57
günstigt ist, gibt es Haushaltungen, wo der Mann unddie Frau miteinander kein anderes Kleidungsstück ha-ben, als ein schmutziges, grobes Hemd von blauer Lein-wand. Wenn eines von beyden ausgehen muß , sobekleidet es sich damit, und das andere bleibt zurückauf dem Stroh liegend, oder in einem Winkel desschlechten Hauses verborgen. Nackte Kinder irren hierund da herum, sie nahen sich den Fremden ohne Scham,und scheinen von dem, was Scham ist, gar keine Bor-stellung zu haben. In diesem Zustande sprechen siemit Ihnen, belästigen Sie, und nehmen Ihre Mild-thätigkeit in Anspruch. Die reichlichen, die unermeß-lichen Aerntcn, mit welchen der Himmel diese Felderauf eine verschwenderische Weise bedeckt, gehören denennicht, die sie bebauen, die sie mit ihrem Schweiße be-fruchten; für sie ist hier nichts vorhanden. Ich saheinige von diesen Unglücklichen, die, wie die Thiere,bald hier und bald dort ihr Futter suchten, wie dieseGras verzehrten, und sich glücklich schätzten, wenn siesich nur daran satt essen konnten. Es gibt nur eineneinzigen Eigenthümer im Lande, dieser ist MehemetAli; er hat alles an sich gerissen, Männer, Weiber,Kinder, Leben, Geld, Güter, — er verfügt über Alles;Alles ist ein Opfer seines Despotismus, Alles mußseinen riesenhaften Planen dienen, wann und wie erimmer will. Wenig kümmert ihn das Elend der-jenigen, die unter seiner Tyranney seufzen; er sieht esmit trocknem Auge. Ungerührt, ohne Mitleiden, ohneReue betrachtet er die Menge der Unglücklichen, der