XXIV
EINLEITUNG.
Brauch entgegen, daß der Rector Ueberschrift des Semesters und Columnentitel in der Farbe seinerNation schreibt. Für eine rasche Orieutirung hatte die verschiedene Farbe der Ueberschriftcn ihrGutes. Leider haben nicht alle Rectoren Manenschyns Beispiel befolgt.
Petrus Seehausen, der mit Ausnahme von S. 1445 des Johannes von Brieg Abschrift bis zuseinem Rectorate fortsetzte, bewies auch darin seine liebevolle Sorgfalt für die Matrikel, daß erzuerst in A', das er allein als Original ansah, den Columnentitel in Goldschrift wiedergab. Dienächsten Rectoren, die in A' und A" gleichzeitig die Immatrikulirten eintrugen, aber die ursprüng-liche Matrikel sehr bald zu vernachlässigen begannen, begnügten sich im Ganzen mit der einfachenRubricirung. Die Neigung zu größerer Ausschmückung beginnt erst wieder mit Johannes Taymuth,der im W. 1457 in A" die Ueberschrift des Semesters roth, die der meißnischen Nation blau und denColumnentitel in roth und blau gab und die Ueberschrift außerdem mit einer kleinen rothen Initialezierte. Seitdem wurden diese beiden Farben häufiger neben einander verwendet, namentlich auchzur Herstellung kunstloser Initialen gebraucht. Den Kreis der Farben erweiterte im W. 1485 GregorWeßenigk, indem er in A' eine Initiale A in grün auf schwarzem Grunde gab, während A" die Initialein blau auf rothem Grunde aufweist. Seitdem wurde es Sitte, die Initiale A in Anno, womit die In-scription begann, in verschiedenfarbig abgetöntem, stilisirtem Blattwerk auf verschiedenfarbigemGrunde zu geben. Für die Füllung des Buchstabens verwendete man Gold, dessen allzugroßerGlanz durch ein darüber geworfenes leichtes gelbes Muster gemildert wurde. Selbstverständlichvermochte der Rector jetzt, wenn er eine prächtigere Ausstattung in Aussicht nahm, die Ueber-schrift nicht mehr seihst zu schreiben, sondern mußte diese Aufgabe einem Künstler überlassen. Zunoch reicherem Schmuck gab im W. 1487 Leonhard Pölner den Anstoß. Er zierte A" mit schönerInitiale und gab nicht nur die Semesterüberschrift in Gold, die Ueberschriften der Nationen in derenFarben und den Columnentitel in Gold auf hellviolettem Grunde, sondern fügte auch zur Inscriptionzuerst sein kunstvoll ausgeführtes Wappen. Wohl sind die folgenden Rectoren dem Beispiele Pölnersnicht sämmtlich gefolgt, aber das Streben nach würdiger, ja glänzender Ausstattung der Matrikelmacht sich doch fortan bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts geltend. Für die nächstfolgende Zeiterhalten daher auch A' und A", die jetzt unterschiedslos neben einander benutzt werden, einenkunsthistorischen Werth.
Wenceslaus Fabri, Rector im W. 1488, ging noch weiter als Leonhard Pölner. Bei seinen In-titulationen erscheint in A' in der Initiale zuerst eine bildliche Darstellung, der heilige Wenzel, aufGoldgrund, und ist auch die Ueberschrift in Gold geschrieben. Die nächsten Rectoren verwandtenzum Tlieil wieder weniger Mühe auf die äußere Ausstattung. Erst Martin Sporns Rectorat im S. 1491weist in der Initiale in guter Ausführung den heiligen Martin auf, wie er einem Bettler einen Tlieilseines Mantels überläßt. Es folgt dann im S. 1492 Nicolaus Kleinschmidt mit dem heiligen Nicolausin A" (Tafel III zu S. 388), im S. 1493 Pascha Alvensleben mit der Auferstehung Christi in A' undA", im W. 1494 Matthias Frauendienst in A' mit einem Heiligen in der Initiale und einer goldenenHausmarke in blauem Felde, wie sie fortan in den verschiedensten Formen häufig erscheint. Mit einerschönen Initiale hat in A' und A" auch Johannes Ruloff im S. 1495 seine Immatrikulationen geziert.Nachdem die nächsten Rectoren sich wieder größerer Einfachheit befleißigt hatten, schmückte JohannesBrunckow S. 1497 seine Eintragungen mit den zart ausgeführten Bildern Johannes des Täufers in A"und Johannes des Apostels in A' (siehe Tafel IV zu S. 418). Mit ihm wetteifern in der Aus-stattung von A" Jodocus Engerer im S. 1498 mit dem heiligen Jodocus (siehe Tafel V zu S. 422),Magnus Hundt im S. 1499 mit dem heiligen Mauritius (siehe Tafel VI zu S. 428), JohannesHennigk im W. 1499 mit der heiligen Katharina (siehe Tafel VII zu S. 431) und Georg Dottanius imS. 1500 mit dem heiligen Georg dem Drachentödter in der Initiale und Maria mit Christuskind undAnna am Schlüsse der Eintragungen (siehe Tafel VIII zu S. 436). A' ist während dieser Zeitnicht ganz schmucklos gelassen worden, aber der Schmuck beschränkt sich in der Regel nur aufeine zierlich ausgeführte Initiale.