Technik der Kartenfab rication auf die Erfin-dung der Buchdruckerkunst übergeführt ward*)^
Die Thciiung der Zunfrarbeiten fand in der Art statt,daß seitdem zwei Klassen von Künstlern auftraten: dieFormenschneider und die Briefmaler. Jeneschnitten die Formen in Holz, womit die üblichen Figurenauf die Karten gedruckt wurden; die Briefmaler aberbesorgten das Ausmalen der auf den Karten nur in Um-rissen abgedruckten Figuren, und führten ihren Namen,weil sie die Briefe, d. h. die Karten, fertig herstellten.
So einfach auch die Leistungen beider Künstlerklassenursprünglich seyn mochten, so natürlich war es doch auch,daß sie, als einmal ihre Producte beim großen Publicumeinheimisch geworden waren, den Absatz derselben dadurchimmer noch mehr zu steigern suchten, daß sie theils dieFiguren mit allerlei Zierrathen auszustatten, theils beimJlluminiren die buntesten Farben zu verwenden, unddurch deren Zusammenstellung dem Auge so viel Lust alsmöglich zu bewirken bemüht waren. Alles dieß aber konntenicht Platz ergreifen, ohne für die dabei übliche technischeHandhabung selbst einen ziemlich hohen Grad von Kunst-fertigkeit zu begründen, durch den der Uebergang diesesartistischen Erwerbszweigs in ein anderes höheres Gebietgewissermaaßen schon im Voraus eingeleitet ward.
Und dieser Uebergang geschah eben zum Besten derBuchdruckerkunst.
H Vergl. außer Breitkopf's bereits citirtem Versuch überden Ursprung der Spielkarten, auch den weit später (Leipzig 1600.4.)erschienenen, von I. Chr. Fr. Roch herausgegebenen zweitenBand dieses Werks, der ausschließlich den Ursprung der Holz-schneivekuust in Europa behandelt.