73
sich die Schlachtbänke befinden. In diesem Theile, dereiner der schmutzigsten der Stadt ist, versammeln sichdie Juden zur Ausübung ihrer Religion. Mein Dol-metscher versicherte mich im Dahingehen, daß es denJuden unter schwerer Strafe, ja selbst unter Todes-strafe verboten scy, bey der Kirche des heiligen Grabesvorüber zu gehen, eine Behauptung, welcher ich ganzund gar keinen Glauben schenkte.
Bis zur Zerstörung Jerusalems durch Titus warder Tempel immer der Hauptsitz des jüdischen Gottes-dienstes; nichts desto wenigergab es in der Stadt zahl-reiche Bethäuser unter dem Namen Synagogen, wodas Volk betete, die heiligen Bücher vorlesen odererklären hörte, und verschiedene Unterweisungen em-pfing. Zur Zeit Jesu Christi zählte man deren, einigenSchriftstellern zufolge, 460. Heut zu Tage besteht nurnoch eine dieser Synagogen, welche für die berühmtestealler gilt, die es auf der Welt gibt. Seit langer Zeitschon hatte ich den Wunsch, diese berühmte Synagogezu sehen; gestern habe ich endlich meine Neugierde indieser Beziehung befriedigen können.
Brym Eintritte überraschte mich der erbärmlicheund eckelhafte Anblick eines Gebetortes, welcher be-stimmt ist, eine so große Anzahl von Juden aufzu-nehmen, die aus allen Theilen der Welt hieher kom-men. Er ist, wenn man ihm diesen Namen gebendarf, ein weites Gebäude von Holz, welches in mehrereabgesonderte Plätze abgetheilt ist, die theils ohne Dach,theils aber bedeckt sind. In der Mitte steht ein schlech-
yttise nach Tcrul'alrin, 11, zzd. 4