Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
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Blinken des Fallbeils der Guillotine gepredigt ward. Der patriarchalischeAbsolutismus, welcher sich auf den weich gepolsterten Thronstnhlen derdrei bis vier Dutzend deutscher Länder und Ländchen in behaglicher Sicher-heit wiegte, ließ sich's nicht träumen, wie bald seine Tage gezählt sein,und fremde Eroberer über sein Erbe als willkommene Sicgesbeute dasLoos werfen sollten. Selbst der nationale Gedanke der Einheit und Zu-sammengehörigkeit des Reiches, das geistige Band, welches ehemals dievielgliedrigen Stämme des germanischen Volkes umschlang, war seit demdreißigjährigen Religionskriege in brudermörderischem Wahnwitz gelockertund zersprengt worden das Pfeilbund lag auseinander gefallen in seineeinzelnen Stäbe, deren jeder leicht zu zerbrechen war, weil ihm das Ganzekeinen Schutz und Rückhalt mehr bot. Ein kräftiger Stoß, und das alters-schwache deutsche Reich sank zusammen wie ein Kartenhaus! Und wie dieBlätter eines Kartenspiels mischte Napoleon die niedergeworfenen Länder'und errichtete aus ihren mit Blut gekitteten Trümmern auf Kugeln undBajonettspitzen das großartig phantastische Gebäude seiner Universalmo-narchie. Aber die ihrem natürlichen Verband entrissenen, willkürlich zu-sammengefügten Bruchstücke besannen sich ihres gemeinsamen Lebens, dieErde bebte, die Kugeln kamen ins Rollen, die Bajonette zersplitterten, undwie unlängst der alte, krachte jetzt wieder der neue Bau nieder in denStaub. Abermals ein Rennen und Lausen, ein rathloses Köpfezusammen-stecken der Herrn Diplomaten, ein Schachern und Feilschen nm jedenFußbreit Landes, ein wirres Dnrcheinanderwnrfeln und Zerreißen der Na-tionalitäten, eine willkürliche Staatenkonstruktion, geflickt und geleimt ansProtokollen und Aktenfascikeln auf Kongressen und Konferenzen, ein neuespapierenes Kartenhaus, der deutsche Bund!

Wen mag es wundern, dass in solcher Zeit selbst unter den Bestendes Volkes die Thcilnähme am öffentlichen Leben gering war, und dasS sichletzteres hauptsächlich nur negativ - durch verachtungsvolle Abwendungder edelsten Talente von der politischen Misere in Kunst, Literaturund Wissenschaft spiegelte? Die napoleonische Herrschaft erdrückte jedenEinzelwillen und beugte mit unwiderstehlicher Kraft jedes der vorgefunde-nen Elemente einem und demselben Ziele zu, alles individuelle Leben wardaufgezehrt, der stolze Überwinder Europas allein machte mit seinen sieg-reichen Kohorten die äußere Geschichte der Zeit was blieb da noch demdeutscheu Geiste übrig, als sich aus den Händeln der Außenwelt, bei denen