1t
Kette von Knnsterfahrungen und Genußüberliefcrungcndurch alles Littcraturwesen der jüngeren gebildeten Völ-ker bis auf unsere Tage hin, eine Kette, deren lezterRing an Griechenlands unsterbliches Frühlingslebeu befe-stiget ist. Selbst die bedeutendsten Veränderungen imGlauben und sittlichen Gefühl haben dieses lange, vonZeit zu Zeit verjüngt-kräftigere Fortwirken einmal ange-regter und bis zu gewisser Höhe und Reife ausgebildeterKräfte und Strebungcn nicht hemmen, viel weniger ver-nichten können. Europens Völker haben in der, ihremFortschreiten zu höherer gesellschaftlicher Ausbildung undgeistiger Regsamkeit förderlichen entscheidenden Zeit, mitHintansetzung, oft mit Aufopferung ausschließlich unter-scheidender Eigenthümlichkcit, sich dem Muttergesctze desklassischen Altcrthums in strengerem oder milderem Sinucunterworfen. Was dieser Umwandelung ihres Kunststre-bens vorausgegangen war, mußte größeren Theiles alsveraltet und nicht mehr zeitgemäs zurücktreten; wenigesdavon behauptete sich durch überwiegende innere Treflich-keit; das ungleich mchrste schien aus geschichtlichen Werthbeschränkt zu werden. Seltene Geister in Italien, Spa-nien und England versöhnten und verschmolzen die alteZeit mit der neuen, und gaben dieser einen Ruhmglanz,welcher alle Nachbildung ausschließet.
Die nähere Anwendung dieser Andeutungen aufTeutschland bleibet der folgenden Vorlesung vorbe-halten.