Dieser gute Schelk hat sechs Kinder, zwey Söhneund vier Töchter. Ich hatte letztere und ihre Mutternoch nicht gesehen; sie bleiben beständig im Innerndes Hauses eingeschlossen und verschleyern sich mit dergrößten Sorgfalt, wenn sie in die Kirche gehen. DerSchcik aber glaubte mir, als einem Religiösen die Ehreerweisen zu müssen, mich ihnen vorzustellen. Ein alterBewohner des Berges, der ein wenig französisch sprach,war mein Dolmetscher. Die Damen empfingen michmit großer Achtung. Als ich eintrat, grüßten sie michehrerbietig und küßten mir die Hand. Sie warenganz gleich mit einem Rocke von blauem Kasimir be-kleidet, der mit Silber gestickt war. Kaum saß ich aufdem Divan, als mich die ältere der Töchter ganz miteinem Schleyer bedeckte, unter welchen sie ein Nauch-pfännchcn mit wohlriechenden Gegenständen brachte,aus dem ein äußerst angenehmer Geruch emporstieg.Zuletzt begoß sie mich mit Rosenwasser, und zwar mitsolcher Verschwendung, daß ich, niedergedrückt von derHitze und bcy bloßem Kopfe, wie ich war, eine großeBeklemmung fühlt?. Stellen Sie sich, wenn Siekönnen, meine Verlegenheit vor, um die Anstrengungen,die ich machte, mich einer so sonderbaren Ceremoniezu entziehen, mit der Höflichkeit zu vereinbaren. Dochumsonst, ich mußte mich ihr unterwerfen.
Nachdem ich begoßen war, brachte man mir aufeinem kleinen Tische Konfekt und Kaffee. Mein An-zug war für die Damen augenscheinlich ein Gegenstandder Neugierde; sie betrachteten besonders mit Ver-