Druckschrift 
1 (1895) Die Immatrikulationen von 1409 - 1559
Entstehung
Seite
XIX
Einzelbild herunterladen
 

DIE HANDSCHRIFTEN UND IHRE AUSSTATTUNG.

XIX

Hand bis Ostern 1455 enthält. Später, seit 1469, dient B als Kladde, aus der, allerdings unter aller-hand Veränderungen, A abgeschrieben worden ist 22 ). Auch in Frankfurt a/O. ist ein zweites Exemplarder Matrikel hergestellt worden, dessen erster Band, die Jahre 15061553 umfassend, verlorengegangen ist. Dies zweite Exemplar, auf Pergament geschrieben und sorgfältiger ausgestattet, dientezu Repräsentationszwecken 2 3 ).

In Leipzig war es der Rector des W. 1440 Johannes von Brieg, der das Bedürfnis fühlte,ein zweites Exemplar der Matrikel anzulegen. Aber nicht eine Prachtliandsclirift wollte er schaffen,vielmehr handelte es sich für ihn nur um eine Abschrift, die im Notlifalle das Original ersetzenkonnte. So ist A" entstanden, das jetzt nach manchen Wandelungen, denen es, wie A' unterworfenwurde, 286 Pergamentblätter von 31 cm Höhe und 21,5 cm Breite enthält.

Johannes von Brieg legte zunächst ein Convolut von zehn Lagen zu je acht Blättern an.Er selbst schrieb eigenhändig alle Inscriptionen von Gründung der Universität bis zu seinem Rccto-rate einschließ lieb ab (Bl. 546 der jetzigen Zählung). Aber sein Beispiel fand fiirs Erste keineNachfolge. Die nächsten Rectoren ersparten sich die Mühe der doppelten Eintragung, und erstJohannes Salista (S. 1445) benutzte neben A' auch wieder A", indem er acht Blätter und eine Seitefür die Immatrikulationen seiner Vorgänger frei ließ. Wieder ruhte dann die Matrikel A" bis zumW. 1455, in dem der damalige Rector Petrus Seehausen nicht nur seine Inscriptionen auch in A" ein-trug, sondern auch die von seinen Vorgängern nicht cingezeiclmeten Semester sämmtlich nachholte.Er hat sich dabei genau an die Absicht des Johannes von Brieg gehalten. A" sollte, wie der Mangelan Ausschmückung beweist, nur die Bedeutung einer einfachen Abschrift haben. Aber das Verhältnisder beiden Matrikeln zu einander änderte sich, wie wir sahen, schon vom W. 1457 au. Vielfachwurden die Eintragungen in A" sorgfältiger vorgenommen, ja es kam selbst vor, daß A' völlig un-beachtet blieb. Offenbar ließen die Rectoren völlig außer Acht, daß A" nur als Nebenexemplar dienensollte. Auch für eine Erweiterung von A'' mußte nun Sorge getragen werden. Zunächst war eine elfteLage von 8 Blättern, von denen eins ausgeschnitten wurde, angeheftet worden. Sie ging im S. 1463 mitBl. 91 zu Ende. Der Rector des W. 1463 Dionysius Flegk ließ daher zwei Lagen zu je 12 Blättern(Bl. 92114) anheften. Als im W. 1473 Leonhard Meseberg das Ende der Matrikel erreicht hatte,fügte Johannes Tolhopf eine neue Lage von 8 Blättern (115122) bei und schrieb hier die Namender Immatrikulirten ein, während er A' völlig vernachlässigte. Als nun auch diese Lage nur nochwenige freie Blätter aufwies, war es auch liier Lampert von dem Hocff, der im S. 1476 Ordnungschaffte. Wie er höchst wahrscheinlich in A' die letzten fehlenden Semester nachträglich eiuzeiclmenund A' erweitern ließ, so veranlaßte er es auch, daß an A" acht Lagen von je 10 Blättern (Bl. 123199)angeheftet wurden, von denen später bei den Eintragungen durch Ausschneiden einzelne in Wegfallkamen. Ziemlich zu gleicher Zeit wie in A' ging auch in A" der Raum wieder zu Ende. Daher ließMatthäus Ilennigk im W. 1505 noch zwölf Lagen, die vermuthlich sämmtlich 8 Blätter enthielten, aberspäter zum Thcil durch Ausschneiden um einige Blätter verkürzt wurden, anheften und dem Ganzeneinen festen Einband geben. Der Einband ist derselbe wie bei A'. Er besteht aus starken IIolz-deckeln, die mit gepreßtem dunklem Leder überzogen sind. Die Buckel wie die Beschläge des Ein-bandes sind noch vorhanden. Die Schließer dagegen sind abgerissen worden, nur die Metallösenlialien sich erhalten, in die die Schließer eingriffen. Sie weisen dieselbe Verzierung auf wie bei A'.Da die zu A" verwendeten Pergamentblätter etwas größer waren als die in A', der Buchbinder aberbemüht war, beiden Bänden annähernd dieselbe Größe zu geben, so ist A" schärfer beschnitten worden.Dabei haben namentlich die Colunmentitel Einbuße erlitten.

* 2 ) Ilorm. Weißenborn, Acten der Erfurter Universität (Halle 1881) 1, xvi.

23 ) E. Friedländer, Aoltere Universitätsmatrikeln I. Universität Frankfurt a/O. in den Puhl, aus denKönigl. Preuß. Staatsarchiven (Leipzig 1887) I, vn.