Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
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Harry wieder da sei und gar schöne Verse dichten könne. Manches holdeNachbarkind machte ihm einen Willkommsbesnch, und bat ihn mit schel-mischem Errötheu nm einen Albuin- Spruch, und es sollen oftmals sehroriginelle Aperyus gewesen sein, mit denen er sich zur Erinnerung in dieStammbücher der jungen Damen einschrieb. Welchen Trost für sein Liebes-leid Harry aber vor Allem in dem milden Blick und theilnahmvollen Wortseiner Mutter fand, mögen uns die Sonette künden, in denen er so rüh-rend diesen besänftigenden Einfluss ihres festen, stillen, herzlichen Wesensgeschildert hat:

Ich bin's gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen,

Mein Sinn ist auch ein bischen starr und zähe;

Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe,

Ich würde nicht die Augen niederschlagen.

Doch, liebe Mutter, offen will ich's sagen:

Wie mächtig auch mein stolzer Muth sich blähe,

In deiner selig süßen, traute» NäheErgreift mich oft ein demuthvolles Zagen.

Ist es dein Geist, der heimlich mich bezwinget,

Dein hoher Geist, der Alles kühn durchdringet,

Und blitzend sieh zum Himmelslichte schwinget?

Quält mich Erinnerung, dass ich verübetSo manche That, die dir daS Herz betrübet,

Das schöne Herz, daS mich so sehr geliebet?

Im tollen Wahn hatt' ich dich einst verlassen,Ich wollte geh» die ganze Welt zu Ende,Und wollte sehn, ob ich die Liebe fände,Um liebevoll die Liebe zu umfassen.

Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,Vor jeder Thüre streckt ich aus die Hände,Und bettelte um gringe Liebesspende,

Doch lachend gab man mir nur kaltes Hasse».

Und immer irrte ich nach Liebe, immerNach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer,Und kehrte um nach Hause, krank und trübe.