Druckschrift 
2 (1867)
Entstehung
Seite
185
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Güttingen, den 18. Mai 17!)S.

Verehrungswerther Freund!

^in hiesiger gelehrter Jude, Namens Amschel, wird Ihnen einMemorial mit einein Briefe zugeschickt haben, worin er sich aufeine Empfehlung von mir bezieht. Eigentlich sollte meine Em-pfehlung das Memorial begleiten, und ich wartete also auf das-selbe, und stehe, nun schickt er es unmittelbar an Sie undglaubte, ich würde mit derselben Post schreiben. Alles dieses er-fahre ich erst heute. Ich thue also was ich kann und was ichversprochen habe.

Ich weiß, Ew. Wohlgebor, lieben das Volk Gottes nicht,so wenig als Ihr gehorsamer Diener. Aber dieser Mensch istwahrlich eine Ausnahme. Er ist ein Mensch von kaltem Bluteund sehr feinem Bemerkungsgeist, auch hat er das Accessit bei2 Preisfragen hier erhallen, und bei der letzten verlor er denHauptpreis aus einer seltsamen Ursache; weil sein Aufsatz zuweitlauftig war, auch vielleicht, weil man das Volk Gottesnicht liebt, (dieses unter uns). Der Mensch, wenn er ange-stellt werden könnte, würde für Weniges diene», er will bloßlernen und verlangt nicht mehr als bloß nur nicht zu verhun-gern. Er ist aus Bonn und nun ganz von seiner Vaterstadtabgeschnitten. Er ginge gern nach Haus, das müßte aber überBasel geschehen, wozu er das Geld nicht hat, und doch könntedieses leicht eine Reise von einem Vierteljahre werden. An un-gewöhnlicher Begünstigung hat es ihm auch hier seiner Ta-lente wegen nicht gefehlt. Er hat als Jude hier einen Freitischgehabt, welches gewiß ein seltener Fall ist, und wobei ihm