Neue Gedichte.
20.
Die Rose duftet — doch ob sie empfindetDas. was sie duftet, ob die NachtigallSelbst fühlt, was sich durch unsre Seele windetBei ihres Liedes süßem Wiederhall: —
Ich weiß es nicht. Doch macht uns gar verdrießlichDie Wahrheit oft! Und Ros' und Nachtigall,
Erlögen sie anch das Gefühl, ersprießlichWar' solche Lüge, wie in manchem Fall —
21.
Weil ich dich liebe, muß ich fliehendDein Antlitz meiden — zürne nicht!Wie paßt dein Antlitz, schön und blühend,Zu meinem traurigen Gesicht!
Weil ich dich liebe, wird so bläßlich,So elend mager mein Gesicht —Dn fändest mich am Ende häßlich —Ich will dich meiden — zürne nicht!
22.
Ich wandle unter Blumen,Und blühe selber mit;Ich wandle wie im Traume,Und schwanke bei jeden: Schritt.
O, halt mich fest, Geliebte!Vor LiebestrunkenheitFall' ich dir sonst zu Füßen,Und der Garten ist voller Lent'.
23.
Wie des Mondes Abbild zittertIn den wilden Meereswvgen,Und er selber still und sicherWandelt an dem Himmelsbogcn:
Also wandelst du, Geliebte,
Still und sicher, und es zittertNur dein Abbild mir im Herzen,Weil mein eignes Herz erschüttert.