Druckschrift 
3 (1900) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

Atta Troll,

Wie die Wasserstürze kreischten!

Wie der Wind die Tannen peitschte,Daß sie heulten! Plötzlich platztenAuch die Wolken — schlechtes Wetter!

In der kleinen Fischerhütte,

An dein Lae-de-Gobe fandenWir ein Obdach und Forellen;

Diese aber schmeckten köstlich.

In dem Polsterstuhle lehnte,

Krank und grau, der alte Fährmann.Seine beiden schönen Nichten,

Gleich zwei Engeln, pflegten seiner.

Dicke Engel, etwaS flämisch,Wie entsprungen aus dem RahmenEines Rubens: gvldne Locken,

Kerngesunde, klare Augen,

Grübchen in Zinuoberwangen,

Drin die Schalkheit heimlich kichert,

Und die Glieder stark und üppig,

Lust und Furcht zugleich erregend.

Hübsche, herzliche Geschöpfe,

Die sich köstlich disputierten:

Welcher Trank dem siechen OheimWohl am besten munden würde?

Reicht die eine ihm die SchaleMit gekochten Lindenblüten,

Dringt die andre auf ihn einMit Holunderblumen-Aufguß.

„Keins von beiden will ich saufen," —Rief der Alte ungeduldig —

„Holt mir Wein, daß ich den GästenEinen bessern Trunk kredenze!"

Ob es wirklich Wein gewesen,

WnS ich trank am Lac-de-Gobe,

Weiß ich nicht. In Braunschweig hätt' ichWohl geglaubt, es wäre Mumme.

Von dem besten schwarzen BocksfellWar der Schlauch; er stank vorzüglich.Doch der Alte trank so freudig,

Und er ward gesund und heiter.