Druckschrift 
Theil 2 (1837)
Entstehung
Seite
326
Einzelbild herunterladen
 

326

gnügcn meinen Rosenkranz, der aus Olivenkernen vonGethsemani bestand. Sie nahmen das Kruzifix wahr,das ich immer bcy mir trage. Als sie erfuhren, daßes auf jeder der heiligen Stellen gelegen sey, nahmensie es, brachten es mit dem Gefühle einer rührendenFrömmigkeit an die Lippen und legten mir mehrereFragen über heilige Gegenstande vor, die ich mich zubeantworten beeilte. Der Gegenstand der Unterhal-tung war beynahe beständig die unendliche Güte JesuChristi, seine Liebe zu uns, sein Leiden u. d. gl. Siehörten mit einer frommen Aufmerksamkeit die Einzeln-heiten an, die mein langer Aufenthalt in Jerusalemund meine Ausflüge in die Umgebungen ihnen zugeben mir gestatteten.

Am Tage vor meiner Abreise wurde eine Streit-sache vor Butros gebracht, der in seiner Eigenschaft alsScheik den größten Thcil der Streitigkeiten schlichtet,die unter den Bewohnern seines Bezirkes entstehen.Ich war anwesend und Zeuge eines Vorganges, derden Geist der Sanftmuth, der Mäßigung und derNachsicht, welcher sein ganzes Benehmen leitet, hin-länglich bezeichnet. Es handelte sich um einen Esel,der ihm vor vier Jahren gestohlen worden war, undd>en seine Leute unter jenen wieder erkannt zu habenbehaupteten, welche einige Beduinen mit sich führten,die den Libanon durchzogen. Die Beduinen wurdenverhaftet und mit dem Esel vor den Scheik geführt.Ich weiß nicht, ob die Anzeige aus Liebe und Eiferfür die Gerechtigkeit, oder blos deswegen geschehen ist,