Druckschrift 
1 (1867)
Entstehung
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VII
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VII

Wohl ist es vielleicht noch zu früh, eine nach allen Richtungenvollständige Schilderung des Lebens und Wirkens von Heinrich Heinezu unternehmen. Noch enthält die Familie des Dichters in klein-herziger Beschränktheit die von ihm hinterlassenen Memoiren, Ge-dichte, Briefe und manche sonstigen Zeugnisse seines Strebens demPublikum vor, und Alles, was sie demselben seit elf Jahren statt dererwarteten Geistesschätze geboten hat, beschränkt sich auf ein Dutzendunordentlich durcheinander gewürfelter Anekdoten in den Spalteneines Unterhaltungsblatts. Dennoch glaube ich, dass die äußereGeschichte des Lebens, das ich darzustellen versuchte, nicht allzu viel'erhebliche Lücken ausweisen wird. Selbst über die Kindheitsjahre desDichters, über welche bis jetzt wenig Zuverlässiges bekannt war, sindmir durch noch lebende Jugendgenossen Heine's werthvolle Mit-theilungen zugeflossen, und fast nur die Zeit seines Komptoirlebensin Frankfurt und Hamburg bleibt in ein gewisses Dunkel gehüllt,das schwerlich jemals ganz aufgehellt werden wird.

Mit ernstlicherer Sorge erfüllt mich die Frage, ob es mir ge-lungen ist, die inneren Bezüge des Dichters und seiner Werke zuden literarischen, politischen und socialen Kämpfen seiner Zeit überallin das rechte Licht zu stellen. Diese Kämpfe sind zum größten Theilebis auf den heutigen Tag nicht beendet, das letzte Wort in ihnensoll erst gesprochen werden, und künstigen Geschlechtern bleibt es vor-behalten, ein abschließend parteiloses klrtheil über ihren Werth fürdie Geschichte der Menschheit zu fällen. Einstweilen muffte jedochder Versuch gemacht werden, die Stellung, welche Heinrich Heinezu den großen Fragen des Jahrhunderts einnimmt, nach bester Ein-sicht und mit gewissenhafter Benutzung des vorliegenden Materials klarzu bestimmen, möge diese Stellung nun im einzelnen Fall einerichtige oder falsche gewesen sein. Auf dem jetzigen Standpunkte derGeschichtschreibung genügt es nicht mehr, durch anekdotische Mittei-lung der äußeren Lebensumstände eines Schriftstellers gleichsam dieschwarze Silhouette seines Bildes in die leere Luft zu zeichnenich halte mich daher überzeugt, dass die breitere Ausmalung des