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EINLEITUNG.
ein anderer aus den Werkstätten von Bürgern hervorging, die die Malerei als Gewerbe betrieben.Erst Cornelius Gurlitt 35 ) hat es in neuester Zeit unternommen, auf Grund des Stils die Maler zubestimmen. Danach würde Tafel II, das zweite Schwurbihl 36 ) aus A", von dem Leipziger MalerNicolaus von Eisenberg herrühren, auf den die Haltung der Gestalten, die Handbewegung, die über-trieben langen Zehen, der Faltenwurf, die Auffassung des Fußbodens und anderes hinweisen 37 ).Nicolaus von Eiseuberg ist für die Jahre 1447—1487 in Leipzig nachzuweisen. Mit dieser Angabewürde sich also die Vermuthung, daß der Rector des S. 1456 Johannes Swertmann von Frank-furt a/M. dieses Schwurbild malen ließ, gut vereinigen lassen. Das Schwurbild aus A' auf Tafel Ihat nach Gurlitt ebenfalls Verwandtschaft mit den Arbeiten des Nicolaus von Eisenberg. Eine gewisseAehnlichkeit im Faltenwurf läßt sich allerdings nicht verkennen, aber die Behandlung der Hände undFüße erscheint doch auf beiden Schwurbildern wesentlich verschieden. Auch ist der Gesichtsausdruckauf der Tafel I ein völlig anderer als auf Tafel II, ein Moment , das allerdings deshalb nicht alleinals durchschlagend erachtet werden kann, da das Schwurbihl auf Tafel I durch die Benutzung starkgelitten hat und bei der Reproduction hier und da etwas nachgeholfen worden ist. Ich möchte da-her annehmen, daß das Schwurbild I zugleich mit der Matrikel A' im Jahre 1410 oder doch wenigstensbald darauf angefertigt worden ist.
Tafel VI zu S. 1499 hält Gurlitt für ein Werk des Künstlers, der die Malereien im Kreuz-gange des Paulinums ausführte. Er machte darauf aufmerksam 38 ), daß ein Niederländer, Jhan, inLeipzig 1491 bis gegen 1506 gearbeitet habe, und daß in diesem vielleicht Jan Gossaert gen. Mabusezu erkennen sei. Die Behandlung des Ornaments, der Wolken und des Hintergrundes führen ihnzu diesem Schlüsse. In hohem Grade verwandt mit Tafel VI erscheint jedenfalls die künstlerischeAusstattung des Gebetbuches No. 1857 der Wiener Hofbibliothek 39 ), die von einem Schüler Mcm-lincs, vielleicht von Mabuse, herrührt, und Aehnlichkeiten bietet auch das berühmte Brevier Grimaniin Venedig, an dessen Herstellung Mabuse betheiligt gewesen ist. Tafel III von S. 1492, den heiligenNicolaus mit Buch, worauf drei Brode liegen 40 ), darstellend, ist Gurlitt ebenfalls geneigt, dem JanMabuse zuzuschreiben, obwohl sie an Feinheit der Ausführung der Darstellung auf Tafel VI nachsteht.
Die Frage nach dem Maler der Tafeln V, VII und VIII läßt Gurlitt offen. Nur die Wappen-figur auf Tafel V erinnert ihn an den niederländischen Maler. Tafel VIII zeigt eine größere Hin-neigung zu italienischen Formen. Die Tafel IV dagegen mit dem heiligen Johannes schreibt er wegender karrikirten Bewegung der Hände und der Plattfüßigkeit einem Leipziger Maler zu, dessen Namenicht bekannt ist, dessen Bilder aber häufig Vorkommen 41 ).
3. Poetische Beigaben. Zur weiteren Ausstattung der Inscriptionen gehören poetischeBeigaben des Rectors oder seiner Freunde. Wie es Ende des 15. Jahrhunderts Sitte wurde, lite-rarische Werke mit dichterischen Widmungen und Beiträgen von Freunden in die Welt zu senden,so durften auch nicht die Musen feiern, wenn es galt, das Reetorat eines Genossen zu verherrlichen.Da es aber den versgewandten Humanisten sehr schwer wurde, in Leipzig festen Fuß zu fassen, sohat es auch lange gedauert, bis die Matrikel mit poetischen Ergüssen geschmückt wurde. JohannesSturnus von Schmalkalden, der im W. 1510 von dem Rector Petrus Wirtli als poeta laureatus imma-trikulirt worden war, w r ar der erste Dichter, dem es gelang, seinen Versen in der Matrikel Aufnahme
36 ) Nach freundlicher Mittheilung an den Herausgeber.
80 ) Dem zweiten Bande dieser Ausgabe beigegeben.
37 ) Ueber ihn Corn. Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des König-reichs Sachsen, Heft 17 S. 23. Vergleiche dazu die Tafeln IV“, III“, III 1 ’, XII, ferner Heft lß S. 90 und Heft 15 S. 21.
3S ) Wiss. Beilage der Leipziger Ztg. 1895 No. 119.
3B ) Vergl. Woltmann-Woermann, Geschichte der Malerei II, 69.
40 ) Es sollten wenigstens Brode sein, aber der Maler hat Steine oder Goldklumpen dargestellt,
41 ) Siehe den Altar aus Gohlis im Dresdner Alterthumsmuseum, ferner Beschreibende DarstellungTafel I und II.