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Es war unter den Hebräern eine sehr alte Sitte,besondere und allgemeine Unglücksfälle, den Tod derKönige, Fürsten, Krieger, Helden, oder die empfind-lichen Geißeln, mit denen Gott die Städte und dasVolk der Juden strafte, in Traucrliedern zu beklagen-Man findet bey den Propheten mehrere Beyspiele da-von; es ist so gar selten, daß auf die Ankündigung derUebel, mit denen sie die Völker bedrohen, nicht eineArt von Klage- oder Traucrgesängen über das Schick-sal derjenigen gefolgt ist, auf welche die Strafen desHimmels sich herabstürzen sollten. Aber durch dieSchwere der Uebel, welche er andeutet oder vorhersagt,durch die Trostlosigkeit, welche er ausdrückt, durch dieLebhaftigkeit und Kraft seiner Klagen, durch die gefühl-volle Weise, welche das geringste seiner Worte belebt,durch die Schönheit und Großartigkeit der Bilder, durchdie Wahrheit der Gemählde, durch das Mitleiden, dieFrömmigkeit, den Schrecken, die Hoffnung, welche sieeinflößen, verschafft sich Jeremias, mehr als alle andernPropheten Eingang in die Seele, rührt, erschüttert,erweicht, überwältigt, demüthiget, erhebt, tröstet sie,und ohne eines jener sinnreichen Mittel anzuwenden,welche die Kunst darbietet, und die weniger das Talentdes Menschen, als seine Schwäche verrathen, zwingter sie auf eine gewisse Art ihm überall Hinzufolgen, oderdie Begeisterung reißt ihn selbst fort und läßt ihn alledie Zustände, alle Lagen empfinden, durch welche dergöttliche Geist sie führt, dessen Stimme er ist.
Wenn dieß der Fall ist, so urtheilen Sie selbst, mein