Zeitgedichte. 113
Da saß der arme Ulrich,
Sein Herz war wie gebrochen,
Er kiißte sein böses Liebchen,
Doch hat er kein Wort gesprochen.
Kitty.
1.
Augen, die ich längst vergessen,
Wollen wieder mich verstricken,
Wieder bin ich wie verzaubertVon des Mädchens sanften Blicken.
Ihre Lippen kiissen wiederMich in jene Zeit zunicke,
Wo ich schwamm des Awgs in Thorheit,Und des Nachts in vollem Glücke.
2.
Mir redet ein die Eitelkeit,
Daß du mich heimlich liebest;
Doch kliigre Einsicht flüstert mir,
Daß du nur Großmut übest;
Daß du den Mann zu wiird'ge» strebst,Den andre unterschätzen,
Daß du mir doppelt gütig bist,
Weil andre mich verletzen.
Du bist so hold, du bist so schön,So tröstlich ist dein Kosen!
Die Worte klingen wie Musik,
Und duften wie die Rosen.
Du bist mir wie ein hoher Stern,Der mich vom Himmel grüßet,
Und meine Erdennacht erhellt,
Und all mein Leid versüßet.
3.
Es glänzt so schön die sinkende Sonne,Doch schöner ist deiner Augen Schein.Das Abendrot und deine Augen,Sie strahlen mir traurig inS Herz hinein.Hcine'S Werke. II. Bd. 3