geworden, es war zuweilen mein Lieblingswunsch, ich konnte es aber niedazu bringen. Ich habe es früh eingesehen, dass den Bankiers einmal dieWeltherrschaft anheimfalle".
In der That erklärt es sich leicht, dass der junge Heine aus Frankfurtkeine allzu freundlichen Erinnerungen mit hinwegnahm. Nicht allein dasmerkantilische Geschäftsleben, dem er sich gegen seine Neigung widmensollte, war ihm bei dem ersten Einblick in die Details seines aufgedrun-genen Berufes sofort gründlich verhasst geworden, sondern auch die ver-achtete und gedruckte Stellung seiner Glanbensgenossen zeigte sich ihmtagtäglich im grellsten Lichte. Noch zu Anfang dieses Zahrhunderts warendie Frankfurter Anden wie eine aussätzige Pariahkaste in ein Ghetto ein-gepfercht; nirgends wo ein grüner Nanm war, weder ans dem Schneide-wall, noch im „Ross", noch ans dem Römerberg oder in der Allee, durftesich ein Znde betreffen lassen; jeden Sonntagnachmittag um vier Uhrwurden die Thore der Audengasse geschlossen, und der Wachtposten ließhöchstens Denjenigen passieren, der einen Brief zur Post oder ein Receptin die Apotheke trug. Alljährlich durften nur viernndzwanzig Bekennerdes mosaischen Glaubens Heirathen, damit die jüdische Bevölkerung nichtin zu starkem Maß anwachse, und erst die französische Herrschaft hatte diesenrechtlosen Zuständen mittelalterlicher Unduldsamkeit ein Ende gemacht. Diejüdische Gemeinde von Frankfurt schloss im Fahre 1810 mit dem FürstenPrimas einen Bertrag, welcher durch Zahlung von 450,000 Gulden rea-lisirt ward und den Israeliten den Besitz aller Rechte zusicherte. Aber dieBefreiung der Stadt durch die verbündeten Heere brachte den Anden diealte Knechtschaft zurück; der Senat entzog ihnen alsbald wieder das thenererkaufte Bürgerrecht, und vergebens wandten sie sich im Fahre 1815 miteiner Rechtsklage an den neu eingesetzten Bundestag, der erst nach nenn-jährigen Verhandlungen die Anerkennung eines Theils ihrer Ansprüche ver-mittelte.
Mehr als einmal hat der Dichter nachmals der Erinnerung an dieLeiden und Verfolgungen, welche seine Stammesgenossen in Frankfurt zuerdulden gehabt, den beredtesten Ausdruck verliehen wir verweisen vorAllem auf die Schilderung des Ghettos im „Rabbi von Bacharach" —und als im Zähre 1821 die Frankfurter ein Goethe-Denkmal errichtenwollten, inachte er seinem ungemilderten Hasse gegen das „Krämernest" ineinem geharnischten Sonette Luft, das mit den beißenden Worten schloss