Druckschrift 
Theil 2 (1837)
Entstehung
Seite
158
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mein lieber Karl! Allem Anscheine nach wird meinnächster Brief nicht mehr aus Jerusalem seyn. MeineAugen werden naß, mein Herz seufzt.

Noch einmal, leben Sie wohl!

Sechsunddreylßigster Brief.

Jaffa den i». Mal l8,;z>

Ich hatte meine Abreise von Jerusalem auf den 7.dieses Monats festgesetzt, mein lieber Karl! und ichkonnte nicht ohne schmerzliche Empfindungen darandenken. Mein Herz hat niemals gegen irgend einenGegenstand eine so innige Zuneigung gehabt, als gegendiese unglückliche Stadt, und keiner hat je so lebhaftenEindruck auf mich gemacht. Der Geizige liebt seinenSchatz, der Gatte seine Gattin, die zärtlichste Mutterihren Erstgebornen nicht mehr, als ich Jerusalem liebe.Die süßesten Tage meines Lebens habe ich dort, inBethlehem und in Judäa zugebracht. Wenn ich vomheftigen Negcn ganz durchnäßt, von Kälte erstarrt, mitKoth bedeckt über den Bach Cedron ging, oder keuchend,voll Staub und Schweiß, durch die Sonne gebrannt,und der Beschwerde erliegend, mehrmal in der Wocheden Oelberg erklimmte, da fühlte ich mich weit glück-licher, als ich es in meinen Gemächern war, umgebenvon allem, was den Sinnen schmeicheln kann, weituns mit lauter Stimme zurief. Ich ritt vor, und