45
Francos, eos videlicet, quos consuetudo Salios appellavit, ausos olini inRomano solo apud Toxandriam locuin habitacula sibi figere praelicenterläßt vielleicht darauf schließen, daß ihnen der Name nicht schon in denUrsitzen, sondern erst bei der Westwanderung znkam. Interessant istauch die Nachricht bei Sulpicius Alexander für das Jahr 392: Arbogastistransgressus Rlienum Bricteros (= Bructeros), ripae proximos, pagumetiam, quem Chamavi vocant, depopulatus est, nullo umquam occursante,nisi quod pauci ex Ampsivariis et Chatis (vielmehr Cathuaris zu lesen!)Marcomere duce in ulterioribus collium iugis apparuere (Riese, S. 334),ein Gegenstück zu dem Zuge Julians 360, der bei Xanten den Rhein über-schritt und regionem subito pacavit Franconum quos Atthuarios (= Ca-thuarios) vocant (Ammian XX, 10,- I f.; vgl. Bonn. Jahrb. 122, S. 174).Annnian berichtet: „Er drang plötzlich in das Gebiet der Franken ein,die man Atthuarier (= Cathuarier) nennt, unruhige Menschen, die nochimmer zügellos die Grenzstriche Galliens durchstreifen. Er griff sieplötzlich an, die keine Feindseligkeit besorgten und allzu sicher waren,weil die schlechte Gangbarkeit der steinigen Wege ein Hindernis warund deshalb bis zu diesem Tage ihre Gaue seit Menschengedenken keinKaiser betreten hatte, und überwand sie mit leichter Mühe. Gefangenwurden sehr viele und getötet; den anderen Überlebenden gewährte erauf ihre Bitten Frieden nach seinem Ermessen, so wie er es für diebenachbarten (römischen) Grundbesitzer für nützlich hielt.“ Es ist diesdie einzige Stelle, wo Ammian über die Unternehmungen der Römer amNiederrhein ausführlicher wird. Bie gefangenen Atthuarier wurdenübrigens in der Gegend von Langres als Laeti angesiedelt, wo bis indas XII. Jahrh. ein pagus Attoariorum bezeugt ist. Daß das Verhältnisder fränkischen Stämme zu den Römern ein ganz ähnliches wie zwischenRömern und den zuletzt besiegten Alamannen war, erhellt nicht nur ausden Schriftstellernotizen, sondern auch aus der M i 1 i t ä r a u s h e b u n g ,wie sie uns durch die notitia dignitatum überliefert ist. Da begegnenSalii iuniores und seniores, ein numerus Zaliorum (Riese Nr. 1940 a,Schmidt II, S. 447), eine ala I Francorum, coh. VII Francorum unddie XI. Kohorte der Chamaven, eine Bestätigung, wie stark dieses Volkneben den Bructeri, Ampsivarii, Divitenses (seniores und Gallicani),Tubantes usw. im Frankenbund vertreten war. Die legiones R i p a -rienses (not. or. 36, 1; vgl. Germania III, S. 39), die Legionen längsdes Rheinufers, wie schon in Tacitus Germania kurz ripa gesagt ist,zeigen, daß im IV. Jahrh. dieser Ausdruck geläufig war und daß wohlauch Ripuarii den gleichen Sinn hat. Der Name F r a n c i, F r a n c o n e s(-— ahd. Franchen, germ. franka) bedeutet nach der älteren Erklärungdie Mutigen, Raschen und träfe eine charakteristische Seite ihres Wesens,während nach F. Kauffmann die Volksfreiheit betont ist der Neusiedlergegenüber den Provinzialen. Der Name Ripuarier, nach A. Riese,Germ. III, 1919, S. 38 f., vielmehr I^ibuarier zu schreiben, hätte nach
4