DIE HANDSCHRIFTEN UND IHRE AUSSTATTUNG.
XXVII
zu verschaffen. Im W. 1532 gab er dem Rectorate des Petrus Brockendorft' mit einigen Distichendie dichterische Weihe. Ein kunstvolles Distichon erscheint dann zum W. 1534. Die Anfangsbuch-staben des Hexameters bilden den Namen des Rectors Valerius, die des Pentameters das WortRector. Der Dichter kam freilich dabei mit seinem Latein nicht aus und mußte eine Anleihe beimGriechischen machen. Häufiger werden die Gedichte im zweiten Bande der Matrikel. LeonhardBadeliorn schrieb zu den Eintragungen seines Semesters im W. 1537 ein Distichon, ebenso ChristianPistorius zu S. 1539 und Georg Czeler zu W. 1540. Henning Pyrgallus schloß im S. 1541 B" mitdrei Distichen. Dem Rcctorat des Christoph Watzek im W. 1542 gehen drei Distichen eines Un-bekannten voraus, während wieder Georg Czeler im W. 1544 sich selbst zu seinen Immatrikulationenein Distichon verfaßte. Seitdem wuchs die Neigung zu poetischen Ergüssen. Leonhard Badehorngriff im W. 1545 nicht nur selbst in die Saiten, sondern wurde auch von Joachim Camerarius undWolfgang Meurer besungen. Besonders reich sind dann, von anderen abgesehen, die Rectorate desConstautin Pflüger im W. 1546, des Johannes Sinapius im S. 1548, des Ernst Bock im S. 1557 aus-gestattet worden, und auch Joachim Camerarius hat sein drittes Rectorat S. 1558 mit längeren Ge-dichten geschmückt 42 ). Der Inhalt aller dieser Verse ist ziemlich eintönig. Das Lob des Rectorswird verkündet oder es werden fromme Segenswünsche und Gebete gesprochen. Nur in einigenwenigen, wie in denen des Constautin Pflüger und des Joachim Camerarius, wird der ZeitereignisseErwähnung gethan.
4. Die Ueberschriften der Eintragungen sind in ihrem Wortlaute sehr verschieden.Wie sie anfangs von dem Rector selbst innerhalb der Columne geschrieben und erst später durchberufsmäßige Schreiber oder Künstler stattlicher und reicher, über die ganze Breite des Blatteslaufend, ausgestattet werden, so lauten sie auch ursprünglich mit geringen Al)weichungen im Aus-drucke und der Wortfolge ganz einfach: Anno domini etc. in die sancti Georgii oder sancti Galliego N. N. magister in artibus etc. in rectorem alme universitatis studii Lypcensis electus infrascriptosoder subscriptos de quatuor nacionibus intitidavi oder intitidavi id infra oder secundum modum sub-scriptum oder ordine subsadpito, auch ut sequitur , oder intitidavi et primo oder officio meo duranteper me sunt intitulati. Die academischen oder auch die geistlichen Würden und die Collegiaturwerden dabei immer genauer angegeben. Ausnahmsweise setzt einmal ein Rector, was sich vonselbst versteht , hinzu propria ma.nu subscriptos intitidavi 43 ). Das Oberhaupt der LTniversität be-zeichnet sich dabei immer als Rector, nur Petrus Brockendorff (W. 1532) bediente sich des vor-nehmer klingenden monarcha augustissimae huius academiae. Er spricht dabei immer von sich imSingular. Eine Ausnahme macht allein Fürst Adolf von Anhalt, der Rector des S. 1475, der natürlichum seiner fürstlichen Würde willen den Plural anwendet. Die Thätigkeit des Rectors wird dabeistehend als intitulare bezeichnet. Der erste, der von dieser Regel ab wich, war Arnold Wöstefeldes,der im S. 1507, in A' wenigstens, das Verbum inscribere einzuführen versuchte. Ihm folgten imW. 1509 Paul Schwoffheim und im S. 1510 Hieronymus Dungersheim mit dem Verbum immatriculare.In den nächsten Semestern hielten sich intitulare und immatriculare die Waage. Sehr bald aber brachder siegreich eindringende, ein besseres, klassisches Latein fordernde Humanismus mit den durchdas Alter geheiligten Formen. Sebastian von der Heide (W. 1512) schreibt electus in rectorem huiusfiorentissimi musei Lipsensis de quatuor nationibus subscriptos mei magistratus curriculo manu propriahoc albo conscripsi. Godehard Lüderi stellte wohl die alte Form wieder her, aber Andreas Probst folgteim W. 1513 dem Sebastian von der Heide, nur daß er aus dem florentissimum museum ein augustissi-mum gymnasium Lipsense machte. Seit dieser Zeit war der alte Brauch erschüttert. Neben deralma universitas studii erscheinen abwechselnd universitas augustissima, gymnasium, seit S. 1517 auch
4ä ) Das Gedicht in B' ist unterzeichnet mit Ioachimus Camerarius f. Zarncke, Urkundl. Quollen 570 löstdas f. irrthümlich mit ßlius anstatt mit feliciter auf.
43 ) So Andreas Dhene im S. 1473, Heinrich Raleveshusen im S. 1505 u. a. m. Siehe auch W. 1534 am Schluß.
d*