Deutschland.
Sei mir gegrüßt, mein Vater Rhein,
Wie ist es dir ergangen?
Ich habe oft an dich gedachtMit Sehnsucht und Verlangen.
So sprach ich, da Hort' ich im Wasser tiefGar seltsam grämliche Töne,
Wie Hüsteln eines alten Manns,Ein Brümmeln und weiches Gestöhnc:
„Willkommen, mein Jnnge, das ist mir lieb,Daß du mich nicht vergessen;
Seit dreizehn Jahren sah ich dich nicht,Mir ging es schlecht unterdessen.
„Zu Biberich Hab' ich Steine verschluckt,Wahrhaftig, sie schmeckten nicht lecker!
Doch schwerer liegen im Magen mirDie Verse von Niklas Becker.
„Er hat mich besungen, als ob ich nochDie reinste Jungfer wäre,
Die sich von niemand rauben läßtDas Krünzlein ihrer Ehre.
„Wenn ich es höre, das dumme Lied,
Dann macht' ich mir zerraufenDen weißen Bart, ich mochte fürwahrMich in mir selbst ersaufen!
„Daß ich keine reine Jungfer bin,Die Franzosen wissen es besser,
Sie haben mit meinem Wasser so oftVermischt ihr Siegergewässer.
„Das dumme Lied und der dumme Kerl'.Er hat mich schmählich blamie et,Gewissermaßen hat er mich auchPolitisch kompromittieret.
„Denn kehren jetzt die Franzosen zurück,So muß ich vor ihnen erröten,
Ich, der um ihre Rückkehr so oftMit Thränen zum Himmel gebeten.
„Ich habe sie immer so lieb gehabt,Die lieben kleinen Französchen —
Singen und springen sie noch wie sonst?Tragen noch weiße Höschen?
e's Werte. II. Bd. 13