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gehobener Kultur an. Wenn auch die Alamannen, als bisherige Jägerund Viehzüchter, weniger Gewicht auf schöne Städte und intensivenFeldbau legten, so traten die christlichen Burgunden und die ihrem Bei-spiel bald folgenden Franken mehr in die Fußtapfen der Römer. Undalle diese germanischen Stämme brachten eine unverbrauchte und un-verdorbene Volkskraft mit, die großen Aufgaben gewachsen war. IhreStärke lag allerdings weniger in der formalen Begabung der Römer alsin einer tiefen ethischen Beanlagung; sie wurzelte nicht in einer Sinnen-,sondern in einer üesinmmgskultur. In Recht und Sitte, in der Innigkeitvon Gottesglauben und Menschentreue, in der Reinheit der Familie unddes Flauses huldigten sie ganz anderen Anschauungen als die sittenver-dorbenen Römer, wenn auch die Kriegsgreuel der Völkerwanderungszeit,der Familienzwist der Herrscher und die nie aufhörendeu Stammes-fehden manches unerfreuliche Bild bieten. Burch zu starke Betonungdes Individualismus seitens der Einzelnen wie der Stämme und durchdie Vernachlässigung des antiken Schönheitsideals kamen zunächst zwarnur langsame Fortschritte in staatsmännischer wie kultureller Hinsichtzustande, doch gelang es alsbald dem strafferen Organisationsgeschickder karolingischen Führer und der aufopfernden Begeisterungsfähigkeitder Kirche, die beide bewußt auf die Antike zurückgriffen, einen nachVerfassung wie nach Gesittung auf der Höhe stehenden, ja in vielenBingen die anderen Länder iibertreffeuden Einheitsstaat zu gründen,der einem großen Teil von Europa die Gesetze gebot, ln jenen Tagen,als Karl der Große mit seinen Paladinen zu Aachen, Ingelheim oder Wormsweilte und den Bestrebungen der Kirche, Volkswirtschaft, Kunst undWissenschaft das größte Verständnis entgegenbrachte, da begannwiederum eine glückliche Zeit für die Rheinlande, wie zur Blütezeit derRömerherrschaft.
Bie Überlieferung nimmt nunmehr eine andere Form an undbeschränkt sich nicht mehr auf die wenigen Schriftstellerangaben unddie Bodenfunde, sondern sie erfährt in mancherlei Urkunden, Gesetzen,Ortsnamen usw. eine wesentliche Bereicherung gegenüber der früherenZeit. Oennoch behalten die B o d e n a 11 e r t ii m e r immer noch ihre große,die Literatur ergänzende Bedeutung. Vor allem ist es der Boden selbst,der mit seinen zahlreichen Siedelungsresten, mit seiner verschiedenenBewirtschaftungsweise und Flureinteilung, mit seinen uralten Wegen undBenennungen die großartigste Urkunde darstellt, die man bisher leidernoch nicht genügend zum Sprechen gebracht hat. Gerade durch Gegen-überstellung der Bodenausweise und der Schriftüberlieferung hoffen wiraber manche neuen Ergebnisse erzielen zu können. Bie Beziehung derReihengräber zu den heutigen Dörfern, vor allem zu ihren ältestenKirchen, die Größe und Form der Gemarkungen, die Lage gegenüberden Römerstätten und Römerstraßen, die Flur- und Ortsnamen eröffnentiefe Einblicke in das Verhalten der Alamannen und Franken zu den