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Kirchengeschichte
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360
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360 KonstantinuS u. Licinius. Jahr Christus 319. Silvester.

Wozu soll ich seine Neuerungen in Betreff der Heirathen oder derSterbenden herzählen, Neuerungen, wodurch er die alten, trefflich undweise abgefaßten Gesetze der Römer abzuschaffen sich herausnahm unddagegen einige barbarische, grausame und in der That ungesetzmäßigeund gesetzwidrige Gesetze einführte? Er erfand überdies; tausenderlei Titelvon Auflagen, (1) mancherlei Stenern an Gold und Silber und wieder-holte Ausmessungen der Felder zum Nachtheil der von ihm beherrschtenProvinzen und suchte sogar von Leuten auf dem Lande, die nicht mehram Leben, sondern schon längst gestorben waren, einen höchst drückendenGewinn. Wozu soll ich die Landesverweisungen erzählen, welche dieserMenschenfeind über völlig Unschuldige verhängte, wozu die Verhaftungenverschiedener Männer von Stand und Ansehen, denen er ihre jungenFrauen entriß und sie einigen garstigen Dienern als Werkzeuge schnöderLust übergab, wozu erzählen, mit wie vielen verheiratheten Frauen undJungfrauen er, ein Mann im höchsten Alter, (2) noch seinen Mnthwillentrieb und seine unmäßige« Begierden sättigte wozu, sage ich, sollich dieß Alles der Länge nach erzählen, da das Ausschweifende seinerletzten Thaten machte, daß die erster» nur als geringfügig und als nichtserscheinen ? Denn zuletzt ging er in seinem Wahnsinn sogar so weit, daßer sich an die Bischöfe machte, weil er sie als die Diener deö allmächtigenGottes für Gegner seiner Unternehmungen ansah. Er machte sich indeßnoch nicht offen an sie ans Furcht vor dem mächtigern Konstantinns, son-dern nur heimlicher und hinterlistiger Weise, und ließ die vorzüglichstenvon ihnen durch Nachstellungen von Seiten seiner Statthalter ans demWege räumen. Die Art und Weise aber, wie er sie umbringen ließ, wareine ganz neue und bisher noch nicht erhörte. Was er aber bei Amaseaund den übrigen Städten von Pontns verübte, übersteigt alles Uebermaßvon Grausamkeit. Er ließ daselbst die Kirchen Gottes theils von Neuem

(1) Du Valois hat einige Stellen aus dem Aurelius Viktor und Libanius angeführt,worin gesagt wird^, daß Licinius den Landlcuten sehr zugcthan gewesen und daß die Städteunter ihm sehr geblüht hätten. Ich muß noch hinzufügen, daß Zosimus gerade dasselbevon Konstantin erzählt und noch weit ärgere Gclderprcssungen ihm beilegt, als Eusebiusdem Licinius.Er erschöpfte schreibt er im 38sten Kapitel des 2tcn Buches, unauf-hörlich die kaiserlichen Einkünfte durch Schenkungen, welche er unnützen und unwürdigenLeuten gab und nannte seine Verschwendung bei denselben Freigebigkeit. Dagegen drückteer die Kontribuenten. Er legte den Kauflcuten im ganzen Reich und sogar den ärmstenKrämern in den Städten eine Kontribution an Gold und Silber auf. So oft das jedes-malige vierte Jahr herannahte, sah man nichts als Weinen und Wehcklagen in allenStädten. Und wenn die Zeit selbst kam, so wurden Geißel und Folter bei denen gebraucht,die aus Armuth nichts geben konnten. Eltern ließen ihre Töchter schänden, um nur vondem Gewinn den Steuereinnehmern den Tribut bezahlen zu können lc." In Ansehungder Verschwendung des Konstantinus bezeugt auch Aurelius Viktor dasselbe. Ich gebegerne zu, daß Josimus aus Abneigung gegen Konstantinus die Sache übertrieben, habeauch die Stelle nicht in der Absicht angeführt, um dengottgelicbten Kaiser" anzuschwärzen,allein muß man denn auf der andern Seite dem eben so einseitigen und offenbar parteiischenEusebius gerade Alles glauben? Hieraufhabe ich die Leser aufmerksam machen wollen, das»fie die zwischen Eusebius und Zosimus in der Mitte liegende Wahrheit selbst suchen.

Stroth.

(2) Auch dieß ist mit rhetorischer Freiheit übertrieben. Licinius war um diese Zeitungefähr 55 Jahre alt. Valesius.