Druckschrift 
Theil 2 (1837)
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

trotz dem, daß ich sehr ermüdet war, konnte ich dochnicht einschlafen. Der Schlaf floh vor dem Gedanken,der mich ganz und gar einnahm, daß ich mich in Jericho,nicht weit vom Jordan und vom todten Meere befand.Meine Einbildungskraft beschäftigte mich, gleichsam alswenn ich das israelitische Heer, von den Priestern undder Wundeslade gefolgt, gesehen hatte, wie es um dieStadt zog; ich hörte gleichsam den Schall der Trom-peten, das durch den Einsturz der Mauern verursachteGetöse, und das Siegesgeschrcy der Soldaten des Jo-sua. Dann rührten noch die elenden Hütten, die vondem Punkte aus gesehen, von dem ich sie betrachtete,sich kaum über den Boden zu erheben schienen, meineSeele, indem ich mich an den Fluch erinnerte, welchender Sieger ausstieß, und das vor Augen hatte, wasvon den Städten übrig bleibt, die Gott verflucht hat.

Um drcy Uhr stieg ich hinab. Der anbrechendeTag mußte für mich einer der merkwürdigsten seyn,die ich im heiligen Lande zubrachte; ich war im Be-griffe, ihn der Betrachtung der Orte zu widmen, welchefür immer in der heiligen Geschichte berühmt sind, undjeder verlorne Augenblick war ein Raub an meinerreligiösen Neugierde verübt.

Um vier und ein halb Uhr waren wir alle zuPferde. Der Aga von Jericho, mit einer Lanze be-waffnet, begleitete uns. Wir ritten schweigend aufeiner sandigen Ebene hin, an deren Rand sich dieSonne majestätisch über die Berge des wüsten Ara-biens erhob, und Ströme blendenden Lichtes ergoß.

2'