13
zöstsche Herrschaft den meisten der Bewohner des Rheinlandes kaum als einUnglück, oder höchstens als eine vorübergehende Kalamität, und Napoleonmar ihnen das gewaltige Werkzeug, dessen sich die Vorsehung bediente, umeine bessere Zukunft herauszuführen.
Die Wirkung dieser Einflüsse ans die Knabenzeit H. Heine's kannnicht scharf genug betont werden, wenn man zu einer gerechten Würdigungseiner Entwicklung und seiner nachmaligen schriftstellerischen Thätigkeit ge-langen will. Um so weniger dürfen wir dies Moment außer Acht lassen,als er selbst den höchsten Werth darauf legt, und jene Einflüsse der fran-zösischen Zeit im Buche „Im Ernnä" mit unübertrefflicher Lebensfrischegeschildert hat. Es unterliegt keinem Zweifel, dass vor Allem der früh-zeitig innige Verkehr mit den kecken und beweglichen Elementen der fran-zösischen Nationalität ihm selbst jene bewegliche Kühnheit und Sicherheit,vielleicht auch ein gut Theil jener Grazie verlieh, womit er das Schwertwider die alte Gesellschaft erhob. Andererseits wurden durch diesen Ver-kehr aber nicht minder in der jungen Seele des Knaben die ersten Keimezu jener schillernden Leichtfertigkeit des Charakters gelegt, welche den Ernstseiner Überzeugung späterhin oftmals in so zweifelhaftem Lichte erscheinenließ.
Wir haben schon erwähnt, dass sein Vater ein enthusiastischer Bewun-derer Napoleon's war. „Wollte Gott, wir hätten ihn noch!" seufzte er, alsin den Tagen der Restauration von seinen Hamburger Verwandten auf denKaiser und Dessen Generäle gescholten ward, und dann wandte er sich anHarry, der bei Davoust'S, des Prinzen von Eckmühl, Rückkehr nach Frankreichauf der Rheinfähre mit Demselben französisch gesprochen: „Sage mal, Harry!war er nicht ein liebenswürdiger Mensch?" — Für die jüdische FamilieHeines gewann außerdem die französische Zeit noch eine besondere Bedeu-tung. Napoleon, der zu Rekruten Alles gebrauchen konnte, was eine Waffezu führen im Stander war, hatte den Anfang gemacht, die Enden den Chri-sten gleichzustellen; er muffte in ihren Augen also fast wie ein Messias er-scheinen, der das tausendjährige Zoch bürgerlicher und politischer Knecht-schaft von ihnen abnahm, und ihnen die vorenthaltenen Menschenrechte zu-rückgab. In Preußen gelangten die Enden erst am 1l. März 1812, nach-dem Hardenberg Staatskanzler geworden war, in den Besitz bürgerlicherRechte, — eine Vergünstigung, die ihnen nach Beendigung des Befreiungs-kampfes, in dessen Schlachten sie wacker mitgefochten, rasch wieder verkürzt