Druckschrift 
1 (1818)
Entstehung
Seite
119
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geistige Kraft achten und übten dieselbe; regten seinNachdenken an und federten ihn zu Betrachtungen auf.Da der Stoff des Meistergesanges meist ans der Bibelentlehnt wurde, so halfen sie die religiösen Ansichtenläutern nnd führten die Aufmerksamkeit hin auf Höheres.Sie gewöhnten eben so sehr an freyes Selbstgefühl als angesetzmäßige Zucht und Ordnungsliebe, Die Mutter-sprache wurde geehrt und gewann Reinheit und Festigkeitim täglichen Leben, eignete sich auch fortschreitend mehrzu schriftstellerischer Veredelung. Wer unbefangen dießalles zusammenfasset, wird in der Behauptung nichtsUebcrlriebcnes finden, dafi diese zünftige Kunstanstaltendie reifere Empfänglichkeit für Geistesfreyheit im teut-schen Volke vorbereitet und den Anbruch einer vollständi-geren Entwickelnngszeit gefördert haben. Eine genügendegeschichtliche Darstellung der Meistersängercp wird nochvermißt. Nach Cyriac Spangenberg's und Joh.Christoph Wagenseil's reichhaltigen Stoff-Samm-lungen hat I. H. Häßleiu (in Bragur B.3.) eineschatzbare Uebersicht gegeben; sie zeuget von Einsicht,Liebe und Gerechtigkeit, womit die in vaterländischesVolkswescn so tief eingreifende Erscheinung aufgefaßtworden ist. Doch macht sie eine genauer in Einzelnheiteueindringende und die jezt zugänglicheren handschriftlichenVorrathe prüfend benutzende Bearbeitung keincswcgeSüberflüssig; sie würde um so verdienstlicher seyn, je mehrsie sich durch strenge Auswahl und verständige Ermäßi-gung des fast erdrückend überreichen Stoffes auszeich-nete. Der handschriftlichen Sammlungen von Meister-gedichtcu giebt es in ganz Teutschland verstreut, einekaum übersehbare Menge; viele derselben sind unbedeu-tend und äußerst karge Ausbeute gewährend. Die vor-