DIE HANDSCHRIFTEN UND IHRE AUSSTATTUNG.
XXV
Nocli sind Nicolaus Fabri im W. 1500, Peter Eysenbergk im S. 1503, Michael Rau imW. 1503, Sigismund Altmann im S. 1504, der crstere vor allem in A", die beiden nächsten dagegenin A', Sigismund Altmann in beiden Handschriften, auf künstlerische Ausschmückung ihrer In-scriptionen bedacht gewesen. Alsdann aber, sei es, daß es in Leipzig an den hierzu befähigtenKräften fehlte, sei es, daß die Rectoren die Kosten scheuten, tritt ein entschiedener Rückgang in derAusschmückung ein. Matthäus Ilennigk, Rector im W. 1505, legte bereits das Schwergewicht aufeine fast die ganze Seite füllende Ueberschrift in großen farbigen Buchstaben und gab damit ein Bei-spiel, das sehr bald in immer steigendem Maße Beifall gefunden hat. Aber sehen wir ah von ver-einzelten gut ausgeführten Wappen und Initialen, so zeigt sich überall Mangel an Geschmack undSorgfalt. Der tiefe Verfall, mit dem die große reformatorische und revolutionäre Bewegung von 1522an die Hochschule heinisuchte, hat auch in der Ausstattung der Matrikel unverwischbare Spurenzurückgelassen. Die Eintragungen werden flüchtiger geschrieben, die Columnentitel, ja die Ueber-schriftcn des Semesters zum Tlieil weggelassen. Wohl dachte noch mancher Rector sein Semesterdurch eine Initiale zieren zu lassen. Ein Platz wurde dafür bestimmt, aber er blieb zuletzt unaus-gefüllt. Und bezeichnend für die Verwilderung des Geschmackes ist, daß der Rector des S. 1530,Johannes Musler, sein Bedürfnis nach Ausschmückung seiner Inscriptionen mit dem Einkleben eineseolorirten rohen Holzschnittes in die Initiale zu befriedigen suchte. So gingen die beiden Exemplaredes ersten Bandes der Matrikel schmucklos, wie sie begonnen hatten, in schlichter, ja vernachlässigterAusstattung zu Ende.
Christian Pistorius, der als Rector im S. 1537 die beiden neuen Exemplare des zweitenBandes anlegen ließ, hat von vornherein eine glänzendere Form der Eintragungen in Aussicht ge-nommen. Die langsam sich vollziehende Erhellung der Universität aus dem Verfall war seiner Ab-sicht günstig. Er selbst ließ die Ueberschrift des Semesters in B' in kunstvollen großen Buchstaben,zum Tlieil in Goldschrift, in B" mit rother Farbe eintragen. Außerdem wurde auf seine Veranlassungin B" das die ganze Seite füllende Bild der Fortuna gemalt. Und als später im S. 1539 nochmalsdie Fasces der Hochschule an ihn übergingen, ließ er B" mit seinem Portrait und B' mit einer alle-gorischen Darstellung, in der er selbst wieder erscheint, schmücken. Es sind dies Bilder, die in derTechnik wie im Gegenstand weit von den bildlichen Darstellungen des ersten Matrikelbandesabweichen.
B' und B" zeichnen sich für die nächstfolgende Zeit, bis zum Jahre 1559, mit dem dieAusgabe der Matrikel schließt, in erster Linie durch schöne und sehr stattlich geschriebene Eingängezu den einzelnen Semestern aus. Wohl finden sich auch hier und da Wappen der Rectoren nebenden Einträgen, zum Tlieil sehr sauber entworfen, im Großen und Ganzen aber stehen B' und B'',was die künstlerische Ausstattung anbetrifft, in jenen Jahren hinter dem zurück, was die ver-gangene Zeit an Kunstwerken geschaffen hatte.
Die Frage, welchen Künstlern wir die Initialen zu verdanken haben, läßt sich leider nichtmit Sicherheit beantworten. Genannt hat sich allein bei dem Portrait des Christian Pistorius zudessen zweitem Rectorate S. 1539 in B" als Maler Christophorus Romanus, dem auch das gleich-zeitige Bildwerk in B' und ferner das Bild in B" zum S. 1537 zuzuweisen sein wird. Im Uebrigenhat keiner der Künstler seinen Namen angegeben, und ein solcher ergiebt sich auch nicht aus denRechnungen des Rectors im Rationarius fisci, da allem Anschein nach die künstlerische Aus-schmückung der Matrikel dem Rector und nicht der Universität zur Last fiel. Der Versuch, dieBilder bestimmten Meistern zuzuweisen, ist meines Wissens bisher noch nicht gemacht worden.G. W. Geyser 34 ), dem wir eine eingehende Beschreibung der Arbeiten verdanken, begnügt sich hin-sichtlich der Urheberschaft mit der Bemerkung, daß ein Tlieil von ihnen aus den Zellen der Mönche,
31 ) Geschichte der Malerei in Leipzig von frühester Zeit bis zu dem Jahre 1813 (Leipzig 1858) S. 3 ff.
COD. DIPL. SAX. II. 16. d