VI
männlich ernstes, verständiges Geschlecht, das mit harter Arbeit sichselber sein Schicksal schmiedet, das mit scharfem, klarem Blicke denGesetzen der Völkerwohlfahrt nachspürt, das die trotzigen Naturkräftein den Dienst des Menschen zwingt, und in der Verfolgung nütz-licher, praktisch erreichbarer Zwecke von Tag zu Tag einem glück-volleren Dasein entgegenschreitet. Was haben wir noch zu schaffenmit dem stillen Schläfer im Kirchhofsgrund, dessen Zeit vorüber ist,und der seinen dornendurchflochtenen Lorber mit in das Grab hin-unter nahm?
So fragen die prahlerischen Lobredner der Gegenwart, und ver-gessen des Dankes, den sie den Männern der Idee schuldig sind,die dem heutigen Geschlechte den Weg bereitet haben. Sie vergessen,dass die schmerzliche Klage über die Ungerechtigkeit und Verderbtheitder staatlichen und gesellschaftlichen,Einrichtungen zuerst der Mensch-heit all ihr Leid zum Bewusstsein brachte, und dadurch jene gefühls-und verstandesklare Unzufriedenheit erschuf, die sich nicht wieder zurRuhe begeben kann, bis eine bessere Grundlage des politischen undsocialen Gebäudes errungen ist. Sie vergessen, dass jenes satirischeGelächter, gleich den Trompeten von Jericho, die Zwingburg des Ab-solutismus und die Mauern der gothischen Dome erschütterte, hinterdenen die rohe Gewalt und die lichtscheue Dummheit sich verschanzten.Sie vergessen, dass die hehren Ideale, die stolzen Träume und Hoff-nungen von einem Auferstehungsmorgen der Menschheit, den Herzender Besten und Edelsten jenen lebensfreudigen Todesmuth einsenkten,der das zeitliche Glück des eignen Daseins unbedenklich dahinopfert,um der ewigen Idee zum Siege zu verhelfen. Sie rühmen sichihres hohen Standpunkts, und vergessen, dass ihr Blick nur desshalbeinen so weiten Horizont überschaut, weil sie auf den Schultern ihrerVäter stehn. '
«solches Unrecht zurückweisend, möchten wir einen Bruchtheildes Dankes der realistischen Gegenwart gegen die idealistische Ver-gangenheit, aus der sie hervorgeblüht, abtragen durch das vorlie-gende Buch.