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Bader bis zum Auftreten Tichatscheck's den Ruhm des ersten Tenoristenin Deutschland und die volle Kraft und Frische seiner herrlichen Stimmebewahrte, die den Brustumfang zweier Oktaven besaß. Der Kunstenthn-siasmus der Berliner wetteiferte in Huldigungen schwärmerischer Be-geisterung fiir seine Lieblinge sowohl im Theater, wie im gesellschaftlichenVerkehr außerhalb der Bühne. Auch die fremden Gäste, welche damalsdie Residenz mit ihren Darstellungen erfreuten, wie der vielseitige KarlAugust Lebrun und die sonnig heitere Amalie Neumann, wurden nicht we-niger gefeiert, als die einheimischen Schauspieler und Sänger. Za, dieletztgenannte Dame, welche mit dem reizend natürlichsten Spiel auf denBrettern die Vorzüge einer junonischen Gestalt, einer angeborenen Grazieund der feinsten Bildung verband, wurde, wie Heine erzählt^), vomvielen Zuspruch ihrer Bewunderer so maßlos belästigt, dass ein krankerHerr, der neben ihr wohnte, endlich, um Ruhe vor all' den Menschen zufinden, die jeden Augenblick mit der Frage: „Wohnt Madame Neumannhier?" in sein Zimmer stürmten, die Notiz auf seine Thür schreiben ließ:„Hier wohnt Madame Neumann nicht." —
Dieser leidenschaftlichen Schwelgerei der Residenzbewohner in Koncert-und Theatcrgenüssen entsprach die prunkhafte Zerstreunngssucht des gesel-ligen Lebens. Wie mussts das bunte, geräuschvolle Treiben der vornehmenWelt, in die ihm hier zum ersten Male ein Blick vergönnt war, dem armenStudenten imponieren, der sich bisher nur im beschränkten Kreise seinerjüdischen Verwandten rmd im zwanglosen Verkehr einer Universitätsstadtbewegt hatte! Erscheint es ihm doch sogar der Mühe Werth, in einemKorrespondenzberichte aus der Hauptstadt zu erwähnen, dass die Fensterseines Logis mit rothseidenen Gardinen behangen seien! „Meine Woh-nung," schreibt er "°), „liegt zwischen lauter Fürsten- und Ministerhotels,und ich habe desshalb oft Abends nicht arbeiten können vor all dem Wagen-gerassel und Pferdegetrampel und Lärmen. Da war zuweilen die ganzeStraße gesperrt von lauter Equipagen; die unzähligen Laternchen derWagen beleuchteten die galonierten Rothröcke, die rufend und fluchend da-zwischen herumliefen, und aus den Beletagefenstern des Hotels, wo dieMusik rauschte, gössen krystallene Kronleuchter ihr freudiges Brillantlicht."Für die gespreizte Hohlheit und innere Leere dieser aristokratischen Ver-gnügungen bewies übrigens Heine ein scharfes Auge. Man lese z. B. dietreffende Charakteristik, welche er in den „Briefen aus Berlin" von dem