Jahre 1460 wurden Freiburg i/Br. und Basel eröffnet. Ingolstadt trat 1472, Trier 1473,Mainz und Tübingen 1476 ins Leben. Wirklich ernste Gefahr drohte indeß der Leipziger Hochschulenur von Tübingen und Ingolstadt, denn die anderen Universitäten gehörten Landschaften an, derenAngehörige doch nur in kleinerer Anzahl ihren Studien in Leipzig oblagen. Aber auch Ingolstadtund Tübingen haben keinen sonderlichen Abbruch der Leipziger Universität zu tlmn vermocht.Franken und Oberpfälzer blieben ihr nach wie vor treu. Ja die Zahl der aus jenen Gebieten inLeipzig Studirenden ist stetig gewachsen. Hierdurch aber trat in der Zahl der Nationsmitgliederein Mißverhältnis ein, das eine Neuordnung nöthig machte. Herzog Georg bestimmte daher mit Hin-weis auf deu Rückgang in der Anzahl der Sachsen und Polen, der ganz richtig mit der Aufrichtungneuer Universitäten begründet wird, und unter Berufung auf den früher ausgesprochenen Vorbehalteiner Aenderung, daß die meißnische Nation die Sechsstädte, also Bautzen, Görlitz, Zittau, Lauban,Kamenz und Löbau, und die Ober- und Niederlausitz an die Polen, die bayrische Nation aber West-falen, die Erzbisthiimer Köln und Trier und die Niederlande an die Sachsen abzutreten habe 67 ). DieUrkunde trägt in der handschriftlichen Ueberlieferung kein Datum. Früher setzte man sie in dasJahr 150 5 68 ). Zarncke 69 ) nahm dagegen an, sie sei im Jahre 1522 ausgestellt worden. Beide Da-tirungen sind unrichtig. Die Verordnung des Herzogs Georg ist vielmehr im Sommer 1520 er-gangen. Bis zu dieser Zeit hat, wie ein Blick in die Matrikel ergiebt, die alte Eintheilung bestanden.Petrus Mosellanus, der zum Rector des S. 1520 gewählt wurde, trat sein Amt noch als Bayer an under intitulirte noch Jacob Richter aus Bautzen als den zwanzigsten unter den Meißnern. Richterwird im Anfang gekommen sein, denn Stephanus Themmau aus Bautzen wurde schon zu den Polengesetzt, unter denen er als zehnter erscheint, und Mathias Mosellanus von Bruttig an der Mosel er-hielt schon seinen Platz als einunddreißigster unter den Sachsen. Im Laufe des Sommersemestersmuß also die Verordnung Herzogs Georg bei der Universität eingelaufen und sofort zur Durch-führung gelangt sein. Im W. 1520 finden wir dann säinmtliclie Gürlitzer und Bautzner unter den

66 ) Drobisch, Beitr. zur Statistik der Univ. Leipzig S. 70.

67 ) Siehe Zarncke, Statutenbücher S. 42 und Stiibel, Urkdb. der Univ. Leipzig S. 444.

68 ) So noch Gretsehel, Die Univ. Leipzig S. 24 und 25 und Drobisch, Beitrage zur Statistik der Univ.Leipzig 63.

69 ) Urkundl. Quellen 738, 909 und Statutenbücher 42