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3 (1900) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
Seite
118
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113 Atta Troll.

faule Äpfel gedeihen bei uns in erfreulichster Fülle, und alle unseregroßen Dichter wußten davon ein Lied zu singen. Bei jener Emeute,wo ich Krone und Kopf verlieren sollte, verlor ich keins von beiden,und die absurden Anschuldigungen, womit man den Pöbel gegen michaufhetzte, sind seitdem, ohne daß ich mich zu einer Widerrede herab-zulassen brauchte, aufs kläglichste verschollen. Die Zeit übernahmmeine Rechtfertigung, und auch die respektiven deutschen Regierungen,ich muß es dankbar anerkennen, haben sich in dieser Beziehung ummich verdient gemacht. Die Verhaftsbefehle, die von der deutschenGrenze an auf jeder Station die Heimkehr deS Dichters mit Sehn-sucht erwarten, werden gehörig renoviert jedes Jahr, um die heiligeWcihnachtzeit, wenn an den Christbttumen die gemütlichen Lämpchenfunkeln. Wegen solcher Unsicherheit der Wege wird mir das Reisenin den deutschen Gauen schier verleidet, ich feiere deshalb meineWeihnachten in der Fremde, und werde auch in der Fremde, imExil, meine Tage beschließen. Die wackeren Kämpen für Licht undWahrheit, die mich der Wankelmütigkeit nnd des Knechtsinns be-schuldigten, gehen unterdessen im Vaterlande sehr sicher umher, alswohlbestallte Staatsdiencr, oder als Würdenträger einer Gilde, oderals Stammgäste eines Klubs, wo sie sich des Abends patriotisch er-gnicken am Rebensafte des Vater Rhein und an mcerumschlungenenschlcswig-hvlsteinschen Austern.

Ich habe oben mit besonderer Absicht angedeutet, in welcherPeriode der Atta Troll entstanden ist. Damals blühte die sogenanntepolitische Dichtkunst. Die Opposition, wie Rüge sagt, verkaufte ihrLeder und ward Poesie. Die Musen bekamen die strenge Weisung,sich hinsüro nicht mehr müßig und leichtfertig umherzutreiben, sondernin vaterländischen Dienst zu treten, etwa als Marketenderinnen derFreiheit oder als Wäscherinnen der christlich-germanischen Nationalität.Es erhub sich im deutschen Bardenhain ganz besonders jener vage,unfruchtbare Pathos, jener nutzlose EnthusiaSmuSdunst, der sich mitTodesverachtung in einen Ozean von Allgemeinheiten stürzte, undmich immer an den amerikanischen Matrosen erinnerte, welcher fürden General Jackson so überschwänglich begeistert war, daß er einstvon der Spitze eines MastbanmS ins Meer hinabsprang, indem erauSricf:Ich sterbe für den General Jackson!" Ja, obgleich wirDeutschen noch keine Flotte besaßen, so hatten wir doch scholl vieleMatrosen, die für den General Jackson starben, in Versen und inProsa. Das Talent war damals eine sehr mißliche Begabung, dennes brachte in Verdacht der Charakterlosigkeit. Die scheclsüchtige Impotenzhatte endlich nach tausendjährigem Nachgrübeln ihre große Waffe ge-funden gegen die übermütigen des Genius; sie fand nämlich dieAntithese von Talent und Charakter. Es war fast persönlich schmeichel-haft für die große Menge, wenn sie behaupten hörte: die braven