Druckschrift 
2 (1819)
Entstehung
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Gesammtheit des geistig gesellschaftlichen Lebens tief ein-greifenden sittlichen Sinn gewinnen, so bald sie sich cnt-schliessen können, mit umsichtiger Vollständigkeit und mitstrengem Ernste zu untersuchen, was unsere Buhne wirk-lich ist und was sie in Beziehung auf Volksbildung scyttkann und soll. Dagegen wollen wir unbedenklich der Wahr-heit die Ehre geben und redlich eingestehen, daß die zurGestaltung einer Nativnalbühnc crfoderiiche, ihr leben-diges Daseyn bestimmende allgemeinere Bildung in Teutsch-land noch nicht vorhanden ist, sondern erhofft, ersehnt,von Allen, welche nicht durch feindselige Selbstsucht undeitle Vornehmthuerey verblendet sind, erstrebt wird unddurch Beachtung reicher Erfahrungen und der heiligstenMenschlichkeitsgcfühle gefördert werden soll. Es ist dochwohl keine ideale Ueberspannung zu nennen, wenn wirfür unsere Bühne in Anspruch nehmen, was bey anderenVölkern der neueren Zeit an eine allgemeiner vorherrschendeStimmung, an ein der vaterländischen Gemüthswelt cigen-thümliches Gefühl erinnert; aber freilich wird die vonVielen einseitig überschätzte Weltbürgerlichkeit unserer Na-tionallitteratur die Verwirklichung dieser Fodcrung sehr er-schweren. Die Geschichte unserer Bühne und die der ita-liänischcn haben in dieser Hinsicht einige Aehnlichkeit; imfortwährenden Kampfe des Einheimischen mit dem Frem-den, alten und neuen, kann sie zu keinem selbstständigcnDaseyn gelangen; sie schwebet in immer schwankender Be-weglichkeit, dcmüthig abhängig von vielen gebieterischenGläubigern und vermag demnach nicht, zu einem, seinesEigenthums gewissen wohlgeordneten Hauswesen zu gedei-hen. Dem, was in unserem Drama dem Volke gehöretund sein Leben berührt, wird in wenigen Gegenden dessüdlichen Teutschlands ein kärgliches Daseyn gefristet;

Wachler'!! Vorlesungen sr THN 17