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die Geliebte als das Weib eines Andern längst für den Dichter verlorenist; und der CyklnS „Die Heimkehr" zeigt uns, dass bei dem Wiedersehender Stätten, wo er einst mit ihr gewandelt, die alten Wunden mit er-neuter Gewalt wieder aufbrechen und sich nimmerdar schließen wollen. Eswechseln die Namen und Formen, unter denen er uns sein Weh vor die Seeleführt: heut ist's die bleiche Maria im Nebel Schottlands, die der gespen-stische William Ratcliff mit sich ins Reich des Todes hinunter reißt; mor-gen vermummt sie sich als Zuleima in das Gewand der christlich umge-tauften Manrin, und Almansor stürzt sich mit dem geraubten Liebchenden Felsen hinab; ein andermal nennt sie sich Donna Clara, und ladetden unseligen Ramiro zum Tanz auf ihrer Hochzeit ein; dann wiederkommt sie zu ihm im Traume der Nacht, und gesteht ihm, dass sie un-säglich elend sei, oder sie blickt ihn in ferner, fremder Stadt ans eineinalten Bilde Giorgione's mit den Zügen der todten Maria an. Baldgrüßt er sie „Evelina" und schwelgt in dem Wohllaut des süßen NamcnS,bald schreibt er mit leichtem Rohr in den Sand oder mit der in denÄtna getauchten Riesentanne Norwegs an die dunkle Himmelsdecke: „Ag-nes, ich liebe dich!" und selbst in den Fiebertränmen seines langjährigenSterbelagers in Paris taucht das Bild der Zugendgcliebten vor ihm aus,und zwinkert ihn an mit den meergrünen Nixenaugen seines MühmchcnsOttilie. Aber ob Agnes, Zuleima oder Donna Clara, Maria, Evelinaoder Ottilie: unter allen Vermummnngen birgt sich dieselbe Gestalt, das„Engclsköpfchen auf Rheinwcingoldgrund", das tranlich und lieblich imRömerglase sich wiederspiegelt, das blasse, stille Mädchen, das tief untenam Fenster des hochgegiebelten, menschenleeren Hauses der verschollenenMeerstadt sitzt!
Mit zartester Diskretion hat H. Heine es selbst in Privatbriefen anfeine vertrautesten Freunde ängstlich vermieden, jemals den wirklichen Namendieser Zugend geliebten zu nennen, die eine so hervorragende Rolle in seinemLebensdrama spielt. Die Angabe Steinmann's, welcher den Liebesromannach Düsseldorf verlegt, dass sie Evelina von Geldern geheißen habe undeine Nichte von Harry'S Mutter gewesen sei, entbehrt jeder Wahrheit. Wirwollen den poetischen Schleier, mit welchem der Dichter dies Herzcnsge-heimniS umwoben hat, nicht zur Befriedigung einer müßigen Neugier zer-reißen, und nur so Viel aus zuverlässiger Quelle mittheilcn, dass die Ge-