EnsLNtu s') Bischofs von Cäsarea, Airchengetchichte. Zum crstcumul vollständig übersetzt » mit Rnmerkungen und dem Losten des Verfassers von August Clofi. 183S Vertag der Fr. N r o d l> a g' sch c» N » ch l> a n d t u n g in Stuttgart. / Inhalt. Erstes Buch. Seite Vorrede Leben und Schriften des Eusebius I.Kauptst. Inhalt des Wertes 1 2. >, Summarische Vorstellung von der Präcristeuz und Gottheit unsers Erlösers und Herrn Jesus Christus . z 3. „ Der Name Jesus und Christus selbst ist schon vormals bekannt und bei den gottbcgcistcrtcn Propheten in Achtung gewesen . . . 8 4. >, Die von ihm allen Völkern gepredigte Religion war weder neu, noch fremd 11 5. „ Von der Zeit der Erscheinung Christi auf Erden 13 «>. Wie um die Zeit der Erscheinung Christi, den Aussprüchen der Propheten gemäß, die Ncgicrnngsfolgc der einheimische» Fürsten bei dem jüdischen Volke aufgehört und wie Herodcs, der erste Ausländer, König desselben gewesen 15 7. >, Von der vermeintlichen Verschiedenheit der Evangelien in Betreff des Geschlcchtsrcgistcrs Christi 17 8. >» Von der Grausamkeit des Herodcs gegen die Kinder und was für ein Ende er genommen 20 9. Von den Zeiten des Pilatus 23 10. Von den Hohenpriestern der Inden, unter welchen Christus sein Lehramt verwaltet 24 t l. >» Zeugnisse von Johannes dem Täufer und von Christus . . . 25 12. ,» Von den Jüngern unsers Erlösers .... .... 27 13. » Erzählung von dem Fürsten der Edcssencr 28 Zweites Buch. Vorrede 32 1. Von der Anordnung der Apostel nach der Himmelfahrt Christi . . 33 2. Wie Tiberius gestimmt worden, als er von Pilatus erfahren, was mit Christus vorgefallen 35 3. Wie die Lehre von Christus in kurzer Zeit in der ganze» Welt sich verbreitet ......... 37 4. Wie Kajus nach dem Tode des Tiberius den Agrippa zum König der Juden macht und den Herodcs mit immerwährender Verbannung bestraft 38 II Seite 5.Ha»ptst. Wie Philo für die Juden cinc Gesandtschaft a» Kajus über- iioinincn hat 38 6. „ Was für Unfälle dicJudcn nach dem Frevel wider Christus betroffen 40 „ Wie sich Pilatus selbst entleibt 41 8. Von der Hungersnvth unter Klaudius 41 S. „ Der Märtprertod des Apostels Jakobus 42 tv. » Wie Agrippa, auch Hcrodes genannt/ nach der Verfolgung der Apostel sogleich die göttliche Strafe empfunden 42 lt. Von dem Betrüger Thcudas und seinem Anhange 44 12. » Von Helena, der Königin der Osroencr 46 13. Von Simon dem Magier und einer andern Helena 46 14. ^ Von der Predigt des Apostels Petrus in Rom 43 1 5. / Von dem Evangelium des Markus 49 16. ?? Wie zucrstMarkus den Aegpptiern die Lehre Christi gepredigt . . 49 17. » Was Philo von den Asketen in Aegypten erzählt 50 18. ,> Was für Schriften des Philo auf uns gekommen sind .... 54 10. Was für ein Unglück die Juden zu Jerusalem am Tage des Paffah getroffen ... 55 20. „ Was unter Nero zu Jerusalem vorgefallen ....... 56 21. » Von dem Acgppticr, dessen auch die Apostelgeschichte gedenkt . . 57 22. i> Wie Paulus aus Judäa in Fesseln nach Rom geschickt und nach seiner Verantwortung von aller Schuld freigesprochen worden ist 57 23. „ Wie Jakvbus, welcher ein Bruder des Herrn heißt, den Märtprertod erlitten hat 59 24. „ Wie nach Markus Annianus der erste Bischof der Gemeinde zu Alexandria geworden 62 25. Von der Verfolgung unter Nero, in welcher Pctrus und Paulus zu Rom nnt dem Märtpr.crthum für die Religion geschmückt worden 62 26. „ Wie dicJudcn von unzähligen Drangsalen heimgesucht worden und wie sie den letzten Krieg gegen die Römer angefangen . . . 64 Drittes Buch. 1. In was für Gegenden der Erde die Apostel Christum verkündigt 64 2. Wer zuerst der römischen Kirche vorgestanden 65 3. Von den Briefen der Apostel 65 4. Von der ersten Nachfolge der Apostel 66 I. Von der letzten Belagerung Jerusalems nach den Zeiten Christi 68 6. Von der Hungersnvth, welche die Juden bedrängte.... 69 7. Von den Vorhcrsagungeu Christi 74 8. Von den Zeichen vor dem Kriege 75 9. Von Joscphus und seinen hinterlassen«! Schriften 77 10. » Wie Joscphus der göttlichen Bücher gedenkt 78 11. Wie nach Jakobus Spmcou Bischof der Gemeinde zu Jerusalem geworden 79 12. Wie Vespasianus die Nachkommen Davids aufzusuchen befohlen 79 13. Wie Anenklctus zweiter Bischof von Rom geworden .... 80 14. Wie Abilius zweiter Bischof von Alexandrien geworden . . 80 15. >» Wie Klemens dritter Btschof von Rom geworden 80 16. Von dem Briefe des Klemens . 80 17. Won der Verfolgung unter Domitianus ..... kl . . 81 HZ Seite 18. Kar ntst. Von dem Apostel Johannes und der Offenbarung LI 19. Wie Domitianus die vom Gcschlechte Davids umzubringen befohlen 82 20. Von den Verwandten unscrs Erlösers 82 21. Wie Eerdo als dritter Bischof der Gemeinde zu Alexandrien vorgestanden 83 22. Wie Ignatius zweiter Bischof von Antiochien gewesen .... 84 23. Erzählung von dem Apostel Johannes 84 24. Von der Ordnung der Evangelien . 86 25. Von den allgemein angenommenen göttlichen Schriften und von denen / welche dieses nicht sind . . 89 26. Von dem Betrüger Menandcr 90 27. Von der Ketzerei der Ebionäcr . 91 28. Von dem Erzkctzer Ecrinthns 92 29. Von Nikolaus und der nach ihm genannten Sekte 94 30. Von den Aposteln / welche im Ehestände gelebt ...... 95 31. Von dem Tode des Johannes und Philippus ...... 95 32. Wie Spmeon / Bischof von Jerusalem/ den Märtprcrtod erlitten 96 33. Wie Trajanus die Christen aufzusuchen verboten 98 34n Wie Evarcstus vierter Bischof der römischen Gemeinde gewesen 100 35. Wie Justus als dritter Bischof der Gemeinde zu Jerusalem vorsteht 100 36. Von Ignatius und seinen Briefen 101 37. Von den noch damals berühmten Evangelisten 103 38. Von dem Briefe des Klemens und von den ihm fälschlich zugeschriebenen Schriften 104 39. Von den Schriften des Papias 105 Viertes Buch. 1. „ Was für Bischöfe unter der Regierung des Trajanus zu Rom und Alexandrien gewesen 108 2. >, Was die Juden unter Trajanus betroffen 108 I. „ Von denen / welche unter der Regierung des, Adrianns Schntz- schriften für den Glauben verfaßt haben 109 4. ,> Was für Bischöfe in Rom und Alexandrien unter diesem Kaiser gewesen 110 5. „ Was für Bischöfe in Jerusalem von den Zeiten des Erlösers an bis auf den Kaiser Adrianns gewesen 110 0. „ Die letzte Uebcrwältigung der Juden unter Adrianns . . . . 111 7. „ Was für Urheber der fälschlich sogenannten Erkenntnis damals gewesen 112 8. >, Was für Kirchenschriftsteller damals gewesen 116 9. » Brief des Adrianns/ daß man nicht ungehörtcr Sache wider uns verfahren solle 117 10. >, Was für Bischöfe unter der Regierung des Antoninus zu Rom und Alexandrien gewesen 118 11. » Von den Sektcnstiftcrn der damaligen Zeiten .113 12. „ Von der Schutzschrift des Jnstinus an Antoninus 120 13. >, Schreiben des Kaisers Antoninus an die Landcsvcrsammlung von Asien in Betreff unseres Glaubens 121 lt. „ Was von Polpkarpus, dem Schüler der Apostel, erzählt wird 122 13. „ Wie unter Berns Polpkarpus nebst andern den Märtvrcrtod in der Stadt Smprna erlitten 123 ZV Seite 16-Nauptst. Wie Justinus, der Philosoph, in der Stadt Rom die Lehre Christi gepredigt und ein Märtyrer geworden 130 17. >, Von den Märtyrern, welcher Justinus in seiner Schrift gedenkt 132 18. » Was fiir Schriften des Justinns auf uns gekommen .... 134 10. >, Was für Bischöfe unter der Regierung des Berus den Gemeinden zn Rom und Alexandrien vorgestanden 136 2V. >, Welche der Gemeinde zu Antiochien 136 21. „ Von den Kirchenschriftstcllcrn, welche zu dieser Zeit hervorgeleuchtet 136 22. „ Bon Hcgcsippus und verschiedene Nachrichten, die er gibt . . 137 23. „ Von Dionysius, Bischof von Korinth, und den Briefen, die er geschrieben 139 24. „ Von Thcophilus, dem Bischof von Antiochien 141 25. >, Von Philippus und Modestus 142 26. Von Mclito und den verschiedenen aus ihm genommenen Sachen 142 27. >> Von Apollinaris, dem Bischof der Gemeinde zu Hierapolis . . 145 28. „ Von Musanus und seinen Schriften. . . ' 145 29. „ Von der Sekte des Tatianus .145 30. „ Von dem Syrer Bardesanes und den ihm beigelegten Schriften 147 Fünftes Buch. Vorrede 147 1. >, Wie viele unter der Regierung des Berus in Gallien den Kampf für die Religion gekämpft und auf welche Art .... 148 2. >, Wie die gottgelicbtcn Märtyrer gegen die in der Verfolgung Gefallenen srenndschaftlich und hülfreich sich bezeigt ... 159 3. » Was für eine Erscheinung der Märtyrer Malus imTraum gehabt 160 4. Wie die Märtyrer den Jrenäus schriftlich empfohlen . . . . 161 5. „ Wie Gott das Gebet der Unsrigen erhört und dem Kaiser Markus Aurclius vom Himmel herab Regen gesandt 162 6. „ Vcrzcichniß der Bischöfe zu Rom 164 7. Wie noch bis auf die damaligen Zeiten durch die Gläubigen Wundcrthaten verrichtet worden 165 8. ,, Wie Jrenäus der heiligen Bücher Meldung thut 166 9. » Was für Bischöfe unter Kommodus gewesen 168 10. „ Von dem Philosophen Pantänus 168 11. „ Von Klemens von Alexandrien 163 12. „ Bon den Bischöfen zu Jerusalem 170 13. Von Nhodon und der Nichtübereinstimmung der Marcioniten, deren er gedenkt 170 14. >, Von den falschen Propheten der Kataphrygier 172 15. „ Von der durch Blastns zu Rom vcranlaßtcn Spaltung . . . 172 16. „ Was von Montanas und seinen falschen Propheten erzählt wird 173 17. » Von Miltiadcs und seinen Schriften ........ 177 18. » Wie auch Apollonius die Kataphrygier widerlegt und was er sonst berichtet >78 19. „ Serapions Urtheil von der Ketzerei der Phrygicr ..... 180 2V. >> Wie Jrenäus wider die Schismatiker zu Rom geschrieben . . . 181 21. » Wie Apollonius zu Rom ein Märtyrer geworden ..... 183 22. >, Welche Bischöfe zu dieser Zeit berühmt gewesen 184 23. - „ Aon der damals in Anregung gebrachten Pafsahfragc .... 134 24. „ Von der Mißhelligkcit in Asien .......... 185 25.Hauptst. Wie Alle in Betreff des PassahS einen einstimmigen Schluß gefaßt . . . . > Was für Proben von der guten Denkungsart des Irenaus wir noch haben Was für Schriften wir auch noch von den übrigen damals blühenden Männern haben Von den ersten Anhängern der Ketzerei des Artcmon- wie ihr Charakter beschaffen gewesen und wie sie sich die heilige Schrift zu verfälschen unterwundcn Sechstes Buch. 26. 27. 28. V Seite tS8 163 189 189 1. Von der Verfolgung unter Severus 193 2. » Von der Unterweisung des OrigeneS in seiner Jugend .... 193 3. » Wie Origencs noch sehr jung schon das göttliche Wort gelehrt 195 4. >» Wie viele von den Schülern des OrigeneS Märtyrer geworden 197 5. >» Von Potamiäna 193 6. » Von Klemens von Alexandrien 199 7. » Von dem Schriftsteller JudaS 199 8. » Von der kühnen That des OrigeneS 200 9. Von den Wundern des Narcifsus 201 lv. „ Von den Bischöfen zu Jerusalem 202 11. >» Von Alexander 203 12. Von Serapion und seinen noch vorhandenen Schriften . . . 204 13. Von den Schriften des Klemens 205 14. Wie vieler Bücher der heiligen Schrift Klemens erwähnt . . . 206 15. » Von Heraklas 208 16. Welchen Fleiß Origencs auf die heilige Schrift verwandt . . . 203 17. » Von dem Ucbcrsetzcr Spmmachus 209 18. „ Von Ambrosius '210 19. „ Zeugnisse von OrigeneS 210 20. Welche Schriften von damals lebenden Verfassern noch jetzt vorhanden sind 214 21. » Was für Bischöfe zu der damaligen Zeit berühmt gewesen . . 215 22. » Welche Schriften des Hippolptus auf »ns gekommen .... 216 23. » Von dem Flciße des Origencs und wie er die Würde eines Presbyters in der Kirche erlangt 216 24. » Was für Auslegungen Origencs zu Alexandrien geschrieben . 217 25. Wie Origencs der kanonischen Bücher Meldung thut .... 218 26. Wie Heraklas das Bisthum zu Alexandrien überkommen . . . 220 27. In welchem Ansehen Origencs bei den Bischöfen gestanden . . 221 28. » Von der Verfolgung unter Maximinus 221 29. Von Fabianus, wie er von Gott auf eine wunderbare Weise zum römischen Bischof erklärt worden 222 30. Von den Schülern des Origencs 222 31. Von Afrikanns 223 32. Welche Auslegungen Origencs zu Cäsarea in Palästina geschrieben 223 33. „ Von dem Jrrthume des Beryllus 224 34. Von dem Kaiser Philippus 225 35. Wie Dionysius der Nachfolger des HcraklaS im BiSthum geworden 225 VI Seite 36.Hauptft. Was für Schriften Origcncs sonst noch ausgearbeitet . . . . 225 37. „ Von der Uneinigkeit der Araber 226 38. » Von der Ketzerei der Hclkesaitcn 226 39. „ Von der Verfolgung unter Dccins und was Origcncs gelitten . . 227 40. „ Von dem, was sich mit Dionysius zugetragen 228 41. „ Von denen, welche zu Alexandrien selbst Märtyrer geworden . . 230 42. >, Was Dionysius weiter erzählt 233 43. „ Von Novatus, seinem Charakter und seiner Sekte 235 44. „ Die Erzählung des Dionpsius von Serapion 240 45. „ Trief des Dionysius an Novatus 241 46. „ , Von den andern Briefen des Dionysius 241 Siebeutes Buch. Vorrede 242 1. „ Von der schlechten Handlungsweise des Decins und Gallus . . 242 2'. Was für Bischöfe damals zu Rom gewesen 243 3. „ Wie Cyprianus nebst den ihm anhängenden Bischöfen zuerst der Meinung gewesen, daß man diejenigen, welche von ketzerischem Jrrthnm zurückkehrten, durch die Taufe reinigen müsse. . . 243 4. „ Wie viel Briefe Dionpsius hierüber geschrieben 244 5. „ Von dem Frieden nach der Verfolgung 244 6. « Von der Ketzerei des Sabcllius .......... 245 7. „ Von dem höchst vcrabschcnnngswürdigcn Jrrthum der Ketzer, und der dem Dionpsius von Gott gewordenen Erscheinung, so wie von der Äirchcnrcgel, die er überliefert bekommen .... 246 8. » Von dem Irrglauben des Novatus 247 9. „ Von der gottlosen Taufe der Ketzer 247 10. >> Von Valcrianus und der Verfolgung unter ihm ..... 249 11. „ Von dem, was damals dem Dionpsius und den Christen in Aegypten begegnet ' . 251 12. >> Von denen, die zu Cäsarea in Palästina Märtyrer geworden. . 255 13. „ Von dem Frieden unter Gallienus i . . . 256 14. „ WaS für Bischöfe damals geblüht 257 15. „ Wie Marinus zu Cäsarea ein Märtyrer geworden 257 16. >> Erzählung von Astyrins 258 17. » Von den Zeichen der Wundcrthätigkcit nnsers Erlösers zu Pancas 258 18. » Von der Bildsäule, welche die blutflüssige Frau errichten lassen 259 19. >, Von dem Stuhle des Bischofs Jakobus 260 20. „ Von den Fcstbricfcn des Dionpsius, worin er auch einen Passahkanon bekannt macht 260 21. „ Von den Begebenheiten zu Alerandria 260 2H. >, Von der damals herrschenden Krankheit 262 23. >, Von der Regierung des Gallienus ......... 264 24. Von Repos und der Spaltung, die er veranlaßt 265 25. „ Von der Offenbarung des Johannes 266 26. „ Von den Briefen des Dionpsius . 27t! 27. „ Von Paulus von Samosata und der von ihm zu Antiochien angerichteten Ketzerei ............ 271 28. „ Von den ausgezeichneten Bischöfen, welche damals einen Namen gehabt ..272 29. „ Wie Paulus von einem Presbyter, Namens Malchion , der ein Sophist gewesen, überführt und daraufscincrWürde entsetzt worden 272 VIl Seite 39. Hauptst. Von dem Briefe der Bischöfe gegen Paulus ...... 273 3t. „ Von der verderblichen Irrlehre der Manichäer, welche damals zuerst ihren Anfang genommen . 27S 32. „ Von den zu unserer Zeit selbst ausgezeichneten Kirchenlehrern und welche von ihnen noch bis zu der Zerstörung der Kirchen gelebt 27» 33. „ Aus dem Passahkanon des Anatolius 282 Achtes Buch. Vorrede 285 t. >> Von den Zuständen vor der Verfolgung zu unserer Zeit . . . 286 2. „ Von der Zerstörung der Kirchen 287 3. „ Von dem Verhalten derer, welche in der Verfolgung gekämpft haben 289 4. „ Von den berühmten Märtyrern Gottes, wie sie verschiedene Krone» im Kampf für die Religion sich erworben und die ganze Welt mit dem Ruf ihres Namens erfüllt haben .... 299 5. >, Bon den Vorgängen zu Nikomedia 2gt 6. » Von dem kaiserlichen Hofgesinde 2g 1 7. „ Von den Aegypten», die in Phönicicn Märtyrer geworden . . 293 8. „ Von den Märtyrern in Aegypten 2g5 9. „ Von den Märtyrern in Thebais 295 19. „ Schriftlicher Bericht des Märtyrers Philcas von dem, was zu Alexandrien sich zugetragen 2g7 t I. „ Von Vorfällen in Phrygien 2gg 12. „ Von sehr vielen andern Männern und Weibern, welche auf verschiedene Weise den Kampf bestanden 309 13. >> Von den Vorstehern der Gemeinden, die die Wahrheit der Religio» , welche sie lehrten, mit ihrem Blute bewiesen haben. . 392 14. >> Von dem Charakter der Feinde der Religion 395 15. „ Von dem, was die Heiden betroffen 398 16. >, Wie sich die Sachen zu unserem Vorthcil gewendet .... 399 17. „ Von der Widerrufung des kaiserlichen Edikts 319 Neuntes Buch. 1. » Von der vorgeblichen Gnade des Maximinus 313 2. „ . Von der hierauf erfolgten Verschlimmerung 315 3. >, Von dem neu errichteten Götzcnbilde zu Antiochien . . . . 316 4. ,, Von den Beschlüssen der Städte wider uns 316 5. „ Bon den erdichteten Akten 317 6. „ Von denen, welche zu dieser Zeit Märtyrer geworden. . . . 317 7. „ Bon dem gegen uns durch Anschlag an den Säulen bekannt gemachten Edikte 318 8. „ Von dem, was hierauf in der Hungers-, Pest- und Kriegszeit erfolgt ist . . 321 9. „ Von dem Siege der gottseligen Kaiser 323 19. „ Von dem Untergang der Tyrannen und welcher Worte sie sich noch vor ihrem Ende bedient 327 11. » Von dem letzten Untergänge der Feinde der Religion . . . . 331 Zehutes Buch. 1. „ Von dem Frieden, den uns Gott verschafft hat 332 2. „ Von der Wicderanfbaunng der Kirchen . 334 VIII ll.Hauptst. Von den aller Orten gehaltenen Kirchwerhungen 4. „ Festrede über unsere glücklichen Verhältnisse 5. „ Abschriften der kaiserlichen Gesetze g. „ Abschrist eines Schreibens / durch welches der Kaiser den Gemeinden Geld schenkt 7. „ Von der Befreiung der Geistlichen von öffentlichen Acmtcrn . . 8. >, Von der später sich zeigenden Schlechtigkeit des Licinius und von seinem Sturze V. >, Von dem Siege des Konstantinus und was den Untcrthanen des römischen Reichs durch ihn zu Theil geworden Druckfehlerverzcichniß Vorrede. Bei der hohen Wichtigkeit der Kirchengeschichte des Eusebius und dem Eifer, womit gegenwärtig die geschichtlichen Studien getrieben werden, bedarf wohl die Erscheinung einer neuen llebersetzung der eusebianischen Kirchengeschichte keine Rechtfertigung. Der llebersetzer beschränkt sich daher in dieser Vorrede nur darauf, sich mit wenigen Worten über Zweck und Ausführung seiner llebersetzung zu erklären. Daß er durch dieselbe das Studium des Originals nicht überflüssig machen wollte, versteht sich von selbst: er hatte vielmehr bei seiner llebersetzung solche Leser im Auge, welche der griechischen Sprache entweder gar nicht oder nur wenig kundig sind, aber sich doch aus der ersten Quelle der Kirchengeschichte zu unterrichten wünschen. Doch dürfte vielleicht bei der Seltenheit der ältcrn und dem hohen Preise der neuern Ausgaben diese Arbeit auch manchem des Griechischen Kundigen nicht unerwünscht seyn. Die llebersetzung selbst sollte zwar keine sclavische Nachbildung des Originals, aber auch keine moderne Bearbeitung desselben seyn; der llebersetzer suchte Treue mit Verständlichkeit zu verbinden und das Original dem Geiste unserer Sprache gemäß wiederzugeben, ohne jedoch die Eigenthümlichkeiten desselben zu verwischen. Wenn Stroth in seiner llebersetzung bereits den glücklichsten Ausdruck getroffen hatte, so glaubte der llebersetzer denselben ohne Bedenken in die seinige aufnehmen zu dürfen; daß aber die stroth'sche llebersetzung der vorliegenden nicht zu Grunde gelegt ist, kann der erste Blick in dieselbe beweisen. Die Anmerkungen erstrecken stch hauptsächlich auf Geschichte, christliche Archäologie und Geographie, lleber das X zu viel oder zu wenig derselben wage ich nicht zu entscheiden, mir bemerke ich, daß dieselben uicht für Theologen von Fach geschrieben sind. Was von den valesianischen und stroth'schen noch branchbar erschien, wurde beibehalten, doch mit Ausschluß aller polemisiren- den, moralisirendcn :c. das Verständniß des Werkes nicht fördernden. Die Forschungen der Neuern hat der Uebersetzcr, so weit es seine literarischen Hülfsmittel gestatteten, in den Anmerkungen benutzt, ja manche sogar wörtlich gegeben, wo das Nöthige entweder nicht besser oder nicht kürzer gesagt werden konnte, doch, so viel er sich erinnert, immer mit Nennung des Gelehrten, dem er die Notiz verdankte. Kritische Anmerkungen blieben schon wegen des Kreises der Leser, für welche diese Uebersetzung bestimmt ist, von derselben ausgeschlossen. Der Uebersetzung selbst wurde die Necension von Heinichen zu Grunde gelegt. Stuttgart, im März 1839. A. CU n ß. Jebem msv Schriften dcS Eusebius. Das Leben des Eusebius, Bischofs von Casare« in Palästina, fällt in einen der wichtigsten Zeiträume, welche die Weltgeschichte aufzuweisen hat, nämlich in die Zeil, wo das immer mehr seinem Verfalle und Untergänge zueilende Heidenlhum feine letzte gewaltsame Kraftanstrengung zu seiner Erhaltung und zu Vernichtung des Christenthums macht, und wo dieses dennoch nach manchen Drangsalen und Leiden zuletzt durch Konstantin den Großen siegreich aus dem langen Kampfe hervorging und sich behauptete. Indeß das eigentliche Jahr seiner Geburt, so wie der Ort derselben sind ungewiß und zweifelhaft. Die gewöhnliche Annahme ist, daß Eusebius unter der Regierung des Gallicnuö, zwischen den Jahren Christi 260 und 270 geboren sey, und zwar in Palästina, für welche Provinz allerdings der Umstand spricht, daß sich keine Spur findet, daß er außer Palästina gewesen und daß er mit den dortigen und der benachbarten Länder Begebenheiten sehr genau bekannt ist, wogegen seine Kenntniß der Begebenheiten in dem Verhältnisse abnimmt, je weiter der Schauplatz derselben Palästina entrückt ist. Einige nehmen sogar bestimmt an, Eusebius sey zu Cäsarea geboren, weit er Eusebius von Casaren genannt wird, ohne daß jedoch dieser Beiname allein zu dieser Annahme berechtigte. Von seinen Eltern, deren Stand und Verhaltnissen ist durchaus keine Kunde ans uns gekommen; auch wissen wir nicht, wer sein Lehrer gewesen, wiewohl einige den (7, 32 angeführten) Dosithens als solchen nennen, in welcher Stelle aber Eusebius nur sagt, er habe ihn die heilige Schrift vor der Gemeinde nicht ohne Geschick auslegen hören. In reiferen Jahren genoß Eusebius ohne Zweifel den Unterricht des Meletius, dessen Talent und Gelehrsamkeit er in der angeführten Stelle die größte Achtung zollt und von dem er sagt, daß er sieben Jahre Umgang mit ihm gehabt habe und des Presb'yters Pamphilns, der, ein Verehrer des Origenes, ihn wohl mit den Schriften und der XII Leben und Schriften des Eusebius. Lehre dieses großen Kirchenlehrers bekannt machte. Mir der Zeit bildete sich zwischen Eusebius und dem letzter» gelehrten, für die Wissenschaft eifrig eingenommenen Mann die innigste nur durch denTod gelöste Freundschaft, deren Einstnß schon dadurch vortheilhaft ans Eusebius und das Christcnthnm seyn mußte, daß sie ihm die Möglichkeit und Gelegenheit verschaffte, die von Pamphilns angelegte ansehnliche Bibliothek zu seiner weitern gelehrten Bildung zu benützen. Als PamphiluS im 5ten Jahre der dioklctianischen Verfolgung (307) in das Gefängniß geworfen wurde, so besuchte ihn Eusebius nicht nur immer während der zwei Jahre, welche jener darin zubringen mußte, sondern schrieb auch darin gemeinschaftlich mit ihm die fünf ersten Bücher der Apologie für Origcnes. Eusebius bewies gegen PamphiluS eine so standhafte Treue, daß er selbst seiner Hinrichtung anwohnte, seinen eigenen Namen dem des Pamphilns beisetzte, (daher Eusebius Pamphili, nämlich Freund) und bei jeder Gelegenheit mit inniger Liebe und hoher Achtung in seinen Schriften desselben erwähnte und sein Leben in drei Büchern beschrieb. Ein schönes Denkmal hat er ihm namentlich im Ilten Hauptstück der Schrift von den Märtyrern in Palästina gesetzt. Während der erwähnten Verfolgung war Eusebius bereits Lehrer; denn im dritten Jahre derselben (305) starb einer seiner Schüler, Apphicanus, den Märtyrertod. Noch wüthete dieselbe, als Eusebius, ans uns unbekannten Gründen, sich nach Aegypten begab, wo er Augenzeuge der gegen die Christen angewandten furchtbaren Martern war. Nachdem der Vcrfolgungssturm vorüber war, wurde Eusebius vom Presbyter zum Bischof von Cäsarea erwählt, in welchem Jahre aber, ist ungewiß, doch muß es vor 315 geschehen seyn, weil wir ihn in diesem Jahre als Bischof bei einer Kirchweihe zu Tyrus finden; denn daß Eusebius es gewesen, der die in seiner Kirchengeschichte 10, 4. angeführte Rede gehalten, unterliegt keinem Zweifel. Im I. 317 brach zu Alexandrien der bekannte arianische Streit aus. Arius nämlich, Presbyter in dieser Hauptstadt, hatte behauptet, daß der Logos einst durch deu göttlichen Willen aus nichts geschaffen sey, erstes Geschöpf und Weltschöpfer, daher allerdings Gott zu nennen, doch abhängig vom Vater. Sein Bischof dagegen behauptete, daß der Logos von Ewigkeit her aus dem Wesen Gottes gezeugt, daher Gott vom Gotte dem Vater gleich sey. Arius wurde abgesetzt und aus der Gemeinde verstoßen. Er wandte sich nun an Eusebius, an Paulinus, Bischof zu Tyrus und an Patrophilns, Bischof von ScythopoliS. Diese baten den Alexander schriftlich, er möchte den Arius wieder aufnehmen und Versammlungen des Volks halten lassen. Der alex. Bischof aber suchte sein Betragen nicht nur diesen Männern gegenüber, sondern auch gegen viele andere Bischöfe zu rechtfertigen. Man nahm immer mehr für Arius oder Alexander Partei. Die Gährung stieg und verbreitete sich immer weiter, trotz der nochmaligen Ermahnungen Konstantins zu Aufgebnng einer nach seiner Leben und Schriften des Eusebius. xm damaligen Ansicht unnützen Streitfrage, bis sich der Kaiser zuletzt genöthigt zu sehen glaubte, für diese Sache und die Wiederherstellung des Kirchenfriedens eine allgemeine Versammlung der Bischöfe nach Nicäa zusammenzurufen. Es erschienen bei zweihundert fünfzig. Unser Eusebius wurde auf dieser Versammlung hochgeehrt. Er war es, der den Kaiser in einer feierlichen Rede bewillkommte: auch erhielt er unter allen Bischöfen den ersten Rang und saß unmittelbar neben dem Kaiser zu seiner Rechten. Die Geschichte des Konciliums selbst gehört nicht hieher, nur ist in Betreff unseres Eusebius zu bemerken, daß auch er nach einigen Bedcnk- lichkeiten über einige in dem auf der Versammlung veranstalteten Glaubensbekenntnisse gebrauchte Ausdrücke, nachdem dieselben durch die Erklärung der Väter gehoben waren, sich zufrieden gab und das Glau- bensbekenntniß, so wie die Verdammung gegen anders Denkende unterschrieb. Freilich wollen einige wissen, Eusebius habe dieß weniger aus Ueberzeugung als aus Furcht vor dem Kaiser gethan. Als im I. Z29 Bischof Eustathius von Antiochien wegen Beschuldigung des Sabellia- nismuS und grober Vergehen gegen die Sittlichkeit durch eine Kirchenversammlung seines Amtes entsetzt worden war, übertrug ein Theil der dortigen Gemeinde und die daselbst versammelten Väter dem Eusebius den erledigten Bischofssitz, allein Eusebius lehnte aus Achtung gegen die Kirchenregel und aus Liebe zum Frieden — denn da ein anderer Theil des Volks auf der Wiedereinsetzung des Eustathius bestand, so war jeden Augenblick der Ausbruch von Tätlichkeiten zu befürchten — den ehrenvollen Antrag ab, wodurch er von Seiten Konstantins große Lobsprüche einärndete. Ueberhaupt hatte dieser Kaiser sehr hohe Begriffe von Eusebius und zeichnete ihn vor allen andern aus. Er stand mit ihm in brieflichem Verkehr, gestattete ihm freien Zutritt zu sich und zog ihn häufig zur kaiserlichen Tafel. Als Konstantin die Gemeinde seiner neugegründeten Stadt mit Büchern versorgen wollte, so erhielt Eusebius, als der gelehrteste Bischof seiner Zeit, von ihm den Auftrag, eine beträchtliche Anzahl Exemplare der heiligen Schrift abschreiben zu lassen. Bei einer wegen der gegen Bischof Athanasius von Alexandrien ZZ5 zu Tyrus gehaltenen Kirchenversammlung führte Eusebius auf Befehl Konstantins den Vorsitz uud wußte auf derselben gegen die rohen Ausbrüche des Neides, des Hasses und der Verläumdungssucht des Bischofs Potain» mit vieler Klugheit seine Würde zu wahren. Nachdem Athanasius durch einen Spruch der Versammlung seines Amtes entsetzt war, wohnte Eusebius der Einweihung einer Kirche zu Jerusalem bei und hielt bei dieser Gelegenheit verschiedene Reden. Sodann reiste er nach Konftantinopel, um dem Kaiser Bericht über die Vorfälle zu Tyrus zu erstatten und hielt bei diesem Anlasse die dem Leben Konstantins angehängte Lobrede auf diesen Kaiser im kaiserlichen Palaste der neuen Hauptstadt. Nach dem Tode Konstantins, welcher im Jahr ZZ7 erfolgte, scheinen die XIV Leben und Schriften des Eusebius. 'Thatigkeit des Eusebius weniger mehr die Begebenheiten seiner Zeit, als schriftstellerische Arbeiten in Anspruch genommen zn haben; wenigstens haben wir keine Nachrichten in ersterer Hinsicht, während noch ans dem zwischen des Kaisers und seinem eigenen Tod liegenden Zeitraum einige Schriften, z. B. die vier Bücher vom Leben Konstantins ans uns gekommen sind. Eusebius starb höchst wahrscheinlich im I. Z40 und hinterließ den Bischofssitz zu Casaren seinem Schüler Akacins, welcher eine Lebensbeschreibung von seinem Lehrer verfaßte, die, wenn sie noch vorhanden wäre, uns ein treueres und vollständigeres Bild von dem Leben und den Verhältnissen des Eusebius geben konnte, als es die einzelnen zerstreuten, ans vielen Schriftstellern mühsam zn einem Ganzen zn vereinigenden Nachrichten zu geben vermögen. Eusebius war ohne Zweifel der vielseitig gelehrteste unter den kirchlichen Schriftstellern seiner, ja Origenes ausgenommen, der ganzen ältern Zeit, jede Seite seiner zahlreichen Schriften beurkundet die auSgebreitetste Belesenheit nnd eine vertraute Bekanntschaft, nicht nur mit der christlichen, sondern auch Profanlileratnr; auch haben seiner Gelehrsamkeit selbst diejenigen Gerechtigkeit widerfahren lassen, die seine Rechtglänbigkeit verdächtigten oder bestritten. Von dieser sind von jeher die Urtheile sehr verschieden gewesen, indem einige dieselbe vertheidigten, andere aber ihn eines mehr oder minder offenen oder verdeckten Arianismns beschuldigten; ge- iviß ist, daß er den neuen Formeln der Rechtglänbigkeit abgeneigt war, aber auch die Ansicht und die Ausdrücke des Anns als unschriftmäßig verwarf. Unter dem bunten Gewirre und wilden Getreibe der erhitzten Parteien und des rücksichtslosen Egoismus derselben während der damaligen kirchlichen Gährnng zeigt Eusebius eine damals wenigstens höchst seltene und um so achtungswürdigere Friedensliebe und Mäßigung, selbst ans die Gefahr hin, verketzert zu werden. Sein Antheil an den kirchlichen Angelegenheiten seiner Zeit ist oben kurz berührt. Für seine Tüchtigkeit und Gewandtheit in Geschäften spricht das ihm die Leitung solcher übertragende Zutrauen seiner Mitbischöfe und des Kaisers selbst. Ueber- haupt erhellt sowohl aus seinem Antheil an den kirchlichen Angelegenheiten damaliger Zeit, als auch aus seiner schriftstellerischen Thätigkeit, daß Eusebius ein um die Kirche hochverdienter Mann war. Wie umfassend die letztere war, mag am besten ein Verzeichniß seiner noch vorhandenen, so wie verlorenen Schriften beweisen. Unter die erstern und zwar gedruckten gehören 1) Uarroöam) lcrropl« oder Chronik, ein die Geschichte von Anfang der Welt bis zum Concilinm von Nicäa umfassendes und in zwei Bücher abgechecktes Werk. Die griechische Urschrift hat sich nur in Bruchstücken erhalten, indeß ist eine, freilich durch Hinweglas- snngen und Zusätze sehr entstellte, lateinische Übersetzung von Leben und Schriften des Eusebius. xv Hieronymus, sowie eine armenische (von dem Gelehrten I>. Zoh- rab im I. 1818 zu Mailand zuerst vollständig herausgegeben), vorhanden. 2)'eva77xXlxh «nvöxl^s oder Erweis des Evangeli ums, worin die Wahrheit der christlichen Religion ans den Büchern des alten Testaments und besonders aus den Propheten erwiesen ist und die Vorzüge des Christenthums vor dem Judenthum gezeigt werden. 3) Schrift wider den Hierokles, der in zwei Büchern (^7^ Tlpös zM-,-7nar«s) das Christenthum angegriffen und in seiner Vergleichung Christi mit dem Wunderthäter Apollonias von Thyaua dem letztern mehrere und größere Wunder, als die Wunder Christi waren, zugeschrieben hatte. 'C>!xX?/<7i,ttarlxh tarochce oder Kirch engesch ichte. ö) 'Lr>«77eXixys äiroFxl,EeK>g Ti^oTsa^ccaxxich oder V v r b e r e i t u ng zur U e b e rz e n g u n g v 0 it der Wahrheit de r Religi 0 n , vorzüglich schätzbar durch die Mittheilnng bedeutender Fragmente aus ältern verloren gegangenen Schriftstellern über die älteste Neligions- geschichte verschiedener Volker. b) xv , Von den Märtyrern in Palästina, gewöhnlich, wiewohl mit Unrecht, als Anhang des achten Buches der Kirchengeschichte betrachtet. 7) Brief an die Einwohner von Cäsarea vom nicä Nischen Glauben, zu finden bei Theodort Kirchengesch. I., 12. Sokrateö I., 8. und Athanasius Opp. tum. I .z -zmr. 1, 238. 8) 1Ze^>lrc?v roirrxcär orcylärcsv xr rff 7Y«Pff oder topographische Beschreibung der in der heiligen Schrift vorkommenden Aerter in , Palästina, von Hieronymus in das Lateinische übersetzt. g) AÄvoveg oder zehnfacher Index über die Evangelien statt einer Harmonie nebst einem Briefe an Karpianus, der demselben vorgesetzt ist. 10) ^070^ rylllxorr«xr,^>lxäs oder Lobrede a u f K v n st a n t i n, hinter den Büchern vom Leben Konstantins. 11) Xarfi Ma^xe^X« oder zwei Bücher wider den Marcellus von An- cyra, worin der diesem Schuld gegebene Sabellianismus widerlegt wird. 12) rfig xxx^<7lacrri,xfiz rcZv riyög tV7äyxe7.Xov 7. oder Von der rechten Lehre von der Gottheit Christi, eine weitere Ausführung des Inhalts der vorigen Schrift. 13) TZtog oder vier Bücher vom Leben Konstantins, mehr Lobrede als Geschichte. XVI Leben und Schriften des Eusebius In Bruchstücken oder in lateinischen Uebersetzungen sind noch übrig: 1) Llg /ck'-rccillp X<>7c>l Sex« oder K o m mentarien über d e n I e h a- jas in zehn Büchern, von Mvntfancon einem großen Theile nach herausgegeben. 2) Kommentar über das Hohelied, ein Bruchstück, von Meur- sius herausgegeben. z) 1/5^!, 7-7/s s« st-D^lä 7-cZv övogcraias oder Vom Leben der Propheten, Bruchstück, von Curterius herausgegeben. 4) Kommentar über die Psalmen, ein ansehnlicher Theil von Montfancon herausgegeben. 5) oder V o N der VerschiedeN- heit der Evangelien, Bruchstück. Drei Bücher davon sollen noch nach Stroth handschriftlich in Sicilieu vorhanden seyn. 5) Das erste Buch der Apologie für Origcneö, lateinisch unter den Werken des Hieronymus. Ungedruckt sind noch von den Werken des Eusebius: 1) Sammlung prophetischer Stellen von Christus in vier Büchern, in der kaiscrl. Bibliothek zu Wien. 2) Vom Tode Herodis in der basler Bibliothek. 5) Vorrede zum Liebe Mosis. ä) Ein Bruchstück von Maaß und Gewicht. Verloren gegangen sind folgende: 1) Vom Leben des Pamphilus, drei Bücher. 2) ckcäp cc^cclcov oder S am mluNg der alte u Mä r ty r er g esch ich ton, von Eusebius mehrmals in der Kirchengeschichte erwähnt und wohl in den /letis sanetorum noch teilweise in Bruchstücken übrig. 4) xccl Xv'/o^ st. oder Widerlegung und Ver- theidigung in zwei Büchern. 5) Verteidigung der christlichen Religion wider den Porphyrius in dreißig Büchern. L) ckle^l risg rcär n«Xc-i,czv noXr)7i«l.Axlag. 7) Vom Osterfest. 8) Demonstratio evan^elien. 0) Draeparatio eeeiesiastieü. 10) Eine Rede von der nenerbauten Kirche zu Jerusalem. 11) Apologie für Origenes, den in den palästinensischen Bergwerken befindlichen Bekenner» zugeeignet. Leben und Schriften des Eusebius. xvll 12) Ein Kommentar über den ersten Brief an die Korinthcr. 13) Verschiedene hin und wieder angeführte Briefe. Ohne auf eine Würdigung der sämmtlichen Schriften des Eusebius einzugchen, wollen wir hier blos seine Kirchengeschichte in das Auge fassen. Wie Herodot der Vater der Geschichte überhaupt, so kann Eusebius mit Recht der Vater der Kirchengeschichte genannt werden, mögen auch des Hegesippus nun verloren gegangene Denkwürdigkeiten ans der apostolischen Ueberliefernng die Grundzüge einer solchen gebildet haben. Eusebius hat mit ungemeinem Flciße und großer Beharrlichkeit aus allen ihm zu Gebote stehenden Quellen Beiträge zu seiner Kirchengeschichte gesammelt, unterstützt dabei von seiner ausgebreitete» Gelehrsamkeit und den Hülfsmitteln, welche ihm nach seiner eigenen Versicherung die von Bischof Alexander von Jerusalem in dieser Stadt angelegte Bibliothek und die reiche Büchersammlung seines Freundes Pamphilus darboten. Die Nachricht des Hieronymus, er habe sich auch von Konstantin den Zutritt zu allen Archiven Behufs derselben erbeten, lassen wir um so meyr dahingestellt, als ans dem Werke selbst kein Gebranch derselben ersichtlich ist. Jndeß ist die Kircheugeschichte des Eusebius weniger ein harmonisches Ganze, als eine oft nur lose verbundene Materialiensammlung, eine Mosaikarbeit, was sie auch nach den in seiner Vorrede angegebenen Gründen nicht wohl anders seyn konnte. Auch ist dieselbe nicht blos historisch, sondern zugleich dogmatisch-apologetisch, da Eusebius durchaus den Zweck verfolgt, den göttlichen Ursprung des Christenthums durch seine Geschichte zu rechtfertigen und darzuthnn, weßwegen er auch derselben eine Abhandlung über die Person Christi als Einleitung vorangeschickt hat. Die darin herrschende Darstellung ist nicht gleich, sondern sehr mannigfaltig und verschieden, je nach Beschaffenheit der Quellen, welche Eusebius benützte. Denn statt die Nachrichten derselben zu einem Ganzen zu verschmelzen, gibt er sie gemeiniglich wörtlich, oft mitten ans dem Znsammenhange herausgerissen: indeß gewährt uns diese wörtliche Anführung seiner Gewährsmänner vor einer aus denselben mit des Eusebius eigenen Worten verschmolzenen Darstellung den Vortheil, daß wir bestimmt wissen, was diese selbst gesagt haben. Spricht Eusebius lelbst, so ist sei» Styl zwar kunstlos, aber keineswegs einfach; indem er erhaben seyn will, wird er nicht selten rhetorisch und schwülstig, oft ist er auch mehr wort- als gedankenreich. Allein aller dieser Mängel ungeachtet ist dieses Werk des Eusebius für uns von unschätzbarem Werths. Manche Nachrichten aus den ältesten Kirchenschriftstellern wären ohne dasselbe für uns auf immer verloren, über manche Partie des christlichen Alterthums läge ein dichtes Dunkel; auch hat sich Eusebius durch Ausarbeitung seiner Kircheugeschichte das indirecte Verdienst erworben, daß ein Sokrates, Sozomenus, Theodoret durch sein Beispiel veranlaßt. xvili Leben und Schriften des Eusebius. sich an ähnliche Unternehmungen machten. Ueber die Zeit der Abfassung der Kirchengeschichte des Eusebius ist man nicht einig: einige setzen dieselbe vor das Concilium von Nicäa, andern nach demselben; Kesiuer sucht sogar zu erweisen, sie sey erst nach dem Tode Konstantins, also nach dem I. ZZ7 vollendet worden. Stroth nahm an, Eusebius habe zwei Ausgaben von seiner Kirchengcschichte veranstaltet und der aus beiden verschmolzene Text liege unseren Ausgaben zu Grunde, allein die Stellen, aus welchen Stroth dieß schließen zu dürfen glaubt, scheinen mehr darauf hinzuweisen, daß Eusebius nicht die letzte Hand daran gelegt hat. Westes BuH. Erstes Haupt st ü ck. Inhalt des Werkes. Im Begriffe, mein Vorhaben auszuführen, eine Geschichte der Nachfolge der heiligen Apostel und zugleich der von unserem Erlöser bis auf uns verflossenen Zeiten und der Begebenheiten, welche der Kirchengeschichte zufolge vorgefallen, und welche Männer der Kirche den ausgezeichnetsten Gemeinden mit Ruhm vorgestanden und dieselben geleitet und von Geschlecht zu Geschleckt das Wort Gottes ausgebreitet haben, aufzuzeichnen, so wie mit Angabe der Zeit zu erzählen, was für Leute aus Neuerungssucht in die gröbsten Jrrthümer verfallen, sich als Stifter einer fälschlich sogenannten Erkenutuiß offen angekündigt und die Heerde Christi wie reißende Wölfe auf das Grimmigste angefallen, zudem, was für Drangsale alsbald die ganze jüdische Nation wegen ihres Frevels gegen unfern Erlöser getroffen haben, ferner, wie oft, auf welche Art und zu welcher Zeit die göttliche Religion von den Heiden bekriegt worden ist und was für Männer zu verschiedenen Zeiten unter Vergießung ihres Bluts und unter Ma>rtern die Kämpfe dafür bestanden haben, und welche Glaubenszeugnisse noch zu unserer Zeit abgelegt worden sind, und wie bei diesen Allen die Hülfe unseres Erlösers gnädig und huldreich sich erwiesen hat, kann ich mit nichts Anderem den Anfang machen, als mit den ersten Anstalten Gottes durch unfern Erlöser und Herrn Jesus Christus. Judessen muß ich schon hier die Nach, ficht der Kenner für meine Geschichte in Anspruch nehmen und offenherzig gestehen, daß ein Werk, wie ich eö versprochen habe, vollkommen und ohne alle Mängel zu liefern, eine das Maß meiner Kräfte weit übersteigende Unternehmung ist. Denn, da ich bis jetzt noch der Erste bin, der sich an diesen Gegenstand macht, so versuche ich es, einen, so zu sagen, einsamen und noch von 'Niemand betretenen Weg zu gehen. Möge Gott dabei mein Führer seyn und die Kraft unseres Herrn mich unterstützen! Denn von Menschen, welche vor mir denselben Weg gegangen wären, vermag ich auch nicht die geringste Spur aufzufinden, es müßten denn einige kleine Anzeigen seyn, worin uns verschiedene Männer zu verschiedenen Zeiten Erzählungen der Begebenheiten ihrer Zeit hinterlassen haben, deren Stimmen mir gleich hocherhobenen Fackeln dienen und mir, so zu sagen, von einer hohen Warte herab zurufen und mich anweisen, wo ich gehen und wie ich frei von Jrrthum und Gefahr den Laus metner Geschichte richten ' Eusebius Kirchcngeschichte. l 2 Einleitung. soll. Was mir nun in den zerstreuten Nachrichten jener Männer für meinen vorliegenden Gegenstand tauglich erscheint, das will ich sammeln, die brauchbaren Stellen jener alten Schriftsteller, wie Blumen aus einer Wiese, für mich auslesen und sie durch eine zusammenhängende Darstellung zu einem Ganzen zu verbinden suchen, zufrieden, wenn ich die Nachfolge, wenn auch nicht aller, doch wenigstens die der ausgezeichnetsten Apostel unseres Erlösers in den angesehensten und noch jetzt in hohem Rufe stehenden Gemeinden im Andenken erhalte. Die Behandlung dieses Gegenstandes aber finde ich in so fern sehr dringend, da ich unter allen Kirchenschriftstellern bis auf unsere Zeit keinen gefunden habe, welcher diesem Fache seinen schriftstellerischen Fleiß gewidmet hätte. Indessen hoffe ich auch, daß mein Unternehmen in den Augen der Liebhaber und Forscher der Geschichte als ein nützliches erscheinen werde. Ich habe zwar schon früher in meiner Chronik einen kurzen Inbegriff dieser Geschichte gegeben, allein in Vorliegendem will ich eine ausführliche Darstellung derselben liefern. Ich werde, wie schon bemerkt, den Anfang derselben mit der über allen menschlichen Begriff erhabenen Menschwerdung unsers Erlösers Christi und mit einer Abhandlung von seiner Gottheit machen. Denn wer die Geschichte der christlichen Kirche schreiben will, dem dürfte es schon deßwegen, weil wir nach Christus genannt zu werden gewürdigt sind, unerläßlich seyn, mit der ersten Veranstaltung durch Christum, welche göttlicher ist, als viele sich vorstellen, zu beginnen. Zweites Hauptstück. Summarische Vorstellung von der Präeristenz und Gottheit unserS Erlösers und Herrn Jesus Christus. Da in Christus eine zweifache Natur ist, wovon die eine — sofern er nämlich als Gott betrachtet wird — dem Haupte des Menschen gleicht, die andere aber — sofern er sich unserer den Schwachheiten unterworfenen Menschheit um unserer Erlösung willen angenommen hat — als die Füße anzusehen ist, so dürfte dann erst unsere folgende Erzählung auf Vollständigkeit Anspruch machen, wenn ich bei der ganzen ihn betreffenden Darstellung von dem, was das Höchste und Vorzüglichste an ihm ist, ausgehe. Auf diese Art wird auch zugleich das Alter und die Göttlichkeit des Christenthum» denen, welche es für eine neue und ganz fremde Religion, die erst seit gestern zum Vorschein gekommen (1) sey, halten, am besten bewiesen werden können. tt) Einer der Haupteinwürfe gegen das Ehristenthum von Seiten der Heiden war, daß es deßwegen nicht fiir wahr gehalten werden könne, weil es eine neue Lehre sey. Sie gingen bei diesem Einwurf von der Ansicht aus, daß ein Kultus um so größere Ehrwürdigkeit habe, je mehr er durch ein hohes Alter geheiligt werde, Abfall aber von der Religion der Vorfahren ein Verbrechen sey. Einleitung. Z Den Ursprung, die Würde, das Wesen und die Natur Christi zu erklären, dazu dürfte kein Ausdruck hinreichend seyn. Deßwegen sagt auch der Geist Gottes durch die Propheten: „Wer kann sein Geschlecht erzählen?(l) „Denn es kennt weder Jemand den Vater, außer der Sohn, noch kannJemand den Sohn vollkommen kennen , außer allein der Vater," (2) der ihn gezeugt hat. Denn wer konnte wohl außer dem Vater einen vollständigen Begriff haben von dem Lichte, das vor der Welt gewesen, von der selbstständigen und persönlichen Weisheit, die vor aller Zeit existirt, von dem lebendigen und im Anfange beim Vater befindlichen Wort, (3) das Gott ist, von dem ersten und einzigen vor aller Kreatur und Schöpfung, sichtbarer und unsichtbarer, von Gott erzeugten Wesen, von dem obersten Heerführer der vernünftigen und unsterblichen Heerschaaren des Himmels, von dem Gesandten des höchsten Rathschlnsses, von dem Vollbringer des verborgenen Willens des Vaters, von dem Schöpfer des Alls neben dem Vater, von der zweiten Ursache der Welt nächst dem Vater, von dem ächten und eingeborenen Sohn Gottes, von dem Herrn, Gott und Könitz aller erschaffenen Wesen, der das Reich und die Herrschaft zugleich mit der Gottheit, Macht und Ehre vom Vater empfangen hat, wie es denn in den geheimnißvollen Stellen der heiligen Schrift von seiner Gottheit heißt: (4) „Im Anfange war das Wort und „das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Alles ist durch dasselbe „gemacht worden und Nichts ist ohne dasselbe geworden." Dieß lehrt auch der große Moses, der älteste aller Propheten, wenn er, vom göttlichen Geiste erfüllt, die Schöpfung und Einrichtung des Weltgebäudes beschreibt. Er sagt nämlich, der Schöpfer der Welt und Werkmeister des Alls habe Christo selbst und keinem andern, als eben diesem seinem göttlichen und erstgeborenen Worte, die Schöpfung der geringem Wesen überlassen und sich mit ihm bei der Schöpfung des Menschen besprochen. ES heißt nämlich bei ihm: (5) „Und Gott sprach: Lasset uns einen Menschen machen nach „unserem Bilde, der uns ähnlich sey." Diesen Ausspruch bestätigt ein anderer Prophet, wenn er in seinen Liedern also von Gott spricht:(0) „Er „sprach und sie waren gemacht; er gebot und sie waren geschaffen." Hier erscheint der Vater und Schöpfer als Allgebieter, der mit einem königlichen (1) Jes. 5Z, 8. (2) Luk. 10, 22. (3) Da uns diese UcberscHung des Wortes Logos aus der deutschen Bibel ganz bekannt und geläufig ist, so habe ich dieselbe beibehalten zu dürfen geglaubt. (4) Joh. 1, 1. 3. (5) 1. B. Mos. 1, 26. (6) Ps. 3Z, 9. Nach unserer Auslcgungsart möchten wir aber schwerlich in dieser Stelle finden, was Eusebius darin fand. Er bezieht nämlich den Befehl Gottes nicht unmittelbar auf die Entstehung der Dinge, sondern auf den Sohn. Er sprach, Heist bei -hm so viel als: er sagte zum Sohn: schaffe Wesen! Sie wurden geschaffen, heißt bei ihm nicht: sie entstanden unmittelbar auf diesen göttlichen Befehl, sondern der Sohn war dem Befehl des Vaters sogleich gehorsam und brachtesie hervor. Denn Eusebius verbindet diesen Vers mit dem 6ten: Der Himmelist durchs Wort oes Herrn gemacht?c., welches er von Christo versteht. Vielleicht ist dieser Vers im Griechischen nur aus Versehen ausgelassen; denn Rufin hat ihn. Stroth. 4 Einleitung. Winke befiehlt, der göttliche Logos aber, der der Nächste nach ihm ist, eben der, den wir bekennen, als der Vollzieher der väterlichen Befehle. Ihn haben anch alle, welche von Anfang des Menschengeschlechts durch Gerechtigkeit und durch ausgezeichnete Gottesfurcht berühmt gewesen sind, wie der große Diener Gottes Moses, und schon vor ihm zuerst Abraham und dessen Söhne, so wie alle tugendhafte Männer und Propheten nach ihm mit den reinen Augen des Geistes geschaut und erkannt und ihm als dem Sohne Gottes die gebührende Verehrung erwiesen. Er selbst aber, in der Ehrerbietung gegen seinen Vater nimmer lässig, wurde der allgemeine Lehrer der Erkenntnis; seines Vaters. „Gott der Herr," heißt es, (1) »erschien als ein gewöhnlicher Mensch »dem Abraham , als dieser bei der Eiche von Mambre saß." Abraham fiel, obgleich er mit seinen Augen nur einen Menschen sah, sogleich vor ihm nieder, betete ihn an als Gott und bat ihn dcmüthig als einen Herrn. Und daß es ihm nicht unbekannt sei), wen er vor sich habe, gab er durch folgende Worte zu erkennen: »Herr, der du die ganze Welt richtest, so wirst du nicht »richten (2)." Denn da es gegen alle Vernunft ist, theils daß das nnge- zeugte, unveränderliche Wesen Gottes, des Allgebieters, sich in die Gestalt eines Menschen verwandte, oder in der Gestalt irgend eines geschaffenen Wesens die Augen derer, die ihn ansehen, täuschen, theils daß die heilige Schrift dergleichen fälschlich erdichten sollte — wer kann denn nun anders Gott und Herr, welcher die ganze Welt richtet und Gericht hält, wenn er in menschlicher Gestalt erscheint, genannt werden, als, da den ersten Urheber aller Dinge hierunter zu verstehen nicht erlaubt ist, eben allein sein präertstirender Logos? Von eben demselben heißt es anch in den Psalmen : (3) »Er hat sein Wort gesandt und sie geheilt und sie gerettet von ihrem Ver- >,derben." Ihn schildert Moses aufs Deutlichste als den zweiten Herrn nach dem Vater, wenn er sagt: (4) »Der Herr ließ vom Herrn vom Himmel Schwefel und »Feuer über Sodvm und Gomorrha regnen." Ihn nennt ferner die heilige Schrift Gott, wo er auch dem Jakob in Menschengestalt erscheint und zu ihm spricht: (5) „Dein Name soll fernerhin nicht mehr Jakob seyn, sondern „Israel soll dein Name seyn, denn du hast mir Gott gekämpft. Deßwegen nannte auch Jakob diesen Ort: „Erscheinung Gottes" und sagte: (6) »Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und meine Seele ist gerettet worden." Aber auch von untergeordneten Engeln und Dienern Gottes darf man die in der Schrift angeführten Erscheinungen Gottes nicht verstehen. Denn wenn ein solcher den Menschen erscheint, so verhehlt es die Schrift nicht, sondern sagt ausdrücklich, daß Engel, und nicht Gott oder der Herr, gesprochen haben, wie ans tausend Zeugnissen leicht bewiesen werden kann. Auch (4) 1. B. Mos. 43, 4. (2) 4. B. Mos. 48, 25. (3) Ps. 407, 20. (4) 4. B. Mos. 49, 24. (5) 4. B. Mos. 32, 28. <ü) 4. B. Mos. 32, 30. Einleitung. S Iosua, der Nachfolger des Moses, nennt ihn (als den Anführer der himmlischen Engel und Erzengel und der überirdischen Mächte und als die Macht und Weisheit des Vaters und als den, dem die zweite Stelle in der Beherrschung und Regierung der Welt anvertraut ist) den obersten Anführer der Macht des Herrn, wiewohl auch er ihn nur in menschlicher Gestalt und Bildung gesehen hat. Denn es heißt: (1) »Und es begab sich, als Iosua zu »Jericho war, daß er aufblickte und einen Menschen sich gegenüber stehen „sah, der ein bloßes Schwert in seiner Hand hatte. Iosua trat zu ihm »und sprach: bist du einer der unsrigen oder von den Feinden? Und jener »sprach zu ihm: ich, der oberste Anführer der Macht des Herrn, bin jetzt „gekommen. Da fiel Iosua auf sein Antlitz zur Erde und sprach zu ihm: »Herr, was befiehlst du deinem Diener. Und der oberste Heerführer der »Macht des Herrn sprach zu Iosua: Ziehe deine Schuhe aus von deinen »Füßen, denn der Ort, worauf du stehst, ist ein heiliger Ort." Gerade aus diesen Worten kann man abnehmen, daß dieß wohl kein anderer war, (2) als eben derjenige, welcher auch mit Moses gesprochen hat. Denn die Schrift redet hier eben mit den Worten, wie dort: (Z) „Wie aber der Herr „sah, daß er hinzutrat, um zu sehen, rief er ihn aus dem Busche und sprach: „Moses, Moses! Dieser aber sagte: Was ist da? Der Herr sprach: Nahe »dich nicht hieher! Ziehe deine Schuhe aus von deinen Füßen, denn der Ort, »worauf du stehst, ist ein heiliges Erdreich! Und er fuhr fort: Ich bin der „Gott deiner Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs." Daß eS aber ein gewisses Wesen gebe, welches vor der Schöpfung der Welt lebendig und existirend gewesen, welches dem Vater und Gott über Alles bei der Erschaffung aller Kreaturen gedient hat, Wort Gottcö und Weisheit genannt, kann man neben den angeführten Beweisen noch aus dem eigenen Munde dieser Weisheit selbst hören, wenn sie durch Salvmo ausdrücklich folgende Geheimnisse von sich bekannt macht: (ff) »Ich, die Weisheit, habe „Rath und Erkenntnis: gestiftet, und die Einsicht habe ich herbeigerufen. »Durch mich regieren Könige und durch mich geben die Herrscher Gesetze. »Durch mich sind die Großen groß und Regenten herrschen durch mich über »die Erde." Hiezu setzt er noch Folgendes: »Der Herr hat mich im Anfang »seiner Wege behufs seiner Werke geschaffen, im Anfang, vor aller Zeit hat „er mich bereitet. Ehe er die Erde machte, ehe die Wasserquellen hervor- »geflosscn, che die Berge gegründet waren, vor allen Hügeln zeugte er mich. »Als er den Himmel bereitete, war ich bei ihm, und als er den Quellen „unter dem Himmel einen sichern Ort anwies, ordnete ich mit ihm. Ick »war es, dem er seine Freude zu erkennen gab. Alle Tags und allezeit »freute ich mich vor ihm, weil er sich der Vollendung der Welt freute." (tl Jos. 5, 13-lä. (2) Andere und besonders spätere Kirchenväter baittn den, der dun Iowa erschien, für den Erzengel Michael. G> 2. B. Mos. 3, -l. 3. 6. (4) Sprüchw. Sal. L, 12. 1.1. 22 ff. g Einleitung. Dasz also das göttliche Wort vorher exisiirt hat und Einigen, wenn auch nicht Allen, erschienen ist, mag hiedurch kürzlich von mir bemerkt seyn. Warum aber dieses göttliche Wort nicht schon längst, so wie jetzt, allen Menschen und allen Völkern verkündigt wurde, dürfte aus Folgendem erhellen. Das Alterthum war noch nicht im Stande, die Lehre Christi, diesen Inbegriff aller Weisheit und aller Tugend, zu fassen. Denn gleich im Anfang nach dem ersten seligen Leben achtete der erste Mensch das göttliche Gebot gering, sank darauf zu diesem sterblichen und vergänglichen Leben herab und vertauschte mit dieser Erde die frühere göttliche Lust. Seine Nachkommen, welche dann unsere ganze Erde bevölkerten, erzeigten sich, mit Ausnahme des einen und des andern, noch viel schlimmer und führten ein thierartiges und höchst elendes Leben. Sie dachten an keine Stadt, an keine bürgerliche Verfassung, nicht an Künste, noch an Wissenschaften, Rechte und Gesetze, und Tugend und Philosophie waren ihnen nicht einmal dem Namen nach bekannt, sondern sie lebten umherschweifend in der Wüste als rohe Wilde und Barbaren und erstickten die ihnen von Natur eingepflanzte Vernunft und alle Keime des Verstandes und der Menschlichkeit, die in des Menschen Seele liegen, durch das Uebermaß ihrer vorsätzlichen Bosheit. Sie ergaben sich ganz allen Gottlosigkeiten, so daß sie bald einander schändeten, bald tödteten, bald Menschenfleisch aßen, ja, Krieg wider Gott und jene allbekannten Riesenschlachten wagten, die Erde gegen den Himmel zur Festung auswerfen wollten und in ihrem thörichten Wahnsinn Gott, den Herrscher über Alles, zu bekriegen sich anschickten. Da sie nun auf diese Art sich betrugen, so suchte sie der allwaltende Gott mit Ueberschwemmungen und Feuer als einen wilden, über die ganze Erde verbreiteten Wald heim. Er raffte sie durch anhaltenden Hunger und Seuchen, durch Kriege und Blitz und Donner, vom Himmel gesandt, hinweg und dämpfte, so zu sagen, eine der heftigsten und gefährlichsten Krankheiten der Seeleu durch diese herben Strafmittel. Damals nun, wie das volle Maß der Bosheit beinahe über alle ausgegossen war und gleichsam als ein starker Rausch die Seelen fast aller Menschen benebelte und verfinsterte, erschien die erstgeborene und ersterschaffene Weisheit Gottes, nämlich der präexistirende Logos, aus über- schwänglicher Liebe zu den Menschen, bald durch seine ihm untergebenen Engel, bald in eigener Person als die seligmachende Kraft Gottes dem einen und dem andern der gottseligen Männer des Alterthums, jedoch nicht anders, als in menschlicher Gestalt, weil es anders nicht möglich war. Nachdem nun einmal durch diese Männer der Saame der Religion unter eine Menge Menschen ausgestreut war und ein ganzes Volk, das von den alten Hebräern abstammte, sich der Gottesverehrung zugewandt hatte, so ertheilte jenes Wort diesem als einem noch durch seine alte Lebensweise verwöhnten Hansen durch den Propheten Moses Bilder und Zeichen eines mystischen Sabbats und eine Beschneidung nebst einer Anweisung zu andern geistigen Betrachtungen, aber die deutliche Einsicht in die Geheimnisse der Religion selbst gab er ihnen noch nicht. Endlich, als das diesem Volke Einleitung. 7 gegebene Gesetz weiter bekannt wurde und sich gleich einem wohlriechenden Duft über alle Menschen verbreitete, da wurden von hier aus(l) die Gesin- nungen der meisten Völker durch die Gesetzgeber und Philosophen, welche allenthalben auftraten, milder, und ihre thierische Wildheit und Barbarei verwandelte sich in Menschlichkeit, so daß ein tiefer Friede und Freundschaft und Verkehr stattfanden. Da erschien zugleich mit dem Anfange des römischen Kaiserreichs endlich auch allen andern Menschen und Völkern der Erde, als welche schon früher Wohlthaten empfangen hatten und nun schon für die Annahme der Erkenntniß des Vaters empfänglich waren, wiederum eben dieselbe Lehre der Tugend, und der Diener des Vaters in allem Guten, das göttliche und himmlische Wort Gottes, als ein wirklicher Mensch, welcher seiner körperlicher Beschaffenheit nach in nichts von unserer Natur verschieden war, und that und litt das, was den Weissagungen der Propheten entsprach. Diese hatten schon längst vorher angekündigt, es werde ein Gott und Mensch in Einer Person unter den Menschen erscheinen, wunderbare Werke verrichten und sich allen Völkern als ein Lehrer der wahren Verehrung seines Vaters erweisen. Uebcrdieß hatten sie das Wunderbare seiner Geburt, seine neue Lehre und seine Wunderwerke, so wie die Art und Weise seines Todes, sein Auferstehen von den Tobten und endlich seine Himmelfahrt vorausgesagt. Was ferner sein Reich am Ende der Welt betrifft, so beschreibt der Prophet Daniel das göttliche Gesicht, das er mit gotterleuchtetem Blicke geschaut, nach menschlicher Vorstellung auf folgende Weise: (2) „Solches sah ich, bis die Stühle „hingesetzt wurden, und der Alte setzte sich. Sein Gewand war weiß, wie „Schnee und das Haar auf seinem Haupte wie reine Wolle. Sein Thron „war eine Feuerflamme und die Räder desselben brennendes Feuer. Ein „Feuersirom floß vor ihm. Tausendmal tausend dienten ihm und zehntau- >,sendmal zehntausend standen ihm zur Seite. Er setzte das Gericht nieder „und die Bücher wurden geöffnet." Sodann heißt es weiter: „Ich sah, und „siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer, wie eines Menschen Sohn; „er eilte bis zu dem Alten und ward vor diesen gebracht. Und ihm ward „gegeben die Herrschaft, die Ehre und das Reich, daß ihm alle Völker, „Stämme und Zungen dienen sollten. Seine Gewalt ist eine ewige Gewalt, „welche nicht vergehen wird und sein Reich wird nicht aufhören." Dieß kann man offenbar auf keinen andern, als auf unfern Erlöser, der im Anfang bei Gott war, auf den Gott Logos, beziehen, als welcher den Namen Meuschensohn wegen seiner nachmaligen Menschwerdung führt. Da ich indeß eine Auswahl derjenigen Stelleu der Propheten, welche von unserm (1) Eusebius folgt hier der gewöhnlichen Annahme der Kirchenväter, daß die alten heidnischen Dichter, Philosophen und Gesetzgeber ihre Weisheit aus dem Judenthum geschöpft hätten! Namentlich sollten Pythagoras und Plato auf ihren Reisen nach Aegypten mit den heiligen Büchern der Juden bekannt geworden seyn und ihre besten Ideen daraus entnommen haben. (2) Dan. 7, 9. lv. 13. 14. 8 Einleitung. Erlöser Jesus Christus handeln, in eigenen Büchern gesammelt (t) und das von ihnen Berichtete anderswo mit den vollständigsten Beweisen vorgetragen habe, so wollen wir uns für jetzt mit dem hier Gesagten begnügen lassen. Drittes Hauptstück. Der Name Jesus und Christus selbst ist schon vormals bekannt und bei den gottbegci- stcrten Propheten i» Achtung gewesen. Hier ist der rechte Ort, zu zeigen, daß auch der Name Jesu und der Name Christus bei allen gottseligen Propheten in Ehren gehalten worden ist. Den Namen Christus hat zuerst Moses als einen höchst verehrungswürdigen und herrlichen bekannt gemacht, da er die vorbildlichen Zeichen der himmlischen Dinge und die mystischen Bilder anordnete, gemäß dem Befehle Gottes, der an ihn erging: (2) „Mache Alles nach dem Bilde, das „dir auf dem Berge gezeigt worden ist." Er gab nämlich dem Hohenpriester Gottes den herrlichsten Namen, den nur ein Mensch haben konnte, nämlich den Namen Christus. (Z) Er legte demnach der hvhenpriesterlichen Würde, die nach seiner Ansicht über alle andern Ehrenvorzüge unter den Menschen erhaben war, Ehren und Ruhms halber den Namen Christi bei. So sehr wußte er, daß der Name Christi etwas Göttliches sey. Eben dieser Moses kannte auch den Namen Jesu durch den Geist Gottes sehr genau im Voraus und würdigte auch diesen eines ausgezeichneten Vorzuges. Er gab nämlich diesen Namen, welcher vor ihm noch gar nicht unter den Menschen ansge- sprvchlm worden war, demjenigen zuerst altein, von dem er nach der figürlichen Bedeutung dieses Namens wußte, daß er ihm nach seinem Tode im Oberbefehl nachfolgen würde. Denn vorher hieß sein Nachfolger nicht Jesus, sondern hatte einen andern Namen, den ihm seine Eltern gegeben hatten, nämlich den Namen Anse, Moses selbst aber nannte ihn Jesus und gab ihm mit diesem Namen ein Geschenk, das einen viel höhern Werth hatte, als alle königlichen Kronen. Er that aber dieß, weil Jesus, der Sohn Nave(ü), das Vorbild nnsers Erlösers, darstellte, welcher allein nach Moses und nach ded Vollendung des durch diesen eingeführten sinnbildlichen Gottesdienstes sein Nachfolger durch Stiftung der wahren und reinen Religion war. Auf diese Art verlieh also Moses den beiden Männern, welche zu seiner Zeit an Tugend und Ruhm vor allem Volke hervorleuchteten, nämlich dem Hohenpriester und dem, der ihm im Hecrbefehl folgen sollte, (1k Nämlich in dcm Beweis von der Wahrheit des Evangeliums. (2) 2 B. Mos. 25, 40. (3) Eusebius sieht hier auf die Stellen 3 B. Mos. 4, 5. 16. 6, 22., wo es im Griechischen allemal heißt: ö lxpxu? v der Hohepriester, der Gesalbte. (4) Dieser Ramc kommt 4 B. Bios. 13, 9. vor. Hieronymus aber bemerkt zum ersten Hauptstück des Propheten Moses, daß dieß ein Jrrthum in allen griechischen und lateinischen Abschristen des alten Testaments sey und daß es vielmehr Osee heißen müsse. Einleitung 0 den Namen unsers Erlösers Jesus Christus als die höchste Ehre. Deutlich und namentlich nennen aber anch die folgenden Propheten Christum vorher und bezeugen zugleich auch im Voraus die ihn von Seiten des jüdischen Volkes erwartenden Nachstellungen, so wie auch die künftige Berufung der Heiden durch ihn. So Jeremias, wenn er spricht: (1) „Christus, der Herr, „der uns beseelte, ist gefangen genommen in ihren Verderbnissein er, von dem „wir sagten, unter seinem Schatten wollen wir leben unter den Heiden." So David, wenn er in großer Noih ausruft: (2) „Warum toben die Heiden „und die Völker ersinnen Eitles? Die Könige der Erde stellen sich hin und „die Fürsten versammeln sich wider den Herrn und wider Christus," wozu er dann noch weiterhin in der Person Christi selbst die Worte fügt: „Der „Herr hat heute zu mir gesprochen: du bist mein Sohn, ich habe dich heute „gezeuget. Fordere von mir, so will ich dir die Heiden zu deinem Erbtheil „geben und die äußersten Enden der Welt zu deinem Besitzthnm.« Aber nicht allein die mit der Hohenpriesterwürde Bekleideten, welche des Vorbildes wegen mit besonders dazu bereitetem Oele gesalbt wurden, wurden bei den Hebräern mit dem Namen Christus beehrt, sondern auch die Könige, welche die Propheten ebenfalls auf göttlichen Befehl salbten und gewissermaßen zu vorbildlichen Christus machten. Denn auch sie waren ein Vorbild der königlichen Herrschermacht des einzigen und wahrhaften Christus, des göttlichen Logos, des Allherrschcrs. Ja es wurden auch, wie wir wissen, sogar einige Propheten durch die Salbung Christi im Vorbild. Diese alle haben also eine Beziehung auf den wahrhaftigen Christus, den göttlichen und himmlischen Logos, welcher allein Hoherpricster der ganzen Welt, allein König der gesummten Schöpfung und allein unter den Propheten der oberste Prophet seines Vaters ist. Ein Beweis davon ist dieß, daß keiner von allen, welche im Atterthum vorbildlich gesalbt wurden, weder unter den Priestern, noch unter den Königen, noch unter den Propheten eine so große Kraft göttlicher Tugend besessen hat, als unser Herr und Erlöser Jesus, der einzige und wahre Christus, an den Tag gelegt hat. Es hat wenigstens keiner von ihnen, mag er auch bei den Seinigen in noch so vielen Zeitaltern im höchsten Ansehen und in der höchsten Ehre gestanden haben, es je dahin gebracht, daß seine Untergebenen nach seiner bildlichen Benennung Christus waren Christen genannt worden. Keinem von ihnen ist von seinen Untergebenen die Ehre der Anbetung erwiesen worden, noch ist nach seinem Tode deren Anhänglichkeit an ihn so groß gewesen, daß sie sogar mit Freuden für den Gegenstand ihrer Verehrung in den Tod gegangen wären. Auch hat nie wegen eines von jenen unter allen Völkern des Erdbodens eine so große Bewegung stattgefunden. Denn die Kraft des Vorbildes war nicht im Stands, unter denselben eine solche Wirkung hervorzubringen, wie die Macht der Wahrheit, welche sich durch unser» Erlöser zeigte, welcher weder (1) Klagt. 4, 20. Die im Griechischen dunkel und unrichtig lautende Stelle ist hier nach Stroth übersetzt. (2) Psalm 2, 1. 2. 7. 8. 1V Einleitung. Sinnbilder und Zeichen der Hohenpriesterwürde von Jemanden annahm, noch auch von priestcrlichem Geschlecht dem Körper nach abstammte, noch sich durch eine Leibwache auf den Thron erhob, noch ein Prophet gleich den Propheten des AlterthumS, noch überhaupt irgend einer Würde oder einer Bevorzugung von Seiten der Juden theilhaftig geworden war, dennoch aber von dem Vater zwar nicht mit sinnlichen Zeichen, aber mit der vollen Wahrheit selbst ausgerüstet worden war. Ungeachtet er nun nicht gleicher Vorzüge, wie die Genannten, theilhaftig wurde, so ist er doch in weit höherem Maße, als sie alle, Christus genannt worden. Er hat als der einzige und wahre Christus Gottes die ganze Welt mit dem wahrhaft ehrwürdigen und heiligen Namen der Christen erfüllt und seinen Anbetern nicht mehr Typen und Bilder, sondern die unverhüllten Tugenden und ein himmlijches Leben durch die Lehren der Wahrheit selbst gegeben. DaS Salböl aber war nicht das aus irdischen Stoffen bereitete, sondern er empfing das göttliche durch den Geist Gottes selbst vermittelst Theilnehmung an der ungezeugten Gottheit des Vaters. Dieß bezeugt auch Jesaias, wenn er in der Person Christi selbst sich also äußert:(l) „Der Geist des Herrn „ist über mir, darum hat er mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den „Armen frohe Botschaft zu bringen szu heilen diejenigen, welche zerbrochenen „Herzens sind^Z, den Gefangenen Loslassung und den Blinden Widererlangung „des Gesichts zu verkündigen." Jndeß nicht allein Jesaias sagt dieß, sondern auch David, wenn er ihn also anredet: (2) „Dein Thron, o Gott, steht „von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das Scepter deines Reichs ist ein Scepter „des Rechts. Du liebst Gerechtigkeit und hassest Ungerechtigkeit. Darum „hat dich Gott, dein Gott, gesalbt mit dem Oel der Freude mehr als deine „Genossen." Hier nennt ihn die Schrift im ersten Verse Gott; im zweiten beehrt sie ihn mit einem königlichen Scepter, hierauf nach seiner göttlichen und königlichen Macht erklärt sie drittens, daß er Christus geworden sey, gesalbt nicht mit einem Oele aus irdischen Stoffen, sondern mit dem göttlichen Oele der Freude. Hiedurch zeigt sie auch den Unterschied und seinen großen Vorzug vor denen an, welche ehemals körperlich zum Vorbilde gesalbt wurden. An einer andern Stelle (Z) spricht derselbe David also von ihm: „Der Herr sagte zu meinem Herrn: setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine „Feinde zum Schemel meiner Füße mache." Sodann: „Vor dem Morgen- „stern habe ich dich gezeugt. Der Herr hat geschworen und es wird ihn „nicht gereuen. Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Mel- „chisedek." Dieser Melchisedek erscheint in der heiligen Schrift als ein Priester des höchsten Gottes, der nicht durch gewisses dazu bereitetes Salböl dazu gemacht worden, noch durch Erbfolge zu dem Priesterthum bei den Hebräern gelangt war. Unser Erlöser wurde deßwegen nach seiner Art, nicht nach der Art der andern, welche Zeichen und Typen bekamen, zum (1) Jes. 61 „ 1. 2. 12) Psalm 45, 7. 8. (3) Psalm 110, 1. Z. 4. Einleitung. II Christus und Priester mit Hinzufügung eines EideS erklärt. Daher erzählt uns weder die heilige Geschichte, daß er leiblich bei den Juden gesalbt wurde, noch daß er einem Priestergeschlecht angehörte, sondern daß er aus Gott selbst vor dem Morgenstern, d. h. vor der Schöpfung der Welt, sein Daseyn erhalten habe, und daß er ein immerwährendes und unvergängliches Priesterthum in alle Ewigkeit besitze. Von der auf ihn gekommenen geistigen und göttlichen Kraft ist daher ein großer und in die Augen springender Beweis, daß er allein unter Allen, welche je gewesen sind, noch bis auf diesen Tag von alten Menschen auf der ganzen Welt Christus genannt, bei allen unter dieser Benennung bekannt und bezeugt, daß seiner unter diesem Namen von Griechen und Barbaren gedacht, und daß er noch bis jetzt von seinen Verehrern auf dem ganzen Erdboden als König geehrt, mehr als ein Prophet bewundert und als der wahre und einzige Hohepriester Gottes gepriesen, so wie noch, daß er über alles dieses als Gottes Logos, der vorher existirte und vor aller Zeit ins Daseyn trat, und der die Ehre der Anrufung vom Vater erhalten hat, sogar als Gott angebetet wird. Das Wunderbarste von Allem aber ist dieses, daß wir, die wir uns ihm geheiligt haben, ihn nicht bloß mit unserer Stimme »nd dem Schall unserer Wort?, sondern mit der ganzen Innigkeit unseres Herzens verehren, sv daß wir seine Bekenntniß höher als unser eigenes Leben achten. Viertes Hauptstück. Die von ihm allen Völkern gepredigte Religion war weder neu, noch fremd. Das Obige mußte ich nothwendiger Weise meiner Geschichtsdarstellung voranschieken, damit nicht Jemand unfern Erlöser und Herrn Jesus Christus wegen der Kürze der Zeit, seit welcher er im Fleische gewirkt hat, für einen Neuling halte. Damit aber auch Niemand glauben möge, seine Lehre sey eine neue und fremde, als die einen Neuling, der sich durch nichts von den übrigen Menschen unterscheide, zum Urheber habe, so wollen wir auch darüber einiges Wenige bemerken. Es kann allerdings nicht geleugnet werden, daß erst dann, als in neuerer Zeit die Erscheinung unseres Erlösers Jesus Christus zu allen Menschen ihre Strahlen sandte, ein offenbar neues Volk, aber nicht unbedeutend an Zahl, noch in irgend einem Winkel der Erde wohnhaft, sondern das zahlreichste und religiöseste unter allen, überdies unausrottbar und unbezwinglich, weil es allezeit göttlicher Hülfe theil- haftig wird, zu der in dem geheimen Nathschlnsse Gottes bestimmten Zeit auf Einmal und unvermuthet aufgetreten ist — ich meine das bei allen mit dem Namen Christi beehrte Volk. Hierüber gerieth auch einer von den Propheten, der mit dem Auge des göttlichen Geistes die künftigen Begebenheiten vorausschaute, in ein so großes Erstaunen, daß er in folgende Worte ausbrach:(i) „Wer hat dergleichen gehört? Wer hat so geredet? (1) Ich 66, S. 12 Einleitung. »Kann ein Land nnr Einen Tag Wehen haben und ein Volk ans Einmal «geboren werden ?" Derselbe Prophet spielt auch auf den künftigen Namen dieses Volkes an, wenn er sagt:(1) „Denen, die mir dienen, wirdein »neuer Name gegeben werden, der auf Erden gepriesen werden wird." Allein obgleich wir offenbar neu sind und der wirklich neue Name der Christen erst seit Kurzem allen Völkern bekannt geworden ist, so will ich dennoch zeigen, daß unsere Lebensregeln, unsere Lebensweise und unsere Religionssätze nicht erst vor Kurzem von uns ersonnen, sondern daß sie vielmehr, so zu sagen, seit der ersten Erschaffung des Menschest von den gotteSfürchtigen Menschen der Vorzeit nach den von der Natur eingepflanzten Begriffen bestimmt und geordnet worden sind, und zwar auf folgende Art: Daß das hebräische Volk nicht neu ist, sondern seines Alterthnms wegen bei allen Menschen in Achtung steht, ist allbekannt. Dieses Volk besitzt Bücher und schriftliche Nachrichten von Männern der Vorzeit, welche zwar der Zahl nach nur wenige, aber durch Frömmigkeit, Nechtschaffenheit und alle übrigen Tugenden ausgezeichnet waren. Von diesen haben verschiedene vor der großen Fluth gelebt, andere nach derselben unter den Kindern und Abkömmlingen Noah's, worunter auch namentlich Abraham gehört, dessen sich die Hebräer als des Stifters ihres Volks und als ihres Stammvaters rühmen. Wenn man behauptete, daß alle diese Männer, die das Zeugniß der Rechtschaffenheit haben, von Abraham an bis hinauf zum ersten Menschen, wenn anch nicht dem Namen nach, doch in der That Christen gewesen seyen, so würde man nicht sehr irren. Denn wenn unter der Benennung eines Christen ein solcher Mensch verstanden wird, der durch Christi Er- kenntniß und Lehre mit Mäßigkeit, Gerechtigkeit, Enthaltsamkeit, männlicher Tugend und Bekenntniß der Verehrung des einzigen, alleinigen und allmächtigen Gottes geschmückt ist, so haben sich aller dieser Tugenden jene Männer nicht weniger, als wir, beflissen. Sie dachten an keine Beschneidung des Körpers, wir thnn es auch nicht; an keine Beobachtung des Sabbats, wir auch nicht; auch hüteten sie sich eben so wenig, als wir, vor dem Genüsse gewisser Speisen, noch machten sie sonstige Unterschiede, wie sie zu allererst Moses empfangen und den nachfolgenden Geschlechtern vorbildlich zur Nachachtnng Übermacht hat. Jndeß hatten sie eine recht deutliche Erkenntnis; von dem Christus Gottes, wie denn schon oben gezeigt worden ist, daß er dem Abraham erschienen, daß er dem Isaak Offenbarungen gegeben, mit Jakob geredet und mit Moses und den folgenden Propheten verkehrt hat. Daher finvet man auch, daß jene gottseligen Männer des Beinamens Christi gewürdigt worden sind, nach jener Schriststelle, wo von ihnen gesagt ist: (2) »Rühret meinen Christus nicht an und verübt keine „Bosheit an meinen Propheten." Man kann also deutlich sehen, daß die von Abraham und den andern frommen Männern erfundene, in neuerer (1) Jes. 65, 15. 16. (2) Worte Apaphs 1 Chr. 16, 22. Eusebius nimmt hier wiederum das Wort Christen nicht in der Bedeutung von: Gesalbten, sondern, wie schon oft vorher, als Eigennamen. Augustus. Jahr Christus 1? Zeit aber durch die Lehre Christi allen Völkern verkündigte Religion für die erste, älteste und ursprüngliche gehalten werden muß. Wenn man aber sagt, daß Abraham erst lange Zeit nachher das Gebot der Beschneidung empfangen habe, so wird ihm doch schon vor derselben das Zeugniß der Gerechtigkeit gegeben, wie es denn in der heiligen Schrift heißt: (1) „Abra- „ham aber glaubte Gott und dieß ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet.« Und da Abraham schon vor der Beschneidung ein solcher war, so wurde ihm durch den sich ihm offenbarenden Gott (dieß war aber Christus, der Logos Gottes selbst) in Betreff derer, welche in der Folgezeit auf gleiche Art, wie er, gerechtfertigt werden sollten, eine Weissagung zu Theil, welche wörtlich also lautet: (2) „Und es sollen in dir gesegnet werden alle Stämme der Erde," und an einem andern Ort: (3) »Er wird ein großes und zahlreiches »Volk werden und es werden in ihm gesegnet werden alle Völker der Erde." Daß dieß aber an uns erfüllt sey, kann ein Jeder deutlich wahrnehmen. Denn Jener war durch den Glauben an Christus, den ihm erschienenen Logos Gottes, gerechtfertigt, da er dem Aberglauben seiner Väter und seinem frühern Jrrihum entsagte, den einzigen Gott über Alles bekannte und diesem mit Werken der Tugend, nicht mit Beobachtung des spätern mosaischen Gesetzes diente. Und weil er dieses that, wurde zu ihm gesagt, daß alle Stämme der Erde und alle Völker sollen in ihm gesegnet werden. Nun ist aber aus Thaten, welche mehr beweisen, als Worte, klar, daß gerade diese Religion Abrahams gege nwärtig aufder ganzen Welt nur allein bei den Christen in Uebuug gefunden wird. Was könnte uns also noch hindern, zu behaupten, daß wir, die wir nach Christus genannt sind, und die frommen Männer der Vorzeit eine und dieselbe Religion und Moral gehabt haben? Es ist demnach ganz augenfällig, daß die treffliche Religivnsverfassung, welche wir durch die Lehre Christi überkommen haben, nicht eine neue und fremde, sondern, die Wahrheit zu sagen , die erste und einzig wahre ist. So weit hievon. Fünftes Hauptstück. Von der Zeit der Erscheinung Christi auf Erden. Nach Vorausschickung der nöthigen Einleitung in meine vorliegende Äirchengeschichte will ich nun mit der Erscheinung Christi im Fleische gleichsam meine Bahn antreten. Ich rufe dabei Gott, den Vater des Logos und den, von dem wir handeln selbst, Jesum Christum, unfern Erlöser und Herrn, den himmlischen Logos Gottes, um Hülfe und Beistand für die Wahrheit meiner Erzählung an. Es war das ä2ste Jahr der Negierung des Kaisers Augustus, das 28ste nach der Unterwerfung Aegyptens und dem Tode des Antonius und * Olymp. 494. Erbauung Roms 752. 2ahr der Welt 3949. (4) 4 B. Mos. 45, 6. (2) 1 B. Mos. 22, 43. (3) 4 B. Mos. 48, 48- 14 Nugustus. Jahr Christus 1. der Kleopatra, mit welch letzterer die Herrschaft der Ptolemäer in Aegypten sich endigte, als unser Erlöser und Herr Jesus Christus während der damaligen ersten Schätzung,(1) unter dem Statthalter Quirinius von Syrien, den Weissa, gungen von ihm zufolge, zu Bethlehem in Judäa geboren ward. Dieser Schätzung unter Quirinius thut auch der berühmteste Geschichtschreiber der Juden, Flavius Josephus, (2) Erwähnung und setzt damit eine andere Geschichte von der damals entstandenen Partei der Galiläer in Verbindung, deren auch unser Lukas in der Apostelgeschichte (Z) mit folgenden Worten erwähnt: „Nach diesem stand auf Judas, der Galiläer, in den Tagen der „Schätzung und brachte viel Volks auf seine Seite. Aber auch er kam um „und Alle, die es mit.ihm gehalten, wurden zerstreut." Damit stimmt auch der gedachte Geschichtschreiber im 18ten Buche seiner jüdischen Alterthümer (ä) überein, wo er wörtlich Folgendes berichtet: „Quirinius, ein Mann aus „dem römischen Senatorenstande, der schon die übrigen Staatöämter bekleidet „hatte und durch alle Stufen bis zum Konsul gestiegen, übrigens auch sonst „ein sehr angesehener Mann war, erschien mit einer nur wenig zahlreichen „Begleitung in Syrien, abgeschickt vom Kaiser, um theils Recht zu sprechen, „theils eine Schätzung des Vermögens vorzunehmen." Bald darauf sagt sodann Josephus weiterhin: „Judas, ein Gaulaniter aus der Stadt Gamala, „gesellte sich einen Pharisäer, Namens Saddoch, bei, und reizte das Volk „zum Aufstand. Sie sagten, die Schätzung sey nichts Anderes, als die (1) Die Schätzung oder der CensuS begriff nach den römischen Rechtsbcgriffen außer der Zählung und Einregistrirung der Namen eine Schätzung des Vermögens in sich. (2) Josephus erwähnt zwar des Census, der von Quirinius in Syrien und Judäa bald nach der Verweisung des Archelaus gehalten worden, aber dieses Census, wovon Lukas sagt, er sey noch unter der Regierung des Hcrodes gehalten worden, gedenkt er nicht. Mir scheint beim Namen des Quirinius ein Jrrthum in den Text des Lukas gekommen zu seyn, so daß man für Quirinius lesen muß: Senlius Saturninus. Denn dieser war nach dem Zeugnisse des Josephus gegen das Ende der Regierung des Hcrodes Präses in Syrien. Wenigstens schreibt Tertullian im vierten Buche wider den Marcion, daß in Judäa durch den Sentius Saturninus der Census gehalten worden sey. Indessen befremdet es, daß Josephus, der der Geschichte seines Vaterlandes mit solcher Sorgfalt nachspürte, daß er alle Statthalter in Syrien anführt, und der auch des Saturninus und seines Nachfolgers Varus gedenkt, diesen Census übergangen hat. Eusebius, der dieß bemerkt, hielt also dafür, daß es einer und eben derselbe Census sey, dessen Lukas und Josephus erwähnten und daß Josephus darin irre, daß er diesen Census erst nach der Verweisung des Archclaus setze. Aus diesem Grunde setzt er in seiner Chronik den Aufstand des Galiläer Judas, welcher auf den Quirinischen Census folgt, um die Zeit der Geburt Christi, in die letzten Jahre des Herodes. Scaliger glaubt, daß zwei Census von Quirinius gehalten worden scyen, allein seine Meinung ist äußerst unwahrscheinlich. Man Ionntc auch sagen, daß dieser Census unter der Regierung der Herodes angefangen und unter dem Quirinius erst geendet worden sey. Valesius. Alle Mühe, welche man sich gibt, diese Schwierigkeit mit befriedigender Gewißheit zu heben, ist vergebens. Die Taxirung durch den Quirinius, deren Josephus I. A. B. 18 K. 1. gedenkt, geschah eben diesem Schriftsteller zufolge (K. 3) im 37sten Jahr nach der Schlacht bei Actium, folglich im achten Jahre des Alters Christi. Sollte Lukas, Saturninus oder Quintilius (der sich eine Zeit lang in Jerusalem bei Herodes aufhielt, Job. B. 17. K. 7) geschrieben haben, so müßte die Veränderung in Quirinius, die sich übrigens aus dem abgeschmackten Vorwitz der Abschreiber begreifen läßt, sehr frühe geschehen seyn, daß sie in alle Abschriften geflohen. Stroth. Weitere Versuche zu Hebung der angegebenen Schwierigkeit finden sich bei den Auslegern zu Luk. 2, 1 ff., welche ich aber nicht hier anführe, da sie noch keiner derselben vollkommen beseitigt hat. (3) 5, 37. (4) Im ersten Hauptstück. Augustus. Jahr Christus 1. IS „Einführung einer offenbaren Knechtschaft, und riefen das Volk zur Verthei- »digung der Freiheit.« Und in dem zweiten Buche seiner Geschichte des jüdischen Krieges (1) schreibt er von eben demselben Folgendes: „Damals „reizte ein gewisser Galiläer, Namens Judas, seine Landsleute zur Empörung, indem er ihnen bittere Vorwürfe darüber machte, daß sie es erdulden „könnten, den Römern Steuern zu zahlen und neben Gott noch sterbliche „Gebieter anzuerkennen." So weit Josephus. Sechstes Hanptstück. Wie um die Zeit der Erscheinung Christi, den Aussprüchen der Propheten gemäß, die Regicrungsfolge der einheimischen Fürsten bei dem jüdischen Volke aufgehört und wie Herodes, der erste Ausländer, König desselben gewesen. Damals herrschte Herodes als der erste Ausländer über das jüdische Volk und die Weissagung Mosis(2) war somit in Erfüllung gegangen, daß kein Fürst aus Juda, kein Heerführer aus seinen Landen mangeln solle, bis der käme, für den es aufgehoben wäre. Von diesem versichert auch Moses, er werde die Erwartung der Völker seyn. Diese Weissagung war unerfüllt geblieben, so lange noch den Juden unter Fürsten aus ihrer Mitte zu stehen vergönnt war und diese fingen von Moses an und dauerten bis auf die Regierung des Augustus. Unter diesem Kaiser aber erhielt Herodes, der erste Ausländer, von den Römern die Regierung über die Juden. Herodes war nämlich, wie Josephus berichtet, (Z) von väterlicher Seite ein Jdumäer, (4) von mütterlicher aber ein Araber. Nach Afrikanus, (5) einem gleichfalls ausgezeichneten Geschichtschreiber, sagen die genanern Nachrichten über ihn, er sey ein Sohn des Antipater gewesen und dieser der Sohn eines gewissen Herodes von Askalon, (6) welcher einer von den Tempeldienern bei dem dasigen (t) Im achten Hauptstück. (2) 1 B. Mos. 49, 10. (3) Eusebius sieht hier vermuthlich auf die Stelle Ziid. Alterth. 14, 11., wo Josephus erzählt, Antipater habe bei den Jdumäern in großem Ansehen gestanden und ein arabisches Frauenzimmer, Namens Kypros, geheirathet, mit welchem er vier Söhne und unter diesen den Herodes erzeugt. Daß gedachter Antipater ein wirklicher Jdumäer von Geburt gewesen, sagt Josephus im jüdischen Krieg 1,5. Stroth. (4) Jdumäa war eine Landschaft in Palästina, welche an Judäa und das sumpfige Arabien grenzte. Sie war von dem mannabäischen König Johannes Hyrkanus zur Beschneidung gcnöthigt und so mit der Judcnschaft zwangsweise verbunden worden. (5) Näheres von Afrikanus siehe unten 6, 31. Was hier aus ihm von Herode» angeführt und im folgenden Hauptstück wiederholt wird, ist unrichtig, wenigstens widerspricht es den Nachrichten des Josephus. Jüd. A. 14, 2., wo der Großvater des HerodeS nicht Herodes, sondern Antipas genannt wird. Von seinem Vater Antipater sagt Josephus hier, daß er ein Jdumäer gewesen, ein reicher, unternehmender und thätiger Mann und Freund des Hvrkanus. Uebrigens kann Scaligcr, der sich auf den Josephus beruft, daß Herodes ein Jude gewesen, aus dieser Stelle am besten widerlegt werden. Josephus sagt hier ausdrücklich: „Nikolaus Damascenus habe behauptet, daß Herodes von den Fürsten der „Juden abstamme, die aus Babylon nach Judäa gekommen, aber er habe dieß nur zu „Gunsten des Herodes und seines Sohnes gesagt, den das Glück aus den jüdischen Thron „gehoben hätte." Stroth. (ö) Eine Seestadt in Palästina. Augustus. Jahr Christus 1. Appollotempel war. Dieser Antipater gerieth als ein kleiner Knabe in die Hände von idnmäischen Räubern und blieb bei ihnen, weil sein Vater zu arm war, um das Lösegeld für ihn zu bezahlen. Er wurde in ihren Sitten erzogen und gewann in der Folgezeit die Gunst des jüdischen Hohenpriesters Hyrkanns. Ein Sohn dieses Antipater« war Herodes, der zur Zeit der Geburt unseres Erlösers regierte. Da nun dieser die Negierung über die Juden überkommen hatte, so war die Erwartung der Völker, der Weissagung gemäß, bereits vor der Thüre.' Denn von da an war die Regiernngsfolge ihrer Fürsten und Regenten von Moses an abgebrochen. Vor ihrer Gefangenschaft und ihrer Versetzung nach Babylon standen sie unter Königen, von welchen Saul und David die ersten waren. Vor den Königen wurden sie von Regenten, Nichter genannt, beherrscht, welche sogleich nach Moses und dessen Nachfolger Josua anfingen. Nach der Rückkehr aus Babylon hatten sie fortwährend eine aristokratisch-oligarchische NegiernngSform. Es standen nämlich die Hohenpriester an der Spitze der Negierung, bis der römische Feldherr Pompejus erschien, Jerusalem mit Sturm eroberte und das Heiligthum verunreinigte, da er bis in das Allerheiligste des Tempels ging. (1) Dieser schickte den ArisiobuluS, der bis dahin vermöge des Rechts der Erbfolge König und Hvherpriester zugleich war, gefesselt mit seinen Kindern nach Rom und gab die Hohenpriesterwürde dessen Bruder Hyrkanns, machte aber von dieser Zeit an die ganze jüdische Nation den Römern zinsbar. Nachdem aber bald darauf auch Hyrkanus, mit dem sich die Reihenfolge der Hohenpriester schloß, in die Gefangenschaft der Parther gerathen war, so überkam, wie oben gesagt, Herodes, der erste Ausländer, von dem römischen Senat und dem Kaiser Augnstus die Herrschaft über das jüdische Volk. Da zu seiner Zeit die Erscheinung Christi offenbar war, so erreichte die Erwartung des Heils der Völker ihr Ende und die Berufung der Heiden erfolgte gemäß den prophetischen Weissagungen. Da nun von dieser Zeit an die Fürsien und Regenten aus Inda, ich meine aus der jüdischen Nation, aufhörten, so wurde auch alsbald diesen gemäß die bisher bei der Nachfolge im Hohenpriesterthum von jeher genau beobachtete Ordnung, vermöge deren es immer auf den nächsten Erben des Vorhergehenden fiel, gestört. Auch davon ist Josephuö ein glaubwürdiger Zeuge. Dieser erzählt nämlich, (2) Herodes habe, nachdem er von den Römern zum König erhoben worden war, nicht mehr Männer aus altem Geschlechte zu Hohenpriestern gemacht, sondern namenlosen Menschen diese Würde übertragen. Dieselben Grundsätze in Betreff der Besetzung der hohenpriesierlichen Würde habe sein Sohn Archclaus und nach diesem die Römer, als sie sich Judäa's bemächtigt, befolgt. Derselbe Geschichtschreiber meldet auch, (2) Herodes habe zuerst (t) Der Eintritt in dieses war nur dem Hohenpriester erlaubt. Pompejus kam aber sogar mit seinem Gefolge, ließ jedoch die heiligen Gefäße und den Tcmpelschatz (2000 las) unberührt. (2) Jüd. Merthüm. 20, 8. (3) Lud. Alterthüm. 18, 6. 20, 1. Äugufius. Jahr Christus 1. 17 das heilige Eewaud des I^ohenpriesters verschlossen und unter sein eigenes Siegel gelegt, ohne dasselbe ferner in den Händen der Hohenpriester zu lassen. Eben dasselbe hätte auch nach ihm Archelaus und nach diesem die Römer gethan. Dieses mußte ich anführen, um zu zeigen, daß auch eine andere Weissagung zur Zeit der Erscheinung unseres Erlösers Jesus Christus in Erfüllung gegangen ist. Denn, nachdem die heilige Schrift in dem Propheten Daniel eine gewisse Zahl von Wochen bis auf Christus den Fürsten (wovon wir an einem andern Orte gehandelt haben) namentlich angegeben hat, so folgt die Weissagung, (t) daß nach dem Verlaufe derselben die heilige Salbung bei den Juden werde ausgerottet werden. Und daß diese Weissagung zur Zeit der Geburt unsers Erlösers Jesus Christus in Erfüllung gegangen, ist ganz offenbar. Dieß mußte ich zum Erweise der Richtigkeit der Zeiten uvthwendigsr Weise voranschicken. Siebentes Hauptstück. Von der vermeintlichen Verschiedenheit der Evangelien (2) in Betreff des Geschlechts- rcgisters Christi. Da uns Matthäus und Lukas verschiedene Nachrichten in Betreff des Geschlechtsregisters Jesu in ihren Evangelien überliefert haben und nicht wenige glauben, daß eine wirkliche Verschiedenheit zwischen beiden stattfinde, da ferner ein jeder der Gläubigen aus Unkenntniß der Wahrheit um die Wette eine Auflösung dieser Stellen zu finden sich bemühte, so wollen wir hier die hievon auf uns gekommene Nachricht mittheilen, welche der kurz vorhin erwähnte Afrikanus in einem Briefe an Aristides über die Uebereinstimmnng des Geschlechtsregisters in den Evangelien gibt. Nachdem er in demselben die Hypothesen der andern als gewaltsam und unhaltbar widerlegt hat, so trägt er die Geschichte, welche er gehört hatte, mit folgenden Worten vor: „Die Namen der Geschlechter in Israel wurden entweder „nach der Natnr oder nach dem Gesetze gerechnet. Nach der Natur, wenn „der leibliche Sohn auf den Vater folgte; nach dem Gesetze, wenn Jemand „die Kinder, welche er zeugte, nach dem Namen seines kinderlos verstorbenen „Bruders benannte. Denn weil noch keine gcwisseHoffnung der Auferstehung „gegeben war, so bildeten sie die künftige Verheißung davon durch eine gewisse „sterbliche Auferstehung ab, damit der Name des Verstorbenen nicht unter- „gehen möchte. Da nun die in dieser Genealogie Aufgeführten theils als „leibliche Söhne ihren Vätern folgten, theils von andern gezeugt, nach (t) Dan. 9, 26. (2) Es sind in älterer und neuerer Zeit sehr viele mehr oder minder befriedigende Erklärungs- und Auflosungövcrsuche über diese Verschiedenheit zwischen Matthäus und Lukas angestellt worden, ohne daß bis jetzt die Sache ihre vollständige Bereinigung gefunden hätte; da aber die Anführung und Prüfung derselben hier zu weit führen würde, so verweise ich auf die Erklärer des Matthäus und Lukas, so wie auch Hugs Einleitung in das neue Testament, 2tcr Thcil, S. 266 ff. (dritte Ausgabe). Eusebius Kirchengeschichte. 2 !F Augustus. Jahr Christus 1. „andern aber benannt sind, so ist beider Erwähnung gethan, sowohl der „wirklichen Väter, als auch der eingebildeten. Auf diese Art enthält keines «der beiden Evangelien eine Unwahrheit, indem das eine die Abstammung „nach der Natur, das andere nach dem Gesehe rechnet. Denn die Geschlechter, die von Salomo und von Nathan abstammen, sind durch Na- „menserneuerungen der kinderlos Verstorbenen, durch zweite Heirathen und „Saamenerweckungen so in einander verschlungen, daß einerlei Leute mit „Recht für Kinder verschiedener Väter gehalten werden, nämlich auf der „einen Seite der wirklichen Väter, ans der andern der eingebildeten. Beide „Erzählungen sind also vollkommen wahr und kommen, wenn auch durch «manche Verschlingungen, doch ganz genau auf Joseph. Um aber das Angeführte zu verdeutlichen, will ich die Verschlingung der Geschlechter selbst «angeben. Wenn man von David durch Salomo die Geschlechter rechnet, „so findet man als den dritten vom Ende den Matthan, welcher den Jakob „zeugte, den Vater Josephs. Von Nathan aber, dem Sohne Davids, ist «nach Lukas Melchi ebenfalls der dritte vom Ende, dessen Sohn Eli, der «Vater Josephs, ist. Denn Joseph war ein Sohn Eli'S, des Sohnes Melchi. „Da nun Joseph unser Augenmerk ist, so ist zu zeigen, wie ein jeder von „diesen beiden sein Vater genannt wird, sowohl Jakob, der von Salomo, „als auch Eli, der von Nathan sein Geschlecht ableitet, wie diese beiden «Jakob und Eli ein paar Brüder gewesen und überdies? noch, wie die Väter «dieser, Matthan und Eli, ungeachtet sie aus verschiedenen Familien waren, «als Großväter Josephs aufgeführt werden können. Matthan und Melchi „heiratheten nur einer nach dem andern eine und dieselbe Frau und zeugten „mit derselben Brüder, welche Kinder Einer Mutter waren. Denn das «Gesetz verbot nicht, daß eine ledig gewordene — sey es nun durch Scheidung oder durch den Tod des Gatten — sich an einen andern verheirathe. «Mit dsr Estha also —denn dieses war der Überlieferung zufolge der Name „der Frau — zeugte zuerst Matlhan, der sein Geschlecht von Salomo ableitete, „den Jakob, und nachdem Matthan gestorben war, so heirathete, wie zuvor «gedacht, Melchi, der sein Geschlecht auf Nathan zurückführte, und zwar „aus demselben Stamm, aber aus einer andern Familie war, die Wittwe „desselben und zeugte mit ihr den Eli. So finden wir also den Jakob und „Eli von verschiedenen Geschlechtern als Brüder von Einer Mutter geboren. „Der eine von diesen, Jakob, nahm, nachdem sein Bruder Eli kinderlos „gestorben war, dessen Frau und zeugte mit ihr den Joseph, der nach der „natürlichen Zeugung und Ordnung sein Sohn war, daher es denn auch »heißt: Jakob zengete den Joseph. Nach dem Gesetze aber war der letztere «ein Sohn Eli's, denn diesem hatteJakob als Bruder Saamen erweckt. Deß- «wegen kann auch daö Geschlechtsregister von ihm nicht als unwahr betrachtet „werden, nach welchem der Evangelist Matthäus rechnet, wenn er sagt: „Jakob zeugete den Joseph, Lukas aber zählt rückwärts: „der war ein „Sohn , wie man glaubte (denn dieß setzt er ausdrücklich hinzu), des Jo- „seph, des Sohnes Eli, des Sohnes Melchi." Denn bezeichnender konnte Angustus. Jahr Christus 1. „die Zeugung nach dem Gesetz nicht ausgedrückt werden. (1) Er verschweigt „nämlich bei dieser Geschlechtsfortpflanznng das Wort »zengete« bis ans „Ende, indem er rückwärts bis zu Adam und Gott hinaufgeht. Und diese „Behauptung ist nicht nur so ohne allen Beweis und willkührlich hingestellt. „Denn die Verwandten unseres Erlösers nach dem Fleische haben uns — „mochten sie sich nun selbst verherrlichen oder bloß belehren wollen, genug, „sie sagten die Wahrheit — auch dieses überliefert. Als idnmäische Räuber „die Stadt Askalon in Palästina überfielen, so führten sie ans dem Götzentempel des Apollo, welcher an der Stadtmauer stand, den Antipater, den „Sohn eines gewissen Tempeldieners Herodes, mit der andern Beute „ans dem Tempel gefangen weg. Da der Tempeldiener für seinen Sohn ein „Lösegeld zu erlegen nicht im Stande war, so wurde Antipater in den „Sitten der Jdnmäer erzogen und gewann in der Folgezeit die Gunst des „Hyrkanus, des Hohenpriesters von Judäa. Er übernahm für diesen eine „Gesandtschaft an Pompejns, befreite ihm sein von seinem Bruder Aristobnlns „eingenommenes Reich und war so glücklich, zum Prvknrator von Palästina (2) ernannt zu werden. Nachdem aber Antipates, weil man ihn um „sein großes Glück beneidete, menchelmörderisch umgekommen war, so folgte „ihm sein Sohn Herodes nach, welcher später von Antonius und Angustus „nach einem Senatsbeschlnsse zum König von Judäa eingesetzt wurde. Seine „Söhne waren Herodes und die andern Tetrarchen. (3) Dieß stimmt alles „auch mit den Nachrichten der Griechen überein. Da nun bis auf diesen „Zeitpunkt die Geschlechter der hebräischen Familien, so wie der dem Volke „einverleibten Proselyten (4) der Vorzeit, z. B. AchiorS, des Ammoniters „und der Ruth, der Moabilerin, desgleichen derer, die mit ans Aegypten „ausgezogen waren und sich mit den Israeliten vermischt hatten, in den „Archiven aufgeschrieben waren, so ließ Herodes, als welcher keine Ver- „wandtschaft mit der hebräischen Nation hatte, gequält von dem Bcwußtseyn „seiner niedrigen Herkunft, die Geschlechtsverzeichnisse der Inden verbren- >>nen,(5) in der Meinung, er werde dann edler Herkunft scheinen, wenn (1) Nicht in dem Ausdruck, wie man glaubte, sucht (nach der Annahme des Valesiusl Afrikanus etwas, sondern in dem Unterschiede, daß Lukas sagt: der war ein Sohn und Matthäus: er zcugete. Denn der erstere Ausdruck ist zweideutiger als der letztere und kann sowohl einen leiblichen als angenommenen Sohn bedeuten. Ucbrigcns ist es gewiß, daß Afrikanus und Eusebius in ihrer Abschrist des Lukas die Namen Matthat und Lcvi nicht gelesen haben, denn es läßt sich gar nicht denken, daß jener bei einer solchen Untersuchung sie sollte übersehen und dieser ihn nicht verbessert haben. Es können aber mancherlei Versetzungen vorgegangen seyn, denn Matthat und Levi komme» hernach noch einmal vor. Stroth. (2) D. h., er bekam die Civil- und Militärverwaltung des Landes. (3) Das Wort Tctrarch bedeutet nicht gerade Vierfürst, d. h. Fürst eines Vicrtheils von einem Lande, sondern bezeichnet überhaupt einen Fürsten der Untcrabthcilung einer Nation. (4) Hierunter sind namentlich diejenigen Proselytcn zu verstehen, deren in den Büchern des alten Testaments gedacht wird. (v) Valesius hält diese Erzählung für ungewiß, weil Joscphus, der in dem Buch von seinem eigenen Leben seinen Ursprung und das Alter seiner Familie anführt, diese Nachricht aus den öffentlichen Archiven herleite, und schließt daraus, daß zu Josephus Zeit die öffentlichen Archive, in welchen die GeschlechtSregistcr der jüdischen Familien waren, noch übrig gewesen seycn. 2 * 2t» Augnstus. Jahr Christus I. »Niemand aus öffentlichen Urkunden sein Geschlecht ans die Patriarchen, „oder ans jene Prvselyten, oder ans die sogenannten Ankömmlinge, die sich „mir den Israeliten vermischt hatten, zurückfuhren könnte. Nur einige „wenige Leute, die mehr Sorgfalt darauf verwandten und Privatverzeichnisse „hatten, die sie entweder aus dem Gedächtnisse zusammengesetzt oder auch „aus den Urschriften genommen hatten, konnten sich rühmen, das Andenken „ihrer cdeln Abstammung erhalten zu haben. Unter diese gehörten die „Vorgedachtcn, welche wegen ihrer Verwandtschaft mit dem Erlöser He r- „rcnkinder genannt wurden. Diese zerstreuten sich von den Flecken „Nazareth und Kochaba(l) in andere Gegenden des Landes und gaben die „erwähnte Genealogie theils aus ihrem Gedächtnisse, theils aus dem Tage- ,,buche(2) so gut sie es vermochten. Mag sich dicß nun so oder anders ver- „halten, so dürfte, wie jeder Verständige mit mir glauben wird , nicht leicht „ein Anderer eine deutlichere Auflösung finden. Und mit dieser wollen „wir uns, wiewohl fie nicht mit Zeugnissen belegt werden kann, begnügen, „da man doch keine bessere und richtigere angeben kann. Auf jeden Fall „berichtet das Evangelium Wahrheit." Am Ende desselben Briefes sehr Afrikanus noch Folgendes hinzu: „Matthan, der von Salomo abstammte, „zeugte den Jakob. Nachdem Matthan gestorben war, so zeugte Melchi, „der von Nathan abstammte, mit eben der Fr5u den Eli. Eli und Jakob „waren also Brüder von Einer Mutter. Nachdem Eli kinderlos gestorben „war, so erweckte ihm Jakob Saamen, indem er den Joseph zeugte, der zwar „der Natur nach sein Sohn war, nach dem Gesetze aber der Sohn des Eli. „Ans diese Art war also Joseph beider Sohn." So weit Afrikanus. Indem nun Josephs Genealogie auf diese Art dargestellt ist, so erhellt, daß Maria aus dem gleichen Stamme mir ihm war, da n-ach den Gesetzen Mosis keine Vermischung mit andern Stämmen erlaubt war. Denn es ist in denselben geboten, eine Frau aus demselben Geschlecht und aus derselben Familie zu Heirathen, damit nicht das Erbtheil eines Geschlechts von einem Stamme aus den andern übergehe. So viel hievon. Achtes Hauptftück. Von der Grausamkeit des Herodes gegen die Kinder (3) und was für ein Ende er genommen. Nachdem nun Christus den Weissagungen zufolge zu der angegebenen Zeit zu Bethlehem in Judäa geboren war, so wurde Herodes durch die Anfrage und Erkundigung der Magier aus dem Morgenland, wo der neugeborene (1) Nach Epiphanius ein Flecken in Galiläa unweit der t» Städte. (2) Darunter sind die so eben genannten Privatverzeichnifsc zu verstehen. (3) Daß Joscphus nichts von dem Kindermord zu Bethlehem hat, ist keine Einwendung gegen die Wahrheit der evangelischen Geschichte. Denn eincstheils verschwindet eine solche Lhat vor den vielen andern Grausamkeiten des Herodes, andcrnthcils können in dem kleinen BiMehem nur wenige Kinder unter zwei Jahren gewesen seyn. Ja, wenn ein so AügustnS. Jahr Christus t. 21 König der Juden sty, und durch ihre Aussage, daß sie seinen Stern gesehen hätten, uud daß sie dieß zu einer sv weiten Reise veranlaßt habe, indem sie ein großes Verlangen trügen, dem Neugeborenen als einem Gott ihre Ver- ehrnng zu erweisen, nicht wenig beunruhigt, da er dadurch seine Herrschaft gefährdet glaubte. Er erkundigte sich bei den Gesehlehrern im Volke, wo sie die Geburt Christi erwarteten, und ertheilte, als er erfuhr, daß eine Stelle bei dem Propheten Micha Bethlehem als seinen Geburtsort nenne, ( t) den Befehl, daß alle Säuglinge männlichen Geschlechts von zwei Jahren und darunter (nach der von den Magiern sorgfältig erforschten Zeit) zu Bethlehem und in der Umgegend getödtet werden sollten. So glaubte er ganz gewiß (wie es denn auch zu erwarten stand), daß Jesus dasselbe Schickml, wie seine andern Altersgenossen, treffen werde. Allein seine Eltern hatten durch die Erscheinung eines Engels das, was ihrem Kinde hervorstand, zum Voraus erfahren, und der Knabe kam der ihm drohenden Gefahr dadurch zuvor, daß sie ihn nach Aegypten brachten. Dieß erzählt uns die heilige Schrift im Evangelium. Jndeß.dürfte es auch nicht unangemessen seyn, zu erfahren. welchen Lohn HerodeS für sein Unterfangen gegen Christus uns desseji Altersgenossen erhalten hat. Denn die göttliche Strafgerechtigkeir suchte ihn alsbald ohne den geringsten Aufschub noch bei seinen Lebzeiten heim und gab ihm dadurch einen Vorschmack von dem, was ihn nach seinem Hintritt aus dieser Welt erwartete. Wie sehr Herodes den eingebildeten Glanz seiner Negierung durch eine Reihe in seinem Hause auf einander folgender Unglücksfälle und durch die Ermordung seiner Frau, seiner Kinder und der andern ihm durch Verwandtschaft oder Freundschaft am nächsten stehenden Personen verdunkelte, kann jezt hier unmöglich im Einzelnen erzählt werden. Denn die Behandlung dieses Stoffes würde alle Trauerspiele an tragischem Inhalte übertreffen; überdieß hat ihn Josephus in seiner Geschichte ausführlich behandelt. Wie aber unmittelbar nach seinem Anschlage gegen unfern Erlöser und die andern kleinen Kinder eine von Gott verhängte Strafe ihn ergriff und zum Tode fortriß, kann man am besten aus den eigenen Worten des Geschichtschreibers ersehen, der im 17ten Buche seiner jüdischen Alterthümer (2) sein Lebensende folgendermaßen erzählt: „Die „Krankheit verschlimmerte sich bei Herodes mehr und mehr, weil Gott selbst „ihn wegen seiner Frevelrhaten heimsuchte. Es war ein schleichendes Fieber, „welches nicht so sehr denen, die ihn berührten, den Brand zu erkennen gab, „als es in seinen Eingeweiden wüthete. Dazu kam eine heftige Begierde, .„immer etwas zu sich zu nehmen, welcher er nicht widerstehen konnte. In „seinen Eingeweiden waren Geschwüre und die heftigsten Kolikschmerzeu „quälten ihn. Daneben floß eine klare und brennende Materie ans seinen schauerliches Gemetzel unter den Kmdcru stattgefunden hätte, wie es die Maler seit Jahrhunderten darzustellen gewohnt sind, dann müßte allerdings das Stillschweigen des Josephus sehr befremden. (ch Micha 5, t, l2) ,Diele Erzählung steht im sechsten Kapitel des angeführten Buches. 22 Augustus. Jabr Christus t. „Füßen. sticht minder litt er auch am Unterleibe. Selbst seine Schaan! faulte „und Würmer erzeugten sich darin. Er mußte tief Athem holen, was theils „wegen des widerwärtigen Geruchs, theils wegen der häufigen Beklem- „mnngen sehr beschwerlich fiel. In allen Gliedern hatte er Krämpfe, welche „ihm eine unbezwingliche Stärke gaben. Alle nun, welche sich ans die „Wahrsagerei und auf die Erklärung solcher Vorfälle verstanden, sagten aus, * „dieß sey eine Strafe, welche Gott über den König wegen seiner vielen Fre- velthaten verhänge." Dieß erzählt der gedachte Josephus in dem vorhin angeführtenBnche.Aehnliches berichteter von eben demselben im zweiten Buche seiner Geschichte des jüdischen Krieges (b) mit folgenden Worten: „Hierauf „verbreitete sich die Krankheit über den ganzen Körper und peinigte ihn mit „vielfachen Schmerzen. Denn er hatte ein schleichendes Fieber und litt an „einem unerträglichen Jucken auf der ganzen Haut und ununterbrochenen „Kolikschmerzen. Die Füße waren ihm geschwollen, wie bei einem Wasser- „süchtigen, sein Unterleib entzündet und in seinen faulenden Geschlechts- „theilen erzeugten sich Würmer. Uebrigens konnte er nur noch in aufrechter „Stellung und auch da nur mit Mühe athmen. In alten seinen Gliedern „hatte er Krämpfe. Die Wahrsager erklärten diese Krankheit für eine „Strafe Gottes. Er aber, obgleich mit so vielen Leiden kämpfend, hing „immer noch am Leben, hoffte noch auf Rettung und dachte auf allerlei „Heilmittel. Er ließ sich daher über den Jordan bringen und gebrauchte die „warmen Bäder vonKallirhoe, (2) deren Waffer in den Asphaltsee fließt HZ) „und süß genug zum Trinken ist. Hier meinten die Aerzte durch warmes „Oel seinen Leib wieder erwärmen zu können. Kaum aber hatte man ihn in „eine Badswanne voll Oel gesetzt, als seine Augen matt wurden und sich „wie bei einem Tvdten verdrehten. Ueber dem Lärmen, den seine Diener- „schaft erhob, kam Herodes durch das Geschrei wieder zu sich, entsagte aber „jetzt selbst aller ferner» Hoffnung auf Rettung und befahl, an die Soldaten „Mann für Mann 50 Drachmen (ä) und große Summen an seine Befehlshaber und seine Freunde zu verrheilen. Sodann kehrte er nach Jericho „zurück, wo er in finsterem Unmuth den Anschlag zu einem scheußlichen „Verbrechen faßte, das nicht anders aussah, als hätte er den Tod selbst „herausgefordert. Er ließ nämlich die angesehensten Männer ans allen „Ortschaften von ganz Judäa zusammenkommen und befahl, sie in dem „sogenannten Hippodrom einzusperren. Hierauf berief er seine Schwester „Salome und ihren Mann Alexander zu sich. Ich weiß wohl, begann er „zu beiden, daß mein Tod den Inden ein Fest seyn wird, doch kann ich „um Anderer willen betrauert werden und eine glänzende Leichenfeier <1> Nach unfern Ausgaben steht diese Erzählung im 33sten Hauptsttick des ersten Buches. Es ist aber ehemals eine andere Abtheilung gewesen. (2) An der Ostseite des todtcn Meeres im Lande der Moabitcr. Der Name kommt von den schönen Quellen her. (3) So heißt das todtc Meer wegen der großen Menge von Asphalt oder Erdharz, welches es auswirft. <4) Eine Drachme betrug ungefähr 5'/z Groschen. Tiborius. Jahr Christus 1 — 15—27. 2J „bekommen, wenn ihr nur meinen Befehlen nachkommen wollt. Laßt, sobald „ich verschieden bin, diese eingesperrten Männer auf das Schnellsie von den „Soldaten umstellen und alle zusammen niederhauen, damit ganz Judäa „und jede Familie auch wider Willen Thränen für mich weine." Kurz darauf fährt Josephus weiter fort: „Hierauf erschöpft von Heißhunger und „einem krampfhaften Husten und der Heftigkeit der Schmerzen erliegend, „beschloß er, seiner Stunde zuvorzukommen. Er nahm einen Apfel und forderte ein Messer — denn er war gewohnt, die Aepfel geschnitten zu essen — „sodann sah er sich überall um, ob Niemand da wäre, der ihn verhindern „konnte, und hob den Arm, um sich zu erstechen." (1) Hierauf erzählt eben dieser Geschichtschreiber, daß er noch kurz vor seinem Ende einen andern von seinen leiblichen Söhnen (dieß war der dritte nach zwei schon vorher ermordeten) habe tödtsn lassen und daß er unmittelbar darauf(2) unter furchtbaren Schmerzen sein Leben geendigt habe. Ein solches Lebensende nahm Hervdes zur verdienten Strafe für die Ermordung der Kinder in und um Bethlehem und für die Nachstellungen gegen unfern Erlöser. Nach seinem Tode erschien ein Engel im Traum dem Joseph, der sich in Aegypten aufhielt, sagte ihm, daß diejenigen, welche dem Kinde nach dem Leben trachteten, gestorben seyen, und befahl ihm, mit dem Kinde und dessen Mutter nach Judäa sich aufzumachen. Dieser Nachricht fügt der Evangelist noch bei: (Z) „Da er hörte, daß Archelaus an seines Vaters Herodes „Statt über Judäa herrsche, fürchtete er sich, sich dahin zu begeben. Auf „einen Befehl Gottes aber, der ihm im Traum geworden, ging er nach „Galiläa." Neuntes Hauptstuck. Von den Zeiten des Pilatus. Mit dieser Nachricht des Evangelisien von der Thronbesteigung des Archelaus nach dem Tode des Herodes stimmt auch der gedachte Geschichtschreiber überein und erzählt auch, wie er nach dem Testamente seines Vaters Herodes und nach dem Ausspruch des Kaisers Augustus erfterem iu der Regierung über Judäa gefolgt se», wie er nach zehnjähriger Regierung derselben entsetzt wurde und wie seine Brüder Philippus und Herodes der Jüngere nebst dem Lysanias(ä) ihre Tetrarchien noch beherrschten. Er erzählt ferner im 18ten Buche seiner jüdischen Alterthümer, daß im zwölften (1) Was sein herbeieilender Better Zlchiab dadurch vereitelte, daß er ihm die Hand hielt. (2) Fünf Rage. (3) Matth. 2, 22. <4) Daß Lysanias mit Philippus und HerodcS Tetrarch gewesen, sagt Josephus nirgends, sondern Eusebius setzt es aus Lukas 3, l., welchen er mißverstanden hat, hinzu: Denn Lysanias, der Beherrscher von Abilene, war lange vor Christi Geburt ermordet worden. 24 Tiberius. Jahr Christus 27 — 30. Jahre der Regierung des Tiberius, welcher dem Augusius, der 57 Jahre regiert hatte, auf den Thron gefolgt war, Pontius Pilatus Prokurator über Judäa wurde und auf diesem Posten ganzer 10 Jahre beinahe bis an den Tod des Tiberius verblieb. Dadurch wird die Erdichtung derer, welche erst kürzlich Akten (1) wider unfern Erlöser zum Vorschein gebracht haben, deutlich widerlegt. Denn vor allen andern weist schon die in ihnen enthaltene Zeitbestimmung auf den Erdichter einer Unwahrheit hin. ES wird nämlich darin das, was man sich erfrecht hat, von den heilbringenden Leiden unsers Erlösers zu erdichten, so angegeben, als wenn es im vierten Konsulat des Tiberius, welches das siebente Jahr seiner Regierung war, geschehen sey, da doch zu dieser Zeit Pilatus noch gar nicht Prokurator von Judäa war, wenn man sich anders auf das Zeugniß des Josephus verlassen darf, welcher in dem angeführten Buche ausdrücklich sagt, daß Pilatus im zwölften Jahre des Tiberius von diesem Kaiser zum Prokurator von Judäa ernannt worden sey. Lehntes Hauptstück. Von den Hohenpriestern der Juden, unter welchen Christus sein Lehramt verwaltete. Im löten Jahre der Negierung des Tiberius, wie der Evangelist erzählt H2) und im vierten der Landesverwaltung des Pontius Pilatus, wahrend Hervdes, Lysanias und Philippus als Tetrarchen das übrige Judäa beherrschten, kam unser Erlöser und Herr, der Christ Gottes, etwa in seinem dreißigsten Jahre, zu der Taufe Johannis und machte damals den Ansang mit seiner Predigt des Evangeliums. Die heilige Schrift berichtet, daß die ganze Zeit seines Lehramtes in das Hohepriesterthum des Hannasund Kaiphas gefallen, d. h. daß die ganze Zeit seines Lehramtes in den Jahren, diezwischen dieser beiden Männer Priesterthum fallen, zu Ende gegangen sey. (Z) Da er nämlich unter dem Hohenpriesierthum des Hannas aufgetre- (l) Schon im zweiten Jahrhundert waren solche Akta bekannt, wie aus Justins Apolog. I. ersichtlich ist^auch Tertullianus kennt dergleichen und dieselben, erweitert und in eine andere Form gegossen, scheinen dem Evangelium Nicodemi das Dascyn gegeben zu haben; allein diese meint Eusebius nicht, sondern solche, die von den Feinden des Ehri- stenihums erdichtet und auf des Kaisers Maximinus Befehl verbreitet wurden. Eusebius handelt von ihrer Bekanntmachung unten 9, 5. H2) Luk. S, l folg. Dieies ganze Hauptstück ist voll von historischen Unrichtigkeiten und Widersprüchen. Eusebius führt selbst aus dem JosephuS an, daß der Lairdpflcger Gratus, auf welchen Pilatus folgte, den Kaiphas zum Hohenpriester gemacht; also ist Kaiphas noch vor dem zwölften Jahre des Tiberius Hoherpriester geworden; denn da wurde Pilatus erst Landpflegcr. Im täten Jahre sing Christus sein Lehramt an, da Kaiphas schon drei Jahre Hoherpric- ller war und nach der falschen Vorstellung unsers Verfassers soll er es erst im tßten Jahr des Tiberius geworden sey». Das ganze Gebäude dieses Hauptstücks fällt also über den Hausen. Es ist beinahe unbegreiflich, wie der kluge Mann einen so großen Fehler, als er nur kurz vorher bei den Akeis Pilati gerügt hatte, begehen konnte. Daß Hannas von den Evangelisten als Althoherpricstcr genannt werde, ist eine bekannte Sache. Stroth. Tiberius. Jahr Christus 30. 25 reu ist und sein Lehramt bis zum Anfang des Hohenpriesterthums des Kaiphas fortgesetzt hat, so beträgt die Zwischenzeit nicht volle vier Jahre. Denn, da die gottesdienstlichen Gebräuche schon damals nicht mehr ganz nach den gesetzmäßigen Vorschriften beobachtet wurden, so war auch schon der Gebranch abgeschafft, daß die Hohenpriester erblich und lebenslänglich ihr Amt bekleideten, sondern die römischen Statthalter ernannten bald diesen , bald jenen zu dieser Wurde, welche aber nicht länger als ein Jahr von einem und eben demselben bekleidet wurde. Nun erzählt aber Josephns , daß nach Hannas bis auf Kaiphas vier Hohenpriester auf einander gefolgt seyen. Seine Worte stehen in dem oben angeführten Buche seiner jüdischen Alterthümcr und lauten, wie folgt: „Valerius Gratus entsetzte den Hannas seiner hohen- „priesterlichen Würde und ernannte den Jsmael, den Sohn Baffi, zum „Hohenpriester. Aber dieser hatte diese Würde nur kurze Zeit bekleidet, als „er derselben entsetzt und Eleazar, der Sohn des Hohenpriesters Hannas, „von Gratus zum Hohenpriester ernannt wurde. Nach einem Jahre ent- „setzte Gratus auch diesen seiner Würde und verlieh dieselbe dem Simon, „des Kamith Sohn. Jndeß auch dieser behauptete sie nicht länger als ein „Jahr und Josephns, auch Kaiphas genannt, wurde sein Nachfolger.« Es ergibt sich somit für das Lehramt unsers Erlösers ein Zeitraum von nicht ganz vier Jahren, da innerhalb vier Jahren , (1) von Hannas bis auf Kaiphas, vier Hohepriester, von denen ein jeder ein Jahr diese Würde bekleidete, waren. Daher gibt die evangelische Geschichte mit vollem Rechte den Kaiphas als Hohenpriester des Jahres an, in welches das Leiden unsers Erlösers fällt. Auch widerspricht nach eben derselben die Zeit des Lehramtes Christi unserer Bemerkung nicht. Uebrigens berief unser Erlöser und .Herr Jesus Christus nicht gar lange nach dem Anfang ferner Predigt die zwölf Apostel, welchen allein unter allen seinen übrigen Lehranhängern er auch als eine vorzügliche Auszeichnung den Namen Apostel beilegte. Außer diesen ernannte er noch 70 andere Männer, welche er gleichfalls je zwei und zwei vor sich hersandte in die Orte und Städte, welche er besuchen wollte. Eitstes Hauptstück. Zeugnisse von Johannes dein Täufer und von Christus. Nicht lange darauf wurde Johannes der Täufer auf Befehl des He- rodes des Jüngern enthauptet, wie die heilige Schrift in den Evangelien erzählt. Mit ihr stimmt auch Josephns übercin, welcher der Herodias namentlich Erwähnung thut und erzählt, daß sie die Frau des Bruders des Herodes gewesen und von diesem mit Verstoßung seiner frühcrn ihm recht- Tosephus sagt nur von Eleazar und Simon, daß sie ein Jahr lang Hohepriester Hevesen; von den adrigen gibt er keine genaue Zeitbestimmung. 2tt Tibenus. Jahr Christus 30. mäßig angetrauten Frau geheirathet worden sey. Dieß war eine Tochter des Aretas, des Königs der Peträer. Die Herodias aber hatte Herodes ihrem noch lebenden Manne entführt. Um ihretwillen ließ er den Johannes hinrichten und bekam einen Krieg mit Aretas wegen der dessen Tochter zugefügten Beschimpfung. Als es in diesem Kriege zur Schlacht kam, verlor, wie Josephus erzählt, Herodes sein ganzes Heer und dieser Unfall traf ihn wegen der gegen Johannes verübten Grausamkeit. Derselbe Josephus legt auch von dem Täufer Johannes das Zeugniß ab, daß er ein äußerst tugendhafter Mann gewesen sey, und stimmt somit mit den Nachrichten unserer Evangelien überein. Er erzählt auch, daß Herodes um eben dieser HerodiaS willen entthront und mit ihr in die Verbannung geschickt und verurtheilt worden sey, seinen Wohnsitz zu Vienna(l) in Gallien zu nehmen. Diese Nachricht theilr Josephus im 18ten Buche seiner Alterthümer(2) mit, wo er von Johannes wörtlich also schreibt: »Manche Juden glauben, daß das „Heer des Herodes von Gott zu Grunde gerichtet worden sey, der ihn wegen »der Hinrichtung des Täufers Johannes mit dieser gerechten Strafe heim- >,gesucht liabe. Denn HerodcS hatte diesen trefflichen, tugendhaften Mann „tödten lassen, der die Juden ermahnte, der Tugend sich zu befleißigen, „Gerechtigkeit gegen einander zu üben und Frömmigkeit gegen Gott zu „beweisen und so die Taufe zu empfangen. Dann erst, sagte er, würde ihm „die Taufe augenehm scyn, wenn sie sich derselben nicht zur Entsündigung „von gewissen Vergehen, sondern zur Reinigung des Körpers bedienen würden „als ein Zeichen, daß ihre Seele schon vorher durch Tugend gereinigt worden „sey. Da nun viele Menschen sich um ihn versammelten (denn sie fanden „ungemeines Gefallen an dem Hören seiner Worte), so befürchtete HerodeS, „sein gewaltiger Einfluß auf die Leute möchte zu einem Aufstande führen „(weil sie Alles nach seinem Raths thun zu wollen schienen). Er hielt es „daher für viel gerathener, ehe eine Bewegung von ihm ausginge, dieser „durch seine Hinrichtung zuvorzukommen, als später Reue zu empfinden, wenn „er nach einer vorgefallenen Veränderung sich in der größten Roth befände. „Johannes wurde demnach wegen dieser Bcsorgniß des Herodes in Fesseln „auf die Burg Machärus(Z) gebracht und daselbst hingerichtet." Dieß (t) Eusebius verwechselt hier de» Herodes mit dem Archclaus. Denn letzterer wurde »ach Menne, Herodes aber nach Lugdunum (Lyon) verwiesen, wo er auch in dürftigen Umständen starb. (2) Im fünften Hauptstüö. (3) Eine auf einem schroffen Felsen gelegene, durch Natur und Kunst sehr feste Burg, drei Stunden östlich vom tobten Meere an der arabischen Grenze. Die Echtheit dieser von Christus handelnden Stelle hat in neuerer Zeit eben so viele Bezweifle» und Bestreite», als Vcrtheidigcr gefunden, deren Namen und Gründe aber hier anzuführen nicht der Ort ist (man findet sie unter Anderem in Gieselers Kirchen- gcschichte I, l., S. 72 und 73, 2te Auflage und in Heinichens erstem Exkurs zu Eusebius). Am wahrscheinlichsten ist wohl, daß die Stelle zwar nicht ganz unecht, sondern intcrpolirt sey und daß die Interpolationen durch die aus denselben entnommenen Citationcn sich in alle Handschriften des Josephus einschlichen, da Josephus allein von Christen gelesen und durch Abschriften vervielfältigt wurde. Gicseler glaubt, nur folgende Worte seycn echt: „Um diesebe Zeit lebte Jesus, ein weiser Mann, der wunderbare „Lihatcn verrichtete und bewirkte, daß viele Juden, aber auch eine Menge Heiden stch Tiberius. Jahr Christus ZV. erzählt JosephuS vvn Johannes. Eben derselbe gedenkt aber auch unseres Erlösers in demselben Buche mit folgenden Worten: „Um dieselbe Zeit lebte „ein gewisser Jesus, ein weiser Mann, wenn mau ihn anders einen Mann „nennen darf. Denn er verrichtete wunderbare Thatcn und war ein Lehrer „solcher Menschen, welche gerne die Wahrheit hören. Er zog viele Inden, „aber auch eine Menge Heiden an sich. Dieser Mann war der Messias. „Er wurde zwar ans die Anklage der Vornehmsten unseres Volkes von P'> „latus zum Kreuzestods verurthcilt, allein diejenigen, welche ihn gleich „anfangs geliebt hatten, ließen dennoch nicht von ihm ab. Denn er erschien „ihnen wiederum lebendig am dritten Tage, wie dieses und andere unzählbare Wunder die göttlichen Propheten zum Voraus verkündigt hatten, „lind bis auf den heutigen Tag hat das Geschlecht derer, die nach ihm Chri- „sten genannt worden sind, nicht aufgehört." Da nun dicß ein Schriftsteller aus den Juden selbst in seinem Werke von dem Täufer Johannes und vvn unserem Erlöser erzählt, was bleibt nun noch den Erdichtern der Akten gegen die Christen übrig, um nicht als unverschämte Menschen überführt zu werden? So viel hievvn. Iwö'istes Hauptstück. Bon den Jüngern nnserö Erlösers. Die Namen der Apostel nnsers Erlösers sind Jedem aus den Evangelien bekannt, allein von den 70 Jüngern findet sich nirgends ein Verzeichnis;. Einer von ihnen soll Barnabas gewesen seyn, dessen die Apostelgeschichte hin und wieder erwähnt, besonders aber auch Paulus in seinem Briefe an die Galater. Auch Sosthenes soll sich unter ihnen befunden haben, der nebst PanlnS av die Kvrinthier geschrieben hat. So erzählt Klemens im fünften Buche seiner Entwürfe, hl) worin er auch berichtet, daß KephaS, ein Namensverwandter des Apostels Petrus, von dem Paulus sagt: (2) „Als „an ihn anschlössen. Er wurde zwar auf die Anklage der Vornehmsten unseres Kolks „von Pilatus zum Krcuzcstode vcrurtheilt, allein diejenigen, welche ihn gleich anfangs „geliebt hatten, ließen nicht von ihm ab, und bis jetzt hat das nach ihm genannte „Ehristengeschlccht noch nicht aufgehört." Heimchens dagegen halt folgende Worte für die Worte des Joscphus: „Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mann, sintemal man „(in dieser Bedeutung nimmt Heimchens eiche) ihn einen Mann nennen muß. Er „bewirkte, daß viele Juden, aber auch eine Menge Heiden sich an ihn anschlösse». „Er wurde zwar auf Anklage der Vornehmsten unseres Volks vvn Pilatus zum Kreu- „zestode vcrurtheilt, allein diejenigen, welche ihn gleich anfangs geliebt hatten, ließen „nicht von ihm ab, und bis jetzt hat das nach ihm genannte Cyristcngeschlccht noch nicht „aufgehört." ^ (1) Diese Entwürfe, Hypotyposes, gehören unter die verloren gegangenen Schriften des Klemens von Alexandrien. Er hatte sie in acht Blicher abgetheilt, welche weiter umen noch öfter von Eusebius angeführt werden. Uebrigcns wird jeder Leser leicht von selbst sehen, wie widersinnig hier ein neuer KephaS geschmiedet wird; vielleicht, um das Auffallende in dem Streit der Apostel zu mindern. Stroth. (2) Galat. 2, 1k. 28 Tiberms. Jahr Christus 30—33. «KephaS nach Antiochien kam, habe ich ihm ins Angesicht widerstanden," einer der 70 gewesen sey. Ueberdieß wird erzählt, daß Matthias, der an die Stelle deö Verräthers Judas unter die Apostel aufgenommen wurde und der, welcher die Ehre gehabt, mit ihm auf die Wahl zu kommen, der Berufung unter die 70 gewürdigt gewesen sey. Auch Thaddäus, von dem wir auch eine auf uns gekommene Geschichte sogleich erzählen werden, soll sich darunter befunden haben. Daß aber unser Erlöser offenbar noch mehr Jünger, als die 70, gehabt habe, kann man bei einer genaueren Betrachtung leicht gewahr werden, wenn wir den Paulus zum Zeugen nehmen, welcher sagt,(1) er sey nach seiner Auferstehung von den Todten zuerst dem KephaS erschienen, sodann den Zwölfen und nach diesen mehr als fünfhundert Brüdern ans einmal, von welchen einige, wie er sagt, entschlafen, die meisten aber zu der Zeit, als er dieses schrieb, noch am Leben waren. Nach diesem sey er dem Jakobus erschienen. Auch dieser war einer der Jünger des Herrn, ja sogar einer von seinen Brüdern. Endlich, da außer diesen noch mehrere waren, welche gleich den Zwölfen Apostel genannt wurden, wie denn Paulus selbst darunter war, so setzt er noch hinzu : «Hernach erschien er allen Aposteln." Davon so viel. Mit der Erzählung von Thaddäus aber, von welchem ich so eben gesprochen, verhält es sich folgendermaßen. Dreizehntes Hauptstück. Erzählung von dem Fürsten der Edcsscncr. Da der Ruf von der Gottheit unsers .Herrn und Erlösers Jesu Christi sich durch die wunderthätige Kraft desselben schon unter allen Menschen verbreitet hatte, so zog er unzählige Menschen auch aus fremden und von Judäa weit weg gelegenen Ländern durch die Hoffnung auf Heilung von Krankheiten und mancherlei Leiden herbei. Wie demnach der König AbgaruS, (2) welcher die Vötkerstämme jenseits des Euphrats mit vielem Ruhm beherrschte, und von einem heftigen, durch keine menschliche Hülfe heilbaren körperlichen Leiden gequält wurde, von dem weitberühmten Namen Jesu und von seinen von allen bezeugten Thaten einstimmig hörte, so schickte er einen Brief an ihn, worin er ihn flehentlich um Befreiung von seiner Krankheit bat. Jesus folgte zwar damals seinem Rufe nicht, doch würdigte er ihn eines eigenen Briefes, worin er ihm die Abschickung eines seiner Jünger zur Heilung seiner Krankheit, so wie seine eigene und aller seiner Angehörigen Seligkeit versprach. Dieses Versprechen ging nicht lange nachher in Erfüllung. Denn nach der Auferstehung Jesu und nach seiner Himmelfahrt schickte Thomas, einer von den zwölf Aposteln, den Thaddäus, auch einen (1) 1 Korinth. 15, 5—7- Gl Der Name wird auch Agbarus und Avgarus geschrieben. So hieße» alle Beherrscher von Osrocne, eine»! kleinen Staate zwischen dem Tigris und Euphrat, besten Hauptstadt Edessa (jetzt Urs» oder Rohais) war. Til'erius. Jahr Christus 30-52. 2V ans der Zahl der 70 Junger Christi, auf göttlichen Antrieb nach Edessa, NM dasell'si die Lehre Christi zu verkündigen nnd zu predigen, und durch diesen ging Altes, waö Christus versprochen hatte, in Erfüllung. Man hat davon ein geschriebenes Zeugniß, welches dem Archive zu Edessa, welche Stadt damals von einem Könige beherrscht wurde, (1) entnommen ist. Denn in den dortigen öffentlichen Akten, in welchen unter andern alten Begebenheiten auch die des Abgarus enthalten sind, wird auch dies; noch bis auf unsere Zeit erhalten gefunden. Das Beste ist, die Briefe (2) selbst zu hören, welche wir ans dem Archive bekommen und auf folgende Art wörtlich aus dem Syrischen überseht haben. Abschrift des Briefes, welchen der Fürst Abgarus an Jesus geschrieben und durch den Schnellläufer Ana- nias an ihn nach Jerusalem geschickt hat. „Abgarus, Fürst in Edessa, entbietet Jesu, dem guten Heiland, der „im Lande um Jerusalem erschienen ist, seinen Gruß. K.ch habe von Dir „und Deinen Heilungen gehört, daß sie ohne Arzneien und Kräuter von Dir „verrichtet werden. Denn Du machest, sagt man, Blinde sehen, Lahme „gehen, reinigest die Aussätzigen, treibest unreine Geister und Dämonen aus, „heilest die von langwierigen Krankheilen Gequälten und auferweckest die „Todten. Da ich nun alle diese Dinge von Dir gehört habe, so habe ich bei „mir selbst geschlossen, Eines von beiden müsse wahr seyn, Du seyest ent- „weder Gott, und vom Himmel herabgestiegen, solche Thaten zu thnn oder „der Sohn Gottes, daß Du solche Thaten verrichtest. Ich ersuche Dich also „durch dieses Schreiben, Du möchtest Dich zu mir bemühen nnd mich von „meinem Leiden befreien. Denn ich habe gehört, daß die Juden sich wider „Dich aufhalten und Dir Böses zufügen w»llen. Ich habe eine zwar kleine, aber artige Stadt, die wird für uns beide groß genug seyn." (1) Die Herrschast der Abgarcn hatte von Osrocne, der dem Lande einen neuen Namen gab (nämlich Osrocne), bis zum letzten Abgarus 353 Jahre bestanden, als Karakalla diesen durch Treulosigkeit in seine Gewalt bekam, seine Staaten zu einer römischen Provinz machte und die Hauptstadt mit dem Titel einer Kolonie beehrte, ohne daß sie wieder einen eigenen König bekommen hätte. (2) Ucbcr diesen Briefwechsel zwischen Abgarus und Christus äußert sich Neandcr in seiner Kirchengeschichte (I. 1., >>. III) also: „Die alte Erzählung von dem Briefwechsel „eines der Könige des kleinen Reiches Edessa in Osrocne in Mesopotamien aus der Dynastie „der Abgarus oder Agbaru, des Abgar Uchomo, mit dem Erlöser, den er um Heilung einer „schweren Krankheit gebeten haben soll, so wie dessen Bekehrung durch einen der 70 Jün- „ger, Thaddäus, verdient keinen Glauben. Eusebius fand die Urkunden, aus denen er „schöpfte, in dem Archwe von Edessa und ließ sich durch dieselben täuschen. Der Brief „Christi ist seiner aufkcinc Weise würdig, er trägt durchaus das Gepräge einer Zusam- „mcnstcppclung aus vielen evangelischen Stellen. Es läßt sich auch gar nicht denken, daß „etwas von Christo selbst Geschriebenes so lange, bis auf Eusebius, der übrigen Welt „hätte unbekannt bleiben können. Endlich ist der Brief des Abgarus nicht in der Sprache „eines orientalischen Fürsten abgefaßt. Ob der Erzählung sonst etwas Wahres zum Grunde „liegt, können wir nicht wissen, und ist nur gewiß, daß das Christcnthum frühzeitig in „dieser Gegend ausgebreitet worden; doch erst zwischen den Jahren 1t>0—170 finden sich „Spuren von dem Christcnthum eines jener Fürsten, des Abgar Bar Manu." Ich bemerke noch, daß schon auf dem Concilium zu Rom unter Gelasius im Jahr 494 diese beiden Briefe mit vielen andern untergeschobenen Schriften unter die Apokryph« gesetzt wurden. Zl) Tiber ins. Jahr Christus 30 —33. Dieses (1) schrieb Abgaius, damals nur ein wenig erleuchtet vom göttlichen Glänze. Es verlohnt sich aber auch, den Brief :u hören, welchen Jesus durch denselben Briefträger an Abgarus geschickt hat. Er enthalt zwar nur einige wenige Zeilen, ist aber inhaltschwer. Er ist folgender: Antwort Jesu an den Fürsten Abgarus durch den Sch n e l llä u fer Anania 6. „Abgarus, selig bist du, weil du an mich geglaubt hast, ohne mich „gesehen zu haben. Denn es stehet von mir geschrieben,(2) daß diejenigen, „welche mich sehen, nicht an mich glauben werden, damit diejenigen, die „mich nicht sehen, glauben und leben mögen. Was deine Bitte betrifft, daß „ich zu dir kommen solle, so muß ich hier Alles erfüllen, um deffeutwillen „ich gesandt worden bin, und wenn ich es erfüllt habe, zu dem aufgenommen „werden, der mich gesandt hat. Wenn ich aber werde aufgenommen „seyn, so werde ich dir einen meiner Jünger senden, daß er dich von deinen „Leiden befreie und dir, wie auch denen, die bei dir sind, Leben gebe." Diesen beiden Briefen war noch folgende Nachricht in syrischer Sprache beigefügt. „Nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren war, sandte Ju- „das , (5) der auch Thomas heißt, den Apostel Thaddäus, einen von den „7V, an Abgarus ab. Dieser kam nach Edeffa und kehrte bei Tobias, dem „Sohne des Tobias, ein. Da man nun von ihm hörte und er (4) durch die „Wunderwerke, die er verrichtete, bekannt wurde, so wurde dem AbgaruS „angezeigt, daß ein Apostel Jesu angekommen sey, wie ihm dieser geschrieben „habe. Thaddäus begann also durch die Kraft Gottes alle Krankheiten und „Gebrechen zu heilen, so daß sich Alle verwunderten. Als nun Abgarus „die großen Thaten und Wunder vernahm, welche Thaddäus verrichtete und „daß er im Namen und durch die Kraft Jesu Christi heilete, stieg der Ge- „danke in ihm auf, daß dieß der seyn möchte, von welchem Jesus ihm die „Worte geschrieben hatte: „Wenn ich werde aufgefahren seyn, so werde ick „einen meiner Jünger an dick senden, welcher dich von deinen Leiden befreien „wird." Abgarus ließ also den Tobias kommen, bei welchem er wohnte, „und sprach: Ich habe gehört, daß ein Mann, der große Dinge thun kann, „von Jerusalem gekommen ist, in deinem Hause sich aufhält und viele Heilungen im Namen Jesu verrichtet. Tobias entgegnete: Ja, Herr, es ist „ein fremder Mann gekommen und hat bei mir eingekehrt und verrichtet (11 Die Worte: Dieses bis folgender fehlen in verschiedenen Handschriften, so wie auch in Rusin. Valesius hält sie für unecht. (2> Den Worten nach steht dieß nirgends im alten Testamente.. Einige glauben, daß dem Sinn nach hiemit auf Jes. 6, 9 und 52, 15 gesehen werde. Allein diese Worte sind wahrscheinlich aus Matth. 16, 16 und Joh. 2N, 29 entlehnt. (6) Eusebius oder wer dieß aus dem Syrischen übersetzt hat, hat vcrmuthlich hiebe! einen Jrrthum begangen und Judas, das etwa im Syrischen auf Thaddäus gegangen hr, auf Thomas bezogen. Ucbrigcns ist Apostel bier im weitläufigen Sinn zu nehmen, obgleich dieser Thaddäus oder Judas sonst wirklich einer der zwölf Apostel war. Matth. IN, 3, vcrgl. Luk. 6, IS und Apostelg. 1, 16. Stroth. (-1) Dieser Zusatz fehlt in den meisten Handschriften und in Rufin. Ebenso fehlen weiter unten die Worte: Tobias entgegnete — sagte Abgarus. Ueberhaupt gibt es bei diesem Stücke sehr viele Abweichungen. Tiberius. Jahr Christus 30-3?. 31 »viele Wunderwerke. Bringe ihn zu mir herauf, sagte Abgarus. Wie „Tobias zu Thaddäus kam, sagte er ihm, der Fürst Abgarus hat mich rufen „lassen und mir geboten, dich zu ihm zu führen, daß du ihn von seinem „Uebel befreiest. Thaddäus entgegnete, ich will hinaufgehen; bin ich doch „eigentlich zu ihm geschickt worden. DeS folgenden Tages nahm Tobias „den Thaddäus mit sich und kam zu Abgarus. Als er hinaufgekv/nwen „war und nun hineintrat, gewahrte Abgarus in demselben Augenblicke, im „Beiseyn der Großen seines Hofs, die um ihn versammelt standen, eine „große Erscheinung in dem Gesichte des Apostels Thaddäus, welche er, der „Fürst, nicht sobald erblickte, als er vor Thaddäus niederfiel. Da ergriff „Erstaunen alle Umherstehenden. Denn sie sahen keine Erscheinung, son. „deru diese war dem Abgarus allein sichtbar. Abgarus fragte sodann den „Thaddäus: Bist du wirklich ein Jünger Jesu, des Sohnes Gottes, welcher „mir gemeldet hat: Ich will dir einen meiner Jünger schicken, welcher dich „von deinem Uebel befreien und dir und all den Deinigen Leben geben wird? „Thaddäus erwiederte: Weil du einen großen Glauben gehabt hast an den, «der mich gesandt hat, an den Herrn Jesus, bin ich an dich abgeschickt wor- „ben. Und noch mehr, wenn du immer weiter an ihn glauben wirst, so „werden die Wünsche deines Herzensso, wie du glaubst, erfüllt werden. „Abgarus entgegnete hierauf: Ich habe so sehr an ihn geglaubt, daß ich mit „meinem Heer aufzubrechen und die Juden, welche ihn gekreuzigt haben, zu „tödten Willens war, wenn nicht die Furcht vor der Macht der Römer mich „von meinem Vorsat) abgebracht hätte. Thaddäus sagte: Unser Herr und „Gott Jesus Christus hat den Willen seines Vaters erfüllt und ist, nachdem „er ihn erfüllt hat, zu seinem Vater aufgenommen worden. Hierauf versetzte „Abgarus: Ich habe an ihn und an seinen Vater geglaubt. Da sagte „Thaddäus, deßwegen lege ich meine Hand auf dich im Namen des Herrn „Jesu Christi. Und als Thaddäus dieß gethan, wurde Abgarus auf der „Stelle von seiner Krankheit und dem Uebel, an dem er litt, befreit. Ab» „garus wunderte sich, daß, wie er von Jesus gehört hatte, er so in der That „selbst durch seinen Jünger und Apostel au sich erfuhr, da ihn dieser ohne „Arzneien und Kräuter geheilt hatte und nicht bloß ihn allein, sondern auch „den Abdus, den Sohn des Abdus, welcher das Podagra hatte. Dieser „trat auch hinzu, fiel ihm zu Füßen, empfing den Segen durch Auflegung „seiner Hände und wurde geheilt. Ueberdieß heilte derselbe Apostel noch „viele andere Einwohner dieser Stadt und that Großes und Wunderbares „und verkündigte das Wort Gottes. Nach diesem sagt Abgarus: Du, „Thaddäus, thust diese Thaten durch die Kraft Gottes und wir selbst haben, „dich bewundert. Aber nun bitteich dich noch, mir von der Ankunft Jesu(1) „zu erzählen, wie es damit zugegangen ist und von seiner Macht und durch „was für eine Kraft er alles gethan hat, was wir gehört haben. Thaddäus (!) D. i. von seiner Menschwerdung. Abgarus gebraucht mit vieler Kunst diesen Ausdruck, um den Ausdruck Geburt oder einen ähnlichen zu vermeiden. 32 Tiberius. Jahr Christus 30 — 33. „entgegnete: Für jetzt werde ich es nicht sagen, da ich abgesandt bin, das „Wort öffentlich zu verkündigen. Versammle mir aber morgen alle deine „Uncerthanen und ich will vor ihnen das Wort Gottes predigen und unter „sie das Wort des Lebens aussäen von der Ankunft Jesu, wie es damit „zugegangen ist, von seiner Sendung und warum er vom Bater abgesandt „worden ist, ferner von der Kraftseiner Werke und von den Geheimnissen, „welche er in der Welt geredet hat, durch was für eine Kraft er dieß gethan, „von seiner neuen Predigt und von der kleinen, unscheinbaren und niedrigen „äußerlichen Gestalt seiner Menschheit, wie er sich selbst erniedrigt, gestorben und seine Gottheit verkleinert, was er von den Juden erlitten, wie er „gekreuzigt worden, hinabgestiegen zu der Unterwelt und den Niegel zerbro- „chen hat, der von Ewigkeit unerbrvchen war, wie er wieder auferstanden „und die Todten mit auferweckte, die seit Jahrhunderten geschlafen hatten „und wie er allein hinabgestiegen, aber mit einer großen Schaar zu seinem „Vater aufgestiegen ist, und wie er verklärt zur Rechten Gottes des Vaters „im Himmel sitzt und wie er wiederum kommen wird in Herrlichkeit und „Macht, zu richten die Lebendigen und die Todten. Abgarus gebot also, „die Einwohner morgens früh zu versammeln und die Predigt des Thaddäus „anzuhören. Nach diesem befahl er, ihm Gold und Silber zu geben, allein „Thaddäus schlug es aus mit den Worten: Wenn wir das Unsrigc verlassen „haben, warum sollten wir Fremdes nehmen? Dieß geschah im Z-Wsten „Jahre." (1) Diese zum Nutz und Frommen wörtlich aus dem Syrischen übersetzte Geschichte mag denn hier ihre schickliche Stelle gefunden haben. Ende des ersten Buches. Aweites Buch. V o r r c d e. Was in der Kirchengeschichte gleichsam als Eingang auseinandergesetzt werden mußte, nämlich die Lehre von der Gottheit des erlösenden Logos, so wie oas Alterthum der Lehrsätze unseres Glaubens, das Älter der evangelischen Verfassung der Christen, namentlich aber auch die neuerliche Erscheinung Christi, sein Leiden und die Erwählung der Apostel, das habe ich im vorhergehenden Buche, mit kurzen Beweisen belegt, zusammengefaßt. Ich (1) Dieß ist nach der Zeitrechnung der Edcsscncr, welche mit der Ankunft der Sclcucidcn in Syrien anfängt. Es würde nach unserer Zeitrechnung in das Jahr Christ! 30 fallen, wenn man dem Hieronymus in seiner Ucbersetzung der Chronik des Eusebius trauen darf, der beim ersten Jahre der 2ä4stcn Olympiade und beim Jahr Christi 278 anmerkt, daß dieß das ä88stc der Edesscner, das Mäste der Antiochcncr, daß 402tc der Syrier, das 323ste der Laodiccner und das 380frc der Ascaloniten sey. In dem uns übrigen griechischen Text des Eusebius steht nichts davon. Stroth. TiberinS. Jahr Christus II. ZS will min in diesem Buche die Vorgänge nach der Himmelfahrt Christi darstellen , wobei ich theilö ans der heiligen Schrift schöpfen, theils andere Urkunden benutzen werde, welche zu seiner Zeit von mir genannt werden sollen. Erstes Hauptst ii ck. Von der Anordnung der Apostel nach der Himmelfahrt Christi. Zuerst wurde denn also Matthias, der, wie bereits erzählt, auch einer von den Jüngern deö Herrn war, an die Stelle des Verräthers JudaS zum Apostelamt berufen. Auch wurden durch Gebet und Händeanflegnng der Apostel bewährte Männer, sieben an der Zahl, unter welchen auch Stephanus sich befand, zum Dienst der Gemeinde als Diakonen eingesetzt. Dieser Stephanus war der erste nach dem Herrn, welcher unmittelbar nach seiner Erwählnng, wie wenn er nur dazu erwählt worden wäre, von den Mördern des Herrn mit Steinen todt geworfen wurde. Auf diese Art wurde ihm als dem ersten unter allen des Siegespreises würdigen Kämpfern Christi die seinem Namen entsprechende Krone(1) zu Theil. Um diese Zeit soll auch Jakvbns, welcher ein Bruder des Herrn heißt, weil auch er ein Sohn Josephs war, für den Vater Christi aber Joseph gehalten wurde, wiewohl, wie die heilige Schrift im Evangelium (2) sagt, die mit ihm versprochene Jungfrau, ehe er sie heim holte, schwanger erfunden ward vom heiligen Geist, dieser Jakobns nun, welchem die Alten wegen seiner ausgezeichneten Tugend den Beinamen „der Gerechte" gaben, soll zuerst ans den Bischofsstnhl der Gemeinde zu Jerusalem gesetzt worden sehn. Klemens schreibt hievon im sechsten Buche seiner Entwürfe Folgendes : Petrus, Jakobus und Johannes hätten nach der Himmelfahrt des Erlösers, da sie ja doch von dem Herrn wären vorgezogen worden, nicht nach Auszeichnung gestrebt, sondern Jakobus den Gerechten zum Bischof von Jerusalem erwählt. Eben derselbe Klemens sagt im l.2ten Buche derselben Schrift noch Folgendes von ihm: »Jakobns dem »Gerechten und dem Johannes und Petrus hat der Herr nach seiner Anfer- »stehnng die Erkenntniß (5) gegeben, diese aber haben sie den übrigen Apo- »steln mitgetheilt, und diese den 70 Jüngern, worunter Barnabas einer „war. Es sind aber zwei Jakobus gewesen : einer von diesen ist der Gerechte, „welcher von der Spitze des Tempels herabgestürzt und von einem Walker »mit einem Prügel todt geschlagen wurde; (ä) der andere ist der, welcher »enthauptet ward." Dieses Gerechten erwähnt auch Paulus, wenn er (t) Die Krone heißt nämlich auf griechisch Stcphanos. (2) Matth. 1, 16. (3) Die Alcxandnner nahmen neben der allgemeinen und öffentlichen Ucbcrlicfcrung »och eine andere geheime Ucbcrlieferung an, welche sie vorzugsweise Gnosis, Erkenntniß, nannten. Sic behaupteten nämlich, Christus habe neben der einfachen Lehre, welche er dem Vocke vorgetragen, noch andere Belehrungen und tiefere Ausschlüsse, wozu die Menge nicht reif war, einigen seiner vertrautern Schüler mitgetheilt, und diese haben sie durch mündlichen Unterricht auf einige wenige eines solchen Vorzugs würdige Männer fortgepflanzt. (4) Das Nähere über ihn und seinen Kod erzählt das 23ste Hauptstück dieses Buches. Eusebius Kirchengeschichte. 3 A4 Tiben'itS. Jahr Christus 24. schreibt: (1) »Einen andern Apostel sah ich nicht, als JakobuS, des Herrn „Bruder." Damals ging auch das Versprechen, das unser Erlöser dem Könige der Osrocner gelhan, in Erfüllung. Thomas sandte nämlich, Irnich ans der daselbst aufgefundenen Schrift kaum erst angezeigt habe, (2) auf höheren Antrieb den Thaddäus als Herold und Verkündiger der Lehre Christi nach Edcssa. Nachdem dieser in jene Gegenden gekommen war, heilte er durch das Wort Christi den Abgarns, setzte alle dortigen Einwohner durch das Außerordentliche seiner Wunderwerks in Erstaunen, und machte sie, nachdem er sie durch seine Thatcn in die rechte Stimmung versetzt und zur Verehrung der Kraft Christi gebracht, zu Schülern der heilbringenden Lehre. Von dieser Zeit an bis jetzt ist die ganze Stadt Edcssa dem Bekenntnis; Christi eifrigst zugethau, da sie keinen gewöhnlichen Beweis des Wohlwollens Christi gegen sie besitzt. So erzählen alte Nachrichten. Doch gehen wir wiederum zur heiligen Schrift über. Als nach dem Märtyrertode des Ste- phanus die erste große Verfolgung der Kirche von Jerusalem von den Juden selbst verhängt wurde und alle Jünger, mit alleiniger Ausnahme der zwölf, in Jndäa und Samaria sich zerstreuten, so kamen, wie die heilige Schrift erzäb einige bis Phönicien, Cypern und Antiochien, vermochten es aber no.'d nicht, es über sich zu bringen, auch den Heiden das Wort des Glauben mitzutheilen, sondern verkündeten es allein den Juden. Damals iv thets auch Paulus noch gegen die Kirche, (3) drang in die Wohnungen der Gläubigen ein, schleppte Weiber und Männer hinaus und überlieferte fe in das Gefängniß. Unter den Zerstreuten befand sich auch noch Philippus, einer von den zugleich mit Stephanns zu Diakonen Erwählten. Dieser kam. nach Samaria (h) und verkündigte, von göttlicher Kraft erfüllt, zuerst den dortigen Leuten daö Wort. Die göttliche Gnade aber wirkte so sehr mitihm, daßauchSimon derMagier(S) milden meisten andern Einwohnern durch seine Reden hingerissen wurde. Dieser Simon war damals so berühmt und hatte die von ihm Verführten durch seine Gaukelei so sehr eingenommen, daß man ihn für die große Kraft Gottes hielt. (6) Dieser nun, durch die von Philippus mit der Kraft Gottes verrichteten Wunderthaten in Erstaunen gesetzt, schlich sich heimlich ein und gab sich bis zur Taufe das Ansehen, als glaube er an Christus. Dasselbe kann man noch jetzt nicht ohne Verwunderung an denen wahrnehmen, welche noch seiner verruchten Sekte anhängen. Sie schleichen sich nach der Art und Weise ihres Stammvaters gleich einer ansteckenden, krätzartigen Krankheit in die Kirche ein und stürzen alle diejenigen, bei welchen es ihnen gelingt, ihnen das tödtliche und gefährliche Galat. 1, tS. (2) Oben 1, 12. (3) Apostclgcsch. 3, 3. (4) Aposteigesch. 8, 5 —24. (5) Der Name Magus war der Ehrenname jedes Orientalen, welcher geheimere Kenntniste besaß oder zu besitzen vorgab. Um die Zeit Christi und der Apostel wurden vorzüglich jene religiösen Betrüger und Liebhaber geheimer Weichest damit bezeichnet, welche damals in großer Anzahl die Länder durchzogen. (6) D. h., er wurde für eine verkörperte Kraft Gottes angesehen. Tiberius. Jahr Christus Zss —37. SS Gift, das in ihnen verborgen ist, beizubringen, in das größte Verderben. Indessen sind bereits die meisten von ihnen, sobald ihre schlechte Gesinnung entdeckt wurde, hinausgestoßen worden, wie denn auch Simon selbst, als Petrus entdeckte, wer er war, die verdiente Strafe erhielt, (i) Wie indessen die heilbringende Lehre von Tag zu Tag immer mehr Fortgang gewann, so führte eine göttliche Fügung auch aus Aethiopien einen Großen der Königin dieses Landes, wo noch jetzt nach altem Herkommen ein Weib den Thron inne hat, nach Judäa. (2) Dieser war der erste unrer den Heiden, welchen Philippus in Folge einer Erscheinung der Geheimnisse des Worts Gottes theihaftig machte. Dieser Erstling der Gläubigen außer Jueaa soll, wie erzählt wird, nach seiner Rückkehr in sein Vaterland die Keuntniß des Gottes über Alles und den seligmachenden Aufenthalt unsers Erlösers unter den Menschen gepredigt haben, so daß in der That jene Weissagung (3) durch ihn in Erfüllung ging: „Aethiopien streckt im Voraus seine Hand „gegen Gott aus." Mittlerweile (4) wurde auch Paulus, das auserwählte Nüstzeug Gottes, nicht von Menschen, noch durch Menschen, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi und Gottes des Vaters, der jenen von den Todten auferweckt hat, (5) zum Apostel erwählt, indem er dieses Rufes durch ein Gesicht und durch eine himmlische bei dieser Offenbarung sich hören lassende Stimme gewürdigt wurde. (6) Zweites Haupt stück. Wie Tiberius gestimmt worden, als er von Pilatus erfahren, was mit Christus vorgefallen. Wie die wundervolle Auferstehung und Himmelfahrt unsers Herrn schon weit und breit bekannt war, so meldete Pilatus vermöge eines alten Brauches, welchem gemäß die Statthalter der Provinzen die in denselben vorgefallenen Nenigkeiten dem Herrscher berichten mnßten, damit ihm nichts verborgen bliebe, das, was man in Betreff derAuferstehung unsers Erlösers Jesus Christus von den Todten in ganz Palästina allgemein sich erzählte, dem Kaiser Tiberius, so wie auch die andern Wunderwerke, welche er von ihm gehört hatte, namentlich auch, daß er, nachdem er nach seinem Hinscheiden von den Todten wieder auferstanden, von sehr Vielen für einen Gott gehalten würde. Tiberius soll die Sache dem Senat vorgetragen, (1) Worin dicsc bestanden hat, sagt Eusebius nicht. Die gewöhnliche Sage seit Ar- nobins (Iii,. 2) ist, Simon sey zu Rom, nachdem Petrus ihn schon zuvor mündlich widerlegt hatte, mit Hülfe der bösen Geister hoch in die Lüfte geflogen, der Apostel habe es aber durch sei» Gebet erlangt, daß er herabstürzte und sich tödtlich verwundete. (2) Siehe Apostelgesch. 8, 26—40. Die Königin wird in dieser Stelle bekanntlich Kandare genannt, was nach Plin. In ». 7, 35 der Amtstitel der über Aethiopien (worunter hier das Reich Meroe in Oberägyptcn zu verstehen ist) herrschenden Köniainnen war. (3) Psalm 68, 3t. (4) Diese Erzählung von Paulus steht hier noch etwas zu früh. (5) Galat. 1, t. <6) Siehe Apostclgesch. Kap. 9. 22, 1—16. 26, 9—18. 3 " 36 Tiberius. Jahr Christus 37. dieser aber sie verworfen haben, dem Scheine nach dcßwegcn, weil sie nicht vorher seinem Gutachten unterworfen worden war (es ist nämlich ein altes Gesetz bei den Römern, daß nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Se» nats Jemand für einen Gott gehalten werden darf), im Grunde aber geschah es deßwegen, weil die seligmachende Lehre des göttlichen Evangeliums keiner menschlichen Bestätigung und Empfehlung bedurfte. Wiewohl aber der Senat den in Betreff nnscrs Erlösers abgestattetcn Bericht verwarf, so blieb doch Tiberius seiner frühern Ansicht treu und verfügte nichts Hartes gegen die Lehre Christi. Dieß erzählt Tertullian, ein genauer Kenner der römischen Gesetze, (1) aber auch sonst ein berühmter Mann, der zu Rom im höchsten Ansehen stand, in seiner in lateinischer Sprache verfaßten, aber auch in das Griechische übersetzten Schutzschrift für die Christen. Seine eigenen Worte sind folgende: „Um nun aber von dem Ursprung solcher „Gesetze zu sprechen, so bestaud ein altes Gesetz, es dürfe Niemand von dem „Kaiser für einen Gott erklärt werden, che denn der Senat ihn als solchen „anerkannt habe. So machte es Marcus AemiliuS mit einem gewissen Gott „Albnrnus. Und dieß haben wir für uns, daß bei euch uach menschlicher „Schätzung die Gottheit verliehen wird. Gefällt der Gott dem Menschen „nicht, so wird er nicht Gott; demnach muß also der Mensch Gott gnädig „seyn. Tiberius nun, unter dessen Negierung der christliche Name zuerst in „die Welt kam, trug, als ihm diese Lehre aus Palästina, wo sie entstanden „war, gemeldet wurde, die Sache dem Senate vor, mit offenbaren Anzeichen, „daß er Gefallen an dieser Lehre finde; allein der Senat verwarf sie, weil „er sie nicht selbst geprüft hatte. Tiberius aber blieb bei seiner Ansicht und „bedrohte die Ankläger der Christen mit dem Tode." (2) Die himmlische (1) Man hat aus diesen Worten des Eusebius schließen wollen, daß Tertullian, ehe er Christ wurde, römischer Rechtsgelchrter war. So wenig aber auch der Ausdruck des Eusebius dieß streng beweist, so scheinen doch die juridischen Ausdrücke, die in Tcrtullians Schriften so oft vorkommen, so wie seine Vorliebe für die juridischen Bergleichungen und rhetorischen Uebcrtrcibungcn, die Art, wie er die Wcrtheidigung seiner Sache führt, indem er alle möglichen Gründe zusammenhäuft und dann unter diesen die scheinbaren von den eigentlichen Beweisen mit dialektischer Schärfe unterscheidet, sehr dafür zu sprechen, daß Tertullian, ehe er Christ wurde, entweder das Amt eines Advokaten oder Rhetors verwaltete. (2) Die Unglaubwürdigkcit dieser Nachricht Tertullians springt in die Augen. Wenn man auch — äußert sich Neandcr in seiner Kirchcngeschichle darüber — von jener Erzählung, als .einer übertriebenen, noch so wenig gelten lassen wollte;^ würde sich auch dieß Wenige nicht halten lassen, wenn man auch nur so viel gelten lassen wollte, der Kaiser sollte darauf angetragen haben, daß dem Christcnthum Duldung bewilligt werde. Wollte man auch glauben, daß Pilatus, auf den das Außerordentliche, was er vernommen, doch nach seiner frivolen Gcmüthsart schwerlich einen mehr als vorübergehenden Eindruck gemacht hatte, einen Bericht dieser Art erstattet haben könnte, so gehörte doch viel dazu, daß auf das Gemüth eines Tiberius ein solcher Eindruck hätte gemacht werden können. Gewiß sieht es dem knechtischen Senat unter Tiberius nicht ähnlich, daß er es hätte wagen sollen, so zu handeln; und schwerlich konnte damals schon eine Veranlassung zu einem solchen Gesetze gegen die Ankläger der Christen vorhanden scvn, da die Christcnsektc noch gar kein Aufsehen gemacht hatte. Auch die nachfolgende Geschichte ist deutlicher Beweis, daß kein solches Gesetz des Tiberius vorhanden war. Tertullian hat sich wahrscheinlich durch unterschobene Dokumente, dergleichen schon frühzeitig von solchen^Christen, ^ welche eine ki aus pia für keine Sünde hielten, geschmiedet wurden, täuschen lassen. Daß indcß Pilatus wirklich einen Bericht über Jesus an Tiberius geschickt hat, dürfte doch in dem Betrachte nicht ganz unwahrscheinlich seyn, da er, da bei der Verhandlung von politischen Verhältnissen Tiberius. Jahr Christus 37. 37 Vorsicht hatte aus weisen Gründen ihm dieß in den Sinn gegeben, damit die Lehre des Evangeliums ungehindert seinen Anfang nehmen und sich über die ganze Erde verbreiten könnte. Drittes Hauptstück. Wie die Lehre von Christus in kurzer Zeit in der ganzen Welt sich verbreitete. So erleuchtete nun durch himmlische Kraft und Mitwirkung die himmlische Lehre gleich einem Sonnenstrahle die ganze Welt und es verbreitete sich, einem Ausspruche der heiligen Schrift zufolge, (1) der Schall seiner erhabenen Evangelisten und Apostel über die ganze Erde und ihre Worte drangen bis an die Grenzen der Welt. In allen Städten und Flecken bil> deten sich plötzlich Kirchen, ungemein voll und reich an Volksmenge, gleich einer gefüllten Scheune, und die deren Seelen in Folge des alten von ihren Voreltern herab auf sie vererbten Jrrthums von der alten Krankheit des Aberglaubens des Götzendienstes ergriffen waren, sahen sich durch die Kraft Christi vermittelst der Lehre und der Wunderthaten seiner Schüler, so zu sagen, von grausamen Tyrannen befreit, hatten Lösung aus schweren Bau' den gefunden und warfen nun jegliche teuflische Vielgötterei mit Abscheu von sich. Sie bekannten nun, daß nur Ein Gott sey, der Schöpfer des Alls, und diesen verehrten sie mit den Gebräuchen einer wahren Frömmigkeit durch die von unserem Erlöser unter der Menschheit verbreitete göttliche und vernünftige Religion. Denn die göttliche Gnade ergoß sich auch über die übrigen Völker. Zuerst nahm zu Cäsarea in Palästina (2) Kornclius(Z) mit seinem ganzen Hause in Folge einer göttlichen Erscheinung und der Dienstleistung Petri den Glauben an Christum an, so wie noch viele andere Nichtjnden zu Antiochien, welchen die bei der Verfolgung des Stephanus zerstreuten Jünger gepredigt hatten. Da nun die Kirche zu Antiochien schon blühte und volkreich war, und nicht nur sehr viele Propheten von Jerusalem, (ä) bei welchen auch Barnabas und Paulus waren, sondern auch eine Menge anderer Brüder außer diesen sich daselbst befanden, so sproßte daselbst zuerst wie aus einem blüthereichen und fruchtbaren Boden die Rede war, bei dem bekannten mißtrauischen Charakter Tibers nicht wünschen konnte, daß irgend eine Kunde von irgend einem Konige der Juden vor seinem Bericht nach Rom komme. (1) Psalm 19, S. (2) Casaren mit dem Beinamen in Palästina (zum Unterschied von Cäsarea Philippi in Galiläa), früher Turris Stratonis genannt, von Herodes dem Großen aber vergrößert und dem Augustus zu Ehren benannt, war eine Hafenstadt im Norden von Judäa und nach Jerusalem die größte Stadt im Lande. (3) Uebcr des Kornelius Bekehrung und das Folgende siehe Apostelg. Kap. 19 u. It. (4) So heißen im neuen Testamente und in den Kirchenvätern häusig solche Lehrer, welche in dem Austande der Ekstase begeisterte Borträge hielten, ohne daß mit dem Worte Prophet gerade der Begriff des Schauens in die Zukunft verbunden wäre. S8 K. Kalignla. Jahr Christus 38—39. der Name der Christen hervor. AgabuS, einer von den daselbst anwesenden Propheten, verkündigte eine bevorstehende HnngerSnoth vorher. PaulnS und Barnabas (1) aber wurden abgeschickt zur Unterstützung der Brüder. Viertes Hauptstück. Wie Kajus nach dem Tode des Tiberius den Agrippa zum König der Juden macht und den Herodcs mit immerwährender Verbannung bestraft. Nachdem Tiberius nach einer Regierung von etwa 22 Jahren gestorben war, so ging diese ans Kajus über, welcher alsbald dem Agrippa die jüdische Krone aufsetzte (2) und ihn zum Könige über die Terrarchie des Philippus und Lysauias machte. Außerdem schenkte er ihm nicht lange nachher noch die Tetrarchie des Herodes, desselben, dessen in der Leidensgeschichte des Erlösers (Z) gedacht wird, und bestrafte ihn nebst seiner Gemahlin Herodias aus verschiedenen Ursachen mit immerwahrender Verbannung, wie auch dieses Jvsephus bezeugt. Um diese Zeit machte sich Philo bekannt, ein Mann, der bei den meisten nicht nur von uns, sondern auch von denen, die aus den heidnischen Philosophenschulen hervorgegangen sind, im höchsten Ansehen steht. Seinem Herkommen nach war er ein Hebräer, stand aber keinem unter denjenigen, welche die ansehnlichsten Würden zu Alexandria bekleideten, in etwas nach. Wie ungemein viel er in der Theologie und den vaterländischen Wissenschaften (4) gethan hat, hat er jedem durch die That selbst bewiesen. Was er aber in jder Philosophie und in allen Zweigen hellenischer Wissenschaft war, bedarf keiner weitern Erwähnung, da er in der platonischen und pytbagvrischen Philosophie, welche hauptsächlich Gegenstand seines Studiums war, alle seine Zeitgenossen hinter sich gelassen haben soll. Fünftes Hanptstück. Wie Philo für die Juden eine Gesandtschast an Kajus übernommen hat. Dieser Philo erzählt die Schicksale der Juden unter Kajus in fünf Büchern.(5) Er beschreibt darin zugleich den Wahnsinn des Kajus, wie er sich selbst für einen Gott erklärte und tausend Handlungen übermüthiger Willkür, die er als Regent sich erlaubte, serner die Leiden der Juden unter ihm und die Gesandtschaft, welche er selbst für seine Landsleute zu Alexan- (lt Eusebius irrt hier in der Zeitrechnung. Diese Reise Pauli nach Jerusalem fallt erst in die Regierung des Klaudius. (2t Man sieht aus dem, was folgt, leicht selbst, daß die jüdische Krone hier nicht so viel bedeute, als wenn er König über das eigentliche Judäa geworden; hiezu inachte ihn in der Folge erst Klaudius, sondern der Ausdruck wird gebraucht, weil in Trachonitis, der Tetrarchie des Philippus, ebenfalls Juden wohnten. Stroth. i.3) Luk. 23, tl ff. Er führte deneBeinamcn Antipas und war Ethnarch von Galiläa. (4) D. h. religiöse Gesetzkunde z denn dieß war die einzige Wissenschaft bei dem jüdischen Volke. (5) Uns sind jetzt nur zwei Bücher davon übrig, nämlich ein Buch wider den Flavius und von der Gesandtschaft an den Kajus. Kaligula. Jahr Christus 39. -5L» drien nach Rom übernahm, wie er, als Verteidiger seiner vaterländischen Gesetze vor Kajus auftretend, nichts als Spott und Hohn davongetragen habe und beinahe selbst in Lebensgefahr gekommen sey. Dieser Umstände gedenkt auch Josephus im 43ten Buche seiner Alterthümer, (4) wenn er wörtlich also berichtet: „Als zu Alexandrien zwischen den dortigen Juden „und Griechen eine Partciung entstanden war, so wurden aus jeder Partei „drei Gesandte(2) erwählt, welche zu Kajus reisten. Unter den Gesandten „der Alexandriner befand sich auch Apion, welcher viele Verleumdungen „gegen die Juden vorbrachte, und unter Anderem sie auch beschuldigte, daß „sie dem Kaiser nicht die gebührende Ehre erwiesen. Denn, während alle „andern Untertanen des römischen Reichs dem Kajus Altäre und Tempel „errichteten und ihn in jeder Hinsicht ebenso, wie die Götter, verehrten, seyen „die Inden die einzigen, welche es für ungeziemend hielten, ihn durch Er- „richtung von Bildsäulen zu ehren und bei seinem Namen zu schwören. „Nachdem Apion viele schwere Beschuldigungen, wodurch er, wie zu „erwarten stand, den Kaiser zu erbittern hoffte, vorgebracht hatte, wollte „Philo, welcher an der Spitze der jüdischen Gesandtschaft stand, ein durch „philosophische Kenntnisse ausgezeichneter und sehr angesehener Mann und „Brnder des Alabarchen (3) Alexander, zur Verteidigung gegen diese Beschul- „dignngen schreiten. Allein Kajus verbot es ihm und befahl ihm, sick> „augenblicklich zu entfernen, voll Zorns und deutlich zu erkennen gebend, „daß er Partei gegen die Inden im Sinne habe. Philo entfernte sich auf „diese schmähliche Behandlung, sagte aber zu den ihn begleitenden Juden, „sie sollten nur getrosten Muthes scyn, denn, während der Kaiser auf sie „zürne, waffne er bereits Gott wider sich." So weit JosephuS. Es hat auch Philo selbst in seinem Gesandtschaftsberichte die Einzelnheiten seiner damaligen Verrichtungen mit Pünktlichkeit aufgezeichnet, allein ich will mit Uebergchung des meisten nnr das anführen, was den Lesern ein deutliches Bild von demjenigen geben kann, was den Juden wegen ihres Unterfangens gegen Christus alsbald ohne langen Verzug widerfahren ist. Zuerst nun erzählt er, daß noch unter des Tiberius Regierung Ssjanus zu Rom, der damals sehr viel bei dem Kaiser galt, sich eifrig bemüht habe, die gesummte jüdische Nation zu vertilgen, in Judäa aber Pilatus, unter welchem der Frevel gegen Christus begangen wurde, weil er in Betreff des Tempels zu Jerusalem, der damals noch stand, etwas gegen die Gesetze der Inden unternahm, (ä) diese in die größte Gährung versetzt habe. !ul>- »ü Itjucr., p. U73 zwei Fünftheile der Bevölkerung) und einen eigenen Bezirk bewohnten, das Bürgerrecht, einen eigenen Senat und besondere Obrigkeiten. Ihre, so wie der Juden m ganz Aegypten höchste obrigkeitliche Würde hieß Alabarchie und derjenige, welcher sie bekleidete, Alabarch. Die Stelle war lebenslänglich. >4) Was bieß war, wird im nächsten Hauptstück erzählt. 40 Kaligula. Jahr Christus 39. Sechstes Hauptstück. Was für Anfälle die Juden nach dein Frevel wider Christus betroffen. Als nach dem Tode des Tiberius Kajus die .Herrschaft überkommen, so habe dieser sowohl gegen vieleAndere uuzähligeHandlungen des UebermnthS sich erlaubt, als vor Allem auch das jüdische Volk nicht wenig mißhandelt. Dieß kann man in der Kürze ans seinen eigenen Ausdrücken ersehen, welche wörtlich so lauten:(1) „So groß nun war des Kajus Wahnsinn gegen alle, „vorzüglich aber gegen die jüdische Nation. Gegen diese war er im höchsten „Grade aufgebracht. Er eignete sich in den Städten ihre Bethäuser zu, „wobei er mit denen zu Alexandrien den Anfang machte und füllte sie mit „seinen eigenen Bildnissen und Statuen an. Denn, indem er zuließ, daß „Andere ihm solche setzten, errichtete er sie sich im Grunde selbst. Den „Tempel in der heiligen Stadt, welcher noch allein unangetastet war und „als unverletzliches Heiligthum galt, verwandelte und schuf er in seinen „eigenen Tempel um, indem er der Tempel des auf Erden erschienenen Ju- „piter, des jüugern Kajus, scyn sollte." Noch anders unzahlbare und unbeschreibliche Unfälle, welche den Juden zu Alexandrien unter der Negierung des genannten Kaisers zustießen, erzählt eben dieser Philo in einem zweiten Buche, welches den Titel: „Von den Tugenden" führt. Mit ihm stimmt auch Josephus überein, welcher ebenfalls bemerkt, daß von den Zeiten des Pilatus und dem wider unfern Erlöser verübten Frevel an die über die ganze Nation hereinbrechenden Leiden ihren Anfang genommen haben. Man höre also, was auch dieser im zweiten Buche seines jüdischen Kriegs (2) erzählt: „Pilatus, welcher von Tiberins als Prvkurator nach „Judäa geschickt worden war, brachte bei Nacht verhüllte Bilder des Kaisers, „welche sZo-nu genannt (3) werden, nach Jerusalem. Dieser Umstand „erregte, sobald der Tag anbrach, den größten Lärmen unter den Juden. „Alle, die in der Nähe waren, entsetzten sich ob dem Anblick, als wodurch „ihre Gesetze mit Füßen getreten wären. Diese verbieten nämlich durchaus „die Ausstellung irgend eines Bildnisses in der Stadt." Wenn man diese Nachricht mit der Erzählung der Evangelien vergleicht, so wird man sehen, daß die Strafe für jenen Ausruf vor Pilatus, (4) daß sie keinen andern König hätten, als den Kaiser, bald genug sie ereilte. Sodann erzählt derselbe Geschichtschreiber noch ein anderes Unglück, das sie traf, mit folgenden Worten: HS) „Nach diesem erregte er eine andere Unruhe dadurch, daß er (t) ?dile> lege aä Itasi p. 596 eä. illanZoz'. (2) Im neunten Hauptstück. (3) Kleine goldene Bildnisse des Kaisers, welche sich unter den Fahnen und Feldzeichen befanden. (4) Joh. tg, t5. Eusebius begeht hier abermals einen Anachronismus, wenn er die Unternehmung des Pilatus mit den Bildern als Folge der an Christo verübten Ungerechtigkeit der Juden ansieht und sie also nach dem Leiden Christi setzt, da doch aus dem Josephus deutlich erhellt, daß dieß bald nachher geschehen sc», als Pilatus nach Judäa gekommen, also noch vorher, che Christus sein Lehramt angetreten. (5) Ebenfalls 2, 9. Kaligula. Klaudius. Jahr Christus 59-ssl-42. 41 „den heiligen Schatz, Kordon genannt, auf eine 300 Stadien (1) lange „Wasserleitung verwandte. Dieß erbitterte das Volk, und als Pilatus „selbst nach Jerusalem kam, so erhoben sie ein wildes Geschrei rings um „seinen Nichterstuhl. Doch Pilatus hatte die Bewegung vorausgesehen und „deßhalb seine Soldaten bewaffnet, aber unter bürgerlicher Kleidung unkenntlich, sich unter die Menge mischen lassen, wo sie zwar nicht das „Schwert brauchen, aber den Schreiern mit Prügeln den Mund stopfen „sollten. Sobald Pilatus von seinem Nichterstuhl herab das verabredete Zeichen gab, schlugen sie auf die Juden los, deren viele an den Streichen, „viele aber auch dadurch, daß sie von ihren eigenen Landsleuten auf der „Flucht zertreten wurden, das Leben verloren. Die Menge aber, durch das „Schicksal der Getödteten in Schrecken gesetzt, schwieg." Derselbe Geschicht- fchreiber erzählt überdies; noch unzählige andere Neuerungen und Bewegungen, welche in Jerusalem selbst stattfanden, und zeigt, daß von jenem Zeitpunkte an Unruhen, Kriege und verderbliche Anschläge, einer auf den andern, in der Hauptstadt und in ganz Judäa nicht aufhörten, bis zu allerletzt das Unglück der Belagerung unter Vespasianus sie traf. So verfolgte die göttliche Strafe die Juden für die an Christus begangene Missethat. Siebentes Haupt stuck. Wie sich Pilatus selbst entleibte. Den Umstand dürfen wir aber auch nicht übergehen, daß, wie erzählt wird, eben der Pilatus, welcher unfern Erlöser zum Tod verurtheilt hat, unter Kajus, dessen Negierung wir vor uns haben von einem solchen Mißgeschicke verfolgt wurde, daß er nothgedrungen sich selbst den Tod gab, und sich mit seiner eigenen Hand bestrafte, (2) indem, wie billig, die göttliche Strafe uicht lange von ihm ausblieb. Es erzählen dieß diejenigen Griechen, welche die Olympiaden mit den Begebenheiten einer jeden Zeit aufgeschrieben haben. A chtes H aupt st ü ck. Von der Hungersnoth unter Ktaudius. Nachdem Kajus noch nicht vier volle Jahre regiert hatte, so bestieg Klaudius den Kaiserthrvn. Unter diesem suchte eine Hungersnoth den (1) Eine Städte betrug 600 griechische oder 625 römische Fuß oder 125 Schritt. Vierzig Stadien machten eine deutsche Meile. (2) Er war wegen seiner Bedrückungen von den Juden bei Vitcllius, dem Statthalter von Syrien, verklagt und von diesem zur Verantwortung nach Rom geschickt worden. Hier war bereits Kajus Kaligula Kaiser. Dieser schickte ihn nach Vienna (dem heutigen Vicnne) in die Verbannung und hier soll er sich selbst entleibt haben. Nach einer andern Sage wurde Pilatus erst von Nero zuerst zum Gefängnis und hernach zum Tode verurtheilt, weil er, ohne anzufragen, einen so wichtigen Mann, als Christus gewesen, habe umbringen lassen. Klandias. Jahr Christus 42-44 — 45. ganzen Erdboden heim — ein Ereignis;, wovon auch nichtchristliche Schriftsteller in ihren Geschichtbüchern erzählen —und die in der Apostelgeschichte (!) enthaltene Prophezeihnng des Agabns von einer der ganzen Erde bevorstehenden Hungersnoth ging somit in Erfüllung. Nachdem Lukas der Hun- gersnoth unter Klaudius Erwähnung gethan und noch erzählt, wie die Brüder in Antiochien jeder nach seinem Vermögen durch Paulus und Barnabas denen in Judaa etwas geschickt hätten, fährt er also fort: (2) Neuntes H a u p t st ü ck. Der Märtprcrtod des Apostels Jakobus. „Um diese Zeit (nämlich unter der Negierung des Klaudius) fing der »König Herodes(Z) au, gegen etliche von der Gemeinde Gewaltthätigkeiten »auszuüben. Namentlich ließ er den Jakobus, des Johannes Bruder, mit „dem Schwert hinrichten." Von diesem Jakobus erzählt uns Klemens im 7ten Buche seiner Entwürfe eine bemerkenswerthe Geschichte, wie er sie von den Aeltern gehört hatte. Als nämlich der, welcher ihn vor Gericht geführt hatte, sah, une er standhaft seineu Glauben bekannte, wurde er so sehr bewegt, daß er bekannte, auch er sey ein Christ. Sie wurden nun beide hingeführt. Auf dem Wege bat der letztere den Jakvbus um Verzeihung. Jakobus bedachte sich ein wenig; dann aber sprach er zu ihm: Friede seh mit dir! und küßte ihn. So wurden sie beide zugleich enthauptet. Damals ließ, wie die heilige Schrift erzählt, (4) Herodes, als er sah, daß die Hinrichtung des Jakobns den Juden angenehm gewesen, auch an Petrus Dand legen, ihn in das Gefängniß werfen und würde schon den Befehl zu seiner Hinrichtung gegeben haben, wenn dieser nicht durch eine göttliche Erscheinung, indem Nachts ein Engel zu ihm kam, auf eine wunderbare Weise seiner Bande entledigt und zum Dienste des Evangeliums aus dem Gefängniß geholt worden wäre. Auf diese Art erwies sich die göttliche Vorjehnng in Betreff des Petrus. Ichutcs Haupt stück. Wie Agrippa, auch Herodes genannt, nach der Verfolgung der Apostel sogleich die göttliche Strafe empfunden. Indes; blieb die Strafe für sein Unterfangen gegen die Apostel nicht lauge aus, sondern der rächende Vollzieher der göttlichen Strafgerechtigkeir ereilte ihn sogleich nach seinem Anschlage gegen die Apostel, wie auch die Apostelgeschichte erzählt. (5) Wie er nämlich nach Cäsarea gereist war (1) Apostclgesch. !1, 28. (2) Apostclgesch. 12, t. 2. (?) Agrippa der ältere. (4) Apostclgesch. 12, s ff. (5) Apostelgesch. !2, tö— 2s. Klaudws. Jahr Christus 4L. ^ und daselbst an einem feierlichen Festlage, mit einem glänzenden Königs- gewande angetban, von hohem Thron herab eine Rede an das Volk hielt, da schlug ihn, nach der Erzählung der Schrift, wie das ganze Volk ihm wegen seiner Rede Beifall zurief, als wenn dieß eines Gottes, nicht eines Menschen Stimme wäre, der Engel des Herrn, so daß er von den Würmern gefressen ward und seinen Geist aufgeben mußte. UebrigenS verdient die Uebei einstimmnng des Iosephus mit der Erzählung der heiligen Schrift auch bei diesem wunderbaren Vorfalle Bewunderung. Iosephus gibt der Wahrheit ein offenbares Zeugniß, wenn er im Igten Buche seiner Alterthümer (1) das Wunder auf folgende Art erzählt: „Bereits waren drei Jahre verflossen, „seit Herodes als König über ganz Judäa herrschte, als er nach Eäjarea, „welches vormals Stratvus Thurm hieß, kam. Er hielt daselbst Spiele zur „Ehre des Kaisers, da, wie er wußte, dieses Fest für die Wohlfahrt desselben angeordnet war. (2) Eine Menge durch Rang und Würde ausgezeichneter Personen hatte sich aus der römischen Provinz (5) zu diesem Feste „eingefunden. Am zweiten Tage der Schauspiele mit Anbruch des Tages „erschien der König, mit einem ganz ans Silber verfertigten Gewände von „bewnndernswerther Arbeit angethan, in dem Theater, Hier warf das „Silber, von den ersten darauf fallenden Sonnenstrahlen beschienen, einen „wundervollen Abglanz von sich, dessen Schimmer für diejenigen, welche „scharf hinsahen, Furcht und Zittern verursachte. Da erHuben die Schme'.ch- „ler alsbald von allen Seiten laut ihre dem Könige keineswegs heilbringenden „Stimmen, nannten ihn einen Gott und riefen aus: Mögest du uns gnädig „seyn! Wenn wir auch bisher als einen Menschen dich gefürchtet haben, so „bekennen wir doch von nun au, daß du mehr als ein sterblicher Mensch „bist. Der König gab ihnen deßwegen weder einen Verweis, noch lehnte „er ihre gottlose Schmeichelei von sich ab. Als er aber bald nachher aufblickte, sah er einen Engel (ü) über seinem Kopfe sitzen. Er merkte sogleich, „daß dieser ihm Unglück bringen würde, wie er ihm einst Glück gebracht „und empfand alsbald einen Schmerz, der ihm das Herz durchdrang. Auf (t) Im neunten Hauptstück. (2> Iosephus erzählt >6, 4 seiner Alterthümcr, daß Herodes der Große im 2gstcn Jahre iciner Regierung, in der 192sten Olympiade nach vollendeter Erbauung von Cäsarm (woran tp Jahre gebaut worden), diese Sviele mit großer Pracht zu Ehren des Kaisers angeordnet und festgesetzt habe, daß sie alle fünf Jahre gehalten werden sollten. Es waren Kampf- emd Fcchtcrspicle, Thicrgeftchte und Concerte. Stroth. Gl Iosephus meint hier wohl Syrien oder Phonicien, das in: Gegensatz gegen Judäa, wo damals Agripxa regierte, die Provinz hieß. (4) Eusebius hat in der angeführten Stelle des Iosephus willkürlich geändert. Iosephus schreibt, er habe eine Eule über sich sitzen gesehen. Seine Worte lauten wortlich: „Als er nun bald darauf aufblickte, sah er über seinen: Kopfe ans einem Seile ldas zum „Ueberziehen von Decken gegen die Sonne über das Theater gespannt war) eine Eule sitzen „und merkte alsbald, daß dieß ein Unglücksbote (äz^x/lo?) flir ihn scy, so wie es ehemals „ein Glücksbote für ihn gewesen." Dieß letztere bezieht sich auf eine andere 'Erzählung des Joicphns )8, 8 der Altcrthümer, wo er sagt, als Agrippa als Gefangener zu Ron! unter einem Baum gestanden, habe ein gefangener Deutscher, der die Wahrsagckunst verstanden, über seinem Kopf eine Eule gesehen und ihm daraus prophczciht, daß er zu großen Ehren kommen würde, aber auch dabei gesagt, daß, wenn er diesen Vogel zum andernmal sehe» wurde, er den fünften Tag darauf sterben würde. Stroth. 44 Klaudins. Jahr Christus 45 — 46. »einmal kamen Schmerzen des Unterleibes dazu, die mit großer Heftigkeit »sich einstellten. Hinblicken!) nun zu seinen Freunden, sprach er: ich, der »ich euch ein Gott bin, erhalte so eben Befehl, aus dem Leben zu wandern; »das Schicksal widerlegt auf der Stelle euern erlogenen Zuruf, der eben »noch mir erschallte und ich, der von euch unsterblich Genannte, mache bereits »mich auf den Weg zum Tode. Doch man muß das Schicksal annehmen, »wie es Gott beschlosten hat. Denn ich habe nicht in unscheinbarer Niedrig« »keit gelebt, sondern in einem Glänze, der dem Menschen als die höchste »Glückseligkeit gilt. Während er dieses noch sprach, wurde er von den zunehmenden Schmerzen überwältigt. Man brachte ihn nun eilig in seinen »Palast und ein Gerücht verbreitete sich überall, er würde nur noch ganz --kurze Zeit zu leben haben. Das Volk zog sogleich nach väterlicher Weise »mit Weib und Kind Säcke(l) an und bat Gott um das Leben des Königs, »und alles war voll von Klagen und Jammern. Der König, der in einem »vbern Gemache des Palastes darniederlag und sie unten auf dem Boden »liegen sah, konnte sich selbst der Thränen nicht enthalten. Nachdem er »endlich fünf Tage lang unausgesetzt von Leibschmerzen gefoltert worden »war, verschied er im 54sten Jahre seines Lebens und im 7ten seiner Regierung. Er war nämlich vier Jahre unter dem Kaiser Kajus König gewesen, »wovon er drei Jahre über die Tetrarchie des Philippus geherrscht und im »vierten noch die Tetrarchie des Herodes bekommen hatte, und sodann noch drei »Jahre unter der Regierung des Klaudius.« So erzählt Josephus, dessen richtige Uebereinstimmnng mit der heiligen Schrift ich sowohl hier, als auch sonst bewundern muß. Sollte indeß Jemand eine Verschiedenheit zwischen beiden in Betreff des Namens des Königs (2) zu finden glauben, so beweisen die Zeit und das Faktum, daß es einer und eben derselbe ist, mag nun der Name durch einen Schreibfehler verändert worden seyn oder mag der König zwei Namen gehabt haben, wie dieß bei vielen der Fall gewesen ist. Eilstes Hanptstück. Von dem Betrüger Theudas und seinem Anhange. Da ferner Lukas in seiner Apostelgeschichte (Z) den Gamaliel bei Erzählung der Untersuchung über die Apostel redend einführt, daß zu der angegebenen Zeit Theudas aufgestanden sey und sich für etwas ausgegeben habe, daß aber derselbe seinen Tod gefunden und daß alle seine Anhänger zerstreut worden, so wollen wir auch hievon die Worte des Josephus (ä) hersetzen. (1) Es ist unter dem Worte Sack nicht an einen eigentlichen Sack zu denken, sondern an ein grobes, oft zerlumptes Stück Tuch, welches der Morgenländer zum Zeichen der Trauer um sich herum wickelt. (2) Josephus nennt ihn nämlich immer Agrippa und Lukas Herodes. Stroth. (3) Apostelgesch. 5, 36. (4) Man ist in großer Verlegenheit, den historischen Widerspruch zwischen dem mckas und Josephus über den Theudas zu heben. Nach dem Josephus, dessen Genauigkeit in diesem Stücke unverdächtig ist, kann sei» Aufstand nicht vor dem vierten Jahre des KlaudmS, Klaudius. Jahr Christus 46. 45 Er erzZhlt nämlich in dem soeben angegebenen Buche Folgendes: »Als «Fadus Statthalter in Jndäa war, beredete ein gewisser Betrüger, Namens »Theudas, eine sehr große Menge Menschen, ihre Habe mitzunehmen und »ihm an den Fluß Jordan zu folgen. Er gab sich für einen Propheten aus »und versicherte, er könne durch sein bloßes Machtwort den Fluß zertheilen und „ihnen einen leichten Durchgang verschaffen. Durch diese Reden verführte »er viele. Allein Fadus verstattete ihnen nicht lange, sich ihrer Thorheit »zu freuen, sondern schickte ein Reitcrgeschwader gegen sie ab, das sie un- „vermulhet übersiel, eine große Anzahl derselben tvdtete und viele gefangen »nahm. Unter den lehtern befand sich auch theudas. Diesem hieben sie »den Kopf ab und brachten denselben nach Jerusalem." Nach diesem thut Josephus auch der Hungersnoth unter Klaudius mit folgenden Worten Erwähnung: also vor dem Jahr Christi 46 geschehen seyn. Denn er entstand unter dem Landpfleger Kuspius Fadus; dieser wurde erst nach dem Tode des Agrippa nach Judäa geschickt und Agrippa hatte drei Jahre unter Klaudius regiert. Beim Lukas aber tritt Gamaliel schon im fünften Kapitel der Apostelgeschichte aus, da bisher noch von Begebenheiten unter dem Liberias geredet worden und spricht von dem Aufruhr des Theudas als von einer vergangenen Sache, ja er setzt noch hinzu, daß nach ihm JudaS der Galiläer (siehe oben Buch l., Kap. 4 am Ende) aufgestanden sey, von dem es bekannt ist, daß sein Aufstand zur Zeit der Schätzung unter dem Quirinius geschehen. Wenn nun gleich diese letztere Schwierigkeit zu heben wäre, daß das per« rörov rückwärts verstanden würde und so viel hieße, als vor ihm, so bleibt doch noch allemal die Hauptschwierigkeit unaufgelöst. Man hat sie auf verschiedene Art zu heben gesucht. Scaligcr, Calvisius, Casaubonus, Grotius, Drusius, Hammond, Beza und schon ehemals Origenes haben zwei Aufrührer, die de» Namen Theudas geführt und zu verschiedenen Zeiten gelebt, angenommen, nur mit dem Unterschiede, daß einige den erstem Theudas über 40 Jahre, andere ungefähr zwölf Jahre vor dem andern angenommen. Der Leser mag selbst urthcilcn, ob dieß nicht ziemlich willkürlich verfahren sey? Andere wollen den Josephus geradezu zum Lügner machen oder sie thun es vielmehr aus Roth, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen. Allein ist es wohl wahrscheinlich, daß der sorgfältige Josephus in einer Begebenheit, die kaum 30 Jahre vor Abfassung seiner Geschichte schon während seines Lebens sich zugetragen und von welcher er so viele Umstände erzählt, sich so sehr hätte irren können? Aber Lukas hatte sie nicht weniger erlebt, sie war zu seiner Zeit vorgefallen, er konnte sich also auch so sehr nicht irren. Dieser Meinung scheint Capellus geneigt zu seyn; er glaubt, Lukas habe durch einen Ge- dächtnißfchler und durch Association der Begriffe die beiden ähnlichen Fälle mit einander verbunden und beide aus Versehen vom Gamaliel anführen lassen. Wenn diese Meinung nicht Beifall finden sollte, so schlägt er eine andere Auflösung vor, nämlich man solle die Worte versetzen und lesen npö ror'rcvv r«v ^z,e(>äzv äueern/ Tvnö«? :c. und hernach: per« rovrou c-isswr?? che Heu >ey, indem sie es den Aeltesien durch Barnabas und Paulus übersandten. Von dieser Helena, welcher auch Josephuö Erwähnung thut, zeigt man noch jezt mehrere prächtige Säulen in den Vorstädten der jetzigen Stadt Aelia. (2) Sic soll das Volk der Adiabener(Z) beherrscht haben. Dreizeh ntes Hauptkück. Von Simon dem Magier und einer andern Helena. Während der Glaube an unfern Erlöser und Herrn Jesus Christus sich bereits unter allen Menschen ausgebreitet hatte, suchte der Feind der menschlichen Glückseligkeit sich im Voraus der Hauptstadt des Reichs zu bemächtigen. Er brachte daher den erwähnten Simon in dieselbe und verleitete dadurch, daß er die künstlichen Betrügereien dieses Menschen unterstützte, sehr viele von den Bewohnern Roms zum Jrrthum, wodurch er sich dieselben zu eigen machte. Es bezeugt dieß Jusiinus, eine Zierde unserer Religion, der nicht lange nach den Aposteln gelebt hat, von welchem ich das Nöthige seiner Zeit beibringen werde. Mau nehme indessen seine Erzählung, welche in seiner ersten Schutzschrift für unsere Religion an AntoniuuS enthalten (t) Diese Helena war keine regierende Königin, wie aus dem Schluß des Kapitels zu erhellen scheint, sondern nach der Erzählung des Josephus im zweiten Kapitel des 20stcn Bandes der Altcrthümcr eine Gemahlin des Monobazus, eines Fürsten der Adiabcncr. Nach ihres Gemahls Tode kam ihr Sohn Jzates zur Regierung, und ein jüdischer Kaufmann, Namens Ananias, brachte sie nebst diesem ihrem Sohne zum jüdischen Glauben, hielt aber den letztern aus Furcht vor einem Aufstand von der B.eschncidung ab und sagte, Gott sehe auf das Her; und nicht aus die Beschneidung. Nach ihm kam aber ein jüdischer Thcolog Elcazar dahin, der natürlicherweise orthodorcr als der erste war; dieser bestand darauf, daß Jzates sich beschneiden lasten mußte. Die Helena reiste bald darauf nach Jerusalem und traf daselbst eben die Hungersnot!) an; sie ließ daher nicht allein Lebensmittel aus Aegypten kommen, sondern ihr Sohn schickte auch außerdem viel Geld nach Judäa Sie überlebte denselben und da sie endlich auch starb, so schickte ihr älterer Sohn Monobazus ihre und des Jzates Gebeine nach Jerusalem, wo sie unter drei von ihr erbauten Pyramiden begraben wurden. Diese bewundert noch Pausanias und setzt sie dem Grabmahl des Mausolus an die Seite. Ja, Hieronymus bezeugt, daß sie noch zu seiner Zeit gestanden. Uetzingens hatte diese Konigin auch einen Palast zu Jerusalem. Stroth. (2) Dieß ist der gewöhnliche Name Jerusalems von den Zeiten des Kaisers Aclius Adrianus an bis etwa auf den Kaiser Konstantinus den Großen, seit welchem wieder der Name Jerusalem gebräuchlich wurde. s3) Eine Prosinz in Assyrien. Später hieß sie Osroene oder Osdroenc. (4) Nach unserer Abtheilung des Justinus steht diese Stelle in der zweiten Bcrtheidi» gungsschrift. Euscbitts nennt aber diese immer die erste. Klaudins. Jahr Christus 46. 47 ist, und lese, wie folgt: „Nach der Himmelfahrt unsers Herrn stellte der „Teufel einige Menschen auf, welche sagten, sie seyen Götter, und diese .wurden nicht nur nicht verfolgt von euch, sondern sogar grosier Ehren theil- >,haftig. Zu diesen gehört ein gewisser Samariter Simon ans einem Dorfe, »Namens Gitton. (l). Dieser verrichtete unter der Regierung des Kaisers »Klaudius in eurer Kaiserstadt Rom durch die Kunst und Wirksamkeit der „Dämonen magische Wuuderthaten, wurde deßhalb für einen Gott gehalten »und wird noch bei euch in einer Statue, welche in dem Tiberflusz zwischen „den beiden Brücken steht und die lateinische Inschrift: 8imo»i De« „8 -rncto , d. i. dem heiligenGottSimon, (2) führt, als Gott vcr> „ehrt. Und beinahe alle Samariter, aber auch einige wenige unter andern „Völkern erkennen und beten ihn als den höchsten Gott au. Eine gewisse »Helena, welche damals mit ihm herumzog, früher aber in einem Bordell „zu Tyrus in Phönicien sich aufgehalten hatte, nennen sie seine erste In» te l lig enz." (5) So weit Justinus. Mit ihm stimmt auch Irenaus überein in dem ersten Buche gegen die Sekten, wo er zugleich nähere Nachrichten über Simons Person, so wie über seine gottlose und verruchte Lehre gibt. Diese hier anzuführen, wäre seht überflüssig, da ein Jeder, dem etwas daran gelegen ist, sowohl diese selbst, als auch den Ursprung, das Leben und den Inhalt der falschen Lehrsätze der Sektenstifter nach ihm der Reihe nach, so wie auch ihre Beschäftigungen und Bestrebungen aus der eben angeführten, mit mehr als oberflächlichem Fleisie ausgearbeiteten Schrift des Irenaus erfahren kann. So war nun , wie wir wissen, Simon der erste Anfänger jeglicher Ketzerei. (4) Von ihm an bis auf unsere Zeit haben seine Anhänger zwar die Maske der vernünftigen und wegen Reinheit ihrer Moral allberühmten christlichen Lehre angenommen, allein sie sind doch nichts desto weniger dem Aberglauben der Bilderverehruug, dem sie ganz entsagt zu haben schienen, wiederum zugethan, fallen vor den Gemälden und Bildern des Simon und der vorhin mit ihm genannten Helena nieder und scheuen (1) Diesen Ort geben alle Kirchcnschriststellcr für seinen Geburtsort aus. Joscphus aber, der im fünften Kapitel des Wlten Buches seiner Altcrthümer von eben diesem Simon zu reden scheint, sagt, daß er aus (Zypern gewesen. Stroth. (2) Justinus verwechselt hier höchst unwissend einen alten Gott der Sabiner, Semo Sancus, mit dem Magier Simon. Ein steinernes Fußgestcll einer Bildsaule mit der Aufschrift: Komoui Kongo Ovo b'ielio suci'um, wurde an dem von Justinus angegebenen Orte, nämlich auf der Tiberinsel, welche auf der eine» Seite durch den Pons Eestius, auf der andern durch den Pons Fabricii mit der Stadt verbunden ist, im Jahr 1574 aufgefunden. t3> Limoea. Diese Person wird von einigen Schriftstellern auch Sclene genannt. Nach dem Epiphanius gab er dieselbe an manchen Orten für den heiligen Geist und sich selbst bald für de» Vater, bald für den Sohn aus. Er lehrte übcrdcm die Seelenwandc- rung und sagte, seine Intelligenz Helena sey schon in der argivischcn Helena gewesen. Auch wußte er viel aus der Geistcrwelt und deren Staatsverfassung, ließ diese Welt von bösen Geistern regieren und schrieb sich selbst eine Souveränctät über alle Geister zu. Dem alten Testament sprach er allen Nutzen ab. Irenaus und Epiphanius schrieben ihm die Entstehung der Gnostiker zu. Stroth. (4) Nicht bloß Eusebius, sondern auch noch viele andere Kirchenväter sind dieser Meinung. Mehrere machen ihn namentlich zum Stammvater der gnostischcn Sekten, was sich daraus erklärt, weil die Philosophcmc dieser, wie jenes, mehr oder weniger altorientalische Religionsansichtcn, namentlich die Gmanationsthcorie zur Grundlage hatten. 48 Klandms. Jahr Christus 56. sich nicht, sie mit Rauchwerk und Opfern und Trankvpfern zu ehren. Was aber ihre tieferen Geheimnisse betrifft, wovon sie sagen, dasi derjenige, welcher sie zuerst höre, außer sich komme und, nach dem Ausdrucke eines ihrer schriftlichen Orakel, in Erstaunen gerathe, so sind sie in der That voll von Dingen, worüber man erstaunen muß und voll von Verrücktheit und Unsinn und von der Art, daß ein sittlicher Mensch sie nicht nur nicht niederschreiben , sondern nicht einmal über seine Lippen gehen lassen kann wegen des Uebermaßes von Unsittlichkeit und Schmutzigkeit. Denn was nur schändlicher als das Schändlichste ist oder gedacht werden kann, das übertrifft noch dies- verruchte Sckre, da sie liederliche und mit Lastern aller Art überladene Weibspersonen zum Gegenstand ihres Mnthwillens macht. Vierchutes H a u p t st ü ck. Von der Predigt des Apostels Petrus in Rom. Diesen Simon, den Vater und Stifter solchen Unheils, stellte damals gleichsam als gewaltiger Gegenkämpfer der großen heiligen Apostel unseres Erlösers das jeder Tugend feindliche und der menschlichen Glückseligkeit eut- gegcnstrebende Wesen ans. Doch die göttliche überhimmlische Gnade stand ihren Dienern bei, löschte durch deren Erscheinung und Gegenwart die von dem Bösen angezündete Flamme mit der größten Geschwindigkeit aus und demüthigte und überwand durch sie allen Stolz, der sich gegen die Erkenntnis; Gottes erhob. Daher konnte zu jenen apostolischen Zeiten weder die Rotte Simons, noch die irgend eines andern der damals aufstehenden Jrrlehrer bestehen. Denn es überwand und überwältigte Alles der Glanz der Wahrheit und das göttliche Wort, welches erst vor Kurzem vom Himmel herab den Menschen erschienen war, damals auf der Erde in seiner Blüthe stand und seinen Aposteln inwohnte. So wurden also auch jenem erwähnten Berrüger die Augen seines Verstandes gleichsam als von einem göttlichen wunderbaren Glänze geblendet, und er unternahm, nachdem er zuerst vom Apostel Petrus in Judäa über seinen Uebelthaten ertappt worden, eine weite Reise über das Meer aus dem Osten und floh eilends gegen Abend, indem er nun dort nach Gefallen leben zu können glaubte. Er kam nach Rom und war mit Hülfe des dort seinen Sitz habenden höllischen Geistes in kurzer Zeit so glücklich in seinen Unternehmungen, daß er sogar von den Einwohnern dieser Stadt durch Errichtung einer Statue als ein Gott geehrt wurde. Allein er durfte sich dieses Glückes nicht lange freuen. Denn die allgütiae, menschenfreundliche und über Alles wachende göttliche Vorsehung führte alsbald noch unter der Negierung des Klandius den größten und gewaltigsten unter den Aposteln, der seiner Tugend wegen der Sprecher aller andern Apostel war, den Petrus, nach Rom, als wider den Verderber der Menschen. Petrus, als ein wackerer Feldherr Gottes, angethau mit den göttlichen Waffen, brachte die kostbare Waare, das Licht des Verstandes vom Aufgang Klaudius. Jahr Christus hg. 49 nach dem Niedergang, indem er das Licht selbst, und das die Geister beseligende Wort, die Predigt vom Himmelreiche, den dortigen Leuten verkündigte. Fünfzehntes Hanptstück. Von dem Evangelium des Markus. Als nun so das göttliche Wort unter den Abendländern sich niedergelassen hatte, so erlosch alsbald die Macht des Simon mit diesem selbst und verschwand. Der Glanz der Religion dagegen erleuchtete so sehr den Verstand derZuhvrer des Petrus, daß sie weder an dem einmal Gehörten genug hatten, noch sich durch die ungeschriebene Lehre des göttlichen Wortes zufrieden stellen ließen, sondern unter vielfachen Aufforderungen den Markus, den Begleiter des Petrus, von dem das bekannte Evangelium ist, dringend baten, er möchte ihnen ein schriftliches Denkmal der ihnen mündlich vorgetragenen Lehre hinterlassen, und auch nicht früher abließen, als bis sie ihn erweicht hatten. Auf diese Art waren sie die Veranlassung des nach Markus genannten Evangeliums. Nachdem Petrus durch eine Offenbarung des Geistes diesen Vorfall erfahren, soll er sich über die Wißbegierde der Leute gefreut und der Schrift seine Bestätigung zum Gebrauch in den Kirchen ertheilt haben. Klemens liefert uns diese Erzählung in dem achten Buche seiner Entwürfe. (1) Ihm stimmt Papms, Bischof von Hierapolis, (2) bei. Dieses Markus thut auch, wie man sagt, Petrus in seinem ersten Briefe, (Z) der von ihm zu Rom geschrieben seyn soll, Erwähnung (was er dadurch zu verstehen gebe, daß er diese Stadt figürlich Babylon (4) nenne), wenn er schreibt: „Es grüßt euch die Gemeinde in Babylon und mein Sohn „Markus." Sechszehntes Hauptstück. Wie zuerst Markus den Acgppticru die Lehre Christi gepredigt. Dieser Markus soll nach Aegypten gereist seyn und daselbst zuerst das Evangelium, welches er auch schriftlich verfaßt hatte, gepredigt, auch zuerst Gemeinden in Alexandrien selbst gestiftet haben. So groß aber war daselbst (1) Man sehe hievon unten 6, 14., aus welcher Stelle zugleich erhellt, daß das hier Erzählte nicht, wie man schon oft glaubte, aus des Klemens Entwürfen entlehnt ist — denn in diessm Falle würde Klemens sich selbst widersprechen — sondern daß es die eigene, subjektive Ansicht des Eusebius ist, für welche er den Klemens und Paxias als Gewährsmänner glaubt anführen zu können. Die Stelle des Papias findet sich in unserer Geschichte 3, 39. Irenaus im dritten Buche (die Stelle ist auch in unserer Geschichte 5, 8. anac- führt) scheint die Abfassung des Evangeliums Marci nach dem Kode des Petrus zu setzen'. (2t Eine Stadt in der kleinasiatischen Landschaft Phrygien. IN 1 Pctr. 5, 13. (4) Dieß ist die gewöhnliche Meinung der Alten, allein Hug bemerkt mit Recht, daß eine solche figürliche Bezeichnung in einem Werke, dessen ganze Anlage symbolisch scy, sehr wohl angehe, hingegen i» der Unterschrift eines Briefes nur glaublich wäre, wenn arouns Iwmiuu aoowsiai'um unter den Christen stattgehabt hätten. Eusebius Kirchengcschichtc. ' 4 5V Klaudius. Jahr Christus 46. gleich in den ersten Anfängen die Menge der gläubig gewordenen Männer und Weiber, welche die strengste religiöse Lebensart beobachteten, daß Philo es der Mühe werth hielt, ihre Beschäftigungen, ihre Zusammenkünfte, ihre gemeinschaftlichen Mahlzeiten und ihre ganze übrige Lebensartzu beschreiben. Siebzehntes Hauptstück. Was Philo von Vcn Asketen hl) in Aegypten erzählt. Man erzählt auch, daß dieser Philo zu den Zeiten des Klaudius mit Petrus, welcher den Einwohnern Roms damals das Evangelium predigte, in dieser Stadt zusammengekommen sey. (2) Und dicß dürfte auch nicht so ganz unwahrscheinlich seyn, da die Schrift, wovon wir reden, welche erst später und geraume Zeit nachher von ihm abgefaßt worden ist, ganz offenbar die auch noch bis jetzt bei uns geltenden Kirchenregeln enthält. Und da er auch die Lebensart unserer Asketen (5) so genau als möglich beschreibt, so dürfte man daraus wohl mit vollem Recht schließen, daß er die zu seiner Zeit lebenden apostolischen Männer, welche, wie es scheint, hebräischer Abkunft waren und deßhalb größtentheils die alten jüdischen Sitten mit äugst, licher Strenge beobachteten, nicht bloß gesehen hat, sondern auch ihnen beistimmt, weil er sie bewundert und erhebt. Nachdem er in seiner Schrift: Von dem beschaulichen Leben oder von den Betenden, gleich anfangs die Versicherung gegeben hat, daß er in derselben nichts gegen die Wahrheit von seinem Eigenen Hinzuthun werde, bemerkt er, daß diese Leute, Pflegerund ihre Weiber Pflegerinnen (4) genannt werden. Er fügt (5) als Ursache dieser Benennung hinzu, entweder, weil sie die Seelen derer, welche mit ihnen in Verbindung treten, gleich den Aerzten von den bösen Leidenschaften befreiten und ihrer pflegten und sie heilten oder weil sie der Gottheit durch einen reinen und aufrichtigen Dienst pflegten. Ob indes; Philo selbst ihnen diesen Namen als einen ihrer Lebensart entsprechenden gegeben oder ob sich ihre ersten Stifter wirklich selbst so genannt haben, da der Christenname noch nicht überall bekannt war, darüber bedarf es hier keiner weitern Untersuchung. Dem sey, wie ihm wolle, so bezeugt Philo, daß sie vor allem Andern ihrem Vermögen entsagen. Wenn sie (.1) Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, baß Philo in seiner in diesem Hauptstück gegebenen Schilderung der Therapeuten von nichts weniger als von den Christen redet, so sehr sich auch Eusebius dicß zu erweisen anstrengt. (2) Aus dieser Sage — denn weiter ist es nichts, da Petrus nach den bewährtesten Nachrichten unter Klaudius gar nicht nach Rom gekommen ist — fabelte man noch ipätcr, Philo sey zum Christcnthum übergetreten, habe es aber aus gewisien Gründen wieder verlassen. (3) Unter diesen, Namen werden solche Christen verstanden, welche entweder allein oder in Gesellschaft mit Gleichgesinnten besondere Ucdungcn der Frömmigkeit durch Fasten, Beten, Wachen, Kasteiungcn u. s. w. anstellten. (4) Therapeuten und Thcrapeutridcn im Griechischen. sb) pkilo culit, AliMFez'. p. 47t. 472. Klandius. Jahr Christus 56. stI anfangen zu philosophiren, sagt er, so treten sie ihren Verwandten ihr Vermögen ab. Sodann, wenn sie sich alter Sorgen des Lebens einschlagen haben, begeben sie sich außerhalb der Stadt und nehmen ihren Aufenthalt in Gärten und einsamen Oertern, da sie wohl wissen, daß ihnen der Umgang mit Leuten, welche nicht ihre Grundsätze theilen, nachtheilig und schädlich ist. Sie thaten dieß damals, wie mir scheint, ans einem inbrünstigen, warmen Glauben, indem sie die prophetische Lebensweise nachzuahmen strebten. Denn auch in der allgemein als echt angenommenen Apostelgeschichte ist die Nachricht enthalten, daß alle Schüler der Apostel ihr Besitzthum und ihre Habe verkauften und unter alle, nach eines jeden Bedürfnis;, vertheilten, so daß gar kein Dürftiger sich unter ihnen fand. „Denn," so lautet die Stelle, (1) „Jeder, der liegende Gründe oder Häuser hatte, verkaufte dieselben, brachte den Erlös des Verkauften und legte es zu der „Apostel Füßen, so daß es je nach den Bedürfnissen eines Jeglichen ausge- „theilt wurde." Ganz Aehnliches mit dem hier Angeführten erzählt Philo von den Therapeuten und fährt sodann wörtlich also fort: (2) „Das Geschlecht „der Therapeuten ist über einen großen Theil der Erde verbreitet. Denn „sowohl Griechen als Barbaren sollten eines so vollkommenen Gutes nicht „entbehren. Aber vorzüglich zahlreich sind sie in Aegypten, in jedem der „sogenannten Nomen desselben und namentlich in der Nähe von Alexandrien. „Die Edelsten von allen Orten her ziehen als Kolonisten gleichsam als in „das Vaterland der Therapeuten an einen sehr bequem gelegenen Ort, „welcher oberhalb des See's Mareotis auf einer sanften Anhöhe recht glücklich gelegen ist, sowohl in Betreff der Sicherheit, als auch der Reinheit „der Luft." Nachdem sodann Philo die Beschaffenheit ihrer Wohnungen beschrieben, erzählt er von ihren Kirchen, welche hie und da sich befinden, Folgendes:(s) „In jeglichem Hause befindet sich ein Heiligthum, welches „das heilige und einsame Zimmer genannt wird. Hier üben sie, „von aller menschlichen Gesellschaft abgeschlossen, die Geheimnisse des gereihten Lebens. Sie nehmen kein Getränke, keine Speise, überhaupt „nichts, was zur Lebensnothdurft gehört, mit sich hinein, sondern die „Gesetze, die Weissagungen der Propheten und Lobgesänge mit andern „Dingen der Art, durch welche Erkenntnis; und Frömmigkeit gefördert und „vervollkommnet werden." Etwas weiterhin fährt sodann Philo also fort: „Die ganze Zeit zwischen Mvrgen und Abend ist von ihnen religiösen Uebun- „gen geweiht; die heiligen Schriften lesend, beschäftigen sie sich mit der „vaterländischen Weisheit, indem sie sie allegorisch erklären, da ihnen die „Worte nur Sinnbilder einer tiefer liegenden Wahrheit sind, die nur angedeutet ist. Sie besitzen auch Schriften alter Weisen, der Stifter ihrer „Sekte, welche viele Aufsätze über den in dem allegorisch Dargestellten enthaltenen Sinn hinterlassen haben. Diese gelten ihnen als Muster und sie (t) Apostelgesch. 4, 34. 35. (2) luvt. iw> vir couwiniil. eäit. Nim-wv. o. 474. (3) ?!u>. i>. 475. 4 ^ 52 Klaudms. Jahr ChristuS 46. »befolgen die gleichen Grundsätze." Dies; scheint von einem Mann geschrieben, der ihre Auslegungen der heiligen Schrift selbst mit angehört hat. Was die Schriften der Alten betrifft, welche steh nach Philo bei ihnen befinden, so mochten dies; nicht unwahrscheinlich die Evangelien und die Schriften der Apostel seyn und einige Auslegungen vermnthlich über die alten Propheten, wie sie der Brief an die Hebräer (l) und mehrere andere Briefe des Paulus enthalten. Weiterhin fährt Philo fort, daß sie neue Psalmen verfertigen. »Sie ergeben sich aber — sind seine Worte — nicht bloß der »Betrachtung, sondern sie verfertigen auch Gesänge und Loblieder auf Gott „in allerhand Versmaßen und nach allerlei Weisen, jedoch bedienen sie sich „dabei natürlicherweise nur erhabener Versarten." Philo erzählt hierauf in demselben Buche noch manches Andere von den Therapeuten, allein ich glaube vorzüglich das zusammenstellen zu müssen, wodurch das Charakteristische der Kirchenzucht vor Augen gestellt wird. Wenn aber Jemand glaubt, das Angeführte sey keineswegs der evangelischen Kirchenverfassuug eigenthümlich, sondern könne auch auf andere, als auf die Christen, passen, der lasse sich wenigstens durch die folgenden Worte Philo's überzeugen, swelche für ihn, wenn er anders billig seyn will, ein unwidersprechliches Zeugniß davon enthalten werden. Sie lauten also: (2) „Die Enthaltsamkeit achten sie »für die Grundtugend, worauf sie die andern bauen. Speise oder Getränke „möchte nicht leicht einer vor Sonnenuntergang zu sich nehmen, denn sie „betrachten das Philosophiren als das einzige würdige Werk des Lichts, die „Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse dagegen als Sache der Finsterniß, „wcßhalb sie jener den Tag, dieser einen unbedeutenden Theit der Nacht „widmen. Mehrere von ihnen, welche inbrünstiger nach Weisheit streben, „denken erst nach drei Tagen an Nahrung. Einige aber ergötzen sich und „schwelgen so sehr in den Gerichten der Weisheit, welche ihnen ihre Lehren „in reichlichem, vollkommenem Maße vorsetzt, daß sie sogar doppelt so viele „Tage dem Hunger widerstehen und gewöhnlich erst am sechsten Tage die „nothdürftige Kost zu sich nehmen." Ich finde in diesen Worten Philo's deutliche, unwidersprechliche Beziehungen auf die Christen. Sollte aber auch auf dieses hin noch Jemand in hartnäckigem Widerspruch beharren, so mag er durch noch mehr in die Augen springende Merkmale, welche man sonst nirgends, als bei dem evangelischen Gottesdienst der Christen findet, sich überzeugen und seine Schwcrgläubigkeit fahren lassen. (Z) „Es scyen," erzählt Philo, „auch Weiber bei ihnen, von welchen die meisten bejahrte (1) Wer sieht nicht den groben Anachronismus, welche» Eusebius hier abermals begeht? Philo .war mit den Aposteln gleichzeitig und den Jahren nach vielleicht älter als mancher unter ihnen. Viele Schriften des neuen Testaments, ja die mehrstcn, waren zu seiner Zeit noch gar nicht heraus, und wenn ja einige heraus seyn mochten, so konnten sie höchstens ein paar Jahre geschrieben seyn, ehe Philo von den Therapeuten schrieb. Wie konnte er denn diese Schriften der Alten nennen? Man sieht also, daß Eusebius sich abermals in einem frommen Traum befunden, als er diese Stelle des Philo von den Christen verstanden. Stroth. (2> S. 476. (P S. 482. Kflmdius. Jahr Christus 46. 33 »Jungfrauen seyen, (1) die aber nicht, wie gewisse Priesteriinien unter den „Griechen, bloß aus äußerem Zwang ihre Jungfräulichkeit bewahrten, Ivudern „aus freiem Entschlüsse, aus Streben und Verlangen nach Weisheit. „Mit dieser als Gefährtin zu leben beflissen, setzen sie die Lüste des Kör- »perS hintan, nicht nach sterblichen Sprößlingen begierig, sondern nach „unsterblichen, welche nur eine Gott liebende Seele ans sich selbst gebären „könne." Weiter unten (2) fährt Phils noch deutlicher also fort: „Die heilige Schrift wird bei ihnen bildlich durch Allegorien erklärt. Denn sie „betrachten die ganze Gesetzgebung als ein organisches Wesen, indem sie mit »den Worten den Leib, mit der Seele den tiefern, nnter den Worten verhüllten „Sinn vergleichen. Diesen vorzüglich zu betrachten hat dieseReligionsgejellschaft »angefangen, indem sich ihr in den Wörtern als in einem Spiegel die hohe „Schönheit der Gedanken zu erkennen gibt." Was soll ich aber noch weiter von ihren gemeinsamen Zusammenkünften und von ihren Beschäftigungen, welche Männer und Weiber, jede besonders, haben, so wie von den Uebnngen, welche noch bis jetzt bei uns gebräuchlich sind, und welche wir vorzüglich am Feste des Leidens unseres Erlösers mit Fasten, Wachen und Betrachtungen der heiligen Schrift zu beobachten pflegen, sagen? Der oft erwähnte Philo erzählt in seiner Schrift dieß alleö auf dieselbe Weise, wie es auch noch jetzt bei nnS allein im Gebrauche ist; er erwähnt namentlich auch der Nachtwachen an dem großen Feste, (Z) so wie der während desselben vorgenommenen Uebnngen und der Hymnen, welche von uns gesungen zu werden pflegen, wie einer nach dem Takte auf würdevolle Weise vorsingt, die übrigen still zuhören und nur in die letzten Strophen der Lobgesänge mit einstimmen, ferner, wie sie an den gedachten Tagen auf einer Streu auf den Boden liegen und, wie seine eigenen Worte lauten, des Weines, ja svgar jeder Fleischspeise gänzlich sich enthalten und wie ihr einziges Getränk in Wasser und ihr Zngemüße zu dem Brode in Salz und Usop besteht. Ueberdieß beschreibt Philo die verschiedene Stufenfolge bei den kirchlichen Aemtern, die Diakonate und die über alle andern hervorragende bischöfliche Würde.(4) Wer indeß genauere Kenntniß davon zu erhalten wünscht, kann sie sich aus der angeführten Schrift Philo's verschaffen. Daß derselbe, (1) I» der That cm wichtiger Beweis, der gerade der irrigen Meinung des Eusebius am meisten entgegen ist. Denn sie hätten alt zum Christcnthum kommen müssen, sonst konnten sie ja zu Philo's Zeiten unmöglich im Christenthum alt geworden seyn, dc»cn Schrift Eusebius selbst in die Regierung des Klaudius setzt. Es ist beinahe unbegreiflich, wie ein so guter Kopf, wie Eusebius ist, in so grobe Jrrthümcr fallen konnte. Stroth. (2) S. 483. (3) Hierunter versteht Eusebius das Osterfest, Philo aber das Pfingstfest. (4) Was einer doch Alles in einer Stelle finden kann, wenn er es darin finden will! Philo sagt, daß bei ihren gemeinschaftlichen Gastmählern einige bei Tische dienten (örct- xouoftl-rx?), heraus macht Eusebius Diakonate; und daß bei ihren Untersuchungen über die Bibel einer (Tiyoxä^o?) den Vorsitz habe; hieraus macht Eusebius die bischöfliche Würde (?7re<7x07tffx wHc>xö^>lau). S tro th. Klaudius. Jahr Christus ^6. 54 als er dieses schrieb, die ersten Herolde der evangelischen Lehre und die ursprünglich von den Aposteln angeordneten Gebrauche vor Angen gehabt habe, wird wohl Niemand in Zweifel ziehen. Acht) ehntos Hauptstü ck. Was für Schriften des Philo auf uns gekommen siiw. Dieser Philo, fließend in seiner Darstellung, reich an Gedanken, hoch und erhaben in seinen Untersuchungen über die heilige Schrift, hat mannigfaltige und verschiedene Erklärungen über dieselbe aufgesetzt, indem er die im ersten Buche Mösts enthaltenen Begebenheiten theils der Reihenfvlge , und Ordnung nach durchgeht, nämlich in den Büchern, welche den Titel: Allegorien der heiligen Gesetze haben, theils verschiedene Kapitel der heiligen Schrift, welche Gegenstand der Untersuchung geworden, einzeln auseinandersetzt und Fragen aufwirft und ihre Auflösung erfolgen läßt; diese Schrift führt den Titel: Fragen und darauf sich beziehende Auslosungen über daserste und z we i te B n ch M v siS. Ueber- dieß hat er Abhandlungen über verschiedene Gegenstände besonders ausgearbeitet , z. B. zwei Bücher v o m Ackerba n und eben so viele von der Trunkenheit und noch mehrere andere mit verschiedenen, ihrem Inhalte entsprechenden Überschriften, als: Von dem, was ein nüchterner Verstand w ü nscht oder verabsche u t —VonderVer w irrn n g derSprachen — Von der Flucht und dem Wiederfinden — Von demUmgang mit den W iss enschaften — Von der Frage: WereinErbegvttlich erGüter sey? oder v o n d e r T h ei lu n g in gleiche und ungleiche Theile und sodann: Von den drei Tugenden, welche Moses mit andern beschreibt — ferner: Von denen, deren Namen verändert worden und warum sie verändert worden (in diesem Buche sagt er, er habe auch von den beiden Testamenten, dem ersten und zweiten, geschrieben). Überdies hat man noch Schriften von ihm: Vom Auswandern — Von de m Leben des Weisen, de r d u r ch G ere ch tig k e it vervollkommnet worden oder von ungeschriebenen Gesetzen, ferner: Vvu den Niesen und von der Unveränderlich keil Gottes und das erste, zweite, dritte und vierte Buch von dem Satz, d aß na ch M o- ses die Träume von Gott geschickt würden. Dieß ist, was von seinen Erklärungen über das erste Buch Mösts auf uns gekommen ist. Ueber das zweite Buch Mösts kennen wir das erste, zweite, dritte, vierte und fünfte Buch der Fragen und Auflösungen, sodann noch folgende weitere Schriften: —V o n der Stiftshütte — Von den zehn Geboten, so wie das erste, zweite, dritte und vierte Buch von den Ha nptkapitelnderGesetzeimDetail betrachtet, sodann: Von den Opferthieren und von den Arten der Opfer — Klanbius. Jahr Christus 46 — 48 — 52. 55 Von den Belohnungen, welche im Gesetze den Guten und d en S t ra fen u n d dem V e r d e rb e n, welche d arin den Sch lech- tenbe stimm t sind. Ueberdieß stnd noch verschiedene einzelne Abhandlungen von ihm vorhanden, als: Von derVvrsehuug — VondenIuden und der Staa tsm ann , ferner: A lexande r oder von dem Satz, daß die unvernünftigen Thiers Vernu nft haben, sodann: Von dem Satz, daß jeder schlechte Mensch ein Sklave sey, woran sich anschließt: Daßjeder rechtschaffeneMensch frei sey. Hierauf folgt die Schrift: Von d e m besch a n liche n L eben oder: Von den Betenden, woraus wir obige Nachrichten von den apostolischen Männern gezogen haben. Auch soll Philo noch der Verfasser der Erklärung der in dein Gese tz und in den Propheten vorkommenden hebräischen Na m e n seyn. Nachdem eben dieser Philo unter der Regierung des Kajus nach Rom gekommen war, verfaßte er seine Schrift von der Gottlosigkeit des Kajnö, der er mit bedeutungsvoller Ironie die Aufschrist: Von den Tugenden, gab. Diese soll von ihm unter Klaudius vor dem gesummten römischen Senate vorgelesen worden seyn und eine solche Bewun' derung für seine Schriften erregt haben, daß dieselben der Aufstellung in den öffentlichen Bibliotheken werth gehalten wurden. (!) Um dieselbe Zeit, während Paulus seine Rundreise von Jerusalem bis nach Jllyrikum vollendete, vertrieb Klaudius die Juden aus Rom. Damals begaben sich auch Aqnila und Priscilla mit den andern Juden weg aus dieser Stadt und kamen nach Asien, wo sie mit dem Apostel Paulus, welcher die dortigen so eben erst von ihm gegründeten Gemeinden befestigte, verkehrten. Diese Nachrichten gibt uns die heilige Schrift in der Apostelgeschichte. (2) Neunzehntes Hauptstnck. Was für ein Unglück die Inden zu Jerusalem am Tage des Passah getroffen. Während noch Klaudius auf dem Thron saß, entstand zu Jerusalem am Passahfeste eine solche Unruhe und ein solcher Tumult, daß bloß von denen, welche an den Ausgängen des Tempels heftig sich zusammendrängten, 30,000 Juden umkamen, so daß das Fest unter dem ganzen Volke Trauer und in jeglichem Hause Wehklagen erregte. Dieß erzählt Josephns beinahe wörtlich, (3) so wie auch, daß hierauf Klaudius den Agrippa, des Agrippa Sohn, zum König der Juden (4) machte und den Felix zum Landpfleger (1) Diese Nachricht ist sehr unwahrscheinlich, da ein Werk voll von Römerhaß und Schmähungen gegen den Kaiser Kaligula vor dem römischen Senate und noch dazu von einem Juden nicht vorgelesen werden konnte. (2) Apostelgcsch. 18, 2. 3. (3) Josephns erzählt dieß jüd. Alterth. 20, 4., er gibt aber nur 20,000 an. (4) Dieser jüngere Agrippa ist, eigentlich zu reden, niemals König der Juden gewesen. Denn da sein Bater starb, behielt ihn Klaudius bei sich, weil er noch zu jung war. Hernach, als seines Vaters Bruder, Herodes, der König von Chalcis, starb, schenkte Klaudius ihm dessen Reich. Als er dieß vier Jahre lang besessen hatte, nahm es ihm Klaudius im zwölften Jahre seiner Regierung wieder und gab ihn, dagegen Trachom'tis, 56 Nero. Jahr Christus 55—66. über ganz Samaria, Galiläa und über das sogenannte Percäa(l) setzte. Nachdem Klaudius 15 Jahre und 8 Monate regiert hatte, starb er und hinterließ zu seinem Nachfolger in der Regierung den Nero. Zwanzigstes Hauptstück. Was unter Nero zu Jerusalem vorgefallen. Unter der Regierung des Nero, als Felix Landpfleger von Judäa war, brach eine Parteiung nnter den Priestern gegen einander aus, welche Jo- sephus im 20sten Buche seiner Alterthümer also erzählt: „Es entbrannte „aber auch Streit von Seiten der Hohenpriester gegen die Priester und „die Vornehmsten der Einwohnerschaft von Jerusalem. Jeglicher von ihnen „sammelte sich einen Haufen der kühnsten und neuerungssüchtigsten Menschen und stellte sich an ihre Spitze. Wenn sie nun zusammenstießen, so „schimpften sie einander und warfen sich mit Steinen. Es war Niemand „da, der sie zurecht gewiesen hätte, sondern es wurde dieß ganz nach Willkür, wie in einer in anarchischem Zustande befindlichen Stadt, verübt. „Die Schamlosigkeit und Frechheit der Hohenpriester ging so weit, daß sie „sich nicht entblödeten, Knechte auf die Tennen zu schicken, um den den Prie- „stern gebührenden Zehnten wegzunehmen. Daher kam es, daß man die „dürftigern Priester vor Mangel umkommen sah. So sehr ging die Ge- „waltthätigkeit der Ruhestörer über alles Recht.« Derselbe Geschichtschrei, ber erzählt ferner, (5) daß zu der damaligen Zeit eine gewisse Art Räuber zu Jerusalem aufgetreten sey, welche bei Hellem Tage, sogar inmitten der Stadt, die ihnen Begegnenden tödteten. Besonders aber mischten sie sich an Festtagen, mit kleinen Dolchen unter ihrer Kleidung, unter das Volk und durchbohrten damit die angesehensten Männer. Fielen diese, so waren die Mörder selbst mit unter denen, welche ihre Entrüstung darüber äußerten, und weil man im geringsten kein Mißtrauen in sie setzte, so blieben sie allemal unentdeckt. Der erste, der als ihr Opfer fiel, war der Hohepriester Jonathan, hernach aber wurden täglich viele andere getödtet und die Furcht wurde zuletzt noch schrecklicher, als das Uebel selbst, da Jeder wie im Kriege stündlich seinem Tod entgegensehen mußte. welches die Tctrarchie des Philippus gewesen war. Auch schenkte er ihm das Reich des Lysanias nebst der Gerechtsame über den Tempel und die Erwählung der Hohenpriester, welches sein Oheim Hcrodcs gehabt hatte. Nach einiger Zeit legte ihm Nero noch einen Theil von Galiläa bei. Valcsius. Man sehe das fünfte Kapitel des 2vstcn Buches der jüdischen Alterthümer des Josephus, woraus diese Nachricht genommen ist. Stroth. (1) Eine jenseit des Jordans liegende Provinz Palästinas. (2) Am Ende des Hauptstücks. (3) Vom jüdischen Kriege, B. 2, Hauptst. 13. Nero. Jahr Christus S6-S7-59. 57 Einundzwanzigstes Hauptftück. Bon dem Acgppticr, dessen auch die Apostelgeschichte gedenkt. Etwas weiterhin fährt Josephus also fort: „Aber ein noch viel größeres „Ungemach als dieses verursachte den Juden der ägyptische falsche Prophet „Es erschien nämlich im Lande ein Betrüger, der sich das Ansehen eines „Propheten zu geben wußte und brachte gegen 30,000 Mann ^zusammen, die „sich von ihm hatten hintergehen lassen. Diese führte er aus der Wüste „auf den sogenannten Oelberg und schickte sich an, von da aus in Jerusalem „mit Gewalt einzudringen, die dortige römische Besatzung und has Volk „zu bewältigen und die Obergewalt an sich zu reißen, wobei ihm diejenigen, „die mit ihm sich derStadt bemächtigen würden, zur Leibwache dienen sollten. „Allein Felix kam seinem Unternehmen zuvor und zog ihm mit den Legions- „soldaten entgegen ; überdcm nahm auch das ganze Volk Theit an der Ab- „wehr. Als es nun zum Treffen kam, ergriff der Aegyptier mit einigen „Wenigen die Flucht, dagegen wurde der größere Theil seiner Anhänger „erschlagen oder gefangen.« So erzählt Josephus im zweiten Buche seiner Geschichte des jüdischen Kriegs. (1) Es verlohnt sich übrigens der Mühe, die Nachricht, welche Josephus von dem Aegyptier gibt, mit der Erzählung der Apostelgeschichte (2) zu vergleichen. In dieser sagt zur Zeit des Felix der Oberste in Jerusalem zu Paulus, wie das Volk sich gegen ihn zusammengerottet: „Du bist also nicht jener Aegyptier, der vor diesen Tagen die >/l000 (3) Meuchelmörder aufgewiegelt und hinaus in die Wüste geführt „hat?« Dieß sind die Begebenheiten unter dem Landpfleger Felix. Fweiundzwanzigstes Hauptstück. Wie Paulus aus Judäa in Fcssclu »ach Nom geschickt und nach seiner Verantwortung von alter Schuld freigesprochen worden ist. Als Nachfolger des Felix wurde von Nero Festus geschickt. Unter diesem hielt Paulus seine Vertheidigungörede und wurde in Fesseln nach Rom gebracht. Bei ihm war Aristarchus, den er vermuthlich deßhalb an irgend einer Stelle seiner Briefe (4) seinen Mitgefangenen nennt. Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte, schließt diese mit der Nachricht, (5) Paulus habe zwei ganze Jahre in Nom frei gelebt und das Wort Gottes ringest) Im 13. Hauptstück. (2) Apostclgesch. 2t, 38. (3) Walcsius sucht den Lukas dadurch mit dem Josephus zu vereinbaren, daß er annimmt, Lukas nenne bloß die Bewaffneten, welche der Aegyptier bei sich gehabt, Josephus hingegen den ganzen Troß. Uebrigens ist dieser Aufstand schon unter Klaudius vorgefallen. Stroth. Meuchelmörder, sioarins, bezeichnet hier eine Menschenklassc, denen bei der furchtbaren Zerrüttung des jüdischen Staats während der römischen Herrschaft Mord und Raub recht eigentlich ihre Lust und Beschäftigung war. (4) Koloss. 4, 10. (5) Apostclgesch. 28, 30. 3t. 58 Nero. Jahr Christus 59. hindert gepredigt. Spater aber, nachdem er damals seine Vertheidignng abgelegt, soll Paulus wiederum zu Verkündigung des Evangeliums Reisen unternommen haben, zum zweitenmal nach Rom gekommen seyn und in dieser Stadt seine irdische Laufbahn durch den Märtyrertod beschlossen haben. Wahrend er zum zweitenmale in Fesseln lag, schrieb er den andern Brief an Timotheus, worin er von seiner ersten Vertheidignng und von seiner nahe bevorstehenden Vollendung spricht. (1) Man höre deö Apostels eigenes Zeugniß hierüber: „Bei meiner ersten Vertheidignng ist mir Niemand zur „Seite gestanden , sondern Alle haben mich verlassen. Möge es ihnen nicht „zugerechnet werden! Der Herr aber stand mir bei und verlieh mir Kraft, „damit durch mich die Predigt des Evangeliums allenthalben hingebracht „würde und alle Völker sie hörten. Und ich wurde gerettet aus des Löwen „Nachen." Dadurch gibt Paulus deutlich zu verstehen, dast er das erstemal, damit durch ihn die Predigt des Evangeliums ausgebreitet würde, aus dem Rachen des Löwen, worunter er, wie eS scheint, seines grausamen Charakters wegen den Nerv versteht, gerettet worden sey, aber er setzt nicht weiterhin etwas Aehnliches hinzu, etwa wie : er wird mich aus dem Nachen des Löwen erretten. Denn er sah bereits im Geiste das ihm bald bevorstehende Ende voraus. Deßhalb knüpft er an die Worte: „Und ich wurde „gerettet aus des Löwen Nachen," noch die weiteren an:(2) „DerHerr wird „mich erretten von allem Uebel und mich glücklich in sein himmlisches Reich „führen," womit er seinen alsbaldigen Märtyrertod andeutet. Deutlicher noch sagt er diesen voraus in demselben Briefe, wenn er sagt: (3) „Ich werde „schon geopfert und die Zeit meiner Auflösung ist da." In diesem zweiten Briefe an Timotheus meldet er nun, daß, indem er denselben schreibe, Lukas allein bei ihm sey, (st) bei seiner ersten Verantwortung aber sey auch dieser nicht einmal bei ihm gewesen. Daher hat Lukas seine Apostelgeschichte wahrscheinlich geschlossen, nachdem er Alles bis so weit., als er bei Paulus war, erzählt hatte. Ich habe dieses angeführt zum Belege, daß Paulus nicht während desjenigen Aufenthalts zu Rom, von welchem Lukas spricht, seinen Märtyrertod gefunden hat. Auch ist es wahrscheinlich, daß Nero, der im Anfange seiner Regierung einen milderen Charakter zeigte, die Vertheidignng Pauli für seine Lehre gelinder aufgenommen hat und daß erst dann, als er auf der Bahn deö Frevels immer weiter fvrtschritt, unter andern auch die Apostel ein Opfer seiner Grausamkeit wurden. (1) 2 Timoth. 4, 16. 1" (2) Ebendaselbst V. 18. (3) Ebendaselbst V. 6. (4) Ebendaselbst W. 11. Nero. Jahr Christus 59- 62. Dreiundz wanzigstes Haupt stück. Wie Jakobus, welcher ein Bruder des Herr» heißt, den Märtprcrtod erlitten hat. Da Paulus an den Kaiser appellirt hatte und von Festns nach der Stadt Rom geschickt worden war, so wandten die Juden, als sie sich in ihrer Erwartung in Betreff der Nachstellungen, welche sie dem Paulus bereiteten, getäuscht sahen, ihre Wuth gegen JakobnS, den Bruder des Herrn, dem von den Aposteln der bischöfliche Stuhl zu Jerusalem anvertraut worden war. Sie unternahmen Folgendes wider ihn. Sie führten ihn mitten in die Versammlung und verlangten von ihm Ableugnnng des Glaubens an Christum vor allem Volke. Wie aber Jakobus wider Ver- muthen mit fester Stimme und mit größerer Freimnthigkeit, als sie erwartet hatten, vor dem ganzen Volke sprach und bekannte, unser Erlöser und Herr Jesus Christus sey Gottes Sohn , da vermochten sie das Jeuginß eines Mannes nicht länger zu ertragen, der wegen der Vollkommenheit seines sittlichen Charakters und seiner Gottesfurcht allgemein für den gerechtesten gehalten wurde, und tödteten ihn. Gelegenheit zu dieser eigenmächtigen Handlung (1) gab ihnen der Umstand, daß Jndäa ohne Landpfleger war; denn Festns war um diese Zeit in diesem Lande gestorben und die Provinz befand sich somit ohne oberste Leitung und ohne Landpflsger. Die Art und Weise, wie Jakobns endete, habe ich zwar schon früher ans Klemens (2) angeführt, nämlich, daß er von der Spitze des Tempels herabgestürzt und mit einem Prügel zu Tode geschlagen worden sey. Jndcß am genauesten erzählt das Schicksal des Jakobns HegesippuS, der zunächst an dem Zeitalter der Apostel lebte, im fünften Buche seiner Nachrichten, wo er Folgendes berichtet: „Es übernahm aber in Vereinigung mit den Apo- „stcln die Leitung der Gemeinde der Bruder des Herrn, Jakobns, der zur „Unterscheidung von vielen andern Männern gleichen Namens von den Zei- „ten des Herrn bis auf uns der Gerechte genannt worden ist. Dieser war „schon von Mutterleib an heilig. Er trank weder Wein noch sonst ein geiziges Getränk, noch aß er etwas ans dem Thierreiche. Ein Schcermesser „kam nie ans seinen Kopf, er salbte sich weder mit Oel, noch nahm er ein „Bad. Ihm allein war es verstattet, in das Heilige einzugehen. Denn er „trug kein wollenes, sondern ein leinenes Gewand. Er ging immer allein „in den Tempel, wo man ihn auf den Knien liegend und Gott für das Volk „um Vergebung bittend finden konnte. Weil er immer auf den Knien lag „und so zu Gott betete und für das Volk um Vergebung bat, so waren dieselben verhärtet, wie die eines Kameels. Wegen seiner außerordentlichen (1) So nennt Eusebius die Hinrichtung des Lakobus, weil die Juden in den letzten Zeiten ihres Staates das Recht, Todesstrafen zu verhängen, verloren hatten lman sehe Loh. 18, 31 und daselbst die Ausleger). Die Steinigung des Stephanus war ein ganz tumultuarischcr Akt. (2) Siehe oben Hauptstück 1. 60 Nero. Jahr Christus 62. „Gerechtigkeit wurde er der Gerechte genannt und ObliaS, (1) d. h.: Schutz „des Volks und Gerechtigkeit, (2) wie die Propheten (3) von ihm anzeigen. „Einige nun ans den sieben Sekten im Volke, von denen ich oben in meinen „Nachrichten (4) geschrieben, fragten ihn, welches die Thüre Jesu sey' „und er entgegnete ihnen, dieses sey der Erloser. Denn einige hatten geglaubt , daß Jesus der Messias sey. Die genannten Sekten aber glaubten „weder eine Auferstehung, noch daß einer kommen würde, jedem zu vergelten nach seinen Werken. Wer aber gläubig geworden, war es durch „Jakobus geworden. Da nun auch viele von den Häuptern des Volks „glaubten, so entstand unter den Juden, Schriftgelehrten und Pharisäern „eine Unruhe, und sie sagten: es scheine, daß das ganze Volk Jesum als „den Christus erwarte. Sie gingen daher zu Jakobus und sagten zu ihm: „Wir bitten dich , hatte das Volk zurück, es hegt in Betreff Jesu die irrige „Meinung, als sey er der Christus. Wir bitten dich, alle, welche ans dem „Passah erscheinen, in Ansehung Jesu zurecht zu weisen. Denn wir alle leisten „dir Folge. Denn wir und das ganze Volk bezeugen dir, daß du gerecht „bist und keinen Unterschied der Person machst. Weise nun du das Volk „zurecht, daß es in Betreff Jesu nicht irre. Denn wir und das ganze „Volk leisten dir Folge. Stelle dich nun auf die Spitze des Tempels, (5) „damit dich alle da oben sehen und deine Worte vom ganzen Volke gehört „werden. Denn wegen des Passah sind alle Stämme nebst den Heiden versammelt. Die vorgenannten Schriftgelehrten und Pharisäer stellten nun „den Jakobus auf die Spitze des Tempels und riefen ihm die Worte zu: Du „Gerechter, dem wir alle glauben müssen, da das Volk in seinem Jrrthum „Jesu dem Gekreuzigten folgt, so sage uns, welches ist die Thüre Jesu des „Gekreuzigten. Da entgegnete Jakobus mit lauter Stimme: Was fragt „ihr mich wegen Jesu, des Menschen Sohn? Er sitzt im Himmel zur Rechten „der großen Kraft und wird einst kommen in den Wolken des Himmels. (6) „Da ihm nun viele beistimmten und wegen des Zeugnisses von Jakobus „Jesum priesen und ausriefen: „Hosanna dem Sohne David," da sprachen „wiederum dieselben Schriftgelehrten und Pharisäer zu einander: Wir haben „es übel gemacht, daß wir Veranlassung zu einem solchen Zeugniß für Jesus (t) Das Wort bedeutet gar nichts. Ich habe immer geglaubt, daß es ein in «ic sich endigendes Wort seyn müsse und bin daher nicht abgeneigt, dem Rik. Füller beizutreten, der die ganze Stelle so verbessert: LxceXckro crccSölx x« chXXecczeä xarin ölxcreo? tc. Der Jrrthum aber ist schon alt und vermuthlich nicht von den Ab' schrcibcrn des Eusebius begangen worden, sondern er rührt von den Abschreibern des Hcge- sippus oder von diesem selbst her: denn Russin und Epiphanius lesen eben so. Stroth. (2) Paulus zu Matth. 1, 22. liest für xccl Sex«eoowu?i — xal öixcreox ffv, „Und rechtschaffen war er so, wie die Propheten sdes alten? oder des neuen? Testaments) von ihm bekannt machen" und bemerkt dann, das Präsens Ay-euere lehre diese» Satz auf die christlichen Prophctc n beziehen. (3) ES ist auf Jes. 3, 10. angespielt. (4) Die Stelle von den siebe» Sekten führt Eusebius unten 4, 22. an. (5) Es ist hier der Fronton auf dem eigentlichen inneren Gebäude des Tempels verstanden, von welchem herab man gerade alle Vorhöfe voll Volks vor sich hatte. (6) Matth. 26, 64. Apostelgesch. 7, 56. Nero. Jahr Christus 62. 61 „gegeben haben; auf, lasset uns hinaufgehen und ihn hinabwerfen, damit „sie sich fürchten und ihm nicht glauben! Und sie riefen und schrien: O! o! „auch der Gerechte steckt im Jrrthum, und erfüllten den Ausspruch der „Schrift bei Jesaias: (1) »Lasset uns den Gerechten aus dem Wege schaffen, „denn er ist uns hinderlich; sie werden aber die Frucht ihrer Werke genießen." „Sie gingen demnach hinauf, warfen den Gerechten herab und sprachen zu „einander: Lasset uns Jakobus den Gerechten steinigen. Und sie begannen „ihn zu steinigen. Denn er war des Herunterstürzens ungeachtet noch nicht »todt, sondern hatte sich umgewandt und betete auf den Knien liegend: Ich „bitte dich, Herr Gott Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie „thun. Während sie ihn nun so steinigten, rief einer von den Priestern von „den Söhnen Rechab des Sohnes Nechabim, von welchem der Prophet Jere- „mias Zeugniß ablegt: Haltet ein! Was macht ihr? Der Gerechte betet für „euch. Da nahm einer von ihnen, ein Walker, ein Holz, womit er die „Kleider auspreßte, und schlug damit den Gerechten auf den Kopf. Auf „diese Art fand Jakobus den Märtyrertod. Sie beerdigten ihn auf dem- „selben Platze und noch jetzt ist sein Grabmahl bei dem Tempel zu sehen. „Dieser Jakobus ist Juden und Griechen ein wahrhafter Zeuge geworden, „daß Jesus der Messias ist. Kurz darauf überzog Vespasianus Judäa mit Krieg und führte seine Einwohner in die Gefangenschaft." Dieses erzählt ausführlich Hegesippus in Uebereinstimmung mit Klemens. Jakobus aber stand in einem solchen Ansehen und in einem solchen Rufe wegen seiner Gerechtigkeit bei allen, daß auch die Verständigern unter den Juden glaubten, daß sein Märtyrertod die Ursache der bald darauf erfolgten Belagerung von Jerusa» lem gewesen und daß diese aus keinem andern Grunde erfolgt sey, als wegen der an Jakvbus begangenen Blutschuld. Josephus wenigstens trägt kein Bedenken, auch dieses schriftlich zu behaupten, wenn er sagt: „Dieses „betraf die Juden zur Strafe dessen, was sie an Jakobus dem Gerechten, »welcher war ein Bruder Jesu, des sogenannten Christus, gefrevelt. Denn „ihn hatten die Juden, obwohl er ein sehr gerechter Mann war, getödtet." Derselbe Geschichtschreiber erzählt auch des Jakobus Tod im 20sten Buche seiner Alterthümer (2) auf folgende Weise: „Der Kaiser schickte, als er „Nachricht von dem Tode des Festus erhalten, den Albuins als Landpfleger »nach Judäa. Nun war der jüngere Hannas, von dem wir schon erzählt „haben, daß er die Hohepriestcrwürde erhalten, ein außerordentlich kecker „und verwegener Mann und hing der Sekte der Sadducäer an, welche, wie „schon erzählt, in ihren Urtheilen grausamer als alle andern Juden sind. «Hannas glaubte vermöge seiner Denkungsart durch den Umstand, daß „Festus gestorben und Albinus noch unterwegs war, einen seine Absichten „fördernden, schicklichen Zeitpunkt zu haben, berief deßwegen eine Versammlung der Richter zusammen und ließ den Bruder Jesu, des sogenannten (t) Jcs. 3, tv. (2) Im »cuntcn Hauptstück. 62 Nero. Jahr Christus 62 — 65 — 66. „Christus, mit Namen Jakolms, nebst mehreren Lin dern vor Gericht bringen, „klagte sie als Uebertreter der Gesetze an und ließ sie steinigen. (1) Allein alle „Billiggesinnten ans der Bürgerschaft, welche fmr die Beobachtung des „Gesetzes Sorge trugen, empfanden dieses sehr hnch. Sie schickten daher „in der Stille an den König und ließen ihn bitten, dem Hannas zu gebieten, „in der Folge dergleichen sich nicht mehr zu erlauben: denn schon das erste- „mal habe er im geringsten nicht recht gehandelt. Einige von ihnen aber „gingen auch dem Albuins entgegen, der von Alexandrien herkam und be- „merkten ihm, daß Hannas ohne seine Genehmigung kein Recht gehabt habe, „eine Gerichtsversammlung zusammen zu berufen. (2) Albinus wurde durch „diesen Bericht bewogen, an Hannas in harten, drohenden Ausdrücken zu „schreiben, er werde ihn zur Strafe ziehen. Der König Agrippa aber entsetzte ihn deßwcgen seiner hohenpriesterlichen Wurde, fz) nachdem er sie nur „drei Monate bekleidet hatte, und übertrug dieselbe Jesu, dem Sohne des Dam- mäus.« Dicß sind die Nachrichten über Jakobus. Er soll auch der Verfasser des ersten von den sogenannten katholischen Briefen seyn, von welchem jedoch zu bemerken ist, daß er für unecht gehalten wird. Wenigstens haben seiner, so wie des den Namen des Judas führenden Briefes, der sich ebenfalls unter den sieben katholischen befindet, nur wenige der Alten gedacht. Indessen wissen wir aber doch, daß auch diese nebst den übrigen in sehr vielen Gemeinden öffentlich gebraucht werden. Vierundzwanzigstes Hauptstück. Wie nach Markus Annianus der erste Bischof der Gemeinde zu Alexandria geworden. Im achten Jahre der Negierung Nero's übernahm zuerst nach dem Apostel und Evangelisten Markus Annianus die Leitung der alexandrini- schen Gemeinde, ein gottseliger und in jeder Beziehung außerordentlicher Mann. Fünfundzwanzig stcs H auptstü ck. Von der Verfolgung unter Nero, in welcher Petrus und Paulus zu Rom mit dem Märtprcrthum für die Religion geschmückt worden. Als Nero seinen Thron befestigt sah, verfiel er auf frevelhafte Handlungen und rüstete sich selbst wider die Verehrung des allgebietenden Gottes. (1) Biete halten den Satz: Hier wurde — steinigen, für intcrpolirt und lassen nur die Worte: Und ließ einige Mann er vor Gerich t bringen, klagte sie der Uebertrc- tung desGesetzcS an und ließ sie steinigen, für echt. Die für eine Interpolation sprechenden Gründe kann man unter Anderem nachsehen in Crcdncrs Einleitung in das Reue Testament I. 2., S. 581. (2) Nämlich nicht überhaupt, sondern zum Beschluß von Todesstrafen. (3) Er hatte nämlich, wie wir oben in der Anmerkung zum 19ten Hauptstück gesehen, das Recht der Erwählung der Hohenpriester. (4) Es ist bekannt, daß Nero die Christen nicht wegen ihrer Religion verfolgte, sondern weil er die Beschuldigung, als habe er Rom in Brand gesteckt, von sich ab auf die Nero. Jahr Christus 66. 63 Ein vollständiges Gemälde von seinen Grausamkeiten zu entwerfen, liegt nicht im Plane dieses Werkes. Da indessen viele Schriftsteller dieselben auf das genaueste geschildert haben, so kann ans denselben ein Jeder, dem es darnm zu thnn ist, die Grausamkeit und die außerordentliche Wuth eines Mannes kennen lernen, der, nachdem unzählige Menschen ohne allen Grund getödtet hatte, in seinem Blutdurst- so weit ging, daß er nicht einmal seiner nächsten Verwandle» und Freunde schonte, sondern Mutter, Geschwister und Gemahlin mit unzähligen andern seiner Verwandten ohne Unterschied eines verschiedenen Todes sterben ließ. Zu allen diesem fehlte nur noch dieß, daß in seinen Titel gesetzt wurde, daß er unter allen römischen Kaisern der erste gewesen, der als ein Feind der göttlichen Religion aufgetreten. Dieß berichtet der Nomer Tertullianus ebenfalls in folgenden Worten:(1) »Befragt nur eure Geschichtbücher k Dort werdet ihr „finden, daß zuerst Nerv gegen diese Sekte, die damals vorzüglich zu Rom „aufblühte, mit dem kaiserlichen Schwerte gewüthet hat. Allein wir rühmen »uns, daß ein solcher Mensch der Urheber unserer Derurtheilung gewesen »ist. Denn wer ihn kennt, der weiß auch, daß von ihm nichts verurtheilt »worden ist, als was ausnehmend gut war." Indem nun Nero auf diese Art sich als den ersten unter den größten Feinden Gottes kund gab, wurden auch die Apostel ein Gegenstand seiner Mordgier. Man erzählt nämlich, daß unter Nero zu Rom selbst Paulus enthauptet, (2) Petrus aber gekreuzigt worden sey. Die Wahrheit dieser Erzählung wird durch die Inschrift von Petri und Pauli Namen bestätigt, welche sich noch bis jetzt auf den Be- gräbnißplätzen zu Rom erhalten hat, so wie nicht minder von einem rechtgläubigen Schriftsteller, Namens Kajus, der zu den Zeiten des römischen Bischofs Zephyrinus(Z) gelebt hat und in seiner schriftlichen Disputation mit Proklus, einem Haupt der kataphrygifcheu Partei, (4) Folgendes von den Oertern , wo die heilige Hülle der Apostel ruht, berichtet: »Ich kann „die Siegeszeichen der Apostel zeigen. Denn du magst auf den Vatikan(5) „gehen wollen oder den Weg nach Ostia, so wirst du auf die Siegeszeichen »derer stoßen, die diese Gemeinde gegründet haben." Daß aber beide zu gleicher Zeit den Märtyrertvd gestorben find, bezeugt Diongfius, Bischof von ohnedem verhaßte Christensekte wälzen wollte. Die ncronianische Verfolgung wird zwar als die erste der zehn großen Verfolgungen angenommen, allein höchst wahrscheinlich betraf sie nur die Christen in Rom oder höchstens in Italien; doch dürste das, was in der Hauptstadt geschah, bald auf die Lage der Christen in allen Provinzen des Reichs nachtheilig eingewirkt haben. (1> Nach dem Vorgänge Stroths habe ich die Stelle aus dem Urtexte Kertullians -nie. c. 5) übersetzt, weil ihn der Grieche gar nicht verstanden und also unverständlich übersetzt hatte. (2) Weil er bekanntlich (siehe Apostelgeschichte 16, 37 und 22, 25) ein römischer Bürger war. Denn nur Sklaven und Fremde durften nach römischen Gesetzen gekreuzigt werden. (3) Aephyrinus wurde nach Eusebius Kirchengcschichtc 4, 58 ungefähr im neunten Jahre der Regierung des Severus, 202 nach Christus, römischer Bischof. (4) Von dieser siehe unten 5, 14 und ff. (5) Petrus soll aus dem vatikanischen Berg, Paulus auf dem Wege »ach Ostia begraben worden seyn. 64 Nero. Jahr Christus 67. Korinth, weinr er in seinem Briefe an die Römer folgendermaßen schreibt: „So habt ihr de.nn durch eure angelegentliche Erinnerung hl) die von Petrus „und Paulus zu Rom und Korinth angelegte Pflanzung fest mit einander „verbunden. Denn beide haben auch uns in unserem Korinth gepflanzt und „ebenfalls unterrichtet, gleichermaßen haben sie auch in Italien unerschrocken gelehrt und sind zu derselben Zeit den Märtyrertod gestorben." Dieß habe ich noch beigesetzt, um meine Erzählung dadurch desto mehr zu bestätigen. Sechsu ndzwanzigstes Hauptstück. Wie die Juden von unzähligen Drangsalen heimgesucht worden und wie sie den letzte» Krieg gegen die Römer angcsangen. Nachdem Jvsephus sehr vieles von dem über die gesammte jüdische Nation hereingebrochenen Unglück berichtet, so erzählt er auch unter Anderem, daß ungemein viele der angesehensten Inden auf Befehl des Flvrus gegeißelt uud in Jerusalem selbst gekreuzigt worden seyen. Dieser Florus war Landpfleger von Iudäa, als der Krieg sich zu entzünden begann, im zwölften Jahre der Regierung des Nero. „Hierauf habe auch," erzählt Jvsephus weiter, (2) „nach dem Abfalle der Juden ganz Syrien eine heftige „Bewegung ergriffen. Ueberall seyen die Juden von den Bewohnern der „Städte als Feinde schonungslos umgebracht worden. Man habe die „Städte voll von unbeerdigten Leichnamen gesehen, die Todten, Greise wie „Kinder, seyen hingeworfen da gelegen und die weiblichen Körper sogar der „Bedeckung der Schaan, beraubt gewesen. Die ganze Provinz sey voll „unbeschreibbaren Jammers, schrecklicher aber als das, was sie jedesmal „erlitten, sey die Furcht und Angst vordem, womit sie bedroht wurden, „gewesen.« Dieß sind die eigenen Worte des Jvsephus. So stand es also damals mit den Juden. Ende des zweiten Buches. Drittes Buch. Erstes Haupt stück. In was für Gegenden der Erde die Apostel Christum verkündigt. So stand es also mit den Juden. Indessen hatten sich die heiligen Apostel und Jünger unseres Herrn durch die ganze Welt zerstreut. Denn (1) Man muß nämlich wissen, daß dieß ein Antwortschreiben auf einen Ermahnungs- drief war, den die römische Gemeinde an die zu Korinth ergehen ließ. Davon unten Buch 4, Hauptstück 22 zu sehen. Stroth. (2) Vom jüdischen Krieg 2, lg. Nero. Jahr Christus 67. Linns, erster Bischof von Rom. 65 Thomas war, der Überlieferung zufolge, Parthieu (1) als Wirkungskreis zugefallen, dem Andreas Scythieu (2) und dem Johannes Asien, (3) wo er nach längerem Aufenthalt in der Stadt Ephesus starb. Petrus scheint (4) den in der Zerstreuung lebenden Juden in PontuS, Galatien, Bithynien(5) und Asien gepredigt zu haben, bis er zuletzt nach Rom kam, wo er mit dem Kopfe nach nnten gekreuzigt wurde, wie er selbst zu leiden verlangt hatte. (6) Was soll ich von Paulus sagen, welcher das Evangelium von Jerusalem an bis nach Jllyrikums?) ausbreitete und später zu Rom unter Nero den Märtyrertod gefunden hat? Dieß berichtet Origineö wörtlich in dem dritten Theil seiner Auslegungen über das erste Buch Mosis. Zweites Hanptstü ck. Wer zuerst der römischen Kirche vorgestanden. Erster Bischof der römischen Kirche wurde nach dem Märtyrertod des des Paulus und Petrus Linus. Es erwähnt seiner der erstere Apostel unter den Begrüßungen am Ende seines von Rom aus an den Timotheus geschrie- beuen Briefes, wo es heißt: (8) „Es grüßet dich Eubulus und Pudens und Linus und Klaudius.« Drittes Haupt stück. Von den Briefen der Apostel. Von Petrus wird ein Brief, welcher sein erster genannt wird, allgemein als echt angenommen: ihn gebrauchen auch die altern Kirchsnlehrerin ihren Schriften als unbestritten echt. Allein von dem ihm zugeschriebenen zweiten Brief haben wir Nachricht, daß er nicht in den Kanon gehöre, wiewohl er von vielen für lehrreich gehalten und neben den andern biblischen Schriften häufig gelesen worden ist. Diejenigen Schriften aber, welche den Namen „Thaten Petri," „Evangelium Petri," Predigt und Offe n- barung Petri führen, sind, wie wir wissen, im Geringsten nicht unter die kanonischen Schriften gerechnet worden, da kein Kirchenschriftsteller von (1) Ein Land in Asien bei Pcrsien. (2) Die Alten nannten alles Land Scythicn, das hinter dem schwarzen und kaspischcn Meere und dem Berge Kaukasus war, ohne" daß sich die Grenzen weiter bestimmen ließen. (3) Es ist darunter nicht der Erdtheil Asien, sondern die znopriu oder der an der Sceküste liegende Theil des westlichen Klcinasiens zu verstehen, die 4siu proconsuluris, welche Aeolien, Jonicn, Lydien und Karicn umfaßte. (4) Nach 1 Petri t, 1. (ö) Sämmtlich Landschaften in Kleinasien. (6) Damit er nicht, wie es heißt, die Ehre einer völlig gleichen Todcsart mit seinem Meister genieße. (7) Das Land zwischen dem adriatischcn Meere und der Donau. (8) 2 Timoth. 4, 2. Eusebius Kirchengeschichte. 5 66 Nero. Jahr Christus 67. Linus. der altern, noch unserer Zeit Belege aus denselben angeführt hat. Ich werde es im Verlaufe meiner Geschichte mir angelegen seyn lassen, nebst den Nachfolgen der Kirchcnvorsteher zu bemerken, welche Kirchenschriftsteller sich von Zeit zu Zeit bestrittener Bücher bedient haben und was diese für gewesen sind und was sie von den kanonischen als echt geltenden, so wie von den als nicht echt angenommenen gesagt haben. Jndesi von den den Namen Petri führenden Schriften , von welchen nur ein Brief echt und als von den Alten allgemein anerkannt bekannt geworden ist, genüge das Angeführte. Die Ist panlinischcn sind offenkundig und gewiß von dem Apostel Paulus; indes; muß doch billig bemerkt werden, daß einige den Brief an die Hebräer ihm absprechen, wobei sie sich auf die römische Kirche berufen, welche ihn als nicht paulinisch bestreite. Auch das, was von diesem die Aeltern geurthcilt haben, werde ich zu seiner Zeit anführen. Ueberdieß habe ich auch die sogenannten Thaten Pauli nicht unter den unbestrittenen gefunden. Da derselbe Apostel unter den Grüßen (1) am Ende seines Briefes an die Römer neben andern auch des Hermas gedenkt, welcher Verfasser des Hirten(2) seyn soll, so will ich dabei erinnern, daß auch diese Schrift von einigen angefochten wird, deretwegen sie nicht wohl unter die allgemein angenommenen gerechnet werden dürfte, daß aber andere dieselbe, insonderheit denjenigen, welche in den Anfangsgründen des Christenthums unterrichtet werden sollen, für unentbehrlich ansehen. Sie wird daher nicht nur, wie uns bekannt, in den Kirchen öffentlich gebraucht, sondern ich habe auch gefunden, daß die ältesten Kirchenschriftstellcr sich ihrer bedient haben. Dieß mag zur Belehrung über die unbestrittenen und über die nicht allgemein als echt angenommenen göttlichen Schriften für jetzt genug seyn. Viertes H a n p t st u ck. Von der ersten Nachfolge der Apostel. Daß nun Paulus bei seiner Verkündigung des Evangeliums unter den Heiden den Grund zu den Kirchen in der Runde herum von Jerusalem bis Jllyrikum gelegt hat, dürfte sich aus seinen eigenen Worten und den in der Apostelgeschichte des Lukas enthaltenen Nachrichten ergeben. In welchen Provinzen aber Petrus denen aus der Beschneidnng Christum verkündigt und das Wort des neuen Bundes gelehrt hat, dieß möchte aus seinen eigenen (1) Römcrbr. 16, 14. H2l Diese von jeher sehr ungleich beurtheiltc Schrift ist, außer einigen griechischen Bruchstücken, nur in einer lateinischen Ucbersctzung noch vorhanden; es ist aber ziemlich wahrscheinlich, daß sie nicht von Hcrmas, dem Freunde der Apostel, sondern von einem andern Hermas im zweiten Jahrhundert, dem Bruder des römischen Bischofs Pius I., verfaßt ist, wiewohl sie selbst für eine Schrift des Rom. 16, 14. angeführten Hcrmas gelten will. Ihren Titel hat sie daher, weil unter andern himmlischen Erscheinungen namentlich ein Engel in Gestalt eines Hirten darin auftritt, der dem Hcrmas Vorschriften, Anweisungen und Belehrungen erthcilt. Nero. Jahr Christus L7. Linus. 67 Worten (1) in dem vorhin erwähnten allgemein als echt angenommenen Briefe, welcher an die in der Zerstreuung lebenden Inden in PontnS, Gala- tien, Kappadocien, Asien und Bithynien gerichtet ist, erhellen. Wie viele aber und welche echte Nachfolger dieser Apostel geworden und die von denselben gegründeten Gemeinden zu weiden stlchtig erfunden worden sind, ist nicht leicht anzugeben, ausgenommen diejenigen, welche man aus den Ausdrücken Pauli als solche erkennen kann. Denn unzählig ist die Menge der Mitarbei.er oder, wie er sie selbst nennt, der Mitstreiter dieses Apostels. Die meisten derselben sind eines unvergeßlichen Andenkens von ihm dadurch gewürdigt worden, daß er von ihnen ein unvergängliches Zcugniß in seinen Briefen niedergelegt hat. Doch auch Lukas führt in der Apostelgeschichte seine Vertrauten an und erwähnt ihrer. Von Timotheus wird erzählt, er sey der erste Bischof der Gemeinde zu EphesuS gewesen , so wie Titus der Kirchen auf Kreta. Lukas aber, aus der Gattung derer, die von Antiochien ausgingen (2) und eigentlich ein Arzt, lebte größteuthcils in der Gesellschaft des Paulus und pflog auch sonst mit den übrigen Aposteln fleißigen Umgang. Von seiner Seclenheilkunde, welche eine Frucht desselben ist, hat er uns die Beweise in zwei von Gott eingegebenen Schriften hinterlassen, nämlich in seinem Evangelium, welches er, wie er selbst sagt,(Z) nach demjenigen verfaßte, waS ihm diejenigen überliefert hatten, die von Anfang selbst Augenzeugen und Diener des Worts gewesen, welchen allen er auch von Anfang an, wie er selbst sagt, gefolgt ist und in seiner Apostelgeschichte, welche er nicht vom Hörensagen, sondern als Augenzeuge niedergeschrieben hat. Die erstere Schrift soll Paulus meinen, wenn er wie von eintm von ihm selbst verfaßten Evangelium den Ausdruck gebraucht: „Nach meinem „Evangelium." (4) Von den übrigen Jüngern Pauli reiste Krestens , wie der Apostel selbst erwähnt, (5) nach Gallien, Linus aber, dessen er in seinem zweiten Briefe an Timotheus, als bei ihm zu Rom befindlich, gedenkt, wurde, wie ich schon oben erzählt habe, nach Petrus der erste Bischof der Gemeinde zu Rom. Aber auch des Klemens, des dritten Bischofs der römischen Kirche, thut Panlus(L) als seines Mitarbeiters und Mitkämpfers Erwähnung. Außer diesen wird noch jenes Mitglied des Areopagns, (7) (t) t Pete, t, 1. (2) Eusebius scheint den Apostelgesch. tZ, 1. unter den zu Antiochien als christlichen Propheten und Lehrer sich auszeichnenden genannten Luciair von Chrene für eine Person mit dein Evangelisten Lukas zu halten (was jedoch schon des Namens wegen nicht scpn kann, da Lukas nicht aus Lucius, sondern aus Lukanus oder Lucilius abgekürzt ist). Sollte dicß aber auch nicht der Fall scvn, so folgt aus dem Ausdruck des Eusebius noch nicht, daß Lukas von Antiochien gebürtig war. (3) Lukas i, 2, 3. (4) Die Stelle ist Nömerbr. 2, t6. und 2 Tim. 2, 8. und auch Origcncs glaubte nach unsererKirchcngcschichtc 6, 25., daß Paulus hier das Evangelium des Lukas meine, allein dicß bedarf wohl keiner Widerlegung. Man verwechselt bei dieser falschen Auslegung des Wortes Evangelium Pauli Lehre offenbar mit einer Lebensbeschreibung Jesu von Paulus. (5) 2 Timoth. 4, 9., wo aber unsere Ausgaben dcS neuen Testaments nicht Gallien, sondern Galatien lesen. (L) Philpp. 4, 3. t.7) So hieß der höchste Gerichtshof Athens in Kriminal- und andern Kapitalsachcn. 68 Nero. Jahr Christus 67 —69. Linus." Dionysius, (1) welcher der Apostelgeschichte des Lukas (2) zufolge nach der von Paulus in dem Areopagus an die Athener gehaltenen Rede zuerst geglaubt hat, als der erste Bischof der Kirche zu Athen von einem andern alten Dionysius, Bischof zu Korinth, augeführt. Indessen das Weitere von der jedesmaligen Nachfolge der Apostel werde ich im Fortgange meiner Geschichte seiner Zeit anführen und fahre jetzt fort in meiner Erzählung. Fünftes Haupt ftück. Von der letzten Belagerung Jerusalems nach den Zeiten Christi. Nachdem auf Nero'6 13jährige Regierung Galba und Otho ein und ein halbes Jahr den Thron inne gehabt hatten, wurde Vespasian, der in den Kämpfen gegen die Juden glänzend sich hervorgethan, in Judäa selbst zum Kaiser ernannt und von den dortigen Legionen als Imperator ausgerufen. Vespasian begab sich alsbald auf die Reise nach Rom und beauftragte seineu Sohn Titus mit der Führung des Kriegs gegen die Juden. Diese harten nach der Himmelfahrt unseres Erlösers, außer dem Frevel gegen diesen selbst, bereits Anschläge in Menge auch gegen die Apostel gemacht, zuerst den Stephanus gesteinigt, sodann nach ihm den Jakobus, den Sohn des Zebedäus und Bruder des Johannes, enthauptet und weiter noch den JakobuS, der nach der Himmelfahrt unseres Erlösers zuerst den Bischofssitz zu Jerusalem eingenommen, auf oben erwähnte Weise gctödtet. Bereits aber hatten auch die übrigen Apostel, nachdem sie unzählige ihren Tod beabsichtigende Nachstellungen erlitten, aus Judäa sich entfernt und ihren Weg mit der Hülfe Christi, der zu ihnen gesprochen: (3) »Gehet hin und »lehret alle Völker in meinem Namen," zu Ausbreitung des Evangeliums zu allen Völkern angetreten, und bereits hatte das Volk der Gemeinde zu Jerusalem nach einer einigen bewährten Männern daselbst durch eine Offenbarung zu Theil gewordene Weisung den Befehl erhalten, vor dem Kriege die Stadt zu verlassen und sich in einer Stadt in Peräa, (st) Pella genannt, niederzulassen und die Gläubigen wirklich von Jerusalem dorthin sich begeben, wodurch die Haupt- und Königsstadt der Juden und das gesummte Judäa gleichsam von heiligen Männern verlassen war: als die Strafe Got- res für die gegen Christus und seine Apostel begangenen Missethaten die Juden traf und jenes ganze gottlose Geschlecht völlig von der Erde hinweg ^ Galba. Jahr Christi 68. Otho und Vitellius. Jahr Christi 69. Vcspasianus. (t) Man legt ihm verschiedene mystische Schriften bei, allein unter den vielen Gründen, welche man gegen ihre Echtheit hat, ist dich nicht der geringste, daß ihrer von unserem Eusebius keine Erwähnung geschieht. Man setzt sie gewöhnlich in das dritte oder vierte, Dallaus sogar erst in das sechste Jahrhundert. .(2) Apostelgcsch. 17, 34. (3) Matth. 23, t9. (4) So hieß der östlich vom Jordan liegende Theil Palästinas überhaupt. Er umfaßte sechs Provinzen. Eine von denselben — zunächst dem todtcn Meere — hieß Peräa im cngern Sinne und in diesem Peräa lag das hier genannte Pella. Vespasianns. Jahr Christus 70. Linus. t!9 vertilgte. Welche Unglücksfälle nun damals über das ganze Volk allwärtö hereingebrochen, wie namentlich die Einwohner von Judäa in den äußersten Jammer geriethen, wie viele Tausende von Menschen ohne Unterschied des Alters oder Geschlechts durch Schwert, Hunger und unzählige andere Todesarten weggerafft, wie viele Belagerungen jüdischer Städte und auf welche Art und Weise sie vorgefallen sind, zudem wie viel Schreckliches und mehr als Schreckliches diejenigen, welche nach Jerusalem als in die Hauptstadt und stärkste Festung sich geflüchtet, gesehen haben, so wie den ganzen Verlauf des Krieges und die einzelnen Vorfallenheiten desselben und wie zuletzt der von den Propheten (1) vorher verkündigte Greuel der Verwüstung in dem weiland so berühmten Tempel Gottes, den gänzliche Zerstörung und vollständige Vernichtung durch das Feuer traf, stattgefunden hat: dieß alles kann, wer es zu wissen Lust hat, ausführlich aus der Geschichte des Jose- phus ersehen. Doch kann ich nicht umhin, ans diesem Geschichtschreiber die Nachricht anzuführen, daß die Menge der aus dem gesammten Judäa zu dem Passahfeste in dieser Stadt versammelten und, wie er sich selbst ausdrückt, daselbst wie in einem Gefängniß eingeschlossenen Menschen gegen s,000,000(2) betragen hat. Denn es war billig, daß sie in eben denselben Tagen, in welchen sie den Erlöser und Wohlthäter Aller, Christus, den Sohn Gottes, zum Leiden geführt hatten, wie in einem Gefängniß eingeschlossen, das von der Strafgerechtigkeit Gottes ihnen zuerkannte Verderben über sich ergehen lassen mußten. Die Erzählung der von ihnen erlitteneu einzelnen Unfälle, wie Schwert und anderes unter ihnen gewüthet, übergehe ich; nur die Drangsale, welche der Hunger ihnen verursachte, glaube ich anführen zu müssen, damit den Lesern meiner Geschichte an einem einzelnen Beispiele klar werde, wie die Strafe Gottes für die gegen Christus begangene Missethat sie bald genug erreicht hat. Sechstes Haupt stück. Von der Hungersnot), welche die Inden bedrängte. Man nehme denn also das fünfte Buch der Geschichte des JosephuS zur Hand und lasse die damaligen Trauerstencn an sich vorübergehen. »Die »Wohlhabenden," so erzählt der genannte Geschichtschreiber, (3) „rettete »das Verbleiben in der Stadt eben so wenig vor dem Verderben. Denn „unter dem Vorwande des Uebergangs wurde mancher seines Vermögens »wegen umgebracht. Mit der Hungersnoth stieg auch dieWuth der Nottirer „und beide Plagen entbrannten von Tag zu Tag immer mehr. Da Getreide öffentlich nirgends mehr zu sehen war, so drangen sie in die Woh- (!) Dan. 9, 27. (2) Eusebius hat hier die gerade Zahl angenommen, denn Josehhus sagt nur, daß es 2,700,2l>0 gewesen, ohne die Aussätzigen, Befleckten und andere unreine Männer und Weiber, die das Passah nicht mitcfsen durften. Stroth. G) 2m zehnten Hauptstück. 79 Vespastanus. Jahr Christus 7tt. Linus. „uuugen, durchsuchten diese und schlugen, wo sie etwas fanden, die Bewoh- »ner schrecklich, weil sie es verleugnet; wv dies; nicht der Fall war, so „peinigten sie dieselben, weil sie eö zu gut versteckt hätten. Zum Beweis »des Besitzes oder Nichtbesitzes von Lebensmitteln mußte das Aussehen der »Unglücklichen dienen. Wer noch bei Kräften war, bei dem schloß man »noch auf Borrath. An den bereits Abgezehrten aber ging man vorüber, »indem es nicht der Muhe werth schien, einen schon mit dem Hungertode »Ringenden zu tobten. Viele gaben heimlich ihr ganzes Vermögen hin »für Einen Scheffel Walzen, wenn sie Neichthnm besaßen, — Gerste, wenn „sie weniger bemittelt waren. Sodann verschlossen sie sich in die innersten „Winkel ihrer Wohnungen und verschlangen, von Heißhunger gelrieben, „den Waizen zum Theil noch nngemahlen, zum Theil machten sie Brod „daraus, so wie eS Roth oder Furcht gerathen finden ließen. Ein Tisch »ward nirgends mehr gedeckt, sondern sie rissen den Teig noch roh aus dem „Feuer und unter einander weg. Bedauernswerth war die Kost und thrä- „nenwerth der Anblick, wo die Stärkern ihre Kraft geltend machten und die „Schwächern nur jammern konnten. Der Hunger macht zwar alle Gemüths- »regungen verstummen, vor allem aber ertödtet er das Schamgefühl. „Denn alle Rücksichten, welche noch in andern Verhältnissen sich geltend «macheu, werden von seiner Macht niedergetreten. Weiber rissen ihren »Männern, Söhne ihren Vätern und — wie schrecklich! — sogar Mütter »ihren eigenen Kindern die Speisen selbst ans dem Munde und während „ihre geliebten Kleinen auf ihren Armen dahinwelkten, machten sie sich kein „Gewissen daraus, den letzten Tropfen Milch ihnen zu entziehen. Allein „selbst wenn sie so ihr Daseyn fristeten, konnten sie dennoch nicht unentdeckt »bleiben. Ueberall erschienen die Nottirer, um auch dieses wegzunehmen. „Sahen sie ein HauS verschlossen, so galt dieß ihnen für einen Beweis, daß „die Leute darin Speise zu sich nähmen. Sie sprengten dann alsbald die „Thürcn ein, drangen hinein und drückten und rissen ihnen die Stücke bei- »nahe aus dem Schlünde herauf. Greise, welche die Speise sich nicht ent- „reißen lassen wollten, wurden geschlagen; Weiber, welche d,.s, was sie in „ihren Händen hielten, zu verbergen suchten, wurden an den Haaren herum- »gezogen. Rieht das graue Haar, nicht das unmündige Alter fand Erbar- „men, sondern man hob die kleinen Kinder an den Bissen im Munde in »dee Hohe und schüttelte sie zu Boden. Wer ihnen aver bei ihrem Einbringen in seine Wohnung zuvorgekommen war und das, was ihm entrissen werden sollte, zuvor verschlungen hatte, den mißhandelten sie noch „ärger, gleich als hätte ihnen dieser etwas zu leide gcthan. Foltern schrecklicher Arr erfanden sie, um Lebensmittel auszuforschen. Sie verstopften „den Unglücklichen die Harnröhren mit Erbsen und stachen sie mit spitzigen „Stäben ui das Gesäß. Man schaudert, es nur zu hören, was einer zu „erdulden hatte, um die Entdeckung eines einzigen Brvdes oder einer einzigen Hand voll Gerstengraupe sich entreißen zu lassen. Dabei litten die »Quäler selbst keinen Mangel — es wäre weniger grausam erschienen, wenn Lespastanus. Jahr Christus 70. Linus. 71 „Noth si- dazu getrieben hätte — nur um ihre Wuth zu stählen und „sich Lebensmittel auf die folgenden Tage zu verschaffen, thaten sie dieß. „Schlich Jemand bei Nacht hinaus bis an die römischen Posten, um Feldge- „wächse und Kräuter sich zu sammeln, so gingen sie ihm entgegen, wenn er schon „den Feinden entkommen zu seyn glaubte, und entrissen ihm alles Mitgebrachte, ohne sich durch anhaltendes Flehen oder durch Beschwörungen bei „dem allerheiligsten Namen Gottes, auch nur etwas Weniges von dem, was „er mit Lebensgefahr geholt hatte, ihm zu geben, dazu bewegen zu lassen.' „ja, man hatte noch von Gluck zu sagen, wenn man zu der Beraubung hin „nur mit dem Leben davonkam." An einer andern später,, Stelle (1) fährt Josephus also fort: „Den Juden wurde mit der Möglichkeit, ans der Stadt „zu kommen, jegliche Aussicht auf Rettung abgeschnitten. Der Hunger, der „immer wilder wüthete, raffte das Volk Häuser- und familienweise hinweg. „Die Dächer (2) lagen voll von verhungerten Weibern und Kindern , die „Gassen von todten Greisen. Knaben und Jünglinge aber wankten aufgedunsenen Gespenstern gleich auf den öffentlichen Plätzen umher und fielen, „wo einen jeden der Todskamps ergriff. Verwandte zu beerdigen Vermochben die Schwachen nicht und wer noch Kräfte besaß, scheute sich vor der „Menge der Todten und der eigenen Gefahr. Denn viele starben neben „denen, welche sie beerdigen wollten, dahin, viele begaben sich noch vorher „selbst zu den Gräbern, bevor ihre letzte Stunde sie überraschte. Kein Weisen, kein Klagen vernahm man bei diesem Jammer: der Hunger erstickte „jeglichen Ausbruch des Gefühls. Mit trockenen Augen sahen die langsa- „men Todes dahin Sterbenden hin auf diejenigen, welche vor ihnen zur „Ruhe eingegangen waren. Tiefe Stille herrschte in der Stadt — eine „todesschwangere Nacht. Aber schrecklicher noch, als dieser Jammer, waren „die Räuber. Denn diese erbrachen die zu Grabstätten gewordenen Häuser, „beraubten die Todten, rissen ihnen die Hülle vom Leibe und liefen mit „Lachen davon. Die Schärfe ihrer Schwerter versuchten sie an den Leichnamen und durchbohrten selbst einige vor denen, welche noch lebend hinge- „gestreckt dalagen, zur Probe des Eisens. Diejenigen dagegen, welche sie, „ihnen ihre Hand und ihr Schwert zu leihen, anflehten, überließen sie höhnend „dem Hunger. Jeder von den Verscheidenden sah unverwandten Blicks „nach dem Tempel hin, da er die Nottirer noch am Leben zurückließ. (5) '„Diese ließen zwar anfänglich, weil ihnen der Geruch unerträglich war, die „Todten auf öffentliche Kosten beerdigen; später aber, als man nicht mehr „alle begraben konnte, warf man die Leichen über die Mauer in die Schluchten. Als Titus diese beim Herumgehen mit Leichnamen angefüllt und eine „tiefe Blutjauche unter den faulenden Körpern hervorfließen sah, seufzte er (1) Sie befindet sich im zwölften Hauptstuck des fünften Buches. (2) Diese sind nämlich im Orient platt. (3) Nämlich Gott um Rache wider diese anzurufen. Es ist bekannt, daß die Juden bei ihre» Anrufungen Gottes, auch wenn sie außer Jerusalem waren, das Antlitz gegen den Kempe! richteten. Stroth. 72 Vespastauus. Jahr Christus 70. Linns. „und rief, seine Hände zum Himmel cmporstreckend, Gell zum Zeugen an, „daß dieß nicht sein Werk sey." Etwas weiterhin fährt Josephns also fort:(1) „Ich vermag mein Schmerzgefühl hierüber nicht zu unterdrücken. Ich glaube, „daß, wenn die Römer noch länger gezögert hätten gegen diese Frevler, die „Stadt entweder von der sich öffnenden Erde verschlungen oder von einer „Waffersluth überschwemmt oder von den Blitzen Sodoms getroffen worden „seyn würde. Denn sie schloß eine viel ruchlosere Brut in sich, als diejenigen „waren, welche jenes Strafgericht getroffen hat. Durch ihren Wahn- „sinn ging das ganze Volk mit zu Grunde.« Weiter berichtet Jvsephns in seinem sechsten Buche: (2) „Die Zahl der in der Stadt am Hungertods „Sterbenden ist eben so unberechenbar, als die schrecklichen Auftritte zu „beschreiben sind. Denn in jedem Hanse, wo nur ein Schatten von Nahrungsmitteln sich zeigte, war Krieg, Personen, welche durch die engsten „Bande der Zärtlichkeit an einander geknüpft waren, wurden mit einander „handgemein, um sich die armseligsten Fristnngsmittel des Lebens zu entreißen. Selbst den Sterbenden wurde nicht einmal geglaubt, daß sie nichts „hatten, sondern die Räuber suchten diese, während sie den Geist aufgaben, „ans, ob nicht etwa irgend einer, Speise im Busen bergend, sich nur „sterbend stellte. Sie selbst wankten und rannten, vorHunger(Z) gleich tollen „Hunden den Mund aufsperrend, herum, pochten an die Thüren wie Betrunkene und stürzten wohl zwei- oder dreimal in einer Stunde in dieselben „Häuser. Die Roth zwang, alles zu essen und was selbst den schmutzigsten unter „den unvernünftigen Thieren nicht zuträglich ist, lasen sie zusammen und „verschmähten dessen Genuß nicht. Zuletzt verschonten sie selbst Gürtel und „Schuhe nicht, ja, sie rissen das Lederwerk von ihren Schildern ab und „zernagten eS. Einigen dienten die Abfallstückchen von altem Heu zur Nahrung. Denn einige sammelten dergleichen Kehricht und verkauften das „geringste Gewicht davon für vier attische Drachmen. Doch was brauche „ich die ekellose Gier des Hungers in Betreff unbelebter Gegenstände zu „schildern? Ich will eine Geschichte erzählen, dergleichen weder bei „Griechen, noch bei Barbaren erhört worden ist; schauervoll und unglaublich. „Gerne hätte ich, um nicht als Erzähler fabelhafter Wundcrgeschichten bei „der Nachwelt zu erscheinen, diesen Vorfall mit Stillschweigen übergangen, „wenn ich nicht unzählige Zeitgenossen zu Zeugen davonchätte. Auch würde „ich meinem Vaterlande durch Uebergehnng seiner erlittenen Unglücksfälle „einen kahlen Dienst erweisen. Eine durch Geburt und Neichthnm ausgezeichnete Frau ans den Gegenden jenseits des Jordans, Maria mit Namen, „die Tochter Eleazars, ans dem Dorfe Bathezvr oder dem Nist'phause, „hatte sich mit der übrigen Menge nach Jerusalem geflüchtet, wo sie die (l) Im IZten Hauptstuck des Sten Buches. (2> Im dritten Hauptstück desselben. (3) Dieß widerspricht dem nicht, was Eusebius vorher aus Joscphus 6, 27. angeführt hatte, daß die Banditen genug zu essen gehabt; da war von den ersten Zeiten der Belagerung die Rede, hier von den letzten. Josephus sagt schon am Ende des zweiten Buchs, daß eidlich auch diese der Hunger ergriffen habe. Stroth. Vespastauus. Jahr Christus 70. Linns. 7Z „Belagerung mit aushalten mußte. Dieser hatten die Unmenschen all ihr „Eigenthum, so viel sie dessen aus Peräa in die Stadt mitgebracht hatte, „genommen und den Rest ihrer Kleinodien und was etwa noch an Lebensrnitteln zum Borschein kam, entrissen ihr täglich die hereinstürzenden Trabanten der Tyrannen. Da ergriff das Weib eine große Entrüstung und „sie suchte mehr als einmal die Räuber durch Schmähungen und Verwüu- >,schungen gegen sich zu reizen. Wie indessen weder Zorn noch Mitleid, „sie zu tödten, einen derselben bewegen konnte, sie aber, für Andere Speise „anzuschaffen, es eben so satt hatte, als auch überhaupt alle Möglichkeit, „nur noch solche zu finden, abgeschnitten war, und ihr der Hunger in Mark „und Eingeweiden wüthete und noch rasender als der Hunger die Erbitterung sie entflammte, da nahm sie den Zorn und die Roth zu Rathgcbcrn „und schritt zum Unnatürlichcu. Sie ergriff ihr Söhnchen, noch einen „Säugling. Unglückliches Kind, sprach sie, wozu soll ich dich unter Krieg, „Hunger und Aufruhr aufbewahren? Bei den Römern ist nur Knechtschaft „unser LovS, wenn sie uns auch am Leben lassen; doch auch dieser kömmt der „Hunger zuvor und ärger als beide sind die Rottirer. Darum wohlan, „werde mir zur Speise, den Rottirern zum Nachegeiste (1) und der Welt „eine Fabel, die uns allein noch zu den Unglücksfällen der Juden fehlte! „Mit diesen Worten tödtete sie ihr Svhnchcn, kochte es sodann und verzehrt „die eine Hälfte davon, die andere aber bedeckt und bewahrt sie auf. Bald „darauf erschienen die Rottirer, welchen nicht sobald der frevelhafte Geruch „in die Nase drang , als sie dem Weibe mit augenblicklichem Tode drohten, „wenn sie nicht entdecke, was sie bereitet. Das Weib entgegnete, sie „habe ihnen noch ein schönes Stück davon aufbehalten und deckte mit „diesen Worten die Ueberreste des Kindes auf. Bei diesem Anblicke ergriff „augenblicklich Schaudern und Entsetzen die Rottirer und wie vom Schlage „gerührt standen sie da. Das Weib aber sprach weiter: Mein ist das „Kind, mein ist auch die That. Esset, denn auch ich habe davon gegessen. „Seyd doch nicht weicher als ein Weib, nicht gefühlvoller als eine Mutter. „Seyd ihr aber zu gewissenhaft und schaudert euch vor meinem Opfer, nun „so bleibe mir, die ich die eine Hälfte gegessen, auch die zweite. Nach „diesen Worten liefen sie zitternd davon, nur in diesem einzigen Stücke „schwach, und doch ließen sie der Mutter eine solche Mahlzeit nur ungern. Die „ganze Stadt war bald voll von diesem Greuel, jeder stellte sich die Unthat „lebhaft vor Augen und schauderte davor, als wäre sie in seinem eigenen „Hanse vorgefallen. Der Ueberrest der mit dem HnngerKämpfenden suchte nun „alles Ernstes den Tod und glücklich wurden die Vorangegangenen gepriesen, „eheste solchen Jammer sehen und hören mußten." Solches war der Lohn der Juden für die an dem Christ Gottes begangene Missethat und Gottlosigkeit. (t) Nack) der Vorstellung, baß die Seelen der Umgebrachten diejenigen, welche die meiste Schnld an deren Tode gehabt, als Furien quälten. Stroth. 7-4 Vespastanns. Jahr Christus 70. Linus. Siebentes H a u p t stück. Von den Vorhcrsagungen Christi. Es dürfte nicht unpassend seyn, mit diesen Nachrichten des Josephus die wahrhaftige Vorhersagung unteres Erlösers zu verknüpfen, in welcher er eben dasselbe mit folgenden prophetischen Worten ausdrückt:(1) „Wehe „aber den Schwangern und Sängenden in jenen Tagen! betet aber, daß eure »Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbath. Denn eS wird alsdann „eine große Trübsal seyn, als nicht gewesen ist von Anfang der Welt bisher „und als auch nicht werden wird." Jvsephns berechnet die Gesammczahl der durch Hunger und Schwert Umgekommenen auf 1,100,000 Menschen und erzählt sodann weiter, daß die übrig gebliebenen Rvltirer und Räuber nach Einnahme der Stadt einander selbst angegeben hätten und umgebracht worden >eyen. Die größten und schönsten Jünglinge hingegen habe man für den Triumph aufbewahrt, alle andern jungen Leute aber über 17 Jahre gefesselt nach Aegypten zu den öffentlichen Arbeiten geschickt, noch mehrere aber in die Provinzen vertheilt, um in den öffentlichen Schauspielen durch Schwert oder wilde Thiere ihren Tod zu finden. Was guter 17 Jahren gewesen, habe man gefangen weggeführt und verkauft; letztere Zahl allein habe bei 90,000 betragen. (2) Dieß alles geschah auf die angegebene Weise im zweiten Jahr der Negierung des VespasiauuS, ganz gemäß den prophetischen Weissagungen unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus, welcher dieß in göttlicher Kraft als bereits gegenwärtig vorausgesehen und nach der Erzählung der heiligen Evangelisten darüber geweint und Thränen vergossen hat. Diese führen auch seine eigenen Worte an, mit welchen er thcils die Stadt Jerusalem anredet, nämlich: HZ) „Wenn du in dieser deiner „Zeit wüßtest, was zu deinem Frieden dient! Nun aber ist eS vor deinen „Augen verborgen. Denn es werden Zeiten über dich kommen, da deine „Feinde einen Wall um dich ziehen, ringS herum dich einschließen und dich „von allen Seiten bedrängen und dich und deineKinder dem Erdboden gleich „machen werden," theils das Volk, nämlich :(4) „Es wird eine große Noth „über dieß Land kommen und ein Zorn über dieß Volk. Und ste werden „fallen durch des Schwertes Schärfe und gefangen weggeführt unter alle „Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis daß „der Heiden Zeiten erfüllet werden." Und ferner:(5) „Wenn ihr aber sehen „werdet Jerusalem belagert von Kriegsheeren, dann wißt, daß herbeigekommen ist ihre Verwüstung." Wenn man nun die Aussprüche unseres Erlösers mit den andern Erzählungen des Josephus vom ganzen Kriege vergleicht, sollte man sich nicht zur Bewunderung und zu dem Bekenntnisse (t) Matth. 24, Ig. 20. 2t. <2) Eusebius irrt hier. JosephuS erzählt in der Geschichte des jüdischen Kriegs 0, 9., daß die Anzahl der im ganzen Kriege Gefangenen sich aus 97,000 belaufen habe. (01 Luk. 19, 42. 40. >4) Luk. 2!, 20. 2r. <.5) Luk. 2t, 20. Vespasianus. Jahr Christus 70. Linus. 75 gedrungen fühlen, daß sein Vorherwissen und Vorhersagen wahrhaft göttlich und über alle Maßen außerordentlich gewesen sey? Darüber nun, was nach dem Leiden unseres Erlösers und nach jenem Geschrei, womit der jüdische Pöbel den Räuber und Mörder vom Tode losbat, den Fürsten des Lebens aber aus seiner Mitte zu nehmen flehte , das ganze Volk betroffen hat, dürfte weiter nichts mehr zu den Erzählungen des Josephus beizusetzen seyn: das aber noch muß hier angeführt werden, was als sprechender Beweis der Menschenfreundlichkeit der allgütigen Vorsehung dienen kann, daß ste noch äv ganzer Jahrs nach dem Frevel gegen Christus das über ste verhängte Verderben aufschob, während welcher Zeit mehrere von seinen Aposteln und Jüngern, namentlich Jakobus selbst, der erste Bischof zu Jerusalem, welcher der Bruder unseres Herrn genannt wurde, noch am Leben waren, in der Stadt Jerusalem selbst sich aufhielten und dadurch gleichsam die stärkste Schutzwehr für den Ort bildeten und daß nicht nur die göttliche Regierung bis dahin Langmuth bewies, ob sie etwa Neue über ihr Verbrechen empfinden und der Verzeihung und Rettung theilhaftig werden möchten, sondern ihnen auch noch auffallende Vorzeichen dessen, das im Falle der Nichtreue über sie ergehen sollte, erscheinen ließ. Da der mehrfach angeführte Geschichtschreiber auch diese des Aufbewahrens werth gehalten hat, so dürfte es das Beste seyn, seine Nachrichten unsern Lesern hier mitzutheilen. A ch trs H a u p t st ü ck. Bon den Zeiche» vor dem Kriege. Bei ihm finden wir, wenn wir sein sechstes Buch (1) aufschlagen, Folgendes: „Die Verführer und falschen Propheten verführten damals das «unglückliche Volk. Aufdie deutlichen, dieVerwüstung vorher verkündigenden „Zeichen jedoch achteten sie ste nicht, noch glaubten sie daran, sondern wie «betäubt, als ob ste weder Seele noch Augen hätten, ließen sie die Warnun- >,gen Gottes unbeachtet, sowohl als ein einem Schwerte ähnlicher Stern über „der Stadt stand und ein Komet bei einem Jahre am Himmel blieb, als «auch, als noch vor der Empörung und vor den ersten Kriegsbewegungeu, «wie das Volk beim Feste der ungesäuerten Brode versammelt war, am „R April um die neunte Stunde der Nacht ein so gewaltiges^ Licht bei einer «halben Stunde den Altar und den Tempel umstrahlte, daß man glaubte, «es sey Heller Tag. Die Unerfahrenen sahen zwar ein gutes Vorzeichen in «dieser Erscheinung, allein die Schriftgelehrten hielten sie sogleich für eine «Vorbotin dessen, was später wirklich erfolgte. An demselben Feste brachte «eine Kuh, welche der Hohepriester zum Opfer geführt, mitten im Tempel „ein Lamm zur Welt. Die östliche Pforte des innern Vorhvss, die doch von «Erz und von ungeheurem Gewicht war und des Abends von 20 Männern (t) Im fünften Hnuptftuck. 76 Vespasiauus. Jahr Christus 70. Linus. „mit Mühe geschlossen und mit eisenbeschlagenen Querbalken verram- „melt wurde, deren Riegel tief in die Schwelle fielen, sah man um die „sechste Stunde der Nacht ganz von selbst sich öffnen. Wenige Tage aber „nach dem Feste, nämlich am 21. Mai, ließ sich eine wunderbare, allen »Glauben übersteigende Erscheinung sehen. Es würde ein fabelhaftes Wun- »der zu seyn scheinen, was ich sagen werde, wenn es nicht auch von Augenzeugen erzählt worden und die Größe des eintreffenden Unglücks dem „Außerordentlichen der Wundercrscheinung entsprechend gewesen wäre. Man „sah nämlich vor Untergang der Sonne in der ganzen Gegend herum in »der Luft Streitwagen und bewaffnete Kriegsschaaren durch die Wolken »daherziehen und die Städte umkreisen. Als die Priester am Pfingstfeste „des Nachts ihrer Gewohnheit nach in den Tempel zu den gottesdiensttichen „Verrichtungen gingen, vernahmen sie nach ihrer Aussage zuerst nur Rauschen und Getöse, dann aber den lauten Ruf: „Lasset uns von hinnen „ziehen!" Noch grauenvoller ist Folgendes: Ein gewisser Jesus nämlich, des „Ananias Sohn, ein ungebildeter Landmann, kam vier Jahre vor dem „Kriege, als die Stadt noch im tiefsten Frieden und im besten Wohlstande „sich befand, auf das Fest, an welchem Alle zu Ehren Gottes beim Tempel „Hütten aufzuschlagen pflegten und fing plötzlich an zu schreien: „Stimme „von Morgen, Stimme von Abend, Stimme von den vier Winden, Stimme „über Jerusalem und über den Tempel, Stimme über den Bräutigam und „die Braut, Stimme über das ganze Volk!" Diese Worte rief er bei Tag „und bei Nacht, durch alle Straßen umherziehend. Aergerlich und aufgebracht über das Unheilverkündigende derselben ergriffen ihn einige angesehene Einwohner und mißhandelten ihn mit vielen Schlägen; allein Jesus, „ohne das Geringste weder für sich, noch gegen die Anwesenden zu sagen, „fuhr fort, nach wie vor auszurufen. Da nun die Obersten der Juden „glaubten, daß, wie es auch wirklich der Fall war, der Mensch mehr von „einer höheren Macht getrieben werde, so brachten sie ihn vor den römischen „Statthalter. Hier wurde er mit Geißelhiebcn bis auf die Knochen zer- „fleischt, allein er flehte nicht, noch vergoß er Thränen, fondern mit dem „allerkläglichsten Ton der Stimme schrie er bei jedem Streiche: Wehe, wehe, „Jerusalem!" Jndeß derselbe Geschichtschreiber erzählt noch etwas Merkwürdigeres. Es habe sich nämlich, sagt er, in heiligen Schriften (1) eine Weiss sagung gefunden des Inhalts, daß um diese Zeit einer aus jenem Lande ausgehen und die Erde beherrschen würde. Josephus selbst nimmt zwar an, diese Weissagung scy an Vespasianus in Erfüllung gegangen; allein dieser Kaiser beherrschte nicht die ganze Erde, sondern nur den den Römern unterworfenen Theil derselben, daher diese Weissagung mit größerem Rechte auf Christus bezogen werden dürfte, zu welchem der Vater gesprochen hatte: (2) (tl In welchen, wird nicht gesagt. Vielleicht ist darunter die Stelle Daniel 2, 14. zu verstehen. Auch Suctonius und Lacitus fuhren diese Weihagung, letzterer auch die meisten der in unserer Stelle enthaltenen Vorzeichen an. Die Stelle des Josephus bcstndct sich in der Geschichte des jüdischen Krieges 6, 5. 4. (2) Psalm 2, 8. Vespastanus. Jahr Christus 70. Linus. 77 Fordere von mir, so will ich dir die Heiden zum Eigenthum geben und der Welt Ende zu deinem Besitz, auf Christus, von dem gerade um diese Zeit über die ganze Erde die Predigt seiner heiligen Apostel ausging und bis an die Grenzen der Erde deren Worte. Neuntes Haupt stück. Von Josephus und seinen hintcrlassenen Schriften. Nach allem diesem ist es billig, daß wir auch den Josephus , dem die vorliegende Geschichte so viele Beiträge verdankt, seinem Geschlecht und Herkommen nach näher kennen lernen. Er gibt darüber ebenfalls selbst folgende Auskunft.- „JosephuS, ein Sohn des Matthias ans Jerusalem, von „priesterlichcm Geschlecht, focht anfänglich freiwillig gegen die Römer und „wohnte den folgenden Vorfällen gezwungen (1) bei." Josephus war unter allen damaligen Juden der angesehenste nicht nur bei seiner eigenen Nation, sondern auch bei den Römern, so daß er in ihrer Hauptstadt mit einer Bildsäule beehrt und die von ihm verfaßten Schriften der Aufbewahrung in den öffentlichen Bibliotheken für würdig befunden wurden. Josephus beschrieb das gesammte jüdische Alterthnm in zwanzig, so wie die Geschichte des damaligen jüdischen Kriegs in sieben Büchern. Letzteres Werk verfaßte er, seinem eigenen Zeugnisse zufolge, das doch hier wegen des klebrigen allen Glanben verdient, nicht allein in griechischer, sondern auch in seiner Muttersprache. Man hat überdieß noch zwei andere lesenswerlhe Bücher von ihm: Ueber das Alterthum des j üd.ischen Vo lks, worin er theils den damaligen Grammatiker Apion, den Verfasser einer Schrift gegen die Inden, theils andere, welche dem Herkommen des jüdischen Volks zu nahe zu treten suchten, widerlegt. In dem ersten derselben gibt er die Zahl der kanonischen Bücher des sogenannten alten Testaments an und theilt ein Verzeichniß der bei den Hebräern ohne Widerspruch für echt angenommenen Schriften als aus alter Ueberlicfernng in folgenden Worten mit. (f) Josephus war Gouverneur von Galiläa gewesen und hatte als solcher mehrcremale feindselige Berührungen mit den Römern gehabt, zuletzt aber, da er den Einwohnern von Jotapata in Galiläa zu Hülfe gekommen, wurde er verwundet und gefangen, von den Römern aber gütig behandelt und zuletzt in Freiheit gesetzt. Er erwarb sich das Vertrauen der Bcspasianc noch mehr, da er dem Flavius das Kaiscrthum weissagte. Titus behielt ihn hernach beständig bei sich und er mußte also im römischen Lager ein Augenzeuge seyn von dem, was bei Jerusalem vorfiel; ja, zuweilen wurde er auässals Dollmctscher und Unterhändler gebraucht, um den Juden Vorschläge zu thun. S tr o th. 78 Vespastanus. Jahr Christus 70. Linus. L eh n?e s Haupt st n ck. Wic Josephus der göttlichen Bücher gedenkt. »Bei unv gibt es keine taufende von unznsammenstimmenden, sich „einander widersprechenden Schriften, sondern wir haben nur 22 Bücher, (1) »welche die Geschichte der ganzen Zeit in sich begreifen und mit Recht für „göttlich gehalten werden. Fünf von diesen rühren von Moses her und „fassen die Gesetzgebung und die erste Geschichte der Menschen bis zum Tode »MosiS in sich, also einen Zeitraum von etwas weniger als dreitausend „Jahren. Von dem Tode des letztern an bis ans den des Artaxerxes, des »Nachfolgers des Zie'rxes auf dem persischen Thron, haben die Propheten »nach Moses die Geschichte ihrer Zeit in !Z Büchern aufgezeichnet. Die »übrigen vier enthalten Lobgesänge auf Gott und Verhaltungsvorschriften „für das menschliche Leben. Seit Zlrtaxerxes bis auf unsere Zeit ist zwar „auch alles aufgezeichnet worden, allein diese Schriften besitzen nicht dieselbe „Glaubwürdigkeit, wie di>. frühern, weil seit dieser Zeil keine ordentliche „Prophctenfolge stattgefunden. Wie viel wir aber ans unsere Bücher hal- „ten, dafür spricht die That selbst. Ungeachtet nämlich bereits ein so langer »Zeitraum verflossen ist, so hat doch bis jetzt Niemand weder einen Znsatz, „noch eine Auslassung, yoch eine Veränderung mit denselben sich erlaubt, „sondern es ist jedem Juden gleichsam angeboren, den Inhalt dieser Schrif- »teu für GotteS Wort zu halten, dabei standhaft zu beharren und im Falle „der'Noth freudig das Leben dafür hinzugeben." Diese Bemerkungen des Josephus dürften hier ihre passende Stelle gefunden haben. Derselbe Schriftsteller hat überdieß eine treffliche Abhandlung über die Herr- sch aft der V e r n n n st verfaßt, welche einige das Makkabäerbuch oetiteln, weil es die Kämpfe der in den sogenannten Makkabäerbüchern für ihren Glauben so heldeumüthig ausharrenden Hebräer zum Gegenstand hat. Noch bemerkt Josephus am Ende des 2vsten Buchs seiner Alterthü- mer, daß er gesonnen sey, die Lehre von Gott, seinem Wesen, von der Gesetzgebung und den Gründen der in derselben enthaltenen Verbote und Erlaubnisse nach den althergebrachten Begriffen der Inden in vier Büchern abzuhandeln, so wie er auch noch von andern von ihm verfaßten Schriften in seinen Werken spricht. Zur Beglaubigung der in dieser Geschichte aus Josephus entlehnten Zeugnisse dürfte eS nicht undienlich seyn, seine am (t) Josephus zählt — sind Eichhorns Worte in seiner Einleitung in das alte Testament — mit seiner Nation nach der Angabe des hebräischen Alphabets. Denn das! man dabei auf die Konsonantcnzahl im hebräischen Alphabet Rücksicht genommen habe, sagen Origencs und andere Kirchenväter ausdrücklich. Folglich genau gerechnet hatten die Juden nicht gerade nur so viele, nicht gerade nur 22 üchcr; man konnte vloß die vorhandenen ungefähr so ordnen, daß sie sich auf 22 rcducircn ließen. Eichhorn und mit ihm De Werte ordnet die 13 prophetischen Lücher so: 1) Josua, 2) Richter und Ruth, 3! zwei Bücher Samuels, 4) zwei Bücher der Könige, 5) zwei Bücher der Ehronik, 6) Esras und Re- hcmias, 7) Esther, 8i Jesaias, 3) Jeremias Weissagung und Elegie, i(>> Ezechiel, 1!) Daniel, 12) zwölf kleine Propheten, 13) Hiob. Oedcr wollte fälschlich die Bücher Esther, Chronik, Esra und Neheim« ausgeschlossen wissen. Die vier Bücher moralischen Inhalts sind: 1) Psalmen, 2) Sprüchwörtcr, 3) Prediger, 4) Hohes Lied. Vespastanus. Jahr Christus 7 0—71. Linus. 7i> Schlüsse seiner jüdischen Alterthümer(I) sich findenden Worte hier anzuführen. JosephuS beschuldigt nämlich dort den JnstnS von Tibenas, der gleich ihm einen Versuch zur Darstellung der damaligen Zeitereignisse gern ackt hatte, er sey in seiner Geschichte der Wahrheit nicht treu geblieben und fuhrt sodann, nachdem er ihn noch sonst zurecht gewiesen, also fort: „Ich habe wahrlich nicht dieselbe Besorgnis;, wie dn, in Betreff meiner „Schriften gehegt, sondern ich habe meine Bucher den Kaisern (2) selbst „überreicht zn einer Zeit, wo die Ereignisse allen fast noch vor Augen „schwebten. Denn ich war mir b wüßt, die Wahrheit treu aufgefaßt zn „haben, auch habe ich mich in der Erwartung, Zeugnisse dafür zu erlangen, „nicht getäuscht. Noch vielen andern habe ich meine Geschichte des Kriegs „mitgclheilt, von denen mehrere wie König Agrippa und einige seiner „Verwandten denselben mitgemacht hatten. Kaiser Titus wollte sogar „meine Geschichte so ausschließend für die einzige echte Quelle jener Begebenheiten angesehen wissen, daß er sie mit eigenhändiger Unterschrift „gut hieß und so veröffentlichen ließ. König Agrippa hat mir 62 Briefe „geschrieben, in denen er die Wahrheit meiner Erzählung bezeugt.« Bon diesen verleibt JosephuS auch zwei seinem Werke ein. Indessen die bisherigen Bemerkungen über denselben mögen genügen und ich fahre fort in meiner Geschichte. Ei ist es Haupt stück. Wie nach Jakobus Svmeon Bischof der Gemeinde zu Jerusalem geworden. Nach dem Märtyrcrtode des Jakobus und der bald darauf erfolgten Eroberung von Jerusalem kamen , wie erzählt wird, die noch lebenden Apostel und Jünger unseres Herrn nebst seinen Anverwandten dem Fleische nach, von welchen damals noch mehrere am Leben waren, von allen Orten her zusammen und gingen insgesammt zu Rath darüber, wer des Jakobus Nachfolger zn werden, würdig sey. Sie erklärten hierauf einstimmig den Symeon, des auch im Evangelium erwähnten Klopas Sohn, und wie man sagt, unjeres Erlösers Vetter, der Einnahme des dortigen Bifchvfsihes für würdig. Eswar nämlich, wie Hegesippus erzählt, dieser Klvpas ein Bruder Josephs. Zwölftes Haupt stü ck. Wie Vcspasianus die Nachkommen Davids aufzusuchen befohlen. Ausserdem berichtet ebenderselbe, Vespasian habe nach der Eroberung Jerusalems alle Sprößlinge von Davids Geschlecht aufsuchen lassen, damit (1) Oder vielmehr in seiner eigenen Lebensbeschreibung (c. 65), welche eine Art Anhang zu seinen jüdischen Altcrtyiimern bildet. (2) Wcspasiänus und dessen Sohn Titus. 69 Titus." Jahr Christus 79—89. Niemand von dem königlichen Stamme bei den Inden übrig bliebe und dieser Befehl habe wiederum Veranlassung zu einer sehr heftigen Verfolgung der Inden gegeben. Dreizehntes Hauptstuck. Wie Ancnklctus zweiter Bischof von Rom geworden. Nachdem Vespasianus zehn Jahre regiert hatte, folgte ihm sein Sohn Titus auf dem Thron. Im zweiten Jahre dieses Kaifers hinterließ Linns, der Bischof der römischen Kirche, nachdem er derselben zwölf Jahre vorgestanden, dieselbe demAncnkletus.(l) Titus hatte nur zwei Jahre und eben so viele Monate regiert, als sein Bruder Domitianus den Thron bestieg. Vierzehntes Hauptstürk. Wie AbilinS zweiter Bischof von Alexandrien geworden. Im vierten Jahre dieses Kaisers starb Annianus, der erste Bischof von Alexandrien, nachdem er zwei und zwanzig Jahre diesem Amte vorgestanden, und Abilius wurde sein Nachfolger. Fü nfz ehutcs H au p t st ü rk. Wie Klemens dritter Bischof von Rom geworden. Im zwölften Jahre der Regierung des Domitianns wurde Klemens der Nachfolger des Anenkletns, welcher zwölf Jahre der römischen Kirche als Bischof vorgestanden; diesen Klemens nennt Paulus als seinen Mitarbeiter in dem Briefe an die Philipper, (2) wo es heißt: „Nebst Klemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen in dem Buche des Lebens stehen." S echsz e Hutes Haupt st u c k. Von dem Briefe des Klemens. - Von diesem Klemens hat man einen, ohne Widerspruch angenommenen Brief(Z) voll großen und erhabenen Inhalts, welchen er als von der Bemeinde zu Rom an die in Korinch verfaßte, in welch letzterer Ancnklctus 2. B. zu Rom. Z. Eh. 81. — Domitianus Ancnklctus I. Ch. 84. — V- Eh. 92. Klemens 3. B. zu Rom. — Domitianus I. Ch. 92. Klemens. (1) Kap. 4, 3. (2) Er wird auch Anaklelus und abgekürzt Kletus genannt. Einige haben sogar aus Kl-tus und Anakletus zwei verschiedene Personen gemacht. (31 Er ist, nebst einem zweiten, der aber unecht ist, noch vorhanden. Domitianus. Jahr Christus 92. Klemens. 81 Parteiungcn entstanden waren. Wir wissen, daß dieser Brief in sehr vielen Gemeinden sowohl ehemals, als auch noch zu nnsern Zeiten öffentlich gebraucht wird. Daß aber die Gährung in der Gemeinde zu Koriuth zu der damaligen Zeit stattgefunden hat, davon ist Hegesippus ein glaubwürdiger Zeuge. Siebzehntes H a u p t st ü ck. Von der Verfolgung unter Domitianus. Nachdem Domitianus schon manche Grausamkeit gegen viele begangen, keine geringe Anzahl edler und angesehener Männer zu Rom ohne rechtliches Urtheil hingerichtet, und unzählige andere erlauchte Männer mit Landesverweisung und Verlust ihres Vermögens ungerechter Weise bestraft hatte, so erwies er sich zuletzt in der Feindschaft und der Empörung gegen Gott als einen Nachfolger des Nero. Er war nämlich der zweite, welcher eine Verfolgung gegen uns erregte, obgleich sein Vater Vespasta- nus nichts Feindliches gegen uns unternommen hatte. » - - - Achtzehntes Hauptstück. Von dcm Apostel Johannes und der Offenbarung. In dieser Verfolgung wurde, wie erzählt wird, der Apostel und Evangelist Johannes, welcher damals noch am Leben war, wegen seines Zeugnisses für das göttliche Wort, zum Aufenthalte auf der Insel Patmos(l) verurtheilt. Jrenäus sagt in seinem fünften Buche wider die Ketzereien, wo er von der in der sogenannten Offenbarung Johannis vorkommenden Zahl des Namens des Antichrists redet, von Johannes Folgendes: „Wenn „sein Name zu jetziger Zeit hätte öffentlich bekannt gemacht werden sollen, „so würde es von dem noch geschehen seyn, der auch die Offenbarung geschaut hat. Denn diese ist vor noch nicht gar langer Zeit, sondern beinahe noch in nnsern Tagen geschaut worden, nämlich gegen das Ende der „Negierung des Domitianus." Die Lehre unseres Glanbens strahlte schon zu damaliger Zeit in einem solchen Glänze, daß auch die demselben fremden Schriftsteller (2) es nicht verschmähten, in ihren Geschichtbüchern der Ver- (1) Eine dcr sporadischen Inseln unweit der klcinasiatischcn Küste, ein öder Felsen. Noch zeigt man am Hafen Restia eine Hohle, in welcher Johannes seine Visionen gehabt haben soll und darüber das griechische Kloster Apokalypsis. (2) Von den uns erhaltenen allein Bio Cassius. 6Ü, !4. an welcher Stelle unter Atheismus depcn sie beschuldigt wurde», ohne Zweifel die christliche Religion zu verstehen ist. Eusebius führt aber in seiner Chronik auch einen gewissen Prettins an, welcher berichte, daß unter Domitian viele Christen den Märthrcrtod gestorben seyen. Eusebius Kirchengeschichte. 6 82 Domitianus. Jahr Christus 95. Klemens. folgung und der in derselben stattgefundenen Märtyrthümer Erwähnung zu thun. Sie haben auch die Zeit ganz genau bemerkt. Sie erzählen nämlich, daß im fünfzehnten Jahre des Domitianus nebst sehr vielen andern auch Flavia Domitilla, eine Schwestertochter des Flavius Klemens, (1) eines der damaligen römischen Konsuln, des Bekenntnisses Christi wegen, zur Strafe auf die Insel Pontia (2) verbannt worden sey. Neunzehntes Hanptstück. Wie Domitianus die vom Geschleckte Davids umzubringen befohlen. Nachdem dieser Kaiser den Befehl zur Hinrichtung derer aus dem Geschlechte Davids erlassen hatte, so gaben, einer alten Erzählung zufolge, einige Ketzer die Nachkommen des Juda, welcher ein Bruder des Erlösers dem Fleische nach gewesen seyn soll, an, daß sie von David abstammten und daß sie sich der Verwandtschaft mit Christus selbst rühmten. Dieß erzählt Hegesippus wörtlich, wie folgt. Zwanzigstes Hauptstück. Von den Verwandten unscrs Erlösers. „Noch waren aber von dem Geschlechte des Herrn die Enkel Judä »übrig, der ein Bruder Christi nach dem Fleische genannt wurde. Diese »gaben sie au, daß sie aus dem Geschlecht Davids entsprossen seyen. Ein „Evocatus(Z) führte sie vor den Kaiser Domitianus, welcher die Erscheinung Christi nicht minder fürchtete, als Herodes. Er fragte sie zuerst, „ob sie von David abstammten; sie bejahten dieß. Hierauf fragte er sie, »wie viel Besitzthümer sie hätten oder wie groß ihr Vermögen sey. Beide „entgegneten, sie besäßen nur0000 Denare,(ä) wovon einem jeden von ihnen »die Hälfte gehöre, allein auch diese besäßen sie nicht in baarem Gelde, „sondern im Werths ihres Feldes, das nur in neun und dreißig Hufen befände. Davon bezahlen sie die Abgaben und leben selbst von ihrer Hände (t) Dieser wurde nach Dio Eassius wegen des Ehristcnthums nebst vielen andern gctödtet, andere ihres Vermögens beraubt. Als Vcrbannungsort der Domitilla gibt jedoch dieser Geschichtschrcibcr nicht die Insel Pontia, sondern Pandatcria (jetzt Ventotunc) sudöstlich von Pontia, an. Diese Verschiedenheit und ein Jrrthum entweder des Eusebius oder seiner Abschreiber haben Anlaß gegeben, zwei Domitillcn, Frau und Nichte des Klemens, anzunehmen. (2) Pontia, jetzt Ponza, eine Insel unweit der neapolitanischen Küste, unter den römischen Kaisern nicht selten Vcrbannungsaufcnthalt angesehener Römer. (3) Evocati hießen bei den Römern diejenigen Soldaten, welche ausgedient, aber sich durch Bitten oder Geschenke länger im Dienste zu bleiben hatten bewegen lassen. Sic waren angeschener, als die gewöhnlichen Soldaten und trugen als Auszeichnung, wie die Centurioncn, einen Rebstock. (->) Der Denar war eine römische Silbcrmünze im Werth von etwa 5 Groschen. Donu'tianus. Jahr Christus 96 — 96. Klemens. 83 „Arbeit. Hierauf zeigten sie auch ihre Hände, als einen Beweis, daß sie „selbst arbeiten, ihre harte Haut und die Schwielen, die von der beständigen „Arbeit sich an ihre Hände gesetzt hatten. Auf die Frage nach Christus „und seinem Reiche, von welcher Art es sey und wann und wo es erscheinen „würde, antworteten sie, es sey kein weltliches und irdisches, sondern ein „himmlisches und englisches, das erst in der Vollendung der Zeiten erscheinen werde, wann er in Herrlichkeit kommen würde, zu richten die Lebendinen und die Todten und einem Jeden nach seinen Handlungen zu vergelten. Auf diese Auskunft verurtheilte sie Domitian nicht, sondern verachtete sie als ganz geringe Leute, ließ sie gehen und gab Befehl, die Verfolgung gegen die Kirche einzustellen. Jene hingegen wurden nach ihrer „Lvölassnng Vorsteher verschiedener Gemeinden, weil sie nicht allein Glau- „bcnSzeugen, sondern auch Verwandte Christi waren und lebten nach dem „hierauf erfolgten Frieden bis auf die Zeiten Trajans." So weit die Erzählung des Hegesippus. Indessen auch Tertuiliauus thut des Domitians folgendermaßen Erwähnung: „Domitian der einen guten Theil von Nero's „Grausamkeit besaß, hatte einst dasselbe, was dieser Kaiser zu thun versucht, „allein er ließ, weil er, wie ich glaube, noch etwas Vernunft hatte, bald „wieder davon ab und rief die Verbannten zurück. "(1) Nachdem Domitian IS Jahre geherrscht hatte, so überkam Nerva die Regierung, worauf der Senat nach der Erzählung der damaligen Geschichtschreiber den Beschluß faßte, daß alle Ehrentitel Domitians aufgehoben und alle ungerecht Verbannten zurückkehren und wieder Besitz von ihren Gütern ergreisen sollten. Damals verließ auch, einer alten Ueberlieferung zufolge, der Apostel Johaunes seinen Verbannungsort Patmos und nahm wiederum seinen Aufenthalt zu Ephesus. Einund z;van ^ ig st e s H a u p t st ü ck. Wie Cerdo, als dritter Bischof der Gemeinde zu Alexandrien vorgestanden. Nachdem Nerva etwas über eku Jahr regiert hatte, folgte ihm Trajan auf dem Throu, in dessen erstem Jahr Cerdo H2) der Nachfolger des Abilins wurde, welcher der Kirche von Alexandrien 43 Jahre als Bischof vorgestanden hatte. Dieser Cerdo war nach Annianus, dem ersten Bischof von Alexandrien, der dritte in dieser Stadt. Damals stand noch Klemens der Kirche zu Rom vor, ebenfalls unter denjenigen, welche nach Petrus und Paulus den dortigen Bischofssitz eingenommen halten, der dritte in der Ordnung. Der erste war Linus gewesen und nach ihm AnenkletuS. (1) Der Ucbcrsetzer Tertullians, mag es nun Eusebius selbst oder wer sonst gewesen seyu, hat auch hier sein Original nicht verstanden. Dicß lautet: lortsro-m m Domuiu- nur., Portio iVorunis curUolitatL, se. und den Ori- genes 6, 25. 88 Trajauus. Jahr Christus 98. Klemens, des Täufers Johannes unser Erlöser innerhalb eines Jahres verrichtet hat, aufgeschrieben haben und daß sie dieß selbst im Anfange ihrer Geschichte zu verstehen geben. Wenigstens bemerkt Matthäus nach dem üvtägigen Fasten und der darauf folgenden Versuchung die Zeitrechnung seiner Schrift, wenn er sagt:(1) »Als er hörte, daß Johannes in das Gefängniß geworfen wor- „den, begab er sich von Jndäa nach Galiläa." Eben so sagt auch Markus: (2) »Nachdem Johannes in das Gefängniß geworfen worden, kam Jesus nach „Galiläa," und nicht minder bemerkt auch Lukas die Zeit, wenn er, che er die Geschichte der Thaten Jesu beginnt, sagt:(5) „Zu seinen bösen Thaten „fugte Herodes noch das hinzu, daß er den Johannes gefangen setzte." Da nun deßhalb, wie es heißt, der Apostel Johannes darum ersucht worden seh, so habe er den von den andern Evangelisten mit Stillschweigen übergangenen Zeitraum und die darin liegenden Verrichtungen des Erlösers, d. h. die Begebenheiten vor der Gefangennehmung des TänferS, in seinem Evangelium erzählt. Dieß gebe Johannes zu verstehen, indem er an einer Stelle sage: (4) „Diesen Anfang machte Jesus mit seinen Wundern," an einer andern (5) aber mitten in der Erzählung von Christi Thaten den Täufer anführe, wie er noch zu Aenon nahe bei Salem taufte. Auch spreche er sich deutlich genug darüber ans in den Worten: (6) „Denn Johannes war damals noch nicht in das Gefängniß geworfen." Es erzählt demnach Johannes in seiner evangelischen Geschichte die Thaten Christi, welche dieser verrichtete, als Johannes noch nicht in das Gefängniß geworfen worden war, die übrigen drei Evangelisten aber die Begebenheiten nach der Gefan- gensetznng des Täufers. Wer diesen Umstand im Auge behält, dem werden die verschiedenen Evangelien sich nicht zu widersprechen scheinen, in so fern das Evangelium Johannis die ersten Thaten Christi umfaßt, die übrigen aber seine spätere Geschichte. Natürlicherweise hat nun Johannes die Abstammung unsers Erlösers nach dem Fleische mit Stillschweigen übergangen, da Matthäus und Lukas dieselbe schon vorher berichtet hatten, dagegen aber den Anfang mit der Lehre von der Gottheit Christi gemacht, deren Darstellung ihm als dem vorzüglichcrn von dem göttlichen Geiste aufbehalten war. Dieß mag vom Evangelium Johannis genügen. Was den Markus zur Ab fastung seines Evangeliums bestimmte, haben wir schon oben (7) bemerkt. Lukas aber gibt im Anfange seines Evangeliums selbst den Grund an, der ihn zur Abfassung desselben bewogen habe. Er sagt nämlich, da viele andere ohne allen Berns dazu eine Erzählung von denjenigen Begebenheiten zu liefern gesucht haben, von welchen er vollständige Nachricht hätte, so habe es ihm dringend geschienen, uns von den ungewissen Meinungen dieser an- (1) Matth. 3, 12. (2) Mark, l, 14. (3) Luk. 3, 20. (4) Evangel. Loh. 2, Ii. (5) Evangel. Loh. 3, 23. (6) Evangel. Loh. 3, 24. (7) Man sehe oben 2, 15. Trafanus. Jahr Christus 98. Klemens. 89 dern zu befreien und er habe daher eine gewisse Erzählung von denjenigen Begebenheiten, von deren Wahrheit er sich hinlänglich vergewissert hätte, und bei deren Erkundigung ihm sein Umgang mit Paulus und sein Aufenthalt bei diesem, so wie sein Verkehr mit den übrigen Aposteln sehr zu statten gekommen war, in seinem Evangelium niedergelegt. So weit meine eigene Erzählung hievon; ich werde aber zu seiner Zeit durch Beibringung der Zeugnisse der Alten dasjenige, was auch die andern darüber gesagt haben, an einem schicklichen Ort zu geben suchen. Von den johanueischen Schriften wird neben dem Evangelium der erste Brief sowohl noch jetzt, als auch von den Alten allgemein als echt angenommen , dagegen die andern zwei Widerspruch erfahren. Ueber die Offenbarung aber sind bis jetzt die meisten Ansichten getheilt, indcß wird auch sie aus den Zeugnissen der Alten zur rechten Zeit ihre Beurtheilung finden. /ünsundzwanzigstcs Hanptstuck. Bon den allgemein angenommenen göttlichen Schriften und von denen, welche dieses nicht sind. Da wir indeß auf diesen Gegenstand gerathen sind, so dürfte hier der rechte Ort seyn, die von den Schriften des neuen Testaments bereits oben gegebenen Nachrichten summarisch zu wiederholen. Zuerst musi man daS heilige Vierblatt der Evangelien setzen, auf welches die Geschichte der Apostel folgt, sodann die Briefe des Paulus zu ordnen und an diese schließen sich der erste dem Johannes zugeschriebene Brief, wie auch der erste des Petrus an, nach welchen man dann noch, wenn man es für gut findet, die Offenbarung des Johannes folgen lassen kann, von welcher ich die verschiedenen Ansichten zu gehöriger Zeit beibringen werde. Diese gehören unter die unwidersprochen als echt anerkannten Schriften. Zu den widersprochenen, aber doch von sehr vielen als echt angenommenen gehört der dem Jakobus zugeschriebene Brief des Judas und der zweite Brief Petri und der zweite und dritte Brief, der den Namen des Johannes führt, mögen nun die beiden letztem den Evangelisten oder einen andern Mann gleiches Namens (1) zum Verfasser haben. Unter die unechten muß man die Thaten Pauli, den sogenannten Hirten, und die Offenbarung Petri rechnen, so wie noch den Brief des Barnabas und die sogenannten Lehren der Apostel; auch kann hieher die Offenbarung des Johannes, wenn man will, gesetzt werden, welche, (t) Dieses andern Johannes gedenkt Eusebius unten Hauxtstück .?, 9., wo er auch seine Meinung von der Offenbarung Johannis äußert, nämlich sie möchte wohl von diesem Johannes seyn. Ucbcrhaupt bemerkt man bei Eusebius eine gewisse Furchtsamkeit und Zurückhaltung, so oft er von diesem Buche redet; er läßt entweder andere davon reden und bringt recht gcsligcntlich es allenthalben an, daß viele sie verwürfen oder, wenn er selbst reden muß, so entscheidet er niemals, sondern überläßt andern die freie Wahl, woraus erhellt, daß das Buch bei manchen muß in großem Ansehen gewesen seyn und eifrige Liebhaber gehabt haben, denen Eusebius durch seine offenbare Verwerfung des Buchs keinen Anstoß geben wollte. Stroth. 90 Trujanus. Jahr Christus 93. Klemens, wie ich scheu bemerkt habe, einige verwerfen, andere unter die allgemein anerkannten Bücher setzen. Unter diese Klasse haben einige auch das Evangelium der Hebräer(l) gezählt, dessen sich diejenigen, die aus dem Judenthum herübergetreten sind, vorzüglich bedienen. Diese alle mögen unter die widersprochenen Schriften gerechnet werden. Indessen haben wir es doch für nvthig erachtet, auch von diesen ein Verzeichniß zu geben und nach der kirchlichen Ueberliefernng mehrere echte und allgemein angenommene Schriften von denen zu unterscheiden, die zwar nicht im Kanon mitbegriffen sind, sondern gegen welche Bedenktichkeiten vorwalten, welche aber dennoch von den meisten Kirchenlehrern anerkannt sind, damit man sowohl diese, als auch diejenigen kennen möge, welche unter dem Namen von Aposteln von den Ketzern ans Licht gebracht worden sind. Von dieser letztern Art sind die Evangelien des Petrus, des Thomas, des Matthias uud noch einiger andern, so wie die Thaten des Andreas, Johannes und der übrigen Apostel. Diese sind nie auch nur von Einem rechtgläubigen Kirchenlehrer von den ältesten Zeiten an der Anführung in seinen Schriften gewürdigt worden. Es weicht darin nicht bloß die ganze Art der Darstellung von der apostolischen Schreibart ab, sondern auch die Gedanken und die in denselben aufgestellten Grundsätze entfernen sich so sehr von der wahren Orthodoxie, daß sie sich deutlich genug als Ausgeburten ketzerischer Leute darstellen, wcßhalb man sie nicht einmal den unechten Schriften beizählen darf, sondern als gottloses, aberwitziges Zeug durchaus verwerfen muß. Gehen wir nun zu dem Verfolg unserer Geschichte über. S'echsundzwanzigkes HaupL^ück. Von dem Betrüger Mcnander. Auf Simon den Magier folgte Menander, der sich in seinem Verhalten als das zweite, nicht minder denn das erste, wirksame Werkzeug der teuflischen Kraft bewies. Auch dieser war ein Samariter und hatte es in magischen Künsten, gleich seinem Lehrer, aufs Höchste gebracht, besaß aber einen noch reichlicheren Vorrath von abenteuerlichen Erdichtungen, als Simon. Er behauptet nämlich, er selbst sey der Erlöser, der zum Heile der Menschen aus dem unsichtbaren Aeonenreiche (2) herabgesandt worden sey und lehrte, (1) Won diesem in hebräischer Sprache verfaßten, aber von Hieronymus in das Griechische und Lateinische übersetzten Evangelium der Hebräer (oder auch Evangelium der zwölf Apostel) finden sich die meisten und sichersten Spuren imAltcrthum. Es war mit Matthäus wesentlich verwandt, jedoch durch Ausätze und Auslassungen entstellt und nach Hauptst. 27 vorzüglich bei den Ebioniten im Gebrauche. Eigentlich sollte es heißen das Evangelium pach den Hebräern (d. h. wie es sich unter den Hebräern gestaltet hat), ich habe es aber nach der Analogie übersetzt, wie man sagt das Evangelium Matthäi?c. (2) Die Aconen waren nach den Gnostikern geistige Naturen, welche die Gottheit in der Fülle aus ihren Wesen erzeugte, zwar noch vollkommen, aber minder vortrefflich als die Gottheit; von diesem strömten wieder andere, aber minder vollkommene Wesen aus, und so dachte» sie sich eine lange Emanationsrcihe von immer weniger vollkommeneren Geistern fort, von welchen sie einen oder auch mehrere als Schöpfer der Welt annahmen. Trajanus. Jahr Christus 98. Klemens. VI eö könne sonst Niemand über die weltschöpferischen Engel Macht erhalten, er habe denn vorher die magische Schnle bei ihm durchgemacht und sey der Taufe durch ihn theilhaftig geworden. Wer dieser gewürdigt worden, der werde schon in diesem Leben an einer beständigen Unsterblichkeit Theil nehmen und niemalen sterben, sondern hier bleiben und, ohne zu altern, fortleben. Diese Behauptungen kann man auch bei Irenaus (1) lesen. Auch JustinuS führt in der Stelle, wo er von Simon spricht, den Meuander also an: „Wir wissen, daß ein gewisser Meuander, der ebenfalls ein Samariter aus „dem Flecken Kaparatäa' war, ein Schüler des Simon gewesen ist, daß derselbe auch, von den Dämonen getrieben, nach Antiochien gekommen ist und „viele durch seine magischen Künste verführt und auch seine Anhänger beredet „hat, daß sie nicht sterben würden. Und auch noch jetzt gibt es welche von ihnen, die dieses behaupten.« Dieß war doch ein rechter Kunstgriff des Teufels, daß er durch solche Betrüger, welche den Namen Christen sich beilegten, das große Geheimniß der Gottseligkeit unter dem Namen der Magie zu verlästern und durch dieselben dre.kirchlichen Lehren von der Unsterblichkeit der Seele und von der Auferstehung der Todten lächerlich zu machen suchte. Jn- deß Leute, welche solche Heilande sich erwählt haben, gehen der wahren Hoffnung des Heils verlustig. S'iebenundzwanzig stes H aupt stück. Von der Ketzerei der Ebionäcr. Da der böse Geist andern ihre Anhänglichkeit an Christus, den Sohn Gottes, nicht ganz zu entreißen vermochte, so machte er sie sich dadurch zu eigen, daß er andere schwache Seiten bei ihnen auffand. Die Alten nannten diese mit einem eigenen Namen Ebionäer, weil sie geringe und armselige Vorstellungen von Christus hatten. (2) Sie hielten ihn nämlich für einen bloßen, gewöhnlichen Menschen, der nur wegen seiner sittlichen Vollkommenheit für gerecht erklärt worden, übrigens die Frucht des Umganges eines Mannes mit der Maria sey. Ihrer Ansicht nach war die Beobachtung des Gesetzes durchaus nothwendig, weil man nicht allein durch den bloßen Glauben an Christus und durch die Einrichtung des Lebenswandels nach seiner Lehre die Seligkeit erlangen könne. Andere gleiches Namens ver- mieoen zwar die aberwitzige Ungereimtheit, die Geburt des .Herrn von einer (1) Was Eusebius vorher von ihm gesagt hatte, ist auch alles, was Irenaus von ihm sagt. Die Stelle steht 1,2!. wider die Ketzer. Stroth. (2) Man hat noch andere Erklärungen des Namens Ebionäcr oder Ebionitc». Nach ihrem eigenen Vorgeben stammten sie von denjenigen Christen ab, welche ihr ganzes Vermögen zu den Füßen der Apostel niedergelegt hätten und dadurch in Arinuth gerathen wären. Gicscler nimmt an, die ungläubigen Juden hätten ihnen diesen Namen aus Verachtung und zur Beschimpfung beigelegt. Lächerlich und nur aus dem den alten christlichen Lehrern eigentümlichen Bemühen, alle wirklichen oder vermeintlichen Sekten in der christlichen Kirche, wie z. B. die Rikolaiten, auf einen namentlichen Stifter zurückzuführen, entstanden ist die schon bei Llertullian sich sindende Ableitung von einem gewissen Ebion. 92 Trajmms. Jahr Christus 98. Klemens. Jungfrau und dem heiligen Geiste zu leugnen, geben aber deuuvch auch nicht zu, daß er vorher existirt habe, daß er der Logos Gott und die persönliche Weisheit sey und hegten somit dieselbe falsche Ansicht, wie die erstem, besonders da auch sie auf dieselbe Art, wie jene, den fleischlichen Ceremouien des Gesetzes nachzukommen sich bestrebten. Sie behaupteten, mau müsse alle Briefe Pauli, den sie einen Abtrünnigen vom Gesetze nannten, verwerfen und bedienten sich bloß des sogenannten Evangeliums der Hebräer, ohne den andern einen großen Werth beizulegen. Den Sabbath und die übrige jüdische Lebensweise (1) behielten sie, wie jene, bei, doch feierten sie den Sonntag auf dieselbe Weise, wie wir, zur Erinnerung an die Auferstehung Jesu. Ein solches Betragen war die Ursache, daß sie den Beinamen Ebinonäer erhielten, welcher die Dürftigkeit ihrer Erkenntniß anzeigt. So heißt nämlich ein Dürftiger auf hebräisch. Achtundjwanzigstes Hauptstück. Von dem Erzkctzer CerinthuS. Um diese Zelt soll auch der Stifter einer andern Sekte, CerinthuS, aufgetreten seyn. Kajus, von welchem ich schon früher (2) eine Stelle angeführt habe, schreibt in seiner Disputation Folgendes von ihm: „Aber auch Cerin- „thus, der in Offenbarungen, (Z) als von einem großen Apostel geschrieben, „uns Wunderanschauungen vorfabelt, die ihm von Engeln gezeigt worden „seyen, lehrt, daß nach der Auferstehung ein irdisches Reich Christi anfälligen und daß die Menschen in dieser neuen Staatsverfassung zu Jerusalem „wiederum sich den Gelüsten und Vergnügungen überlassen werden und als „ein Feind der göttlichen Schriften behauptet er in verführerischer Absicht, „daß ein Zeitraum von 1000 Jahren in Hochzeitfreuden verfließen werde." (ä) (t) Ihr Judaismus bestand hauptsächlich in diesen beiden Stucken, in der Beobachtung des Sabbaths und in der Beschncidung, bei welcher letzter» sie sich jedoch aus das Beispiel Christi beriefen, als der auch beschnitten worden. Ucberdem bedienten sie sich noch einer täglichen Taufe. Stroth. (2) Siehe oben 2, 25. (3) Man hat hier den Ccrinth als den Verfasser der sogenannten Offenbarung Johannis finden wollen, allein siehe dagegen Hugs Einleitung zweiter Band, Seite 594 ff., wo er unter Anderem sagt, unsere Stelle scheine sogar anzuzeigen, daß nicht die Offenbarung Johannis gemeint sey. Denn — fährt Hug fort — das tausendjährige Reich in finnlichen Freuden, welches er listigerweise aus Feindschaft gegen die heiligen Schriften erdacht hat, deutet auf einen Aufsatz, der als ein Gegenstück unserer Apokalypse entworfen war. Wenn er nämlich ein sinnliches tausendjähriges Reich boshaft gegen die heiligen Schriften erdichtete, so kann diese Entgegensetzung nur die johannische Offenbarung treffen, welche allein eine Zahl von 1000 Jahren den Abgeschiedenen zu ihrer Herrschaft mit Christus zugemegen hat, 20, 4. 5. (4) Wenn wir von dem Systeme des CerinthuS nur diese Nachricht von Kajus hätten, so würde er uns als ein höchst fleischlich gesinnter Judenchrist erscheinen, allein Irenaus macht ihn zu einem Gnostiker, was aus dem in der Anmerkung aus seinem Systeme Mit- getheilten erhellt. Der schärfste Gegensatz — sagt Rcander in seiner Kirchcngcschichtc (erster Band, zweite Abthcilung, Seite 672 ff.) — zwischen den Berichten über Cerinths Lehren scheint darin zu liegen, wenn Irenaus ihn zu einem vollständigen Gnostiker macht und von der ander» Seite der Presbyter Kajus zu Rom, welcher am Ende des zweiten Jahrhunderts schrieb, und der Bischof Dionysius von Alexandria nach der Mitte des dritten Trajanus. Jahr Christus 98. Klemens. 93 Auch Dionysius, der zu unserer Zeit die bischöfliche Würde zu Alexandrien bekleidet hat, erwähnt im zweiten Buche seiner Schrift: Bon den Verheißungen, wo er Einiges über die Offenbarung Johannis als aus alter Ueberlieferung anführt, desselben Mannes mit folgenden Worten: „Cerinthus, der die nach ihm benannte cerinthische Sekte gestiftet, habe seiner „Ausgeburt einen gewichtigen Namen vorsetzen wollen. Denn dieß sep der „Hauptsatz seines Systemes gewesen, das Reich Christi werde ein irdisches „seyn. Und er habe geträumt, dasselbe werde in solchen Genüssen bestehen, „wornach er selbst als ein ganz sinnlicher, fleischlich gesinnter Mensch be- „zehrte, nämlich in Befriedigung des Bauches und der thierischen Triebe, „d. h. Essen, Trinken und Hochzeitfreuden und in Festen, Opfern und Opfer- „mahlzeiten, durch welche Ausdrücke er jenes beschönigen zu können glaubte." So weit Dionysius. Jrenäus führt noch einige andere geheime Irrlehren von ihm in dem ersten Buche gegen die Ketzereien an(1) und erzählt sodann im dritten Buche eine der Aufbewahrung würdige Geschichte von ihm, welche er seiner Aussage nach dem Polykarpus verdankte. Der Apostel Johannes sey nämlich einstmals in eine Badestube gekommen, um sich zu baden, aber sobald er bemerkte, daß Cerinthus innen sich befinde, sey er zurückgesprungen und zur Thüre hinausgeeilt, ohne es über sich gewinnen zu können, mit ihm nur unter Einem Dache zu bleiben. Eben dasselbe habe er auch seinen Begleitern gerathen und ihnen zugerufen: Laßt uns fliehen! die Badeftube möchte einfallen, da Cerinthus, der Feind der Wahrheit, darinnen ist. (2) Jahrhunderts ihm einen grobsinnlichen, ganz die Farbe des fleischlichen Judaismus an sich tragenden Chiliasmus zuschriebein Aber wir können wohl beide Darstellungen einander näher bringen, wenn wir von jeder etwas abzuziehen berechtigt sind. Dem Irenaus konnte es leicht geschehen, daß, wo er einige dcm Gnosticismus verwandte Sätze fand, er ein ganzes gnostischcs System daraus machte. Dem heftigen Gegner des Chiliasmus, dem Presbyter Kajus, war alles willkommen, was den Chiliasmus von einer nachtheiligen Seite erscheinen zu lassen dienen konnte, und gewiß war er nicht geneigt, die Ausdrücke eines verhaßten Systems auf das Mildeste zu deuten, um so mehr, wenn diese Ausdrücke von einem an jüdischorientalische Bildersprache nicht Gewöhnten leicht mißverstanden werden konnten. Fcrnerwar es natürlich, daß Jrenäus, nach dessen Ueberzeugung der Chiliasmus zur Vollständigkeit der Orthodoxie gehörte, eine solche Ansicht nicht unter den cigenthümlichen Meinungen des verhaßten Gnostikers anführte. (4) Hier ist das ganze 25ste Kapitel aus dem ersten Buche des Jrenäus: „Ein gewisser Cerinthus in Asien lchrk, die Welt sey nicht von der obersten Gottheit gemacht „worden, sondern von einer genügen besondren Kraft, die von dem obersten Hauptwesen sehr „verschieden sey und zwar wider Wissen des Gottes über Alles. Bon Jesu aber behauptet er, „daß er nicht von einer Jungfrau geboren sey (denn dieß schien ihm unmöglich zu sey»), sondern er sey ein Sohn des Joseph und der Maria gewesen, wie alle andere Menschen; er „hätte aber an Gerechtigkeit, Einsicht und Weisheit alle übertreffen und da sey nach der „Taufe Christus in Gestalt einer Taube von dem obersten Hauptwesen herab in ihn gefahren, da habe er seinen unbekannten Vater gepredigt und Wunder gcthan, zuletzt sey aber „Christus von Jesu wieder weggeflogen und da habe Jesus gelitten und sey hernach wieder „auferstanden. Christus aber, weil er ein Geist gewesen, hätte nicht mit ihm gelitten." Stroth. (2) Dieselbe Erzählung bringt Eusebius wieder 4, s4. Hieronymus weiß noch weiter: nämlich die Badcstube sey wirklich eingefallen und habe den Cerinthus erschlagen. t)-1 Trafcnnls. Jahr Christus 98. Klemens. N e u n n n d 5 w a n 5 ig st e s Sauptstü ck. Von Nikolaus und der nach ihm genannten Sekte. Üm eben diese Zeit entstand auch die sogenannte Sekte der Nikolaiten, (1) welcher auch die Offenbarung Johannis (2) erwähnt, war aber nur von sehr kurzer Dauer. Sie rühmten als Stifter ihrer Sekte den Nikolaus, einen der mit Stephanus von den Aposteln zur Pflege der Dürftigen verordneten Diakonen. (5) Klemens von Alexandriens) erzählt im dritten Buche seiner Vermischten Abhandlungen wörtlich Folgendes von ihm: „Dieser Nikolaus hatte, wie man sagt, eine schone Frau, und da ihm „nach der Himmelfahrt unseres Erlösers von den Aposteln Eifersucht vorgeworfen wurde, so führte er sie vor die ganze Versammlung und stellte „jedem, der Luft dazu habe, frei, sie zu Heirathen. Denn, sagt man, diese „Handlungsweise stimme mit seinem Grundsatze, man müsse das Fleisch „mißbrauchen, überein. Allein seine Anhänger sind dieser Handlungsweise «und diesem Ausspruche blindlings und ohne alle Ueberlegung gefolgt und „befriedigen ihre schnöden Lüste ans eine schamlose Weise. Ich habe aber „gehört, daß Nikolaus selbst immer mit seiner Frau sich begnügt habe und „daß von seinen Kindern die Töchter als Jungfrauen alt geworden und sein „Sohn von Ausschweifungen rein geblieben. Wenn dieß sich so verhält, so „war die Vorführung seiner von ihm eifersüchtig geliebten Frau vor die „Versammlung dcrApostel ein Beweis der abgelegten Leidenschaft und seiner „Selbstbeherrschung in Betreff der leidenschaftlich gesuchten Genüsse, was „er unter dem Satze, man müsse das Fleisch mißbrauchen, verstand. Denn „er wollte, wie ich glaube, nach dem Gebote des Erlösers nicht zween Herrn „dienen, der Wollust und dem Herrn. Auch Matthias soll dasselbe gelehrt „haben, man müsse mit dem Fleische kämpfen und dasselbe mißbrauchen, „dadurch, daß man ihm bei keinem Triebe zur sinnlichen Luft nachgebe, son- „dern vielmehr die Seele durch Glauben und Erkenntnis? wachsen lasse." (1) Man hat viel darüber gestritten, ob es wirklich eine Sekte dieses Ramens gegeben habe oder nicht. Das Wahrscheinlichste möchte seyn, daß der Name Nikolaite von dem Verfasser der Offenbarung gewählt wurde, um überhaupt solche Leute zu bezeichnen, welche die Christen zur Thcilnahmc an den Opsermahlzciten und den damit verbundenen Ausschweifungen verleiteten, wie einst Bilcam die Israeliten, und daß der Name Nikolaite eine Uebersetzung des Wortes Bileamitc sex. Eine abgesonderte und abgeschlossene Partei meinte er wohl nicht. Da aber außer Klemens auch Irenaus von den Nikolaiten als einer zu seiner Zeit bestehenden Sekte redet, welche fälschlich den in der Apostelgeschichte erwähnten Diakonus> Nikolaus als ihren Stifter vorgab und den Grundsatz befolgte, man müsse das Fleisch mißbrauchen, d. h. sich dadurch über dasselbe erheben, daß man es durch die Hingebung an die Lust durch sich selbst vernichte, so ist die Bermuthung von Neandcr sehr wahrscheinlich, daß der Name in der Offenbarung die spätere Sekte veranlaßt habe, sich nach dem Nikolaus zu nennen, der in der Apostelgeschichte vorkommt, indem sie es als eine antijüdische Sekte als eine Auszeichnung ansahen, schon von dem judaisircnden Apostel Johannes bekämpft zu seyn (2) Offenb. 2, 6. 14. 15. (3) Apostclgesch. 6, 5. l4) Wörtlich führt diese Schrift des Klemens den Titel: Tapeten, d. h. eine mit mannigfaltiger Kunst und Gelehrsamkeit ausgeschmückte Arbeit. Trajanus. Jahr Christus 38. Klemens. S5 Dieß mag für jetzt genug seyn von denjenigen, welche um die angegebenen Zeiten die Wahrheit zu verfälschen gesucht haben, aber schneller als ein Hauch gänzlich verschwunden sind. Dreißig st es Hauptßück. Von den Aposteln, welche im Ehestände gelebt. Eben dieser Klemens, dessen Worte wir so eben angeführt haben, rechnet gleich darauf um derer willen, welche die Ehe verwarfen, diejenigen Apostel her, welche im Ehestande gelebt haben. »Oder werden sie auch die »Apostel verwerfen? Denn Petrus und Philippus haben Kinder gezeugt; »ja, Philippus hat auch seine Töchter wieder verheirathet. Auch PauluS »trägt kein Bedenken, in einem seiner Briefe hl.) seine Gattin zu grüßen, »welche er, um seinem Dienste leichter nachzukommen, nicht mit sich herum- „führen konnte." Da wir aber einmal auf diesen Gegenstand gerathen sind, so dürfte es nicht unangenehm seyn, auch eine andere erzählenswerthe Geschichte aus eben demselben Klemens hier anzuführen, welche er im siebenten Buche seiner Vermischten Gedanken folgendermaßen erzählt. »Man sagt, als der selige Petrus seine Gattin zum Tode führen gesthen, »habe er sich darüber sehr gefreut wegen ihrer Berufung zu Gott und wegen »ihre« Hiugehens in die Heimath, sodann habe er ihr mit Nennung ihres »Namens ermuthigend und tröstend zugerufen: Meine Liebe, gedenke des »Herrn! So war die Ehe der Heiligen beschaffen, so vortrefflich war die Geusinnung der durch die innigste Liebe mit einander Verbundenen." Diese unserem Gegenstände angemessene Erzählung glasen wir am rechten Orte angebracht zu haben. Einunddreißig stes H a upt st ü ck. Von dcm Tode des Johannes und Philippus. Von Paulus und Petrus haben wir bereits die Zeit und die Art und Weise ihres Todes, so wie den Begräbüißort ihrer irdischen Hülle angegeben. (2) Von Johannes aber haben wir gewissermaßen schon die Zeit bemerkt, (Z) die Ruhestätte seiner irdischen Hülle dagegen lernen wir aus einem Briefe des Polykrates, Bischofs der Gemeinde zu Ephesus, an Viktor, den Bischof von Nom,(ä) kennen. Er erwähnt in demselben zugleich des Johannes und des Apostels Philippus, so wie auch der Töchter des (t) Klemens muß hier einen verlorenen unechte» Brief des Paulus in Gedanken habe», denn in seinen echten Briefen, die wir haben, steht nichts davon; vielmehr sagt er 1 Kor. 7, 8. gerade das Gcgenthcil, nämlich, daß er unverhcirathet sep. Stroth. Vielleicht veranlaßtcn aber auch mißverstandene Stellen der paulinischc» Briefe, wie Philip. 4, Z. und l Korinth. 9, 5. die Annahme, daß PauluS verheirathet gewesen scv. (2) Oben 2, 25. (Z) Nämlich daß Johannes bis an die Zeiten Trojans gelebt. (4) Derselbe Brief ist citirt 5, 24. i)6 Trajanus. I. Chr. 98. Klemens^sJ. Chr. 102 nach Hieronylnus). letzrern auf folgende Weise: „Denn auch in Asien ruhen große Lichter, welche „auferstehen werden am letzten Tage der Erscheinung des Herrn, an dem er „mit Herrlichkeit kommen und alle Heiligen aufsuchen wird, nämlich Philippus, einer der zwölf Apostel, der in Hierapolis den Grabesschlummer „ruht, und zwei seiner Tochter, die als Jungfrauen alt geworden, so wie eine „dritte Tochter von ihm, die einen Wandel im heiligen Geiste geführt und „in Ephesns begraben liegt, sodann auch Johannes, der an der Brust des „Herrn gelegen, welcher war ein Priester desHerrn und das Stirnbandschild ,,trug,(1) der Glanbenszenge und Lehrer. Dieser ruht zu Ephesns.« So weit von dem Tode dieser Männer. Auch in dem so eben erwähnten Gespräche des Kajus äußert sich Proklns, gegen welchen die Untersuchung gerichtet ist, in Uebereinsiimmnng mit dem Angeführten über den Tod des Philippus und seine Töchter also: „Nach diesem waren in Hierapolis in „Asien vier Prophetinnen, die Töchter des Philippus. Ihr und ihres Napsters Grab befindet noch sich daselbst." So weit dieser. Auch Lukas in der Apostelgeschichte (2) gedenkt der Töchter des Philippus, welche sich mit ihrem Vater zu Cäsarea in Jndäa aufhielten und der Gabe der Weissagung gewürdigt waren. Seine Worte kanten also: „Wir kamen nach Cäsarea und „gingen in das Haus des Evangelisten Philippus, der einer von den sieben „war (Z) und blieben bei ihm. Dieser hatte vier unverheirathete Töchter, „welche weissagten.« Nachdem wir nun alle zu unserer Kenntniß gelangten Nachrichten von den Aposteln, den apostolischen Zeiten und von den von ihnen hintcrlassenen heiligen Schriften, so wie von den widersprochenen, aber doch in den meisten Kirchen von vielen öffentlich gebrauchten und von den völlig unechten und der apostolischen Nechlglänbigkeit widersprechenden in dem Bisherigen zusammengefaßt haben, so wollen wir in dem Verfolge unserer Geschichte weiter fortschreiten. Iweiuudd reißig st es Haupt stück. Wie Spmeon, Bischof von Je'usalcm, den Märtprcrtod erlitten. Nach Nero und Domilianus soll unter dem Kaiser, dessen Zeiten wir jetzt durchgehen, hin und wieder in einigen Städten, wo das Volk sich gegen sie erhob, (st) eine Verfolgung der Christen stattgefunden und Symeon, - Trajanus. I. Chr. SS (102). Klemens (I. Chr. 103 nach der Chronik des Eusebius). ^ >, , , (1> Was es mit dieser Pricstcrschaft und dem Bruftzchildc für eine Bcwandmß habe, läßt sich nicht angeben. Epiphanius sagt ein Gleiches von Jakobus. Augusti vermuthct, daß die christlichen Lehrer schon damals sich in ihrem Acußern ausgezeichnet haben. (2) Apostclgcsch. 21, 8. 9. (Z) Nämlich von den sieben Diakonen, die von den Aposteln nach Apostelgeschichte 6. erwählt wurden. Man muß hier merken, daß sowohl in diesem Kapitel, als vorher in der Erzählung des Klemens, dieser Diakonus Philippus beständig mit dem Apostel gleiches Namens verwechselt wird. Von diesem letzter» hat man keine Nachricht, daß er Tochter gehabt habe, wohl aber von dem erster». Stroth. (4) Im eilsten Hauptstück dieses Buchs. Trajanus. I. Chr. 08 (102 — 108). Klemens. V7 der Sohn des Klopas, den wir als den zweiten Bischof der Gemeinde zn Jerusalem angeführt, (1) in derselben den Märtyrertod erlitten haben. Gewährsmann auch davon ist derselbe Hegcsippus, den ich schon früher bei verschiedenen Gelegenheiten angeführt habe. Dieser bemerkt in einer Stelle, wo er von einigen Ketzern spricht, daß der erwähnte Symeon von diesen damals angeklagt worden sey, daß er als ein Christ verschiedenartige Martern viele Tage lang ertragen, den Nichter und seine Leute in das höchste Erstannen versetzt und endlich einen ähnlichen Tod, wie unser Herr, erlitten habe. Indessen ist es das Beste, wir hören die eigenen Worte des Gcschichtschreibers. „Von diesen Ketzern klagten einige den Symeon, „den Sohn des Klopas, an, daß er ein Nachkomme Davids und ein Christ »sey. Und so wurde er ein Märtyrer in einem Alter von 120 Jahren, als »Trajanus Kaiser und Attikus Legat (2) war." Derselbe Schriftsteller erzählt auch, daß, als damals die von königlichem Geschlecht unter den Inden aufgesucht wurden, seine Ankläger selbst als demselben angehörig wären erfunden worden. Man dürste wohl auch nicht mit Unrecht diesen Symeon noch für einen von denjenigen halten, welche den Herrn selbst gesehen und gehört haben, wobei die Länge seiner Lebenszeit und der Umstand, daß die evangelische Geschichte der Maria, des Klopas Tochter, als dessen Sohn wir den Symeon oben angeführt haben, gedenkt, zum Beweise dienen mochten. Eben dieser Schriftsteller berichtet auch, daß noch andere von dem Geschlechte eines von den sogenannten Brüdern unseres Erlösers, welcher Judas hicß, nach der oben erwähnten Ablegung ihres Zeugnisses (Z) für den Glanben an Christus vor dem Kaiser Domitianus, bis auf die Regierung des Trajanus am Leben gewesen sind. DeS Hegesippns Worte sind folgende: „Sie kamen also und standen der ganzen Kirche vor als Glau» „benszengen und Verwandte des Herrn. Und da die ganze Kirche eines »tiefen Friedens genoß, so blieben sie bis zur Zeit des Kaisers Trajanus, »bis der vorgenannte Symeon, ein Sohn des Klopas, des Oheims unseres »Herrn, von den Ketzern auf die gleiche Weise fälschlich angegeben und auch »eben deswegen vor dem Legaten Attikus angeklagt wurde. Symeon „wurde viele Tage lang gemartert und blieb standhaft bei seinem Glanben, «so daß sich der Legat und alle andern verwunderten, wie ein Greis von „120 Jahren dieß aushalten könne. Endlich wurde der Befehl gegeben, ihn „zu kreuzigen." Nach diesem setzt derselbe Geschichtschreiber, indem er die Vorfallenheiten der damaligen Zeit erzählt, noch hiezu, daß die Kirche (4) (t) Mehr als einmal ergingen Verfolgungen über die Christen weniger von Seiten der römischen Obrigkeiten, als von Seiten des Volks, welches eincsthcils die Christen als Gottesleugner und Verächter der vaterländischen Götter betrachtend, andernrhcils von Priestern, Handwerkern und andern, denen der Göttcrdienst Gewinn brachte, so wie von Goetcn, welche ihre Gaukeleien durch Christen blosgcstellt sahen, aufgereizt, sie zu Opfern seiner Wuty machte. (2) Nämlich in Syrien. (ii) Oben, ehauptstück 20 dieses Buchs. (4) Nach 4ft 22. sagt dieß Hegesippus eigentlich nur von der Kirche zu Jerusalem, nicht von der Kirche überhaupt. Eusebius Kirchcngeschichtc. 7 98 Trajanus. Jahr Christus 98. (108). Klemens. vis auf die damalige Zeit eine reine, unbefleckte Jungfrau geblieben sey, indem, wenn es überhaupt solche gegeben habe, welche die reine Lehre der beseeligenden Predigt verfälschen wollten, dieß bis dahin in dunkler Finsternis; sich verborgen gehalten hätten. Nachdem aber der heilige Verein der Apostel ein verschiedenes Lebensende genommen hatte und daS Menschenalter, welches die göttliche Weisheit mit eigenen Ohren zu hören gewürdigt worden, ganz ausgestorben war, da nahm erst die Verschwörung des gottvergessenen JrrthumS durch die Verführung der falschen Lehrer ihren Anfang. Diese unterfingen sich, weil kein Apostel mehr am Leben war, mit freier Stirn die fälschlich sogenannte Erkenntnis; der Predigt der Wahrheit entgegen zu verkünden. So schreibt Hegesippus hievon; wir aber wollen fem zu dem weitern Verlans nnserer Geschichte fortgehen.(1) Dreiunddreißigstes Hauptstück. Wie Trajanus die Christen aufzusuchen verboten. Damals wurde an mehreren Orten eine so heftige Verfolgung gegen uns verhängt, daß Plinus Secundus, einer der berühmtesten römischen Statt- Halter, (2) durch die Menge der Märtyrer sich bewogen fand, einen Bericht(Z) (t) Dieser Satz fehlt in mehreren Handschriften, und ist wahrscheinlich von einem Abschreiber hinzugesetzt, der das unmittelbar Vorhergehende für Worte des Hegesippus hielt, was aber, wie aus 4, 22 erhellt, keineswegs der Fall ist. (2) Er war Statthalter in der klcinasiatischcn Landschaft Bithynien und verfaßte sein die Christen betreffendes Schreiben im I. 104 oder nach anderer Meinung im I. ttl. 0?) I» Betracht, daß vielleicht manche Leser der euscbianischen Kirchengcschichte die vollständige Mittheilung des noch vorhandenen Briefes des Plinius und der Antwort des Trajanus auf denselben nicht uninteressant finden dürften, so wie daß Eusebius oder wer sonst den Tertullianus in der Apologie übersetzt hat, den Sinn des Originals verfehlt hat, folgt er hier nebst der Antwort des Kaisers Trajanus, in möglichst treuer Uebersetzung von Augustii Bericht des Plinius an den Kaiser Trajanus. „Ich bin gewohnt, mein Gebieter, in allen zweifelhaften Fällen Bericht an dich zu „erstatten. Denn wer könnte meine Ungewißheit scunctatiuneui rvAere) besser leiten oder „meine Unkunde berichtigen, als Du? Den Untersuchungen gegen die Christen sco^nitinnidus „üo Cluisiiauis) habe ich niemals beigewohnt; daher weiß ich nicht, woraus und wie weit „sich die Strafe, oder die Untersuchung erstrecke. Auch bin ich nicht wenig darüber in „Ungewißheit: ob man einen Unterschied des Alters macht, und ob nicht die Schwächeren „etwa anders behandelt werden als die Stärkeren; ferner: ob man der Reue Verzeihung „angcdeihen lasse, oder ob es dem, der zwar ein Christ gewesen, aber es zu seyn ausgehört, „dieß nicht zu gut gerechnet werde; endlich: ob der bloße Name, auch wenn er von Vcr- „brechcn frei ist, oder die mit dem Namen zusammenhängenden Verbrechen bestraft werden? „Indeß beobachtete ich bei denjenigen, welche mir als Christen angegeben wurden, folgcn- „des Verfahren: Ich legte ihnen die Frage vor: Ob sie Christen wären? Wenn „sie dieß bekannten, so legte ich ihnen diese Frage zum zweiten und drittenmale vor, unter „Androhung von Lcbcnsstrafe. Wenn sie auch noch jetzt dabei bcharrtcn, so gab ich Be- „fehl, sie abzuführen. Denn ich trug kein Bedenken, daß, was sie auch bekennen möchten, „wenigstens ihr Eigensinn und ihre unbiegsamc Hartnäckigkeit bestraft werden müjje. Andere „von ähnlicher Thorheit ssimilw.uneutiw) habe ich, da sie römische Bürger waren, aufge- „zeichnet, um sie nach der Hauptstadt zu senden. Während der Untersuchung selbst, da „sich, wie zu geschehen pflegt, das Verbrechen weiter ausbreitete, kamen mehrere „Fälle (phwos spocieo) vor. Es wurde mir eine Klagschrift, deren Verfasser sich nicht „genannt hatte, vorgelegt; sie enthielt die Namen vieler, welche läugncten, daß sie ^Christen „wären oder gewesen wären. Sie riefen, wie ich es ihnen vorsagte, (prwounte mo) die „Götter an, und verehrten Dein Bild, welches ich zu diesem Behufc zugleich mit den Trajanus. Jahr Christus 98. (108). Klemens. 99 von der Menge der des Glaubens wegen Hingerichteten an den Kaiser abzufassen. Er bemerkt aber zugleich in demselben, er habe nicht gefunden, daß sie etwas Gottloses oder Gesetzwidriges verübten, ausser daß sie in der Morgenstunde sich versammelten und Christum gleich einen Gott mit Liedern priesen. (1) Ehebruch hingegen, Mord und andere Verbrechen dieser Art sehen auch bei ihnen verdammt und sie lebten in altem den Gesetzen gemäß. Auf diesen Bericht verordnete Trajanus, man solle zwar keine Nachforschungen gegen die Christen anstellen, wenn sie aber vor Gericht gebracht wür- „Götterbildcrn hatte hcrbeibringcn lassen, durch Weihrauch und Wein; überdicß verwünschten sie Christus, wozu doch, wie man sagt, die wahren Christen sich „nicht zwingen lassen. Ich glaubte also, sie entlassen zu dürfen. Andere vom Angeber „namentlich Bezeichnete sagten zwar, daß sie Christen wären, leugneten es aber bald darauf „wieder; sie wären es zwar gewesen, hätten aber aufgehört, es zu scyn, einige vor drei, „andere vor mehreren Jahre», einer sogar schon vor 20 Jahren. Alle beteten Dein Bild „und die-Bilder der Götter an; auch verwünschten sie Christus. Sic bcthcuertcn: ihre „ganze Schuld, oder ihr Jrrthum habe darin bestanden, daß sie die Gewohnheit gehabt, „an einem bestimmte» Tage vor Anbruch des Tages zusammenzukommen und unter einander „Christo, als einem Gott, ein Loblied .anzustimmen und sich durch einen Eid, nicht zu „einem Verbrechen, sondern dazu verbunden hätten, weder Diebstahl, noch Raub, noch „Ehebruch zu begehen, weder ihr Wort zu brechen, noch das Anvertraute, wenn es zurück „verlangt würde, abzuleugnen. Wenn sie dieß vollbracht, scycn sie gewohnt gewesen, „auseinander zu gehen, dann aber wieder zusammenzukommen um Speise zu genießen, „jedoch gewöhnliche und unschuldige. Aber auch dieß hätten sie unterlassen, nachdem ich, „Deinem Befehl gemäß, die Verordnung wegen des Verbots geheimer Verbindungen „sllotwi'ias) erlassen hätte. Desto nöthiger schien es mir, aus zwei Dienerinnen (unoiliis) „welche bei ihnen Aufwärtcrinncn snnnistrw) genannt wurden, die Wahrheit dieser Auslagen selbst durch die Folter (tvrmonla) zu erforschen. Allein ich fand weiter nichts, „als einen schlechten und unmäßigen Aberglauben; und deshalb habe ich, unter Aufschub „der Untersuchung, zuvor deinen Rath einholen wollen. Die Sache schien mir, „hauptsächlich wegen der Menge der dabei Gefährdeten eine Berathung zu verdienen. „Denn viele Leute von jedem Alter und Stande, auch von beiderlei Geschlecht, werden in „Gefahr gezogen und noch gezogen werden. Denn nicht nur über die Städte, sondern „auch über die Flecken und Dörfer hat sich die ansteckende Seuche dieses Aberglaubens „verbreitet. Doch scheint es, daß man noch Einhalt thun und verbessern könne. So viel „ist wenigstens gewiß, daß die schon fast verödeten Tempel wieder besucht zu werden anlangen und die lange unterlassenen feierlichen Opfer wieder beginnen; ferner, daß hin und „wieder Opfcrthiere zum Werkauf kommen, wozu sich bisher sehr selten ein Käufer finden „wollte. Hieraus läßt sich leicht die Vermuthung ziehe», welch großer Haufe von Menschen auf bessere Wege gebracht werden könne, wen» man ihrer Reue Raum geben wollte." Die Antwort Trajans, welche, wie gewöhnlich, die Kraft und Wirkung eines kaiserlichen Reskripts hatte, war kurz und einfach diese: „Das Verfahren, welches Du, mein Sccun- „dus, bei Untersuchung derjenigen, welche Dir als Christen angegeben wurden, beobachtet „hast, war so, wie es seyn sollte. Es läßt sich hier etwas Allgemeines, was eine gc- „wihe, bestimmte Form habe, nicht festsetzen. Man muß sie nicht aufsuchen, aber strafen, „wenn sie angegeben und überwiesen werden. Jedoch ist dabei zu beobachten, daß derjenige, welcher leugnet, daß er ein Christ scy, und dieß durch die That beweiset, das „heißt, unsere Göttpr anrufet,, wegen seiner Neue Verzeihung erhalte, wenn er auch wegen „dew Vergangenheit Verdacht gegen sich haben sollte. Klagschriftcn ohne Namen des Vcr- „fasscrs dürfen bei keinem Verbrechen zugelassen werden. Denn dieß wäre ein schlimmes „Beispiel und unserem Zeitalter nicht angemessen." sl) Zunächst mochte — heißt es in Augustis Denkwürdigkeiten aus der christl. Archäologie lom. IV. p. »2. 2. — diese Sitte Wehl in der Furcht vor den Heiden ihren Grund haben — doch mochte auch der Hang zur Mystcriosoxhie, welche eine Freundin der Nacht war und die Pcrvigilia so sehr begünstigte, dazu antreibe», ss-ire-m, wie bei PliniuS das lateinische ouimon elioore kann ebensowohl von einem Gebet, als einem Loblicde verstanden werden. August! hält in der angeführten Stelle das letztere für wahrscheinlicher, wegen des beigefügten 0!>rislu guasi ,Ioo , woraus, wenn man auch mit mehreren Autzlegern das «luasi^ üoo für einen Zusatz des Minus halten wolle, doch so viel zu erhellen scheine, daß Christus das Objekt dieser Gebete oder Gesänge scy. > 7* 100 Trajanus. Jahr Christus 98. (108). Klemens.^ den, selbige zur Strafe ziehen. Hierdurch wurde zwar die Verfolgung, die uns sehr heftig bedrohte, einigermaßen gedampft, allein denjenigen, welche uns Böses zufügen wollten, blieb noch ein weiter Spielraum dazu, und bald bereitete uns hier der Pöbel Gefahren, bald dort auch di>rStatthalter der Provinzen selbst, so daß auch ohne öffentliche Verfolgungen solche doch theilwcise in den Provinzen stattfanden und viele Gläubige auf verschiedene Weise den Märtyrerkampf zu bestehen hatten. Diese Erzählung haben wir der lateinischen Schutzschrift des Tertullianus, welche wir schon oben angeführt haben, entnommen. Seine Worte lauten in der lieber- setzung also: „Nun aber haben wir gefunden, daß die Nachforschungen „gegen uns verboten sind. Als nämlich Plinius Secnndus Statthalter „war und mehrere Christen verurtheilt, andere ihrer Würden entsetzt hatte, „so beunruhigte ihn zuletzt ihre Menge und er gerieth in Verlegenheit „darüber, was er fernerhin thun solle. Er theilte daher die Sache dem „Kaiser Trajanus mit und bemerkte dabei, daß er an ihnen nichts Strafbares gefunden habe, als daß sie keine Bilder verehren wollten. Ferner „meldete er ihm, daß die Christen in der Morgenstunde sich versammelten, daß sie Christus als einen Gott zu Ehren Lieder sängen und daß sie, «um die Einigkeit in ihrer Religion zu erhalten, Mord, Ehebruch, Ueber- „vortheilung, Raub und andere Lasier dieser Art verböten. Auf dieß „entgegnete Trajanus, man solle zwar keine Nachforschungen mehr gegen „die Christen anstellen, wenn sie aber vor Gericht gebracht würden, dieselben „zur Strafe ziehen." Damit verhielt es sich denn also. Vi crnndd reißigstes Hanptstück. Wie Evarestus vierter Bischof der römischen Gemeinde gewesen. Im dritten Jahre der Regierung des vorhin erwähnten Kaisers starb Klemens, Bischof zu Rom, nachdem er im Ganzen 9 Jahre der Lehre des göttlichen Worts vorgestanden und hinterließ die Leitung der Gemeinde dem Evarestus. Fünfunddreißigstes Hauptstück. Wie Justus als dritter Bischof der Gemeinde zu Jerusalem vorsteht. Nachdem Symeon auf die oben erwähnte Weise den Tod gefunden hatte, so überkam den Bischofssitz zu Jerusalem ein Manu aus dem Judenthum. Namens Justus, der auch einer von den vielen Tausenden war, welche zu der damaligen Zeit aus dem Judenthum zu dem Christenthum übertraten. * Trajanus. I. Eh. 101. Evarestus 4ter B. in Rom. I. Eh. 103. Trajanus. Jahr Christus 108. Cvarestus. 101 Jechsunddreißigstes Hanptftülk. Von Ignatius und seinen Briefen. In ihrer Zeit war in Asien PotykarpuS berühmt, ein Schüler der Apostel, welchem von den Dienern des Herrn, welche diesen selbst gesehen hatten, das Bisthnm zu Smyrna anvertraut worden war. Auch setzte sich damals Papias, Bischof der Gemeinde zn Hierapolis, ein Mann von umfassender Gelehrsamkeit und großer Schriftkenntniß, in Ruf,(1) so wie auch der noch jetzt bei sehr vielen gefeierte Ignatius, welcher, der zweite nach Petrus, den Bischofsstuhl zu Antiochien einnahm. Es heißt von ihm, er sey um des Zeugnisses Christi (2) willen von Syrien nach Rom gebracht und von den wilden Thieren gefressen worden. Als er unter sehr scharfer Bewachung die Reise durch Asien machte, stärkte er die Gemeinden von Stadt zu Stadt, wohin er kam, durch seine mündlichen Vorträge und Ermahnungen. Vor allem andern ermahnte er sie, sich vor den so eben auftauchenden und um sich greifenden Ketzereien zn hüten und schärfte ihnen ein, fest an der Ueberliefernng der Apostel zn halten, welche er ihnen, der größern Sicherheit wegen, durch ein schriftliches Zengniß bestätigt zu hinterlassen für nöthig hielt. Somit schrieb er denn, als er nach Smyrna kam, wo Polykarpus sich befand, einen Brief (Z) an die Gemeinde zu Ephesns, worin er ihres Hirten Onesimns gedenkt, einen zweiten, worin er eines Bischofs Damas Erwähnung thnt, an die Gemeinde in Magnesia am Mäander und einen dritten, worin er einen gewissen Polybius als Vorsteher anführt, an die Gemeinde in Tralles. (4) Ueberdieß schrieb Ignatius noch einen Brief an die Gemeinde in Rom, worin er sie dringend bittet, (1) Die Worte: ein Mann — Schriftkenntniß werde» für unecht gehalten, thcils weil sie wirklich in einigen Handschriften fehlen, thcils weil Eusebius Hauptst. 39. den Papias sehr gcistesbcschränkt nenne. Allein daß die im Ter« genannten Eigenschaften mit Geistes- bcschränktheit sich ganz gut vertragen, bedarf wohl keines Beweises. (2) Nachdem er vorher, wie es heißt, mit Trajanus selbst eine Unterredung über den christl. Glauben gehabt habe. Es scheint, Trajanus habe die Christen durch die Hinrichtung eines ihrer angesehensten Lehrer schrecken wollen. Mehrere glauben, der Kaiser habe ihn auf jdic Einflüsterungen der Priester, welche das furchtbare Erdbeben, das im I. Iis Antiochien heimsuchte, ihm Schuld gaben, hinrichten lassen, allein man setzt hiebet d, I. IIS nur voraus. Munter vermuthct, daß Trajanus erfahren, Ignatius sey eines der Haupter der zu jener Zeit noch nicht so genau von den damals gegen ihn eirMrten Juden geschiedenen Christen und so habe er ihn leicht für eine» Theilnchmer an den Mischen Anschlagen gegen das Reich halten können. Dann lasse sich auch erklären, warum Trajanus, da er das Todcsurtheil über Ignatius gesprochen, ihn nicht in Antiochien habe hinrichten lagen, sondern nach Rom geschickt, um dort als ein Empörer von den wilden Thieren zerrissen zu werde». Es sey ibm nämlich darauf angekommen, die römische sehr zahlreiche Judcnschaft durch die grausame Hinrichtung eines von ihm dafür gehaltenen Oberhauptes ihrer Partei im Orient in Furcht zu jagen und von Meutereien abzuschrecken. (3) Man hat im Ganzen noch sieben Briefe, welche dem Ignatius zugeschrieben werden und dieß in einer doppelten Rcccnsion, einer kürzer» und einer längern, über deren Echtheit viel gestritten worden ist. „Sie sind voll hoher Begriffe von Bischofswürde, und voll Ruhms derer, die wegen ihres Eifers für die Religion verfolgt und gctödlel worden, über wichtigere Dinge sehr seicht und armselig und passen durchaus nicht für die Vcrhalt- nige jener Zeit und für den Mann." (4) Magnesia und Tralles waren zwei Städte in der Landschaft Karien im Südwesten von Kleinasien. Jene führt den Beinamen „am Mäander" zur Unterscheidung von Magnesia am Berge Sipylus in Lydien. 102 Trajaims. Jahr Christus 108. Cvarestus. ihn nicht vom Märtyrerthum lvszubittcn und ihn dadurch der Erfüllung seiner sehnlichsten Wunsche zu berauben. Zur Bestätigung des Gesagten halte ich es der Mühe werth, einiges Wenige aus demselben hieher zu setzen. »Von Syrien bis Rom," so lauten die Worte, „kämpfe ich mit wilden Thie- „ren, zu Wasser und zu Lande, bei Tag und bei Nacht, gefesselt unter zehn „Leoparden und diese sind das Kommando Soldaten, welche um so ärger „werden , je mehr man ihnen Gutes erweist. Aber ihr rohes Betragen ist „sehr belehrend für mich, ohne daß ich jedoch dadurch gerecht würde. Mochte „ich doch der wilden Thiers mich freuen dürfen, die für mich bereitet sind, „die ich auch sobald als möglich zu finden wünsche! Ich werde ihnen „schmeicheln, daß sie mich schnell fressen und nicht, wie sie es bei einigen ge- ,.macht haben, furchtsam werden und mich nicht anrühren. Und wenn sie „selbst nicht wollen sollten, so werde ich sie mit Gewalt dazu zwingen. Verleihet mir dieß; ich weiß, was mir zuträglich ist. Nun fange ich an, ein „Jünger zu seyn. Nichts hat mehr einen Reiz für mich, weder Sichtbares, „noch Unsichtbares, damit ich Jesum Christum gewinne. Flamme und „Kreuz, Anfälle wilder Thiere, Verzerrung und Trennung der Knochen, „Zerschlagung der Gliedmaßen, Zermalmnng des ganzen Körpers, und „die Qualen des Teufels — alles mag mich treffen, wenn ich nur Jesum „Christum gewinne." Diese Worte schrieb er von der besagten Stadt aus an die angeführten Kirchen. Nachdem er aber sodann über Smyrna hinaus weiter gereist war, so schrieb er ferner von Troas aus denen in Philadelphia und der Gemeinde zu Smyrna und besonders deren Vorsteher Polykarpus. Da ihm dieser recht als ein apostolischer Mann bekannt geworden war, so legte er ihm als ein echter, guter Hirte die Heerde zu Antio- chia an das Herz und bat ihn, eifrige Sorge für sie zu tragen. Ignatius führt auch in seinen Briefen an die Smyrnäer folgende Stellen von Christus an, deren Quelle mir unbekannt ist:(b) „Ich weiß und glaube „es, daß er nach der Auferstehung im Fleische gewesen ist. Und als er zu „Petrum und den andern, die bei diesem waren, kam, sprach er zu ihnen : „fasset mich an, betastet mich und seht, daß ich kein Geist ohne Körper bin: „und alsbald befühlten sie ihn und glaubten." Auch dem Jrenäus war sein Märtyrerthum bekannt; desgleichen erwähnt er seiner Briefe, wenn er sagt: „So hat einer von den Unsrigen gesprochen, als er um des Zeugnisses „Gottes willen zu den wilden Thieren verurtheilt war: ich bin Gottes Wai- „zen uno soll gemahlen werden von den Zähnen der wilden Thiere, damit „ich als reines Brod erfunden werde." Auch Polykarpus gedenkt eben dieser Briefe, wenn er in dem ihm zugeschriebenen Brief an die Philipper(2) (t) Diese (uk. 24, 39 sehr ähnliche Stelle findet sich in den Uebcercsten des Evangeliums der Hebräer. Doch kann sie auch in der Prädicatio Petri gestanden haben, woraus Qrigcncs ein öaegömov «amgaron anführt. (2) Dieser Brief ist noch vorhanden. Die erste der hier angeführten Stellen steht im 9te», die zweite im taten Hauptst. desselben. Philipp!, früher Krcnides (Brunnen) war ssnc bedeutende Stadt in Thracien. Eine welthistorische Berühmtheit hat sie durch die Schlacht erhalten, in welcher die römische Freiheit zu Grabe ging (42 v. Eh.). Trojanus. Jahr Christus 108. Cvarrstus. tck.5 schreibt: „Ich ermahne euch nun alle, folgsam zu seyn und alle Geduld zu »üben, welche ihr vor Augen gesehen habt nicht bloß an den seligen Män- „nern Ignatius, Rnfns undZosimuS, sondern auch an andern ans euch, „ja , an Paulus selbst und an den übrigen Aposteln, und überzeugt zu seyn, „daß diese alle nicht umsonst gelaufen sind, sondern im Glauben und in der „Gerechtigkeit, und daß sie an den ihnen gebührenden Ort bei dem Herrn, „mit welchem sie auch gelitten haben, gekommen sind. Denn sie haben nicht „diese Welt geliebt, sondern den, der für uns gestorben und der um unsert- „willen von Gott auferweckt worden ist." Sodann fahrt Polykarpuö weiter fort: „Ihr sowohl, als Ignatius, habt mir geschrieben, wenn Jemand nach „Syrien reise, so möchte er auch eure Schreiben mitnehmen. Ich werde „dieß thun, wenn ich eine bequeme Gelegenheit dazu bekomme, entweder „selbst oder durch einen andern, den ich auch euretwegen mit Auftragen „abschicken werde. Die Briefe des Ignatius, die uns von ihm zugeschickt „worden sind und noch mehrere andere, welche wir bei uns hatten, senden „wir euch eurem Verlangen gemäß. Sie sind diesem Schreiben beigegeben „und ihr werdet einen großen Nutzen daraus schöpfen können. Denn sie „enthalten Glauben, Geduld und jegliche Erbauung, die ans unser» Herrn „Bezug hat." So viel von Ignatius. Nach ihm erhielt den Bischofssitz zu Antiochien Heros. S'iebenunddreißigjtes Hauptstück. Bon den noch damals berühmten Evangelisten. (1) Unter den damals hervorleuchtenden Männern war auch Quadratus, (2) der, wie die Töchter des Philippus, durch die Gabe der Weissagung ausgezeichnet gewesen seyn soll. Neben ihnen machten sich aber um diese Zeit auch noch mehrere Andere einen Namen, welche den ersten Rang unter den Nachfolgern der Apostel einnahmen und als würdige Schüler solcher Männer allenthalben auf, dem von den Aposteln vorher gelegten Grund der Gemeinden weiter fortbauteu und die Predigt des Evangeliums immer weiter verbreitend, den beseligenden Saamen des Himmelreiches weit und breit auf der ganzen Erde ausstreuten. Die meisten der damaligen Jünger, deren ll) Daß unter Evangelisten nicht überhaupt Lehrer des Evangeliums zu verstehen sehen, lehren die Worte des vorliegenden HauptstückcS. Es sind vielmehr Männer, welche, weil das Urchristcnthum größtcntheils auf dem geschichtlichen Bekanntwerden dessen, was Jesus gewesen war und wie er sich im Einzelnen gezeigt hatte, beruhte, die Kunde davon auf eine geordnete und anwendbare Weise vortrugen, aber nicht als an einer bestimmten Gemeinde angestellte Lehrer, sondern vielmehr als zur Bcrkündigung des Evangeliums reisender Missionäre. Schon iin Ephcserbrief 4, 11. sind Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und gewöhnliche Lehrer unterschieden. Wären unter Evangelisten überhaupt Lehrer des Evangeliums zu verstehen, so hätte Eusebius nicht ä, 1V., wo von dem unter Kom- modus lebenden Pantänus die Rede ist, sagen können: es gab damals noch mehrere Evangelisten. Denn Lehrer des Evangeliums hat es ja immerfort gegeben. Man vergleiche über de» Begriff von Evangelisten Paulus exegetisches Handbuch l, t., Seite 13., 14. und 48. (2) Mehreres von ihm siehe 4, 3. 104 Tvajanus. Iahv ChristuS 108. Cvavcstus. Seelen von der eifrigsten Liebe zur Philosophie (1) durch Einwirkung des göttlichen Wortes ergriffen waren, batten schon vorher der Aufforderung des Erlösers Genüge (2) gethan und ihr Eigenthum unter die Durfligen vertheilt. Sodann machten sie sich auf Reisen und verrichteten das Geschäft von Evangelisten, indem sie denjenigen, welche noch gar nichts von dem Worte des Glaubens vernommen hatten, Christum zu verkundigen und die Bücher der heiligen Evangelien ihnen mitzutheilen (5) eifrigst sich angelegen seyn ließen. Wenn diese nur den Grund des Glaubens in fremden Ländern gelegt hatten, so bestellten sie andere als Hirten und vertrauten diesen die Pflege der neuen Pflanzung; sie selbst aber wandten sich, von der Gnade und Mitwirkung Gottes geleitet, andern Ländern und Völkern zu. Denn es wirkten noch damals sehr viele Wunderkräfte des göttlichen Geistes durch sie, so daß gleich beim ersten Anhören ihrer Predigt plötzlich ganze Schaaren den Glauben an den Schöpfer der Welt mit der größten Bereitwilligkeit in sich aufnahmen. Da es uns aber unmöglich ist, die Namen aller derer herzuzählen, welche in dem auf die Apostel folgende» Zeitalter in allen Gemeinden auf der Welt Hirten oder Evangelisten gewesen sind, so werde ich billig nur die Namen derjenigen in meiner Geschichte bemerken, von welchen die Ueberlieferung der apostolischen Lehre in schriftlichen Denkmälern bis auf uns gekommen ist. A ch tn n d d r e i j) i Z st e s Hauptst ü ck. Von dein Briefe des Klemens »nd von den ihm fälschlich zugeschriebenen Schriften. So wie Man sieht leicht, daß der Anfang dieses Hauptstücks mit dem Schlüsse des vorigen zu verbinden ist. (5> Der Verfasser des Briefs mag seyn, wer er will, so sprechen für die griechische U rsprü s glichk ei t desselben thcils die Anführung und Benützung des alten Testaments nach den I.XX, selbst in ihren Fehlern, theils einige Wortspiele, die nur im Griechischcnkmöglich sind. Trajauus. Jahr Christus 108. C'varestus. 1V5 5?ebräer geschrieben Hai, so behaupten Einige, der Evangelist Lukas, Andere aber, dieser Kleinens habe ihn übersetzt. Das letztere mochte wohl wahrscheinlicher seyn, theilö weil die Art des Ausdruckes in dem Briefe des Klemens, so wie in dem an die Hebräer dieselbe ist, theils weil in beiden die Gedanken nicht sehr verschieden sind. Es ist noch zu bemerken, daß es auch noch einen zweiten dem Klemens zugeschriebenen Brief gibt; allein wir wissen, daß die Echtheit desselben nicht so, wie die des ersten, anerkannt ist,, und daß auch nicht Einer der Alten desselben sich bedient. Ueberdieß haben Einige in neuester Zeit noch andere wortreiche, weitläufige Schriften unter des Klemens Namen an den Tag gebracht, welche Gespräche des PetrnS und Apion enthalte»; allein bei den Alten findet sich gar keine Spur von ihnen und sie haben im geringsten nicht das Gepräge der apostolischen Necht- glänbigkeit. Der als echt anerkannte Brief des Klemens nun ist hinlänglich bekannt. Eben so haben wir auch von den Schriften des Ignatius und Polykarpus zur Genüge gesprochen. Neuunnddreißigstes Hauptstück. Von den Schriften des PapiaS. Die Schriften des Papias sind fünf an der Zahl und führen den Titel: Erklärung der Aussprüche des Herrn. Ihrer erwähnt auch Jre- näns als des einzigen, was Papias verfaßt habe, mit folgenden Worten: »Dieß bezeugt auch schriftlich Papias, ein Zuhörer des Johannes und «Freund des Polykarpus, ein alter Schriftsteller, im vierten seiner Bücher. „Denn er hat fünf Bücher verfaßt.« So weit Jrenäns. Jndcß Papias selbst sagt in der Vorrede zu seinen Büchern, daß er keineswegs selbst ein Zuhörer der heiligen Apostel gewesen und sie mit eigenen Augen gesehen habe, bemerkt aber, daß er die Glaubenslehren von ihren Freunden bekommen habe. Er bestätigt dieß mit folgenden Worten: „Ich werde es mich „nicht verdrießen lassen, das, was ich einstens von den Aelteren gut gelernt „und wohl im Gedächtnis; behalten habe, mit den Erklärungen für dich anf- „znsetzen, um so die Wahrheit davon zu bestätigen. Denn ich habe mich „nicht, wie die meisten thnn, an diejenigen gehalten, welche viel sprechen, „sondern an die, welche die Wahrheit lehrten; nicht an solche, welche „fremde, sondern an diejenigen , welche die vom Herrn selbst zum Glanben „ertheilten und der Wahrheit selbst entquellenden Lehren vortrugen. Traf „ich nun Jemanden, der die Aelteren gekannt hatte, so fragte ich ihn sorg- „fältig nach den Reden derselben: Was hat Andreas oder was hat Petrus „gesagt, oder Philippus oder Thomas oder Jakobns, oder was Johannes „oder Matthäus oder sonst irgend ein anderer von den Jüngern des Herrn, „oder was sagen Aristion und der Presbyter Johannes, die Jünger des „Herrn ? Denn Bücher bringen mir meiner Anficht nach nicht dieselben Vor- 106 Trajanns. Jahr ChrlstuS 108. Evarcstus. „theile, wie das lebendige, tiefer sich einprägende Wort." Hiebei verdient bemerkt zu werden, daß der Name des Johannes zweimal aufgezählt wird. Den ersten nennt er in Verbindung mit Petrus, Jakobns, Matthäus, und den übrigen Aposteln und bezeichnet dadurch deutlich den Evangelisten; den andern Johannes aber zählt er nach gemachter Abtheiluug Andern nicht in der Zahl der Apostel befindlichen bei und setzt ihm den Aristion vor, nennt ihn auch deutlich einen Presbyter. Dadurch wird somit auch die Erzählung derer als wahr bestätigt, welche sagen, daß es in Asien zwei Männer gegeben habe, welche denselben Namen geführt und daß in EphesuS zwei Grab- mäler vorhanden seye», welche beide noch jetzt Grabmäler des Johannes heißen. Dieß darf man nicht außer Acht lassen. Denn es ist wahrscheinlich, daß der zweite die unter dem Namen des Johannes bekannte Offenbarung geschaut hat, wenn man dieß von dem erstern nicht sollte zugeben wollen. Papias, von dem wir hier sprechen, gesteht also, daß er die Reden der Apostel von ihren Schülern überkommen, bemerkt hingegen, daß er den Aristion und den Presbyter Johannes selbst gehört habe. Er führt sie wenigstens häufig mit Namen an und räumt ihren Ueberlieferungen einen Platz in seinen Schriften ein. Und diese Nachricht, die ich hier gegeben habe, wird, wie ich glaube, nicht unnütz seyn. ES möchte indeß nicht unangemessen seyn, den angeführten Stellen des Papias noch einige andere beizufügen, worin er einige wunderbare Dinge erzählt, die er aus der Ueberliefernng wissen will. Daß der Apostel Philippus mit seinen vier Töchtern zu Hierapolis sich aufgehalten hat, ist oben erzählt worden. Jetzt müssen wir noch anzeigen, wie Papias, ihr Zeitgenosse, eine wunderbare Erzählung von den Töchtern des Philippus gehört zu haben berichtet. Er erzählt nämlich, daß damals einer von den Tobten auferstanden sey und sodann noch ferner einen andern wunderbaren Umstand, der sich mit Justus, mit dem Beinamen Barsabas, ereignet; daß dieser nämlich ein tödtlicheS Gift getrunken, aber durch die Gnade des Herrn keine uachtheiligen Folgen davon empfunden habe. Von diesem Justus erzählt die Apostelgeschichte, daß ihn die heiligen Apostel nach der Himmelfahrt Christi nebst dem Matthias aufgestellt und über sie gebetet haben, daß sich für einen derselben das LooS entscheiden möchte, um die Zahl der Apostel an der Stelle des Verräthers Judas wieder zu ergänzen. Die Worte lauten also:(1) „Und sie „stellten zween auf, den Joseph, genannt Barsabas, mit dem Beinamen „Justus, und den Matthias, beteten und sprachen:c.« Auch führt Papias noch Anderes, als durch die mündliche Ueberliefernng zu seiner Kenntniß gelaugt, an, nämlich einige unbekannte Gleichnisse und Lehren des Erlösers nebst Einigem, das noch mehr dem Gebiete der Fabel angehört. Dahin gehört auch seine Behauptung, es werde nach der Auferstehung der Tobten ein Zeitraum von 1000 Jahren seyn, in welchem ein leibliches Reich (1) Apostelgesch. 1, 23. 24. Trajamis. Jahr Christus 198. CvarestuS. 197 Christi(l) auf dieser Erde stattfinden werde. Ich glaube, daß dieser Meinung ein Mißverständnis; der Erzählungen der Apvstel zu Grunde liegt, indem er das , was von jenen in Sinnbildern mystisch dargestellt war, nicht gehörig verstanden hat. Denn er war offenbar sehr geistesbeschränkt, wie man ans seinen Schriften sich überzeugen kann. Gleichwohl ist er aber doch die Ursache geworden, daß sehr viele spätere Kirchenlehrer, welche sein Al- terthnm für sich anführten, dieselbe Meinung angenommen haben, wie ein Irenäns und wer sonst noch dieselbe Ansicht geäußert hat. Ueberdieß verleibt Papias noch andere Erzählungen der Reden des Herrn von dem oben angeführten Aristion, so wie auch verschiedene Ueberliefernngen von dem Presbyter Johannes seinem Werke ein, worauf wir den wißbegierigen Leser verweisen. Hier finden wir für nöthig, den früher angeführten Stellen aus Papias noch eine Ueberliefernng über Markus, den Verfasser des Evangeliums, beizufügen, welche in seiner Schrift also lautet: „Auch dieses sagte „der Presbyter: Markus war der Dvllmetscher des Petrus und schrieb sorgfältig alles auf, was er von diesem in das Gedächtnis; gefaßt, ohne sich an „die Ordnung zu binden bei den Reden und Thaten Christi. Denn er selbst «hatte den Herrn nicht gehört, noch war er in seinem Gefolge gewesen. „Später hatte er, wie gesagt, Umgang mit Petrus, welcher aber seinen „Unterricht nach dem Bedürfnis; seiner Zuhörer einrichtete, nicht gerade „nach einer genauen Anordnung der Aussprüche des Herrn; (2) daher Mar- „kus keinen Fehler begangen hat, wenn er Einiges so niedergeschrieben hat, „wie er sich dessen erinnerte. Denn seine einzige Sorge war nur darauf „gerichtet, nichts von dem, was er gehört hatte, zu übergehen und auch „nichts Unwahres in seiner Schrift zu sagen." Dieß erzählt Papias von Markus. Von Matthäus berichtet er Folgendes: Matthäus hat die Aus- „sprüche des Herrn(3) in hebräischer Sprache(ä) geschrieben; jeder aber hat „das Buch übersetzt, so gut er es vermochte." Derselbe Schriftsteller gebraucht auch Zeugnisse ans dem ersten Brief des Johannes, so wie ans dem Petrus. Er erzählt aber auch noch eine andere Geschichte von einem (l) Daser sich, wie aus cmem bei Zrenäus V. 33. enthaltenen Bruchstücke erhellt, höchst sinnlich dachte. Die Wcinstöcke und Getreidefelder seilten darin eine unbeschreiblich große Menge Früchte hervorbringen und allcThierc zahm und dem Menschen gehorsam seyn. (2t Credner in seiner Einleitung in das neue Testament sagt lg- t, Seite 1231 in Betreff dieser Stelle: „Diese Schilderung paßt nicht auf unser Evangelium des Markus, in „welchem die evangelische Geschichte nach einer gewissen Ordnung erzählt ist. Vielmehr „erinnert diese Angabe des Presbyters an die Art und Weise, wie Petrus in den Clcmcn- „tinischcn Homilien die evangelische Geschichte anwendet. Markus muß eine unzusammcn- „hängcndc Aufzeichnung solcher Aussprüche des Petrus hinterlassen haben. Wäre Markus, „der Gefährte des Petrus, der Verfasser unseres Evangeliums in seiner gegenwärtigen Ge- „stalt, so müßte cö auch in der That befremde», daß dasselbe nicht reicher an Auskunft über „Petrus wäre." Man vergleiche auch Seite 205 derselben Schrift. (31 Man versteht darunter gewöhnlich unser Evangelium Matthen; allein Credner in seiner Einleitung in das neue Testament, Seite 91, behauptet, es lasse sich mit großer Wahrscheinlichkeit beweisen, daß diese Aussprüche des Herrn, welche Papias hatte, von unserem Evangelium des Matthäus verschieden waren. Man sehe seine Einleitung in das neue Testament !, 1, Seite 91 und 203. (4) Nämlich in der Sprache der Palästinenser im Zeitalter Jesu. 108 Trajanus. I. Chr. 108 — 110 — 116. Evarestus.^ Weibe, die ihrer vielen Sunden wegen vor dem Herrn verklagt war. Diese steht in dem Evangelium der Hebräer. (1) Dieß schien mir lieben dem schon Angeführten eine Bemerkung zu verdienen. Ende des dritten Buches. Viertes Buch. Erstes Haupt stück. Was für Bischöfe unter der Regierung des Trajanus zu Rom und Alexandrien gewesen. Um das zwölfte Jahr der Negierung des Trajanus starb der kurz vorhin erwähnte Bischof der Gemeinde zu Alexandrien und Primus war der vierte nach den Aposteln, welchem die Leitung derselben übertragen wurde. Zu derselben Zeit überkam auch, als der fünfte im Amt nach Petrus und Paulus , Alexander das Bisthum zu Rom, nachdem EvarestuS diese Würde acht Jahre lang bekleidet hatte. Zweites Haupt stuck. Was die Juden unter Trajanus betroffen. Die Lehre und Kirche unsers Erlösers blühten von Tag zu Tag immer mehr und gewannen immer größern Fortgang, indessen das Unglück der Juden sich mehr und mehr häufte. Es war das 18te Jahr der Regierung des Trajanus, als wiederum eine aufrührerische Bewegung der Juden entstand, in deren Folge sehr viele ihr Leben verloren. Denn sowohl in Alexandrien und dem übrigen Aegppten, als auch in Cyrene(2) hatten sie, wie von einem heftigen Geiste des Aufruhrs fortgerissen, gegen die unter ibnen wohnenden Griechen sich erhoben.(5) Der Aufstand griff immer weiter um sich und brach im folgenden Jahre in einen heftigen Krieg aus, als LupuS Statthalter von Aegypten war. Beim ersten Znsammentreffen blieben die ^ Alexander, fünfter Bischof in Rom. (1) Dieß soll, wie man vcrmuthet, eben die Erzählung scyn, die wir Joh. 8, 3—1l lesen, woselbst sie in den besten und ältesten Handschristen und in sehr alten Ucbcrsctziingcn fehlt, in vielen Handschristen aber, welche sie haben, mit den Zeichen der Vcrdächtigkcit bezeichnet ist, wo sich in der Sprache keine von den Eigeiuhümlichkciten des Johannes findet und der Zusammenhang unterbrochen ist. (2) Acgvptcn und Eyrene > westlich von Aegypten) waren die beiden Länder, in welchen die Juden sich am meisten verbreitet hatten. (3> Sic tödteten nach Dio Kassius 68, 32. in Eyrene 220,000 Menschen und zwar unter furchtbaren Grausamkeiten. Gleichzeitig brach auch in Eypern ein Aufstand der auf dieser Insel sehr zahlreichen Juden aus. Die von ihnen erschlagenen Einwohner sollen nach Dio an der angeführten Stelle 240,000 gewesen seyn. Ihr Anführer hieß Artemion. Txajanus. AdxiaunS. I- Chr. —117. Alexander. 10» Juden Sieger über die Griechen. Diese stehen nach Alexandrien, nahmen die in dieser Stadt befindlichen Juden gefangen und brachten sie um. (1) Obgleich nun die Juden von Cyrene von daher keine Hülfe erhielten, so plünderten sie, an ihrer Spitze ein gewisser Lukuas, (2) dennoch fortwährend Aegyptenland und verheerten darin einen Distrikt nach dem andern. Da schickte der Kaiser den Marcius Turbo (5) mit Fußvolk, Reiterei und einer Flotte wider sie. Dieser brachte unter häufigen Schlachten eine geraume Zeit mit dem Kriege gegen sie zu und todtete viele tausend Juden nicht bloß aus Cyrene, sondern auch au« Aegypten, welch letztere ihrem Könige Lukuas zu Hülfe gekommen waren. Da der Kaiser befürchtete, auch die Juden in Mesopotamien (ä) möchten die dortigen Einwohner angreifen, so gab er dem Lusius Quictus den Befehl, die Provinz von ihnen zu säubern. Dieser zog wider sie, tödtete ihrer eine ungeheure Menge und wurde wegen dieses Verdienstes vom Kaiser zum Statthalter von Judäa eingesetzt. Dieß erzählen auch die griechischen Schriftsteller, welche die Geschichte jener Zeiten behandeln, mit den gleichen Worten. Drittes Haupt stück. Von denen, welche unter der Regierung des Adrianus Schutzschriftcn für den Glauben verfaßt haben. Nachdem Trajanus 20 Jahre, weniger 6 Monate, die Regierung geführt hatte, wurde Aelius Adrianus sein Nachfolger. Diesem eignete Quadratus eine Schrift zu und überreichte sie ihm, worin er eine Verthei- digung unseres Glaubens abgefaßt hatte, (S) weil einige schlechte Menschen die Christen zu beunruhigen den Versuch machten. Diese Schrift findet sich noch jetzt bei den meisten Brüdern, so wie auch bei uns. Mann kann darin einleuchtende Beweise von seiner Denkuugsart und von der apostolischen Reinigkeit seiner Lehre finden. Von seinem Alterthum gibt er selbst Zeugnis;, wenn er darin wörtlich Folgendes sagt: „Die Werke unseres Heilandes „waren immer gegenwärtig, denn sie waren wahrhaft: — die von ihm Ge- „heilten, die von den Todteu Auferstandenen, welche man nicht bloß, wenn „sie geheilt wurden und auferstanden, gesehen hat, sondern welche auch „nachher noch immer gesehen werden konnten und dieß nicht allein, so lange (t) Nach spätcrn jüdischen Sagen soll die Anzahl der Ermordeten 200,000 betragen haben. (2) Dio nennt ihn Andreas. „Bielleicht führte er," bemerkt Münter in seinem jüdischen Krieg, „wie manche Juden der damaligen Zeit, einen doppelten Namen, einen jüdischen und einen römischen; denn Lukuas scheint aus Lucius verderbt zu seyn. (3) Einer der besten Heerführer des Trajanus. tl) Aull; hier waren die Juden sehr zahlreich. Denn der größte Theil der in das assyrische Reich abgeführten zehn Stämme hatte von der von Eyrus erthcilte» Erlaubniß, der Rückkehr nach Palästina, keine» Gebrauch gemacht, sondern war zurückgeblieben. Besonders waren die Städte an beiden Ufern des Euphrats mir ihnen angefüllt. (5) Diese Apologie des Quadratus war noch im Anfange des siebenten Jahrhunderts tUbotius oexl. 102) vorhanden. II» Adrianus. Jahr Christus Ii7—120. Alexander.* »der Erlöser auf Erden weilte, sondern sie lebten auch nach seinem Hingänge »noch eine geraume Zeit, so daß Einige derselben auch bis auf unsere Zeiten gekommen sind." So viel von Quadratus. Auch Aristides, ein rechtschaffener Manu unter unfern Glaubensgenossen, hat eine Schutzschrift für den christlichen Glauben (1) hinterlassen, welche er, wie Quadratus, dem Kaiser Adrianuö zueignete. Auch diese Schrift ist noch jetzt bei sehr vielen zu finden. Viertes Hauptstück. Was für Bischöfe in Rom und Alexandrien unter diesem Kaiser gewesen. Im dritten Jahre der Negierung des Adrianuö starb Alexander, der Bischof von Rom, nachdem er zehn Jahre lang an der Spitze der Gemeinde gestanden hatte. Sein Nachfolger wurde st'ystus. (2) Um eben diese Zeit verschied auch Alexander, der Bischof zu Alexandrien, im zwölften Jahre seiner Amtsführung, worauf Justus Bischof daselbst wurde. Fünftes Hanptstück» Was für Bischöfe in Jerusalem von den Zeiten des Erlösers an bis auf den Kaiser ' Adrianus gewesen. Die Zeit, wie lange jeder von den Bischöfen in Jerusalem sein Amt verwaltet hat, habe ich nirgends aufgezeichnet finden können. Sie sollen indessen alle nur eine sehr kurze Zeit in ihrer Würde gelebt haben. So viel ist mir aber doch aus schriftlichen Urkunden bekannt, daß bis zur Unterdrückung der Juden unter AdriannS 15 Bischöfe (3) nach einander daselbst gewesen sind, welche sämmtlich von Geburt Hebräer gewesen seyn und die Erkenntniß Christi rein bewahrt haben sollen, daher sie denn auch von Männern, denen ein Urtheil darüber zusteht, des bischöflichen Amtes für würdig erkannt wurden. Denn die ganze Kirche bestand damals aus gläubigen Hebräern und dieß von den Zeiten der Apostel an bis zu dem dermaligen Kriegs, in welchem die Juden wiederum abgefallen waren von den Römern und in mehreren gewaltigen Schlachten bezwungen wurden. Da nun damals die Bischöfe aus der Beschncidung aufhörten, so dürfte es hier nicht überflüssig seyn, sie von d-.'m ersten an herzuzählen. Dieser war Jakobus , der Bruder des Herrn genannt, der zweite Symcon, der dritte Justus, der vierte Zachäus, der fünfte Tobias, der sechste Benjamin, der "Adrianus. I. Chr. 120. Ziystus, sechster Bischof zu Rom. (1) Nach llv Ii, tluiüoliöre ^tlienes ancionnes et nnuvoües, Nons 1076, p. 146, war diese noch zu seiner Zeit in dem Kloster Madelli bei Athen aufbewahrt. Hieronymus sagt von dieser Schutzschrift des Aristides, sie scy das Muster gewesen, welches Justinder Märtyrer nachgeahmt habe. (2) Er wird in den lateinischen Verzeichnissen der Päpste gewöhnlich unter dem Namen Sixtus I. aufgeführt. Stroth. (3) Wahrscheinlich bei der Zerstreuung der Gemeinde mehrere gleichzeitig. Adrianus. Jahr Christus 129-131-135. Xystus.'" III siebente Johannes, der achte Matthias, der nennte Philippus, der zehnte Seneka, der eilfte Jnstns, der zwölfte Levi, der dreizehnte Ephres, der vierzehnte Joseph und der fünfzehnte und letzte Judas. Dies; sind die Bischöfe der Stadt Jerusalem (1) von den Aposteln an bis zur benannten Zeit, sämmtlich aus der Beschueidnng. Im zwölften Jahre der'Regierung des Kaisers Adrianus hatte Xystus, der zehn Jahre laug den bischöflichen Stuhl zu Rom eingenommen hatte, den TelesphvruS, welcher der siebente nach den Aposteln war, zu seinem Nachfolger. Ein Jahr und einige Monate später bekam bei der sechsten Wahl in Alexandrien Eumsnes die Leitung der dortigen Gemeinde, nachdem sie sein Vorgänger 11 Jahre besessen hatte. Sechstes Hauptftück. Die letzte Ucberwältigung der Juden unter AdrianuS. Als indeß die Empörung der Juden (2) wiederum mit großer Heftigkeit entbrannte und um sich griff, machte sich Nufns, der Statthalter von Judäa, nachdem ihm Hülfstruppen vom Kaiser zugeschickt worden, ihren Wahnsinn ungesäumt zu Nutzen, zog gegen sie ans, tödtete ohne Unterschied Taufende (3) von Männern, Weibern und Kindern und brachte ihre Landcreicn nach dem Kriegsrechte in seine Gewalt. Anführer der Juden war damals ein gewisser Barchocheba (welcher Name einen Stern (4) bedeutet), ein blutgieriger, raubsüchtigcr Mann, der ihnen jedoch als Sklaven wegen seines Namens vorzugaukeln wußte, er sey ein Stern, ihnen gesandt vom Himmel, um ihnen in ihrem Unglücke zu leuchten. Am heftigsten loderte die Kriegsflamme im 18ten Jahre der Regierung des Adrianus bei Bitthera, einer sehr festen und nicht weit von Jerusalem (5) entfernten Stadt. Da die Belagerung sich in die Länge zog und die Aufrührer durch Hunger und Durst in das äußerste Elend geralhen waren, auch der " Tclcsphorus, siebenter Bischof in Rom. (1) Sic hießen zwar Bischöfe zu Jerusalem, weil ihre Gemeinde größtcntheils au§ Leuten bestand, die von Jerusalem herstammten, sonst aber hatten sie ihren Sitz in Pclla; denn Jerusalem lag in seinen Ruinen. Stroth. (2) Spartianus in Hadrians Leben, Aap. 13., gibt als Ursache des Aufstandcs das Verbot der Beschueidnng an (durch dieses Verbot der Bcschncidung, als des charakteristischen Zeichens ihrer Rationalitat, suchte Adrianus die Juden als solche auszurotten und mit den übrigen Völkern des Reiches zu verschmelzen); Dio Kassius 09, 12. den Entschluß des Adrianus, Jerusalem zur römischen Kolonie zu machen. (3) Nach Dio Kassius 69, 14. sielen außer den durch Hunger, Krankheiten :c. Umgekommenen 589,9(19 Juden mit den Waffen in dcr Hand, und 59 ihrer Burgen nebst 985 ansehnlichen Dörfern wurden zerstört. (41 Er hieß wahrscheinlich zuerst Simon (unter welchem Namen wir Münzen von ihm hätten). Der Name Bar Cochba, Sohn des Gestirns, wurde ihm beigelegt, weil er oder seine Anhänger behaupteten, durch ihn sey die Weissagung Bilcams 4. B. Mos. 24, 17. von dem Gestirne, das aus Jakob aufgehen werde, erfüllt worden. Aber nach seiner verunglückten Unternehmung wurde er Bar Eoziba, der Lügcnsohn, genannt. (5) Diese Stadt oder vielmehr die Trümmer derselben war selbst von den Juden einige Zeit besetzt, aber von de» Römern wiedergenommen und dann erst völlig zerstört worden. 112 Adrianus. Jahr Christus ZZZ. Telesphoru-Z. Anfanger des tollen Unternehmens die gebührende Strafe erlitten hatte, (1) so wnrde, wie Ariston von Pelka erzählt, dem ganzen Volke durch eine Verordnung und einen Befehl des AdriannS von dieser Zeit an verboten, die Gegend um Jerusalem nur zu betreten, (2) weil der Kaiser wollte, daß sie auch nicht einmal ans der Ferne den heimathlichen Boden sehen sollten. Nachdem also die Stadt Jerusalem von Inden entblöst war und ihre bisherigen Einwohner gänzlich verloren hatte, so wnrde sie von andern Nationen bevölkert und die später hier sich erhebende römische Stadt vertauschte den bisherigen Namen Jerusalem, dem Kaiser Aelius Adrianns zu Ehren, mit dem Namen Aelia. Da nun auch die dortige Gemeinde sich ans Heiden bildete, so war Markus der erste, der nach den Bischöfen aus der Beschneidung die Leitung der dortigen Gemeinde überkam. Siebentes Hauptstü ck. Was für Urheber der fälschlich sogenannten Erkenntniß damals HZ) gewesen. Während bereits gleich den glänzendsten Gestirnen die Gemeinden in der ganzen Welt leuchteten und der Glaube an unfern Herrn und Erlöser unter der ganzen Menschheit blühte, wandte der das Gute hassende Teufel, als ein Feind der Wahrheit, der unaufhörlich dem Heile der Menschen entgegenarbeitet, alle Künste gegen die Kirche an. Wenn er sie anfänglich von außenher mit Verfvlgungen angriff, so bediente er sich jetzt, da ihm dieses Mittel benommen war, schlechter und betrügerischer Menschen als seelenverderbender Werkzeuge und als Diener des Verderbens und suchte einen andern Weg, durch List den Sieg zu gewinne», indem er Alles anwandte, daß die unfern Neligionsnamen sich anmaßenden Betrüger und Verführer theils diejenigen von den Gläubigen, welche sie an sich zogen, in den Abgrund des Verderbens führen, theils die mit unserem Glauben Unbekannten durch die Thaten, welche sie verübten, von dem Wege zur seligmachenden Lehre abwendig machen sollten. Demnach kam von Menan- der, der, wie wir oben (ä) erzählt haben, der Nachfolger Simons war, ein gewisses zweizüngigeö, schlangenartiges Ungeheuer hervor, welches die (1) Mehrere Rabbiner lassen ihn von indischer Hand sterben seiner Verbrechen wegen, oder weil er sich nicht als Messias habe lcgitimircn können. Dem Abulpharagius zufolge kam er in Jerusalem um. (2t Einige Kirchenschriststellcr erzählen dennoch, daß es ihnen einmal im Jahre, am Tage der Zerstörung Jerusalems, für Geld, das sie der Besatzung geben mußten, erlaubt gewesen, nach Jerusalem zu kommen und das ung ückliche Schicksal dieser Stadt zu beweinen. Stroth. Das im Texte erwähnte Verbot bestand noch zu Tertullians Zeiten im Anfange des dritten Jahrhunderts. (3) Oder Gnosis, in Beziehung auf die Gnostiker eine höhere spekulative Religionsphilosophie überhaupt oder, von dem Standpunkte der orthodoxen Kirche ausgegangen, eine solche Philosophie, die sich auf den Flügeln der Phantasie in ein transsccndcntes, über- fchwängiichcs Gebiet der Spekulation verirrt und eben dadurch den wahren Geist der Religion aufhebt. Wie man auS 1 Timoth. 6, 20. verglichen mit l, 3. sieht, so begannen schon im apostolischen Zeitalter die gnostischcn Systeme und Parteien sich zu bilden. (4) 3, 26. Adrianus. Jahr Christus IIS. Telesphorus. IIS Stifter zweier verschiedener Sekten aufstellte, nämlich den SaturninuS aus Antivchien und den Basilides ans Zllerandria, von welchen der eine in Syrien, der andere in Aegypten Schnlen gottloser Ketzereien gründete. SaturninuS soll nach Irenaus in den meisten Stücken seiner falschen Lehre mit Menänder übereingestimmt, (I) dagegen Bastlides unter dem Schein tieferer Geheimnisse dnrch Erdichtnng abenteuerlicher Fabeln, welche seine gottlose Ketzerei enthielt, seine Lehrsätze in das Unendliche ausgedehnt haben. Da nun zu dieser Zeit sehr viele Kirchenlehrer für die Wahrheit kämpften und die apostolische und kirchliche Lehre mit großer Gewandtheit verteidigten, so gaben auch schon damals einige von ihnen durch ihre Schriften der Nachwelt Verwahrungsmittel gegen die eben genannten Ketzereien. Von diesen ist des Agrippa Kastor, eines damals sehr berühmten Schriftstellers, schlagende Widerlegung des Basilides auf uns gekommen, worin er die schreckliche Betrügerei dieses Mannes aufdeckt. Indem nun Kastor die Geheimnisse des Basilides an das Licht bringt, berichteter, daß derselbe 2ä Bücher über das Evangelium (2) geschrieben habe. Auch habe er sich selbst Propheten erdichtet, den Barkabba und Barkoph, so wie noch einige andere, die gar nie in der Wirklichkeit cxistirt hätten, und habe denselben, um bei denjenigen, die dergleichen bewunderten, Erstaunen zu erregen, barbarische Namen beigelegt. (Z) Ferner habe er gelehrt, es habe nickts auf (t) Nämlich es sey ein höchster, Allen unbekannter Gott, der Engel und Erzengel, Kräfte und Mächte erschaffen. Diese Körpcrwclt aber mit Allem, was darin ist, sey von gewissen sieben Engeln gemacht worden. Diese hatten von oben heräb von der höchsten Gottheit ein glänzendes Bild gesehen, welches sie hätten nachahmen wollen und deßwegcn zu einander gesagt hätten, wir wollen einen Menschen machen nach unserem Bilde. Es sey aber ein elendes, unvermögendes Geschöpf daraus geworden, das nicht einmal aufrecht hätte gehen können, sondern zu kriechen gcnöthigt gewesen. Dieß habe die höchste Kraft gedauert und sie habe deswegen einen Lebensfunken vom Himmel herab in den Menschen geschickt, welcher nach dem Tode desselben wieder in die Gcistcrwclt zurückkehrte. Diese sieben Engel hätten sich hernach über der Herrschast der Körperwelt entzweit und einer von ihnen, der der mächtigste gewesen, habe die Oberhand behalten und sey der Judengott geworden. Irenaus Buch 1, Kapitel 22. Dieser Judengott habe sich selbst von Tag zu Tag verschlimmert und da sey auf gemeinschaftlichen Rath aller Gcisterkräste der Erlöser vom Vater gesandt worden, den Judengott zur 'Raison zu bringen und denen, die an ihn glaubten, die Seligkeit zu geben. Epiphanias in der 23sten Ketzerei, Seite 63. Christus habe aber keinen wirklichen Körper gehabt, sondern habe nur in einem angenommenen Schcinkörper gelitten. Tertullian ele praoscripl. Iiaoratle., c. älZ. Es wären zweierlei Menschen erschaffen worden, gute und böse. Die Weissagungen der Propheten rührten thcils von den Engeln her, die die Welt erschassen hätten, besonders von dem Judengott, theils auch von den Teufeln. Das Heirathen und Kindcrzcuzcn sey ebenfalls vom Teufel. Irenaus am angeführten Ort. Es gebe keine Auferstehung des Fleisches. Tertullian. Sic enthielten sich auch ihren Grundsätzen gemäß des Heirathcns. Stroth. (2) Eusebius sagt nicht, über welches Evangelium er diese Buchen geschrieben. Vielleicht über sein eigenes. Denn Basilides hatte selbst ein Evangelium geschrieben und demselben seinen Namen vorgesetzt. (3) Dahin gehört auch der Name Abraxas, welchen er Gott, „dem allgemeinen und ungezeugten Vater," beilegte. Sein System war nach der Darstellung von Berthold folgendes: „Aus dem höchsten Wesen sind durch Emanation sieben große Aeonen hervorgc- „gangen, nämlich die Aeonen: Verstand, SV ort, Klugheit, Weisheit, Macht, „Friede und Gerechtigkeit. Die zwei Aeonen, Weisheit und M acht, zeugten „die erste Gattung von Engeln oder Geistern; diese zeugten wieder eine andere Klasse und so „ging denn die Produktion fort, bis 365 Klassen von geistigen Kräften oder Engeln, die „immer weniger Vollkommenheit hatten, vorhanden waren. Eben so viele Himmel waren „auch für sie vorhanden und über sie alle war ein mächtiger Fürst gesetzt, welchen Basilides Eusebius Kirchengeschichte. 8 IAdriannS. Jahr Christus 1Z5. Telesphorus. sich, wenn man Götzenopf erfleisch esse und zu Zeiten der Verfolgung den Glauben unbedachtsam abschwöre. Seinen Zuhörern habe er nach dem Beispiele des Pythagoras ein fünfjähriges Stillschweigen auferlegt. Noch führt der genannte Schriftsteller andere ähnliche Lehrmeinungen des Bafi- lides an und zieht den Jrrthum der erwähnten Sekte trefflich ans Licht. JrenäuS schreibt ferner: Ein Zeitgenosse von diesem sey KarpokrateS gewesen, der Vater einer andern Sekte, nämlich der sogenannte Gnoftiker. (1) Diese wollten bereits Simons magische Künste nicht mehr, wie dieser, heimlich , sondern öffentlich vortragen. Sie rühmten sich ihrer mit ängstlicher Sorgfalt zubereiteten Zanbertränke, gewisser träumesendender und schutz- vcrleihender Dämonen und anderer ähnlicher Sachen als großer Dinge. Diesem gemäß lehrten sie, daß diejenigen, welche in die innerste Tiefe ihrer „Abraxas nannte, welches Wort nach der Zahlbcdcutung der griechischen Buchstaben die „IM 365 ausdrückt. Die Engel von der letzten oder untersten Klasse erbauten dann aus „der von Ewigkeit her vorhandenen Materie die Welt, jedoch nach dem Bilde, welches „ihnen der Aeon Weisheit vorgelegt hatte. Ferner bildeten sie den ersten Menschen und „zwar nach dem Bilde des himmlischen Menschen, welches sie ebenfalls von den Aeoncn „erhalten hatten. Sic gaben den Menschen nur eine sinnliche Seele; der höchste Gott that „aber noch eine vernünftige hinzu. Hierauf theilten sich die Weltschöpfer in die Herrschaft „der Welt, wobei der vornehmste unter ihnen die Regierung über das jüdische Volk bekam. „Dieser ist der Jchova oder der Gott der Juden, welcher sehr vieles Unheil anrichtete. „Um nun allem Elend, in welches die Menschen nach und nach gerathen waren, abzuhelfen, sandte der höchste Gott den höchsten Aeon Pius oder Verstand, d. h. Christum, in „die Welt, der von einem Menschen nur die äußereBildung und Gestalt annahm, die er nach „Belieben verändern konnte. Seine Bestimmung war, die Menschen von der Gewalt des „Weltschöpftrs zu erlösen und zur Erkenntnis des höchsten Gottes zu führen. Darüber „aufgebracht, reizte der Judengott sein Volk, die Juden, auf, daß sie ihn zum Kreuzestode „vcrurthcilten, aber statt seiner wurde Simon von Eyrcnc, welchem er seine Gestalt gege- „ben hatte, gekreuzigt. Er selbst schwang sich in die höhcrn Regionen zu Gott aus, wohin „auch die Seelen aller Menschen, die seiner Lehre folgen, geführt werden. Die Seelen der „übrigen Menschen wandern in andere Körper und endlich gehe» alle Körper zu der Ma- „tcne, woraus sie entstanden sind, zurück." (1> Rur der Wunsch, für jede Sekte einen Stifter namentlich anführen zu können, konnte den Karpokratcs zum Stammvater der gnostischen Sekte machen. Er war es eben so wenig, als eine eigene von den Saturnianern, Valentinianern :c. verschiedene Partei, die Gnostikcr, geheißen hat. Denn nur die Begierde, die Kctzernamen zu vermehren, hat aus der Gattung eine besondere Art gemacht. Uebrigens haben wir über das gnostische System des Karpokrates nur unvollständige Rachrichten. Es läßt sich, sagt Berthold in seiner Dogmengeschichte, nur im Allgemeinen angeben, daß er auch von der Annahme zweier Grundwescn, des höchsten Gottes und der Materie, ausging, eine Reihe aus dem guten Grundwescn emanirtcr Aconen statuirtc und die Welt durch Engel erschaffen worden scyn ließ, welche Wcltschöpfcr die Erkenntnis und Verehrung des höchsten Gottes verhindert hätten. Christum hielt er, dem Aeußcrn nach, für einen wahren Menschen und einen leiblichen Sohn des Joseph; er legt ihm aber eine Seele bei, welche vor den übrigen Menschcnseelen große Vorzüge gehabt hätte, indem sie sich nicht nur in ihrer Präeristcnz vollkommen rein und unbefleckt erhalten hätte, sondern auch in ihrer körperlichen Umhüllung auf Erden dem höchsten Gott mit Verschmähung der Weltschöpfer unwandelbar treu geblieben wäre. Zur Belohnung dafür ward aber auch auf sie eine höhere Kraft, wahrscheinlich einer der Aeonen, herabgelassen. In dieser Qualität hat denn Jesus auch den übrigen Menschen Anleitung gegeben, wie sie sich von der Verehrung der Wcltschöpfcr zu dem wahren Gott erheben sollten. Ferner behauptet Karpokratcs, nur auf Glaube und Liebe komme es an, alles Acußerlichc sey ganz gleichgültig, wer in das Acußerliche eine sittliche Bedeutung hineinlege, mache sich von demselben abhängig und bleibe der Herrschaft der Wcltgeister, von denen crüe religiöse, moralische und politische Ordnungen herrühren, unterworfen; er könne sich nach dem Tode nicht aus dem Kreisläufe der Mctcmpsychose erheben. Wer aber allen Lüsten sich hingibt, ohne dadurch afsicirt zu werden und so den Gesetzen jener Wcltgeister trotzt, der erhebt sich nach dem Tode zur Einheit mit dem Urei- n en, mit dem er hienicden schon verbunden, von allen Schranken sich frei gemacht hatte. Adriauns. Jahr Christus 135. Telesphorus. IIS Geheimlehre oder vielmehr ihres Gräuelsystcms eindringen wollten, alle Schaudthateu verüben müßten, indem man sich auf keine andere Art von den Weltbeherrschern, wie sie sich ausdrückten, frei machen könnte, als wenn man jeglichem seine Gebühr durch schändliche Handlungen entrichte. Dieser Leute bediente sich also der schadenfrohe Teufel als seiner Werkzeuge, um einestheilS die von ihnen auf eine so jämmerliche Weise Verführten zu Sklaven des Verderbens zu machen, anderntheits aber den ungläubigen Heiden reichlichen Stoff zu Verunglimpfung des göttlichen Wortes zu geben, indem der von jenen ausgehende schlechte Ruf zum Schimpf der ganzen Christenheit sich verbreitete. Daher kam es denn hauptsächlich, daß sich in Betreff unserer bei den damaligen Heiden die eben so ungereimte als gottlose Meinung verbreitete, daß wir mit Müttern und Schwestern einen sträflichen Umgang pstögen und daß wir verabschcuungöwürdige Speisen (1) genößen. Jndeß durfte er sich nicht lange dessen freuen, da sich die Wahrheit selbst bestätigte und empfahl und im Verlaufe der Zeit in hohem Glänze leuchtete. Die Erfindungen der Widersacher wurden durch ihre eigenen Wirkungen widerlegt und verschwanden. Denn eine Sekte trat nach der andern mit Neuerungen hervor, jedesmal zerstoßen die frühern und lösten sich in vielfache und viclförmige Gestalten, die eine auf diese, die andere auf jene Art, die eine zu dieser, die andere zu jener Zeit, auf, und gingen unter; die aber immer sich gleich und dieselbe bleibende Herrlichkeit der allgemeinen und allein wahren Kirche gewann immer mehr an Größe und Zuwachs und verbreitete den Glanz ihrer Würde, ihrer Lauterkeit und ihres Adels, so wie der Vernunftmäßigkeit und der Reinheit der Verfassung und Lehre der Christen über alle Griechen und Barbaren. Mit der Zeit verlor sich auch die gegen das ganze Christenthnm erhobene Verleumdung und nur unsere überall herrschende Lehre, welcher in Betreff der Würde, der Vernunftmäßigkeit und der göttlichen und philosophischen Lehrsätze allgemein der Vorzug zugestanden wird, hat sich erhalten. Daher wagt jetzt niemand mehr, eine garstige Lästerung gegen unfern Glauben oder irgend eine solche Verleumdung vorzubringen, wie sie in srühern Zeiten unsere Gegner so gerne sich ihrer bedient haben. Uebrigens hat auch damals die Wahrheit wiederum eine große Anzahl Verfechter aufgestellt, welche nicht allein mit mündlichen Widerlegungen, sondern auch mit schriftlichen Beweisen gegen die gottvergessenen Ketzereien kämpften. (t) Neben dem Vorwurf des Atheismus waren die zwei Hauptbcschuldigungcn von Seiten der Heiden gegen die Christen das Essen von Menschenfteisch und ein strafbarer Umgang mit Müttern und Schwester». Veranlassung dazu scheinen ihre bekannten Liebcs- mahle und ihre anfangs geheimen und nächtlichen Zusammenkünfte gegeben zu haben. Die Orthodorcn suchten dagegen diese Verbrechen den Häretikern aufzubürden, indcß nicht zu ihrem Vortheile, da die Heiden die verschiedenen Sekte» unter den Christen weder un er- scheiden konnten, noch sich sie zu unterscheiden die Mühe nahmen. 8* II« Advianus. Jahr Christus 135. Telesphorus. A rh t e s H a u p t st ü rk. Was für Kirchcnschriftstcllcr damals gcwcscn. Unter diesen machte sich Hegesippus(l) bekannt, den wir oben schon mehrmals angeführt haben, da wir verschiedene Vorgänge aus den Zeiten der Apostel nach seiner Aussage erzählten. Dieser verfaßte eine Erklärung der wahren Ucbsrlieferung der apostolischen Lehre in fünf Büchern in einer höchst ungekünstelten Schreibart. Die Zeit, zu der er lebte, gibt er in der Stelle zu erkennen, wo er von denen, die anfänglich Götzenbilder errichtet haben, spricht. Dort heißt es: „Denen sie, so wie bis jetzt, Ehrengrab- „mäler und Tempel errichtet haben. Unter diese gehört auch Antinous, der „Sklave des Kaisers Adrianus, (2) dem zu Ehren man auch das antinvische „Kampfspiel hält , HZ) das auch zu unfern Zeiten gefeiert worden ist. Auch „ließ der Kaiser eine Stadt anlegen, die seinen Namen trägt hg) und ordnete ihm zu Ehren Propheten an." (5) Um diese Zeit lebte auch JustinuS, ein echter Liebhaber der wahren Philosophie, aber damals noch eifrig mit der griechischen Gelehrsamkeit beschäftigt. Er bemerkt diese Zeit selbst in seiner Verteidigungsschrift an den Kaiser Antoninus, wenn er sagt: „Wir „halten cS nicht für unpassend, hier auch des Aulinouö zu gedenken , der zu „unserer Zeit gelebt hat, den alle als einen Gott zu verehren aus Furcht „sich beeiferten, wiewohl sie wußten, wer und woher er war." Derselbe Justinus erwähnt auch des damaligen jüdischen Krieges und schreibt davon also: „Denn in dem neulichen jüdischen Kriege ließ Barchochebas, der Ur- „heber des jüdischen Aufstandeö, die Christen allein (6) mit den härtesten „Strafen belegen, wenn sie nicht Jesum Christum verleugneten und schmäh- „ten." In eben dieser Schrift erzählt er auch seinen Uebertritt von der griechischen Philosophie zum Christenthum und zeigt, daß er diesen Schritt nicht ohne Grund, sondern mit aller Ucberlegung gethan hat. „Ich war „selbst," sind seine Worte, „ein Anhänger der platonischen Lehre; da ich „aber die Christen schmähen horte, indeß aber sah, wie sie furchtlos dem „Tod und allen Schrecknissen entgegengingen, so schloß ich, es sey unmöglich, daß diese Leute in Bosheit und Wollust leben sollten. Denn welcher „Wollüstling oder welcher Unmäßige, welcher, dem das Speisen von Men- (1) Ganz richtig bemerkt Walesius, daß Hegcsippus noch nicht hiehcr gehöre, sonder» in die Regierung des Markus Aurclius, da er selbst sagt, daß er zur Zeit des römischen Bischofs Eleutherus gelebt; siehe unten Hauptstüek 22. Stroth. (2) Entweder wegen der ausgezeichneten Schönheit des Knabe» oder weil er als ein Sühnopfer für ihn starb. (A Es wurde nach dem Zeugnis des Pausanias alle fünf Jahre zu Mantinca in Arkadien gefeiert., Valesius. (4) Die Stadt Antinopolis in Heptanomis oder Mittelägvptcn. (5) So hießen in Aegypten, wo Antinous hauptsächlich verehrt wurde, die Oberpriester. (6) Dieß allein ist, wie Munter bemerkt, nicht so zu verstehen, daß er nicht auch grausam gegen die Römer und Griechen gewesen, allein er peinigte besonders die Christen aus Rcligionshaß, wenn er sie nicht zum Abfall bewegen konnte. Ucbrigcns setzte Bar Cochba den Christen auch wegen ihrer Weigerung, am Aufstände Khcil zu nehmen, so hart zu. Adrianns. Jahr Christus 1Z6. Telcsphorus. 117 „schenfleisch Genuß gewährt, könnte den Tod willkommen heißen, der ihn „doch nur seiner Lust berauben wurde? Sollte er nicht vielmehr Alles auf» „bieten, um immerdar hier am Leben und den Obrigkeiten verborgen zu „bleiben, statt sich selbst anzugeben, nm am Leben gestraft zu werden?" Auch erzählt derselbe JustinuS, Hadrian habe auf ein Schreiben des sehr angesehenen Statthalters Serennius, die Christen betreffend, worin derselbe auf die Ungerechtigkeit aufmerksam machte, dieselben ohne Anklage, bloß dem Geschrei des Volks zn Gefallen, ohne Urtheil und Recht zu tvdten, dem Prokonsul von Asien, Minncins Fundanus, den Befehl zugeschickt, keinem ohne Anklage und gegründete Beschuldigung das Leben zu nehmen. Justin fügt eine Abschrift dieses Befehls bei, worin er die lateinische Sprache, (l) in der er ergangen war, beibehält. Folgendes schickt er demselben voran: „Auch der Brief des großen und erlauchten Kaisers Adrianns, eures VaterS, „gibtun« das Recht, solche Untersuchungen, wie wir verlangt haben, zu „fordern, aber wir verlangen sie nicht sowohl deßwegen, weil Adrianns sie „befohlen hat, als vielmehr, weil wir das Bewußtseyn haben , daß unsere „Bitte gerecht ist. Jndeß fügen wir eine Abschrift des Briefes des Adria- „nus bei, damit ihr erkennen möget, daß wir auch hierin die Wahrheit „reden. Er lautet also." Justin läßt nun die lateinische Abschrift folgen, welche wir so gut als möglich in das Griechische überseht haben und welche also lautet. Neuntes Hanptstück. Brief des Adrianns, daß man nicht ungchörtcr Sache wider uns verfahren solle. „Aelius Adrianns, dem Minueins Fundanus seinen Gruß. Ich „habe von deinem Vorgänger, dem erlauchten Serennius Grannianus, ein „Schreiben erhalten. Nach meiner Meinung nun darf man die Sache nicht „ununtersucht lassen, damit nicht die Leute in Unruhe verseht werden und „die Angeber Gelegenheit zur Schlechtigkeit erhalten. (2) Wenn also die „Provinziellen auf ihrem Begehren gegen die Christen ganz fest beharren „können, so daß sie auch vor dem Nichterstuhl Rede und Antwort zu geben „vermögen, so mögen sie sich darauf beschränken, aber aller ungestümen „Forderungen und alles Geschreis sich enthalten. Denn es ist doch weit „billiger, daß du, wenn Jemand eine Anklage stellen will, dieselbe untersuchst. Wenn nun Jemand eine Anklage anstellt und den Beweis führt, (1) Letzt findet sich dieser Brief bei Justinus auch griechisch, vcrmuthlich aus der Uebcrsctzung des Eusebius, doch enhält er einige kleine Abweichungen. Es ist indcß nicht unwahrscheinlich, daß Rusinus die Urschrist seiner Uebersetzung einverleibt hat. Stroth. (2) Neander glaubt, daß Rusinus, welcher nv culuiniuutoridus latrocininiür lribua- lur oocnsi» hat, hier die Urschrift vor sich gehabt und Eusebius nicht genau genug übersetzt, statt des ursprünglichen spcciellen Wortes in der Uebertragung ein allgemeines gesetzt habe und nimmt I-ttrorinuri in der Bedeutung von ovncnterv, in welchem Falle dennJier Sinn ist, es solle falschen Angebern keine Gelegenheit gegeben werden, Geld zn erpressen, nämlich durch die Drohung, daß sie die als Christen Verdächtigen vor Gericht ziehen würden. 118 Antoninus. I. Chr. 15S. Hyginus, achter Bischof in Rom. „daß sie sich gegen die Gesetze vergangen haben, so bestimme in diesem Falle „nach der Größe der Schuld. Wenn aber Jemand ans bloßer Verleumdung „dergleichen vorbringt, dann bestimme, beim Herkules! über dieses Verbrechen und sorge für dessen Bestrafung." Dieß ist der Inhalt des Schreibens des Kaisers Adrianus. Zehntes Haupttiück. Was für Bischöfe unter der Regierung des Antoninus zu Rom und Alexandrien gewesen. Nachdem Adrianus nach einer 21jährigen Regierung gestorben war, so wurde Antoninus, mit dem Beinamen der Fromme, sein Nachfolger auf dem römischen Kaiserthrone. Im ersten Jahre dieses Kaisers starb Teles- phorns im eilften Jahre seines bischöflichen Amtes und Hyginus erhielt den römischen Bischofsstuhl. Irenaus erzählt, daß Telesphorus sein Ende durch den Märtyrertod verherrlicht habe. An derselben Stelle berichtet er auch, daß zu den Zeiten des genannten römischen Bischofs Hyginus Valen- tinus, der Stifter einer eigenen Sekte, so wie Cerdo, der Urheber der marcionitischen Jrrthümer,(l) in Rom in Ruf gestanden seyen. Seine Worte sind folgende: Eilstes Hauptstück. Bon den Sektcustistcrn der damaligen Zeiten. „Valentinus kam nach Rom unter Hyginus, blühte unter Pius und „erlebte noch den Anicetus. Cerdo aber, der Vorläufer des Marcion, lebte „ebenfalls unter Hyginus, welcher der neunte Bischof zu Rom war. Er „begab sich in den Schoos der Kirche und bekannte seine Jrrthümer, machte „es aber so, daß er bald heimlich lehrte, bald wiederum widerrief, bald „seiner schlechten Lehre überwiesen und von der Gemeinschaft der Brüder „ausgeschlossen wurde." Diese Nachricht gibt uns Jrenäus in seinem dritten Buche wider die Ketzereien. In seinem ersten Buche meldet er ebenfalls von Cerdo Folgendes: „Ein gewisser Cerdo, der sich in der Schule der Si- „montaner gebildet hatte, hielt sich unter Hyginus, der in der Bischofsreihe „der neunte von den Aposteln an war, zu Rom auf. Er lehrte, der von „dem Gesetz und den Propheten verkündigte Gott sey nicht der Vater nusers „Herrn Jesu Christi. Denn jener sey ein bekannter, dieser aber ein nnbe- „kannter, jener ein gerechter, (2) dieser aber ein ungerechter Gott. Sein „Nachfolger war Marcion aus Pontus, welcher seine Schule weiter verbreitete und auf die schamloseste Weise lästerte." Eben dieser Jrenäus deckt s> > Cerdo wird hier so genannt, weil Marcion die Hauptidcen seines Systems, so weit es gnostisch ist, von Cerdo annahm. (2) Nämlich juridisch gerecht. AntoninuS. I. Chr. 1Z9 —145—144—154—157. Hyginus." 119 auch den unermeßlichen Abgrund der vielfachen Jrrthümer des DalentinuS in Betreff der Materie (l) mit vielem Nachdrucke auf und zieht die heimliche, fein verborgene Bosheit dieser lauernden Schlange ans Licht. Ueber- dieß erwähnt er noch eines andern, der zu dieser Zeit gelebt habe, Namens Markus, (2) der in magischen Taschenspielereien sehr erfahren gewesen sey. Er spricht auch von ihren unheiligcn Einweihungen und von ihren abscheulichen Geheimnissen, welche er wörtlich also beschreibt: „Einige von ihnen „bereiten ein Brautbett und verrichten die Einweihung mit Aussprechung „gewisser Worte über die Einzuweihenden, und nennen das, was sie thun, „eine geistliche Vermählung nach dem Vorbilde der himmlischen Ehen. (Z) „Andere führen sie zum Wasser und sprechen, während sie taufen, die „Worte: Auf den Namen des unbekannten VaterS aller Diiige, auf die „Wahrheit, die Mutter aller Dinge, und auf den , der auf Jesus herab- „gekommen ist. Andere aber sprechen dabei verschiedene hebräische Worte, „um die Eingeweihten in ein desto größeres Erstaunen zu versetzen." Nachdem Hyginus nach vierjähriger Amtsverwaltung gestorben war, so wurde Pius Bischof zu Rom. In Alexandrien aber wurde Markus zuän Bischof erwählt, nachdem Eumenes dieses Amt im Ganzen 13 Jahre verwaltet hatte. Als auch Markus nach lojähriger Amtsführung verschied, so überkam Celadion die Leitung der alexandrinischen Gemeinde. Nach Pius, der im 15ten Jahre seines Amtes verschied, kam Anicetns an die Spitze der römischen Kirche. Zu seiner Zeit kam Hegesippus nach Rom, wie er selbst erzählt, und hielt sich daselbst auf bis zu der Zeit, als Elentherus Bischof wurde. Besonders aber blühte damals Justinus, der in der Gestalt eines Philosophen (4) das göttliche Wort lehrte und in seinen Schriften für den Glauben stritt. Dieser verfaßte auch eine Schrift gegen Marcivn, worin er meldet, daß dieser Mann zur Zeit der Abfassung derselben noch am Leben war. Seine Worte sind folgende: „Wir kennen auch einen gewissen Marcion aus * Anicctus, neunter Bischof zu Rom. (1) Aus dem, was uns Irenaus und OrigeneS hicvon melden, scheint er die Ewigkeit der Materie behauptet zu haben; seine Vorstellung von der Ausbildung der Materie ist sehr sonderbar. Eine seiner Aconcn verließ das Pleroma oder den Raum, wo sich die ZH Aconen aufhielten, und versank in die Materie, wo sie durch Hülfe des Aeon Jesus, der sich ihrer erbarmte, durch allerlei Modifikationen, die sie selbst erfuhr, als Weinen, Lachen :c., diese Körperwelt ausbildete. Gedachte 30 Aconcn wurden in drei Klassen eingethctlt und waren halb männlichen, halb weiblichen Geschlechts. Uebrigens handeln Jrcnäus und Epiphanius von diesem Valentinas und seinem Lehrgebäude sehr ausführliche Er war der vornehmste unter den Stiftern gnostischcr Parteien und eignete sich den Namen eines Gnostikers vorzüglich zu. Wir haben auch von keinem gnostischcn System so viele Nachrichten, wie von dem sinnigen. Stroth. (2) Markus trug seine Lehren in einem Gedichte vor, worin er die Aconcn redend einführte und sein System noch tiefer zu begründen suchte, als Valcntinus. Nach kabbalistisch-jüdischer Art suchte er besondere Mysterien in der Zahl und Stellung der Buchstaben. (31 Nach der Vorstellung der Valentinianer machten die 30 Aeonen wirklich 15 Ehepaare aus. (4) D. h. er behielt, wie mehrere andere heidnische Philosophen, die sich dem Ehn- stcnthum zugewandt hatten, den Philosophenmantcl bei. Dieß verschaffte ihnen theils ein größeres Ansehen bei dem Volke, theilS mehr Gelegenheit, sich aus Spaziergängen, öffentlichen Plätzen :c. in philosophische oder religiöse Gespräche ciniaffen zu können und durch diese dem Evangelium in den Gcmüthern einen Weg zu bahnen. I2V Autoninus. Jahr Christus 167. Anicetus. „Pontus, der noch jetzt seine Anhänger lehrt, noch an einen andern größer» „Gott, als den Weltschöpfer, zu glauben. Dieser hat mit Hülfe der bösen „Geister allwarts viele Menschen dahin zu bringen gewußt, daß sie Lästerungen reden und behaupten, der Schöpfer dieses Alls sey nicht der Vater „Christi, sondern ein anderer, viel größerer, habe dasselbe erschaffen. „Dennoch werden, wie wir bemerkt haben, alle, die von diesem ausgegan- „gen sind, Christen genannt, auf dieselbe Weise, wie den Philosophen der „Name der Philosophie gemein ist, so wenig auch Uebereinstimmung in „ihren Lehrsätzen herrscht." Sodann bemerkt Justin noch weiter: „Ich „habe auch euieSchrift wider alle Ketzereien, (1) die gewesen sind, welche ich „euch mittheilen will, wenn ihr sie lesen wollt." Eben dieser Justinus verfaßte auch mehrere treffende Abhandlungen gegen die Griechen und eignete einige andere Schriften, welche die Vertheidigung unseres Glaubens zum Gegenständ haben, dem Kaiser AntoninnS, mit dem Beinamen der Fromme, und dem römischen Senat, zu. Denn er hatte seinen Aufenthalt zu Rom. Wer und woher er sey, gibt er selbst in seiner Schutzschrift also an: Zwölftes Haupt stück. Von der Schutzschrist des JustinuS a» Antoninus. „Dem Selbstherrscher Titus Aelins Adrianus AntoninnS dem From- „men, dem Cäsar und Augustus und dem Verisstmus, seinem Sohne, dem „Philosophen und dem Lucius, (2) dem leiblichen Sohne des Cäsars des „Philosophen und dem adoptirten Sohne des Frommen, dem Freunde der „Gelehrsamkeit, und dem geheiligten Senate und dem gesummten römischen. „Volke übergibt und widmet diese Schrift für die vom ganzen Menschengeschlecht nngerechterweise Gehaßten und Verleumdeten einer aus ihrer Zahl, „Justinus, der Sohn des Priskas, des Sohnes des Bacchius, ans Flavia „Neapolis(Z) im palästinischen Syrien." Da derselbe Kaiser auch von (l) Es bleibt ungewiß, ob Justinus hier eine Schrift meint, die er selbst geschrieben (wovon doch Eusebius unter Hauptstück'18. nichts meldet) oder die von einem andern herrühre. <2) Lucius war ein leiblicher Sohn des Casar Aclius Berus, den Adrianus an Sohnes statt angenommen hatte. Als dieser starb und Adrianus den Antoninus Pius adop- tirtc, so that er es unter der Bedingung, daß Pius wiederum den Markus und Lucius adoptiren solle, wie Spartianus und Kapitolinus melden. Andere sagen indessen, daß Lucius von Markus adoptirt sey, wie Kapitolinus in dem Leben des Markus erzählt. Daher können wir in diesen Worte» des Justinus unter dem Cäsar dem Philosophen keinen andern verstehen, als den von Adrianus adoptirten Aclius Berus. Denn Justinus sagt, Lucius sei) ein leiblicher Sohn des Cäsars des Philosophen gewesen und ein angenommener Sohn des Antoninus Pius. Nu» ist aber bekannt, daß Lucius ein leiblicher Sohn des Aclius Berus gewesen, also kann unter dem Namen Cäsars des Philosophen kein anderer als Aelius Berus verstanden werden. Denn wenn wir hierunter den Markus verstehen wollten, so müßte man sagen, daß sich Justinus geirrt hätte, da er doch nur sein angenommener Sohn war. Wie ließe sich aber ein solcher Jrrthum bei Justinus denken? Valesius. (3) Früher Sichem, damals Hauptstadt von Samaria. AntvninuS« Jahr Christus 157. Ankcetus. 121. andern Brüdern in Asien, welche von den dortigen Einwohnern Mißhand- lnngen aller Art zn erdulden hatten, angegangen wurde, so erließ er folgenden Befehl an die Landesversammlnng in Asien. Dreizehntes Hauptstück. Schreiben des Kaisers Antoninus an die Landcsversaimnlung von Asien in Betreff unseres Glaubens, (1) „MarknS AnreliuS AntoninnS, Selbstherrscher und Kaiser, Angustus, „der Armenier, fünfzehnmal im Besitze der Tribnnengewalt(2) und drei- „maliger Konsul, entbietet der Deputirtenversammlung von Asien seinen „Gruß. Ich weiß, daß die Götter selbst dafür sorgen, daß dergleichen „Leute nicht verborgen bleiben. Denn sie könnten viel eher, als ihr, alle „diejenigen strafen, welche sie nicht anbeten wollen. Allein ihr bestärkt sie „noch in ihren Ansichten, welche sie haben, dadurch, daß ihr sie beunruhigt „und sie des Atheismus beschuldigt. Es dürfte ihnen aber ganz erwünscht „seyn , wenn sie angeklagt sind, zu zeigen, daß sie um ihres Gottes willen „den Tod dem Leben vorziehen. Daher erreichen sie denn auch ihre Absicht, „indem sie lieber ihr Leben lassen , als daß sie sich entschließen sollten, das „zu thnn, was ihr von ihnen verlangt. In Betreff der Erdbeben, welche „sich ereignet haben und noch ereignen, halte ich es für dienlich, euch, die „ihr, wenn solche sich ereignen, den Muth sinken lasset, sonst aber euer „Betragen mit dem Betragen jener zu vergleichen pflegt, eine Erinnerung „zu geben. Jene nun setzen alsdann ein noch viel größeres Vertrauen auf „Gott; ihr hingegen vernachläßigt während dieser ganzen Zeit, indem ihr „sie nicht zu kennen scheint, die Götter und andere Dinge und den Dienst (1) Dieses Schreiben des Kaisers AntoninuS, der übrigens der Ucberschrift nach nicht Antoninus der Fromme, sondern sein Nachfolger, R. Aurelius der Philosoph, ist^ wird seit I. Sealiger von sehr vielen für unterschoben gehalten. An Justin ^pul. I- c. 70, wo es jedoch anders lautet, ist es von späterer Hand angehängt. Neandcr in seiner Kirchcn- grschichte (l. t, Seite 152) äußert sich darüber also: „Der Werfaster dieses Rcscripts führt „eher die Sprache eines Christen, als eines heidnischen Kaisers, zumal eines solchen, dem „imiAnis er^u cuerimoniu^ pudlieus aura no eastc-iu fiealzritti inarmur.) zum bcsondern Lobe „angerechnet wird und auch die folgende Geschichte spricht nicht für das Borhandenscyn „eines solchen Edikts." Sodann heißt es in der Anmerkung: Eusebius sagt zwar, daß Melito von Sardcs sich in seiner Apologie vor dem nachfolgenden Kaiser auf dieses Rcscript berufe, aber auffallend ist es, daß Melito in dem von Eusebius angeführten Fragment gerade das Rescript nicht anführt, da dasselbe doch weit günstiger für die Christen gewesen wäre, als die von Melito angeführten Edikte. (2) Die LZolkstribuncn waren zu den Zeiten der Republik heilige und unverletzliche Personen, eingesetzt, den Unterdrückten zu schützen, die Feinde^ des Volks vor Gericht zu ziehen w. und selbst, wenn sie es nöthig glaubten, die Schliche des Senats zu hindern und durch ein einziges Wort die ganze Regierungsmaschine zu hemmen. Augustus und seine Nachfolger fanden es für gut, sich den Titel der Tribunengcwalt beizulegen, um dadurch als Repräsentanten des .Volks dem Senate gegenüber zu erscheinen und einen gesetzlichen Einfluß auf die Beschlüsse des Senats zu erhalten. Jndcstcn ist unter der Kaiser- rcgierung zu unterscheiden zwischen dem Tribunat und der tribunischcn Gewalt. Jenes war ein jährliches Amt und bereits unter Trajan zu einem Schatten herabgesunken. Diese war lebenslänglich und verlieh den Kaisern, welche allein sie bekleideten und nach den Jahren ihres Besitzes die Jahre ihrer Regierung rechneten, die höchste Gewalt in «Zivilsachen. 122 AntoninuS. Jahr Christus 157. AulcetuS. „des Unsterblichen, welchem die Christen, die ihr bedrückt und bis auf den „Tod verfolgt, dienen. In Betreff dieses haben bereits viele Statthalter „an meinen seligen Vater geschrieben und dieser hat ihnen den Bescheid „ertheilt, dieselben nicht zu beunruhigen, wenn sie nicht offenbar etwas „wider den Staat unternehmen. Auch mir sind zahlreiche Berichte über „sie zugekommen, worauf ich ganz im Sinne meines Vaters geantwortet „habe. Sollte Jemand noch ferner einen derselben deßhalb beunruhigen, „weil er ein Christ ist, so soll der Angeklagte von der Anklage freigesprochen „werden, wenn man gleich augenscheinlich sieht, daß er ein Christ ist; der „Ankläger aber soll bestraft werden. Bekannt gemacht zu Ephesus in der „Landesversammlung." Daß dieß also geschehen ist, bezeugt Melito, Bischof von Sardes, welcher zu der damaligen Zeit lebte, wie man aus den Worten seiner höchst lehrreichen Vertheidigungsschrift für den christlichen Glauben an den Kaiser Berus (1) ersehen kann. Vierzehntes Hauptstück. Was von Polykarpus, dem Schüler der Apostel, erzählt wird. Zu eben dieser Zeit, als Anicetus der römischen Gemeinde vorstand, lebte noch, wie Irenaus erzählt, Polykarpus, hielt sich einige Zeit zu Rom auf und pflog daselbst mit dem Anicetus wegen einer den Tag des Passahfestes betreffenden Streitigkeit Unterredung. (2) Eben dieser Schriftsteller gibt uns auch noch eine andere Erzählung von Polykarpus, die ich dem andern, was von ihm berichtet wird, hier beizufügen nicht umhin kann. Sie steht in seinem dritten Buche wider die Ketzereien und lautet also: „Polykarpus ist nicht „allein von den Aposteln unterwiesen worden und hat mit vielen, welche „Christum gesehen haben, verkehrt, sondern er ist auch von den Aposteln „selbst zum Bischof der Gemeinde zu Smyrna in Asien eingesetzt worden. „Auch wir haben ihn in unserer frühesten Jugend gesehen. Denn er lebte „sehr lange und starb in einem sehr hohen Alter eines glanzvollen und herr- „lichen Märtyrertodes. Er lehrte beständig das, was er von den Aposteln „gehört hatte, was auch die Kirche lehrt und was allein wahr ist. Dessen „sind Zeugen alle Kirchen in Asien und alle seine Nachfolger bis jetzt. Polykarpus ist ein viel glaubwürdigerer und zuverläßiger Zeuge, als Valen- „tinns, Marcion und die übrigen Jrrlehrer. Er kam auch unter AnicetuS „nach Rom, brachte viele der erwähnten Ketzer in die Kirche Gottes zurück „.und lehrte, daß er die Wahrheit, welche von der Kirche gelehrt würde, als „die einzige und alleinige von den Aposteln überkommen habe. Es gibt „einige, die von ihm erzählen gehört haben, Johannes, der Jünger deö „Herrn, sey in Ephesns einst hingegangen, sich zu baden, wie er aber den (1) Dicß ist Markus Aurclius der Philosoph, der von den Griechen gemeiniglich Berus genannt wird, wie ihn auch Eusebius in der Folge nennt. (2) Das Nähere davon siehe unten 5, 24. Antoninus. Jahr Christus 157. Anicetus.^ 12Z „Ccrinthus drinnen erblickt, sey er, ohne sich zu baden zur Badstube hin- „ansgeeilt und in die Worte ausgebrochen: laßt uns fliehen, die Badstnbe „möchte einfallen, da CerinthnS drinnen ist, der Feind der Wahrheit. Polykarpus selbst begegnete einst dem Marcivn. Wie dieser nun zu ihm sagte: „sieh doch, wer ich bin! entgegnete Polykarpus: Ja, ich sehe den Erstgeborenen des Satans. Eine solche Zurückhaltung beobachteten die Apostel und „ihre Schüler gegen diejenigen, welche die Wahrheit verfälscht hatten, daß „sie sich nicht einmal in ein Gespräch mit ihnen einließen, wie denn auch „Paulus sagt: (1) Einen ketzerischen Menschen meide nach der ersten und „zweiten Zurechtweisung, wohl wissend, daß ein solcher verkehrt ist und „sündigt als einer, der durch sich selbst verurtheilt ist. Es ist auch ein „sehr lehrreicher Brief des Polykarpus an die Philipper vorhanden, (2) aus „welchem diejenigen, welche Lust haben und für ihre Seligkeit Sorge tragen» „die Beschaffenheit seines Glaubens und die Predigt der Wahrheit kennen „lernen können." So weit Irenaus. Polykarpus bedient sich in dem erwähnten Briefe an die Philipper, der sich bis aufsetzt erhalten hat, einiger Stellen des ersten Briefes Petri. Nachdem indessen Antoninus der Fromme 22 volle Jahre regiert hatte, bestieg Markus Aurelius Verus, der auch Antoninus heißt, nebst seinem Bruder Lucius, den Kaiserthron. Fünfzehntes Hauptftück. Wie unter VcruS Polykarpus nebst andern den Märtprcrtod in der Stadt Smyrna erlitten. Zu dieser Zeit, da sehr große Verfolgungen Asien in Bewegung setzten, beschloß Polykarpus sein Leben durch den Märtyrertod. Ich halte es für höchst dringend, sein Ende, wovon sich noch eine schriftliche Darstellung erhalten hat, meiner Geschichtserzählnng einzuverleiben. Es ist ein Brief,(Z) welcher im Namen der Gemeinde, welcher Polykarpus selbst vorgestanden, den Gemeinden in Pontus sein Schicksal also erzählt: „Die Gemeinde „Gottes zu Smyrna wünscht der Gemeinde zu Philomelium (st) und allen „Gemeinden der heiligen allg. Kirche aller Orten Barmherzigkeit, Frieden ^ I. Eh. tgl. M. Aurelius und L. Berus. — I. Ch. 163. (l) Tit. 3, 10. 11. (2t Dieser Brief, woraus Eusebius hier einen weitläufigen Auszug gicbt, ist noch vollständig vorhanden und steht in mehreren Sammlungen der apostolischen Väter. (3t Noch jetzt ist ein Brief des Polykarpus an die Philipper vorhanden, welchen einige für echt, andere für interpolirt und wieder andere für unterschoben halten. Doch entscheiden sich die meisten Steuern für seine Echtheit. (4) Man könnte daraus, daß Eusebius schreibt, der Brief scy an die Gemeinden in Pontus gerichtet gewesen, zu schließen geneigt scyn, Philomelium liege in dieser Landschaft, allein es lag auf der Grenze von Großphrygicn, daher es von einigen zu diesem Lande, von andern zu den angrenzenden Ländern Lykaonicn oder Pisidicn gerechnet wird. Statt mmrov liest Valcsius: x«ra riecur« rörron aller Orten, was jedoch nicht als nothwendig erscheint, wen» man bedenkt, daß der Brief der Smyrnenser ein Umlaufschrei- ben war und in den Exemplaren de» Namen der Gemeinde führte, an welche es abgesendet wurde. 124 M. Aurellus u. L. VeruS. I. Ch. 163. Llnicetufl. „und Liebe Gottes, des Vaters und unseres Herrn Jesu Christi in vollem „Maaße. Wir schreiben euch, geliebte Brüder, was sich mit den Märtyrern und besonders mit dem seligen Pvlykarpus, welcher durch seinen „Märtyrertod die Verfolgung gleichsam besiegelt und gestillt, zugetragen „hat." Anschließend an diese Worte, vor der Erzählung von Pvlykarpus, melden sie die Schicksale der übrigen Märtyrer und berichten, welche Standhaftigkeit diese den Schmerzen entgegengesetzt haben. „Die Herum- „stehenden, erzählen sie, geriethen alle in Erstaunen, als sie sahen, wie sie „theils mit Geißeln sogar bis auf die Schlag- und Blutadern sich zerfleischen „ließen, so daß man ihre Eingeweide und die innersten Theile sehen konnte, „theils auf Meerschnecken und spitzige Pfähle gelegt und auf alle Weise „gequält und gemartert wurden bis man sie zuletzt den wilden Thieren »zum Fressen vorwarf. Vornehmlich zeichnete sich der treffliche Germanikus „auö, welcher durch die Gnade Gottes die der Sinnlichkeit eingepflanzten „Schauer des Todes überwand. Wie nämlich diesen der Prokonsul ans „andere Gesinnung zu bringen suchte, ihm seine Jugend vorstellte und ihn „dringend bat, doch mit sich selbst Mitleiden zu haben, da er noch sehr jung „und in der Blüthe seiner Jahre sey, besann er sich nicht lange, sondern „zog muthig die Bestie an sich, ja zwang und reizte sie fast, um desto „schneller aus der gottlosen und schlechten Gesellschaft dieser Menschen zu „kommen. Nach seinem glorreichenTode bewunderte die ganzeMenge den gottseligen Märtyrer wegen seines hohen MutheS und überhaupt die Stand- „haftigkeit aller Christen. Da erhob sich plötzlich daS Geschrei: Weg mit „den Gottesleugnern! (1) Man suche den Pvlykarpus auf! Wie auf dieses „Geschrei ein gewaltiger Tumult entstand, so bemächtigte sich eines ge- „wissen Quintus aus Phrygien,(2) der erst vor Kurzem aus diesem Lande „gekommen war, bei dem Anblicke der wilden Thiere und der übrigen ihm „drohenden Martern Furcht, er ließ den Muth sinken und gab sein Heil „auf." Der vorerwähnte Brief erzählt, daß derselbe auf das Unbesonnenste und voltig bedachtlos nebst andern zum Gericht hingeeilt sey. Da er nun sogleich ergriffen wurde, so gab er jedermänuiglich ein sprechendes Beispiel, daß man so etwas nicht tollkühn und bedachtlos wagen müsse. (Z) So verhielt es sich mit diesen. „Der bewunderungswürdige Pvlykarpus hingegen, „als er dieses horte, blieb anfänglich unerschrocken, behauptete einen ruht- „gen, festen Muth und wollte daselbst in der Stadt bleiben. Doch ließ er „sich durch das dringende Bitten seiner Freunde, unter der Hand sich aus ll) Ein damaliges Losungswort, das man auch von den Christen zu sagen verlangte, als ein Zeichen, daß sie den christlichen Glauben verleugneten. Die Christen und Heiden nannten sich wechselseitig Gottesleugner, Atheisten, jeder Theil seinen Grünt sahen und seinem Lchrbegriff gemäß. Daher kommt bald unten die Zweideutigkeit in den Ausdruck. des Pvlykarpus. Stroth. (2) Die Einwohner dieses Landes waren von Natur zu schwärmerischen Ucbcrspan- nungen besonders geneigt. (3) Hier solgt im Briefe der Satz: „Wir billigen diejenigen nicht, welche sich selbst angeben; denn so lehrt das Evangelium nicht," allein Eusebius hat ihn absichtlich als ein großer Bewunderer einer solchen Handlungsweise ausgelassen. M. Aurelius u. L. Berus. I. Ch. iß8. Anicctus. 125 »der Stadt zu entfernen, bewegen und begab sich auf ein unweit der Stadt »gelegenes Landgut. Hier hielt er sich mit einer kleinen Gesellschaft auf, »Tag und Nacht mit nichts Anderem beschäftigt, als mit anhaltendem Ge- „bet zu dem Herrn, worin er um Frieden für alle Gemeinden in der Welt »bat und flehte, denn dies; pflegte er von jeher zu thun. Während er nun »nur dem Gebete sich ergab, sah er, drei Tage vor seiner Gefangennehmnng, »NachtS in einem Traumgesichte, wie sein Kopfkissen nur so plötzlich in »Feuer aufloderte und verbrannte. Als er hierüber erwacht war, erklärte »er alsbald denen, die bei ihm waren, die gehabte Erscheinung, sagte ihnen »was ihm bevorstände voraus und äußerte gegen seine Gesellschaft geradezu, daß er um Christi willen den Feuertod sterben müsse. Da nun die, „welche ihn aufsuchten, dieß mit allem Eifer sich angelegen seyn ließen, sah „sich Polykarpus durch das liebevolle Zureden der Brüder noch einmal ge- „nvthigt, nach einem andern Landgute sich zu begeben. Darauf erschienen »bald seine Verfolger auf demselben, ergriffen daselbst zwei Diener und »zwangen den einen derselben durch Mißhandlungen, daß er ihnen das „Versteck des Polykarpus zeigte. Da sie erst spät Abends gekommen »waren, so fanden sie ihn im obern Stockwerke, wo er sich niedergelegt „hatte. Polykarpus hätte zwar von da aus nach einem anderen Hanse flüchten „können, (k) allein er verschmähte dieß, mit den Worten: Der Wille deS „Herrn geschehe! Nachdem er nun erfahren, daß sie da wären, ging er, »wie weiter erzählt wird, herunter und sprach mit ihnen. Sein Angesicht »war dabei so heiler und freundlich, daß jene, die ihn vorher nicht gekannt »hatten, eine Wundererscheinung vor sich zu haben glaubten, wenn sie sein »hohes Alter und seine Miene voll Würde und Ruhe betrachteten und ganz «befremdet waren, daß man auf die Ergreifung eines so bejahrten Man- „nes ein so großes Gewicht gelegt habe. Polykarpus ließ ihnen ohne Ver- »zug sogleich einen Tisch vorsetzen, lud sie sodann zu einem reichlichen »Mahle ein und ersuchte sie um eine Stunde Aufschub, zu ruhigem Gebete. „Nach Gewährung dieser Bitte stand er auf und betete, so voll der Gnade »des Herrn, daß alle Anwesenden, die ihn beten hörten, sich verwunderten, »und viele derselben es jetzt bedauerten, daß ein so ehrwürdiger und gottseliger Greis hingerichtet werden sollte." Hierauf erzählt der ihn betreffende Brief den weitern Verlauf seiner Geschichte wörtlich also: „Nachdem er sein Gebet, worin er aller, mit denen er jemals Umgang gehabt, „Großer und Kleiner, Berühmter und Unberühmter, so wie der ganzen »rechtgläubigen Kirche durch die ganze Welt gedachte, vollendet hatte, und „die Zeit des Aufbruchs erschienen war, so setzten sie ihn auf einen Esel »und führten ihn in die Stadt, am heiligen Abend vor Ostern. Unter- „ivegs begegnete ihm der Friedensrichter (2) Herodes und dessen Vater (t) Die Dächer sind im Orient platt, so daß man leicht von dem einen auf das andere gelangen kann. (2) Die Friedensrichter hatten die Obliegenheit, Aufrührer und Störcr der öffentlichen Ruhe zu greifen und den Gerichten zu üöcrliefern, weshalb ihnen auch eine Anzahl Reiter und leichtes Fußvolk, Diogmiten genannnt, zu Diensten stand. 126 M. Aurelius n. L. Berns. I Ch. 168. Anicetus. „Nicetes. Diese nahmen ihn in ihren Wagen, ließen ihn neben sich „Platz nehmen nnd suchten ihn zu überreden. Was ist eS doch, sprachen „sie, Böses, zu sagen: Der Kaiser unser Herr, und zu opfern (1) nnd damit „das Leben sich zu retten? Polykarpns antwortete anfänglich gar nichts. „Erst, als sie fortfuhren, in ihn zu dringen, entgegnete er: Ich werde nicht „thnn, wozu ihr mir rathet. Als sie nun ihre Bemühungen, ihn zu überreden, vergeblich sahen, stießen sie arge Schimpfreden gegen ihn ans und „warfen ihn mit aller Heftigkeit aus dem Wagen, so daß er sich beim Her- „absteigen das Schienbein verletzte. Allein Polykarpns ging ohne darauf „zu achten, als wenn ihm nichts widerfahren wäre, getrosten Muthes und „rüstig dem Kampfplatze zu, wohin man ihn führte. Als er himstntrat in „denselben, ließ sich eine Stimme vom Himmel herab vernehmen, welche „rief: Sep stark, Polykarpns und mannhaft! allein der Lärm auf dem „Kampfplatze war so groß, daß nur wenige dieselbige hörten. Den, der die „Worte gesprochen hatte, sah Niemand, die Stimme jedoch hörten viele von „den Unsrigen. Wie nun Polykarpns hingeführt wurde, entstand ein gewaltiges Getümmel, weil man hörte, daß Polykarpns gegriffen sey. Er „trat sodann vor den Prokonsnl nnd dieser fragte ihn: ob er Polykarpns „wäre. Ans die bejahende Antwort suchte ihn der Prokonsul zur Verleugnung Christi zu bewegen und sagte: Bedenke doch dein hohes Alter! nebst „mehreren: anderem, dergleichen sie zu jagen pflegen, z. B.: Schwöre bei dem „Glücke des Kaisers! Aendre deine Meinung! Sprich: Räume die GotteS- „längner hinweg! (2) Da sah Polykarpns mit einem ernsten Blick auf das „ganze Volk im Stadium hin, machte mit der Hand eine Bewegung gegen „dasselbe, seufzte und rief, den Blick gen Himmel gerichtet, auö: Räume „die Gottesleugner hinweg! Wie aber der Prokousul weiter in ihn drang „nnd sprach : Schwöre, so will ich dich frei geben, fluche Christo, so entgegnete „Polykarpns: Sechsundachtzig Jahre (Z) bin ich in seinem Dienste nnd er „hat mir Nichts zu Leide gethan. Und wie könnte ich ihm fluchen, meinem „Könige, der mich selig gemacht hat? Und als der Konsul fortfuhr in ihn „zu dringen und sagte: Schwöre bei dem Glücke des Kaisers! erwiederte er: „Wenn du die eitle Ehre haben willst, daß ich bei dem Glücke des Kaisers, „wie du es nennst, schwöre und dich stellst, als ob du nicht wüßtest, wer ich „bin, so höre denn mein frcimüthiges Geständnis;: Ich bin ein Christ. „Willst du aber die Beschaffenheit der christlichen Religion kennen lernen, (11 Wie die Christen gegen eine solche Zumuthung gesinnt waren — sagt Neander — sieht man aus den Worten Tertullians Apologet, o. 24. „Der Name Herr ist auch einer der Namen Gottes. Wohl will ich den Kaiser Herr nennen, aber wenn ich nicht gezwungen werde, ihn in dem Sinne, wie Gott — Herr zu nennen. Sonst bin ich frei von ihm. Ich habe nur Einen Herrn, den allmächtigen und ewigen Gott, welcher auch des Kaisers Herr ist." (2) Diese Zahl kann nicht, wie Mehrere angenommen haben, auf das Alter des Poly- karpus, sondern nur auf die Zeit seit seiner Annahme des Christenthums bezogen werden. Die Heiden hielten die Christen aus dem Grunde für Gottesleugner, weil sie den Polytheismus verwarfen, Verachtung und Abscheu gegen die öffentliche Religion äu-crten und einen geistigen Kultus ohne Tempel, Altäre und Opfer halten. M. AureliuS u. L. Berus. I. Ch. t68. Am'cetu«. Z27 »so bestimme mir eine Stunde und höre mich an. Der Prokonsnl entgegnete : Beruhige nur das Volk (1). Da sprach Polykarp»« : Dir Rede zu „stehen, habe ich für meine Pflicht gehalten. Denn wir sind angewiesen, „den Gewalten und Obrigkeiten, welche von Gott eingesetzt sind, die „gebührende Ehre, so weit sie uns nicht zum Nachtheil gereicht, zu erweisen. „Diese da aber halte ich nicht für werth, mich ihnen gegenüber zu rechtfertigen. Auf dieß sagte der Prokonsul: Ich habe wilde Thiers. Diesen „werde ich dich vorwerfen, wenn du nicht deine Meinung änderst. Laß sie „kommen, entgegnetePolykarpuS. Denn eine Meinungsveränderuug, welche „das Gute mit dem Schlechten vertauscht, findet bei uns nicht statt. Schön „'ist eS hingegen, wenn man sich vom Schlechten zum Guten wendet. Da „versetzte der Prokonsul: So werde ich denn durch Feuer dich dazu zwingen, „wenn du der wilden Thiers nicht achtest und deine Meinung nicht änderst. „Polykarpus entgegnete: Du drohst mir mit einem Feuer, das nur kurze „Zeit brennt und bald wieder verlöscht. Freilich, du weißt nichts von dem „Feuer des zukünftigen Gerichts und der ewigen Strafe, das für die Gottlosen bereitet ist. Aber warum zögerst du? Laß kommen, was du willst! „Während er dieses und noch mehreres andere sprach, war er voll Zuversicht und Freude Ueber sein ganzes Antlitz war Heiterkeit verbreitet. „Denn durch die an ihn gerichteten Worte hatte er sich so wenig in Schrek- „ken setzen und den Muth sinken lassen, daß vielmehr der Konsul in Er- „staunen gerieth, den Herold hinschickte und dreimal mitten im Stadium „ausrufen ließ: PolykarpuS hat selbst bekannt, daß er ein Christ ist. „Kaum hatte der Herold diese Worte gesprochen, als die ganze Menge, „Heiden sowohl als Juden, welche in Smyrna wohnten, mit unaufhalt- „samer Wuth und lauter Stimme ausriefen: Dieß ist der Lehrer Asiens, „der Vater der Christen, der Feind unserer Götter, derjenige, der so viele „lehrt nicht zu opfern und die Götter nicht anzubeten. Und indem sie diese« „sagten, erhoben sie ein Geschrei und baten den Astarchen (2) Philippus, „einen Löwen auf Polykarpus loszulassen. Allein dieser entgegnete, eS sey „ihm dieß nicht gestattet, weil die Zeit der Schauspiele mit den wilden Thießen vorüber wäre. Da kam es ihnen ein, einhellig zu schreien, man solle „den PolykarpuS lebendig verbrennen. Denn die Erscheinung mußte in „Erfüllung gehen, die er an seinem Kopfkissen gehabt hatte, damals, als „er dieses, während er mit Beten sich beschäftigte, brennen sah und zu den „Gläubigen bei ihm sich wendend, in prophetischem Geiste sagte: ich muß „lebendig verbrannt werden. Dieß geschah mit solcher Geschwindigkeit, daß (t) Aus diesem Umstände kann man beinahe die Vcnnuthung ziehen, daß auch hier, wie so oft bei Verfolgungen und Hinrichtungen der Christen, der Statthalter weniger freiwillig, als durch die stürmischen Forderungen des wüthcndcn und aufgebrachten heidnischen Pöbels gezwungen, handelte. I.2i So hieß die von den Römern eingesetzte höchstpricstcrliche Person in der Provinz Asia. Die Würde eines Asiarchen war jährlich und nach Wahl, sehr angesehen, aber nur sehr reiche Männer konnten sie bekleiden, da die Asiarchen auf ihre Kosten die heiligen Spiele veranstalten mußten. 128 M. Aurelius u. L. Berus. I. Ch. 168. ^lnicetus. „cS schneller gethan, als gesagt ward. Die VolkShanfen schleppten sogleich „Holz und Reiser ans den Werkstätten und Badanstalten herbei, wobei „hauptsächlich die Inden, ihrer Gewohnheit nach, mit dem größten Eifer „sich geschäftig erwiesen. Als nun der Scheiterhaufen fertig war, zog Poly- „karpus selbst alle seine Kleider ans, lös'te sich den Gürtel auf und versuchte „auch sich die Sohlen an den Fußen loszubinden,(1) was er früher nicht „gethan harte, da immer jeder Gläubige sich beeiferte, zuerst seine Haut zu „berühren. Denn er ward, auch ehe noch das Alter seine Haare bleichte, „seines trefflichen Wandels wegen vorzüglich geehrt. Alsbald wurden ihm „nun die zum Scheiterhaufen gehörigen Gegenstände (2) angelegt. Als „sie ihn auch au den Pfahl mit Nägeln befestigen wollten, sagte er: Läßt „mich nur so! Denn der, der mir Kräfte verleiht, die Flammen auszu- „stchn, wird mir auch Kraft geben, fest zu stehen auf dem Scheiterhaufen, „ohne daß ihr mich annagelt. Sie nagelten ihn also nicht an, sondern „banden ihn nur fest. Nachdem er die Hände auf dem Rücken hatte und „angebunden war gleich einem schönen Widder, auserwählt aus einer „großen Heerde dem allgebietcnden Gott zum wohlgefälligen Brandopfer, „sprach er: „Vater deines geliebten und hochgelobten Sohnes „Jesu Christi, durch welchen wir die Erkennt» iß von dir „empfa ngcn haben, Gott derEngel und derKräfte undder „ganzen Schöpfung und aller Gerechten, die vor deinem „Angesichte leben, ich pr eisedich, daß du mich gewürdigt hast „diese 6 TagS und dieser Stunde, Theil zu nehmen an der „Zahl deiner Zeugen, und am Kelche Christi, zur Aufer- ^.st e h u u g d er Se e le u nd d es Leibe 6 zu m ewigen Leben in der „unvergänglichen Kraft des heiligen Geistes. Möge ich »unter diese heute vor dir aufgenommen werden als ein „fettes, wohlgefälliges Opfer, wie du mich als ein un t r ü g- „licher wahrhaftiger Gott dazu bereitet, es mir vorher »er« „k ün det un d nu n erfüllt hast. Darum lobe ich dich, preise „ich dich und verherrliche dich für dieß alles durch den e w i- „gen Hohenpriestern, Jesum Christum, deinen geliebten „Sohn. Durch ihn sey d i r m i t i hm i m he i lige n Gei ste Eh re „jetzt so wie in alle Ewigke.it. Ame u.« Nachdem er dieses Amen „dargebracht und sein Gebet auf gehörige Weise gesprochen hatte, zündeten „die dazu bestimmten Leute das Feuer an und die Flamme loderte hoch auf. „Da sahen wir, denen es vergönnt war, es zu sehen und die wir auch da- „zu aufbehalten sind, den übrigen diesen Vorfallzu berichten, ein Wunder. „Das Feuer nämlich bildete eine Art Wölbung gleich einem Schiffssegel, „wenn eS vom Winde aufgebläht wird und nmgab ringsherum den Körper des „Märtyrers. Dieser, in der Mitte stehend, war nicht wie Fleisch, das ver- (1) Diesen Dienst pflegten die alten Christen den Bischöfen und Bekenner» zu leisten. (2) Nämlich ein mit Pech getränktes Hemde, Strick rc. M. Aureliuö u. L. Verus. I. Ch. 168. ^lnicetuö. 12«) „brannt, sondern wie Gold und Silber, das im Ofen geläutert wird. Denn „wir empfanden einen solchen Wohlgeruch, als wenn Weihrauch oder sonst „eine kostbare Spezerei uns anduftete. Wie nun die Gottlosen zuletzt „sahen, daß sein Körper nicht von den Flammen verzehrt werden könnte, „riefen sie dem Henkerknecht zu, hinznzugehen und ihm das Schwert in den „Leib zn stoßen. Wie dieser Folge leistete, strömte eine solche Menge Blut „heraus, daß das Feuer davon gelöscht wurde und jedermänniglich sich „wunderte, daß ein solcher Unterschied zwischen den Ungläubigen und den „Auserwählten statt fände. Und zu den letztern gehört auch dieser bewunderungswürdige apostolische und von prophetischem Geiste erfüllte Lehrer, „der zu unserer Zeit gelebt hat und Bischof der rechtgläubigen Kirche zu „Ephesus gewesen ist. Denn jegliches Wort, das aus seinem Munde ging, „ist entweder schon erfüllt oder wird noch erfüllt werden. Da aber der „mißgünstige, neidische und boshafte Feind der Gerechten die Größe seines „Märtyrerthums sah und seinen von jeher tadellosen Wandel und wie er „mit der Krone der Unsterblichkeit gekrönt war und einen bestrittenen „Kampfpreis davongetragen, so bemühte er sich, daß auch nicht einmal „sein Körper von uns weggenommen werden konnte, so viele auch dieß zn „thun und seines heiligen Fleisches theilhaftig zu werden suchten. Es „flüsterten demnach einige dem NiceteS, dem Vater des Herodes und Bruder der Alce zu, mit dem Statthalter zu sprechen, er möchte den Leichnam „des Polykarpus nicht verabfolgen lassen, damit sie nicht, wie sie sagten, „vom Gekreuzigten abließen und diesen zum Gegenstande ihrer Verehrung „machten. Dieses sagten sie auf Anrathen und Zndringen der Inden, „welche uns auch beobachteten, als wir ihn aus dem Feuer nehmen wollten. „Freilich wußten jene nicht, daß wir weder je von Christus, der für die Erlösung aller, die in der ganzen Welt selig werden sollen gelitten hat, las- „sen, noch einen Anderen zum Gegenstand unserer Verehrung machen kön- «nen. Denn ihn beten wir an als den Sohn Gottes, dle Märtyrer aber „lieben wir, wie sie es verdienen, als Schüler und Nachfolger des Herrn „wegen ihrer überschwünglichen Liebe zu ihrem König und Herrn, sie, deren „Genossen und Mitjünger zu werden auch unser Wunsch ist. Wie nun der „Hauptmann das mißgünstige Getreibe der Juden bemerkte, ließ er den „Leichnam in die Mitte legen und nach römischer Weise verbrennen. Und „so nahmen wir später seine Gebeine, die kostbarer sind, als Edelsteine und „werthvvller als Gold, und legten sie an dem geziemenden Ort nieder. Der „Herr wird uns verleihen, daß wir uns daselbst, so viel möglich, in Freude „und Jubel versammeln und das Geburtsfest seines Märtyrerlhums (1) „feiern, sowohl zum Andenken derer, die schon vorher den Kampf gekämpft „haben, als auch zur Hebung und Rüstung für diejenigen, die noch dazu „bestimmt sind. Dieß ist die Geschichte von dem Ende des seligen Polykar- (t) So nannten die Christen den Todestag eines Märtyrers, weil ihnen der Tod als die Geburt zu einem wahren Leben und ebendeswegen die Zeit desselben einer fröhlichen Feicrung Werth schien. Eusebius Äirchcngeschichte. 9 l3i) M. Aurolins u. L. Verus. I. Ch. 168. A'nicetus. „puS und der zwölf Andern aus Philadelphia, welche mit ihm den Märty- „rertod erlitten haben. Doch seiner wird allein von allen vorzüglich gedacht, so daß auch die .Heiden überall von ihm sprechen." Eines solchen Endes nun ist Polykarpus, dieser außerordentliche apostolische Mann, für würdig erfunden worden nach der Erzählung der Brüder der Kirche zu Smyrua, wie sie solche in dem augeführten Briefe niedergelegt haben. Eben diesem von Polykarpus handelnden Briefe ist auch die Erzählung von noch andern Märtyrcrthümern beigefügt, welche in demselben Smyrua zu derselben Zeit, wo Polykarpus endete, stattgefunden haben. Unter Andern starb auch Metrodorus, der für eineu Presbyter der Sekte der marcioniti- schcn Irrlehrer gilt, den Feuertod. Ein sehr berühmter Märtyrer war damals auch ein gewisser Piouius.(l) Wer die einzelnen Bekenntnisse dieses Mannes, die Frcimüthigkeit seiner Worte, seine Vertheidigung des Glaubens vor Volk und Obrigkeit, seine belehrenden öffentlichen .Neben, seine freundlichen Erinnerungen an die zur Zeit der Verfolgung Erlegeuen und seine Trostworte an die ihn im Kerker besuchenden Brüder kennen lernen, so wie wissen will, welche Martern und welche Schmerzen er ausgestanden, wie er ans dem Scheiterhaufen angenagelt worden und welche Standhaftigkeit er auf demselben bewiesen und was für ein Ende er nach allen diesen außerordentlichen Anstritten genommen, den verweisen wir auf eine dieses Alles umständlich erzählende Darstellung, welche wir unserer Sammlung der älteren Märtyrergeschichten (2) einverleibt haben. Ferner sind noch Nachrichten von Andern vorhanden, welche in PergamuS in Asien Märtyrer geworden sind, nämlich von Karpus und Papylus und von einem Weibe, Namens Agothvnike, welche nach sehr vielen herrlichen Bekenntnissen ein glorreiches Ende genommen haben. S echsz e h u t e s H a u p L st ü ck. Wie Iustinns, der Philosoph, in der Stadt Rom die Lehre Christi gepredigt und ein Märtyrer geworden. Um eben diese Zeit wurde auch der kurz zuvor von uns angeführte JustinuS, nachdem er seine zweite Schrift (Z) zur Vertheidigung unserer Religion den erwähnten Kaisern übergeben, mit einer herrlichen Märtyrcr- krone geschmückt. Sein Ende war durch die Nachstellungen des Philosophen Kreseens, dessen Leben und Charakter dem von ihm geführten Namen eines (1) Eusebius irrt sehr, wenn er glaubt, daß die hier Genannten unter der Regierung des M. Aurclius Märtyrer geworden, da doch aus ihren Akten erhellt, daß dicß erst unter der Regierung des Decius geschehen sey. Valesius. (2) Eusebius hatte nämlich ein -Buch unter diesem Titel herausgegeben, das noch einigemal von ihm in seiner Kirchcngcschichte angeführt, aber leider verloren ist. Schon zu Gregors des Große» Zeiten im Anfange des 7ten Jahrh. konnte es weder in einer der Bibliotheken Roms noch in Alcrandria gefunden werden. (3) Diese wird in den gewöhnlichen Ausgaben des Justinus die erste genannt. M. Aurelius u. L. Berus. I. Ch. 168. Auicetus. isi (Zynikers (1) entsprachen, herbeigeführt worden. Nachdem Jnstinns diesen in Gegenwart vieler Zuhörer in den Unterredungen, die er mit ihm hielt, oft znrecht gewiesen hatte, erwarb er sich zuletzt durch sein Märtyrerthnm den Sicgesprcis für die Wahrheit, die er predigte. Dicß sagt dieser in der That große Philosoph selbst in der erwähnten Vertheidignngsschrift gerade so, wie es ihm auch bald darauf ergehen sollte, in folgenden Worten voraus: „Und auch ich erwarte, daß ich von irgend einem der genannten „Feinde hinterlistig angegriffen und in das Holz eingezwängt werde (2) „oder auch von Krescens, der kein Liebhaber der Weisheit, sondern der „Eitelkeit ist. Denn einen Philosophen darf man einen solchen Menschen „nicht nennen, der sich so weit versieht, daß er über Gegenstände, die er nicht ,.i. ant, öffentlich etwas behauptet und gegen die Christen als Gotteöleng- „N'.'r und Gottlose spricht, um sich die Gunst und den Beifall der Menge „zu gewinnen. Denn wenn er, ohne die Lehrsätze Christi gelesen zu haben, „g., gcn uns zu Felde zieht, so ist er grundschlecht und viel ärger als Leute „ans dem gemeinen Volke, welche häufig sich hüthen, über Gegenstände, die „sie nicht verstehen, zu sprechen und ein falsches Urthcil zu fällen. Hat er „sie aber gelesen, jedoch die in ihnen enthaltene Herrlichkeit nicht verstanden, „oder hat er sie verstanden und handelt nur so, um nicht in den Verdacht „zu gerathen, er sey ein Christ, so ist er noch viel verworfener und schlechter, „da er sich von einer ärmlichen und unvernünftigen Meinung und Furcht „bestimmen läßt. Denn ich kann euch versichern, daß ich ihm mehrere hie- „her^ gehörige Fragen vorgelegt und aufgegeben, aber befunden und ihn „überwiesen habe, daß er in der That nichts weiß. Und zum Erweis der „Wahrheit dieser Behauptung bin ich bereit, wenn die Gespräche, die ich „mit ihm gehalten habe, nicht vor euch gekommen seyn sollten, auch in „eurer Gegenwart die Fragen noch einmal vorzulegen. Die Untersuchung „dürfte ein eines Kaisers nicht unwürdiges Geschäft seyn. Wenn euch aber „meine Fragen und meines Gegners Antworten bereits bekannt sind, so be- „darf es für euch keines Beweises, daß er gar nichts von unfern Lehrsätzen „versteht oder daß er, wenn dieß der Fall seyn sollte, er aber wegen der Zn- „hvrcr eS nicht zu sagen wagt, sich, wie gesagt, nicht als einen Freund der „Weisheit, sondern eitlen NnhmeS darstellt, der nicht einmal des Sokra- „tcS(Z) liebenswürdigen Ausspruch in Ehren hält." So weit Jnstinns. Daß aber Jnstinns in Folge der Ränke und Hinterlist des KreScens, wie er selbst es vorausgesagt hatte, seinen Tod gefunden hat, dieß erzählt (1) Die von Antisthencs gestiftete Schule hieß die cynische oder hündische wegen der ihren Anhängern eigenen ganz unverschämten Frcimüthigkcit, und der gegen die öffentlichen Sitten und den Anstand anstößigen Unbefangenheit in Befriedigung natürlicher Bedürfnisse. <2) Dieß ist von einem Block zu verstehen, worein die Füße des Gefangenen gelegt wurden. Mehrcrcs davon stehe zu ö, t. (3) Es ist schwer zu bestimmen, ob Eusebius oder seine Abschreiber diesen ausgelassen haben, bei Justinus wenigstens steht er. Er lautet: Man muß Menschen nicht höher halten als die Wahrheit. c>» l.,2 M. LlureliuS a. L. VeruS. I. Ch. 168. Nm'cetnS. TatianuS, ein Mann, der in seinen früher» Jahren Unterricht in den Wissenschaften der Griechen ertheilt, einen nicht geringen Nnhm darin erlangt und sehr viele Denkmähler seines Geistes in Schriften hinterlassen hat, in seinem Buche gegen die Griechen also: „Der bewunderungswürdige Jufti- „nns hat mit Recht den Ausspruch gethan, daß besagte Leute den Räubern „gleich sehen." Ans diesen Satz läßt er Einiges von den Philosophen folgen und fährt dann also fort: „Krescens, der sich in der Hauptstadt eingenistet „hatte, war der Knabenliebe mehr denn irgend einer ergeben und von Geld- „geiz ganz eingenommen. Den Tod aber, dessen Verachtung er lehrte, „fürchtete er selbst so sehr, daß er dem Jusiinns denselben als ein großes „Uebel zu bereiten suchte, weil er die Wahrheit lehrte und die Philosophen „als Schlemmer und Betrüger hingestellt hatte." Dicß war also die Ursache, daß Jnstinns den Märtyrertod starb, (i) Siebzehntes Hanptjlück. Von den Märtyrern, welcher Justinus in seiner Schrift gedenkt. Ebenderselbe Justinus gedenkt in seiner ersten Vertheidigungsschrift(2) verschiedener, welche vor ihm den Märtyrertod erlitten haben. Seine zu unserem Zwecke dienenden Worte lauten also: „Eine Frau war an einen „ausschweifenden Mann verheirathet und sie selbst hatte anfänglich auch „einen solchen Lebenswandel geführt. Nachdem sie aber mit den Lehren „Christi bekannt geworden war, führte sie ein züchtiges Leben und versuchte, „ihren Mann ebenfalls dazu zu bringen. Sie führte ihm deßhalb die Lehrsätze des Christenthums zu Gemüth und erzählte ihm von den Strafen, „welche derer, die ein unzüchtiges, unvernünftiges Leben führten, im ewigen „Feuer warten. Allein dieser setzte seinen ausschweifenden Lebenswandel „fort und brachte sich durch sein Betragen um die Liebe seiner Frau. Denn „diese hielt es für Sünde, noch länger einem Manne ehlich beizuwohnen, „der wider das Gesetz der Natur und wider das Recht auf jegliche Art seine „wollüstigen Triebe zu befriedigen suchte und wollte sich deswegen von „ihm scheiden. Jndeß ließ sie sich durch die Vorstellungen ihrer Verwand- „ten, noch länger zuzuwarten, da der Mann vielleicht noch Besserung „von sich hoffen lassen könnte, erbitten, daß sie sich Gewalt anthat und bei „ihm blieb. Da sie aber, als dieser nach Alexandrien gereist war, die (t) Er wurde nämlich enthauptet. (2) Dicß ist ganz sicher ein Fehler der Abschreiber; es muß heißen in der zweiten. Denn Eusebius nennt beständig die Apologie die zweite, welche in unsern Ausgaben als die erste steht und in dieser steht die hier angeführte Stelle gleich zu Anfang. Uebrigcns bemerkt Valcsius sehr richtig, daß Justinus auch diese zweite Apologie nicht dem M. Aurc- lius, sondern seinem Vorfahren, Anionin dem Frommen, zugeschrieben habe. Die weiter unten vorkommenden Ausdrücke, besonders die Anrede des Lucius an den Gouverneur in Rom (pi'wkoctus >»di) Urbicius, von dem es übcrdcm bekannt ist, daß er dieß Amt unter dem Antonin verwaltet habe, besagen dieß offenbar. Stroth. M. Aurelius ». L. Berns. I. Ch. 168. Anieetus. 188 „Nachricht erhielt, daß er es noch ärger niachte, so schickte sie ihm, um nicht, „wenn sie länger in der Ehe mit ihm blieb und Tisch und Bett mit ihm „theitte, sich seiner Ungerechtigkeiten und Gottlosigkeiten mitschuldig zu „machen, den Scheidebrief zu und trennte sich von ihm. Ihr feiner braver „Mann aber, statt sich, wie es sich gehört hätte, zu freuen, daß sie ihrem „frühern Lebenswandel, wo sie mit den Bedienten und Taglöhnern der Ausschweifung sich ergeben und den Trunk und jegliches Laster geliebt hatte, „entsagt habe und ihn selbst davon abzubringen suche, stellte, da sie sich bei „seiner fortgesetzten Weigerung von ihm getrennt hatte, eine Klage an, daß „sie eine Christin seh. Sie gab hierauf, o Kaiser, eintzBittschrift an dich „ein, es möchte ihr gestattet werden, vorher ihre häuslichen Angelegenheiten „in Ordnung zu bringen, und dann erst, wenn dieß geschehen seh, sich gegen „die Anklage verantworten zu dürfen. Dieß hast du ihr zugestanden. „Da nun ihr ehemaliger Mann für dießmal nichts gegen sie vorbringen „konnte, so machte er auf folgende Art sich an einen gewissen Ptolemäus, „der von Urbicius (1) schon vieles ausgestanden hatte und der ihr Lehrer „in der christlichen Religion gewesen war. Er beredete einen Hauptmann, „der sein Freund war, dazu, den Ptolemäus in Fesseln zu legen, ihn vor« „zunehmen und nur die einzige Frage an ihn zu stellen: Ob er ein Christ „sey. Ptolemäus, als ein wahrheitliebender und jeglichem Trug und aller „Unwahrheit abholder Mann, bejahte diese Frage. Auf dieß ließ ihn der Haupt- Mann in Fesseln werfen und hielt ihn lange Zeit hart im Gefängnisse. Als er «zuletzt vor Urbicius geführt wurde, fragte man ihn wiederum nur, ob er „ein Christ sey? Jener, sich des Guten bewußt, das durch die Lehre Christi „ihm zu Theil geworden, bekannte wiederum, daß er in der göttlichen Tugend „unterrichtet sey. Denn wer leugnet, daß er ein Christ sey, der thut es „entweder deswegen, weil er die christliche Religion verwirft oder er scheut „dieß Geständniß, weil er sich selbst derselben für unwürdig und für derselben nicht angehörig hält. Keines von beiden ist bei einem wahren „Christen der Fall. Als Urbicius den Befehl gab, ihn zur Bestrafung abzuführen, sagte ein gewisser Lucius, ebenfalls ein Christ, wie er sah, daß „ein so ungerechtes Urtheil gefällt wurde, zu Urbicius: Warum lässest du „denn diesen Menschen, der weder ein Ehebrecher, noch ein Hurer, noch ein „Mörder, noch ein Dieb oder ein Räuber, noch überhaupt eines begangenen „Verbrechens überwiesen ist, bloß weil er bekannt hat, daß er den Namen „eines Christen führe, zur Strafe ziehen? Das Urtheil, das du gefällt, „Urbicius, macht weder dem frommen Kaiser, noch dem Philosophen, des Kaisers Sohn, (2) noch dem geheiligten Senate Ehre. Urbicius antwortete „darauf nichts, sondern sagte nur zu Lucius: auch du scheinst mir eiu „Christ zu seyn. Da Lucius erwiderte: So ist es! so befahl er, auch (1) Er wird sonst Ilrbius genannt, hier aber immer Urbicius. (2) Darunter ist der nachherige Kaiser Markus Aurelius, der Philosoph, verstanden, welchen Antonin der Fromme auch auf Befehl Hadrians an Sohncöstatt angenommen hatte. 13-1 M. Anrelius n. L. Berns. I. Ch. 168. Anicetus. »ihn abzuführen. Lucius erklärte, daß er ihm Dank h-efür wisse, denn, fügte „er bei, auf diese Art werde er van derlei bösen Herren befreit und komme „zu seinem guten Vater und König, zu Gott. ES kam noch ein dritter „hinzu und wurde ebenfalls zur Strafe verurtheilt.« An diese Erzählung knüpft sodann JustinuS ganz passend die oben angeführten Worte au: Und auch ich erwarte Nachstellungen von Seiten eines der Genannten :c. Achtzehntes Hau p tk ü ck. Was für Schriften des Justinus auf uns gekommen. JustinuS hat uns sehr viele lehrreicheDenkmähler eines gebildeten, mit der Religion viel sich beschäftigenden Geistes hinterlassen. Wir verweisen die Lernbegierigen darauf und begnügen uns, von denjenigen seiner Schnften, die uns bekannt geworden sind, bloß eine beiläufige Anzeige zu machen. Die erste nun ist eine an AntvninuS den Frommen, seine Söhne und den römischen Senat gerichtete Schrift für die Lehrsätze unseres Glaubens. Eine andere umfaßt seine zweite Schutzrcde für die christliche Religion und ist an des erwähnten Kaisers gleichnamigen Nachfolger AntvninuS V ruS, dessen Zeiten wir jetzt vor uns haben, gerichtet. Eine dritte ist sein Buch wider die Griechen, worin er über die meisten zwischen uns und den grieclss, . scheu Philosophen aufgeworfenen Streitfragen weitläufig sich verbreitet und auch seine Meinung über das Wesen der Dämonen vorträgt, (1) welche ich . hieher zu setzen für unnöthig halte. Ueberdieß ist noch eine zweite Schrift (1) Hievon findet sich gae Nichts in der genannten Schrift; dagegen trägt Justinus seine Meinung von de» Dämonen in der ersten oder eigentlich zweiten Apologie S. 4-t vor. Eusebius muß sich also entweder geirrt haben oder dieß Stück ist aus der Lollar- tatio !»I Krwcos verloren gegangen oder es ist daraus in die Apologie gekommen, wie denn hier das Stück einigermaßen am unrcchtcn Ort zu stehen scheint. Doch ist mir das erste das wahrscheinlichste. Uebrigens sind hier die Worte des Eusebius, welche ich hieher zu setzen für unnöthig halte, bedeutender, als man beim ersten Anblick denkt. Warum setzte er sie überhaupt hinzu? Es würde wohl ohnehin die Theorie des Justinus von den Dämonen hier nicht erwartet seyn. -— In diesem Ansatz liegt ein stummer und schonender Tadel; er wollte damit sagen, daß er die Meinung des Justinus mißbillige. Diese Feinheit und Behutsamkeit im Tadel solcher Männer und Sachen, die in allgemeinem Ansehen standen, ist dem Eusebius besonders eigen; und man muß darauf merken und in solchen Fällen allemal etwas suppliren, wenn man sich die wahre Meinung des Eusebius nicht entwischen lassen will. Die oben gedachte Theorie des Justinus ist völlig gnostisch. Er sagt, Gott hätte die Menschen und alles, was unter dem Himmel wäre, der Aussicht der Engel unterworfen; diese Engel aber hätten ihre Instruktion überschritten, hätten sich bis zur Vermischung mit Weibern herabgelassen und hätten mit ihnen Kinder gezeugt; und dieß wären die sogenannten Dämonen geworden. Hierauf hätten sie sich das übrige menschliche Geschlecht zu leibeigen gemacht, theils durch magische Schriften, thcils durch Furcht und Strafen, theils durch Stiftung der Opfer, deren sie, nachdem sie einmal Sklaven ibrer Leidenschaften geworden, bedürftig gewesen wären, und hienächst hätten sie unter den Menschen Mord und Krieg und Ehebruch, Unmäßigkeit und. alle Bosheit ausgesäct. Gerade aber, dieß, den Ursprung des Bösen in der Welt zu erklären, brachte die Gnostikcr auf ihre wunderlichen Grillen. Ferner fährt er fort, Gott, der ungezeugte und Vater aller Dinge habe keinen Namen, denn er sch älter als alle Namen. Die Namen Vater, Gott, Schöpfer und Herrschen keine Namen, sondern nur Benennungen, die ihm seiner Werke und Wohlthaten wegen beigelegt würden u. s. w. Stroth. M. Anvelius u. L. Vevus. I. LH. 16L. Anicetus. IIS wide r die Griechen auf uns gekommen, welche erWiderlegn n g (1) betitelt bat. Weiter ist noch eine Abhandlung von ihm vorhanden: Von der einzigen, höchsten Herrschaft Gottes, (2) welche er nicht allein mit unfern heiligen Büchern, sondern auch milden Schriften der Griechen beweist; ferner ein Buch, betitelt: DerPsalter HZ) und ein anderes: Anmerkungen über dieSeele, worin er verschiedene Untersuchungen über die hieher gehörigen Aufgaben vorträgt und die Ansichten der griechischen Philosophen darüber anführt, auch in einer andern Schrift sie zu widerlegen und seine eigene Meinung darüber vorzutragen verspricht. Auch hat JustinnS ein Gespräch wider die Inden geschrieben, welches er in der Stadt Ephesns mit Tryphon, dem angesehensten Inden der damaligen Zeit, gehalten hat. Er erzählt darin, auf welche Art die göttliche Gnade ihn zum christlichen Glauben gebracht, (ä) wie eifrig er sich früher mit der Philosophie beschäftigt und wie leidenschaftlich er sich der Erforschung der Wahrheit gewidmet habe. Er meldet auch in demselben Gespräche von den Inden, daß sie Machinationen gegen die christliche Lehre angestellt haben und behauptet dieß nachdrücklich mit folgenden Worten Kgen Tryphon: „Ihr habt aber nicht nur nicht Reue über eure Missethaten empfunden, „sondern auch noch damals dazu auSersehene Abgeordnete von Jerusalem „aus in die ganze Welt geschickt, welche sagen mußten, es sey eine gvttes- „leugnende Sekte, die Christen, aufgetreten. Indem ihr aber das gegen „uns vorbringt, was alle, die uns nicht kennen, wider uns sagen, so veranlaßt ihr dadurch nicht allein euch selbst, sondern überhaupt alle andern „Menschen zu Ungerechtigkeiten." Ferner schreibt JnstinuS, daß die prophetischen Gaben noch bis zu seiner Zeit in der Kirche geleuchtet hatten. Auch erwähnt er der Offenbarung Johannis und sagt ausdrücklich, sie sey ein Werk des Apostels. Ueberdieß führt er verschiedene prophetische Aussprüche an und macht dabei dem Tryphon den Vorwurf, daß die Inden diese aus der heiligen Schrift getilgt hätten. Außerdem Angeführten finden sich auch noch sehr viele andere Ausarbeitungen des Justinuö bei vielen Brüdern. Die Schriften dieses Mannes wurden aber auch von den Alten für so lesenswerth gehalten, daß JrenäuS verschiedene Stellen daraus anführt. So schreibt er in seinem vierten Buche gegen die Sekten Folgendes: „Und trefflich sagt JnstinuS in seiner Schrift gegen Marcion: ich würde (t) Dicß ist wahrscheinlich dieselbe Schrift, welche unter dein Titel: Ermahnung an die Heiden, noch vorhanden ist. (2) Diese Schrift ist uns besonders wegen der zahlreichen, darin angeführten Siesten griechischer Dichter, die theils verloren, theiiS noch übrig sind, schatzbar. Stroth. (3) Diese Schrift des JustinnS ist nebst der folgenden und vielen andern seiner Schriften, die hin und wieder von den Alten genannt werden, verloren gegangen. Dagegen haben wir bei seinen Werken eine Menge anderer, hier nicht genannter Schriften, die ihm offenbar nicht gehören. Stroth. (4) Man sehe den JustinnS S. 2t!) ff., wo er erzählt, .das; er an einem einsamen Orte einen Mann gefunden habe, der sich mit ihm in ein Gespräch eingelassen, anfangtich Verschiedenes von der Philosophie gesprochen und daraus ihm gerochen habe, sich nur der heilige» Schrift bekannt zu machen. Diesem Rath sey er gefolgt und dadurch er: Christ geworden. Stroth. 13(1 M. Nnrelkns u. L. VeruS. I. Ch. 168. Anicetuö.^ „auch dem Herrn selbst nicht geglaubt haben, wenn er einen andern Gott, „außer dem Wcllschvpfer(l) gepredigt hätte," sodann weiter in dem fünften Buche desselben Werkes: „Und treffend hat Justinns gesagt, daß vor der „Erscheinung des Herrn der Satan es nicht einmal gewagt habe, Gott zu „lästern, sintemal er damals seine Verdammung noch nicht gewußt.« Dieß habe ich mich anzuführen gedrungen gesehen, um die Lernbegierigen zu eifriger Lesung seiner Schriften zu bestimmen. So weit von JnstinuS. Neunzehntes Hauptstück. Was für Bischöfe mitcr der Regierung des Berus den Gemeinden zu Nom und Alexandrien vorgestanden. Im achten Jahre der Regierung dieses Kaisers übernahm Soter ^die Leitung der römischen Gemeinde, nachdem ihrAnicetus im Ganzen eilfJahre vorgestanden. Zu Alexandrien war Celadion 14 Jahre Bischof gewesen, als Agrippinns sein Nachfolger wurde. Zwanzigstes Hauptstück. Welche der Gemeinde zu Antiochien. Damals war zu Antiochien Theophilus der sechste Bischof seit den Aposteln. Kornelius, der Nachfolger des Heron, war der vierte gewesen, und diesem war EroS als fünfter auf dem Bischofsstnhl nachgefolgt. Einundzwanzig stes H auptstück. Von den Kirchcnschriftstellcrn, welche zu dieser Zeit hervorgeleuchtet. Zu der damaligen Zeit blühten in der Kirche Hegesippus, den wir schon ans dem Vorhergehenden kennen, Dionysius, Bischof zu Korinth und Pinytus, Bischof auf Kreta, so wie Philippus, Apollinaris, Melito, Musanns, Modestus und vornämlich JrenänS. Alle diese Männer haben uns die richtige Lehre vom wahren Glauben, so wie sie von den Aposteln überliefert worden ist, in ihren Schriften aufbewahrt. " I. Ch. 169. Soter Itter Bischof zu Nom. (1) Marcion behauptete nämlich, der höchste Gott, der Gott des Christenthums, scy ein ganz anderer, als der Gott, welchen das alte Testament und die Natur verkündige, als der Weltschöpfer, der sog. Deminrg. Man vergl. oben Hauptst. 11. M. Anrelius und L. Berus. I. Chr. 169 — 170. Soter. Z37 I weiundz W anzig ft e s H n u p t st ü ck/'' Von Hegcsippus, und verschiedene Nachrichten, die er gibt. HegesippuS hat in seinen fünf Büchern , die wir noch haben, ein vollständiges Denkmal seines Glanbens hinterlassen. Er erzählt uns darin, daß er auf einer Neise nach Rom mit sehr vielen Bischöfen sich besprochen und daß er bei allen die gleiche Lehre gefunden habe. Doch man mag von ihm selbst hören, was er, nachdem er Einiges über den Brief des Klemens an die Korinther bemerkt, sagt: «Die Gemeinde zu Korinth ist bei der wahren Lehre geblieben bis auf das bischöfliche Amt des PrisknS. Ich habe, «als ich nach Rom schiffte, mich mehrere Tage bei den Korinthern aufgehalsten und Mich mit ihnen besprochen und wir haben uns wahrend derselben «mit einander über der reinen Lehre erfreut. In Rom angelangt, bin ich «daselbst bis auf Anicetus, dessen Diakonus Eleutherus war, geblieben. «Nach Anicetns überkam Soter den bischöflichen Stuhl und der Nachfolger „dieses war Eleutherus. In jeder bischöflichen Nachfolge aber und in jeglicher Stadt verhält es sich so, wie das Gesetz, die Propheten und der Herr «predigen." Derselbe Hegcsippus erzählt auch die Anfänge der Ketzereien, welche zu seiner Zeit gewesen sind, also: „Nachdem JakobuS der Gerechte „aus derselben Ursache, wie der Herr, den Märtyrertod erlitten, so wurde „seiu Vetter, Symeon, der Sohn des Klopas, zum Bischof erwählt, wel- «chem als dem zweiten alle den Vorzug gaben, weil er der Vetter des Herrn „war. Deßwegen (1) nannten sie die Kirche eine Jungfrau, denn sie war „noch nicht durch falsche Lehren befleckt und entstellt. Der erste, der sie ver» „derbte, war Thebuthis, (2) weil er nicht Bischof geworden war, einer aus ^ Eusebius hat hier den Tod des LuciuS Berus übergangen, den er in seiner Chronik in das Jahr 170 gesetzt hat, dagegen gedenkt er hier des Hcgestppus und der folgenden Männer noch etwas zu früh, da deren hier angeführte Schriften und Begebenheiten zum Theil erst in die Zeiten der folgenden römischen Bischöfe fallen. (t) Daß hier kein rechter Zusammenhang stattfindet, wird hier nicht befremden, da des Hegcsippus übel zusammenhängendes Gewäsch, wie Stroth sich ausdrückt, schon aus den vorher aus ihm angeführten Stellen bekannt seyn wird. (2) Credncr in seiner Einleitung in das neue Testament (zweiter Theil, Seite 619) hält Thebuthis nicht für den Namen eines Mannes (wogegen auch die Form streitet», sondern für einen Kollektivbcgriff, bei welchem der Palästinenser Hegcsippus, vielleicht aus gutem Grunde, den palästincsischen Ausdruck beibehalten habe, und veraleicht damit das chaldaischc Tiupha und Tiuphata und ähnliche syrische Worte als das Entsprechende. „In beiden Sprachen," fährt er sodann fort, „werden tic Worte gebraucht von einer genügen «Reaktion immer im üblen Sinne. Daher Widerstand, Widerwille, besonders von dem «Widerwillen des Magens, daher vomitus und dann allgemein : Schm u H, Unrat h. Im «lctztcrn Sinn bezeichnet es ganz dasselbe, was wweXeräe? Ind. 12. und crwlXor xcrl «ztw/lor 2 Pctr. 2, 13. (vergleiche Hänlein zu Ind. 12.) die beide zu Bezeichnung «christlicher Irrlehren gebraucht sind. Hegcsippus kann folglich nur sagen wollen: «Der Auswurf, Anrath unter den Christen, habe darum, daß kein Mann seiner Partei «Bischof statt des Spmcon geworden sc»), die Eintracht und Ruhe gestört. Da aber, «Wie bekannt, Ehrgeiz, irrigerweise, ganz gewöhnlich als die Quelle der Ketzerei an- «gegeben wird, so werden wir in den Worten Hegcsipps nichts weiter sindcn, als «daß die Verschiedenartigen Elemente in der Gemeinde der palästincsischen Judcnchristcn «nach dem Tode des Jakobus, d. h. nach Jerusalems Zerstörung, in Gährung und 128 Am'ülinS. Jahr Christus 170. Soter. „den sieben Sekten im Volke, wovon Simon ausging, von dem die Simv- „nianer Kleobis, von dem die Kleobianer und Dositheus, (1) von dem die „Dositheaner und Govthäus, vom dem die Gorthencr und MaSbothäer(2) „herkommen. Von diesen kommen her die Menandriancr, Marcionisten, „Karpokratianer, Valentinianer, Vasilidianer und Saturuitianer, welche „alle eine eigene, von den andern abweichende Lehre aufbrachten. Von „diesen kommen die falschen Christen, die falschen Propheten und die falschen „Apostel her, welche die Einheit der Kirche durch verderbliche Lehren gegen „Gott und seinen Ehristuö getrennt haben." Noch führt Hegestppus die einst bei den Inden entstandenen Sekten mit folgenden Worten an: „ES „waren aber verschiedene Lehrmeinnngen in der Beschneidung unter den „Söhnen Israel, die dem Stamm Inda (Z) und Christo entgegen waren: „nämlich die Essäer, (4) Galiläer, Hemervbaptisten , Masbothaer, Sama- „In Kampf mit einander gekommen seycn. Es ist nicht zu übersehen, daß Klemens „von Alexandrien HStrom. 7, 17., Seite 898) dasselbe berichtet nnd daß die In- „dcnchristcn in Palästina zur Zeit des Epiphanias noch ganz dasselbe von dem Ent« „wicklungsgang ihrer Kirche erzählten. Was für Elemente waren es nun, die diese „Gährung in die stille christliche Gemeinde brachten ? Hcgcsippus sagt: A/aar- ös ynwMl „Aiäipopoi, en (i. c.) kn (denn — heißt es in der An- „meriungZ. — Hegesippns will nicht alle 7uozz,«rSr«oopoodcr Inden aufzählen, svn- „dern nur die, welche in engerer Beziehung zu JudaS Stamm in Palästina und zu „Christus stehen. Vor lesen die meisten m.s«. , was keinen Sin» gibt. Man „lese «l, für h, wie bekannt, eine häufige Verwechslung s^l) rmu xar« rh? "'/LZo: xcek rüv «strae. 'Caaäeor :c. — H«prcr«roe. Inden, diesen „Selten ungehörig, hatten zur Zeit des Jakobus, Bruder des Herrn, den „Glauben an Jesum den Messias angenommen und so allerlei fremdartige Stoffe in „die apostolische Lehre gebracht. Heges. bei Euscb. 2, 23. Istve? «n renn enw« „ttl,ok<7x«n rchp xn rc? Xccchi LTrvutkctuonro h'/cencos?») — — eüv xenL? „Lwicrrevircxu, vrecerrrv ö Diese waren es denn, welche zu „Spmcons Zeit eine heimliche Gährung in die Gemeinde brachten. Heges. bei Euseb. „3, 32. «nö zchram renn x«r?^/c>oßc7l. rrne? rst „Al^cvwcc 2vstLenn vi.ös'X'XoZircc crvnolpecnr^sbxe? vwv renn ceierecrxenn /. r. X." (ls Nach dem allgemeinen Zeugnisse aller Schriftsteller, die von Dositheus reden, hat er lange vor dieser Zeit, ja vor Christi Geburt, gelebt. (2) Eine abgeschmackte, des Hegestppus vollkommen würdige Vorstellung, als wenn keiner von den Pharisäern, Sadducacrn w. aus dem Stamme Inda gewesen wäre. Will man diesem Ausdruck einen einigermaßen erträglichen Sinn geben, so muß man annehmen, daß der Verfasser den Ausdruck Stamm Juda als völlig gleichgcltcnd mit dem Ausdruck orthodoxe jüdische Kirche gebraucht, wiewohl die Pharisäer sich wohl nicht die Orthodoxie würden haben absprechen lassen wollen. Stroth. (3) Bei Niphors heißt es: „Gorthäus, daher die Gorthäancr und^ Masbothcus, daher „die Masbothcaner." Der Name Masbotheus scheint auch hier ausgelosten zu sehn. Seniler glaubt, daß es eine korrupte Schreibart eines hebräischen Wortes scp, indem aller Wahrscheinlichkeit nach die Christen von den feindseligen Juden Maschbothim, Verl eher oder Uc Vertreter des SabbatHS, genannt worden, weil sie anstatt des Sabbathtages den Sonntag eingeführt. In einer Anmerkung zu Baumgartens Geschichte der Religionsparteien, Seite 270. Stroth. (4) Justinus nennt in dem Gespräch mit Tryphon, Seite 307, die Sekten folgendermaßen: Sadducäer, Genisten, Mcristen, Galilä'cr, Hellcnianer, Pharisäer und Baptisten. Epiphanias nennt folgende: Schristgelehrte (man kann also auch aus unfern Doktoren der Theologie eine Sekte machen), Pharisäer, Sadducäer, Essäer, Nazaräcr, Hcmcrooaptisten undHcrodianer. Andere machen noch mehrere nnd andere namhaft; aber eS verdrießt mich, mehrere Erfindungen müßiger und ketzcrbegierigcr Köpft abzuschreibe». Man sieht, es war AurclmS. Jahr Christus 170. Soter. 13!) »ritaner, Sadducäer und Pharisäer.« Er schreibt auch noch sehr viel Au- „dereö, welches wir theilweise schon früher an einem passenden Orte in dieser »Geschichte beigebracht haben. Er führt auch MehrereS aus dem Evangelium der Hebräer und aus dem Syrischen, so wie aus der hebräischen Sprache an und gibt dadurch deutlich zuerkennen, daß er ein Gläubiger aus dem Jndenthum sey. Sodann bemerkt er noch Mehreres aus einer mündlichen jüdischen Ueberlieferung. Nicht allein er, sondern auch Irenaus und die ganze Schaar der Alten nannten die Sprichwörter SalomonS eine alle Tugend in sich enthaltende Weisheit. In Betreff der sogenannten Apokryphen berichtet er, daß einige derselben erst zu seiner Zeit von einigen Ketzern geschmiedet worden seyen. Doch gehen wir seht zum Audern über. Dreiund^W gütigstes Haupt stück. Von Dionysius, Bischof von Äorinth, und den Briefen, die er geschrieben. Zuerst muß ich von Dionysius reden, welcher den Bischofssiuhl der Gemeinde zu Korinth eingenommen und seine gottvolle Thatigkeit nicht bloß auf seine eigene Gemeinde, sondern anch auf fremde in reichlichem Maße ausgedehnt und sich durch die katholischen Briefe, (1) welche er an verschiedene Gemeinden verfaßte, um alte ein sehr großes Verdienst erworben hat. Einer derselben ist an die Laudamonier gerichtet und enthält theits Unterricht in der rechtgläubigen Lehre, theils Ermahnungen zur Einigkeit und zum Frieden; ein anderer an die Athener, voll Aufmunterungen zum Glauben und zu einem evangelischen Wandel. Er macht ihnen darin Vorwürfe, daß sie denselben vernachlaßigt hätten, ja, beinahe vom Glauben ganz abgefallen seyen, seitdem ihr Bischof Publius in den damaligen Verfolgungen den Märtyrertvd gefunden. Er gedenkt darin auch des Quadratus (2), der nach dem Märtyrerthum des Publius ihr Bischof geworden, daß durch seinen Eifer die Gemeinde sich wieder gesammelt und neue Erkräftigung im Glauben bekommen habe. Auch bemerkt er darin, daß Dionysius der Areopagite, welcher der Erzählung der Apostelgeschichte zufolge von dem Apostel Paulus zum Glauben bestimmt worden, der erste Bischof der Gemeinde zu Athen gewesen sey. Ein anderer noch vorhandener Brief von ihm ist an die Gemeinde zu Nikomedia(Z) gerichtet; er bekämpft darin die dm Leuten nur dann» zu thun, eine recht vollständige Ketzerliste zu haben, und sie freuten sich, wenn sie so glücklich waren, einen Namen gefunden zu haben, den sie hineintragen konnten. Stroth. lt) Das heißt wohl durch die Briefe, welche den Typus von katholischen haben, d. h. von allen Christen beherzigt zu werden verdienen. Denn katholisch im eigentliche» Sinne sind die Briefe des Dionysius nicht, da sie nicht für einen wcitern Kreis von Lesern, sondern für Gemeinden bestimmt sind. l.2l Dieser athenische Bischof Ouadratus ist nicht mit dem der Zeit nach früher», und ' 3, 37. und 4, 3. angeführten Apologeten OmadratuS zu verwechseln. (3t Die Hauptstadt der kleinasiatischcn Landschaft Bithynien, in spätem Zeiten eine der größten und ansehnlichsten Städte des römischen Reiches, noch gegenwärtig unter dem Namen Ls-Mid eine große und volkreiche Handelsstadt. I4V Aurelius. Jahr Christus 170. Soter. Ketzerei des Marcion und hält sich strenge an die Richtschnur des Glaubens. Ein anderes Schreiben von ihm ist an die Gemeinde zu Gvrtyna und an die übrigen Gemeinden ans Kreta abgefaßt, worin er ihren Bischof Philippus rühmt, da ihr unter seiner Amtsführung das Zengniß vorzüglicher Standhafligkeit ertheilt werde und sie ermahnt, vor der Verführung der Ketzer ans der Hut zu seyn. Auch schrieb er an die Gemeinde zu Amastris und an die übrigen im Pontns. Er gedenkt in diesem Briefe des Bacchili- des undElpistus, als auf deren Antrieb er geschrieben habe, und fügteinige Auslegungen der heiligen Schrift bei. Ihren Bischof nennt er namentlich Palmas. Er gibt ihnen viele Ermahnungen in Betreff der Ehe und der Keuschheit und fordert sie auf, diejenigen, welche von irgend einem Fall oder einer Vergehuug oder auch ketzerischem Jrrthum umkehrten, wieder aufzunehmen. In seiner Sammlung befindet sich auch noch ein Brief an die Knossier,hj) worin er ihren Bischof Pinytns crmahnt, er mochte den Brüdern in Betreff der Keuschheit keine zu schweren Lasten mit Gewalt auflegen, sondern die Schwachheit der Mehrzahl berücksichtigen. Pinytns antwortet ihm darauf und bezeigt ihm seine Bewunderung und seinen Beifall, fordert ihn aber auch hinwiederum auf, nun einmal stärkere Speisen mitzntheilen und seine Gemeinde noch einmal mit einem Briefe höheren Inhalts zu weiden, damit sie nicht, immer nur bei milcharrigen Lehren verweilend, unvermerkt bei kindischem Unterrichte alt würde. In diesem Briefe zeigt sich, wie in einem mit der größten Genauigkeit gemalten Bilde, die Rechtgläubigst des Pinytns, seine Sorge für das Wohl seiner Gemeinde und seine Wissenschaft und seine Einsicht in religiösen Dingen. Auch hat man noch einen Brief des Dionysius an die Römer, der an den damaligen Bischof Soter gerichtet ist. Ich halte es für das Beste, die ganze Stelle daraus, welche eine Sitte der Römer, der sie bis auf die Verfolgung zu unserer Zeit treu geblieben sind, (2) rühmlich erwähnt, wörtlich hier mit- zutheilen: „Denn ihr habt von Anfang an die Gewohnheit gehabt, daß ihr „allen Brüdern auf mancherlei Art Gutes erwieset und vielen Gemeinden „in verschiedenen Städten Unterstützungen zuschicktet und auf diese Weise „bald die Armuth der Dürftigen erleichtertet, bald den in den Bergwerken „befindlichen Brüdern wohlthätige Beiträge zukommen ließet. Durch diese „Unterstützungen, die ihr von Anfang an überschickt, bleibt ihr einer alt- „römischen Sitte als Römer treu. Dieß hat auch euer würdiger Bischof „Soter nicht nur beibehalten, sondern noch dazu dadurch vermehrt, daß er „theils die für die Heiligen bestimmten reichlichen Beiträge austheilt, theils „die nach Rom gekommenen Brüder, wie ein zärtlicher Vater seine Kinder, „mit beseligenden Worten tröstet." In demselben Schreiben erwähnt Dionysius auch des Briefs des Klemens an die Kvrinther und bemerkt es als (1) Knoffuö war, wie das oben erwähnte Gortyna, eine Stadt auf der Insel Kreta. (2) Auch der Bischof Dionysius von Alexandrien rühmt 7, 5. in einem Briefe die Wohlthätigkeit der römischen Gemeinde gegen auswärtige seht entfernte Gemeinden. AnrelinS. Iah» Chn'stnS 170. Sotcr. 141 einen alten Brauch, denselben in der Kirche vorzulesen. Seine Worte lauten also: „Wir haben heute wieder den heiligen Tag des Herrn (1) zurückgelegt und an demselben enern Brief vorgelesen, den wir, so wie den früher „von Klemens an uns geschriebenen, nie aufhören werden, zu unserer Erbauung zu lesen." Derselbe Dionysius bemerkt auch noch in Betreff seiner eigenen Briefe, daß sie ihm verfälscht worden, Folgendes: „Ich habe ans „Verlangen der Brüder Briefe geschrieben. Allein diese haben des Teufels „Apostel mit Unkraut angefüllt und manche Stellen weggenommen, andere „hinzugesetzt. Doch wird das Wehe dafür ihnen nicht ausbleiben. Es ist „demnach kein Wunder, daß Einige auch die Schriften des Herrn zn verfälschen sich haben beigehen lassen, wenn sie es sogar bei geringen: Schriften „versucht haben." Außer diesen ist noch ein Brief des Dionysius an eine gläubige Schwester, Namens Chrysophora vorhanden, worin er so schreibt, wie eS für sie angemessen war und ihr die für sie passende Seelenspeise mittheilt. So viel von Dionysius. Vierund)lvan)igstes Kauptstück. Von Theophilus, dem Bischof von Antiochien. Von dem oben als Bischof der Kirche zu Antiochia angeführten Theophilus haben wir drei Bücher an Autolikus,(2) welche die Anfangsgründe unserer Religion enthalten, so wie ein Buch mit dem Titel: Gegen die Ketzerei d es H e rm og e n es, (Z) worin er Zeugnisse aus der Offenbarung Johannis anführt, und noch einige andere Schriften katechetischen Inhalts. Da die Ketzer nicht weniger auch damals, gleich einem Unkraut, die reine Saat der apostolischen Lehre verderbten, so suchten die Hirten der Kirchen allwärts sie gleich wilden Thieren von den Schaafen Christi abzutreiben und entfernt zn halten, bald durch Ermahnungen und Erinnerungen, die sie an die Brüder ergehen ließen, bald dadurch, daß sie sich ihnen offen entgegenstellten und ihre Meinungen theils in mündlichen Disputationen und Widerlegungen, theils in Schriften durch die gründlichsten Beweise als falsch darstellten. Daß nun neben den andern auch Theophilus gegen sie zu Felde gezogen ist, erhellt aus einem trefflichen Buche von ihm gegen Marcion, welches ebenfalls, gleich den andern oben genannten Schriften von ihm, bis jetzt sich erhalten hat. Sein Nachfolger in der Gemeinde zu Antiochien wurde Maviminus, der siebente seit den Aposteln. (t) Schon in den ersten Zeiten des Christcnthums (man vergleiche Ostend. Johannis t, 10., denn Apostclgcsch. 20, 7. und l Korinth. 16, 2. dürsten nicht durchaus beweisend scyn) war der Sonntag, als der Lag der Auferstehung Christi, gottesdienstlichc» Versammlungen und der Andacht gewidmet. (2) Diese Schrift des Theophilus ist noch vorhanden, die andern von Eusebius hier angeführten sind dagegen verloren gegangen. (3) Hermogenes war ein afrikanischer Maler und behauptete die Ewigkeit der Materie. Auch Tertullian hat gegen ihn geschrieben. 142 AurelinS. Jahr Christus 170—171. Soter. F ü n f u r, dzWKNLiZ es HaNPtstü ck. Von Philippus und Modestus. Philippus, den wir schon ans dem Briefe des Dionysius als Bischof der Gemeinde zu Gvrlyna kennen, hat ebenfalls eine sehr werthvolle Schrift gegen Marcion verfaßt, so wie auch Irenaus und Modestus, welch letztere vor Andern die Irrlehre dieses Mannes Jedermann ganz offen in ihrer Bloße hingestellt haben, und noch Andere mehr, deren Werke noch bis jetzt bei sehr vielen Brüdern aufbewahrt werden. S e ch Z u n d z w a n z i g st e s Hauptü ck. Von Mclito und den verschiedenen aus ihm genommenen Sachen. Zu dieser Zeit wurden auch Melito, Bischof der Gemeinde in Sar- deS,(1) und Apollinaris, Bischof zu Hierapoliö, vorzüglich berühmt. Beide haben, allein jeder für sich, an den damals regierenden Kaiser Schutzschriften für unfern Glanben gerichtet. Die Schriften, welche von beiden zu unserer Kenntniß gelangt, sind folgende von Melito: Zwei Bücher v o m P a ssa h — U e b cr den W a n d e l — u n d über die Propheten — Von der Kirche — Vom Sonntag — Von der Natur des Menschen — Von derBildnng des Menschen -Vom Gehorsam derSinne g c g en d en G l a n b e n — VonLeibund Seele oder dem Geist — Vom Bade — Von der Wahrheit — Boi? der Erschaffung und G e b n rt C hri st i —- V o n der Weissagung — Von der Gastfreundschaft — Der Schlüssel — DieBücher vomTeufelund v o n der O ffenb a- rung Johannis — Von der Körperlichkeit Gottes (2) und endlich die kleine Schrift an Antoninns. Im Anfange des Buches vom Passah gibt Melito die Zeit der Abfassung desselben mit folgenden Worten an: „Als Servilins Paulus Prokonsnl in Asten war, um die Zeit, wo Sa- „garis den Märtyrerlod starb , entstand zu Laodicea (5) ein großer Streit „wegen des Passah, das der Zeit eben auf diese Tage fiel, (ft) Ans dieser „Veranlassung ist diese Schrift verfaßt worden." Dieses Buchs gedenkt auch Klemens von Alexandrien in einer eigenen Abhandlung über das Passah, von der er sagt, daß er sie ans Veranlassung der Schrift des Melito abgefaßt habe. In seinem Buche an den Kaiser erzählt Melito Folgendes, (t) Die Hauptstadt von Lydien, einer Landschaft in Kleinasicn. H2) So übersetze ich mit Ncandcr die Worte Tixpl xncrcag«rö-chkü. Sie könnten zwar — äußert sich dieser würdige Gelehrte — verstanden werden: von dem im Körper erschienenen Gott, also von der Menschwerdung Gottes, aber die Vergleichung mit der Nachricht des glaubwürdigen Origcncs von dem Inhalte des Buches tiugm. eoinnwntur. in Uenv^. Vol. Ii. opp. lol. 25. nöthigt zu der angegebenen Erklärung. (5) Es gab mehrere Städte dieses Namens. Hier ist Laodicea am Lykus in der klein- asiatischen Landschaft Phrygicn gemeint. (4) Nämlich, in welchen Sagaris hingerichtet wurde. Aureliuö. Iah» Christus 171. Sotor. «43 das niiS unier dessen Regierung widerfahren: »Was saust niemalen geschehen ist, geschieht jetzt; die Schaar der Gottesverehrer wird verfolgt und »in Asien durch neue Verordnungen hart bedrängt. Denn die schamlosen »Angeber und die nach fremdem Eigenthnm Lüsternen rauben und plündern „jetzt, cha sie die Veranlassung dazu in den Edikten finden, offen bei Tag »und bei Nacht die Unschuldigen." Und etwas weiterhin fahrt er fort: »Und wenn dieses ans deinen Befehl geschieht, so mag es immerhin recht »gethan seyu — denn ein gerechter Herrscher wird nie etwas Ungerechtes »beschließen — und wir tragen gerne das schöne Loos eines solchen Todes „davon. Nur diese einzige Bitte richten wir an dich, du möchtest vorher »selbst die Leute, die einen solchen Eigensinn (1) besitzen, kennen lernen und „dann nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit entscheiden, ob sie des Todes »und der Strafe schuldig oder des Lebens und der Nnhe würdig sind. Rührt „aber dieser Beschluß und diese neue Verordnung, dergleichen nicht einmal „gegen feindliche Barbaren so erlassen werden sollte, gar nicht von dir her, „so bitten wir dich noch viel wehr, uns bei einer so öffentlichen Räuberei nicht zu übersehen." Sodann fährt er etwas weiterhin fort: »Unsere Philosophie (2) hat früher unter Barbaren HZ) geblüht. Sodann verbreitete „sich dieselbe unter deines Vorgängers Augnstus gewaltiger Herrschaft auch »unter deine Völker und wurde deinem Reich vorzüglich zu einer glücklichen »Vorbedeutung. Denn seit dieser Zeit hat die Macht der Römer immer mehr an „Größe und Glanz gewonnen. Du nimmst nun zur allgemeinen Freude »seinen Thron ein und wirst eö noch ferner mit deinem Sohne, hü) wenn du „deinen Schuh einer Philosophie zuwendest, welche mit dem Kaiserreiche des „Augustus herangewachsen ist und begonnen hat und welche von deinen Vorgängern neben den andern Religionen in Ehren gehalten worden ist. Und „zum stärksten Beweise, daß unsere Religion mit der so glücklich begonnenen »Monarchie zum Wohle derselben aufgeblüht ist, dient der Umstand, daß „dieselbe seit der Regierung des Augustus von keinem Unglück betroffen „worden ist, sondern daß im Gegentheil überall nach den allgemeinen Wünschen »Glanz und Ruhm sich verbreitet haben. Die einzigen Kaiser, welche, von „einigen verleumderischen Menschen überredet, unsere Religion in einen „Übeln Ruf zu bringen suchten, waren Nero und Domitianus und von diesen „au hat sich auch die verleumderische Unwahrheit in Ansehung der Christen (5) „nach einer Gewohnheit, ohne alle Prüfung zu glauben, weiter verbreitet. ht) Melito nennt hier die Christen nach der Vorstellung der Heiden Eigensinnige. Denn diese nannten die Standhastigkcit der Christen Eigensinn und Halsstarrigkeit. Es versteht sich von selbst, daß Melito in Gedanken das Wort im guten Sinne genommen. Stroth. (2) So heißt die christliche Religion häusig bei den Kirchenvätern, weil das Christen- thum in einem höheren Grade dieselbe Wirksamkeit hat, die sie der Philosophie zuschrieben. (Z) D. h. unter den Juden. Diese werden auch von andern griechischen Schriftstellern so genannt. l.4) Dicß ist her nachmalige Kaiser KommoduS, welchen M. Aurclius nach dem Lodc seines Bruders Lucius zum Mitregentcn annahm. (5) Die Verleumdung gegen die Christen bestand wahrscheinlich in dem Vorgeben, daß die Duldung der Christen über das römische Reich wegen des dadurch gereizten Zorns der Götter Unglück bringe. 144 Aurellns. Jahr Chn'stuS 171. Soter. „Judeß die Unwissenheit dieser wurde durch deine trefflichen Voreltern „wieder gut gemacht, welche oftmals in ihren Nescripten manche, welche in „Betreff der Christen Neuerungen sich erlauben wollten, nachdrücklich zu« „rechtwiesen. So schrieb, wie bekannt ist, dein Großvater Adnauus außer „vielen andern auch an den Prokonsnl Fnndanns, der Statthalter von „Asien war, so dein Vater noch da, als du bereits die Regierung mit ihm „theilteft, an verschiedene Städte, keine Neuerungen in Betreff Unserer „vorzunehmen, darunter namentlich an die Larissäer, ht.) Thessalonicher, (2) „Athener und alle andern Griechen. Von dir aber, der du eben dieselbe „Gesinnung gegen die Christen, ja, eine noch viel menschenfreundlichere und „vernünftigere hast, sind wir noch weit mehr überzeugt, daß du Alles das „thuu werdest, um was wir dich bitten." Dieß sagt Melito in der vorhin genannten Schrift. In seinen Auszügen liefert derselbe gleich vornen in der Einleitung ein Verzeichniß der kanonischen Schriften des alten Testaments, dessen Anführung ich hier nicht übergehen darf. Seine Worte lauten also: „Melito dem Bruder OnesimuS seinen Gruß. Da du ans Hoch- „schätzung des göttlichen Wortes gewünscht hast, Auszüge aus dem Gesetze „und den Propheten in Betreff unseres Erlösers und unseres ganzen Glaubens zu erhalten, so wie von den Büchern des alten Testaments die Zahl „und Ordnung genau zu erfahren, so war ich bemüht, dieß zu bewerkstelligen, „weil ich deinen Eifer für den Glauben und deine Lernbegierde in der Religion kannte und wußte, daß du, um deine ewige Seligkeit bemüht, „in deinem Verlangen nach Gott diese Dinge allem Andern vorziehst. Da „ich nun in den Orient gereist und an den Ort gekommen war, wo alles „dieß gepredigt worden und vorgegangen ist, so lernte ich die Schriften des „alten Bundes ganz genau kennen und übersende dir von ihnen das angefügte Verzeichniß. Sie führen folgende Namen: fünf Bücher Mösts, „nämlich Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomion, Jesus, „Nave, Nichter, Ruth. Vier Bücher der Könige und der Chronik. Die „Psalmen Davids, die Sprüche Solomons oder die Weisheit, der Prediger, „das Hohelied. Hiob, die Propheten Jesaias, Jeremias, die Zwölf in „Einem Buche. Daniel, Ezechiel, Esras. (5) AuS diesen habe ich auch (t) Larissa war die größte Stadt in Thessalien, einer Landschaft in Nordgriechenland. (2) Thessalonika (jetzt Salonichi) war eine Stadt in Maccdonien, vor andern Städten dieses Landes bevölkert, reich und blühend durch seine glückliche Lage am thcrniaischen Meerbusen. (3) „In diesem Verzeichniß," bemerkt Eichhorn in seiner Einleitung in das alte Testament (erster Theil, Seite i22), „fehlen zwar Nehemias und Esther; aber wer die „Stelle mit Verstand liest, wird auch beide darin finden. Melito ordnet hier die Bücher „des alten Testaments offenbar nach der Zeit, in welcher sie geschrieben sind oder in welche „ihr Inhalt fällt. Daher stellt er Ruth hinter das Buch der Richter, Daniel und Ezechiel „gegen das Ende seines Verzeichnisses und Esras ganz zuletzt, weil er nach dem babyloni- „schen Erilium geschrieben hat. Und so, wie er die Bücher Samuels und der Könige unter „dem allgemeinen Namen der Bücher der Könige zusammenfaßt, weil sie die Geschichte „des hebräischen Königreichs von Saul bis Scdekias oder bis aufs babylonische Erilium „crzäelen, so scheint er unter dem Namen Esras alle historischen Bücher zu begreifen, „deren Inhalt in die Zeilen nach dem babylonischen Erilium fällt. Da es ohnehin sehr „gewöhnlich ist, Esras und Nehemias in Ein Buch zusammenzufassen — warum sollte Aurelms. Jahr Christus 171 —173. Soter. 145 „die Auszüge gemacht und sie in sechs Bücher abgetheilt." So viel von Melito. SiebenundzwanHg stes Haupt stück. Von Apollinaris, dem Bischof der Gemeinde zn Hicrapolis. Von Apollinaris befinden sich noch viele Schriften in Vieler Händen. Die mir bekannt gewordenen sind folgende: Die Schrift an den vorgenannten Kaiser — fünf Bücher wider die Griechen —zwei Bücher von der Wahrheit und eben so viele gegen die Juden, und sodann seine später verfaßten Schriften wider die Sekte der Phrygier, die bald darauf mit ihren Neuerungen hervortrat, damals aber, sozusagen, erst hervor- zvsprossen begann, da Montanus mit seinen falschen Propheten noch erst den Anfang seiner Abweichung von der wahren Lehre machte. AchtuuVpvanHgstes Hauptstück. Von Mnsanus und seinen Schriften. Von Musanus, dessen wir schon oben gedacht haben, ist ein sehr eindringliches Buch an einige Brüder vorhanden, welche sich zu der Sekte der sogenannten Enkratiden (1) hinneigten, welche damals eben erst aufzusprossen begann und eine ganz neue, verderbliche Irrlehre aufbrachte. Als Urheber dieser Verkehrtheit nennt man den Tatianus. Neunund ? wa njig stcs Hauptstück. Von der Eckte des Tatianus. Dieß ist eben der Tatianus, von welchem wir kurz vorher einige Worte über den vortrefflichen Iustinnö angeführt (2) und gesagt haben, daß er ein Schüler dieses Märtyrers gewesen sey. Dieß meldet Jrenäns in seinem ersten Buche gegen die Ketzereien, wo er zugleich über ihn und seine Sekte Folgendes sagt: „Von Saturninus und Marcion an lehrten die sogenannten „Enkrauden die Ehelosigkeit, verwarfen die erste Schöpfung Gottes und „man nicht auch Esras, Nehemias und Esther als Ein Ganzes haben ansehen können? „Setzt man zu dieser Bcrmuthung, daß Nchemias und Esther nach Josephus (man sehe „3, lt>. mit der Anmerkung) Theile des Kanons seyn müssen und daß andere Kirchcnvä- „ter von Gewicht, wie Origenes (man sehe 6, 25.) und Hieronymus (im prob^ns xiüo-i- „ins) beide ausdrücklich dazu rechnen, so kann wohl kein unparteiischer Forscher zweifeln, „daß auch Melito die beiden genannten Bücher nicht aus dem Kanon des A. L. ausschließe." (l> Oder solcher Leute, welche eine gewisse Enthaltsamkeit beobachteten. Man nannte sie auch Hydroparastatai und Aquarii, weil sie sich des Weins gänzlich enthielten und selbst bei Begehung der Abendmahlsfeicr sich des Wassers statt Weines bedienten. (2) Im löten Hauptstück dieses Buches. Eusebius Kirchengeschichte. lö Iii; Aurclius. Jahr Christus 173. Soter. „tadelten ihn sannt stillschweigend, daß er Mann und Weib zn Fortpflan. „zung des Menschengeschlechts gemacht habe. Sie führten auch die Enthaltung von animalischen Speisen, wie sie sie nannten, ein, und bewiesen sich „dadurch undankbar gegen Gott, der Alles geschaffen hat, und leugnen auch „die Seligkeit des zuerst erschaffenen Menschen. Und diese Meinungen sind „erst neulich bei ihnen aufgekommen. Erster Urheber dieser gotteslästerli- „chen Lehre ist ein gewisser Tatianns, ein Zuhörer des Justinns; Tatianns „äußerte zwar, so lange er mit diesem Manne Umgang hatte, nichts dergleichen, aber nach dem Tode dieses Märtyrers fiel er von der Kirche ab „und schuf sich von der Einbildung, ein Lehrer zu seyn, aufgeblasen und „verblendet von der Meinung, er sey besser, als die andern Menschen, ein „eigenes Lehrsystem, fabelte, gleich der valentinischen Schule, von unsichtbaren Aevnen, nannte die Ehe eben so, wie Marcion und Satnrninus, „Verderben und Hurerei (1) und brachte überdies; zuerst Beweisgründe gegen die Seligkeit Adams vor." So schrieb damals Irenaus. Bald darauf verlieh ein gewisser Severus der erwähnten Sekte neue Stärke und gab somit Veranlassung, daß ihre Anhänger von ihm den Namen Severianer erhielten. Diese nehmen zwar das Gesetz, die Propheten und die Evangelien an, erklären aber den Sinn der heiligen Schrift auf eine ganz eigenthümliche Weise. Den Apostel Paulus lästern sie und verwerfen seine Briefe; auch die Apostelgeschichte nehmen sie nicht an. Ihr erster Stifter Tatianus hat eine Zusammenstellung und Verbindung der Evangelien, (2) ich weiß nicht wie, zu Stande gebracht und dieselbe das Evangelium durch Viere genannt, welches jetzt noch bei einigen angetroffen wird. Es heißt auch, er habe sich herausgenommen, einige Worte des Apostels (Z) zn umschreiben, wie um den Ausdruck zu verbessern. TaiianuS hat eine große Menge Schriften hinterlassen, von welchen besonders seine vielbekannte Schrift gegen die Griechen(ä) von Vielen angeführt wird, welche als seine beste und lehrreichste gilt. Er beweist darin, daß Moses und die hebräischen Propheten älter sind, als alle berühmte Männer der Griechen. So weit hievon. <1) Nach einer Stelle in seinem Buche: Von der Vollkommenheit nach dem Erlöser, wovon uns Klemens von Alexandrien Bruchstücke erhalten hat, behauptete er sogar, die Ehe komme vom Satan. (2) Wie Tatianus dabei verfuhr, lernen wir aus Theoboret, Bischof von Evrus in Syrien, welcher nicht weniger als 200 Exemplare davon in seinem Sprengel zusammenbrachte und aus dem Gebrauche entfernte, kennen. Er sagt nämlich Imorot. NU,. I. 20.: „Dieser Tatianus hat das Evangelium zusammengesetzt, welches durch die Viere bc- „kannt wird. Er riß aber die Genealogien davon ab und alle diejenigen andern Stücke, „welche den Herrn als entsprungen vom Geschlechts Davids dem Fleische nach darstellen „(weil er wohl in seiner besondcrn gnostischcn Ehristologie Grund da;u hatte)." Uebrigcns dürste es sich noch fragen, ob Tatianus sich bloß an unsere vier kanonischen Evangelien gehalten, oder ob er nicht auch apokryxhische Evangelien dabei benutzt hat. V) D. h. des Paulus Uebrigcns ersieht man aus dieser Stelle nicht recht, ob Tatianus nur den Ausdruck r.incr griechisch geben wollte oder ob er solche Veränderungen damit vornahm, wodurch die Lehren Pauli den Grundsätzen seines Systems angepaßt werden sollten. (4) Dieß ist die einzige von seinen Schriften, welche auf uns gekommen ist. M. Aurelius. I. Chr. 173 — 178. Soter.» 147 Preißigstes Hauptstü ck. Von dem Syrer Bardesanes und den ihm beigelegten Schriften. Wie unter der Regierung des Kaisers M. Aurelius die Sekten in Mesopotamien sich sehr mehrten, so verfertigte Bardesanes, (1) ein tüchtiger, in der syrischen Sprache sehr gewandter Mann, neben sehr zahlreichen andern Schriften Gespräche wider die Anhänger des Marcion und einige andere Urheber verschiedener Lehrmeinnngen in seiner Muttersprache, welche seine Schüler (er hatte aber deren sehr viele, weil er fest am gottlichen Worte hielt) ans dem Syrischen in das Griechische übertrugen. (2) Hieher geHort auch ein sehr sehr lehrreicher Dialog an Antoninns, Vom Schicksal, (3) und noch mehrere andere Schriften, die er aus Veranlassung der damaligen Verfolgung verfaßt haben soll. Bardesanes war früher ein Anhänger des Valentinns gewesen ; allein später verwarf er dessen Lehre (ä) und widerlegte die meisten der in ihr enthaltenen Fabeleien. So glaubte er nun sich zur richtigen Lehre bekehrt zu haben ; allein ganz vermochte er doch nicht den Schmutz der alten Ketzerei von sich abzuschütteln. Um diese Zeit starb auch der römische Bischof Soter. Ende des vierten Buches. —.--»»vT Fünftes B u ch. Vorrede. Der römische Bischof Soter starb, nachdem er sein Amt acht Jahre verwaltet hatte. Sein Nachfolger war Eleutherus, der zwölfte nach den Aposteln. Es war das i7te Jahr des Kaisers Antoninus Berus, als in " Eleutherus, zwölfter Bischof in Rom. (1) Er lebte zu Edessa und war ein Vertrauter des Abgar Bar Manu. (2) Hieronymus, der diese Uebersctzungen noch gesehen hat, ruft darüber ( vor den andern dortigen Städten ausgezeichnete Hauptstädte sind daselst Lugdunum (1) und Vienna,(2) beide durchflössen vom Rhodanus, (3) welcher das ganze Land mit gewaltiger Strömung umfängt. Die dortigen sehr berühmten Gemeinden haben den Gemeinden in Asien und Phrygien eine schriftliche Erzählung von den Märtyrern zugeschickt, worin sie das bei ihnen Vorgefallene berichten, und welche ich mit ihren eigenen Worten hersetzen will, (ff) „Die Knechte Christi in den Gemeinden zu Vienna und Lngdunum in Gal« zzlien wünschen den Brüdern in Asien und Phrygien, welche mit uns den- „setben Elanben und dieselbe Hoffnung der Erlösung haben, Frieden und „Gnade und Ehre von Gott dem Vater und unserm Herrn Jesu Christo." (1) Das heutige Lyon. (2) Das heutige Viennc. (3) Die Rhone. (4) Man hält gewöhnlich den Irenaus für den Verfasser dieses Schreibens. AureliuS. Jahr Christus 178. Eleutherus. 140 Nachdem sie sodann noch Einiges als Vorbericht vorangeschickt, machen sie den Anfang der eigentlichen Erzählung folgendermaßen: „Die Größe der „hiesigen Bedrängnisse und die heftige Wnth der Heiden gegen uns und „was die seligen Märtyrer erduldet haben, genau darzustellen, sind wir „eben so wenig im Stande, als sie überhaupt zu beschreiben möglich ist. „Denn der Widersacher stürmte mit aller Gewalt auf uns ein und gab dadurch „schon ein Vorspiel seiner einst mit zügelloser Wnth hereinbrechenden Zu- „kunft. Er ließ nichts unversucht, machte die Seinigen geübt und stellte „mit ihnen allerlei Vorübungen an gegen die Knechte des Herrn, so daß „uns nicht bloß Häuser, Bäder und öffentliche Plätze unzugänglich waren, „sondern daß wir unS, mochte eS seyn, wo eS wollte, nicht einmal vor „ihnen blicken lassen durften. Aber die Gnade des Herrn kämpfte für uns „gegen sie und rettete die Schwachen; sie stellte dem Widersacher feste Sänken entgegen, welche durch ihre Standhaftigkeit den ganzen Anfall des „Bösen auf sich abzulenken vermochten. Sie traten ihm unter die Augen, „jegliche Art von Schimpf und Strafe ertragend, und eilten, Alles gering „achtend, zu Christo, indem sie dadurch in der That bewiesen, daß die „Leiden dieser Welt gegen die Herrlichkeit, welche an uns einst offenbar „werden soll, keine Beachtung verdienen. (1) Und zuerst hielten sie Alles, „was ihnen von dem versammelten Volke haufenweise zugefügt wurde, mit „männlichem Muthe aus — Geschrei, Schläge, Hin- und Herreißen, „Plünderung, Steinwürfe, Einsperrung, knrz Alles, waS eine aufgebrachte „Menge gegen Feinde und Gegner so gern sich erlaubt. Sodann wurden „sie von den Tribunen und den Behörden der Stadt auf den Marktplatz „geführt, in Gegenwart der ganzen Menge verhört und als sie bekannten, „bis zur Ankunft des Statthalters in das Gefängniß geworfen. Wie sie „sodann später vor diesen gebracht wurden, erlaubte sich derselbe jegliche „Art von Nohheit gegen uns. Einer von den Brüdern war Vettius Epa- „gathus, der, von überschwänglicher Liebe zu Gott und seinem Nächsten erfüllt, einen so strengen Lebenswandel führte, daß er, wiewohl er noch „jung war, ein nicht minder rühmliches Zengniß, als der alte Zacharias, „halte. Denn er wandelte untadelhaft in allen Geboten und Rechten des „Herrn (2) und war unverdrossen zu jeglicher Dienstleistung des Nächsten, „dabei voll Eifers für Gott und brannte im Geiste. Dieser konnte bei „einem solchen Charakter ein so ungerechtes gerichtliches Verfahren gegen „uns nicht ertragen, sondern wurde vom Unwillen übermannt und verlangte „mit seiner Vertheidignng für die Brüder, daß nichts Gottesleugnerisches „und Gottloses bei uns zu finden sey, auch gehört zu werden. Da erhoben „die um den Nichterstuhl Herumstehenden ein Geschrei wider ihn (denn er „war ein angesehener Mann). Der Statthalter aber nahm keine Rücksicht „auf die von ihm vorgetragene gerechte Bitte, sondern fragte ihn nur, ob (1) Römcrbr. 8, 13. (2) Luk. 1, 6. 150 M. Auroliu „den und vor Wuth gegen uns knirschten. Da ging nun das Wort unseres „Herrn in Erfüllung: (st) ES wird eine Zeit kommen, wo jeder, der euch „tödtet, glauben wird, Gott einen Dienst damit zu erweisen." Da standen „die heiligen Märtyrer Qualen aus, die nicht in Worte gefaßt werden kon- „nen, indem der Satan Alles aufbot, daß auch von ihnen ein Schmähwort „gesagt werden mochte. Vorzüglich heftig äußerte sich die ganze Wuth „sowohl des Volkes, als des Statthalters und der Soldaten gegen Sauk- „tus, Diakonus aus Vienna, und gegen Maturus, der vor Kurzem erst „erleuchtet (2) worden war, aber als mannhaften Kämpfer sich erwies, und „gegen Attalus auö Pergamus,(Z) der von jeher eine Säule und Stütze „der hiesigen Christen gewesen war, so wie gegen Blandina, an welchen „Christus zeigte, daß das , was unter den Menschen für gering, (ü) unscheinbar und verächtlich gilt, bei Gott großer Ehre gewürdigt wird wegen „der Liebe zu ihm, welche sich durch die That erweist, nicht aber mit leerem „Schein sich brüstet. Denn während wir alle fürchteten und ihre irdische „Gebieterin, welche auch eine Kämpferin unter den Glaubeuszeugen war, „in großer Sorge sich befand, Blandina möchte wegen der Schwäche ihres „Körpers ihr Bekenntnis; nicht mit Freimüthigkeit ablegen können, so wurde „sie mit solcher Kraft erfüllt, daß ihre Peiniger, welche, einander ablösend, „sie vom Morgen bis zum Abend auf jegliche Art marterten, zuletzt ermattet „und entkräftet wurden, sich selbst für besiegt erkannten, da sie nichts mehr „wußten, was sie ihr zufügen konnten, und sich verwunderten, daß sie nur „noch am Leben sich befände, da ihr ganzerKörper zerrissen und geöffnet scy und „gestanden, daß schon eine einzige Art der Folter hinlänglich gewesen wäre, „ihr das Leben zu nehmen, geschweige denn so viele und große. Aber die „Selige sammelte, gleich einem wackern Kämpfer, in dem Bekenntnisse neue „Kräfte und ihreStärkung, Erholung und ein schmerzstillendes Mittel gegen „alles , was sie litt, waren die Worte: I ch bin eine Christin u u d „b e i u n s g e s ch i e h t ni ch ts Böses. Auch Sanktus erduldete auf eine „ganz außerordentliche und übermenschliche Art standhaft alle Martern, „welche Menschen anthnn können. Da die Gottlosen hofften, durch die „Daner und Größe der Martern ein nachtheiligcs Bekenntnis; von ihm „erpressen zu können, so widerstand er ihnen mit so unerschütterlicher Festigkeit, „daß er weder seinen Namen sagte, noch sein Volk und Vaterland, noch „seinen Stand, ob er ein Sklave oder ein Freier sey, angab, sondern auf „jede ihm vorgelegte Frage in lateinischer Sprache nur entgegnete: I ch „b in ein Chri st. (5) Dies; bekannte er stets statt seines Namens, statt (st) Evangel. Joh, t6, 2. (2) D. h. getauft. Man sehe oben 3, 23. (3) Eine Stadt in Kleinasien. (4) Blandina war nämlich eine Dicnstmagd. (5) Die Märtyrer und Bekenner nämlich setzten ihren größten Stolz darein, Christen zu heißen. Eine mit der obigen ganz übereinstimmende von August! in seinen Denkwürdigkeiten der christlichen Archäologie angeführte Erzählung gibt Chrysostomus slinm, X l.Vl, wm, I. p, 532 eü. krr.no»s.) vom Märtyrer Lucianus: „Er antwortete auf alle Fragen bloß: „Ich bin ein Ehr ist. Und als ihn der Henker fragte: Aus welchem Lande bist du? 152 M. Aurelius. Jahr Christus 173. Eleutherus. „seines Vaterlandes, statt seines Herkommens und jedes andern Punktes, „ohne daß die Heiden einen andern Laut von ihm gehört hätten. Dieß „erregte eine große Erbitterung wider ihn bei dem Statthalter und bei seinen „Peinigern. Sie legten ihm daher, da sie nichts mehr wußten, was sie „ihm anthnn sollten, zuletzt glühende Metallblättchen auf die empfiudlich- „sten Theile des Körpers. Diese wurden nun zwar angebrannt, allein „Sanctns blieb ungebeugt, wankte nicht und beharrte fest auf seinem Be- „kenntniß, von der himmlischen Quelle des Lebenswassers, das aus dem „Herzen Christi ausströmt, bcthaut und erkräftigt. Sein Körper indeß war „Zeuge dessen, was er erduldet: er war Eine Wunde und Eine Blutstrieme, „überdies; völlig zusammengeschrumpft und hatte alle menschliche Ge- „stalt verloren. Christus aber, der in ihm gelitten hatte, verherrlichte „sich sehr an ihm, indem er den Widersacher zu Boden schlug und den „klebrigen ein Beispiel zeigte, daß nichts furchtbar ist, wo die Liebe des Vaters, „nichts schmerzhaft, wo die Herrlichkeit Christi ist. Denn als die Gottlosen nach Verfloß einiger Tage den Märtyrer aufs Neue folterten und „glaubten, sie würden entweder, weil die Wunden aufgeschwollen und entzündet waren, so daß er nicht einmal das Berühren mit der Hand ertragen konnte, wenn sie die nämlichen Martern bei ihm anwenden würden, „seiner Herr werden können, oder er würde, wenn er auf der Folter stürbe, „den klebrigen Furcht einjagen, so geschah nicht allein nichts von diesem bei „ihm, sondern «s wurde vielmehr gegen alle Menscheuerwartung bei Wiederholung der Martern sein Körper wieder gerade und aufrecht und er „bekam seine vorigeGcstalt und den Gebrauch der Glieder wieder, sodaßseiue „zweite Folter keine Peinigung, sondern durch die Gnade Christi eine Heilung für ihn wurde. Eine gewisse Biblias befand sich unter denjenigen, „welche den Glauben verleugnet hatten. Der Satan glaubte sie schon ver- „schlungen zu haben, wollte aber auch noch durch Lästerung (1) ihre Ver- „dammniß bewirken; er ließ sie daher zur Folter führen, um sie als eine „bereits schwache und muthverlasscne Person zu zwingen, die uns zur Last „gelegten Verbrechen zu bestätigen. Allein sie kam auf der Folter wieder „zur Besinnung, wachte, so zu sagen, von einem tiefen Schlafe wieder auf, „erinnerte sich unter der zeitlichen Strafe der ewigen Pein in der Hölle und „widersprach den Lästerern geradezu und sagte: „Wie sollten diese Leute „Kinder essen, welche nicht einmal dasBlnt(2) vernunftlvser Thiers genießen „dürfen?" Sodann bekannte sie sich als eine Christin und wurde der anser- „wähltcn Schaar der Märtyrer beigesellt. Da nun alle diese tyrannischen „Strasmittel von Christus durch die Staudhaftigreit der Märtyrer uuwirk- „sam gemacht worden waren, so ersann der Teufel andere Kunstgriffe, „antwortete er: Ich bin ein Christ. Was hast du für ein Gewerbe? Antwort: Ick) „bin ein Christ. Wer sind deine Eltern? Antwort: Ich bin ein Christ. Und „diese Antwort gab er auf jede Frage." (1) D. h. dadurch, daß sie die den Christen zur Last gelegten Verbrechen und Schand- thaten als wahr bekannte. (2) Nach Apostelgcsch. t5, 23. M. Aurelins. Jahr Christus 178. Eleutherns. 133 „nämlich Einkerkerung an finsteren und unheimlichen Orten, die Ausspan- „nuug der Fuße im Block, die bis zum fünften Loch auseinandergedehnt „wurden (1) nni» noch alle andern dergleichen Martern, womit erboste und „dazu ganz des Teufels volle Henkersknechte die Gefangenen zu quälen „pflegen. Es erstickten daher die meisten derselben im Gefängnis;, so viel „ihrer nämlich der Herr auf diese Art aus der Welt abberufen und an ihnen „seine Ehre verherrlichen wollte. Denn diejenigen, welche so schwere Mar- „tern erduldet hatten, daß man hätte glauben sollen, sie könnten nicht mehr „leben, auch wenn ihnen die sorgsamste Pflege zu Theil werden würde, blie- „ben zwar verlassen von menschlicher Fürsorge, aber von dem Herrn kör- „perlich und geistig gestärkt und erkräftigt am Leben und crmahnten und „trösteten die Uebrigen. Die neuen Ankömmlinge dagegen, die eben erst „ergriffen worden waren, hielten, obgleich ihr Körper vorher keine Foltern „ausgestanden hatte, die Beschwerlichkeiten des Gefängnisses nicht aus, „sondern starben darin. Auch der über 90 Jahre alte Bischof der Gemeinde „zu Lugdunum, der selige Pothinus, der am Körper so schwach war, daß er „wegen Entkräftung kaum noch athmen konnte, der aber von einem Geiste „der Freudigkeit wegen der ihm inwohnenden Sehnsucht nach dem Mär- „tyrerthum mit Kraft erfüllt war, wurde vor den Nichterstuhl geschleppt. „Sein Körper war zwar von Alter und Krankheit ganz geschwächt, allein „sein Geist noch in voller Kraft, damit Christus durch ihn triumphiren „möchte. Dieser legte, als er von den Soldaten unter Begleitung der „städtischen Behörden und unter dem vermischten Geschrei der ganzen Menge, „als wenn er Christus wäre, vor den Nichterstuhl gebracht wurde, ein „glänzendes Zeugniß ab. Wie ihn der Statthalter fragte, wer der Gott „der Christen sey, entgegnete der Bischof: Du wirst ihn erkennen, „w enn du dich dessen würdig zeigst. Auf dieß wurde er auf das „Schonungsloseste mißhandelt und bekam viele Wunden. Ohne alle Achtung vor seinem Alter ließen die ihm Nächsten mit Fanstschlägen und „Fußtritten auf alle Art und Weise ihre Rvhhciteu an ihm aus, von „den Entfernten aber warf jeder ans ihn, was er nächst bei Händen hatte „und alle glaubten , in der Meinung, daß sie auf diese Weise ihre Götter „rächten, eine große Sünde und ein Verbrechen zu begehen, wenn einer in „rücksichtsloser Wuth gegen ihn zurückbliebe. Kaum noch athmend, wurde „Pothinus endlich in das Gefängniß geworfen und gab nach zwei Tagen „seinen Geist auf. Hier nun erwies sich die große Waltung Gottes und die „grenzenlose ErbarmungJesu, (2) so wie sie sich wohl selten in der Gemeinde (1) Dieg war eine Art von Tortur. An jeder Seite des Klotzes waren fünf Löcher in einer Linie, wodurch die Grade der Ausdehnung der Beine und zugleich die Grade der Tortur bestimmt wurden. Das fünfte Loch war der äußerste Grad, wodurch die Füße schon über drei Ellen auscinandcrgespannt seyn mußten. Rufsinus sagt gar, sie wären bis zum siebenten Loch ausgespannt gewesen, es ist indessen gut, daß er hinzusetzt, es sey unglaublich. Stroth. (2) Der Verfasser des Schreibens nennt das Barmherzigkeit Jesu, daß den Verlcug- ncrn ihre Verleugnung nichts geholfen hat und also die Gemeinde von der Furcht und einzelne Mitglieder von der Gefahr befreit worden, daß »och mehrere verleugneten, oder setzt 154 M. UureliuS. Jahr Christus 178. EleutheruS. „gezeigt hat, aber doch der weisen Lenkung Christi angemessen ist. Es wur- „den nämlich diejenigen, die bei der ersten Gefangennchmung verleugnet „hatten, dennoch auch in das Gefängniß geworfen und mußten das Unge- „mach mit aushalten. Ihre Verleugnung half ihnen zu dieser Zeit gar „nichts, sondern ste wurden, während die Bekenner als Christen, „was sie auch waren, im Gefängniß seyn mußten, ohne daß den- „selben sonst eine andere Schuld beigemessen worden wäre, wie Mörder und „Verbrecher im VerHaft gehalten und erlitten so in Vergleichnng mit den „Andern eine doppelte Strafe. Denn jenen gewährte doch die Freude über „ihr Märtyrerthum, die Hoffnung auf die Verheißungen, die Liebe zu „Christo und der Geist des Vaters Linderung, diese aber peinigte ihr Gegriffen so sehr, daß sie auch von allen Andern beim Vorbeigehen schon dem „Aenßern nach erkannt werden konnten. Jene schritten heiter vor, ans „ihrem Antlitze waren hohe Würde und Anmnth gepaart und selbst die „Fesseln lagen als schöner Schmuck an ihnen; sie glichen einer Braut, welche „mit einem goldgestickten, mannigfach verzierten und verbrämten Gewände „geschmückt ist, dabei dufteten sie den Wohlgeruch Christi, (1) so daß Einige „glaubten, sie seyen mit natürlicher Salbe gesalbt; diese aber waren beschämt, „niedergeschlagen, häßlich anzusehen und alles Widerlichen voll, mußten „dazu noch die Schmähungen der Heiden als feige und weibische Menschen „hören, waren mit der Beschuldigung, sie seyen Mörder, belastet und „hatten den so werthvollen, herrlichen und seligmachenden Namen (2) verloren. Da dieß die Uebrigen sahen, wurden sie befestigt und alle, die ergriffen wurden, bekannten ohne Bedenken und ohne daß ein teuflischer „Gedanke (Z) ihnen in den Sinn gekommen wäre." Nachdem ste hieranfnoch Verschiedenes beigefügt, fahren sie weiter also fort: „Nach diesem nahmen „ihre Märtyrerthümer einen verschiedenartigen Ausgang. Denn sie flochten „aus allerlei Blumen von verschiedenen Farben Einen Kranz und brachten „ihn dem Vater dar. (ä). Es mußte daher den wackcrn Kämpfern, die so „mancherlei Kampf ausgestanden und einen großen Sieg davon getragen hallen , die herrliche Krone der Unsterblichkeit zu Theil werden. Matnrus, „Sanktns, Blandina und Attabus wurden nun auf den öffentlichen Platz zu „den wilden Thieren geführt, um der versammelten heidnischen Menge ein „unmenschliches Schauspiel zu geben und der Tag des Thiergefechts wurde „mit Fleiß wegen der Unsrigen jetzt angestellt. (S) Matnrus und Sanktns „mußten wiederum alle Arten von Martern in dem Amphitheater durch- cr, was noch schicklicher wäre, die Erbarmung Christi darein, daß die Verlcugner im Gefängnisse gehalten worden und da Zeit und Gelegenheit bekommen, wieder in den Schoos der Kirche zurückzukehren. Stroth. tt) Anspielung auf 1 Korinth. 2, 15. (2) Nämlich den Namen Christen. (Z) Nämlich Christum zu verleugnen. (4) Das heißt in natürlicher Sprache: Sie erduldeten Gott zu Ehren verschiedene Todesarten, der eine diese, der andere jene. Stroth. (5) ES wurde also jetzt außerordentlich angestellt, da sonst die Thiergcfechte nur einmal im Jahre, im Dezember, gehalten wurden. Stroth. M. Aurelius. Jahr Christus 178. Clentherus. 155 „machen, wie wenn sie vorher noch ganz und gar nichts erlitten hätten, oder „vielmehr sie erduldeten als Kämpfer, die schon in mehreren Gängen den „Gegner überwältigt haben (1) und jetzt um die Krone selbst ringen, wie- „derum die Hiebe der Geißeln, deren sie daselbst schon gewohnt worden wa- „ren, das Hernmgerissenwerden von den wilden Thieren, kurz Alles, was „eine wüthcnde Volksmenge mit von allen Seiten herschallendem wildem „Geschrei haben wollte, und endlich auch den eisernen Stuhl, ans welchem „die Körper geröstet wurden und die Nasen der Zuschauer mit Duft erfüllten. „Allein auch hiemit horten sie noch nicht ans, sondern geriethen nur noch „mehr in Wuth und wollten die Standhaftigkeit der Märtyrer überwinden. „Aber dennoch horten sie von Sanktus weiter nichts, als das Bekenntniß- „wort, welches er gleich von Anfang an gesagt hatte. Da nun die Mär- „tyrer in dem großen Kampfe das Leben lange nicht verlassen wollte, so „wurden sie zuletzt erwürgt, nachdem sie diesen ganzen Tag hindurch statt „aller jeuer mannigfachen Abwechslung, welche bei den Fechikämpfen statt- „findet, selbst dem Volke zum Schauspiel gedient hatten. Blandina aber „wurde an einem Holze aufgehängt (2) und sollte so den aus sie losgelassenen „wilden Thieren zum Fraß dienen. Ihr anhaltendes Gebet und ihr „Anblick — sie war nämlich in der Gestalt des Kreuzes aufgchenkt — erweckten in den Kämpfenden großen Muth, da diese im Kampfe auch mit „ihren leiblichen Augen in der Person der Schwester den für sie Gekreuzigten erblickten, um die, welche an ihn glaubten, zu überzeugen, daß jegli- „cher, der für die Ehre Christi leidet, ewige Gemeinschaft mit dem lebendigen „Gott hat. Da nun damals keines von den wilden Thieren sich an sie „machte, so wurde sie vom Holze herabgenommcn und wiederum in das Ge- „fängniß geworfen und für einen andern Kampf aufbewahrt, damit sie „durch ihre Siege in mehreren Kampfproben einestheilS der hinterlistigen „Schlange die Verdammuiß unvermeidlich mache, anderntheils, damit sie, „die Kleine, Schwache und Verächtliche, angethan mit dem großen und „unüberwindlichen Kämpfer Christus, in mehreren Gängen den Gegner „überwältigen und durch den Kampf mit der Krone der Unsterblichkeit gekrönt, die Brüder ermuthigen möchte. Auch Attalas wurde — er war „ein angesehener Mann — vom Volke heftig herausverlangt und schritt als „ein bereiter Kämpfer im Bewußrseyn eines guten Gewissens hinein, da er „in den Grundsätzen des Christenthums trefflich sich geübt und immer als „ein Zeuge der Wahrheit unter uns sich erwiesen hatte. Er wurde ringsherum im Amphitheater geführt (Z) und eine Tafel vor ihm hergetragen, „worauf in lateinischer Sprache geschrieben stand: Dieß ist der Christ Attalus. (1) Wie so manche Ausdrücke in diesem Briefe, so ist auch dieser von den Kampfspielen hergenommen. Bei diesen mußten dle jedesmaligen Slcgcr immer von Neuem mit einander kämpfen und das Loos entschied es, wer des andern Gegner wurde; der zuletzt Ucbriggeblicbene kämpfte um die Krone. Stroth. (2) Weil sie eine Sklavin war. (3) Dieß war gewöhnlich, damit die Zuschauer den Fechtern und den zu de» Thieren Vcrurtheilten in das Gesicht sehen und sie kennen lernen konnten. 13U M. Aureli'uS. Jahr Christus 178. Clcutherus. „Das Volk tobte indessen mit ausgelassener Heftigkeit gegen ihn. Da aber „der Statthalter erfuhr, daß er ein Römer sey, ließ er ihn mit den übrigen „Gefangenen wieder in den Kerker zurückbringen, erstattete dem Kaiser „Bericht über sie und wartete die Entscheidung desselben ab. Die Zwischenzeit verfloß den Christen nicht unnütz und unfruchtbar, sondern durch ihr „Ausharren that sich das grenzenlose Erbarmen Christi kund. Denn durch „das Lebendige(1) wurde das Todte wieder zum Leben gebracht und die „Märtyrer erwiesen sich gegen diejenigen, welche nicht Märtyrer geworden „waren, gütig. Und die jungfräuliche Mutter (2) wurde mit großer Freude „erfüllt, als sie diejenigen, welche sie vorher als todte Fehlgeburten ausge- „ftoßen hatte, als lebendig wieder ausnehmen konnte. Denn durch jene „wurden die meisten derer, welche verleugnet hatten, wieder in ihren Schoos „aufgenommen, wieder empfangen und mit Lebensfeuer beseelt, lernten „bekennen und schon lebendig und gestärkt traten sie unter dem wohlthätigen „Einflüsse Gottes, der nicht den Tod des Sünders will, sondern an dessen „Buße seine Freude hat, vor den Richterstuhl, um von dem Statthalter „noch einmal befragt zu werden. Es war nämlich eine Entscheidung des „Kaisers eingetroffen, daß diejenigen, welche verleugnen würden, freigegeben , die Andern aber hingerichtet werden sollen. Da nun die „hiesige Messe, welche durch den Zusammenfluß von Menschen aus allen „Ländern sehr volkreich ist, ihren Anfang nahm, so ließ der Statthalter „die seligen Märtyrer, dem Volke zur Schau, im Aufzuge vor den Richtcr- „stuhl führen. Hier wurde nun die Untersuchung von Neuem vorgenom- „men. Wer als ein römischer Bürger erfunden ward, wurde enthauptet, „die übrigen aber den wilden Thieren vorgeworfen. Christus aber wurde „hier von denjenigen, welche früher verleugnet hatten, jetzt aber gegen die „Erwartung der Heiden bekannten, sehr verherrlicht. Denn diese wurden „besonders verhört, um sodann in Freiheit gesetzt zu werden; allein sie be- „kannten und wurden der auserwählten Schaar der Märtyrer beigesellt. „Ausgeschlossen davon aber blieben diejenigen, welche gar niemalen eine „Spur des Glaubens, noch eine Ahnung vom Bräntigamsgewande des „Herrn, noch einen Gedanken von Furcht Gottes gehabt, sondern schon „durch ihren Wandel die Religion verlästert hatten, d. h. die Kinder des „Verderbens. Die UeR-igsn alle wurden der Kirche einverleibt. Bei dieser „Untersuchung war auch ein gewisser Ale.vander aus Phrygien, ein Arzt, „welcher viele Jahre laug in Gallien sich aufgehalten hatte und wegen seiner „Liebe zu Gott und seiner Freimüthigkeit im Reden (denn er besaß hierin „apostolische Gaben) fast allgemein bekannt war, anwesend. Dieser er- „mahnte, während er in der Nähe des Nichterstuhles stand, die Andern „durch Winke zum Bekenntniß, wobei er denen, welche um densel- „ben herumstanden, wie ein in Geburtsschmerzen sich Befindender Vorst) D. i., die Bekenner und treu Gebliebenen brachten die Gefallenen wieder zurccht. (2) D. h. die Gemeinde. M. Aurelius. Jahr Christus 178. Cleutherus. 157 „kam.(1) Da bemächtigte sich Unwille der Menge, daß diejenigen, „welche vorher verleugnet hatten, jetzt wieder bekannten und sie erhoben „ein Geschrei wider Alexander als wider den Urheber davon. Auf dieß „nahm ihn der Statthalter vor und befragte ihn, wer er wäre. Als Alexan» „der antwortete, er sey ein Christ, ergrimmte der Statthalter und vernr- „theilte ihn zu den wilden Thieren. Am folgenden Tage betrat er mit „Attalus (denn auch diesen ließ der Statthalter, dem Volke zu Gefallen, „noch einmal den wilden Thieren vorwerfen) (2) den Schauplatz. Nachdem „beide in dem Amphitheater alle und jede zum Martern erfundenen Jn- „strnmente an sich erprobt und den größten Kampf ausgestanden hatten, „wurden zuletzt auch sie niedergestoßen. Alexander ließ weder einen Seuf- „zer, noch überhaupt einen Laut von sich hören, sondern sprach in seinem „Herzen mit Gott. Attalas hingegen, als er auf dem eisernen Stuhl saß „und sein Körper auf allen Seiten gebraten wurde und der Dampf davon „aufstieg, sagte zu der Menge in lateinischer Sprache: „Seht, das, was „ihr thut, das ist Menschen verzehren. Wir aber essen weder Menschen, „noch thun wir sonst etwas BöseS." Um den Namen Gottes befragt, ant- „wortete er: „Gott hat keinen Namen gleich einem Menschen." Endlich „nach allem diesem am letzten Tage der Kampfspiele wurde Blandina noch „einmal auf den Schauplatz geführt mit einem jungen Menschen von etwa „15 Jahren, Namens Pvntikus. Diese waren auch schon vorher jeden „Tag hereingeführt worden, um die Qualen der Uebrigen mit anzusehen „und man wollte sie zwingen, bei den heidnischen Götzen zu schwören. Allein „sie blieben fest und standhaft und verachteten diese, weßhalb der Pöbel so „wütheud wurde, daß er weder Mitleid mit der Jugend des Knaben hatte, „noch Rücksicht auf das Geschlecht der Blandina nahm. Man ließ sie alle „Qualen empfinden und eine Art von Folter nach der andern durchmachen, „wobei man sie ohne Unterlaß zwingen wollte, zu schwören, ohne daß man „jedoch diesen Zweck hätte erreichen können. Denn Pontikns ward von der „Schwester ermuthigt, so daß auch die Heiden es sehen konnten, daß diese „es war, welche ihn ermunterte und befestigte. Er gab endlich den Geist „auf, nachdem er alle Martern männlich ausgehalten hatte. Die selige „Blandina aber eilte zuallerletzt, gleich einer edelgesinnten Mutter, welche „ihre Kinder ermuntert und als Sieger zum Könige vorausgesandt „hat, ebenfalls alle Kämpfe ihrer Kinder durchmachend, freudig hin zu „diesen und entzückt über den Ausgang, wie wenn sie zu einem Hochzeitmahl „geladen und nicht den wilden Thieren vorgeworfen wäre. Nachdem sie „den Streichen der Geißel, der Wuth wilder Thiere und den Qualen des „Rostes (Z) ausgesetzt gewesen war, wurde si: zuletzt, in ein Netz gesteckt, (1) Dieser metaphorische Ausdruck kommt daher, weil er durch seine Ermahnungen, so zu sagen, der Kirche Kinder gebar. (2) Ganz gesetzwidrig, da er ein römischer Bürger war. (3) Dieser Rost ist eben das Folterinstrumcnt, welches sonst unter dem Namen des eisernen Stuhles vorgekommen ist; er wurde durch untergelegte Kohlen glühend gemacht und dann der Berurtheilte darauf gesetzt. Stroth. 158 M. Aurellus. Jahr ChristusZ 178. Cleutherus. „einem Stiere vorgeworfen. Nachdem sie dieser lange Zeit herumgeworfen „undBlandina keincEmpfindnng mehr von dem, was vorging, hatte, wegen „der Hoffnung und des Festhaltens dessen, was sie glaubte und wegen ihrer „Unterhaltung mit Christo, wurde endlich auch sie erstochen. Die Heiden „selbst mußten gestehen, daß niemals bei ihnen ein Weib so viele und so „große Martern ausgestanden hätte. Allein gleichwohl war ihre Wnth „und ihre Grausamkeit gegen die Heiligen noch nicht gesättigt. Denn als „wilde und barbarische Volker, von einem wilden Thiere(t) aufgebracht, „konnten sie nur schwer besänftigt werden, daher denn ihre rohe Ausgelas- „senheit auf eine andere Weise in Betreff der todten Körper sich zu äußern „begann. Denn der Umstand, daß die Märtyrer über sie gesiegt hatten, „beschämte sie. die jeder menschlichen Empfindung und Rücksicht baar waren, „so wenig, daß er vielmehr ihre Wnth gegen uns, wie die eines wilden „Thieres, noch mehr entflammte und Stallhalter und Volk noch denselben „ungerechten Haß gegen uns zeigten, damit die Schrift (2) erfüllet würde: „Der Ungerechte fahre fort, ungerecht zu seyn und der Gerechte werde immer „mehr gerecht." Die Körper der im Gefängnisse Erstickten warfen sie den „Hunden vor und gaben Tag und Nacht sirenge Obacht darauf, daß keiner „von uns bestattet würde. Sodann stellten sie diejenigen Ueberbleibsel „der Brüder, welche wilde Thiere und Feuer übrig gelassen hatten und „theils zerfleischt, theils^ verkohlt waren, so wie die Köpfe der klebrigen und „ihre Rümpfe zur Schau ans und ließen sie ebenfalls nnbeerdigt eine lange „Reihe von Tagen durch Soldaten bewachen. Und Einige von ihnen ergrimmten, knirschten vor Wnth mit den Zähnen über sie und suchten noch „größere Rache an ihnen auszuüben, Andere aber verlachten und verspotteten sie, erhoben ihre Götzen und schrieben diesen die Bestrafung der Märtyrer zu. Von denjenigen dagegen, welche billiger dachten und welche „einiges Mitgefühl zu haben schienen, konnte man häufig die Schmähung „hören: Wo ist ihr Gott? und was hat ihnen diese Religion geholfen, die „sie selbst ihrem Leben vorgezogen haben? So verschieden waren die Aeuße- „rnngen der Heiden. Bei uns dagegen herrschte große Betrübnis;, weil „wir nicht ihre Leichname der Erde übergeben konnten. Denn es war uns „weder die Nacht dazu behülflich, noch konnten die Heiden durch Geld überredet, noch durch Bitren bewogen werden, sondern sie gaben auf jegliche „Art Acht darauf, als würden sie einen großen Gewinn davontragen, wenn „die Märtyrer keines Begräbnisses theilhaftig würden." Erwaö weiterhin fahren sie also fort: „Nachdem nun die Körper der Märtyrer auf jegliche „Art zum Spott gedient und sechs Tage lang unrer freiem Himmel gelegen „halten, wurden sie von den Heiden verbrannt, in Asche verwandelt und „in den an unserer Stadt vorbeifließenden Strom Rhodanus gestreut, „damit fernerhin auch nicht ein Ueberbleibsel von ihnen auf Erden zu sehen (1) Dem Teufel. (2) Osscnb. Joh. 22, lt. M. Aurelms. Jahr Christus 173. Clentherus. 159 „wäre. Und dieß thaten sie, als vermöchten sie mehr als Gott und als „wären sie imStande, sie des Wiederauflebens zu berauben. Sie sollten, wie „sie sich ausdrückten, keine Hoffnung der Wiedcrauferstehung haben, auf „welche vertrauend sie eine neue, unbekannte Religion bei ihnen einführten „und mit Verachtung aller Qualen willig und mit Freuden in den Tod „gingen. Nun wollen wir sehen, ob sie auferstehen werden und ob ihr Gott „ihnen helfen und sie aus unfern Händen erretten kann." Zweites Hauptstück. Wie die gottgclicbte» Märtyrer gegen die in der Verfolgung Gefallenen freundschaftlich und hülfrcich sich bezeigt. Solches widerfuhr den Gemeinden Christi unter der Negierung des vorhin genannten Kaisers.(1) Man kann daraus das, was in den andern Provinzen geschehen ist, durch einen sehr natürlichen Schluß abnehmen. Ich halte es der Mühe wcrth, an dieses noch einige andere Stellen aus demselben Briefe anzuknüpfen, welche die Bescheidenheit und die Menschenfreundlichkeit der erwähnten Märtyrer in folgenden Worten beurkunden: „Sie waren so sehr Nacheiferer und Nachahmer Christi, welcher, da er in „göttlicher Gestalt war, es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu „seyn,(2) daß sie, wiewohl sie einen so großen Ruhm erlangt hatten und „nicht bloß ein- oder zweimal, sondern oftmals Zeugen gewesen und „von den wilden Thieren weg wieder in das Gefängniß gebracht worden „waren und Brandmale, Blutstriemen und Wunden an ihrem ganzen Kör» „per trugen, dennoch weder sich selbst für GlaubenSzeugen ausgaben, noch „sie so zu nennen uns erlaubten, sondern jeden von uns nachdrücklich straf» „ten, der ihnen in einem Briefe oder im Gespräche den Märtyrernamen „beilegte. Denn gern überließen sie diesen Christo, dem getreuen und wahr- „hafligen Zeugen, dem Erstgebornen aus den Tobten (Z) und dem Fürsten „des himmlischen Lebens und gedachten der Märtyrer, die bereits abgeschieden waren und sagten: Jene sind schon Märtyrer, welche Christus „im Vekenntniß der Aufnahme gewürdigt und deren Zeugniß er schon durch „ihren Ausgang besiegelt hat, wir aber sind nur mittelmäßige und geringe „Bekenner. Zudem baten sie die Brüder unter Thränen, sie möchten inbrünstig für sie beten, daß sie zur Vollendung gelangen möchten. Die „Märtyrertugend zeigten sie zwar durch die That, indem sie allen Heiden „gegenüber eine große Freimüthigkeit bewiesen und ihren edlen Sinn durch „Standhaftigkeit, Furchtlosigkeit und Unerschrockenheit beurkundeten, die (t) Eusebius scheint hier unter dem Kaiser noch immer den Lucius Berus zu verstehen, dcgcn Tod er im Vorhergehenden nicht gemeldet hat. Man sehe zur Bestätigung dieser Meinung unter den Schluß des 4ten und den Anfang des ölen Hauptst. Stroth. (2) Philip. 2, L. (Z) Offenb. 1, S. IK0 M. Aurelius. Jahr Christus 178. Clontherus. »Benennung Glanbenszeugtn aber verboten sie sich von den Brüdern, voll „der Furcht Gottes." Kurz darauf fahren sie weiter so fort : Sie demüthig- „teu sich unter die gewaltige Hand, von der sie jetzt hinlänglich erhöht sind. „Alle vertheidigten sie damals, Niemanden klagten sie an, alle lösten sie, „'Niemanden banden sie und beteten für die, welche ihnen das Böse bereiteren, wie einst Stephanns, der vollkommene Märtyrer: Herr, rechne ihnen „diese Sünde nicht an.(1) Wenn dieser aber für diejenigen bat, welche ihn „steinigten, wie viel mehr für seine Brüder?" Bald darauf heißt es sodann „weiter: „Das war ihr größter Kampf gegen den Widersacher, den sie aus „echter Liebe übernahmen, daß die Bestie gewürgt wurde und diejenigen, „welche er schon verschlungen zu haben glaubte, wieder lebendig von sich „geben mußte. (2) Denn sie erlaubten sich keinen wegwerfenden Stolz gegen „die Gefalleneu, sondern theilten von dem, woran sie Ueberfluß hatten, „den Dürftigen mit, waren voll mütterlichen Mitleidens und vergossen „ihretwegen viele Thränen vor dem himmlischen Vater. Sie hatten um „Leben gebeten und Gott ihnen solches gegeben: auch dieses theilten sie mit „ihren Nächsten und gingen in allen Stücken als Sieger zu Gott. Sie, „die den Frieden geliebt, die den Frieden immer empfohlen hatten, gingen „in Frieden zu Gott und hinterließen der Mutter (Z) keinen Kummer, den „Brüdern keine Uneinigkeit noch Krieg, sondern Freude, Friede, Einträchtig- „keit und Liebe." Die Anführung dieser Stelle von der Liebe jener seligen Märtyrer zu den Gefallenen habe ich wegen der unmenschlichen und lieblosen Gesinnung derjenigen, welche später schonungslos gegen die Glieder Christi verfuhren, (ä) für nützlich erachtet. Drittes Hauptstuck. Was für eine Erscheinung der Märtyrer AttaluS im Traum gehabt. Eben dieser Brief, welcher die vorhin gedachten Märtyrer betrifft, enthält auch noch eine andere bemerkenswerthe Geschichte, welche ich, ohne daß es mir jemand verdenken wird, zur Belehrung meiner Leser hersetzen will. Sie lautet also: „Einer von ihnen, mit Namen Alcibiades, hatte immer „eine sehr strenge Lebensweise geführt und früher gar nichts , als Brod und „Wasser genossen. Da er nun auch im Gefängnisse diese Lebensweise fortzusetzen versuchte, so wurde dem Attalus nach dem ersten Kampfe, den er „im Amphitheater gekämpft hatte, geoffenbart, daß Alcibiades Unrecht thue, „daß er das, was Gott geschaffen, nicht genieße und dadurch Andern Anlaß (1) Apostclg. 7, 60. (2) D. i. Sic gaben sich alle Mühe, die Gefallenen wieder zurück und zum Bekcnnt- niß zu bringen und sie also den Rachen des Teufels zu entreißen. Stroth. (3) Der Gemeine. (4) Eusebius zielt hier auf die Novatiancr, welche behaupteten, daß durchaus keine Gefallenen wieder zur Kirchcngemeinschast zugelassen werden dürfen. Man sehe 6, 43 unserer Kirchengesch. Aurelius. Jahr EhristuS 173. Eleutherus. 161 „zum Aergennß gebe. Alcibiades folgte dieser Ermahnung, genoß Alles ohne „Unterschied und dankte Gott. Denn sie waren von der göttlichen Gnade „nicht unbeachtet, sondern der heilige Geist war ihr Rathgeber.* So weit hievon. Da Montanns mit Alcibiades (1) und TheodotnS in Phrygien damals zuerst ihre Lehre vom Weissagen (2) allgemein verbreiteten (denn weil noch bis ans diese Zeit sehr viele andere Wnnderthaten der göttlichen Gnade in verschiedenen Kirchen bewirkt wurden, so machte dieser Umstand auch ihr Vorgeben vom Weissagen sehr Vielen glaublich) und ihrenihalben eine Spaltung entstand, so fügen die Brüder in Gallien auch hierüber ihr der Gottseligkeit und Rechtglänbigkeit ganz gemäßes besonders Gutachten hinzu und legen verschiedene Briefe der bei ihnen vollendeten Märtyrer bei, welche diese noch im Gefängnisse an die Brüder in Asien und Phrygien, so wie an Elentherns (Z) den damaligen römischen Bischof, deS Kirchen- sriedens wegen, geschrieben hatten. Viertes H a u p t st ü ck. Wie die Märtyrer den Jrcnäus schriftlich empfohlen. Eben dieselben Märtyrer empfahlen auch den JrenäuS, der damals Presbyter bei der Gemeinde zu Lngdnnum war, dem erwähnten römischen Bischof und gaben ihm, wie folgende Worte beweisen, ein sehr rühmliches Zeugniß. „Wir wünschen, daß es dir, Vater Elentherns, in Gott in allen „Stücken und immerdar Wohlergehen möge. Wir haben mit der Ueber- „bringung dieses Schreibens unseren Bruder und Mitgenossen JrenänS „beauftragt, und bitten dich, ihn dir als einen eifrigen Anhänger der Lehre „Christi anempfohlen seyn zu lassen. Denn wenn wir wüßten, daß ein „Amt Jemanden Nechtschaffenheit verleihe, so würden wir ihn dir als „einen Presbyter der Gemeinde — dieses Amt bekleidet er — vorzüglich „anempfehlen." Das Verzeichnis; der in dem erwähnten Briefe angeführten Märtyrer, welche lheils durch Enthauptung endeten, thsils den wilden Thieren, um von ihnen gefressen zu werden, vorgeworfen wurden, theils im Kerker entschliefen, so wie die Anzahl der damals noch lebenden Bell) Dieser Alcibiades darf mit dem vorigen nicht verwechselt werden; der hier genannte gehörte zu den Hauptern der kataphrygischen Sekte. (2) Sie behaupteten nämlich, daß die Gabe der Weissagung noch fortdaure und Montanus schrieb sie sich und der Priscilla und Marimilla, welche er Prophetinnen nannte und mit steh herumführte, zu. Man sehe darüber Hauptsr. 16 u. 18 dieses Buches. Stroth. (Z) Eleuthcrus war anfanglich von den Montanisten Untergängen worden, die mit dem Schein einer verstellten Frömmigkeit ihren Irrthum listig bedeckten. Ausserdem war er durch die Briese und Ermahnunzen der lyonischen Märtyrer bewogen worden, an die Gemeinden in Asien und Phrygien zu schreiben, sie möchten die Montanisten in den Schoos der Kirche aufnehmen. Auf Erinnerung eines gewissen Praxeas aus Asien aber widerrief er den Friedensbricf bald und weigerte sich nach dem Beispiel seines .Vorfahren Anicetus, die neuen Weissagungen zuzulassen, wie Tertullian im Buche wider de» Prarcas schreibt. Valesius. Eusebius Kirchcngeschichte. 11 !62 M. ?IurelinS. Jahr Christus 178. Vleutherus. ktniikr, stier anzuführen, dürfte nicht uvthig seyn. Denn wer Lust dazu stat, kau» hievvu leicht eine vollständige Nachricht bekommen, wenn er den ?iufiaü zur Hand nimmt, welchen ich, wie oben bemerkt, meiner Sammlung der Märtyrergeschichten einverleibt habe. So weit von den Begeben» steilen unter der Negierung deS Antoninus. (1) Fü n ft es Hauptkü ck. Wik Gott das Gebet der Nnsrigcn erhört und dein Kaiser Markus Aurclius vom Himmel herab Ziege» gesandt. (2) Man erzählt, daß der Bruder dieses Kaisers, MarkuS AnreliuS, im Begriff, den Germanen und Sarmaten eine Schlacht zu liefern, in einer großen Nvlh sich befunden habe, weil sein Heer von Durst gequält wurde. Da (t) Dich ist vcrmuthlich Lucius Berus: man sehe die Anmcrk. zum Stcn Hauptst. dieses Buchcs. Eine Verwechslung oder cin chronologischer Jrrthum ist hier auf alle Fälle vorgegangen, wie aus dem Ansang des folgenden Hauptstücks noch deutlicher erhellt. Am wahrscheinlichsten ist es mir, daß Eusebius die Zeiten vermischt und diese Verfolgung in Gallien zu spat angesetzt habe. Nichtiger hat er es in seiner Chronik angesetzt, wo die gallische Verfolgung beim 7tcn Jahre des M. Aurclius steht; hier aber in die Kirchcngc- schichte setzt er sie in das 17te Jahr und hierin liegt, wie ich glaube, die Quelle des ganzen Jrrthums. Daß sie in das 7te Jahr zu setzen scv, erhellt unter anderem auch daraus, weil Eusebius die Geschichte, die er im folgenden Hauptst. vom Kriege mit den Deutschen erzählt, und die sich also nach der gallischen Verfolgung zugetragen, in seiner Chronik in das 14te Jahr des M. Aurclius setzt, wornach sie also sich vor der Verfolgung müßte ereignet baden, wenn diese in das 17te Jahr fiel. Das Einzige, was dieser Meinung entgegensteht, ist, daß Eleutherus in dem Briese der Märtyrer genannt ist, wenn anders dieser Name nicht eingeschoben ist, wovon man bei eigenen Namen viele Beispiele hat. Stroth. <2) Die Wahrheit dieser Begebenheit, wie sie hier erzählt ist, ist schon längst in Zweifel gezogen worden. Abgesehen davon, daß des Eusebius Ausdrücke selbst darauf hinweisen, daß er sie selbst nicht für zweifelsfrei gehalten, so ist schon der Umstand, daß schon damals eine ganze Legion aus Christen bestanden haben sollte, im höchsten Grade unwahrscheinlich. Uebcrdicß ist die Angabe cin historischer Jrrthum, daß die sogenannte Donnec- lcgion von dieser Geschichte ihren Namen erhalten habe, da nach Dio Kassius 55, 23, die sllte Legion schon unter Augustus oder wenn je Zwcifclsucht behaupten sollte, Dio habe derselben den Namen beigelegt, den sie zu seiner Zeit führte, wenigstens, w.e eine von Scaliger angeführte Inschrift beweist, doch unter Nerva, wohl von den auf ihren Schilden abgebildeten Donnkrkcilcn, diesen Namen ffihrte. Sie hatte ihre Standquartiere in Kappa- docien oder wohl in der früher zu diesem Lande, später zu Armenien, gerechneten Landschaft Melitene, wo wir sie in der nulitia cliAniuum» ntiinsguo imporü, noch als Ivgso sulminoa, stationirt finden. Was die Begebenheit selbst betrifft, so wissen zwar auch heidnische Schriftsteller von derselben und zwar auch als von einem Wunder zu erzählen, gedenken aber bei Darstellung derselben im gcr.ngstcn nicht eines Gebetes der Christen, sondern sie schreiben das Wunder thcils dem Gebete des Kaisers selbst zu, wie KapitolinuS im 24sten Hauptst. des Lebens des Kaisers Antoninus und Themistius in seiner löten Rede, thcils, wie Dio Kassius 7l, g, der unmittelbaren Einwirkung der Götter, namentlich des Luftgottcs Merkurius, welche cin in des Kaisers Gefolge "befindlicher ägyptischer Goetc, Namens Arnuphis, durch magische Formeln zur Herabgießung des Schlagrcgcns bewogen haben sollte. Daß auch der Kaiser Antoninus selbst, so wie Senat und Volk eben so weit entfernt waren, die jenem gewordene Hülfe dem Gebete der Christen zuzuschreiben, dieß beweisen zur Genüge Denkmäler von Erz und Marmor, kaiserliche Denkmünzen lauf einer derselben wird Jupiter seinen Blitz auf die zu Boden gestreckten Barbaren schleudernd dargestellt) und die noch zu Rom stehende Antoninische Säule, auf welcher unter andern bildlichen Darstellungen Soldaten sich befinden, wie sie den Regen in ihren Helmen auffangen. Auch ein Gemälde, das Themistius sah, stellte nur den Kaiser dar, wie er zu den Göttern flehte, seine Soldaten aber, wie sie den Regen in ihren Helmen auffaßten und daraus das vom Himmel herab sich ergießende Wasser tranken. Daß diesen verschiedenen Angaben eine M. Aurelius. Jahr Christus 179. Cleutherus. 163 haben die Soldaten der sogenannten Melitenischen Legion, welche durch das Verdienst ihres Glaubens noch von der Zeit an bis jetzt besteht, als sie schon gegen den Feind in Schlachtordnung standen, sich nach der bei uns üblichen Weise zu beten, auf die Knie zur Erde niedergelassen (1) und zu Gott gebetet. Dieser Anblick schon erschien den Feinden wunderbar, aber eö soll gleich darauf noch etwas viel Wunderbareres erfolgt seyn, ein Gewitter nämlich, das die Feinde in die Flucht trieb und Verderben über sie brachte, und ein Regen, welcher daö ganze Heer, wobei die Betenden sich befanden und das in kurzer Zeit vor Durst hätte zu Grunde gehen müssen, ergnickte. Diese Erzählung dieser Begebenheit findet sich nicht nur bei nicht christlichen Schriftstellein, welche die Geschichte der damaligen Zeiten beschrieben haben, sondern ist auch von den unsrigen aufgezeichnet. Jndeß erzählen die heidnischen Schriftsteller als Leute, die unfern Glauben nicht haben, bloß das Wunder, gestehen aber nicht ein, daß es auf das Gebet der Unsrigen erfolgt sey, unsere Schriftsteller hingegen haben als Freunde der Wahrheit den Vorfall auf eine einfache, ehrliche Weise aufgezeichnet. Darunter gehört auch Apollinaris, welcher berichtet, daß die Legion, durch deren Gebet das Wunder bewirkt worden, von dieser Zeit an von dem Kaiser einen auf den Vorfall passenden Beinamen, nämlich die blitzende, in lateinischer Sprache, erhalten habe. Einen glaubwürdigen Zeugen dieses Vorgangs könnte auch Tertullianns abgeben, der denselben in seiner bereits oben von uns erwähnten Schutzschrift für unfern Glauben an den römischen Senat mit einem stärkern und deutlichem Beweise bestätigt. Er schreibt nämlich darin, es seyen zu seiner Zeit noch Briefe von dem sehr erleuchteten Kaiser Markus vorhanden, worin derselbe selbst bezeuge, daß sein Heer in Deutschland aus Mangel an Wasser würde zu Grunde gegangen seyn, wenn es nicht durch das Gebet der Christen erhalten worden wäre.(2) Derselbe Kaiser habe auch jedem mit dem Tod gedroht, der sich unterstehen wirkliche Thatsache zu Grunde liegt, ist nicht zu bezweifeln und wir dürfen uns den Borgang wohl so denken, daß, als die Römer von der Sonne r,rbrannt und von Durst gequält, von den Germanen eingeschlossen waren, Alles, was im römischen Heer war, Heiden, wie Christen, jene zu ihren Göttern, diese zu ihrem Gott, um Hülfe flehten. Da erfolgte ein Gewitter; die Römer wurden dadurch erquickt und neu gestärkt und brachten den bestürzten Barbaren eine vollständige Niederlage bei. Alles betrachtete diese so unverhoffte Rettung als ein Wunder und Heiden und Christen schrieben jeder Thcil insbesondere für sich diesen glücklichen Erfolg den Wirkungen ihres Gebetes zu. Was den am Schlüsse unserer Erzählung angeführten Brief des Antoninus betrifft, so ist, wenn wirklich wörtlich darinnen stand, daß der Kaiser seine Rettung dem Gebete der Christen verdanke, dieser ohne Zweifel ein unterschobener gewesen. Auch findet sich wirklich noch hinter der zweiten Apologie des Justinus ein Brief des Antoninus, aber in einem so barbarisch-griechischen Styl und eines gröfitcnthcils so abgeschmackten und unwahrscheinlichen Inhalts, daß die Uncchtycit desselben auf den ersten Blick in die Augen springt. <1) Die alten Christen beteten gewöhnlich knieend, um durch diese Haltung die de- müthige Beugung der Seele vor Gott zu bezeichnen, am Sonntag aber stehend, zum Zeichen, daß Gott in Christo die Menschen vom Fall aufgerichtet habe. (2) Die Stelle, worauf Eusebius sich beruft, lautet in Tcrtullian etwas verschieden. „Zu einem Beweise," sagt er, „daß die Christen selbst unter den Kaisern Beschützer gefunden haben, dient das Schreiben des Markus Aurelius, worin er das Bekenntnis ablegt, „daß der Regen, welcher jenen Durst im Kriege mit den Germanen gelöscht hat, vieldeicht auf das Gebet der christlichen Soldaten erlangt worden sey." 1l" 164 M. Nurelms. Jahr Christus 179. CleutheruS. würde, uns anzuklagen. Endlich fügt TertullianuS noch das hinzu: „Was sind nun das für Gesetze, welche bloß Gottlose, Ungerechte und Grau- „same wider uns in Anwendung bringen, die Vespasianus nicht beobachtet „hat, wiewohl er die Inden überwunden hatte, die Trajanes zum Theil un- „gültig gemacht, da er die Christen aufzusuchen verboten, die weder ein »AdriauuS, obwohl er auch dem Kleinlichsten eine übertriebene Anfmerk- „samkeit schenkte, noch Antoninus der Fromme bestätigt hat." Jndeß mag über den obigen Vorfall ein Jeder urtheilen wie er will; wir wollen zum weitern Verlauf unserer Geschichte fortgehen. Nachdem Pothinus in einem Alter von 90 Jahren mit den übrigen Märtyrern in Gallien sein Ende gesunden hatte, so wurde Jrenäuö sein Nachfolger in der bischöflichen Würde dei der Gemeinde zu Lugdnnum. Wir haben schon oben gesehen, daß dieser in seinen jüngern Jahren ein Zuhörer des PolykarpuS gewesen ist. Dieser Jrenäus liefert in seinem dritten Buche wider die Ketzereien ein Verzeichnis; der römischen Bischöfe, wie sie ans einander gefolgt sind, bis auf den Eleu- lhcrus, dessen Zeiten wir jetzt abhandeln und zu dessen Zeiten Jrenäus seine Schrift verfaßt hat. Er führt das Verzeichnis; mit folgenden Worten an: Sechstes Hauptstück. Verzeichnis! der Bischöfe zu Rom. »Nachdem die seligen Apostel die Kirche gegründet und erbaut hatten, „so übergaben sie dem Linus, dessen Paulus in seinen Briefen an Timotheus „gedenkt, das bischöfliche Amt. Sein Nachfolger war Anenkletus. Nach „diesem überkam dasselbe, in der dritten Reihenfolge von den Aposteln an, „Klemens, der auch die seligen Apostel gesehen und Umgang mit ihnen ge- „habt hatte. Ihm tönte noch ihre Predigt in den Ohren und er hatte noch „ihre Uebcrlieferung vor Augen, doch nicht er allein, sondern es waren da- »mats noch Viele am Leben, welche von den Aposteln unterrichtet worden „waren. Da während der Verwaltung seines bischöflichen Amtes eine nicht „geringe Spaltung unter den Brüdern zu Korinth entstanden war, so schrieb „die Gemeinde zu Rom einen sehr gründlichen Brief an die Korinthier, „ermahnte sie zum Frieden und erneuerte ihren Glauben und die Ueber- »lieferung, die sie erst kürzlich von den Aposteln überkommen hatte." Etwas weiter unten fährt Jrenäus also fort: „Nachfolger dieses Klemens war „Evarestus und der Nachfolger dieses Alexander. Hierauf wurde, der sechste „von den Aposteln an, Zlystus erwählt. Nach ihm kam TelesphoruS, der „einen herrlichen Märtyrerrod fand, hierauf Hyginus, dann Pius und nach »diesem Anicelus. Auf den Anicetns folgte Svter und jetzt bekleidet, der „zwölfte von den Aposteln an, EleutheruS das bischöfliche Amt. Durch eben »diese Ordnung und Reihenfolge ist die Uebcrlieferung der Apostel in der „Kirche und die Predigt der Wahrheit bis auf uns herabgekommen." M. AureliuS« Jahr Christus 179. CleuthernS. IVS Siebentes Haupt stück. Wie noch bis auf die damaligen Zeiten durch die Gläubigen Wundertaten verrichtet worden. Dieß erzählt JrenäuS in Übereinstimmung mit dem, was schon früher von uns angeführt worden ist, in seinen 5 Büchern, denen er die Uber- schrift „Widerlegung und Umsturz der fälschlich sogenannten Erkennt- niß"(b) gegeben hat. Im zweiten Buche derselben Schrift berichtet er, daß noch bis auf seine Zeit Beispiele der göttlichen wunderthätigen Kraft in einigen Kirchen sich erhalten haben , folgendermaaßc« : „Es ist aber so „weit gefehlt, daß sie einen (2) Todten auferwecken können, wie der Herr „sie auferweckt hat und die Apostel durch Gebet und wie häufig in der Brüdergemeinde, wenn die ganze Gemeinde des Orts nothweudiger Ursachen „wegen unter vielem Fasten und Gebet darum flehte, der Geist des Voll- „endeten zurückgekehrt und der Mensch dem Gebete der Heiligen geschenkt „worden ist/' Und etwas weiterhin fährt er so fort: (5) „Wenn sie aber „sagen sollten, daß der Herr dergleichen nur durch ein Blendwerk verrichtet „habe, so wollen wir sie zu den Aussprüchen der Propheten führen und „ihnen daraus zeigen, daß alles in Betreff seiner so vorausgesagt worden „ist und gewißlich sich ereignet hat und daß er allein der Sohn Gottes „ist. Daher verrichten auch seine wahren Jünger, welche von ihm die Gabe „erhalten haben, in seinem Namen zum Wohle der übrigen Menschen die „Thalen, wozu ein Jeder die Gabe von ihm bekommen hat. Denn Einige „von ihnen treiben wirklich und wahrhaftig Dämonen aus, so daß auch „öfters diejenigen selbst, welche von den bösen Geistern befreit wurden, ge- „glaubt haben und in der Kirche geblieben sind; Andere besitzen ein Vorauswissen der Zukunft, haben Erscheinungen und vermögen prophetische „Aussprüche zu thun, noch Andere heilen Kranke durch Auflegung der Hände „und machen sie dadurch wieder ganz gesund. Ja es sind sogar schon, wie „ich bereits erwähnt habe, Todte auferweckt worden, welche hernach noch „viele Jahre unter uns gelebt haben. Kurz, man kann die Wunder nicht „zählen, wozu die Kirche allwärts das Vermögen von Gott empfangen hat ,jund welche sie im Namen Jesu Christi, des unter Pontius Pilatus Gekreuzigten, zum Besten der Heiden tagtäglich verrichtet, womit sie weder (t) Im 57stcn Hauptst. (2> Da diese Stelle ganz außer dem Zusammenhange hier steht, und thcils das Subjekt fehlt, wovon gesagt wird, es scy weit gefehlt, daß sie cincnTodtcn auferte c ck c n konnten, theils der Rachsatz von den Worten: Es istabersowcitgc- fehlt tc,, so wird die ganze Stelle dadurch dunkel und ich finde näthig, das Fehlende zu ergänzen. Irenaus sagt im'Vorhergehenden, die Anhänger des Simon und Karpokrates und andere, die sich Wunder zu verrichten rühmten, thätcn es nicht durch Gottes Kraft, noch zum Besten der Menschen, sondern zu ihrem Verderben, durch magische Blendwerke. Es wären also auch keine wahren Wunder, denn sie könnten sie nicht verrichten; sie könnten keinen Blinden sehend mache» und es scy so weit gefehlt, daß sie Todte erwecken könnten — daß sie gar nicht einmal glaubten, daß eine Auferstehung überhaupt möglich sey, sondern sie nannten die Erkenntnis! dessen, was ihnen Wahrheit heiße, Auferstehung von den Lobten. Stroth. l.3) Im SLsten Hauptst. Jrenäu» redet hier noch vo» eben diesen Ketzern. 166 M. Aurel,»?. Jahr Christus 179. Cleutherus. „jemand betrugt, noch Geld sich zu verschaffen sucht, sondern gleichwie „sie die Gaben dazu umsonst von Gott empfangen hat, also theilt sie die- „selben auch umsonst mit." Und an einer andern Stelle (1) schreibt derselbe Irenaus: „Wie wir denn hören, daß viele Brüder in der Kirche „prophetische Gaben besitzen, mit mancherlei Zungen durch den Geist reden „und das Verborgene zum Nutzen der Menschen offenbar machen und die „Geheimnisse Gottes auslegen." So weit davon, daß verschiedene Wnnder- „gaben sich bei denen, welche derselben würdig waren, bis auf den in Rede „stehenden Zeitpunkt erhalten haben. Achtes Hauptstück. Wie Zrcnäus der heiligen Bücher Meldung thut. Da wir im Anfange unseres Werkes das Versprechen gegeben haben, zu seiner Zeit diejenigen Stellen der Kirchenaltesten und Schriftsteller anzuführen , worin sie die auf sie gekommene Ueberlieferung von den kanonischen Schriften niedergelegt haben und auch Irenaus zu diesen gehört, so wollen wir die Stellen ans ihm hier mittheilen und zwar zunächst diejenigen, welche auf die Evangelien Bezug haben und also lauten: „Matthäus hat unter den Hebräern ein in ihrer Muttersprache verfaßtes Evangelium herausgegeben, da Petrus und Paulus in Rom das Evangelium „predigten und die Kirche gründeten. Nach ihrem Hinscheiden hat Markus, „der Jünger und Dollmetfchsr des Petrus, uns ebenfalls das, was dieser „vorgetragen, in einem Aufsatz schriftlich hinterlassen. Lukas, der Begleiter des Paulus, hat das von diesem gepredigte Evangelium aufgeschrieben. „Endlich hat Johannes, der Jünger des Herrn, der an seiner Brust gelegen, „sein Evangelium herausgegeben, während er zu Ephesns in Asien sich auf- „hielt." Dieß erzählt JrenäuS im dritten Buche seiner oben erwähnten Schrift. Im fünften äußert er sich über die Offenbarung des Johannes und über Namenszahl des Antichrists folgendermaßen: „Da dieß sich so ver- „hält und in allen genauen alten Abschriften die Zahl so sich findet und „selbst diejenigen, welche den Johannes von Angesicht gesehen haben, dafür „zeugen, auch die Vernunft es schon lehrt, daß die Zahl des Namens des „Thiers nach der griechischen Zählungsweise durch die darin enthaltenen „Buchstaben ausgedrückt ist" (2) — Sodann spricht Jrenäus über denselben Gegenstand etwas weiterhin also: „Wir wollen es nun nicht wagen, von „dem Namen des Antichrists etwas mit Zuverlässigkeit (Z) zu behaupten. (11 Im ötcn Buche nicht weit vom Anfang. , (2) Hier fehlt abermals der Nachsatz, der so lautet: „So begreife ich nicht, wie einige so haben irren können, daß sie von der Mittlern Zahl öh abgezogen und für 6 Zehner nur einen Zehner haben wollen." Man liest nämlich in einigen Handschristen 616 für 666 und dieß schon zu Irenaus Zeit, der es für einen Schreibfehler hielt. Stroth. (3) Kurz vorher hatte nämlich Irenaus die Namen Evanthas, Latcinos und Teitan als solche angeführt, die die Zahl 666 enthielten. M. Äurellu-Z. Jahr Christus 179. Elcuthcrus. N>7 „Demi wenn sein Name zu jetziger Zeit hätte öffentlich bekannt gemacht .werdensallen, so würde «6 van dem mahl geschehen seyn, der anch die „Offenbarung geschaut hat. Diese ist vor noch nicht gar langer Zeit, son „dern beinahe noch in nnsern Tagen geschant worden, nämlich gegen dat. „Ende der Regierung des DomitianuS.« Dieß erzählt Jrenäns von der Offenbarung. Derselbe erwähnt auch des ersten Briefes des Johannes uno führt viele Zeugnisse daraus an; desgleichen gedenkt er des ersten Briest s des Petrus. Das Buch „Der Hirte" kennt er nicht bloß, smidern lvbr es auch, wenn er sagt: „Sehr schon sagt die Schrift: Vor allem glaube, daß „ein einziger Gott ist, welcher Alles geschaffen hat u. s. w." Er bediene sich anch einiger Ausdrücke ans der Weisheit Salomv's,(1) indem er die Worte: „Das Sehen Gottes macht Unsterblichkeit, Unsterblichkeit aber „macht, daß man nahe bei Gott ist,« beinahe wörtlich ihr entnimmt. Ueber- dieß führt er denkwürdige Reden eines apostolischen Presbyters an, allein ohne dessen Namen zu nennen, und theilt dessen Erklärungen von Stellen der heiligen Schrift mit. Ferner erwähnt er Instinns des Märtyrers und des Ignatius und braucht ebenfalls Zeugnisse ans ihren Schriften. Er verspricht anch, den Marcivn aus seinen eigenen Schriften in einer besonder» Abhandlung zu widerlegen. Von der Uebersetzuug der heiligen Schrift durch die siebenzig Dolmetscher schreibt er wörtlich Folgendes: „Gott ist „also Mensch geworden und der Herr selbst hat uns erlöst, indem er uns „das Zeichen der Jungfrau gegeben hat; aber nicht, wie einige von denen „sagen, welche jetzt die Schrift zu übersetzen sich unterfangen: Siehe, ein „junges Weib wird schwanger seyn und einen Sohn gebären, wie Theo- „dotion von Ephcsus und Aqnila ans Pontns, beide jüdische Proselyteu,(2) „welche übersetzen, denen die Ebioniten folgen und behaupten, Joseph sey „der Vater von Jesus gewesen." Etwas weiterhin fährt sodann Irenaus „so fort: „Während die Maeedonier noch über Asten herrschten, bevor noch „die römische Herrschaft ihre volle Stärke erlangt hatte, wünschte Ptolemans, „der Sohn des Lagns, die von ihm angelegte Bibliothek in Alexandrien „mit den werthvollen Büchern aller Nationen zu schmücken. Er äußerte „daher gegen die Jernsalemer den Wunsch, ihre Bücher in das Griechische „übersetzt zu besitzen. Diese, weil sie damals noch den Macedoniern unter- „than waren, schickten die in der Schrift und in beiden Sprachen erfahren- „sten 70 Aeltesten an Ptolemans, um seinem Wunsche zu genügen. Da „Ptolcmäus jeden besonders ans die Probe stellten wollte, weil er befürchtete, „sie möchten nach einer Verabredung die in der Schrift enthaltene „Wahrheit durch die Uebersetzuug verbergen, so sonderte er sie von einander „ab und befahl allen, eine und dieselbe Schrift zu übersetzen und so machte (t) Hier ist wirklich das apokryphische Bach „Die Weisheit" gemeint, allein häufig werden von den Aelter» unter der Benennung „die Weisheit Salomos" der Sprlichwörter Salomos verstanden. Die Stelle, auf welche Irenaus anspielt, findet sich Weisheit 6, lS. (2) Sie sollen vorher Christen gewesen seyn. Beide verfertigten eine Uebersetzuug des alten Testaments in das Griechische, wovon jedoch nur einzelne Bruchstücke, von Theodotien aber auch noch die vollständige Nebersctzung Daniels, vorhanden sind. M. Auveli 'us. Jahr Christus 179. ElcuthcruS. „er eS mit allen Büchern. Wie sie nun bei Pkolemäus zusammenkamen „und ihre Uebersetznnzen untereinander verglichen, so wurde Gott verherrlicht und die Bücher als wirklich göttliche befunden. Denn alle hatten „dasselbe mit denselben Worten und Ausdrücken von Anfang bis zu Ende „gegeben, so daß auch die anwesenden Heiden erkannten, daß die Bücher „unter der Eingebung Gottes übersetzt worden seyen. (1) Und man darf sich „darüber gar nicht verwundern, daß Gott dieß bewirkt hat. Denn als .während der Gefangenschaft des Volks zu den Zeiten Nabuchodonosors „die heiligen Schriften verloren gegangen und die Juden erst nach 70 Jäheren in ihr Vaterland zurückgekehrt waren, so gab in der Folge zu den Zeilen des persischen Königs Artaperres Gott dem Priester Esdra aus dem „Stamme Levi ein, daß er alle Schriften der frühern Propheten wieder „aufsetzte und dem Volke die Gesetzgebung Mösts wieder herstellte." (2) So weit Irenaus. Neuntes Hauptstück. Was für Bischöfe unter Kommodus gewesen. Nachdem AntoninuS 19 Jahre regiert hatte, so bestieg KommoduS den Kaiserthron. In seinem ersten Jahre überkam Julianus das Bisthum bei der Gemeinde zu Alexandrien, welches vor ihm Agrippinus ganzer 12 Jahre inne gehabt hatte. Jehntes Hanptstück. Von dem Philosophen Pcintänns. Damals stand der dortigen Schule der Gläubigen (?) ein seiner Gelehrsamkeitwegen sehr berühmter Mann, Namens Pantänus, vor. Es bestand nämlich zu Alexandrien schon von alten Zeiten her eine Schule der Theologie, welche sich bis jetzt erhalten hat und wo sich, wie wir wissen , ein Zusammenfluß von geschickten Männern in der Beredsamkeit und in der (1) Daß diese Erzählung von dem Ursprung der griechischen Uebersetzung der heiligen Schrift, und die verschiedenen Modifikationen derselben, wie sie sich bei Epiphanias und Anderen finden, bloß der Sage angehören, bedarf wohl keines Beweises. Kaum mag sie einiges Wahre enthalten über die Veranlassung und Zeit dieser Uebersetzung; aber der Hauptpunkt, daß palästinesischc Gelehrte ihre Urheber seyn sollen, wird durch den Charakter der Uebersetzung selbst, der bestimmt auf ägyptische Juden hinweist, widerlegt. (2l Eine im Alterthum eben so weit verbreitete und geglaubte Sage, wie die von den 70 Dollmetschern. (3) Eusebius meint hier die sogenannte katcchetische Schule. Wer ihr eigentlicher Stifter gewesen , ist unbekannt, wiewohl Philippus Sudetes den Athenagoras als solchen nennt. Sie^biidete sich mit der Zeit wohl von selbst. Jndeß darf man nicht glauben, als sey es eine Schule nur für solche gewesen, denen man erst in den Anfangsgründen des Ehristcnthums Unterricht zu geben hatte, sondern es war auch eine Pflanzschule für Lehrer und Prediger, eine Art philosophisch-theologischen Seminars, übrigens nicht für die ganze Christenheit, sondern nur für Alexandrien und die Nachbarschaft. Kommodus. Jahr Christus 181. Cleutherus. 169 Theologie befinden soll. Unter diesen glänzte damals vorzüglich der erwähnte PantänuS, der sich in der philosophischen Schule der sogenannten Stoiker gebildet hatte und einen so seurigen Eifer für das gottliche Wort bewies, daß er als Verkündiger des Evangeliums Christi die Volker des Ostens besuchte und bis nach Indien (1) kam. Denn es gab damals noch mehrere Evangelisten, welche von einem gottlichen Eifer, die Apostel nachzuahmen, beseelt, das Ihrige zum Wachsthum und zum Bau des göttlichen Worts beizutragen suchten. Von diesen soll nun Pantänns einer gewesen und bis nach Indien gekommen seyn. Er fand daselbst bei einigen, welche Christum kannten, das Evangelium Matthen, das schon vor seiner Ankunft in diese Gegenden gebracht worden war. Diesen soll Bartholomäus, einer der Apostel, gepredigt und das Evangelium Matthen, mit hebräischen Buchstaben geschrieben, hinterlassen haben, welches denn auch bis auf den erwähnten Zeitpunkt sich daselbst erhielt. Dieser Pantänns nun stand nach vielen rühmlichen Verrichtungen der Schule von Alexandria vor und erklärte thcils mündlich theils durch Schriften die Schätze der göttlichen Lehren. Eilftes Hauptftück. Von Klemens von Alcrandricn. Damals war auch zu Alexandrien Klemens berühmt, ein Namensvcr- wandter des alten römischen Bischofs und Schülers der Apostel, welcher sich gleich Pantänns viel mit der heiligen Schrift beschäftigte. Dieser Klemens gedenkt in seinen Entwürfen namentlich des Pantänns als seines Lehrers, so wie er auch ihn im ersten Buche seiner „Vermischten Abhandlungen" in der Stelle, wo er von den vorzüglichsten Nachfolgern der Apostel, mit denen er bekannt geworden, spricht, anzudeuten scheint. Seine Worte daselbst sind folgende: „Dieses Werk ist kein Buch zum Schauge- „pränge künstlich ausgearbeitet, sondern ich speichere es mir vielmehr als ein „Gedenkbuch, als ein Mittel gegen die Vergeßlichkeit für mein höheres Alter „auf. Es soll ein treues Bild und Gemälde jener klaren und geistreichen „Lehren, und jeuer seligen und wahrhaft verchruugswürdigen Männer seyn, „welche zu hören ich gewürdigt worden bin. Einer von diesen, Jouicus, „war in Griechenland, der andere in Großgriecheuland, (2) jeuer aus Cöle« „syrien,(?) dieser aus Aegypten gebürtig. Andere befanden sich im Orient, (t) Da der Name Indien bei den Alten sehr schwankend — Aethiopien und Arabien werden zuweilen auch so genannt — gebraucht wird, so läßt sich nicht bestimmen, ob Pantänns in das eigentliche Ostindien oder nach Arabien und Acthiopicn gekommen ist. War unsere Stelle Veranlassung zu der Annahme mehrerer älterer Kirchengeschichlschreibcr lz. B.Siufin. h. c. tu, 9. Socret, 1, 19) Matthäus habe in Aethiopien das Evangelium gepredigt, so verstanden hier die Alten unter Indien Aethiopien. (2> So hieß der untere Theil von Italien, weil er voll griechischer Kolonien war. (3) Eine zwischen dem Libanus und Antilibanus liegende Landschaft Syriens. 170 Kommodus. Jahr Christus t8l. EleuthernS. »wovon der eine-in Assyrer,(1) der andere, vvn hebräischer Abkunft, in „Palästina war. Bei dem letzten, den ich traf, der aber seinen Kenntnissen „nach der erste war, und welchen ich in Aegypten, wo er versteckt war, aufsparte, bin ich stehen geblieben. Diese Männer, welche die treue Ueber- „lieferung der beseeligenden Lehre bewahrt haben, die sie unmittelbar von „Petrus, JakobuS, Johannes und Paulus, diesen heiligen Aposteln, wie „ein Kind von seinem Vater, überkommen haben (wiewohl sonst nur wenige „Kinder ihren Vätern ähnlich sind) reichten mit der Hülfe Gottes bis in »unsere Zeiten herein, um jenen altväterlichen apostolischen Saamen bei „uns niederzulegen." Zwölftes Hanptstück. Von den Bischöfen zu Jerusalem. Ein Zeitgenosse dieser Männer war der noch weit und breit berühmte Bischof zu Jerusalem, NarcissuS, welcher seit dem jüdischen Krieg- unter Adrian der ISte in der Nachfolge der dortigen Bischöfe war. Daß seit diesem Zeitpunkte zuerst die dortige Gemeinde aus Heiden sich gebildet habe, nach denen aus der Beschneidung, und daß als der erste Bischof aus den Heiden Markus der dortigen Gemeinde vorgestanden, haben wir bereits erwähnt. (2) Als seinen Nachfolger nennen die dortigen Successions- verzeichnisse den Kassianus, nach diesem den Publius, sodann den Marimus, hierauf den Julianus, sodann weiter den Kajus, dann den Sym- machus und nach diesem einen zweiten Kajus, dann wiederum einen Julia- nus, worauf noch Kapito,(Z) Valens und Dolichianus folgen und endlich NarcissuS, der in der ganzen Reihenfolge nach den Aposteln der dreißigste war. Dreizehntes H a u p t st ü ck. Bo» Rhoden und der Nichtübereinstimmung der Mareioniten, deren er gebeult. Um diese Zeit verfaßte auch Rhodvn aus Asien, der, wie er selbst sagt, zu Rom den Unterricht des früher genannten Tatianus genossen, verschiedene Schriften und zog, gleich den übrigen , auch gegen die Sekte Mareions zu Felde. Er berichtet vvn derselben, sie haben sich zu seiner Zeit in verschiedene Lehrmeinungen gespalten, nennt diejenigen, welche diese Spaltung (1) Einige glauben, es sey unter dem Assyrer Bardesanes, andere, es sey LatianuS verstanden. (2) Oben 4, 6. (3) Ganz richtig bemerkt Du Balms, daß hier zwei Namen ausgelassen sind, denn hier sind nur l3 angegeben, da es doch nach dem Eusebius selbst lö sey» sollen. Eusebius nennten seiner Chronik beim I. vor dem Valens auch noch den Maximus und Anto- »inus. Stroth. Kommodus. Jahr Christus 186. Cleutherus. I7l herbeigeführt und widerlegt die falschen Lehren, welche jeder derselben ersonnen, mit großer Gründlichkeit. Man lese von ihm folgende Stelle: „Deßwegen stimmen sie auch nicht mit sich selbst überein, weil sie unhalt- „bare Meinungen behaupten. Apelles, nämlich, der wegen seines Wan- „dels(1) und seines hohen Alters in Ansehen steht, nimmt nur einen Ur- „grnnd an, und läßt die Weissagungen der Propheten von einem feind« „liehen Geiste ausgehen, worin er den Aussprüchen einer besessenen Jungfrau, Namens Philumene, folgt. Andere aber nehmen, wie der Schif- ,,fer(2) Marcion selbst, zwei Grundwesen (3) an. Zu diesen gehören Poti- „tus uud Basilikus. Diese folgten dem politischen Wvlf,(ä) und da sie „eben so wenig, wie dieser, den Grund der Verschiedenheit der Dinge finden „konnten, so machten sie es sich leicht und nahmen geradezu ohne allen „Beweis zwei Principien an. Andere von ihnen geriethen auf noch schlim- „mere Abwege und nahmen nicht bloß zwei, sondern sogar drei Grundwesen „an; der Urheber und Stifter dieser Lehre ist, wie die Anhänger seines „Systems behaupten, Synervs." Nhodon schreibt auch, daß er eine Unterredung mit Apelles gehalten habe. Seine Worte sind folgende: „Der „greise Apelles hatte ein Gespräch mit uns, allein er wurde überwiesen, „daß er in vielen Stücken Unrecht habe. Deßwegen sagte er auch, man „müsse die Lehre gar nicht untersuchen, sondern ein Jeder solle bei seinem „Glauben bleiben. Denn es würden, behauptete er, alle, die aus Christum „hofften, scelig, wenn sie nur in guten Werken erfunden würden. Als der „dunkelste Gegenstand erschien ihm, wie ich schon gesagt habe, die Lehre von „Gott. Denn er behauptet ein Gruudwesen, wie auch unsere Lehre." Nachdem sodann Rhodon sein ganzes System dargestellt, fügt er hinzu: „Als ich zu ihm sagte, sage uns, womit beweisest du dieses oder wie kannst „du ein Grundwesen behaupten, so entgegnete Apelles,(5) daß die Aussprüche der Propheten sich selbst widerlegten, da sie gar nichts Wahres „enthielten. Sie stimmen gar nicht mit einander überein, seyen falsch und „widersprechen einander. Wie aber ein Gruudwesen sey, wisse er zwar „nicht, fühle sich jed-och zu diesem Glauben gedrungen. Wie ich ihn sodann „aufforderte, mir endlich die Wahrheit zu sagen, so schwur er, daß er die (N Eine weniger günstige Schilderung von des ApellcS Sitten macht Tertullian. (2) So nennt ihn auch Tcrtullianus an mehreren Stellen. Walch und Stroth glauben, daß er seines Vaterlandes Pontus wegen, welches der ganzen Länge nach am Meere liegt und starke Schifffahrt trieb, so genannt worden sey. (3) Rhodon scheint hier zu irren. Nach allen andern Nachrichten nahm Marcion drei Principien an: t) den höchst vollkommenen, guten und gnädigen Gott, der vermöge seines heiligen Wesens in gar keine Berührung mit der Materie kommen kann; 2) den an Einsicht und Macht beschränkrcn Dcnnurg, welcher aber ljuridlsch) gerecht sey; Z) die von Ewigkeit her vorhandene Materie, die Quelle alles Bösen. Doch ließe sich die Nachricht Rhodens mit den andern so vereinigen, daß vielleicht Marcion auch, wie die andern Gnosti- ker, den Ursprung des unvollkommcncn Demiurgs nach einer gewissen Entwicklungsreihe von dem vollkommenen Gott abgeleitet hätte. (4) So heißt Marcion, weil er aus Pontus war. (5) Dieß scheint beim ersten Anblick keine Antwort auf die vorgelegte Frage zu se»n; sie ist es aber wirklich. Apelles antwortet zuerst verneinend: aus den Schriften der Propheten könne er dieß nicht beweisen. Stroth. 172 Kvtnmobus. Jahr ChristnS 186. Cleutherus. „Wahrheit rede, wenn er sage, daß er nicht wisse, wie ein einziger Gott »ohne Anfang sey, daß er es aber glaube. Da lachte ich und tadelte ihn, „daß er sich für einen Lehrer ausgebe, ohne daß er seine Behauptungen „zu beweisen vermöge.' In derselben Schrift, welche er dem Kallistion zueignete, sagt Nhodon, daß er zu Rom ein Schaler des Tatianus gewesen sey. Er berichtet auch darin, Tatianus habe ein Buch, Aufgaben betitelt, verfaßt, worin er die dunkeln und schweren Stellen der heiligen Schrift zu erklären versprochen habe. Nhodon verspricht nun selbst, in einer eigenen Schrift die Losungen der Aufgaben des Tatianus zu geben. Es sind auch noch von ihm Erklärungen über die Schöpfungsgeschichte vorhanden. Dagegen hat gedachter Apelles sich tausendfach gegen das Gesetz Mosis oersündigt, in mehreren Schriften das Wort Gottes gelästert und sich nicht geringe Mühe gegeben, dasselbe, wie er glaubte, zu widerlegen und ganz umzustoßen. So weit von diesen. Vierzehntes Haupt /Nick. Von den falschen Propheten der Kataphrpgicr. Der alles Gute aufs tiefste hassende und das Böse vorzüglich liebende Feind der Kirche Gottes, der niemalen eine Gelegenheit zu Nachstellungen gegen die Menschen vorbeigehen läßt, bewirkte abermals, daß neue Ketzereien gegen die Kirche aufsproßten. Die Anhänger der einen krochen in Asien und Phrygien gleich giftigen Schlangen umher, und gaben in hohen Worten den Mon'tanus für den Tröster (Paraklet) (k) und die Agnila und Prstcilla, seine beiden Begleiterinnen, für seine Prophetinnen ans. Fünfzehntes Sauptftück. Vo» der durch Blasius zu Nom vcranlaßtcn Spaltung. Die andern aber erhoben sich zu Rom an ihrer Spitze Florinns, ein ehemaliger seines Amtes entsetzter Presbyter und Blasius, (2) der in (1) Dicß ist nicht ganz richtig, Montanus behauptete vielmehr nur, daß er vom Tröster (Paraklet) Offenbarungen empfange und zwar die vollkommensten, damit Alles, was in der Kirche noch mangle, durch seine Offenbarung vollendet würde. Denn Christus und stinc Apostel hätten bei der Schwachheit ihrer Zeitgenossen noch vieles zugelassen, waS bei einer vollkommenen Religionsverfassung nicht fehlen dürfe. Mit ihm beginne das Man- nesaltcr des Menschengeschlechts oder die 4tc Periode desselben (er nahm nämlich in der religiöse» Erziehung desselben 4 Perioden an, das Wiegenalter, das Kindcsaltcr, das Knabenalter und das Mannesaltcr). Montanus stellte daher — um dicß beiläufig zu sagen, da Eusebius dieß nicht berührt — sehr strenge Grundsätze in Betreff der äußern Zucht auf, schrieb öfteres und härteres Fasten vor, verbot die zweite Ehe, den Soldatenstand und den Eid, lehrte weltliche Lebensarten, heidnische Philosophie und Gelehrsamkeit verachten, gebot alle Gemeinschaft mit Götzendienst zu vermeiden. Dieser, so wie Mord und Unzucht, schliefst» für immer von der Kirche aus u. a. dergl. Was seinen Charakter betrifft, so geht aus Allem hervor, daß er ein sehr trübsinniger, jedoch gutherziger Mann war, der neben einem schwachen Verstände eine sehr erhitzte Einbildungskraft besaß. Boshafter Betrüger, wozu ihn Einige stempeln wollen, war er gewiß nicht, wohl aber ein Schwärmer, der zuerst sich selbst und sodann Andere durch die Vorspiegelungen seiner Phantasie täuschte. (2) Sie werden unten Hauptst. 20. noch einmal erwähnt. Kommodus. Jahr Christus 186. Clenthsruck 173 einem ähnlichen Jrrthum, wie Floriuuö, befangen war. Diese wußten Mehrere von der Kirche wegzuziehen und auf ihre Seite zu bringen, doch versuchte der eine derselben ganz eigcnthümliche Neuerungen in Betreff der Wahrheit. Sechstel)ntes Kauptstück. Was von Montanus und seinen falschen Propheten erzählt wird. Wider die sogenannte kataphrygische Sekte nun stellte die für dieWahr« heit kämpfende Macht eine unbezwingliche Schutzwehr, den Apollinaris, Bischof zu Hierapolis, dessen ich schon früher in meiner Geschichte gedacht habe, und noch mehrere andere damals lebende kenntnißreiche Männer auf, welche uns auch einen reichen Stoff zu unserer Geschichtsdarstelluug hinterlassen haben. Einer derselben (1) meldet gleich im Anfange seiner Schrift wider sie, daß er zuerst auch mündlich gegen sie gestritten und sie widerlegt habe. Er beginnt nämlich seine Schrift also: „Obgleich du mich schon seit „einer langen und geraumen Zeit, mein geliebter Aoircius Marcellus, an« „gegangen Haft, eine Schrift wider die nach dem Alcibiades (2) benannte Sekte zu verfassen, so habe ich doch bis jetzt immer angestanden, nicht so« „wohl aus Unvermögen, die Lüge zu widerlegen und für die Wahrheit zu „zeugen, als vielmehr aus Furcht und Besorgnis;, es könnten einige von „mir glauben, daß ich zur evangelischeu Lehre deö neuen Testaments etwas „Neues hinzusetzen und beifügen wolle, da doch ein Mann, der sein Leben „nach dem Evangelium einzurichten entschlossen ist, etwas weder zu dem- „selben hinzusetzen, noch von demselben wegnehmen darf. Da ich aber „neulich zu Aucyra in Galatien war und die dortige Gemeinde von dieser „neuen — nicht, wie sie sagen — Prvphetie, sondern vielmehr — wie gezeigt „werden soll — Lügenprophetie ganz übertäubt fand, so habe ich, so viel „mir möglich war mit der Hülfe deö Herrn, sowohl darüber, als auch über „alles Andere, das sie vorbrachten, von jedem besonders, mehrere Tage „lang in der Gemeinde diöputirt, so daß diese höchlich erfreut und in der „Wahrheil befestigt, die Gegenpartei aber für jetzt zurückgeschlagen ward „und die Widersacher nicht geringen Schmerz empfanden. Da mich nun „die dortigen Presbyter in Gegenwart meines Milpresbyters ZotikuS Otre- „nus, baten, ich möchte ihnen ein schriftliches Andenken von dem, waS „hier gegen die Feinde der Wahrheit war von mir vorgebracht worden, hin- „terlassen, so that ich es zwar nicht, versprach aber, mit Hülfe GotteS eine st) Wer dicß ist, läßt sich nicht mit Gewißheit bestimmen. Rufsinus und Nicephorus, so wie Baronius haben an den so eben genannten Bischof Apollinaris gedacht. Dieser hat zwar gegen die Montanisten geschrieben, allein bei ihrem ersten Auftreten und in dem Folgenden wird von dem Tode des Montanus, der Marimilla und des Thcodosius gesprochen. Hieronymus in seinem Buche von den Kirchcnschriftstcllcrn nennt den Apcllonius als Verfasser, wiewohl er an einer andern Stelle den Rhodon dazu machen zu wollen scheint. (2> Dieser war einer der vornehmsten Stifter der kataphrygische» Sekte. Siehe oben Hauptstück 3. 174 Kommodus. Jahr Christus 186. Cleutherus. „solche Schrift hier abzufassen und sie ihnen ohne Verzug zu schicken." Nachdem er dieß und noch einiges Andere im Eingange seines Buches gesagt, fährt er weiter fort und berichtet von dem Stifter der erwähnten Sekte folgendermaßen: „Ihr Widerstand gegen die Kirche und ihre „neue Ketzerei, wodurch sie sich von derselben getrennt, hat folgende Veranlassung gehabt. Es soll im Mysien (1) bei Phrygien ein Flecken seyn, „.welcher Ardabas heißt. Daselbst war, wie es heißt, ein gewisser Neu« „bekehrter, Namens Montanus, der zuerst zu der Zeit, als Gratus Pro- „konsul in Asien war, aus allzuheftiger Begierde, etwas Großes vorzu- „stellen, dem Widersacher Zutritt bei sich verstattete, begeistert wurde, „plötzlich in Entzückung und eine falsche Ekstase (2) gerieth, schwärmte „und seltsame Dinge zu reden begann, indem er wider die alte hergebrachte Weise und die Ueberlieferung der Kirche prvphezeihte. Von denen, „welche damals seine verkehrten Reden hörten, wurden die einen über ihn, „als über einen Menschen, der besessen, verrückt und von dem Geiste des „Jrrthums befallen sey und der das Volk verwirre, unwillig, ließen ihn „hart an und verboten ihm zu reden, eingedenk der Unterscheidung, die der „Herr gemacht HZ), und der scharfen Warnung, die er gegeben, vor der „Erscheinung der falschen Propheten auf wachsamer Hut zu seyn; die an- „dern aber, stolz auf den heiligen Geist und eine prophetische Gabe und nicht „wenig aufgeblasen und der Unterscheidung, die der Herr gemacht, verges» „send, forderten den unsinnigen, schmeichlerischen und vvlköverführerischen „Geist zum Reden auf und wurden von ihm geblendet und verführt, daß „sie ihm nicht mehr zu schweigen geboten. So durch eine gewisse List oder „vielmehr durch solche Art von Betrug erregte und entzündete der Teufel, „der das Verderben der gegen jenen Ausspruch Jesu Ungehorsamen beab- „sichtigte und wider Gebühr von ihnen geehrt wurde, ihren von dem wahren „Glauben entfernt liegenden Sinn. Er ging so weit, daß er noch zwei „Weibspersonen erweckte und sie mit dem falschen Geiste erfüllte < so daß „auch sie, gleich dem vorhin gedachten Montanus, sinnlose, unpassende „und nicht zur Sache gehörige Dinge redeten. Diejenigen von ihnen, „welche sich darüber freuten und darauf stolz waren, pries der Geist selig „und machte sie durch die Größe seiner Verheißungen aufgeblasen, zuwei- „len aber tadelte er sie auch auf eine scheinbare und glaubhafte Weise öffentlich , um sich das Ansehen zu geben, daß er auch zu rügen wisse. Indessen „war die Anzahl der Phrygier, die sich hatten verführen lassen, nur gering. „Dagegen lehrte der dreiste Geist die ganze allgemeine Kirche unter dem „Himmel schmähen, weil der Lügen prophezeiende Geist weder Ehre von (1) Mysien hieß eine Landschaft im Nordwesten Kleinasiens. Sie grenzte gegen Südosten an Phrygien und um es von Moesien in Europa, welches die Griechen ebenfalls Mysien nennen, zu unterscheiden, ist hier die nähere Bestimmung „bei Phrygien" hinzugesetzt. (2) In der Kirche. (3) Des Unterschieds nämlich, der zwischen wahren und falschen Propheten zu machen sey. Kommodns. Jahr Christus !8g. Cleutherus. 475 ..der Kirche, »och Zugang zu ihr erhielt. Denn da die Gläubigen in Wen „oft und an mehreren Orten Asiens deßhalb zusammengekommen waren „und die neuen Lehrsätze geprüft, sie als gottlos erwiesen und die Ketzerei „verworfen hatten, so wurden jene unter diesen Umständen aus der Kirche „gestoßen und von der Gemeinschaft ausgeschlossen." Nachdem er dieses in seinem ersten Buche erzählt und das ganze Buch hindurch die Widerlegung ihres Irrthums hinzugefügt hat, meldet er im zweiten Buche über das Ende der vorgedachten Personen Folgendes: „Da sie nun uns Pro- „phetenmördcr nannten, weil wir ihre geschwätzigen Propheten, von denen „sie sagen, sie seyen es, welche der Herr dem Volke zu schicken versprochen „habe, nicht annehmen wollten, so mögen sie uns doch um GotteSwillen die „Frage beautwortcu: Ist wohl, ihr guten Leute, irgend einer von denen, „welche seit dem Mvntanus und seinen Weibspersonen angefangen haben „zu redeu, von den Juden verfolgt oder von den Gottlosen getvdtet worden? „Keiner. Oder ist wohl einer von ihnen um des Namens Christi willen „gegriffen und gekreuzigt worden? Keiner. Oder ist wohl je eine von den „Weibspersonen in den Synagogen der Juden gegeißelt oder gesteinigt „worden? An keinem Orte und zu keiner Zeit. Dagegen sollen Montanus „und Maximilla eines ganz andern Todes gestorben seyn. Sie haben nämlich „beide, wie das Gerücht allgemein sagt, getrieben von dem bethörenden „Geiste, sich selbst erheukt, zwar nicht zugleich, sondern jeder zu der ihm „bestimmten Zeit des Todes und haben also geendet und ihr Leben, gleich „Judas, dem Verräther, ausgehaucht. Auf gleiche Weise behauptet die „allgemeine Sage, daß jener bewunderungswürdige Theodotus, der gleich- „sam der erste Pfleger der nach ihnen genannten Prophetie war, einst in „eine falsche Entzückung gcrathen sey und sich dem Geiste der Verführung „anvertraut haben, als wenn er sollte aufgehoben und in den Himmel aufgenommen werden; allein er sey von ihm fortgeschleudert worden und eleu» „digtich umgekommen. Dieß soll sich denn also so zugetragen haben. Jn- „deß, da wir es nicht selbst gesehen haben, so glauben wir es auch nicht „mit Gewißheit zu wissen. Denn vielleicht haben Montanus, ThevdotuS „und Marimilla auf diese Weise geendet, vielleicht aber auch nicht." Ferner sagt er in demselben Buche, daß die damaligen heiligen Bischöfe es versucht hätten, den Geist in Marimilla zu widerlegen, allein sie seyen von andern, die dem Geiste beistanden, daran verhindert worden. Seine Worte sind folgende: „Der Geist sage nicht (die Stelle ist in demselben Buche des „Asterius Urbanus enthalten) (1) durch die Marimilla. Ich werde weggejagt, (t) Valcsius hält diese Worte für eine Randglosse entweder des Eusebius selbst oder eines Abschreibers und schließt daraus, daß Astcrius Urbanus der Verfasser dieses Stückes stt). Allein die Art des Eusebius, aus andern Schriftstellern anzuführen, ist bekannt. Er bringt aus dem Zusammenhange das nicht allemal bei, woraus die angeführte Stelle verstanden werden muß und laßt auch das nicht aus, was nicht, ohne das Borhergangcne gelesen zu haben, verstanden werden kann. Mir ist es also wahrscheinlich, daß der ungenannte Verfasser dieser Widerlegung der Montanisten im Vorhergehenden etwas aus einem Buche dieses Asterius Urbanus (der aller Wahrscheinlichkeit nach ein Montanist gewesen) angeführt und nun weiter fortfährt und sich auf das Vorhergehende bezieht. Stroth. 176 Kommodns. Jahr Christus 186. Clcutherus. „wie ein Wolf von den Schafen. Ich bin kein Wolf. Ich bin Wort und „Geist nnd Kraft," sondern er zeige die Kraft de6 Geistes deutlich, über- „führe uns davon nnd zwinge diejenigen, die damals gegenwärtig waren, „nm den geschwätzigen Geist zu prüfen nnd sich mit ihm zu unterreden, „nämlich die bewährten Männer nnd Bischöfe, den Zotikns von dem „Flecken Komane(i) und den Jnlianns von Apamea (2) zum Bekenntnis;. „Diesem haben Themison HZ) nnd seine Anhänger den Mund verschlossen nnd „ihnen nicht gestattet, den lügenhaften und volksverführerischen Geist zn widerlegen." Nachdem er sodann in demselben Buche noch anderes zn Widerlegung der falschen Weistagungen der Marimilla angeführt, bemerkt er zugleich die Abfassung seiner Schrift und erwähnt ihrer Weissagungen, in welchen sie vorausgesagt hatte, daß Kriege und Zerrüttung entstehen wurden. Die Falschheit derselben deckt er in folgenden Worten ans: „Und „wie sollte eS nicht bereits in die Augen springen, daß auch dieß eine Un- „wahrheit ist ? Denn eS sind schon mehr als 1Z Jahre von der Zeit ihre» „Todes bis ans diesen Tag, nnd noch ist weder ein Krieg zwischen einzelnen „Völkern, noch ein allgemeiner Krieg in der Welt entstanden, sondern eS ist „vielmehr sogar auch den Christen durch die Erbarmung Gottes ein daner- „hafter Friede geworden." Dieß habe ich dem zweiten Buche entnommen. Ich will nun auch einige wenige Worte ans dem dritten Buche anfuhren, worin er sich gegen diejenigen Montanisten, welche prahlten, daß mehrere auch von ihnen Märtyrer geworden, also äußert: „Da sie nun mit allen ihren „Behauptungen widerlegt sind nnd sich nicht weiter zn helfen wissen, so neh- „men sie zn den Märtyrern ihre Zuflucht, sagen, daß sie eine große Anzahl von „Märtyrern hätten nnd geben dieß für ein untrügliches Merkmal der Wirkung „des bei ihnen befindlichen sogenannten prophetischen Geistes. Allein dieß ist, „meinem Dafürhalten nach, der aller unzulänglichste Beweis, (ä) Denn „auch verschiedene andere Sekten haben eine große Anzahl Märtyrer auf» „zuweisen, allein wir werden sicherlich nicht ihnen beistimmen, noch zuge- „stehen, daß sie die Wahrheit besitzen. So sagen vor andern diejenigen, „die von der Sekte Marcions Marcioniten benannt sind, daß sie sehr viele „Märtyrer Christi haben, aber gleichwohl bekennen sie im Grunde Christum „nicht." Sodann fährt er etwas weiterhin also fort: „Daher, wenn die- „jenigen anö der Kirche, welche zum Märtprerthnm für den wahren Glan- „ben gefordert werben, von ungefähr mit einigen sogenannten Märtyrern „ans der phrygischenSekteznsammenkommen, so betrachten sie sie doch nicht (1) Valesius hält Komanc für ein Städtchen in der kleinasiatischcn Landschaft Pam- phylien. In käncm Falle ist es mit Komana in Kataonien und Koniana im Pontus zu verwechseln. (2> Es gab im Altcrthum viele Städte dieses Namens. Hier durfte wohl Apamea am Flusse Mäander in Phrygien gemeint seyn. (3) Von diesem kommt unten im töten Hauptstiick mehr vor. <4) Der Verfasser dieses Stückes stimmt nicht ganz mir sich selbst übercin. Oben braucht er als einen Hauptgrund wider sie, daß sie keinen Märtyrer aufzuweisen haben; hier, wo die Montanisten sich nach eben diesem Verfasser selbst darauf berufen, sagt er, die Märtyrer beweisen nichts. KommoduS. Jahr Christus 186 Clcntherus. 177 „als ihresgleichen, sondern werden, ohne Gemeinschaft mit ihnen gepflogen „zuhaben, vollendet, weil sie auf keine Weise dem Geiste des Montanus „und seiner Weibspersonen beistimmen wollen. Und daß dieß wahr sey, „erhellt aus dem, was sich zu unserer Zeit zu Apamca am Mäander mir „denjenigen, die mit Kajus und Alexander aus Eumenea(l) den Märtyrer' „tod erlitten, zugetragen hat. Siebzehntes H a u p t st ü ck. Von Miltiades und seinen Schriften. In demselben Buche erwähnt er auch eines Schriftstellers Miltiades, daß dieser ebenfalls eine Schrift gegen die vorhin genannte Sekte verfaßt habe. Er führt nämlich Worte der Montanisten an und sagt sodann: „Dieß habe ich in einer ihrer Schriften, die sie gegen eine Schrift unseres „Bruders Miltiades gerichtet haben, worin derselbe zeigt, daß ein Prophet „nicht in Ekstase reden dürfe, gefunden und in einen Auszug gebracht." Etwas weiter unten zählt er in demselben Buche Alle auf, welche im neuen Testamente geweissagt haben, unter welche er auch eine gewisse Ammia und den Quadratus rechnet. Seine Worte sind folgende: „Der falsche „Prophet, dem Frechheit und Unverschämtheit zur Seite gehen, fängt „in seiner falschen Ekstase mit einer freiwilligen Unwissenheit an und geht „zuletzt, wie schon gesagt, rn eine unwillkürliche Raserei über. Allein sie „werden weder einen Propheten des allen, noch des neuen Testaments an- „zuführen vermögen, der auf diese Art vom Geiste ergriffen worden wäre, „noch werden sie weder auf einen Agabus, noch einen Judas, noch einen „Silas, noch die Tochter des Philippus, noch die Ammia in Philadelphia, „noch einen QuadratuS, noch irgend einige Andere, die sie nichts angehen, „sich berufen können." Kurz darauf heißt es sodann weiter: „Wenn, wie „sie sagen, nach Quadratus und Ammia in Philadelphia die Weiber in der „Gesellschaft des MontannS die prophetische Gabe überkommen haben, so „mögen sie uns doch auch diejenigen unter ihnen zeigen, auf welche dieselbe „von Montanus uud den Weibern übergegangen ist. Denn es lehrt der „Apostel, daß die Gabe der Weissagung bis zur völligen Erscheinung des „Herrn in der ganzen Kirche bleiben müsse; aber sie dürften dieß wohl nicht „zeigen, obgleich das vierzehnte Jahr seit dem Tode der Maximilla „verflossen ist." So weit dieser. Der von ihm erwähnte Milciadeö bat uns auch noch andere Denkmäler seines außerordentlichen Fleißes in der Theologie hinrerlasscn in den Büchern, die er gegen die Griechen, und in denen, die er gegen die Juden geschrieben hat. Beide Schriften sind in je zwei Büchern abgefaßt. Ueberdieß hat er auch eine Schntzschrift für die (t) Eine Stad: in Rordphrygicn. Eusebius Kirchengcschichic. 12 178 Komm od US. Jabr Christus 186. Cleutkerus. Philosophie, zu welcher er sich bekannte, an die weltlichen Machthaber geschrieben. (1) Achtzehntes Hanptstück. Wie auch Apollonius die Äatavhrvgcr widerlegt und was er sonst berichtet. Wider die sogenannte kataphrygische Sekte, welche auch zu seiner Zeit blühte, schrieb auch Apsllouius, ein jtirchenschriftsteller, eine Widerlegung, worin er ihre vorgeblichen Weissagungen Wort für Wort als falsch erweist und den Lebenswandel der Häupter dieser Sekte nach seiner Beschaffenheit ans Licht bringt. Man höre seine eigenen Worte über Montannö. Sie lauten also: ..Jndeß, wer dieser neue Lehrer ist, beweisen seine Werke ..und seine Lehre. Er ist es, welcher die Trennung der Ehen gelehrt(2) „.und Fastengesetze vorgeschrieben,(Z) welcher Pepnza und Tinnum (zwei „kleiue Städte in Phrygien) Jerusalem genannt und von überall her Leute ,.daselbst versammeln gewollt, er ist es, welcher Geldeintreiber aufgestellt „hat, welcher unter dein Namen von Beiträgen listigerweise Geschenke zu „bekommen sucht und denen, die seine Lehre predigen, Besoldungen gibt, „um durch Schlemmerei die Lehre des Worts zu befestigen." Tsiesi schreibt von Mvntanus Apollonias. Etwas weiter unten äußert er sich über dessen Prophetinnen also: „.Wir haben also gezeigt, daß diese eisten Prophetinnen „ihre Männer verlassen haben, sobald sie vom Geiste erfüllt wurden. Wie „konnten sie denn so unwahr reden , die Priska eine Jungfrau zu nen- „nen?" Sodann fährt er weiter fort: „Du glaubst doch, daß die ganze „Schrift verbietet, daß ein Prophet Geschenke und Geld annehme? Wenn „ich nun sehe, wie die Prophetin Gold und Silber und kostbare Kleider an- nimmt, wie sollte ich sie nicht verwerfen?" Hierauf sagt er etwas weiter» hin von einem gewissen Bekenner unter ihnen Folgendes: „Noch hat aber „auch Themison, der sich dem Geiz ganz ergeben hat und das Zeichen (11 Mehrere Acltcrc und Neuere verstehen darunter die Kaiser Markus Antoninus und Lucius Berus, Du Walois will aber darunter die Statthalter der Provinzen verstanden wissen, weil damals nur Ein Kaiser, nämlich Kommodus, gewesen sey. (2) Montanus legte sehr großen Werth auf die Ehelosigkeit und verbot die zweite Ehe, als eine Sünde, deren Begehung Ausstoßung aus der Gemeinschaft zur Folge harte. lü) Da die Christen, welche nur Ein allgemeines jährliches, von ihnen zum Andenken des Todes Jesu begangenes Fasten hatten, der Meinung des Montanus nach weder oft, noch zum Thcil strenge genug fasteten, so führte Montanus noch zwei andere Fasten ein, wovon das eine nach Pfingsten gehalten werden sollte, die Zeit des andern aber ungewiß ist. Aber er unterschied sich auch darin von den übrigen Christen, daß er zwar, wie sie, von- der dritten Itachmittagsstur.de des Freitags vor dem Auftrstchungsfeste Jesu an bis zum Aufgange der Sonne an diesem Feste gar nichts aß; in den beiden Fasten hingegen, die er selbst stiftete, nur trockener Speisen und Wassers sich bediente, vom Fleisch aber, von Wein und selbst von saftigen Früchten sich gänzlich enthielt- Bei den wöchentlichen Fasten der Christen am Mittwoch und am Freitag (zum Andenken der Gcfangcnuehmung und Kreuzigung Christi) traf Montanus ebenfalls eine Aendcrung. Anstatt daß sie das ganze Jahr hindurch, die 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten ausgenommen, in der neunten Stunde des Tages, oder, nach unserer Art zu rechnen, in einer von den spätem Stunden des Nachmittags zu Ende gingen, verlängerte er sie bis zum Untergang der Sonne. Kvmmodus. Jahr Christus 1ZL. C'leutherus. 17U „des Bekenntnisses nicht trägt, sondern mit einer großen Summe Geldes „aus den Banden sich frei gemacht hat, statt deßhalb demüthig zu seyn, „es geioagt, sich als Märtyrer zu rühmen nnd, den Apostel sl) nach- „ahmend, eine Art von katholischen Brief zu verfassen, um Leute, die „weiter in ihrem Glauben sind, als er, zu belehren, seine nichtigen und „eiteln Lehren zu vertheidigen und den Herrn, 5>ie Apostel und die heilige „Kirche zu schmähen." Sodann spricht er noch von Andern, die zu seiner Zeit bei den Montanisten als Märtyrer geehrt waren, also: „Um nicht „von mehreren Andern zu reden, so gebe uns eureProphetine nur 'Aufschluß ..über Alexander, der sich selbst einen Märtyrer nennt, in dessen Gesellschaft „sie schmaust, und der sogar von Vielen angebetet wird, von dessen Näube- „reien aber und übrigen Frevelthaten, um derenthalbeu er zur Strafe gezogen „worden, wir nichts zu sagen brauchen, da die Akten sie enthalten. Wer „vergibt nun hier dem andern seine Sünde:, t Ist eS die Prophetin, welche „dem Märtyrer seine Räubereien, oder der Märtyrer, welcher der Prophe- „tin ihren Geiz vergibt l Der Herr hat gesagt, ihr sollt nicht Gold, noch „Silber, noch zwei Kleider besitzen. Vou diesem allen aber thnn diese ge- „rade das Gegenlheil und versündigen sich durch den Erwerb dieser verbv- „tenen Dinge. Denn wir werden zeigen, daß diejenigen, welche bei ihnen „Propheten und Märtyrer heißen, nicht bloß von Neichen, sondern auch „.von Bettlern > Waisen nnd Wittwen sich Geld zusammenmachen, bind „wenn sie in dieser Hinsicht ein gutes Gewissen haben, so mögen sie kommen „und sich hierüber verantworten, damit, wenn sie überwiesen werden, sie „vielleicht doch künftighin zu sündigen aushören. Denn man muß die „Früchte des Propheten prüfen, weil der Baum ans seinen Früchten erkannt „wird. Um indessen diejenigen, welche es zu wissen verlangen, nicht in „Ungewißheit über Alexaudern zu lassen, so bemerke ich, daß er von dem „Prokonsul Aemilius Frvntinus in Ephesus zur Verantwortung gezogen „worden ist, allein nicht um des Namens Christi willen, sondern wegen „Her Nänbereien, die er unternommen hatte, da er schon ein Abtrünniger „war. Da log er aber, es sey dieß um deö Namens Christi willen geschehen, „wußte dadurch die dortigen Gläubigen zn hintergehen und wurde somit „freigelassen. Jndeß seine eigene Gemeinde, aus welcher er war, nahm „ihn nicht auf, weil er ein Ränder war. Wer seine Begebenheiten zu wissen „wünscht, dem steht das öffentliche Archiv von Asien offen, von dem freilich „die Propheten nicht wissen, daß es viele Jahre mit ihm zu schaffen gehabt „hat. (2) Während wir aber ihn entlarven, enthüllen wir damit zugleich „den ganzen Charakter und Geist der Propheten. Ein Gleiches können wir „von vielen Andern zeigen. Haben sie ein gutes Gewissen, so mögen sie (t) Hierunter ist wahrscheinlich Johannes zu verstehen, auf welchen die Montanisten sehr viel hielten. (2) Dieser Satz ist nach Heinichens Konjektur sä oi «uro omrcw unXXcu? irecri,, «xnostoar) übersetzt, nach welcher es auch im folgenden Satze statc rä uaoPyr« rcän heißt 12« 189 KommodnS. Jahr Christus 186—190. CleutheruS. »es auf eine Untersuchung ankommen lassen." An einer andern Stelle derselben Schrift äußert sich Apvllonius über die Propheten, deren sie sich rühmen, folgendermaßen: „Wenn sie es leugnen, daß ihre Propheten Geschenke genommen haben, so müssen sie doch dieß zugestehen, daß es keine „Propheten sind, wenn man ihnen nachweist, daß sie Geschenke genom- „men haben. Und ^davon können wir tausend Beweise liefern. Jn- „deß man muß nothweudig alle Früchte eines Propheten prüfen. Sage »mir nun, färbt sich wohl ein Prophet die Haare? Bemalt sich ein Prophet „die Augeulieder und Augeubrannen? Liebt ein Prophet den Putz ? Treibt „ein Prophet Brett - und Würfelspiel ? Leiht ein Prophet Geld auf Zinsen? „Darüber mögen sie sich erklären, ob dieß erlaubt sey oder nicht, ich aber „will beweisen, daß es bei ihnen vorgefallen ist.« Eben dieser Apollonias bemerkt in der angezeigten Schrift, daß zur Zeit der Abfassung derselben äv Jahre verflossen seyen, seitdem Montauns den Anfang mit seiner vorgeblichen Weissagung gemacht. Ferner erzählt er, daß Zvtikns, dessen auch der vorhin augeführte Schriftsteller erwähnte, da Maximilla bereits zu Pepuza zu weissagen vorgegeben, bei ihr gewesen sey und versucht habe, den in ihr wirkenden Geist zu widerlegen, allein ihre Anhänger haben ihn daran verhindert. Auch erwähnt er unter den damaligen Märtyrern eines gewissen Thraseas. Ueberdieß erzählt er noch als aus einer Ueberlieferuug, unser Erlöser habe den Aposteln geboten, binnen zwölf Jahren sich nicht von Jerusalem zu entfernen. Er braucht auch Beweise aus der Offenbarung Johannis und erzählt, daß Johannes durch göttlicheKraft zu Ephesus einen Todten auferweckt habe. Ueberdieß führt er noch einiges Andere an, wodurch er den Jrrthum der vorgedachten Sekte aus das Treffendste und Vollständigste widerlegt. So weit Apollonias. Neunzehntes H a u p t st ü ck. Serapions Urthcil von der Ketzerei der Phrpgicr. Der Schriften des Apollinaris gegen die erwähnte Sekte thut Serapion Erwähnung, welcher, wie es heißt, damals nach Mapiminus Bischof der Gemeinde zu Antiochia war. Er gedenkt desselben in seinem Brief au Karikns und Pontikus, worin er auch die nämliche Sekte widerlegt, mit folgenden Worten : „Damit ihr euch aber auch überzeugt, daß das Wesen und Treiben „dieser lügenhaften Schule, welche die neue Prophetie genannt wird, von der „ganzen Brüderschaft in der Welt verabscheut wird, so schicke ich euch auch „die Schriften des höchst seligen Klaudius Apollinaris, gewesenen Bischofs zu Hierapolis in Asien." In eben diesem Briefe des Serapion befinden sich auch Unterschriften verschiedener Bischöfe, von welchen der eine also unterzeichnet hat: „Ich Aurelins Cyrenius, ein Märtyrer, wünsche euch wohl „zu leben,« ein anderer aber: »Aelius Publius Julius, Bischof von der KommoduS. Jahr Christus 190. EleuthcruS. 181 „Kolonie Debeltum in Thracien. So wahr Gott im Himmel lebt, hat der selige Sotas(l) von Anchiatus (2) den Dämon der Priscilla austreiben „wollen, aber die Heuchler haben es nicht zugelassen." Ueberdicß findet man noch in dem erwähnten Briefe auch die eigenhändigen Unterschriften mehrerer anderer mit jenen einverstandener Bischöfe. So weit von den Montanisten. Zwanzigstes Hauptstück. Was Irenaus wider die Schismatiker zu Rom geschrieben. Gegen diejenigen aber, welche zu Rom das reine Kirchengcset) ver» fälschten, verfaßte Jreuäus verschiedene Briefe, von welchen der eine „Von der Spaltung" an Blasius, der andere „Von der Monarchie oder daß Gott nicht der Urheber des Bösen sey," an Florinus gerichtet ist. Denn die letztere Ansicht schien Florians zn vertheidigen. Wegen dieses Mannes, welcher sich später in den Jrr- thnm des Valentinas hineinziehen ließ, verfaßte JrenäuS auch noch eine andere Schrift Von der Ach t h c it, (s) worin er auch zu erkennen gibt, daß er noch an die erste Nachfolge der Apostel reiche. Am Ende dieser Schrift haben wir eine sehr artige Bemerkung von Jreuäus ge« fnnden, welche wir hier unfern Lesern nicht vorenthalten dürfen. Sie lautet folgendermaaßen: „Ich beschwöre dich, der du dieß Buch abschreiben „wirst, bei unserem Herrn Jesus Christus und bei seiner herrlichen Er- „scheinung, in der er kommen wird zn richten die Lebendigen und die „Todten, daß du das, was du abgeschrieben hast, mit dieser Urschrift, „wovon du es abgeschrieben hast, sorgfältig vergleichest, und darnach berichtigest, so wie, daß du diese Beschwörung ebenfalls mit abschreibest und „in deine Abschrift bringest."(4) Diese nützliche Bemerkung des JrenäuS führen wir hier an, damit wir jene alten, wahrhaft heiligen Männer als das beste Beispiel einer äußerst genauen Sorgfalt betrachten. (5) In dem vorhin erwähnten Briefe an Florinus gedenkt Jreuäus wiederum seines Umgangs mit Polykarpns mit folgenden Worten: „Diese Lehren, mein „Florinus, sind, gelinde ausgedrückt, nicht ans einer richtigen Ansicht „entsprungen. Diese Lehren stehen im Widerspruch mit der Kirche und (I) Seniler glaubt, dieser Sotas fty Eine Person mit dem oben angeführten Zotikus. <2) Eine Stadt in Thracien, am schwarzen Meere gelegen. (II) Balcntinus nahm nämlich als die Wurzel und den Grund aller Dinge 8 Aconen an, welche in seinem Aconcnsystcm die erste Klaffe bilden. (4) Da man sich beim Abschreiben einer Handschrift oft die willkürlichsten Acndcrungcn erlaubte, lvcrgl. oben 4, 2.1), so dürfen solche und ähnliche Beschwörungsformeln, ja sogar Flüche nvie Offcnb. 22, 18 19) gegen diejenigen, welche Aenderungcn vornehmen würden, nicht befremden. cö) Eusebius ist auch wirtlich diesem Beispiele gefolgt, indem er seiner Chronik gerade dieselbe Beschwörung vorgesetzt. Sie gibt den» Kritiker zu allerlei Schlüssen Gelegenheit und vermehrt das Mißtrauen in die Treue und Sorgfalt der alten Abschreiber. Stroth. Kommodns. Jahr Christus 1U0. Eleutherus. ..stürzen diejenigen, welche ihnen beistimmen, in die grüßte Gottlosigkeit. „Diese Lehren haben niemalcn selbst die Ketzer außerhalb der Kirche zu ..äußern gewagt. Diese Lehren haben dir die Aeltesten, unsere Vorfahren, „welche auch mit den Aposteln Umgang gehabt haben, nicht überliefert. ..Denn ich habe dich, als ich noch Knabe war, in dem untern Asien (1) „bei Polykarpns gesehen, wie du-dich am Hofe des Kaisers (2) in glän- „zenden Verhältnissen befandest und sein Wohlwollen zu erwerben stichlest, „denn ich erinnere mich dessen, was damals geschah, noch viel besser, „als desjmigcn, was sich erst neulich errcignet hat, da das, was wir „in der Kindheit vernommen haben, mit der Seele wächst und sich in „Eins mit ihr verschmilzt. Daher vermag ich denn auch noch die Stelle ..anzugeben, auf welcher der selige Polykarpns saß und redete, desgleichen „sein Ein- und Ausgehen, seine ganze Lebensweise, seine Körpergestalt, „die Vorträge, welche er an die Gemeinde hielt, wie er seinen Umgang „mit Johannes und mit den Uebrigcn, welche den Herrn gesehen hatten, „erzählte und wie er ihre Reden anführte, und alles das, was er von „ihnen über den Herrn gehört hatte, überdies; wie er Nachricht von seinen „Wundern und seiner Lehre gab, als einer, der sie von solchen, die das „Wort des Lebens mit Augen gesehen, überkommen, alles in Ueberein- „stimmnng mit der heiligen Schrift. Dieß hörte ich auch damals vcr- „möge der mir widerfahrenen Gnade Gottes eifrig an und schrieb eö nicht „auf Papier, sondern in meinem Herzen nieder, und stets bringe ich es „mir durch die Gnade Gottes wieder in frische Erinnerung. Und ich kann, „vor Gott bezeugen, daß jener selige und apostolische Presbyter, wenn „er so etwas gehört hätte, laut aufgeschrien, die Ohren sich verstopft „und nach seiner Gewohnheit die Worte: „O mein guter Gott, auf „welche Zeit hast du mich bewahrt, daß ichSvlche 6 aushalte n „mu ß," ausgerufen haben und von dem Platze, wo er sitzend oder stehend „solche Reden gehört hätte, hinweg geflohen seyn würde. Dieß kann auch „aus seinen Briefen, welche er theilS an die benachbarten Gemeinden, „um sie zu befestigen, theilS an einige Brüder, um sie zu ermahnen und ..anzuregen, geschrieben hat, deutlich erwiesen werden." So weit JrenäuS. (1) Dm'ch diesen Ramm werden die am ägeischcn Meere gelegenen Provinzen Klcin- asiens, wie durch das obere bei Polybius siii, 6, 10 und öftery die in. Mittcliand liegenden bezeichnet. (2) Dodwcll versteht darunter den Adrianus, der sich eine Zeitlang zu Smyrna mir seinem Hofe aufhielt. Äonimoduö. Jahr Christus k9k>. Eleutherus. IKA Einundz man^ ig st es Haupt st ü ek. Wie Zepollonius zu Rom ci» Märtyrer geworden. LI) Um dieselbe Zeit der Negierung des Kommvdus gestalteten sich unsere Verhältnisse ruhiger (2) und es verbreitete sich durch die Gnade GvtteS Friede über die Gemeinden in der ganzen Welt. Damals brachte auch die seligmachende Lehre ungemein viele Seelen ans allen Menschenklassen zum frommen Dienste des Gottes des Weltalls, so daß auch schon zn^ Rom mehrere der durch Neichthnm und Herkunft ausgezeichnetsten Männer mit ihrem ganzen Hanse und ihrer ganzen Familie den Schritt zu ihrem Heil thaten. Dieß war aber dem das Gute Hassenden, von Natur nei- diseben Teufel unerträglich; er rüstete sich daher wiederum und ersann verschiedenartige Anschläge wider uns. Damals lebte in der Stadt Nvm ein Mann Namens Apollonias, der unter den damaligen Gläubigen wegen seiner Gelehrsamkeit und seiner Philosophie in großem Rufe stand. Zur Anklage dieses Mannes erweckte der Teufel einen seiner dazu fähigen Diener und brachte den Apollonias vor Gericht. Allein der Elende hatte die Anklage zur Unzeit übernommen. ES wurden ihm, da nach einem kaiserlichen Edikt für die Ankläger der Christen die Todesstrafe festgesetzt war, ans den Ausspruch des Richters Perennins alsbald die Beine zerschlagen. Der gottgefällige Märtyrer hingegen hielt, nachdem ihn der Richter lange inständig gebeten und sodann von ihm verlangt, daß er vor dem Senat sich verantworten sollte, eine sehr beredte VertheidignngS- redc für den Glauben, den er bekannte, in Gegenwart deS ganzen Senates und wurde nach einem Senatsbeschlnß enthauptet, einem alten römischen Gesetze zufolge, kraft dessen diejenigen, welche einmal vor Gericht gestellt waren, nicht frei gegeben werden durften, sie hätten denn ihre Meinung 0) Gieselcr äußert sich in seiner Kirchengcschichtc lBd. t. S. t?S. Anm. I) über die in diesem Hauptstücke enthaltene Erzählung also: „Nach Hieronymus war Apollonius u sei vo ,Heveen peexliws, nach Eusebius wurde sein Ankläger sogleich hingerichtet, da nach einem kaiserlichen Edikt für die Ankläger der Christen die Todesstrafe festgesetzt war. öl. so !)!»»- ü»jm> tllisloire ito l'Aemw»»» «las Inseripl. tum. G. y. 221.) meint, jener Sklave siv als Angeber seines Herrn, nach einem alten, von Trajan erneuerten Gesetze, hingerichtet; der Norfall sey aber von de» Christen gemißdeutet, und habe eben Anlaß zu der Sage gegeben, die sich bei Tcrtu ian und in dem Edikt an die Deputirtenvcrsammlung von Asien lS. 4, G) ausspreche, daß ein Kaiser dieser Zeit die Denunciation eines Christen mit der Todesstrafe belegt habe. Ebenso Neander Kirchengcsch. Bd. l. Abth I. S. Gl). Allerdings war echt solches Gesetz gegen Denunciationen der Sklaven schon von Nerva gegeben, dagegen war es auch Gesetz löervn, gui »Uro »stgnul ile «tomim, oonlltotnr, üües »»» m'vommlMur; und wenn liier die mms» mchostntis ausgenommen wurde, so galt für dieselbe auch nicht jenes Strafgesetz für die Sklave», wenn sie eine gegründete Anzeige gemacht hatte». Stach kiesen Rechtsgrunosätzcn konnte also entweder nur Apollonias oder nur sein Sklave, in deinem Aalte aber beive hingerichtet werden. Hieronymus sagt indes; weder, daß Severus der Sklave des Apollonias gewesen, noch daß er hingerichtet worden sey; und da Eusebius diese .Hinrichtung ausdrücklich durch ein untergeschobenes Gesetz begründet, so konnte wohl dieselbe nur der orientalischen Sage angehören, welche sie jenem Gesetz als Beleg zugegeben haben mag." ist) Der mächtige Einfluß seiner Lieblingsbcischläferin Marcia, einer Freundin der Christen, soll den sonst höchst grausamen Kommvdus zur Milde gegen die Christen bestimmt haben nach Dio Kassius oder vielmehr seinem Abkürzer Xiphilinus 72, 4. 18-1 Kommodus. Jahr Christus 160^-191. Virtor. geändert. (1) Wer Lust hat, seine Reden vor dem Richter und seine Antworten auf die Fragen des Perennins, so wie seine ganze Vertheidigungs- rede vor dem Senate kennen zu lernen, der kann sie ans der Sammlung der älteren Märtyrcrgeschichtcn erfahren. Im 10ten Jahre der Negierung des Kommodus wurde Victor der Nachfolger des Eleutherus, nachdem dieser das bischöfliche Amt 15 Jahre laug verwaltet hatte. In demselben Jahre uberkam nach Julianns, welcher 10 Jahre laug Bischof zu Alexandrien gewesen war, Demetrius diese Würde daselbst. Zu eben dieser Zeit war auch noch der oben erwähnte Serapion als der achte Bischof nach den Aposteln bei der Gemeinde zu Antiochien berühmt. Der Gemeinde zu Casaren in Palästina stand Theophilus vor, und Narcistus, dessen unsere Geschichte schon oben Meldung geihan, hatte noch damals die Aussteht über die Gemeinde zu Jerusalem. Bischof zu Korinth in Griechenland war zu der nämlichen Zeit Bacchyllus, so wie zu EphesuS Polykrates. Außer diesen waren, wie sich von selbst versteht, noch tausend Andere zu dieser Zeit berühmt. Doch war es billig, diejenigen von ihnen, deren rechtgläubige Lehre in Schriften auf uns gekommen ist, namentlich anzuführen. Damals wurde eine nicht unwichtige Streitfrage in Anregung gebracht. Die Gemeinden in ganz Asien (5) nämlich glaubten, einer alten Ueberlieferung zufolge, das Passahfsst am lüten Tage des Monden, au welchem den Juden das Passahlamm zu opfern geboten war, (ss) feiern zu müssen (5) und überhaupt an diesem Tage, mochte es einen Wochentag (1) D» Valois versteht dieß von dein Gesetze des LrajanuS, daß man zwar die Christen nicht aussuchen, wenn sie aber vor Gericht gebracht würden, am Leben strafen solle. t2) Oder der Streit, an welchem Lage die Ostermahlzeit, welche gewöhnlich unter dem Worte Passah zu verstehen ist, gehalten werden solle. Die abendländischen Christen und viele morgenländischc hielten sie am Lage vor dem Aufxrstehungsfest, die Asiaten aber an demselben Tage, an welchem die Juden ihr Ostcrlamm aßen, also eigentlich an dem Leidcnstagc, und am dritten Tage darauf begingen sie das Auferstchungsfest. Sie unterbrachen also durch diese Mahlzeit die Ostcrfastcn, welches wohl den meisten Anstoß gab. Stroth. (5) Hier ist unter Asien die sogenannte Asm ^rooonsularis, Acolien, Jonicn, Lydien und Karien im westlichen Lhcilc von Kleinasien zu verstehen. (4) Dieß war der 14tc Lag des ersten jüdischen Monats, welcher Nisan heißt (oder nach unserer Berechnung der t4te Tag nach dem Neumonde im März). (5) Wcil^man annahm, daß Christus das letzte Mahl mit seinen Jüngern als ein cigcnilichcs Passahmahl zu derselben Zeit, in welcher die Juden dieses feierten, genossen habe. ZweiAndIu>an.vig lies Hauptstück. Welche Bischöfe zu dieser Zeit berühmt gewesen. Von der damals in Anregung gebrachte» Passahfrage. s2ss Kommodns. Jahr Christus 191. Victor. 185 treffen, welchen es wollte, die Fasten zu beschließen. Dagegen war eS bei allen andern Gemeinden nicht üblich, es auf diese Weise zu halten, sondern man beobachtete nach einer apostolischen Ueberlieferung die noch jetzt herrschende Weise, daß man die Fasten an keinem andern Tage, als am Tage der Auferstehung unseres Erlösers abbrechen durfte. Es wurden dieserwcgcn Versammlungen und Zusammenkünfte der Bischöfe gehalten (1) und alle schrieben einstimmig den Christen aller Orten in Briefen die Kirchcnsatzuug vor, das Geheimniß der Auferstehung des Herrn dürfe an keinem andern Tage als am Sonntage gefeiert werden und nur an diesem Tage die Aufhebung der Ostcrfasten stattfinden. Es ist noch jetzt ein Brief der damals in Palästina versammelten Bischöfe, bei welchen Theophilus, Bischof von Cäsarea, und Narcissus, Bischof von Jerusalems) den Vorsitz führten, so wie «in anderer dieselbe Streitfrage betreffender von den in Nvm versammelten Bischöfen, welchem der Name des Bischofs Victor vorgesetzt ist, vorhanden. Desgleichen hat man einen Brief von den Bischöfen in Pontus, unter welchen Palmas als der älteste den Vorsitz führte, und von den Gemeinden in Gallien, von welchen Irenaus Bischof war, so wie auch von denen in Osroenc und den dortigen Städten. Ucberdicß ist noch ein Privatschreiben vorhanden von Bacchyllus, dem Bischof der Gemeinde zu Korinrh und von sehr vielen Auvern, welche einer und derselben Meinung und Ansicht waren und auf die gleiche Weise sich aussprechen. Und zwar war das vorhin Gemeldete ihr eiu- müthiger Schluß. Viernndzwait.;igstes Hauptstück. Von der Mißhelligkcit in Asien. Allein die Bischöfe in Asien behaupteten mit großem Nachdruck, man müsse den ihnen von Alters her überlieferten Brauch beibehalten. An ihrer Spitze stand Polykrates, welcher auch in einem Brief an Victor und die römische Gemeinde die bis auf ihn herab vererbte Ueberlieferung mit folgenden Worten vorträgt: „Wir nun feiern den Tag unverfälscht, „ohne Zusatz und ohne Schmälerung. Denn in Asien ruhen große Lichter, „welche aufstehen werden am Tage der Erscheinung des Herrn, wenn er ,,in Herrlichkeit vom Himmel kommen und alle Heiligen auferwccken wird— „Philippus nämlich, einer von den zwölf Aposteln, welcher in Hierapvlis „den Grabesschlummer ruht, und zwei seiner Töchter, die als Jungfrauen lt) Dicß sind dic ersten zuverlässigen Nachrichten von Snnodcn, wiewohl cS wahrscheinlich genug ist, daß hin und wieder auch schon früher Svnodcn gehalten worden seyn mögen, obgleich uns die Geschichte kein gewisses Denkmal davon aufbewahrt hat. «2) Es konnte — sagt Rcander (Kirchcng. I. 2. h. 522 Anmcrk.) in Bezug auf die palästinensischen Bischöfe— auffallend erscheinen, auch die Gemeinden in Palästina in dieser Reihe zu finden; aber es ist wohl zu bedenken, daß die Gemeinde zu Eäsarea von Anfang an vorzugsweise aus Heidcnchristcn bestand und daß dic Gemeinde zu Jerusalem unter dem Kaiser Hadrian eine mehr heidnisch-christliche Gestalt angenommen halte. Z86 Kommodus. Jahr Christus Iläl. Victor, „alt geworden, so wie noch eine dritte Tochter von ihm, welche einen „Wandel im heiligen Geist geführt nnd in Ephesns begraben liegt, so- „dann auch Johannes, der an der Brust des Herrn gelegen, der war „ein Priester nnd trug das Stirnband, der Glanbenszengc nnd Lehrer, „er schlaft in Ephesns; ferner Polykarpus, der in Smyrna Bischof nnd „Märtyrer gewesen, nnd Thraseas, ebenfalls Bischof nnd Märtyrer von „Enmcnia(l) der in Smyrna ruht. Was soll ich aber des Bischofs und „Märtyrers Sagaris, der in Laodicea schläft, erwähnen, was des seligen „Papirius (2) und des verschnittenen Mclito,(Z) der in seinem ganzen „Wandel des heiligen Geistes voll war und in Sardes liegt in Erwar- „tnng der Heimsuchung vom Himmel, da er von den Todten auferstehen „wird. Diese alle haben das Passah immer am bäten Tage nach der „Vorschrift des Evangeliums gefeiert nnd sind nicht davon abgewichen, „sondern immer der Regel des Glanbens gefolgt. Auch ich, Polykrates, „der geringste unter euch allen, werde nach der Ueberlieferung meiner „Verwandten, deren einigen ich gefolgt bin (denn sieben von ihnen sind „Bischöfe gewesen nnd ich bin der achte nnd sie haben immer den Tag „gefeiert, wann das Volk den Sauerteig wegließ); auch ich, meine Brn- „der, der ich L5 Jahre alt in dem Herrn bin, der ich mit Brüdern ans der „ganzen Welt verkehrt, der ich die ganze heilige Schrift völlig nnd fleißig „durchlesen habe, werde durch keine Drohungen (ä) mich schrecken lassen. „Denn größere Männer als ich, haben gesagt, mau müsse Gott mehr „gehorchen als den Menschen." (5) Hierauf schreibt er von allen Bischöfen, die mit ihm zugegen und gleicher Meinung mit ihm waren, Folgendes: „.Ich könnte auch der anwesenden Bischöfe, welche ich nach eurem Vergangen (6) zusammen berufen habe, erwähnen. Würde ich ihre Namen „aufschreiben, so wäre ihrer eine sehr ansehnliche Zahl. Da sie aber „mich geringen Mann besuchten, so billigten sie den Brief, wohl wissend, „daß ich meine grauen Haare nicht vergebens trage, sondern immer in „dem Herrn Jesu gewandelr bin." Auf dieß wollte der römische Bischof Victor alsbald die Gemeinden Asiens sammt den benachbarten Kirchen als heterodore von der allgemeinen Einigung ausschließen und erklärte in Schreiben alle dortigen Brüder für völlig crcvmmnnicirt. Allein ein solches Verfahren fand nicht den Beifall aller Bischöfe, sondern sie forderten ihn im Gegentbeil ans, Gesinnungen des Friedens, der Einigkeit und der Liebe gegen die 'Nächsten zu hegen. Ihre Briefe, worin sie den Victor nachdrücklich tadeln, sind noch jetzt vorhanden. Unter anderm (U Eine Stadt in der kleinasiatischcn Landschaft Phrvgien. SagariS war Bischof i» Laodicca gewesen und Papirius soll nach Symeon Mera- phrastes der Nachfolger des Polykarpus gewesen senn. lii) Wenn wielito von Polykrates ein Verschnittener genannt wird, so bedeutet dieß wohl nichts mehr, als eine beständige Enthaltsamkeit von der Ehe. (4) Victor hatte nämlich den Pmlrkrares und die übrigen Asiaten mit der Ercommuni- kation bedroht, wenn sie nicht das Osterfest mit den Abendländern am Sonntage feierten. (5) Apostelg. 5, 29. ig) Nämlich auf Victors nnti der italischen Bischöse. Kommodus. Jahr Christus 191. Victor. 187 schrieb auch Irenaus im Namen der Brüder in Gallien, welchen er vorstand, einen Brief. Er erklärt sich zwar in demselben dafür, dasi man nur am Sonntage das Geheimnisi der Auferstehung des Herrn feiern solle, erinnert aber doch den Victor auf gebührende Weise und umständlich, er mochte nicht ganze Gemeinden Gottes, weil sie die Uebertieferung eines alten Brauchs beobachteten, von der Kirchengemeinschaft trennen. Irenäns äußert darin auch Folgendes: „Die Streitfrage betrifft nicht „allein den Tag, sondern auch die Art des Fastens. Denn die einen „glauben, daß sie nur einen Tag fasten sollen, die andern zwei, andere „noch mehrere. Wieder andere lassen die Zeit des Fastens gg Stunden „langst) Tag und Nacht hindurch danern. Und diese Verschiedenheit in „Beobachtung des Fastens ist nicht erst zu unserer Zeit entstanden, sondern schon lange vorher bei unfern Vorfahren, welche sich vermnthlich „nicht aufs Genaueste daran hielten und so die in aller Einfalt und ans „Unknnde entstandene Gewohnheit auf die Nachkommen vererbten. Gleich- „wohl haben diese alle im Frieden gelebt und auch wir leben im Frieden „mit einander und die Verschiedenheit in den Fasteneinrichtnngen läßt „die Einkracht des Glanbens um so stärker hervorleuchten." Hierauf fügt Irenäns noch eine Erzählung bei, die ich hier ganz an ihrem Platz beibringen will. Sie lautet also: „Die Presbyter, (2) welche vor Soter „der Kirche vorgestanden, über welche du jetzt die Aufsicht führst, ich „meine den Anicetus, Pins, Hyginus, Telesphorns und ssystns, haben „weder selbst das Passah so gefeiert, noch auch es ihren Untergebenen erlaubt. Allein obgleich sie dasselbe nicht so feierten, so lebten sie dennoch „in Frieden mit denjenigen, welche ans den Gemeinden kamen, wo es „so gefeiert wurde, wiewohl die Feier desselben denjenigen, welche eS „nicht so feierten, mehr auffallen mußte. Und niemals sind dieses Umlandes wegen Einige e.rcommnnicirt worden, sondern es haben sogar „deine Vorfahren, obgleich sie es nicht so hielten, denen ans fremden „Kirchen, die es so hielten, die Eucharistie geschickt. sS) Als der selige „Polykarpns unter Anicetus nach Nom kam und beide über verschiedene „Gegenstände mit einander einen unerheblichen Streit hatten, so wurden „sie sogleich einig mit einander, ohne über diesen Punkt mit einander „streiten zu wollen. Denn es konnte weder Anicetus den Polykarpns be- „wegen, es so zu halten, da dieser mit Johannes, dem Jünger nnsers l Als Nachbildung des 40tägigcn Fastens Jesu in der Wüste während der Versuchung. Später wurden daraus die 4(1 Tage: die ZAuadragesimalfastcnzcit. (2) Hier nennt Irenaus die römischen Bischöfe Presbyter, da Bischof und Presbyter ursprünglich nicht verschieden und die Bischöfe nur die ersten Presbyter waren. (3) Hier ist von der Kirchcngemeinschaft die Rede, welche man hielt und bezeugte, wen» Leute von fremden, auswärtigen Kirchen zusammenkamen. Hielt man Frieden und Einigkeit, so schickte man ihnen die Eucharistie d. h. ^cweilucs Brod und Wein, wie man es in der Versammlung austhcilte. Das hieß jemand „aufnehmen." Er durfte ebenfalls nicht bloß dahin kommen, sondern war es ein Geistlicher, etwa ein Bischof, so ließ man ihn auch Theit an den geistlichen Verrichtungen nehme», wohl auch selbst konsekriren. Widerfuhr jemanden an einer auswärtige» Kirche diese Kirchcnehrc nicht, so »ahm man da» doch auf >md da« hieß, ihn von der Gemeinschaft entfernen oder ihn eicommunicixen. 288 KommoduS. Jahr Christus 191. Victor. -Herrn und mit den übrigen Aposteln, mit welchen er umgegangen war, „es immer so gehalten halte, noch überredete Polykarpus den Anicetus, „es so zu halren, indem dieser sagle, er müsse an dem Brauch seiner „Vorgänger festhalten. Allein dessen ungeachtet bestand nicht nur ein „gutes Vernehmen unter ihnen, sondern Auicetus erlaubte auch dem Po- „lykarpns aus Achtung, der Abeudmahlsfeier in der Gemeinde vorzustehen, „und sie schieden von einander im Frieden, und sowohl die, welche das „Passah so hielten, als auch die, welche es nicht so hielten, behielten „den Frieden mit der ganzen Kirche bei." Solche Worre und Ermahnungen schrieb Irenaus, der diesen Namen (1) in Wahrheit führte und durch sein Betragen wirklich ein Friedensstifter war, des Kirchenfriedeus wegen an Victor; indeß nicht bloß an Victor, sondern auch an mehrere andere Kirchenvorsteher wandte sich Irenaus Mit passenden Schreiben in Betreff der in Anregung gebrachten Streitfrage. Fünsnndzwanzigstes Hanptstück. Wie Alle in Betreff des Passahe einen einstimmigen Schluß gefaßt. Die Bischöfe in Palästina, die wir so eben erst genannt haben, nämlich Narcissus und Theophilns und mit ihnen Kassius, Bischof von Tyrus und KlarnS von Ptolemäis, (2) so wie die übrigen mit ihnen zusammengekommenen Bischöfe, setzen, nachdem sie sich umständlich über die von der Nachfolge der Apostel an bis auf sie herab vererbte Ueberliefe- rung in Betreff des Passah verbreitet, am Schlüsse ihres Briefes noch Folgendes hinzu: „Sorgt, daß von diesem unserem Briefe in jeder Ge- „meinde Abschriften herumgesandt werden, damit uns nicht in Betreff „derer, welche so leicht ihre eigenen Seelen verführen, ein Vorwurf treffe. „Wir thuu euch aber zu wissen, daß man auch zu Alexandrien das Passah „an demselben Tage hält, an welchem wir es halten (denn wir stehen „mit einander in brieflichem Verkehr), so daß wir einstimmig und zugleich „den heiligen Tag begehen. S e ch S u n d z W a n ) i g st e s Hauptst ü ck. Was für Proben von der guten Denkungsart des Irenaus wir noch haben. Außer den schon angeführten Schriften des Irenaus und seinen Briefen hat mau noch von ihm ein sehr kurzes, aber äußerst belehrendes Buch wider die Griechen, unter dem Titel Von der Wissenschaft, so wie ein anderes, das er einem Bruder, Namens Marciauus, zueignete «Zum Beweise der apostolischen Predigt," und endlich ein Buch (t) Der Name Irenaus entspricht ungefähr dem deutschen Namen Friedrich. Letzt S. Jean d'Acre, eine Seestadt in Phönicien. Kommodns. Jahr Christus 4SI. Victor.^ 1K!> von verschiedenen Abhandlungen, worin er des Briefs an die Hebräer und der sogenannten Weisheit Salomos gedenkt und einige Stellen daraus anfuhrt. Dieß sind die Schriften des Irenaus, welche zu unserer Kenntnis; gelangt sind. Nachdem Kommvdns 1Z Jahre lang regiert hatte, wurde Pertinax sein Nachfolger, ans welchen nicht ganz sechs Monate nach dem Tode deö KommoduS Severus Kaiser wurde. Siebcnnnd)wan)iZlies Sanptstück. Was für Schriften wir auch noch von den übrigen damals blühenden Männern haben. Auch von andern alten Kirchenschriftstellern der damaligen Zeit haben sich noch bis jetzt bei manchen sehr viele Denkmale ihres redlichen Fleißes erhalten. Die Schriften derer, welche wir davon näher kennen gelernt haben, sind die Bücher des Heraklitns über die Briefe Pauli, die Bücher des Marimus über die bei den Ketzern so viel besprochene Frage „Woher das Böse und über das Erschaffenseyn der Materie," ferner die Schriften des Kandidus über die Schöpfungsgeschichte und des Apion über denselben Gegenstand, so wie des Sertus über die Auferstehung und eine andere Schrift des Arabianns nebst den Büchern vieler andern, von welchen wir aus Mangel an zureichenden Gründen weder die Zeit hier angeben, noch etwas daraus anführen können. Auch haben sich Schritten von sehr vielen Andern erhalten, von welchen uns nicht einmal die Angabe der Namen möglich ist. Es sind dies; zwar Schriften von recht gläubigen Männern der Kirche, wie von jedem die Auslegung der heiligen Schrift beweist, allein sie sind uns gleich wohl nicht weiter bekannt, weit ihnen der Name ihrer Verfasser fehlt. Achtundzwan)igstes H auptstnck. Bon den ersten Anhängern der Ketzerei des Arterien, wie ihr Charakter beschaffen gewesen und wie sie sich die heilige Schrift zu verfälschen untcrwnnden. In einem gegen die Ketzerei des Artemon, welche Paulus von Samo- sata(1) zu unfern Zeiten wieder zu erneuern versucht hat, gerichteten Buche dieser Männer (2) findet sich eine Erzählung, welche sich für unsere vor» " I. Eh. 193. Pertinar. Julianus. Severus I. Eh. 194. (r) Hauptstadt von Kommagcnc, der nördlichsten Provinz Syriens, berühmt als Geburtsort des Spötters Lucianus. (2) Man hat verschiedene Bemühungen angewandt, um den Namen des Verfassers dieses Stücks zu finden und Einige halten den römischen Acltesten Kajus dafür. Etwas sonderbar ist es doch, den Verfasser eines Buchs wissen zu wollen, den Eusebius, wie er ausdrücklich sagt, selbst nicht wußte. Es war derselbe Fall oben Hauptst. 16. bei dem antimontanistischcn Fragment. Ucbrigcns merke ich nur an, daß Eusebius hier die Erzählung von der Ketzerei des Artemon noch zu früh anbringt, indem sie wenigstens spät unter dem Zcphyrinus hätte gesetzt werden müssen, da der Verfasser dieses Fragments nach den Zeiten des Zcphyrinus geschrieben, wie aus dem Folgenden offenbar ist. Da indessen Thcodotus hier als der Stifter dieser Sekte oder doch als ein Mann, der dieselbe Lehre gehabt, aufgeführt wird, und er zu, den Zeiten Victors seine Nolle spielte, so hat Eusebius vcrmuthiich dcßwegcn die Geschichte hier erzählt. Stroth. I9tt Severus. Jahr Christus ^00. Victor.* liegende Geschichte sehr wohl paßt. Der Verfasser thnt darin dar, daß die vorgedachte Ketzerei, welche behauptet, daß unser Erlöser ein bloßer Mensch gewesen, nur erst vor knrzerZeit ans die Bahn gebracht worden sey, während ihre Stifter sie als eine alte rühmen wollten, und berichtet sodann, nachdem er noch vieles Andere zur Widerlegung ihrer lästerlichen Lngenlchre vorgebracht, wörtlich Folgendes: „Sie behaupten, daß das, was sie jetzt vorbringen, alle Alte und selbst die Apostel gelehrt worden seyen und gelehrt haben „und daß sich die Wahrheit der Lehre bis ans die Zeiten Victors, welcher „von Petrus an der töte Bischof zu Rom gewesen, erhalten habe, daß dieselbe aber von seinem Nachfolger ZephyrinnS an verfälscht worden sey. „Diese Behauptung durste vielleicht einige Wahrscheinlichkeit haben, wenn „nicht erstlich die heilige Schrift ihr entgegen stände. Zweitens aber sind „auch noch Schriften von einigen Brüdern vorhanden, welche über die Zeiten „Victors Hinansreichen, und welche für die Wahrheit gegen die Öeiden und „die damaligen Ketzereien geschrieben sind, nämlich von Jnstinus, Miltiades, „Tatianns, Klemens und mehreren Andern, in welchen allen die Göttlichkeit „Christi behauptet wird, bind wer kennt nicht die Schriften des Jrenäus, „Melitv und der Andern, die Christus für einen Gott und für einen Menschen erklären? bind wie viele Psalmen und Lieder, die von Anfang an „von gläubigen Brüdern geschrieben worden sind, besingen Christum, den „Logos Gottes und preisen seine Gottheit. Wie ist es nun, da seit so vierten Jahren die kirchliche Lehrmeinnng gepredigt worden, möglich, daß „die Lehrer bis auf die Zeiten Victors so, wie sie sagen, gepredigt haben „sollten ? Wie? schämen sie sich nicht dergleichen Unwahrheiten gegen Victor „vorzubringen, da sie doch recht gut wissen, daß Victor den Schuster Theo- ,,dotns,(1) den Stifter und Urheber dieses gotteslengnerischen Abfalls ans der „Kirchengemeinschaft ausgeschlossen hat, weil er zuerst behauptet hatte, daß „Christus ein bloßer Mensch sey? Denn wenn Victor ihrer Aussage nach „so, wie ihre Lästerung lehrt, gedacht hätte, wie hätte er den Theodvtns, „den Erfinder dieser Keyerei, aus der Kirche stoßen können ?" So viel, was den Victor berrifft. Nachdem dieser 10 Jahre lang der römischen Kirche vorgestanden, wurde ZephyrinnS, ungefähr im Sten Jahr der Regierung deS Severus, sein Nachfolger. Der Verfasser des vorhin angeführten Buchs von dem Stifter der genannten Sekte erzählt auch noch eine andere Geschichte, welche unter ZephyrinnS vorgefallen ist und also lautet: „Ich „muß vielen Brüdern eine zu unserer Zeit vorgefallene Begebenheit in das „Gedächtniß zurückrufen, von welcher ich glaube, daß, wenn sie zu Sodom * I. Ch. 202. Zcphyrinus I-itcr Bischof zu Rom. l t) Er war aus Byzanz und ist nicht mit dcm obcn Hauptst. 3. und 16. angcführ- tcn Montanisten Thcodocus zu verwechseln. Als er in einer Verfolgung Christum abgeleugnet hatte, und man ihm deshalb zu Rom, wohin er sich begeben, Vorwurfe machte, versicherte er, einen bloßen Menschen abgeleugnet zu haben. Ob übrigens Theodotus Christum für einen gewöhnlich natürlich erzeugten, oder für einen übernatürlich erzeugten Menschen gehalten hat, laßt sich bei der Verschiedenheit der Angaben nicht sicher entscheiden; doch dürfte das Letztere wahrscheinlicher seyn. Severus. Iabr Christus 202. Zephyrinus. lltl „vorgefallen wäre, sie vielleicht sogar die dortigen Leute zur Buße gebracht „haben würde. Es ist noch nicht gar lange, sondern noch zu unfern Zeiten, „daß ein gewisser Bekenner, Namens Natalies, war. Dieser wurde einst „von einem gewissen Asklepivdotus und einem gewissen andern TheodotuS, „einem Geldwechsler, verfuhrt. Diese beide waren Schüler des SchnsterS „TheodotuS, der zuerst dieser Meinung oder vielmehr dieses UnsinnS wegen „von Victor, der, wie gesagt, damals Bischof war, von der Kirchcnge- „meinschaft ausgeschlossen worden war. Von diesen ließ sich Natal's be- „reden. gegen eine Besoldung (1) sich zum Bischof dieser Sekte machen „zu lassen, so nämlich daß er mouarlicb 170 Denare von ihnen bekäme. Da „er nun bei ihnen war, so wurde er öfters von dem Herrn in Gesichtern ge- „warnt. Denn unser barmherziger Gort und Herr Jesus ChristnS wollte „nicht, daß ein Zeuge seiner Leiden sich außer der Kirche befinden und verloren gehen sollte. Da aber 'Natalis angelockt durch den Vorsitz bei ihnen „und von schandbarer Gewinnsucht, die so Viele in das Verderben stürzt, die „Erscheinungen wenig beachtete, so ward er endlich von heiligen Engeln „die ganze 'Nacht hindurch gegeißelt und heftig durchgeprügelt. Er stand „daher früh Morgens auf, that einen Sack an, bestreute sich mit 'Asche, fiel „aufs Eilfertigste und unter Thränen vor dem Bischof JephyrinuS nieder „und wälzte sich zu den Füßen nicht bloß der Geistlichen, sondern auch der „Weltlichen und erweichte durch seine Thränen die zum Mitleid geneigte „Kirche des erbarmenden Christus, so daß er endlich nach vielen angewandten Bitten und Vorzeigung der Striemen von den Schlägen, welche er bekommen, (2) mit genauer'Nvth wieder in die Kircheugemeinschaft aufgenommen wurde." An diese Erzählung wollen wir auS demselben Schriftsteller auch noch eine andere Stelle über sie anknüpfen. Sie lautet folgendermaßen: „Die heilige Schrift haben sie ganz uugescheut verfälscht, die „Richtschnur des alten Glaubens verworfen und Christum verkannt. Sie „untersuchen nicht was die heilige Schrift lehrt, sondern sie sinnen sorgfältig „darauf, was für eine Schlußform zum Beweise ihrer Irreligiosität gefunden werden könne. Und wenn ihnen jemand eine Stelle auS der heiligen „Schrift vorhält, so forschen sie nach, ob die conjunctive oder disjunctive „Schlußform daraus gemacht werden könne. Gottes heilige Schriften „haben sie bei Seite gesetzt und beschäftigen sich jeyt mit der Geometrie, als „Leute, die von der Erde sind, Irdisches reden, und den, der von oben kvm- „men wird, nicht kennen. EnklideS mit seiner Geometrie wird demnach „ber ihnen hoch erhoben, Aristoteles und TheophrastuS werden bewundert (!) Die Bischöfe und andern Kirchendiener waren zwar schon längst durch die freiwilligen Beiträge der Gemeinden verhalten worden, aber von einer festen Besoldung an baarcm Gelde war lange nicht die Rede gewesen. Deswegen rechnete man es auch den Montanisten so hoch an, daß sie ihre Geistlichen mit Geld salarirtcn. (2) Ob hierunter die Schläge zu verstehen sind, die er von den Engeln bekommen oder die er ehemals als Bekenner erlitten, läßt sich wohl nicht mit völliger Gewißheit bestimmen. N12 Severus. Jahr Christus 202. Zephyrinus. „und Galenus (t.) vielleicht gar von einigen auch angebetet. (2) Daß aber „Leute, welche die Wissenschaften der Ungläubigen zn dem Systeme ihrer „Ketzerei mißbrauchen und mit der schlauen Kunst der Gottesleugner den „einfachen Glanben der heiligen Schrift verfälschen, daß solche Leute sehr „weit hin zum Glanben haben, was soll man nur davon sprechen? Deß- „wegen haben sie ihre Hände so ungcscheut an die heilige Schrift gelegt „unter dem Vorwande, sie hätten dieselbe verbessert. Und daß dieß keine „Unwahrheit von meiner Seite gegen sie ist, davon kann jeder, der da will, „sich überzeugen. Denn wenn jemand die Abschriften eines jeden von ihnen „zusammenbringen und dieselben unter einander vergleichen würde, so würde „er sie in vielen Stücken von einander abweichend finden. So stimmen „wenigstens die Handschriften des ASklepiades mit denen des Theodotns „nicht überein. Man kann aber dergleichen im Ueberflusse finden, da ihre „Schüler das, was von einem jeden von ihnen, nach ihrem Auedruck, „verbessert, das heißt, entstellt worden ist, sich mit großem Eifer eingetragen „haben. Mit diesen stimmen wiederum die Handschriften des Hermophilns „nicht übereiu. Ja, die des Apollvuides stimmen nicht einmal mit einander selbst überein. Denn man kann die, welche er zuerst bearbeitet hat, „mit den später von ihm wiederum verkehrten vergleichen und man wird „sie in vielen Stücken abweichend von einander finden. Von welcher Frechheit aber ein solches Vergehen zeugt, das können sie nicht einmal selbst ver- „kenneu. Denn entweder glanben sie nicht, daß die göttlichen Schriften „vom heiligen Geiste eingegeben worden sind und in diesem Falle sind sie „Ungläubige — oder halten sie sich selbst für weiser als den heiligen Geist und was sind sie in diesem Falle anders, als gar Verrückte? Denn >^e können es gar nicht leugnen, daß dieß freche Unterfangen von ihnen herkomme, da die Abschriften von ihren eigenen Händen geschrieben sind, „da sie von denen, von welchen sie unterwiesen worden, keine solche empfanden haben und da sie die Handschriften, wovon sie es abgeschrieben haben, „nicht vorzuzeigen vermögen. Einige von ihnen haben es aber nicht einmal „der Mühe werth gefunden, diese Schriften zu verfälschen, sondern Gehetz und Propheten geradezu verworfen und die Gnade (Z) zum Vorwande (t) Dieser Arzt hatte nämlich auch Bücher von den Figuren der Schlüsse und von der ganzen Philosophie geschrieben, wie wir aus dem Verzeichnis! seiner Schriften sehen. (V Aus dieser eifrigen Beschäftigung mit mathematischen und philosophischen Wissenschaften dürsten wir wohl nicht ohne Grund schließen, daß die Artemoniten ihre Ansichten vorzüglich durch philosophische Gründe zu unterstützen und mit solchen die Meinungen ihrer Gegner zu bestreiten suchten. (3) Sie sagten nämlich: Wir sind nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade; wozu brauchen wir das Gesetz und die Propheten? Walch will auch noch, daß sie das Evangelium und die Offenbarung Johannis vcrworf n hätten und beruft sich dabei auf den Epiphanius. Allein dieß mochte wohl ein Versehen seyn. Epiphanias sagt bloß, dir Ketzerei des Theodotus sey ein Slück von der Ketzerei der Alogcr, welche das Evangelien» und die Offenbarung Johannis verwürfen. Dieß hat vcrmuthlich Gelegenheit zum Versehen gegeben. Denn sonst brauchten die Theodotianer selbst Beweise aus dem Evangelium Johannis, wie sie denn aus Joh. 8, 40: Nun aber sucht ihr mich umzubringen, einen Menschen, der auch die Wahrheit sagt, schlosicn, Christus sey ein bloßer Mensch. Man s. den Epiph. in der 54stcn Ketzerei. S. 463. Stroth. Severus. Jahr Christus 202. Aephyrinus. 19Z „ihrer gesetz- und gottlosen Lehren gebraucht und sich dadurch in den tiefsten „Abgrund des Verderbens gestürzt." So weit die Erzählung hievon. Ende des fünften Buches. Sechstes Buch. Erstes Hauptltiick. Bon der Verfolgung unter Eeocrus. Da auch Severus eine Verfolgung gegen die Kirchen erregte, so wurden von den Kämpfern für den Glanben in allen Gemeinden aller Orten herrliche Mä rlyrerthümcr abgelegt; hauptsächlich zahlreich waren aber diese zu Alexandrien, wohin als auf den größten Kampfplatz Gottes die auserlesensten Kämpfer aus ganz Aegypten und Thebais (1) geschickt wurden und wo dieselben durch die standhafteste Ausdauer in mancherlei Martern und Todcsarten von Gott sich die Kronen erwarben, hinter diesen befand sich auch Leonides, der Vater des Origenes. Dieser wurde enthauptet und hinterließ seinen Sohn in noch großer Jugend. Welche Liebe zur göttlichen Lehre der Letztere gleich von dieser Zeit an gehabt hat, dies; hier anzuführen dürfte um so mehr am Platze seyn, als er überall des ausgebreitetsteu Rufes genoß. Iweites Hanptstück. Von der Unterweisung des Origenes in seiner Jugend. Wer nun das Leben d'eses Mannes bei gchörigerMnße beschreiben wollte, der würde einen reichen Stoff vor sich haben und die Darstellung desselben dürfte wohl eine eigene Schrift erfordern. Wir indeß wollen hier das Meiste in die Kürze zusammenziehen und nur etwas Weniges von ihm mit wenigen Worten berichten, was uns aus einigen Briefen und aus den Nachrichten seiner noch jetzt lebenden Schüler bekannt geworden ist. Die Schicksale des Origenes scheinen mir schon von der Wiege an, um mich so auszudrücken, merkwürdig. Es war das zehnte Jahr der Regierung des Severus und Cätus, Statthalter von Alexandrien und dem übrigen Aegypten, Demetrius aber hatte so eben erst nach Jnlianus das Bisthum über die dasigen Gemeinden überkommen, als mit heftiger Wnth die Flamme der Verfolgung aufloderte und Tonssnde die Märtvrerkrone sich erwarben. Diesen Ausdruck wählte wohl Origenes, weil nach der Ansicht der alten Kirche der Märtyrcrtod die Taufe ersetzte (nach Matth. t0, 39) und durch denselben, wie durch die Taufe, vollkommene Vergebung der Sünden erlangt wurde. Ja, Origenes erhebt die Bluttaufe noch über die Wasiertaufe, weil in jener die Seele so rein im eigenen Blute abgewaschen würde, daß der Fürst dieser Welt nicht das Geringste an ihr finden könne. (3) Was dieß gewesen sey, können wir nicht sagen, es scheint aber so etwas gewesen zu seyr, wodurch fle sich in den Augen der Heiden so cnthciligt, daß es keiner ohne eine eigene Versündigung wagen dürfen, sich mit einer nach ihren heidnischen Begriffen so gottlosen Person zu vermischen und daß sie also durch diesen Kunstgriff ihre Ehre und Tugend in Sicherheit aestellt. Stroth. Severus. I. Chr. '205 (I. Chr. 195). ZephyrinuS. 199 und ihm bald das, was er an ihr gethan, vergelten. Nachdem sie dieß gesprochen, hielt sie standhaft ihren Tod aus und zwar so, daß ihr Körper Theil für Theil von den Fußsohlen an bis zum Scheitel langsam und all- mätig in siedendes Pech gelassen wurde. Und auf solche Art wurde der Kampf des berühmten Mädchens geendigt. Es verstoß aber nur eine kurze Zeit, als seine Kameraden dem Basilides ans irgend einer Ursache einen Eid abverlangten. Basilides versicherte darauf, er dürfe gar nicht schwören , denn er sey ein Ehrist und bekenne dieses offen. Man nahm dieß anfangs eine Zeit lang für Scherz. Wie aber Basilides fest auf seiner Aussage beharrte, wurde er vor den Richter geführt und, nachdem er vor demselben seine Standhaftigkeit im Glanben bekannt, in Fesseln geworfen. Als hierauf einige Brüder in dem Herrn zu ihm kamen und ihn um die Ursache dieses so plötzlichen, auffallenden Entschlusses fragten, soll er entgegnet haben, daß Potamiäna drei Tage nach ihrem Märtyrertode des Nachts ihm erschienen sey, ihm eine Krone aufgesetzt und gesagt habe, sie habe seinetwegen den Herrn gebeten und Erhörung ihrer Bitte erlangt; er werde in Kurzem ihn zu sich nehmen. Hierauf theilten ihm die Brüder das Siegel des Herrn (1) mit und Basilides wurde am folgenden Tage enthauptet, nachdem er das Bekenntniß für den Herrn ruhmvoll abgelegt hatte. Auch wandten sich, wie man erzählt, damals noch viele Andere zu Alexandrien plötzlich der Lehre Christi zu, da ihnen Potamiäna im Schlafe erschienen war und sie zur Annahme des göttlichen Wortes aufgefordert hatte. So weit hievon. Sechstes H a u p t st ü ck. Von Klemens von Alexandrien. Bis auf diese Zeit stand Klemens, (2) der Nachfolger des PartänuS, der Katechetenschule zu Alexandrien vor, und auch Origenes befand sich unser seinen Schülern. Klemens thcilt wenigstens in dem ersten Buche seiner vermischten Abhandlungen eine Zeitrechnung mit, welche mit dem Tode des KommoduS schließt, woraus also erhellt, daß er unter Severus, dessen Zeiten wir jetzt vor uns haben, sein Werk abgefaßt hat. Siebentes H a u pt st ück. Von dem Schriftsteller Judas. Um diese Zeit schrieb auch ein anderer Schriftsteller, Ramens Judas, über die 70 Wochen Daniels und führte seine Zeltbeschreibung bis zum dl D. h., sie tauften ihn. (2) Da dieß mit dem Vorhergehenden nicht wohl zusammenhangt, auch Origenes damals schon der Karechetenschule zu Alexandrien vorstand und von Klemens und seinen 200 Severus. I. Chr. 206 (I. Chr. 205). Zephyrinus. zehnten Jahre des Severus herab. Er glaubte, daß die vielbesprochene Erscheinung des Autichrists schon damals nahe sey. So best ig hatte die damals gegen uns verhängte Verfolgung die Gemüther der Meisten erschüttert. A ch t e s H a u p t ji ü ck. Von der kühnen That des Origcnes. Wahrend Origenes damals das Geschäft eines Katecheten zn Alexandrien verrichtete, vollbrachte er eine That, welche zwar ein großer Beweis seines noch unausgebildeten, jugendlichen Verstandes, gleichwohl aber auch seines Glaubens und seiner Enthaltsamkeit war. Er nahm nämlich die Worte: (1) „ E 6 g ib t Ver sch ni t t e n e, die sich selbst verschnitten haben um des Hi m mels willen," zu wörtlich und nach jugendlicher Art, und ließ sich dadurch, theils weil er einem Befehle des Erlösers zn gehorsamen glaubte, theils um den Ungläubigen jeden Verdacht, der ihnen Anlaß zu einer schändlichen Verleumdung hätte geben können, da er in so jungen Jahren nicht allein Männer, sondern auch Frauen in der Religion unterrichtete, zu benehmen, bestimmen, den Ausspruch des Erlösers wirklich an sich zu vollziehen. Er suchte zwar dieß vor dem großen Haufen seiner Schüler geheim zn halten, allein es war ihm, so sehr er es auch wollte, nicht möglich, eine solche That zu verbergen. Wie nun später Demetrius, als welcher der Gemeinde zn Alexandrien vorstand, den Vorgang erfuhr, bewunderte er den Origenes sehr wegen dieses kühnen Entschlusses, lobte seinen Eifer und seinen echten Glauben, ermahnte ihn sogleich, guten Mn- lhes zu seyu, und forderte ihn auf, nun noch desto fleißiger sein Lehramt zu verwalten. So dachte Demetrius damals. Nicht lange nachher aber, als er sah, daß Origenes guten Fortgang hatte und bei Allen groß, angesehen und berühmt war, begegnete ihm etwas Menschliches und er suchte in seiuem Schreiben an die Bischöfe in allen Theilen der Welt die That deS Origenes als eine höchst unsinnige darzustellen, hauptsächlich, weil die namhaftesten und angesehensten Bischöfe in Palästina, nämlich die von Cäsarea und Jerusalem,(2) ihn aller Ehre und der höchsten Vorzüge für würdig geachtet und daher durch Auflegung der Hände zum Presbyter gemacht hatten. Da nun Origenes zu einem großen Ansehen gelangte und sich bei Je- dermann allenthalben einen Namen machte und einen hohen Nnhm der Tugend Schriften schon im vorigen Buche gehandelt worden ist, so dürste man wohl mit ValcsiuS und Andern mit Recht schließen, daß Eusebius nicht die letzte Hand an dieses Werk gelegt hat. ll) Matth. Ig, t2. (2) Dieß war nämlich die vornehmste Ursache, die den Demetrius wider Origenes aufbrachte, daß er sich von auswärtigen Bischöfen u.nd nicht von Hin zum Presbyter hatte vrdmiren Nähen. Du Valois wirst hier die Frage auf: Warum er von zwei Bischöfen zugleich oidinirt worden, und glaubt, es sey geschehen, um den Origcnes desto mehr dadurch zu ehren. Mir ist es aber wahrscheinlicher, daß es zur Vermeidung des Rangstreits, der sonst zwischen den Bischöfen zu Cäsarea und Jerusalem obwaltete, geschehen sey. Wir finden beide öfter gewcinschastlich handflg. Strosth. . .... Severus. Karakalla. I. Chr. 206^ 211. Aephyrluus. 201 und Weisheit sich erwarb, so machte ihn Demetrius, da er sonst nichts gegen ihn vorzubringen wußte, schon die langein seinen jüngernJahren vollbrachte That zu einem harten Vorwurfe und unterstand sich auch noch, seine Anklage ans diejenigen auszudehnen, die ihn zum Presbyter erhoben hatten. Jndeß dies; geschah erst einige Zeit nachher. Damals aber verrichtete Origenes das Geschäft des Unterrichts in der Religion bei Allen, die zu ihm kamen, ohne Scheu bei Tag und bei Nacht und widmete seine ganze Zeit auf das Unermüdetste dem Studium der Religion und seinen Schulern. Nachdem Severus 18 Jahre lang Kaiser gewesen war, folgte ihm sein Sohn Antoninns (1) auf dem Throne. Damals wurde Alexander, dessen wir so eben erst als Bischof zu Jerusalem gedacht haben , (2) der einer von denjenigen war, welche in der Verfolgung standhaft sich erwiesen hatten und nach den im Bekenntniß ausgestandenen Kämpfen durch die Vorsehung Gottes erhalten worden waren, als ein Mann, welcher durch das Bekenntniß Christi sich ausgezeichnet, des erwähnten Bischums für würdig geachtet, obgleich Narcissns , der vor ihm Bischof daselbst gewesen war, noch am Leben war. Neuntes Haupt stück. Von den Wundern des Narcissns. Unrer mehreren andern Wundern, welche die Bürger der dortigen Gemeinde als aus einer von den Brüdern von Mund zu Mund fortgepflanzten Ueberlieferung von diesem Narcissns berichten, wissen sie auch folgendes Wunder, das von ihm bewirkt wurde, zu erzählen. Einstens soll es in der großen Nachtweihe des Osterfestes (Z) den Diakonen'an Oel gefehlt haben. Da deßhaib in der ganzen Gemeinde eine große Bekümmernis; entstanden, so habe Narcissns denjenigen, welche die Lichter zu besorgen hatten, befohlen , Wasser aus einein in der Nähe befindlichen Brunnen zu schöpfen und ihm zu bringen. Dieß sey ohne Verzug geschehen. Narcissns habe nun über das Wasser gebetet und im wahren Glauben an den Herrn ihnen befohlen , dasselbe in die Lampen zu gießen. Wie sie auch dieß gethan, habe sich wider den Lauf der Natur durch göttliche und wunderthätige Kraft die Natur des Wassers iu die des fetten Oels verwandelt. Und von da an bis auf unsere Tage soll man noch diese lange Zeit hindurch eine kleine Probe (1) Sein vollständiger Name ist M. Aurelius Antoninus Bassicmus, er wird aber gewöhnlich unter dem Namen Karakalla, welchen er von einer langen gallischen Kleidung, Karacalla genannt, die er unter das Volk vcrthcilen ließ, erhielt. ,2) Nämlich, da er vorher gesagt hatte, Origenes sey von den Bischöfen zu Casaren und Jerusalem zum Presbyter ordinirt worden. Daß hier unter dem Bischof von Jerusalem Alexander zu verstehen sey, 'sehen wir unten aus Hauptstück 19, wo auch zugleich Meoktistus als Bischof zu Casaren genannt wird. >3» Die Ostcrm'gilie gehörte unter die größten und ältesten Solennitäten des christlichen Glaubens. Man erwartete i» derselben die Ankunft des Herrn zum Gerichte und suchte sich daher durch Fasten, Beten und Singen und andere geistlichen Hebungen zum würdigen Empfange desselben vorzubereiten. 202 Karakt,IIa. Jahr Christus 211. ZephyrinuS. dieses Wunders bei sehr vielen Brüdern aufgehoben haben. Sie erzählen auch noch sehr viele andere merkwürdige Begebenheiten aus dem Leben dieses Mannes, worunter auch Folgendes gehört. Einige elende Wichte konnten sein strenges und festes Benehmen nicht ertragen. Sie schmiedeten daher aus Furcht, ste möchten einmal ertappt und bestraft werden, weil sie sich viel Böses bewußt waren, einen Anschlag wider ihn, um ihm zuvorzukommen. Sie verbreiteten eine schreckliche Verleumdung wider ihn und bestätigten, um sich bei deuen, die es hörten, Glauben zu verschaffen, ihre Beschuldigung mit Eidschwüren. Der Eine schwur, er wolle verbrennen, der Andere, eine garstige Krankheit(l) solle seinen Körper aufreiben, derDritte, er wolle das Gesieht verlieren. Allein gleichwohl, trotz aller ihrer Schwüre, achtete doch kein Gläubiger auf sie, weil die Ehrbarkeit und der tugendvolle Wandel desNarciffus Allen von jeher einleuchtend war. Er selbst aber entfernte sich, da er die Bosheit der gegen ihn ausgesprengten Reden nicht ertragen konnte undauch sonst schon seit langerJeit ein philosophisches Leben liebgewonnen hatte, von seiner ganzen Gemeinde und hielt sich mehrere Jahre lang in Einöden und abgelegenen Gegenden in der Verborgenheit auf. Jndcß das große Auge der Gerechtigkeit schaute diesen Handlungen nicht gleichgültig zu, sondern bestrafte die Gottlosen bald genug mit dem Verderben, dem sie sich selbst durch ihren Meineid verfällt hatten. Der Erste verbrannte mit seiner ganzen Familie bei Nacht, da ein kleiner Funke, der von selbst abgefallen war, das ganze Haus, worin er wohnte, in Flammen setzte. Der Andere wurde plötzlich am ganzen Körper vom Kopf bis zu den Fußsohlen herab von der Krankheit ergriffen, die er sich selbst als Strafe zuerkannt habe. Der Dritte, da er das Schicksal der beiden andern sah und vor der unentrinnbaren Strafe des allsehenden Gottes zitterte, bekannte zwar Allen die von ihnen begangene Schlechtigkeit, härmte sich aber vor Reue und Kummer so sehr ab und hörte nicht eher auf zu weinen, als bis er beide Augen verloren hatte. So wurden diese also für ihre Lügen bestraft. Zehntes Hanptstück. Von den Bischöfen zu Jerusalem. Wie Neercissus sich wegbegcben hatte und man im geringsten nicht um seinen Aufenthalt wußte, fanden es die Vorsteher der benachbarten Gemeinden für gut, zu r Wahl eines neuen Bischofs zu schreiten. Dieß war Dius; allein er hatte noch nicht lange der Gemeinde vorgestanden, als Germanien und nach diesem Gordius sein Nachfolger wurde. Unter diesem kam plötzlich , als wie von den Tobten auferstanden, Narcisfus wiederum zum Vorschein und wurde von den Brüdern, welche alle ihn jetzt in noch höherem (1) Darunter ist wohl der Aussatz zu versteh»». Karakalla. Jahr Christus 211 —21Z. Zepbyrmus. 203 Grade, sowohl wegen seiner Entfernung und philosophischen Lebensart, als auch besonders, weil Gott selbst sein Rächer gewesen, bewunderten, zur Wiederbesteignng des Bischofssitzes eingeladen. Eilftes Hauptftück. Von Alexander. Da aber Narcissns seines weit vorgerückten Zitters wegen nicht mehr sein Amt zu verrichten im Stande war, so berief die göttliche Vorsehung den bereits erwähnten Alexander, welcher Bischof einer andern Gemeinde war, durch eine ihm Nachtö in einem Gesichte gewordene Offenbarung zu gemeinschaftlicher Verwaltung des Bisthums mit Narcissns. Dieser nun, als einem göttlichen Ausspruche zufolge, unternahm die Reise von Kappadocien, wo er vorher Bischof war, nach Jerusalem, um daselbst sein Gebet zu verrichten und die heiligen Oerter zu besuchen. (1) Die dortigen Bruder nahmen ihn auf das Freundschaftlichste auf und ließen ihn nicht mehr nach Hause zurückkehren, bewogen dazu ebenfalls durch eine Offenbarung, die des Nachts bei ihnen gesehen worden war, wobei die Frömmsten unter ihnen ganz deutlich eine Stimme vernommen hatten, welche ihnen befahl, vor das Thor hinauszugehen und den ihnen von Gott ausersehenen Bischof zu empfangen. Nachdem sie dies; mit Einstimmung der Bischöfe der benachbarten Gemeinden (2) gcthan hatten, nölhigten sie ihn mit Gewalt zum Dableiben. Alexander erwähnt auch selbst in seinem noch jetzt unter uns vorhandenen Briefe an die Autinviten(Z) seiner gemeinschaftlichen Verwaltung des Bisthums mit NarcissuS, indem er am Ende dieses Briefes also schreibt: „Es grüßt euch Narcissns, jetzt 106 Jahre alt, „welcher vor mir das hiesige Bisthum verwaltet hat und mir noch jetzt im „Gebete beisteht und ermahnt euch, mit mir einig zu sehn." So weit hievon. Nachdem Serapion, der Bischof der Gemeinde zu Antiochien, zur Ruhe eingegangen war, wurde Asklepiades sein Nachfolger, (ä) der sich ebenfalls durch Bekenntnis; zur Zeit der Verfolgung ausgezeichnet hatte. Seiner Einsetzung in dieses Amt gedenkt auch Alexander, wenn er an die Antivchier folgendermaßen schreibt: „Alexander, ein Knecht und Gebundener Jesu (1) Meß ist das erste Beispiel, daß ein Christ mit einer Art von Andacht die heiligen Oerter im gelobten Land besuüte. (2) Hieronymus in seinem Verzeichnis der Kirchcnschriststellcr und Nicephorus sagen, daß Narcnnls selbst hierein gewilligt habe, welches ohne Zweifel wahr ist. Denn wider seinen Willen kann einem Bischof kein Gehulfe gegeben werden. Sonst sind bei dieser Wahl des Alexander »och zwei Fehler wider die Kirchcnregel begangen worden. Einmal, daß Alexander von cincm Bisthum in das andere versetzt wurde; fürs Andere, daß einem noch lebenden Bischof ein Gehülfe und Mitbischof gesetzt wurde. Und dicß ist das erste Beispiel von einem Coadjutor eines Bischofs. Valesius. tss» Die Einwohner der Stadt Antinoia oder Antinopolis in Mittelägypten. (4l Dieses Umstandcs erwähnt Eusebius hier zu spät. Es geschah noch vor der Einsetzung Alexanders zu Jerusalem und noch unter der Regierung des Severus, obgleich Eusebius in seiner Chronik es ins Jahr 212 setzt. Stroth. 20-t Karakalla. Jahr ChristuS 21Z. Zophyrinus. „Christi, der seligen Gemeinde zu Antiochien seinen in dem Herrn. Der „Herr hat mir zur Zeit meiner Gefangenschaft meine Fesseln leicht und „erträglich gemacht dadurch, daß ich erfahren habe, daß der tugendhafte „Asklepiades nach Verdienst seines Glanbens durch die göttliche Vorsehung „das Bisthnm bei eurer heiligen Gemeinde zu Antiochien überkommen hat." Er bemerkt dabei, daß er diesen Brief durch KlemeuS abgeschickt habe, wönu er am Schlüsse desselben also schreibt: „Diesen Brief, meine Herrn (1) Brn- „der, schicke ich euch durch den seligen Presbyter Klemens, (2) einen tugendhaften und bewährten Mann, den ihr schon kennt und noch näher kennen „lernen werdet. Er ist nach der Fügung und dem Willen des Herrn hier „gewesen und hat die Gemeinde des Herrn gestärkt, ihre Kenntniß erweitert." Zwölftes Hauptstück. Von Serapion und seinen noch vorhandenen Schriften. Von der schriftstellerischen Thätigkeit des Serapion sind wahrschein» licherweise bei Andern noch verschiedene andere Denkmäler übrig; uns aber sind nur folgende bekannt geworden: ein Aufsatz an einen gewissen Dom- ninns, der znr Zeit der Verfolgung vom christlichen Glanben zur jüdischen geistlichen selbst erwählten Heiligkeit abfiel. Briefe an Pontius und Kari- kns, zwei rechtgläubige Männer, und noch andere Briefe an Andere. Ueber- dieß ist auch noch eine Schrift über das sogenannte Evangelium Petri (5) von ihm vorhanden, welche er zu Widerlegung des darin enthaltenen Falschen wegen einiger Mitglieder der Gemeinde zn Rvssus(4) verfaßt hat, die aus Veranlassung des gedachten Buches auf falsche Lehren verfallen waren. Ich halte es für zweckmäßig," einige wenige Worte, worin er seine Ansicht von diesem Buche darlegt, aus dieser Schrift anzuführen. „Wir, meine Brü- „der," heißt eS darin, „nehmen Petrus und die andern Apostel so gut an, „als Christum, die ihnen fälschlich zugeschriebenen Schriften aber verwerfen „wir als Sachverständige, indem wir wohl wissen, daß wir dergleichen nicht „gelehrt worden sind. Denn als ich bei euch war, glaubte ich, daß ihr Alle den „rechten Glauben haltet, wcßhalb ich denn, ohne das mir vorgelegte, deu (t) Wenn in den frühern Zeiten des römischen Staats das Wort „Herr" nur im Lcrhältniß zum Sklaven gebraucht wurde, so finden wir es in den Zeiten der Kaiser als Ehrenwort gebraucht (man vergleiche Epikct K. 40), als welches es namentlich auch die Geistlichen von einander gebrauchten. (2) Hieronymus glaubt, daß Alexander hier vom alerandrinischen Klemens rede. Gewiß ist es, daß Klemens bis zu den Zeiten des Severus gelebt und sich in den dortigen Gegenden aufgehalten hat, wie er selbst im ersten Buche seiner vermischten Abhandlungen bezeugt. Außerdem war er auch ein Freund Alexanders, dem er das Buch von der Kir- chcnrcgcl oder wider die Jüdischgesinnicn zugeschrieben, wie Eusebius unten Hauptstück 13. schreibt. Wales! us. (Z) Man sehe von diesem apokryphischen Evangelium Petri oben Buch 3, Hauptstück Z. und 23. Es versteht sich von selbst, daß hier nicht vom Evangelium Marci die Rede ist, welches sonst von einigen Alten auch das Evangelium Petri genannt wurde. (4) Eine Stadt in Cilicien. Karakalla. Jahr ChristuS 215. Zephyrinns. 205 „Namen Petri führende Evangelium durchzugehen, sagte: wenn es dies; allein „ist, was euch Mißvergnügen zu machen scheint, somag es immerhin vorgelesen „werden. Nun aber, da ich ans dem , was mir gesagt worden, erfahren „habe, daß sie von einer gewissen Ketzerei befangen sind, so werde ich eilen, „wiederum bei euch zu seyn; daher erwartet mich, geliebte Brüder, in „Bälde. Es ist euch, meine Brüder, bekannt, von welcher Sekte Marcia- „uns gewesen, und wie er sich selbst widersprochen hat, nicht wissend, was er „redete, und ihr werdet es auch ans dem, waö ich euch geschrieben habe, „erfahren. Denn wir konnten von Einigen, welche gerade die>es Evangeliums häufig sich bedienten, das heißt, von den Nachfolgern der Stifter „der Partei, zu welcher sich Marcianus hält, die wir Dokcten(l) nennen (denn „ihre meisten Meinungen sind aus dieser Schule), dasselbe entlehnen und „hier durchgehen. Wir haben zwar das Meiste mit der wahren Lehre des „Herrn übereinstimmend, Verschiedenes aber auch davon abweichend gefunden und dieses fügen wir auch hier bei.« So weit von den Schriften Serapions. Dreizehntes Hauptstück. Von den Schriften des Klemens. Von Klemens haben wir noch seine sämmtlichen acht Bücher vermischter Abhandlungen, welchen er folgenden Titel gab : „Des TitnS „Flavias Klemens vermischte Abhandlungen, enthaltend vernünftige Aus» „sätze über die wahre Philosophie.« Der Zahl nach eben so viel sind seine Bücher, welche den Titel En twürfe führen. Er erwähnt darin namentlich des Pantänus als seines Lehrers und führt an, was dieser von den Alten geHort und wiederum seinen Schülern mitgetheilt habe. Auch besitzen wir von ihm eine Ermahnungsschrift an die Griechen, so wie drei Bücher unter dem Titel: Der Lehrer; ferner ein Buch mit der Ueberschrift: (-1) Dieser Name ist hier zuerst von Serapion gebraucht. Es werden darunter solche Leute verstanden, welche sagten, Christus scy nur er Fvxhcree, dem Scheine nach, Mensch gewesen. Man nannte sie auch Phantasiastcn, Phatasiadokesen, weil sie den Körper für ein bloßes Ptti-rcrerzio:, cwc Erscheinung ohne Realität, hielten; bei den lateinischen Schriftstellern hießen sie upiniarii, Der Dosetismus ist indeß keine besondere Sekte, wie man sonst, besonders auf das Aeugniß des Klemens, der den Kassianus für den Stifter ausgibt, angenommen hat, sondern er ist nur eine besondere Seite des Gnosiicismus, die rein idealistische oder eigentlich phantastische Richtung desselben. Nach der gewöhnlichen Lehre der meiste» Gnostiker konnte ein höherer Geist, da die Materie ein Gegensatz gegen den Geist entweder des an sich Bösen ist oder nur des an sich Unselbstständigcn, der Realität ermangelnde Bild des Geistes, in täuschenden sinnli'chcn Formen sich darstellen. Daher wurde auch von der Verbindung Christi mit einem menschlichen Körper behauptet, sie beruhe auf einem bloßen Scheine und die ganze menschliche Erscheinung Christi sey eine bloße Bision gewesen. Die älteste Spur des Dokctismus überhaupt findet sich schon Tobias IL, lS, In seiner Beziehung zum Christenthum wird der Doketismus von dem Apostel Johannes an mehreren Stellen bestritten (man vergleiche Brief 1 Brief t. l, 2. 4, Z., 2 Brief 7). Daher dringt er mit so großem Nachdruck darauf, er bezeuge, was er gesehen und gehört, um damit das wahrhaft Menschliche in der Person und Erscheinung Christi zu bestätigen (vcrgl. Evangel. IS, 34). 2NN Kaxakalla. Jahr Christus 21?. Zcphyrinus. Wer ist derReiche, d er selig wir d? ein Buch vom Passahfest und Gespräche über das Fasten, weiter ein Buch über die Verl en m d nn g und eine E rm a h n n n g z n r S t a n d h a f t i g ke i t oder an dieNen- getauften, endlich den sogenannten Kirchenkanon oder wider die I ü di sch g es i n n te n, welches Buch er dem oben erwähnten Bischof Alexander zueignete. An seinen vermischten Abhandlungen sind nicht nur verschiedene Stellen aus der heiligen Schrift eingestreut, sondern Klemens fuhrt auch ans den Schriften der Griechen, was ihm darin nützlich schien, an und entwickelt darin die verschiedenen Lehrmeinungen der Griechen, wie der Barbaren. Ueberdieß widerlegt er die irrigen Lehren der Sekteustifter, so wie er auch darin eine große Geschichtökenntniß entfaltet und uns dadurch einen reichlichen Stoff zur Erweiterung unserer Kenntniß liefert. Daneben webt er auch noch die Lehrmeinungen der Philosophen ein, so daß er den Titel: „Vermischte Abhandlungen" dem Inhalte ganz entsprechend gewählt hat. Er bedient sich darin auch der Zeugnisse aus den widcrsprochenen Büchern, nämlich aus der sogenannten Weisheit Solomons, dem Buche des Jesus, des Sohnes Sirach, dem Briefe an die Hebräer, so wie aus dem Briefe des Barnabas, des Klemens und des Judas. Er erwähnt auch der Schrift des Tatianus wider di.e Griechen und des Kassianuö, daß er eine Chronik geschrieben, ferner der jüdischen Schriftsteller Philo, Aristobolus, (1) Jo- sephus, Demetrius u nd Eupolemus, daß diese sämmtlich den Moses und die jüdische Nation weit über daS Alterthum der Griechen hinaussetzen. Die gedachten Schriften dieses Mannes sind aber auch noch reich an anderem Wissenswürdigen. In der ersten derselben bemerkt er in Betreff seiner selbst, daß er den ersten Nachfolgern der Apostel noch ganz nahe gestanden sey. Er verspricht in denselben, auch eine Auslegung über das erste Buch Mosis zu schreiben und sagt in seinen Schriften über das Passahfest, daß er von seinen Freunden gedrungen worden, die Ueberlieferungen, welche er von den alten Prusbytern geHort, auf die Nachwelt schriftlich fortzupflanzen. In derselben Schrift erwähnt er auch des Mellto, Jrenäus und einiger Andern , aus welchen er auch Stellen anführt. Vierzehntes Hauptstück. Wie vieler Bücher der heiligen Schrift Klemens erwähnt. In seineu Entwürfen gibt Klemens, kurz zu sagen, einen kurzen Auszug aus allen kanonischen Büchern der heiligen Schrift, ohne auch nur die widersprochenen — ich meine den Brief Judä und die übrigen katholischen (t) Dich ist der aristotelische Philosoph Aristobulos, der Auslegungen des Gesetzes Mosis an den Ptolcmäus Philometor geschrieben, wie Eusebius in seiner Chronik meidet. Aus diesen fuhrt Eusebius im achten Buche seiner evangelischen Vorbereitung ein Stück an; auch gedenkt ihrer Origenes im vierten Buche wider den Celsus. Valcsius. Karakalla. Jahr Christus 215. AephyriuuS. 2<17 Briefe, (1) so wie den Brirf des Barnabas und die Offenbarung des Petrus — auszuschließen. Von dem Briefe an die Hebräer nimmt er zwar den Paulus als Verfasser an, behauptet aber, er sey an die Hebräer in hebräischer Sprache geschrieben, von Lukas jedoch mit großem Fleiß übersetzt und für die Griechen herausgegeben worden. Daher komme es, daß sich in der Uebersetzung des Briefes einerlei Ton und Färbung des Ausdruckes, wie in der Apostelgeschichte, finden. Daß demselben aber nicht die Worte: Paulus, ein Apostel, vorgesetzt worden, habe seinen guten Grund. Dann da Paulus an die Hebräer geschrieben, welche voll von Vorurtheilen und von Argwohn gegen ihn eingenommen waren, so sey es höchst klug gewesen, daß er sie nicht gleich im Anfange durch Voransetzung seines Namens zurückgescheut habe. Etwas weiterhin fügt Klemens noch Folgend«'' bei: „Da ferner, wie der selige Presbyter (2) zu erzählen pflegte, der Herr als „Apostel des allmächtigen Gottes an die Hebräer gesandt war, so nennt sich »Paulus, als für die Heiden bestimmter Apostel, aus Demuth nicht selbst „einen Apostel der Hebräer, theils aus Ehrfurcht gegen den Äerru, theils „weil er, da er ein Lehrer und Apostel der Heiden war, ohne eigentlichen „Berns dazu zu haben, an die Hebräer schrieb.« Ferner führt Klemens in derselben Schrift eine Ueberlieferung in Betreff der Ordnung der Evangelien an, die er von den alten Presbytern gehört hatte, und die folgendermaßen lautet: „Diejenigen Evangelien, welche die Genealogien enthielten, seyen „zuerst geschrieben worden. Mit dem Ursprung des Evangeliums Marci „aber verhalte es sich folgendermaßen. Als Petrus öffentlich zu Rom ge- „predigt und durch den Geist das Evangelium bekannt gemacht, so hätten „die zahlreichen Anwesenden den Markus, sintemal dieser den Petrus schon „seit langer Zeit begleitet hatte und sich seiner Vorträge erinnern mußte, „gebeten, das, was Petrus gesagt, aufzuschreiben. Markus habe nun „hierauf sein Evangelium verfaßt und es denen, die ihn darum gebeten, „mitgetheilt. Wie Petrus dieß erfahren, habe er ihn weder geflissentlich „davon abgehalten, noch dazu ermuntert. Als Johannes, der letzte, bemerkt habe, daß Jenes, was an dem Herrn Menschliches ist, in den „Evangelien ausführlich abgehandelt sey, so habe er auf dringende Bitte „seiner Freunde mit göttlicher Geisteserhebung ein geistiges Evangelium verfaßt.« So weit Klemens. Dieses Klemens, so wie des Panlänns, gedenkt der vorhin erwähnte Alexander in einem Briefe an Origenes als seiner Bekannten. Seine Worte lauten also: „Denn dieß ist auch, wie du weißt, (1) Diese hier genannten Bücher standen also zu den Zeiten des Eusebius noch alle in gleichem Range und Ansehen. Den allgemeinen Ausdruck: katholische Briefe aber scheint er nur der Kürze wegen gebraucht zu haben, so daß der erste Brief Johannis und Petri, die er sonst angezweifelt kanonisch nennt, davon auszunehmen sind. Uebrigens, da Klemens so viele unechte Bücher als kanonisch braucht, so kann man die ganze natürliche Folge daraus herleiten, daß sein Zeugniß für die Echtheit und Göttlichkeit eines Buches von gar keinem Gewicht sey. Stroth. s2) Man nimmt gewöhnlich an, dieß sey Pantänus, allein diese Annahme ist keineswegs ganz sicher. 208 Karakalia. Jahr ChrisruS 215. Zephyrinus. „der Wille Gottes, daß unsere von den Vorfahren herstammende Freund- „schaft unverletzt bleibe, ja, noch wärmer und fester werde. Denn wir „erkennen jene seligen Männer, welche uns vorausgegangen sind und bei „welchen wir in kurzer Zeit wieder sehn werden, als unsere Väter, näm- „lich den wahrhaft seligen Herrn Pantänus und den heiligen Klemens, „der mein Meister wurde und mir genützt hat, und wer sonst noch zu „diesen Männern gehört, durch welche ich dich, mein vortrefflichster Herr „und Bruder, kennen gelernt habe." So weit hievon. AdamantiuS (1) aber — denn auch diesen Namen führte OrigeneS — sagt selbst an irgend einer Stelle, daß er, während Zephyrinus der römischen Kirche vorstand, zu Rom gewesen sey, weil er die dortige uralte Kirche zu sehen wünschte. Er kehrte aber nach einem nicht sehr langen Aufenthalte in dieser Stadt wieder nach Alexandrien zurück. Hier wartete er wieder seinen gewöhnlichen Katechetennnterricht mit allem Fleiße ab und noch damals ermunterte, ja, flehte ihn beinahe der dortige Bischof Demetrius an, er möchte unverdrossen zum Nutzen der Brüder arbeiten. Fünfzehntes Hauptstürk. Bon Heraklas. Wie aber Origeneö sah, daß er dem gründlichen Studium der Theologie und der Untersuchung und der Erklärung der heiligen Schrift benebst der Unterweisung derer, welche als Schüler zu ihm kamen und ihn nicht zu Alhem kommen ließen, da vom Mvrgen bis zum Abend immer die Einen nach den Andern seine Schule besuchten, nicht gewachsen war, so theilte er die ganze Menge in zwei Theile und erwählte sich aus dem Kreise seiner Feunde den Heraklas, der neben sonstiger Gelehrsamkeit auch in der Theologie bewandert und in der Philosophie keineswegs ein Fremdling war und machte ihn zu seinem Gehülfen beim Unterrichte. Diesem übertrug er die erste Unterweisung derer, die noch in den Anfangsgründen unterrichtet wurden; sich selbst aber behielt er den Unterricht der mehr Fortgeschrittenen vor. Sechzehntes H a u p t st ü ck. Welchen Fleiß Origenes auf die heilige Schrift verwandt. Origenes widmete aber dem Studium der heiligen Schrift einen solchen Fleiß und eine so große Sorgfalt, daß er sogar die hebräische (t) Eigentlich: der Diamantus. Dem Origenes soll dieser Beiname wegen seines unermüdeten eisernen Fleißes beigelegt worden scyn, wiewohl aus unserer Stelle hervorzugehen scheint, daß er denselben von Anfang an führte. Karakallcr. Jahr Christus 217. ZephyrinuS. 209 Sprache erlernte (1) und sich die bei den Inden befindlichen, mit hebräischen Buchstaben geschriebenen Urtexte zu eigen anschaffte. Auch suchte er die Ausgaben der andern, welche außer den I-XX die heilige Schrift überseht hatten, auf, fand wirklich einige andere Ausgaben außer den bekannten des Aguilas, Symmachus und Theodolion in irgend einem unbekannten Winkel, und zog sie aus langer Verborgenheit an das Tageslicht hervor. Da ihm ihre Verfasser völlig unbekannt waren, so bemerkt er bloß, daß er die eine derselben in Nikopolis bei Aktium(2) die andere aber an irgend einem andern Orte aufgefunden habe. In den Hexaplen der Psalmen setzt er außer den bekannten vier Ausgaben nicht nur eine fünfte, sondern auch eine sechste und siebente bei, und bemerkt bei einer derselben wiederum, daß er sie zu Jericho in einem Fasse zu den Zeiten des An- toninus, des Sohnes des Severus, gefunden habe. Diese alle nahm er zusammen, theilte sie in Verse ab, setzte sie neben einander nebst dem hebräischen Texte und hinterließ uns also darin die Handschriften der sogenannten Hexaplen. UcbrigenS veranstaltete er noch eine besondere Ausgabe des Aquilas, Symmachus und Theodolion nebst den I-XX in den Tetrapeln. (3) Siebzehntes Hauptstück. Von dem Ucbersetzer Spmmachns, Von einem dieser Uebersctzer, nämlich von Symmachus, ist zu bemerken, daß er ein Ebionäer gewesen ist. Die sogenannte Sekte der Ebionäcr aber besteht, wie wir schon ans dem Vorhergehenden^) dieser Geschichte wissen, aus denjenigen, welche behaupten, Christus sey der Sohn des Joseph und der Maria, also glauben, er setz ein bloßer Mensch gewesen, und die daneben glauben, man müsse das Gesetz auf streng jüdische Weise beobachten. Auch ist von Stzmmachns noch jetzt ein Kommentar, den er über das Evangelium Matthäi(S) geschrieben, vorhanden, worin er (t) Die Kenntniß des Hebräischen wer keine so gewöhnliche Sache bei den alten Kirchenlehrern. Daher wird es auch unter 7, 32 von Dorotheus gerühmt, daß er Hebräisch verstanden habe. (2) Ein Vorgebirge in der Landschaft Akarnanicn in Griechenland. (3) Indem über das Nähere dieser nur noch in kleinen Bruchstücken vorhandenen Hcxapcln und Tetrapeln die Einleitungen in das alte Testament nachgesehen werden müssen, ist nur zu bemerken, daß diese Namen bloß aus die Zahl der Kolumnen mit griechischen Ucbcrsctzungen sich bezogen, ohne daß der doppelte, nämlich einmal mit hebräischen, das anderem«! mit griechischen Buchstaben geschriebene und diesen Ucbersetzungcn zur Seite gestellte Text gerechnet wurde. Tctrapla hieß das Werk, wenn darin die Ucber- sctzungen der 7V, des Aquila, Symmachus und Theodolion kolumncnwcisr zusammengestellt wurden, Herapla aber, wenn zu diesen noch zwei andere, die fünfte und sechste Ausgabe (darunter ist Uebcrsetzung verstanden), wen» sie auch nicht die ganze Bibel umfaßten, kamen. Da aber spätere nicht auf die griechischen Uebersctzer allein Rücksicht »ahmen, sondern auf alle Kolumnen überhaupt, folglich auch auf die beiden hebräischen, so hießen sie die eigentliche Tetrapla Hexapla und die eigentliche Herapla Octapla. Kam noch in einigen Büchern rine siebente Uebcrsetzung hinzu, so hieß das Werk Enncapla. (4) Siehe oben 3, 27. (5) Darunter ist wohl nicht unser kanonisches Evangeliuni Matthäi, sondern vcr- muthlich das demselben ähnliche, von Eusebius 3, 25 angeführte und nach ihm 3, 27 hauptsächlich von den Ebionitcn gebrauchte Evangelium der Hebräer zu verstehen. Eusebius Kirchengeschichte. j4 210 Karakalla. Jahr Christuö 217. Zephyrinus. die erwähnte Sekte vertheidigt. Origenes erzählt, daß er diese Schriften des Symmachns mit noch andern seiner Auslegungen der heiligen Schrift von einer gewissen Juliana erhalten habe, die, wie er sagt, sie von Symmachns selbst geerbt hatte. Achtzehntes Hauptstück. Von Ambrosius. Um diese Zeit trat auch Ambrosius, ein Anhänger der valentinischen Sekte, durch die von Origenes gepredigte Wahrheit überzeugt, und in seinem Innern gleichsam wie von einem Lichte erleuchtet, zur rechtgläubigen Lehre der Kirche über. Auch mehrere andere gelehrte Männer kamen, bewogen von seinem weit verbreiteten Ruhm zu OrigeneS, um Proben von seinen ausgezeichneten theologischen Kenntnissen zu erhalten, so wie auch unzählig viele Ketzer und nicht wenige der ausgezeichnetsten Philosophen voll Eifers ihm zuhörten und außer der Theologie fast auch in der heidnischen Philosophie von ihm unterrichtet wurden. Denn diejenigen, an welchen er gute Anlagen bemerkte, führte er auch in die philosophischen Wissenschaften ein, trug ihnen die Geometrie, Arithmetik und die andern Vvrbereitungswissenschaften vor, machte sie mit den verschiedenen Systemen der Philosophen bekannt, erklärte deren Schriften, begleitete sie mit Anmerkungen und stellte Betrachtungen darüber an, so daß er auch selbst bei den Griechen sich den Ruhm eines großen Philosophen erwarb. Auch viele vou den minder Gebildeten bewog er zur Erlernung der gewöhnlichen Schulwissenschasten, indem er ihnen vorstellte, daß dieselben zum Verstandniß und zu der Erklärung der heiligen Schrift sehr förderlich seyen. Daher hielt er denn auch selbst das Studium der weltlichen und philosophischen Wissenschaften für unentbehrlich. Neunzehntes Hauptstüek. Zeugnisse von Origenes. Zeugen von seinen ausgezeichneten Kenntnissen in diesen Wissenschaften sind selbst diejenigen griechischen Philosophen, welche zu seiner Zeit geblüht haben und in deren Schriften wir den Origenes häufig angeführt finden. Einige von ihnen widmeten ihm ihre Werke, Andere schickten ihm, als ihrem Lehrer, ihre Arbeiten zur Benrtheilung zu. Doch was soll ich davon sprechen, da Porphyrius, (1) welcher noch zu unserer Zeit in (t) Porphyrius oder Malchus aus Syrien (geb. 233, gest. 344), ein Schüler deS bcrühmren Ncuplatonikcrs Plotinus, war einer der gelehrtesten Bekämpfer des Christenthums, dessen Kenntnisse und Talente selbst seine Gegner hochachteten. Wir haben noch verschiedene Schriften von ihm, aber seine 1ö Bücher wider die Christen, deren Vertilgung von dm christlichen Kaisern Konstantin und Theodosius durch scharfe Befehle geboten wurde, haben sich so wenig als die des unten angeführten Celsus erhalten. Karakalla. Jahr Christus 217. Zephyrinus. 211 Sicilien gelebt hat, in seinen Schriften wider uns, worin er die heiligen Schriften zn verlästern sucht und die Ausleger derselben anführt, aber» da er unserer Lehre nichts Böses vorwerfen kann, aus Mangel an Gründen seine Zuflucht zum Schimpfen nimmt und die Ausleger zu verlästern sich bestrebt, dieß vorzüglich bei Origenes versucht, von dem er sagt, daß er ihn in seiner Jugend gekannt habe, ihn in der That aber, ohne es zu wissen, empfiehlt, indem er theils, wo er nicht anders konnte, die Wahrheit von ihm sagt, theils, wo er unentdeckt zu bleiben glaubt, sich der Lügen bedient und ihm bald den Vorwus macht, daß er ein Christ sey, bald seine ausgezeichneten Kenntnisse in der Philosophie bewundert und mit Achtung davon spricht. Man höre seine eigenen Worte, welche also lauten: »Einige suchten sich von der Erbärmlichkeit der jüdischen „Schriften (1) nicht loszumachen, sondern zogen es vor, eine Erklärung „derselben zu finden und nahmen daher zu uuzusammenhängenden, dem „Texte widersprechenden Erklärungen, worin sie nicht sowohl Fremdes verteidigten, als ihrer eigenen Lehre Lob und Beifall zu verschaffen snch- ,,ten, ihre Zuflucht. Denn die klaren Worte Mosis geben sie prahlerisch „für Näthsel aus, vergöttern sie als Aussprüche Gottes voll verborgener „Geheimnisse, verblenden durch diesen Dunst die Urtheilskraft und führen „so ihre Auslegungen ein." Sodann sagt Porphyrius etwas weiterhin: „Das ganze Wesen dieser Ungereimtheit kann von einem Manne entglommen werden, mit dem auch ich in meiner frühesten Jugend zusam- „mengetroffen bin, und der damals einen großen Ruhm sich erworben „hatte, so auch wie er noch jetzt durch die Schriften, welche er hinterlassen hat, in einem hohen Ausehen steht, ich meine von Origenes, dessen „Ruhm bei den Lehrern ihrer Religion weit verbreitet ist. Dieser Ori- „geneS war ein Schüler des BmmouiuS, des größten Philosophen unserer „Zeit, und hatte, was wissenschaftliche Kenntnisse anbelangt, den Unterricht seines Lehrers mit großem Nutzen genossen, in Hinficht der Lebens- „grnndsätze aber einen dem Ammonius gerade entgegengesetzten Weg eingeschlagen. Denn Ammonius, der als ein Christ von christlichen Eltern „erzogen worden war, ging, sobald er zu denken und sich mit der Philosophie zu beschäftigen angefangen hatte, alsbald zu der eingeführten „Religion über, Origenes aber, der als ein Grieche in den griechischen „Wissenschaften erzogen war, irrte zu der hebräischen Hartnäckigkeit ab. (2) (1) Der Sinn dieser etwas dunkel» Worte ist folgender: „Die Schriften des Alten Testaments enthalten so alberne Dinge, daß ein vernünftiger Mensch sie unbeachtet lasten sollte; statt dessen aber gcrathcn Einige, die dazu nicht Lust haben und hierunter gehört vorzüglich Origenes, dahin, diesen Schriften durch allegorische Erklärung ein Ansehen von Wichtigkeit zu geben, und die z. B, die Beschaffenheit der Opfer und Priestcrkleider, die Moses mit deutlichen Worten dem Volk vorgeschriebe» und wobei weiter nichts zu denken ist, als was sie dem Buchstaben nach bedeuten, die also auch die übrigen Menschen nicht interessiren, durch Beilegung eines geheimen, höhern göttlichen Beistandes allen Menschen wichtig zu machen suche». Dieß thun sie nicht sowohl den Juden zu Gefallen, als vielmehr zur Unterstützung der christlichen Religion. Stroth. (2) Hartnäckigkeit nennt Porphyrius das Christenthum wegen der Standhaftigkcit und Glaubensfestigkcit seiner Bekenner und der Qualen und Tod, barbarisch aber, weil es nicht griechischen, sondern jüdischen Ursprungs war. , 2i2 Kavakollu. Jahr Chvistuö 217. Zephyrinns. „Dieser sich ergebend, verdarb er sich selbst und seine erlangten Kennl- „nisse, denn sein äußeres Leben war das eines Christen und widergesetzlich, „aber in Bettest seiner Ansicht von den Dingen und von der Gottheit „hegte er griechische Vorstellungen und schob dieselben den fremden Fabe- „lcien unter. Denn Plato war sein immerwährender Gesellschafter, so „wie er sich auch mit den Schriften eines Numenius, Krvnins,(b) Apol- „lophancs, (2) Longinns, (5) Mvderatus, Nikomachns (4) und der berühmtesten Pythagvräcr viel beschäftigte. Auch gebrauchte er die Schriften „des Stoikers Chäremon (5) und des Kornutns. (6) Von diesen lernte „er die allegorische Erklärnngsweise der Geheimnisse der Griechen und trug „sie auf die jüdischen Schriften über." Dies; sagt Porphyrius im dritten Buche seiner Schrift wider die Christen. Was er darin von dem Flciße des Origenes und seiner Gelehrsamkeit spricht, hat seine volle Richtigkeit, aber eine offenbare Unwahrheit erlaubt er-.sich — und wie sollte er nicht, da er gegen die Christen schrieb — wenn er sagt, Origenes sey von den Griechen übergegangen, AmmvninS hingegen von der wahren Religion zum Heidenthnm abgefallen. Denn Origenes blieb nur dem ihm von seinen Vorfahren mitgetheilten Chriftenthnm treu, wie auch aus unserer obigen Erzählung erhellt, und Ammonins bewahrte die gottliche Philosophie rein und unverfälscht bis an sein Ende, (7) wiewohl auch Werke dieses durch seine hinterlassenen Schriften bei den meisten in hohem Ansehen stehenden Mannes noch jetzt beweisen. Z. B. ein Buch mit der Aufschrift: „Von der Uebereinstimmung Mosis und Jesu," und fit Zwei pythogorisch-platonische Philosophen, der crstcre aus Apamca in Syrien und von Origenes und Eusebius mehrmals angeführt. (2) Es ist fast zu vcrmuthen, daß dicß der stoische Philosoph sey, dessen Stephanus Byzantinus bei Antiochia gedenkt und sagt, daß er aus Antiochia in Mesopotamien gebürtig sey. Er wird von Tertullianus äo -mim» onp. 14 und von Diogenes Laertius 7, 32 angeführt. Stroth. (3) Dicß ist Cassius LonginuS, von dem wir noch das Buch vom Erhabenen besitzen. Die Meisten halten ihn für eine» Grammatiker, er war aber auch ein Lehrer der Philosophie, wie außer dem Suidas Bopisküs bezeugt. Er war zu Athen der Lehrer des Porphyrius in der platonischen Philosophie, wie dieser selbst erzählt. Longinus war mit dem Origenes gleichzeitig und noch etwas jünger als dieser, ist auch geraume Zeit nach ihm gestorben. Ich wundere mich daher, warum Porphyrius ihn unter den altern Philosophen nennt, deren Schriften Origenes gelesen. Balesius. Die Lesart Longinus ist ohne Zweifel verdorben und dafür mit Wciske Minus, welches ein Platonikcr war, zu lesen.' (4) Beide Ncu-Pythagorä'er, jener im ersten Jahrh. n. Chr. und geb. aus Gades oder Kadix, dieser im zweiten Jahrh. und geb. aus Gerasa. Beide suchten in der Zahlen- lchre des Pythagoras eine höhere verborgene Weisheit. (5) Das Buch des Chäremon von den Kometen führt Origenes wider den Eclsus an. Dieser Chäremon lehrte zu Alexandrien die Philosophie, wo Dionysius Alex, nach dem Zeugnisse des Suidas sein Nachfolger wurde. Unter den Epigrammen des Martialis befindet sich eines auf ihn, nämlich das 58ste im Ilten Buche, woraus erhellt, daß er zu den Zeiten Trajans gelebt. Balesius. (6) Ebenfalls ein Stoiker. Er war aus der Stadt Lcptis in Afrika gebürtig, lebte vcrmuthlich in der letzten Hälfte des ersten Jahrhunderts und soll Lehrer des Dichters Pcrsius gcweicn scyn. Man hat noch von ihm eine Theorie von der Natur der Götter, lauter Allegorie und meistens sehr übertrieben. (7) Derjenige Ammonins, an welchen Eusebius hier denkt, ist offenbar ein anderer, als der von Porphyrius erwähnte Ammonius Sakkas; es ist wahrscheinlich der Verfasser der Evangclicnharmonke. Karaknlla. Jahr Christus Zl7, ZephyrinuS. 2tS einige andere mehr, welche noch bei den Liebhabern des Schönen und Guten zu finden sind. Dieß möge zum Beweise dienen sowohl der Verleumdung jenes Lügnerö, als auch der reichen Kenntnisse des Origenes auch in den Wissenschaften der Griechen. Hierüber vertheidigt sich On- gcnes selbst in einem Briefe gegen Mehrere, welche ihm wegen des Fleißes, den er auf dieselben verwandte, Borwürfe machten, also: „Da, während „ich mich eifrig mit der Theologie beschäftigte, auf den Ruf, der sich von „meinen Kenntnissen darin verbreitet hatte, manche der Leute, theils „Ketzer, theils solche, welche die griechischen Wissenschaften studirt hatten, „namentlich aber auch Philosophen, zu mir kamen, so beschloß ich, die „Lehrsätze der Ketzer, so wie die Behauptungen der Philosophen von der „Wahrheit zu untersuchen. Ich that dieß nach dem Vorbilde deö Pan- „tänus, der schon vor mir Vielen nützlich gewesen ist, und darin reiche „Kenntnisse besessen hat, so wie des Heraklas, der jetzt im Prcsbyterium „zu Alexandrien sitzt. Den letztern fand ich bei dem Lehrer der philosophischen Wissenschaften, (1) dessen Zuhörer er schon 5 Jahre lang ge- „wesen war, ehe ich nur angefangen hatte, seine Vorträge zu hören. „Er legte daher auch die gewöhnliche Kleidung, welche er bisher getragen „hatte, ab, und den Philosophenmantel an, den er noch immer beibehält, (2) und hört nicht auf, die Bücher der Griechen mit Eifer zu „studiren." Dieß die Rechtfertigung und Vertheidigung des Origenes wegen seiner Beschäftigung mit den Wissenschaften der Griechen. Um diese Zeit, während Origenes sich zu Alexandrien aufhielt, kam ein Soldat und brachte an Demetrius, den Bischof der Gemeinde und an den damaligen Statthalter von Aegypten, Briefe von dem Statthalter von Arabien, (Z) sie möchten den Origenes sobald als möglich zu ihm schicken, damit er ihn unterrichte. Origenes wurde demnach also von ihnen abgeschickt und kam nach Arabien. Nachdem er daselbst den Zweck seiner Sendung in kurzer Zeit erfüllt hatte, kehrte er nach Alexandrien zurück. Nach Verlans einiger Zeit aber, als in dieser Stadt nicht unbedeutende kriegerische Bewegungen (4) ausbrachen, floh Origenes heimlich aus Alexandrien und begab sich, da ihm auch der Aufenthalt in Aegypten nicht sicher genug schien, nach Palästina, (5) wo er seinen Aufenthalt zu Casarea nahm. Hier baten ihn, wiewohl er noch nicht zum Presbyter (1) Dieß war Ammonius. (2) Hieraus erhellt also, daß die Geistlichen damals noch keine besondere Kleidung trugen, da Heraklas, ein Presbyter in der alerandrinischen Gemeinde, der hernach Bischof daselbst war, immer den Philosophenmantel beibehalten hat. (?) So ist wohl ^/LgLiws- ich?zu übersetzen, da auch noch in später Zeit ei» römischer 2 und diesen ins I. 191 gesetzt haben. Stroth. (4) Dieß ist M. Aurclius AntoninuS HeliogabaluS, ein natürlicher Sohn Karakalla's, wie man glaubte. (5) Bei den Lateinern Kalixtus l. (6) Die Später», zuerst Orosius 7, 18. machen sie deßhalb zu einer Christin. 216 Alexander Severus. Jahr Christus 224. Urbauus.^ Kraft der göttlichen Lehre zur Ehre des Herrn und eilte sodann zu seinen gewöhnlichen Beschäftigungen zurück. ZweiundjWanjigstes Ha«ptstück. Welche Schriften des Hippolptus auf uns gekommen. Damals schrieb auch Hippolytus nebst sehr vielen andern Schriften sein Buch vom Osterfest, worin er eine Zeitrechnung und einen ikjahrigen Osterkanon (1) gibt und seine Zeitrechnung mit dem ersten Jahr des Kaisers Alexander schließt. Seine übrigen auf uns gekommenen Schriften sind folgende: Ueber die Schöpfungsgeschichte. — Ueber die Begebenheiten nach de r Sch ö pfu n g sg esch ich tc. (2) — Gegen Marcion. — Ueber das hohe Lied. — Ueber einen Theil des Ezechiel. — Vom Osterfest und Gegen alle Sekten. Ueberdieß kann man auch noch viele andere seiner Schriften hin und wieder antreffen. (3) Dreiund 5 W ag st e s HaUptst ü ck. Von dem Meiste des Origcncs und wie er die Würde eines Presbyter in der Kirche erlaugt. Seit dieser Zeit fing auch Origenes an, seine Kommentarien zur heiligen Schrift zu verfassen, wozu ihn Ambrosius durch unzählige Beweggründe aufmunterte, wobei sich aber dieser nicht auf Worte und Bitten beschränkte, sondern ihn auch mit den reichlichsten Hülfsmitteln '' I. Chr. 232. Pontianus, 17ter Bischof zu Rom. (1) Dieß ist eine Tabelle zur Berechnung des nach Umflust einer bestimmten Anzahl von Jahren mit jedem Jahre zu begehenden Osterfestes. Hippolytus wählte als Standpunkt seiner Berechnung das I. 222, in welchem Alexander Severus seine Regierung antrat und berechnete bis zxm I. 333 die jährliche Wiederkehr des Osterfestes auf die Art, daß nach Ablauf eines Zirkels von 16 Jahren, dessen Feier jeweils wieder mit dem nämlichen Tage wie vor 16 Jahren eintrete. Mit Festsetzung des Tages, an dem jedes Jahr Ostern gefeiert werden sollte, waren denn zugleich die übrigen Festtage, als die Himmelfahrt Christi, Pfingsten :c. festgesetzt, weil deren Feier sich dem Osterfeste subordinirtc. (2) Das ist: Ueber das zweite Kapitel des ersten Buches Mose. Balesius. (3) Im 1.155l wurde in der Nähe pon Rom eine marmorne Bildsäule, den Hippolytus auf einem Stuhle sitzend, vorstellend, ausgegraben. Auf diesem Stuhle stehen außer einigen erloschenen folgende Schriften des Hippolytus verzeichnet: lieber die Psalmen. Von der Bauchrednerin (wie es wahrscheinlich heißen soll). Ueber das Evangelium Johannis und die Offenbarung. Von den Gnadcngaben. Die apostolische Ucberlieferung. Wider die Griechen und den Plato oder vom Weltall. (Ich halte jene Abthcilunz für lfalsch, nach welcher man die Worte Chronik wider die Griechen verbindet). Ermahnung an Sevcrina. Erweis der Ostcrzcitcn wie auf der Tafel. Oden auf die ganze heilige Schrift. Von Gott und der Auferstehung des Fleisches. Vom Guten und woher das Böse sty? Hieronymus in Entöl. Script, cccies. nennt noch folgende: Ueber das zweite Buch Mose. Ueber das erste Buch Mose. Ueber den Zacharias. Ueber den Jcsaias. Von Daniel. Von der Offenbarung Johannis. Bon den Sprüchwörtern. Vom Prediger. Vom Antichrist. Sonst werden ihm auch noch andere Schriften zugeschrieben, die thcils beim Sambesis, theils in den größern patristischcn Sammlungen stehen. Stroth. Alexander Severus. Jahr Christus 232. Pontianus. 21? versah. Denn es standen ihm beim Diktiren mehr als sieben Schnellschreiber zu Diensten, welche einander zu bestimmten Zeiten ablösten; nicht geringer war die Anzahl der Reinschreiber nebst einigen Mädchen, die im Schönschreiben geübt waren. Die Kosten zu dem nöthigen Auswand, welchen diese alle erforderten, gab Ambrosius reichlich her. Ja er nahm selbst mit einer unbeschreiblichen Lust Theil an der fleißigen Bearbeitung der heiligen Schrift, welcher Umstand hauptsächlich den Ori- genes zu Ausarbeitung seiner Kommentaricn ermunterte. Indessen folgte in dem Bisthnm zu Rom Pontianus dem Urbauus nach, welcher 8 Jahre dasselbe inne gehabt hatte, zu Antiochien wurde Zebinus Nachfolger des Philetus. Zu ihrer Zeit empfing Origenes, als er dringender Kirchenangelegenheiten wegen durch Palästina nach Griechenland reiste, in Cä- sarea von den Bischöfen dieser Gegend die Weihe als Presbyter. Was für Bewegungen darüber entstanden, welche Gutachten die Vorsteher der Kirchen über dieselben ausgestellt (4) und was Origenes in der Blüthe seiner Jahre sonst noch für Verdienste um die Religion sich erworben, dieß alles erfordert ein eigenes Buch. Einiges habe ich darüber in dem zweiten Buche der Apologie, die ich für ihn geschrieben,(2) bemerkt. VierundzW anzigstes H aupt stück. Was für Auslegungen Origenes zu Alexandrien geschrieben. Die Nachricht dürfte indeß noch zu dem Vorigen hinzuzusetzen seyn, daß Origenes in dem sechsten Buche seiner Kommentare über das Evangelium Johannis bemerkt, daß er die ersten 5 Bücher noch während seines Aufenthalts zu Alexandrien geschrieben habe, und daß von diesem Werke über dieß ganze Evangelium nur 22 Theile(Z) auf uns gekommen sind. Im neunten Buche seiner Kommentarien über das erste Buch Mosis (1) Aus Photius (in scincr Bibliothek Nro. Iis) sehen wir, daß zwei Synoden wider Origenes gehalten wurden. Die erste derselben fällte den Schluß, den Origenes aus der alexandrinischen Kirche zu verweisen, nahm ihm aber doch die Presbyterwürde nicht. Allein die zweite Synode von ägyptischen Bischöfen, welche Demetrius versammelte, entsetzte den Origenes seiner Priesterwürde und die Bischöfe fast aus der ganzen Welt unterschrieben diese Verdammung, wie Hieronymus bezeugt, von dem Rusinus in der zweiten Apologie folgende Worte anführt: „Was für Belohnungen hat er für so vielen Schweiß bekommen? „Er wurde vom Bischof Demetrius verdammt. Mit Ausnahme der Geistlichen in Palästina, „Arabien, Phönizien und Achaja hat die ganze Welt seiner Verdammung beigestimmt. Rom „selbst versammelte seinen Senat gegen ihn, nicht neuer Lehrsätze, nicht der Ketzerei wegen-, „wie jetzt tolle Hunde wider ihn erdichten, sondern weil sie den Ruhm scincr Beredsamkeit „und seiner Gelehrsamkeit nicht ertragen konnten und so lang er lehrte, im Vergleich mit „ihm, alle für stumm gehalten wurden." Hieronymus sagt überdies, Demetrius habe den Origenes nicht allein abgesetzt, sondern ihiz auch aus der Kirchengemcinschaft ausgeschlossen. Dieser Spruch des Demetrius blieb indeß, ob er gleich durch die Bcistimmung so vieler Bischöfe bestätigt worden war, ohne Wirkung, den» Origenes behielt noch nachher das Amt eines Presbyters beständig bei und fuhr fort in der Kirche zu lehren. Valesius. (2) Auch diese Schrift hat der Neid und die Bosheit der Feinde des Origenes vertilgt. (3) Origenes hatte überhaupt, wie Hieronymus bezeugt, 34 darüber geschrieben. Wir haben nur noch 9 davon übrig, nämlich den 1. 2. 6. 10. 13. 19. 20. 28. und 32. 218 Alexander Severus. I. Ch. 232. Pontianus. — im Ganzen sind es ihrer zwölf — sagt er, daß er nicht bloß die ersten acht Bücher zu Alexandrien ausgearbeitet hat, sondern auch die Erklärungen der ersten 25 Psalmen, so wie die Auslegungen über die Klagelieder, wovon 5 Theile auf uns gekommen sind. Er erwähnt darin auch seiner Bücher über die Auferstehung, deren zwei sind. Judeß auch seine Bücher von den Principien(l) schrieb Origenes vor seiner Abreise von Alexandrien, so wie er auch die 10 Bücher, welche den Titel Vermischte Abhandlungen führen, in derselben Stadt unter der Negierung Alexanders verfaßt hat, wie seine eigenhändigen Bemerkungen am Ansauge der einzelnen Theile beweisen. Fünfundzwanzig st es Hauptstü ck. Wie OrigcncS der kanonischen Bücher Meldung thut. Bei seiner Auslegung de« ersten Psalms gibt Origenes ein Verzeich- niß der heiligen Bücher des alten Testaments, indem er folgendermaßen schreibt: „Es ist zu bemerken, daß zu Folge der Aussage der Hebräer, 22 „zum Kanon gehörige Bücher sind, eben so viel, als sie Buchstaben haben." Sodann fährt er etwas weiterhin also fort: „Diese 22 Bücher sind nach den „Hebräern folgende: Das Buch, welches bei uns den Titel Genesis führt, „bei den Hebräern aber nach dem Anfang des Buchs „Breschith" (das ist, „im „Anfang«,)" genannt wird — „Exodus," „Vellesmoth" (d. h. das sind die „Namen)" — Levitikus, „Vajikra" (und er rief) — „Numeri," „Hammes- „sphekodim" —„Deuteronomivn" „Elle Haddebarim" („das sind die Worte") Jesus, der Sohn Nave, „Josue Ben Nune" — die Richter, Ruth, bei „ihnen zusammen in Einem Buche „Sophetim" — das erste und zweite „Buch der Könige, bei ihnen in Einem Buche „Samuel," der Gottberufene" das dritte und vierte Buch der Könige, ebenfalls in Einem Buche „Vammelech David" („und der König David") — das erste und zweite „Buch der Chronik, in Einem Buche „Dibre Hajamim" das ist: „Tagest) Dieses für die Dogmatik und die Dogmengeschichte äußerst wichtige Werk des Origenes enthält die ersten Grundlinien eines die sämmtlichcn Lehren des Christcnthums begreifenden wissenschaftlichen Zusammenhangs oder die ersten Versuche eines Systems der Dogmatik. Freilich ist darum darin die wissenschaftliche Anordnung der einzelnen Theile noch sehr mangelhaft und der Zusammenhang mehr cinzufälligcr, als innerer. Origenes selbst sagt über die Idee dieses Werkes Folgendes: „Man muß das als wahr annehmen, „was von der kirchlichen und apostolischen Tradition nicht abweicht, man muß wfiicn, daß „die Apostel die Grundlehren des Glaubens auch für Unfähigere vollkommen deutlich vorgetragen haben, hingegen die Gründe ihrer Behauptungen aufzusuchen, haben sie denen über- „lassen, welche vorzügliche Gaben des heiligen Gnstes erlangen würden. Von den Dingen „haben sie gesagt, daß sie sind, wie sie aber sind und woher, haben sie verschwiegen, damit „die Weishcitsfreunde der folgenden Zeit ihren Geist daran üben könnten. Stur unter Vornaussetzung der allgemein angenommenen Kirchenlchre darf man die Lehre des Glaubens „weiter untersuchen, um aus den Sätzen, welche man entweder in der heiligen Schrift „findet oder durch richtige Folgerungen aufstellt, ein Ganzes und einen zusammenhängenden «Lehrbcgriff zu bilden. Alexander Severus. I. Ch. 232. Pontianus. ZIV »blicher« — das erste und zweite Buch Esdras in Einem, (1) „Ezra," das „ist, „der Helfer« — das Buch der Psalmen, „Sepher Thillim« — die „Sprüchwörter Salomons, „Misloth" — der Prediger, „Kvheleth" — das „Hohelied „Sir Hasstrim" — EsaiaS, »Jesajah« — Jeremias mit den »Klagliedern und dem Briefe (2) in Einem Buch, „Jirmejah« — Daniel, »Daniel« - Jezekiel, »Jezkel« — Job, ..Job« Esther, «Esther«. (Z) Außer „diesen sind noch die Bücher der Makkabäer, welche den Titel führen: »Sarbeth Sarbane El.« dieß führt Origenes in der genannten Schrift an. In dem ersten Buche seiner Auslegungen über das Evangelium des Matthäus bezeugt er, treu der Kirchenregel, daß er nur 4 Evangelien kenne. Seine Worte sind folgende: „Durch eine Ueberliefernng habe ich von den »st Evangelien, welche allein in der Kirche Gottes unter dem Himmel ohne »Widerspruch angenommen werden, erfahren, daß das Evangelium Matthäi „des vormaligen Zöllners und nachheregen Apostels Jesu Christi, zuerst „verfaßt worden sey und daß er es für die Gläubigen aus dem Jndenthum „in hebräischer Sprache geschrieben herausgegeben habe. Das zweite sey „das Evangelium Marci, der es nach den Angaben des Petrus abgefaßt, „weßhalb ihn Petrus in seinem katholischen Briefe für seinen Sohn aner- „kennt, wenn er darin sagt: Es grüßt euch die Auserwählte zu Babylon „und Markus, mein Sohn, (st) Das dritte sey das Evangelium des Lukas, „das dieser für die Heiden geschrieben und welches von Paulus gelvbt wor- „den.(S) Das letzte sey das Evangelium Johannis." Und in dem fünften Buch seiner Auslegung über Johannes sagt derselbe Origenes über die Briese der Apostel Folgendes: »Paulus, der tüchtig gemacht worden, ein »Diener des neuen Testamentes zu werden, nicht des Buchstabens, sondern «des Geistes, der in dem ganzen Umkreise von Jerusalem an bis Jllyrikum »das Evangelium ausgebreitet hat, hat nicht an alle Gemeinden geschrieben, welche von ihm unterrichtet worden sind, ja auch an diejenigen, an (t) Hiczu finden sich, wie Eichhorn berichtet, auch noch Beweise in den neuen hebräischen Handschriften. Noch Viele schreiben die beiden Bücher Samuels, die beiden der Könige, die beiden der Chronik, so wie Esras und Nehemias in Einein weg ohne Zwischenraum und daher sind auch alle diese Bücher in den ältesten Ausgaben, welche der Einrichtung der Handschriften so genau wie möglich folgten, in Einem weg gedruckt worden, bis Daniel Bomberg die jetzt gewöhnliche Thcilung derselben einführte. Nirgends, sagt Eichhorn, ist eine Spur, daß Jeremias Brief jemals ein Theil des jüdischen Kanons gewesen ist. Origenes hat fich geirrt und vielleicht hat er eine Handschrist der 7l> Dollmetschcr, in der, wie gewöhnlich, Baruch unmittelbar hinter Jeremias gesetzt war, vor sich gehabt und sich durch dieselbe zu seinem Jrrthum verleiten lassen. Dieß wird noch wahrscheinlicher, wenn man erwägt, daß die ägyptischen Christen, diese große Bewunderer apokryphischcr Schriften, den Baruch hinter den Klagliedcrn folgen ließen. fJ) Hier fehlt noch das 22stc Buch, nämlich die kleinen Propheten. Das Versehen dieser Auslaßung muß ohne Zweifel den Abschreibern des Eusebius zugeschrieben werden; denn sonst würde es dieser wohl bemerkt haben, wenn es schon zu seiner Zeit durch Versehen der Abschreiber des Origenes ausgelassen gewesen wäre. Ilivronzm. in prent. ad Iii,. IioK»m nennt zwar dicselbigcn Bücher, aber in einer andern Ordnung, die man daselbst bei ihm nachsehen kann. Er nennt auch das vierte Buch Mose ordentlich, nach dem Anfang Vajedabber. (4) 1 Petr. 5, tZ. (5) Man stßc die Ainncrk. zu ?, 4. 229 Alexander Severus. I. Ch. 232. Pontianus. „welche er geschrieben, hat er nur einige wenige Zeilen geschickt. Petrus, „auf welchen die Kirche Christi gebaut ist, welche die Pforten der Ho lle nicht „überwältigen werden, hat nur Einen allgemeinen angenommenen Brief „hinterlassen : doch mag er auch den zweiten geschrieben haben, denn er wird „widersprochen. Was soll ich aber von dem sagen, der an der Brust Christi „gelegen hat, von Johannes, welcher Ein Evangelium hinterlassen hat, „mit dem Bekenntniß, er könne so viel schreiben, daß es die Welt nicht zu „fassen vermöchteEr hat aber auch die Offenbarung geschrieben, mit „dem Befehl, zu schweigen und die Stimmen der sieben Donner nicht zu „schreiben. Er hat ferner auch einen Brief von nur wenigen Zeilen hinterlassen : unsertwegen mag er aber auch den zweiten und dritten geschrieben „haben, denn nicht alle halten diese für echt. Beide machen indessen zusam- „men nicht t.00 Zeilen aus.« Ueberdieß äußert sich Origcnes über den Brief an die Hebräer in seinen Hvmilien über denselben also: „Daß die „Schreibart des Briefs an die Hebräer keine Spur von der Uugebildetheit „des Apostels im Ausdruck, der doch von sich selbst gesteht, daß er in Mörlen, d. h. im Ausdruck, ungebildet sey, enthalte, sondern daß der Brief „seiner ganzen Wortfügung nach besser griechisch ist, wird jeder zugeben, „der den Unterschied des Ausdrucks zu beurtheilen versteht. Daß dagegen „die Gedanken in diesem Briefe bewunderungswürdig sind und den allge- „mein angenommenen Briefen der Apostel nichts nachgeben, darin wird „ebenfalls jeder, welcher die Schriften der Apostel mit Aufmerksamkeit liest, »übereinstimmen." Weiterhin fährt er also fort: „Um aber meine Ansicht „zu sagen, so glaube ich, daß die Gedanken dem Apostel angehören, der „Ausdruck aber und die ganze Zusammenstellung einem andern, der die „Reden des Apostels aufgeschrieben und die Worte seines Lehrers gleichkam mit seinen eigenen deutlichen Worten vorgetragen hat. Wenn nun „also eine Gemeinde diesen Brief für paulinisch hält, so mag sie darum gelobt werden. Denn nicht ohne Grund haben ihn uns die Alten als ein „Werk des Paulus hinterlassen. Wer ihm aber seine schriftliche Form verliehen hat, davon weiß nur Gott das Wahre. Die aus uns gekommenen „Nachrichten sagen, theils Klemens, der Bischof von Rom, sey der christliche „Bearbeiter, theils Lukas, der Verfasser des Evangeliums und der Apostelgeschichte." So weit hievon. Sechs und Zwanzigstes H au pt stück. Wie HcraklaS das Bisthum zu Alexandrien überkommen. Es war das zehnte (2) Jahr der Regierung Alexanders, als Origenes von Alexandria nach Cäsarea sich begab und dem Herakles die dortige Kate- (t) Joh. 21, 25. (21 In einigen Handschriften und bciMccphoms steht das zwölfte Jahr. In verschiedenen Handschr. der Chronik des Eusebius wird Origcnes Reise von Alexandrien nach Cäsa- Alexander Severus. I. Ch. 232. Pontianuse 22 i chcteu-Schule hinterließ. Bald darauf starb Demetrius, der Bischof der alexandrinischen Kirche, nachdem er ganze 43 Jahre sein Amt verwaltet hatte und sein Nachfolger wurde Heraklas. Damals war Firmilianus, Bischof zu Casarea in Kappadocien, berühmt. S'iebenundzwanzigstes Haupt stück. In welchem Ansehen Orlgeiict bei den Bischöfen gestanden. Dieser Firmilianus war für Origenes so eingenommen, daß er ihn nicht nur in seiner Provinz zum Nutzen der dortigen Gemeinden berief, sondern auch zu ihm nach Judäa reiste und einige Zeit bei ihm zubrachte, um sich in den theologischen Wissenschaften zu vervollkommnen. Auch Alexander, Bischof von Jerusalem, und Theoktistus, Bischof von Casare«, hörten ihm fast die ganze Zeit über zu und überließen ihm, dem einzigen Lehrer, die Auslegung der heiligen Schrift und das übrige den Religions- vvrtrag betreffend. (1) Achtundzwanzigstco Hauptstück. Von der Verfolgung unter Mariminus. Nachdem der römische Kaiser Alexander 13 Jahre auf dem Throne gesessen hatte, wurde der Kaiser Maximinns sein Nachfolger. Dieser erregte aus Haß gegen das Hans Alexanders das großentheils ans Christen bestand, eine Verfolgung, befahl aber bloß die Vorsteher der Gemeinden als Urheber der evangelischen Lehre zu tödten. Damals verfaßte Origenes seine Schrift vom Martyrerthume und eignete sie dem Ambrosius und Protokletus, Presbyter bei der Gemeinde zu Casarea, zu, weil beide in dieser Verfolgung, worin sie sich durch Bekenntniß ausgezeichnet haben sollen, in nicht geringer Gefahr gewesen waren. Indessen Maximinus regierte nicht länger, als 3 Jahre. Origenes hat diese Zeit der Verfolgung in dem 22ften Buche seiner Erklärungen zu Johannes, so wie auch in verschiedenen Briefen bemerkt. rca ebenfalls ins zwölfte Jahr Alexanders gesetzt. Unsere Lcseart ist aber richtiger, denn nach jener würde die Abreise des Origenes von Alexandrien nach dem Tode des Demetrius geschehen seyn. Es ist aber bekannt, daß er von Alexandrien wegreiste, noch eheDcmctrius ihn excommunicirt hatte, also noch bei dessen Leben. Man muß aber diese Reise nicht mit seinen vorigen Reisen verwechseln. Schon vorher hatte er sich einmal nach Casarea begeben, da wurde er von Demetrius auf eine für ihn rühmliche Art zurückgerufen. Das andere- mal reiste er durch Casarea auf der Reise nach Griechenland, damals wurde er zum Presbyter ordinirt und endlich begab er sich im I. 232 oder im zehnten I. Alexanders zum drittenmal von Alexandrien weg, um dem Neid und der Verfolgung seiner Feinde zu entgehen und da excommunicirtc ihn hinterher Demetrius, starb aber bald darauf. Stroth. ^ I. Ch. 235. Maximinus. (O Wenn Origenes nämlich in dem Kirchsprengel dieser Bischöfe war. 222 GordiaunS. I. Ch. 236. Anterus 18ter Bischof zn Rom.^ Ncnuund^wan^igstes Hanptstuck. Von Fabianus, wie cr von Gott auf eine wunderbare Weise zum römischen ^ Bischof erklärt worden. Nachdem Maximums Gordiauus die Regierung des römischen Reiches überkommen hatte, so wurde Anterus der Nachfolger des Pontianus, welcher 6 Jahre den Bischofssitz zn Rom inne gehabt hatte, bekleidete aber nur einen Monat dieses Amt, worauf ihm Fabianus nachfolgte. Dieser soll nach dem Tode des Anterus nebst mehreren andern vom Lande hereingekommen seyn, und sich zu Rom aufgehalten haben, aber daselbst auf die wunderbarste Weise durch die himmlische und göttliche Gnade zum Bisthum gelangt seyn. Wie nämlich sämmtliche Brüder wegen der Wahl eines künftigen Bischofs in der Gemeinde versammelt waren und sehr viele berufene und angesehene Männer der Menge in Gedanken vorschwebten, so war auch Fabianus anwesend, aber ohne daß Jemand an ihn gedacht hätte. Da flog auf einmal, wie man sagt, eine Taube unversehens von der Höhe herab, setzte sich auf das Haupt des Fabianus und gab so eine Nachbildung der Herabfahrt des heiligen Geistes, welcher in Gestalt einer Taube über unfern Erlöser gekommen. Darüber wurde das ganze Volk wie von Einem göttlichen Geiste zumal bewegt, alle erkannten ihn mit großer Freudigkeit unter einstimmigem Zurufe des Bisthums für würdig, nahm ihn sodann ohne Verzug und setzte ihn auf den bischöflichen Stuhl. Um diese Zeit verließ auch Zebi- nus, der Bischof von Antiochien, die Welt und Babylas wurde sein Nachfolger. Zu Alexandrisn überkam nach Demetrius, welcher äZ Jahre laug Bischof gewesen, Heraklas diese Würde. Die dortige Katecheten- Schule aber wurde dem Dionysius (b) übertragen, der ebenfalls einer von den Schülern des Origenes war. WreißiZstes HanpLftü ck. Von den Schülern des Origenes. Während QrigeneS sein Lehramt zu Cäsarea fortsetzte, kamen nicht bloß von den Einheimischen viele zu ihm, sondern er hatte auch sehr zahlreiche Schüler aus fremden Ländern, welche ihr Vaterland verlassen hatten. Unter diesen sind uns als die ausgezeichnetsten bekannt Theodoras, welches eben der zu unserer Zeit so berühmt gewordene Bischof Gregorius ist, (2) und sein Bruder Athenodorus. Diese beschäftigten ^ Fabianus tgtcr Bischof zu Rom. (t) Dieser gelehrte Mann wurde in der Folge Presbyter und zuletzt Bischof zu Alexandrien. Eusebius führt ihn in diesem und dem folgenden Buche häusig an; von seinen Werken hat sich aber außer einigen Bruchstücken Nichts erhalten. (2) Mit dem Beinamen der Wunderthciter oder der Große. Der Sohn reicher Eltern aus Cäsarea in Kappadocien studirte cr zuerst zu Athen, zu Alexandria und zu Bcrytus, einer Gordianns. Jahr Christus 238. Fabianus. 22Z sich voll leidenschaftlichen Eifers mit den griechischen und römischen Wissenschaften, (1) allein Origcnes flößte ihnen Liebe zur Philosophie ein und bestimmte für ihre vorigen Studien mit dem Studium der Theologie zu vertauschen. Während eines fünfjährigen Unterrichts bei OrigeneS hatten sie so große Fortschritte in der Theologie gemacht, daß sie beide noch sehr jung eines Bisthums bei den pontischen Gemeinden für würdig gehalten wurden. Ginunddreißigstes Hauptstück. Von Afrikanus. Damals war auch Afrikanus, der Verfasser der Schrift Eesti(2) betitelt, berühmt. Es ist ein Brief von ihm an Origenes vorhanden, worin er die Geschichte der Susanna bei Daniel als unecht und erdichtet bezweifelt und worauf Origenes auf das ausführlichste antwortet. Von eben demselben Afrikanus haben wir noch S Bücher einer mit sehr viel Fleiß ausgearbeiteten Chronik. (3) Er sagt darin, er habe eine Reise nach Alexandrien gemacht, bewogen dazu durch den großen Ruf des Heraklas, von dem wir erzählt haben, daß er in der Philosophie und in den andern Wissenschaften der Griechen sich sehr ausgezeichnet habe, und daß ihm das Bisthum an die dortigen Gemeinde übertragen worden sey. Sodann ist noch ein anderer Brief von ihm an Aristides vorhanden über die vermeinte Verschiedenheit in den Genealogien Christi bei Matthäus und Lukas. Er zeigt in demselben die Uebereinstimmung der Evangelisten auf das deutlichste aus einer Nachricht, die sich bis auf ihn erhalten und die ich schon früher an ihrem gehörigen Orte im ersten Buche (ä) der vorliegenden Geschichte mitgetheilt habe. Iwei und dreißig st es Hnnptßüek. Welche Auslegungen Origenes zu Cäsaren in Palästina geschrieben. Um diese Zeit schrieb Origenes seine Erklärungen zu JesaiaS, so wie auch zu Ezechiel. Hievon sind bis zum dritten Theile des Jesaias, Hauptschulc des römischen Rechts, hörte sodann mit seinem Bruder und mit Firmilianus die philosophischen Vorträge des Origenes zu Cäsaren und wurde von letzterem zum Christenthum bekehrt. Bei seiner Abreise hielt er vor zahlreicher Versammlung eine schöne Dank- rcde an Origenes. Er wurde in seiner Abwesenheit vom Bischof Phaidinus von Amases zum ersten Bischof von Ncu-Cäsarea gemacht, wo er nur 17 Christen fand, bei seinem Tode aber nur 17 Heiden hinterlassen haben soll. (1) Unter den letztem ist das römische Recht verstanden. l2) Cestus ist eigentlich ein bunter, gestickter Gürtel, d. i. nach der damaligen affektir- ten Art, sonderbare Titel zu mache», Mannigfaltigkeiten; übrigens ist nicht nur zweifelhaft, ob diese Worte von Eusebius sind, sondern auch, ob nur diese Schrift ein Werk dieses Afrikanus ist, er müßte sie denn, ehe noch seine Denkart entschieden dem Christcnthum sich zugewandt, verfaßt haben. (3) Diese ist nicht mehr vorhanden, aber wir finden sie, da dieselbe von den folgenden Chronologen wie Eusebius, Synallus ?c. fleißig benutzt wurde, einigermaßen in deren chronologischen Werken wieder. (4) Hauptst. S. 224 Gordianns. Jahr ChristuS 258. Fabianus. bis zu dem Gesichte von den vierfüßigen Thieren in der Wüste, dreißig Theile uns zu Händen gekommen, über Ezechiel aber 25, was auch Alles ist, was er über diesen Propheten geschrieben hat. Da er sich sodann zu Athen aufhielt, so vollendete er daselbst seinem Kommentar über Ezechiel und fing den über das Hohelied an und führte ihn bis zum 5ten Buche fort. Nach Cäsarea zurückgekehrt, vollendete er auch diesen, so daß er im Ganzen 10 Bücher ausmacht. Doch wozu soll ich hier ein genaues Verzeichnis; der Schriften dieses Mannes liefern, da dieß ein eigenes Buch erfordern würde und wir bereits ein solches in - der Lebensbeschreibung unseres Zeitgenossen, des heiligen Märtyrers Pam- philus, gegeben haben. Indem wir nämlich daselbst den großen Eifer des Pamphilus für die Theologie darlegten, haben wir zugleich ein Verzeichnis; von den Büchern des Origenes und anderer Kirchenschriftsteller, wovon Pamphilus eine Sammlung veranstaltet hatte, mitgetheilt. Wem also daran gelegen ist, der kann sich daraus eine vollständige Nachricht von den Schriften des Origenes, welche auf uns gekommen sind, verschaffen. Jetzt aber muß ich im Verlaufe meiner Geschichte weiter schreiten. Wreinud dreißigstes Hauptstiick Von dem Jrrthumc des Beryllus. Beryllus, der kurz vorher von uns angeführte Bischof von Hoftra in Arabien versuchte mit Ucberschreitung der kirchlichen Lehre einige dem wahren Glauben widersprechende Meinungen einzuführen. Er wagte nämlich zu behaupten, unser Erlöser und Herr habe vor seiner Menschwerdung nicht als ein selbstständiges Wesen existirt, auch habe er keine besondere Gottheit, sondern nur die in ihm wohnende Gottheit des Vaters. Wie nun sehr viele Bischöfe Disputationen darüber mit Beryllus anstellten , so wurde unter andern auch Origenes dazu aufgefordert. Dieser ließ sich zuerst in eine Unterredung mit ihm ein, um seine Ansicht zu erforschen. Wie er nun wußte, was Beryllus behauptete, so überwies er ihn, daß er nicht den rechten Glauben hätte, überzeugte ihn durch Gründe, gewann ihn durch Beweise, zeigte ihm die wahre Lehre und brachte ihn so zur vorigen Ncchtglanbigkeit zurück Die schriftlichen Verhandlungen des Beryllus und der seinetwegen angestellten Versammlung, welche zugleich auch die an ihn gerichteten Fragen dcs Origenes und die in seiner Gemeinde gehaltenen Disputationen, so wie alles Andere, was damals vorging, enthalten, sind noch jetzt vorhanden. Ueberdief; erzählen die Aeltesten unserer Zeit noch hundert andere Dinge von Origenes, welche ich hier als zu vorliegender Geschichte nicht gehörig übergehen zu können glaube. Was aber von ihm zu wissen nöthig war, das kann man auch aus der von mir und dem heiligen Märtyrer Pam- Gordianus. Philippus. I. Chr. 238—2ss7. Fabianus. 225 philus geschriebenen Vertheid-'gnngsschrift für OrigensS ersehen, welche wir, tadelsüchtigen Menschen wegen, mit gemeinschaftlichem Fleiße ansge- arbeitet haben. Vierunddreißigstes Hauptstück. Von dem Kaiser Philippus. Nachdem Gordianns sechs volle Jahre geherrscht hatte, überkam Philippus nebst seinem gleichnamigen Sohn die Regierung. Von diesem Kaiser erzählt man, er sey ein Christ gewesen (1) und habe einst am Tage der lehren Ostervigilie mit dem Volke am Gebete in der Gemeinde Theil nehmen wollen, allein der Zutritt sey ihm von dem damaligen Vorsteher (2) derselben nicht früher gestattet worden, als bis er ein Bekenntnis; seiner Sünden abgelegt und sich denen, welche gefallen waren (3) und an dem Busiort standen, beigesellt habe. Denn im entgegengesetzten Falle, wenn er dieß nicht gethan haben würde, wäre er wegen der vielen Schuld, (ü) die auf ihm lastete, von dem Bischof nicht zugelassen worden. Der Kaiser habe indeß ohne Widerrede Folge geleistet und somit einen Beweis seiner echten frommen "und gottesfürchtigen Gesinnung durch die That an den Tag gelegt. / ü tt f u n d d r e i ß i g st cs Hanptstück. Wie Dionysius der Nachfolger des Hcraklas im Bisthum geworden. Es war das dritte Jahr der Negierung des Kaisers Philippus, als Heraklas starb, nachdem er 16 Jahre der alcrandrinischen Gemeinde vorgestanden hatte und Dionysius das Bisthnm bei derselben überkam. Scchsunddreißigstes Hauptstück. Was für Schriften Origcncs sonst noch ausgearbeitet. Damals nun, als unser Glaube, wie leicht zu erachten stand, sich immer weiter ausbreitete und der allgemeinen Ausbreitung unserer Lehre nirgends ein Hindernis; sich entgegenstellte, soll der damals schon über 60 Jahre alte Origenes, indem er nun durch eine lange Uebnng eine (1) In stiner Chronik sagt Eusebius ganz bestimmt, Philippus sey der erste christliche Kaiser gewesen 5 allein nichts berechtigt zu dieser Annahme. Veranlassung dazu gab wohl der Umstand, daß die Christen unter stiner Negierung Ruhe hatten. Gegen die Einwendung, er sey ein heimlicher Christ gewesen, spricht unsere Erzählung. (2) Nach einer spatern Uebcrlicfcrung soll dieser der Bischof Babylas von Antiochien gewesen scyn. (3) Solchen wurde in der Versammlung ein niedriger Standort angewiesen. (4) Man dachte bei Entstehung dieser Sage wohl namentlich an die Ermordung des jüngern Gordianus. Eusebius Kirchengeschichte. 15 226 Philippus. Jahr Christus 2fi7. FabianuS. große Redefertigkeit sich erworben hatte, es endlich zugegeben haben, daß Geschwindschreiber seine vor der Gemeinde gehaltenen religiösen Vorträge nachschrieben, was er früher niemals hatte gestatten wollen. Um diese Jeir schrieb er auch die acht Bücher wider die gegen uns gerichtete Schrift deo Epiknräers Celsns, (1) welche den Titel: Wahre Lehre, führt, so wie die 25 Theile über das Evangelium Matthen und seine Erklärungen über die zwölf Propheten, wovon wir aber nur 25 Theile haben finden können. Auch ist noch ein Brief von ihm an den Kaiser Philippus selbst, so wie ein anderer an dessen Gemahlin Severa und noch mehrere andere verschiedene Personen vorhanden, von welchen wir, so viel wir deren hin und wieder bei verschiedenen Personen haben finden können — es sind deren aber über hundert — eine eigene Sammlung von mehreren Theilen gebildet haben, um ihrer ferneren Zerstreuung zu begegnen. Ueberdieß hat OrigeneS auch Briefe an Fabianuö, den Bischof zu Rom, und an mehrere andere Bischöfe, seine Nechtglänbigkcit betreffend , geschrieben. Weitere Nachricht auch hievou findet sich im sechsten Buche unserer Apologie des Origenes. Siebenunddre ißig stes Haupt stück. Bon der Uneinigkeit der Araber. Um diese Zeit traten wiederum Andere in Arabien auf mit einer von der Wahrheit ganz abweichenden Lehre. Sie behaupteten nämlich, die menschliche Seele sterbe in dieser Welt im Augenblicke des VollcndenS zugleich mit dem Körper und verwese mit demselben, werde aber dereinst zur Zeit der Auferstehung zugleich mit demselben wieder zum Leben kommen. Da nun auch damals eine große Synode versammelt ward, so stellte Origenes, wiederum berufen, vor der ganzen Versammlung eine Disputation über die Streitfrage an und stritt mit solchem Nachdruck, daß die früher im Jrrthum Befangenen demselben entsagten. Achtunddreißig st es Haup tstück. Von der Ketzerei der Hclkcsciitcn. Damals kam auch eine andere Verkehrtheit zu Tage, nämlich die Ketzerei der sogenannten Helkesaiten, (2) verschwand aber eben so bald, (1) Dieser Cclsus lebte höchst wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderls, scheint aber nach einigen in des Origenes Widerlegung befindlichen Bruchstücken von ihm weniger dem Epikuräismus, als dem damaligen Platonismus ergeben gewesen zu seyn. Aus des Origenes Schrift wider ihn erhalten wir eine ziemlich vollständige Kennt- niß von den Angriffen, die gegen das Christcnthum erhoben wurden und den Gründen, durch welche man sie zurückwies. (2) Ucbcr diese Partei, ihren Stifter (den Einige Elxai, Andere Elkesai, Andere Hel- kcsai nennen, Andere gar für ein Unding halten und glauben, die Partei scy von Alkasa- Philippus. Decius. I. Chr. 2st7— 261. Fabianus.'' 227 als sie aufgekommen war. Origenes gedenkt derselben in seiner über den L2sten Psalmen gehaltenen öffentlichen Rede. Seine Worte sind folgende: »Es ist jetzt Jemand gekommen, welcher groß damit thnt, „daß er die gottlose und verruchte Meinung der Helkesaiten, welche erst „neulich in den Gemeinden aufgekommen ist, verthcidigen könne. Wie „viel Böses diese Sekte behaupte, will ich euch vor Augen legen, auf „daß ihr euch nicht weit hinreißen lasset. Einige Stücke von der ganzen „heiligen Schrift verwirft sie, andere Stellen dagegen, sowohl ans dem „alten als neuen Testament, nimmt sie an. Den Apostel Paulus aber „verwirft sie gänzlich. Sie behaupten, das Verleugnen des Glaubens „habe nichts ans sich. Wer klug sey, werde zur Zeit der Bedränguiß „mit dem Muude verleugueu, mit dem Herze» aber nicht. Auch besitzen „sie ein Buch, das uach ihrer Behauptung vom Himmel gefallen ist. „Wer auf dasselbe höre und ihm glaube, der werde Vergebung der „Sünden empfangen und zwar eine andere, als diejenige, welche Christus „ertheilt habe." So weit hievon. A e u n u n d d r e i ß ig st t- s H a uptst ü ck. Von der Verfolgung unter Decius und was Origenes gelitten. Nachdem Philippus sieben Jahre regiert hatte, so folgte ihm Decius auf dem Throne nach. Dieser erregte aus Haß gegen seinen Vorgänger (1) eine Verfolgung wider die Gemeinden, in welchen Fabianus zu Rom ^ Kornelius, 20stcr Bischof zu Rom. chim, Apostel», benannt worden), die Zeit, wann er gelebt und die Zeit, wann die Partei aufgekommen, ist alles in Verwirrung. Epiphanias redet von Elksai an drei Orten, nämlich in der löten, 30stcn und 53sten Ketzerei. Am erster» Ort sagt er, Elksai habe zu den Zeiten des Trajanus gelebt, sc» ein Jude von Geburt gewesen und habe ein Gemisch der heidnischen, jüdischen und christlichen Religion gemacht. Er habe behauptet, Christus sey ein ausgedehntes Wesen von 96 Meilen in die Länge und 24 in die Breite. Der heilige Geist sey eben so groß, aber weiblicher Natur und dabei unsichtbar. Auch führt Epiphanias an diesem Ort das gewöhnliche hebräische iVcbct des Elksai an. Am dritten Orte sagt er, daß die Elkesäcr auch Samphäer genannt worden und sich in Perää aufgehalten hätten. Sie wären dem größten Theil ihrer Religion nach Juden und hätten ein Buch, das sie für göttlich ausgäben; sonst verwürfen sie die Propheten und die Apostel, hielten Christum für ein Geschöpf und bedienten sich der Taufe. Jrcnäus und Philastrius haben gar nichts von dieser Sekte und diese Nachricht des Origenes, die wir vor uns haben, scheint, was die Zeit betrifft, der Nachricht des Epiphanius ganz zu widersprechen. Allein thcils konnte'sich Epiphanius, der oft irrt, auch hier irren, daß er die Partei zu früh aufstehen läßt, thcils, und dieß ist noch wahrscheinlicher, konnte diese Partei, die vcrmuth- lich immer sehr klein gewesen, dem Origenes damals erst bekannt geworden scyn. Stroth. (t) Wohl weniger dcßwcgcn, als weil er, in Verfolgung seines allgemeinen Planes, die Reinheit der römischen Sitten wieder herzustellen, das Reich von dem zu räumen wünschte, was er als neuen und strafbaren Aberglauben verdammte. Daher sollte das Christcnthum völlig unterdrückt werden. Noch ist zu bemerken, daß die Christenverfolgung unter Decius wirklich die erste allgemeine war. Denn von den frühern sagt schon Origenes scvnw. Ovis. III., p. >16), es scyen zu Zeiten nur wenige, so daß man sie wohl zählen könne, für die christliche Religion gestorben Decius aber befahl nach Gregor von Nyssa allen Statthalter» und Obrigkeiten, die Christen durch schreckliche Drohungen und jede Art von Martern zu nöthigen, zum Götzendienst überzugehen; zugleich setzte er harte Strafen für die in Befolgung dieses Befehls Nachläßigcn fest. 15 * 2Ä8 Devins. Jahr Christus 251. Kornelius, den Märtyrertvd starb, worauf Kornelius das Bisthnm überkam. In Palästina mußte sich Alexander, der Bisckiof der Gemeinde zu Jerusalem, um Christi willen wiederum vor dem Richterstuhl des Statthalters zu Casaren stellen, legte aber vor demselben zum zweitenmale ein glänzendes Bekenntnis? ab und wurde sodann, ein hochbetagter Greis, dessen Scheitel ehrwürdige graue Haare umkränzten, in das Gefängnis? geworfen. Nachdem er nach seinem herrlichen und glänzenden Glanbensbekenntnis? vor dein Statthalter in dem Kerker entschlafen war, so wurde Mazabanes zn seinem Nackfolger an dem Bisthnm zu Jerusalem erwählt. Ans gleiche Weise, wie Alexander, starb zn Antiochien, nachdem er das Bekenntnis? abgelegt hatte. Babylas im Gefängnis?, worauf Fabius Bischof der dortigen Gemeinde wurde. Was und wie viel aber Origenes in dieser Verfolgung erlitten und was für einen Ausgang es damit genommen , da der bisse Geist wetteifernd seine gesammte Macht wider ihn führte, mit aller List und Gewalt gegen ihn zn Felde zog und wie er mehr, denn ans alle Andere, die damals von ihm bekämpft wurden, auf Origenes sich stürzte, welche und wie viele Bande und körperliche Qualen dieser Mann um der Lehre Christi willen erduldet, wie er die Pein des .Halseisens im innersten Winkel des Gefängnisses ertragen, wie er viele Tage lang in dem Folterblock bis zum vierten Loch seine Füße ausgespannt hatte, wie er den Drohungen mit dem Feuertods und noch manchem andern von den Feinden gegen ihn Angewandten mnthig widerstanden und wie es endlich mit ihm abgelaufen, da der Richter sich alle Mühe gab, ihn nicht tödten zn lassen, und welche lehrreiche Schriften für Trostbedürftige er noch später hinterlassen, das findet man in sehr vielen Briefen des Origenes mit eben so viel Wahrhaftigkeit, als Genauigkeit berichtet. (1) V i e r 5 i g i g st e s H a u p t st ü ck. Von dem, was sich mit Dionysius zugetragen. Das jedoch, was sich mit Dionysius zugetragen, will ich aus dessen eigenem Brief an Germanus (2) hieher setzen, worin er von sich selbst Folgendes erzählt: »Ich rede vor Gott und dieser weiß, daß ich die „Wahrheit sage; ich bin niemals von selbst und ohne einen Wink von »Gott geflohen. Schon früher, als das Versvlgnngsedikt unter Dccins «bekannt gemacht wurde und SabinnS sogleich in derselben Stunde einen «Frumentarius(Z) anssandte, nur mich aufzusuchen, bin ich doch vier (1) Was Epiphanius erzählt, daß OrigcncS den heidnischen Götzen wirklich geopfert habe, in eine von seinen Feinden crsonnenc Verleumdung, die sich schon durch die von Epiphanius angeführte» historischen Widersprüche widerlegt. (2? Dieser Gcrmanus war ein Bischof, welcher nachtheilige Gerüchte von Dionysius verbratet hatte. Siehe unten 7, lt. m (3) Frumentarii hießen die bei jeder Legion befindlichen Soldaten, welche den Zorraty des Getreides und bei dieser Gelegenheit auch andere Dinge auskundschaften mußten. Auch wurden sie aebraucht, die Schuldigen aufzusuchen. Decius. Jahr ChriftnS 2öl. Kornelius. 22l> „Tage lang in meinem Hause geblieben, die Ankunft desselben erwartend. „Dieser ging allenthalben herum und forschte Alles ans, wo er glaubte, „daß ich versteckt seyn oder gehen könnte, Wege, Flusse und Felder. „Allein er war mit Blindheit geschlagen, so daß er mein HanS nicht „fand; denn er glaubte nicht, daß ich als ein Verfolgter zu Hause „bleiben wurde. Und kaum konnte ich mich nach dem vierten Tage, als „Gott mir zu fliehen befahl und mich ans eine wunderbare Weise geleitete, „entschließen, mit meinen Kindern und vielen Brüdern hinwegzugehen. „Daß aber dieß eine Veranstaltung der göttlichen Vorsehung gewesen, „hat die Folge gezeigt, in der wir vielleicht noch Einigen nützlich gewor- „den sind." Sodann erzählt Dionysius etwas weiterhin das, was ihm nach seiner Flucht aus Alexandrien begegnete, also: „Ich fiel um die „Zeit des Sonnenuntergangs zugleich mit meinen Begleitern den Soldaten „in die Hände und wurde nach Taposiris (k.) geschleppt. Nach einer „göttlichen Fügung aber war Timotheus gerade nicht zu Hause und „wurde also nicht ergriffen. Als er etwas später kam, fand er sein „Haus leer und von einigen Gerichtsdienern bewacht, und uns in die „Gefangenschaft geschleppt." Sodann sagt Dionysius etwas weiterhin: „Und welches war denn die Art und Weise der wunderbaren Fügung? „Ich will die reine Wahrheit erzählen. Es begegnete ein Landmann dem „Timotheus, wie dieser bestürzt fvrrfloh, und fragte ihn um die Ursache „seiner Eile. Timotheus sagte ihm die Wahrheit. Jener ging gerade, „um sich bei einem Hochzeitschmause zu vergnügen, bei welcherlei Znsam- „menküuften die Bewohner der dortigen Gegend die ganze Nacht durch- >,zuwachen pflegen. Nachdem der Landmann die Worte des Timotheus „gehört, trat er hinein und erzählte sie den versammelten Gästen. Diese „erhoben sich alle zumal auf Einen Schlag, wie auf ein verabredetes „Zeichen, rannten in schnellem Laufe herbei, erhoben ein Geschrei und „drangen zu uns herein. Da auf dieß die uns bewachenden Soldaten „eiligst entflohen, so traten sie zu uns hin, die wir, so wie wir waren, „auf Bettstellen ohne Decke lagen. Ich glaubte anfänglich — Gott weiß „es — es seyen Räuber, welche zum Rauben und Plündern gekommen „seyen, und blieb auf meinem Bette, so blvs, wie ich war, in meiner „leinenen Bekleidung liegen und reichte ihnen meine übrigen Kleider hin. „Sie aber hießen mich aufstehen und auf das Schleunigste mich fort- „machen. Da erst merkte ich, warum sie gekommen waren. Ich bat „sie mit lauter Stimme und flehendlich, sie möchten sich entfernen und „unS gehen lassen. Wollten sie mir aber einen Gefallen erweisen, so „möchten sie denen, die mich führten, zuvorkommen und mir den Kopf „abschlagen. Während ich dieses schrie, zwangen sie mich, wie meine „Gefährten, welche au Allem Theil nahmen, mit Gewalt zum (t) Strabo nennt zwei Städte dieses Namens in Aegypten. Die hier genannte ein kleiner Ort, lag in der Nähe von Alerandria. 230 Decius. Jahr Christus 251. Kornelius. „Aufstehen. Ich warf mich rücklings auf den Boden. Sie aber faßten „mich an Händen und Füßen und zogen mich so hinaus. Cajus, Fau- „stus, Petrus und Paulus, die alle Zeugen davon gewesen sind, begleiteten mich, nahmen mich sodann, trugen mich aus dem Städtchen „hinaus, setzten mich auf einen Esel ohne Sattel und führten mich „weiter.« Dieß erzählt Dionysius von sich selbst. Einundvierzig st es Haupt st ii cit. Von denen, welche zu Alexandrien selbst Märtyrer geworden. Derselbe Dionysius erzählt in den Briefen an den Bischof Fabius zu Antiochien die Kämpfe derer, welche zu Alexandrien unter Decius Märtyrer geworden, auf folgende Weise: „Die Verfolgung nahm bei „uns nicht erst mit dem kaiserlichen Edikte ihren Anfang, sondern sie „halte schon ein ganzes Jahr vor demselben begonnen. Es hatte nämlich „schon vorher ein dieser Stadt Unglück weissagender Dichter, wer er auch „war, die heidnische Menge dadurch wider uns erregt und aufgebracht, „daß er ihr Gemüth für den dort einheimischen Aberglauben entzündete. „Diese von ihm aufgebracht wider uns und jede Frevelthat als erlaubt „betrachtend, hielt nur mörderisches Wüthen gegen uns für Religion „und Frömmigkeit. Zuerst ergriffen sie einen alten Mann, Namens „Metras, und hießen ihn gottlose Worte ausstoßen. Wie dieser dieß „nicht that, schlugen sie ihn mit Prügeln, stachen ihn mit spitzigen „Röhren in das Gesicht und in die Augen, schleppten ihn sodann in die „Vorstadt und steinigten ihn daselbst. Hierauf führten sie eine gläubige „Frau, Namens Quinta, zu dem Götzentempel und wollten sie daselbst zur „Anbetung nöthigen. Wie diese ihre Abneigung und ihren Abscheu davor „äußerte, bauden sie ihr die Füße, schleiften sie durch die ganze Stadt „über das spitzige Steinpflaster hin, warfen sie gegen Mühlsteine und „geißelten sie dabei, brachten sie alsdann an den nämlichen Ort hin „und steinigten sie. Darauf stürzten sie alle insgesammt über die Häuser „der Frommen her und ein Jeder plünderte und beraubte seinen Nachbar, „den er kannte, mit der größten Hast. Die werthvolleren Kleinodien „eigneten sie sich zu, die geriugern aber und Alles, was von Holz gemacht „war, zerstreuten und verbrannten sie auf den Straßen, wodurch Alexandrien den Anblick einer von Feinden eroberten Stadt darbot. Die „Brüder aber wichen aus und gingen bei Seite und ertrugen die Plünderung ihres Vermögens, gleich jenen, welchen Paulus dieß Zeugniß „gibt,(1) mit Freuden. Und meines Wissens hat bis jetzt keiner den „Herrn verleugnet, es müßte denn etwa ein Einzelner gewesen seyn, „der ihnen in die Hände fiel. Ueberdieß ergriffen sie die alte treffliche (t) Hebr. tv, 34. DeciuS. Jahr Christus 251. Kornelius. 2.3 i »Jungfrau Apollonia, schlugen sie auf die Kinnbacken nnd schlugen ihr »alle Zähne aus. Hierauf errichteten sie einen Scheiterhaufen vor der „Stadt und drohten, sie lebendig zu verbrennen, wenn sie nicht mit „ihnen die gottlosen Worte(1) aussprechen wurde. Da sie nun ein wenig „bat und etwas losgelassen wurde, sprang sie eiligst in das Feuer nnd „verbrannte. Den Serapion, welchen sie in seinem eigenen Hause gegriffen hatten, stürzten sie, nachdem sie ihn gransam gepeinigt nnd ihm „alle Glieder zerbrochen hatten, von dem Oberstock seines Hauses kopf- „nber hinab. Wir konnten keinen Weg, keine Straße, keine Gasse, „weder bei Tag, noch bei Nacht, wandeln, da alle unausgesetzt und „allenthalben schrien, wer nicht die gottlosen Worte aussprechen würde, „der müsse augenblicklich weggeschleppt nnd verbrannt werden. Und dieß „hielt geraume Zeit auf diese Weise an. Wie aber die Uneinigkeit nnd „der Krieg im Innern über die Unglücklichen hereinbrach, so wandten „sie in diesem ihre bisher gegen uns verübte Grausamkeit gegen einander „selbst. Und wir athmeten wirklich einige Zeit wieder auf, da es ihnen „an Zeit zum Wüthen gegen uns gebrach. Kaum aber hatte man die „Nachricht von der Veränderung der uns so wohlwollenden Regierung (2) „erhalten, als eine große Furcht vor den gegen uns ausgestoßenen „Drohungen entstand. Und schon erschien das Edikt, in Folge dessen „fast jenes Atlerschrecklichste, nämlich das von unserem Herrn VorauSge- ,,sagte,(5) daß, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten abfallen „würden, geschah. Alle wurden wenigstens von einem gewissen Schrecken „ergriffen. Und Viele von den Vornehmen gingen aus Furcht sogleich „hin, Andere, die in öffentlichen Aemtern standen, wurden von ihren „Geschäften dahin gerufen, (4) wieder Andere mußten erst von ihren „Augehörigen und Freunden dazu genöthigt werden. Namentlich ans- „gerufen, traten sie hin zu den unheiligen und unreinen Opfern, die „einen blaß und zitternd, als wenn sie nicht opfern, sondern selbst den „Götzen zum Schlachtopfer dienen sollten, so daß sie von dem herum- „stehenden zahlreich versammelten Volke Spott und Hohn erdulden mußten, „als Leute, die offenbar zu bcidem zu feige setzen, zum Sterben, wie „zum Opfern, Andere aber gingen bereitwilliger zu den Altären hin, „mit großer Frechheit versichernd, daß sie früherhin keine Christen gewesen „seyen. Bei ihnen zeigte sich der Ausspruch Christi bewährt, daß die (1) Es waren wohl gewisse Formeln, welche Lästerungen gegen Christum enthielte», deren Inhalt aber nicht näher bekannt ist. (2) Nämlich von dem Tods des Philippus, in dessen letztes Jahr die angegebenen Unruhen zu Alexandrien fallen. (3) Matth. 24, 24. (4l Nämlich auf das Rathhaus, wo das Edikt des Kaisers vorgelesen und sodann aus den daselbst befindlichen Altären geopfert wurde. Jndcß Neandcr meint, die Worte oi räz» n^ccEekw scyen eine Ucbcrsctzung des lateinischen Kurialstvls: actis publicis convoniii und dafür spreche auch Rufins Ucbcrsetzung und der Gegensatz von dieser Stelle. In diesem Falle wäre der Sinn, daß Andere in Folge der an sie ergangenen öffentlichen Aufforderung vorgeführt worden seyen. 232 DeeiuS. Jahr Christus 251. Kornelius. „Neichen schwer in das Himmelreich kommen. (1) Von den klebrigen aber „folgten Einige der einen, Andere der andern Klasse der Genannten, Andere „fluchteten sich, noch Andere wurden ergriffen. Von den letztern ließen es „Einige bis zu Fesseln und Gefängniß kommen; Andere sich sogar mehrere „Tage lang einkerkern, hernach aber schwuren sie, ehe sie vor Gericht geführt „wurden, dennoch Andere hielten sogar bis auf einen gewissen Grad die „Martern aus, bis endlich auch sie abschwuren. Allein die festen und seligen „Säulen des Herrn, gestärkt durch ihn und eine des starken Glanbens in „ihnen würdige und demselben entsprechende Kraft und Standhaftigkeit empfangend, wurden bewunderungswürdige Zeugen seines Reiches. Der erste „derselben war Julianus, ein an der Fußgichc leidender Mann, der weder „stehen, noch gehen konnte. Dieser wurde mit zwei andern, welche ihn „trugen, hergebracht. Der Eine derselben verleugnete sogleich. Der Andere „aber, Namens Kronion, mit dem Beinamen Ennus, und der alte Julia- „nus selbst bekannten den Herrn, worauf sie durch die ganze, bekanntlich „sehr große Stadt auf Kameelen herumgeführt, auf denselben sitzend gegeißelt „und zuletzt in einem heftigen Feuer im Beiseyn dcS ganzen Volkes, das „herumstand, verbrannt wurden. Ein Soldat, Namens Besses, war, als „sie zum Tode abgeführt wurden, ihnen zur Seite und hielt die ab, die ihre „Rohheiten au ihnen ausüben wollten. Da schrien alle wider ihn, und der „mannhafte Streiter Gottes ward auch vor den Nichrerstuhl geführt und, „nachdem er in dem großen Kampfe für die Religion als tapfer sich erwiesen, „enthauptet. Ein Anderer, von Geburt ein Libyer, ein wahrer Selig, (2) „dem Namen, wie der Verheißung nach, konnte, ungeachtet der Richter „ihn mit vielen Worten zur Verleugnung zu bewegen suchte, nicht dazu „gebracht werden, sondern ließ sich lebendig verbrennen. Auf sie wurden „EpimachuS und Alexander, nachdem sie lange im Gefängnisse ausgehakten „und nachdem sie mancherlei Schmerzen, Schneiden und Geißeln erduldet „hatten, ebenfalls verbrannt. Mit ihnen erlitten vier Frauenzimmer den „Tod. Die heilige Jungfrau Ammonarion wurde, nachdem sie der Richter, „der durchaus seinen Willen haben wollte, aufs Heftigste hatte foltern „lassen, weil sie vorher erklärt hatte, sie werde nichts von dem sagen, was „jener befehlen würde, und diesen ihren Worten treu geblieben war, zum „Tode geführt. Die klebrigen aber, die ehrwürdige Matrone Merkuria, „die an Kindern reiche, aber dieselben nicht mehr als den Herrn liebende „Dionysia und eine andere Ammonarion wurden, da der Statthalter sich „nun schämte, sie vergeblich noch martern und sich von Weibern überwinden „zu lassen, bloß mit dem Schwerte hingerichtet, ohne eine weitere Folter „bestehen zu müssen. Denn die Vorkämpferin Ammonarion halte sie für „Alle erduldet. Hierauf wurden die Aegyptier Heron, Ater und Thidvrus (1) Matth. 19, 23. (2) Um das Wortspiel auszudrücken, muß der Eigenname Makar so übersetzt werden. Der Ausdruck: der Verheißung nach, bezieht sich auf die Worte Christi: Selig seyd ihr, wenn euch die Leute um meines Namens willen verfolgen. Stroth. Decius. Jahr ChristnS 261. Kornelius. 21.« „und mit ihnen ein etwa fünfzehnjähriger Knabe, Namens Divskorus, dem „Nichter überantwortet. Dieser snchte zuerst den Knaben als den lenkbar- „sten mit Worten zu überreden, sodann als den zartesten dnrch Martern zu „zwingen; allein Divskorus ließ sich weder überreden, noch zwingen. Die „Andern übergab der Nichter, nachdem sie die gransamsten Schläge mit „großer Standhaftigkeit ausgeholten hatten, ebenfalls den Flammen; den „Divskorns aber, der sich so rühmlich öffentlich gezeigt und auf die an ihn „gerichteten Fragen sehr klug geantwortet hatte, bewunderte er und gab „ihn frei mit dem Beifügen, er wolle ihm wegen seiner Jugend Zeit lassen, „sich eines Bessern zu besinnen. Und dieser würdige Divskorus befindet sich „noch bei uns, noch für einen längcrn und wichtigern Kampf aufbewahrt. „Ein gewisser Nemesion, ebenfalls ein Aegyptier, war fälschlich als ein „Ränbergenosse angeklagt worden, hattesich abervon dieser aufihn gar nicht „passenden Beschuldigung vor dem Hauptmann gereinigt; da wurde er als „ein Christ angegeben und in Fesseln vor den Statthalter geführt. Dieser „höchst ungerechte Mann ließ ihn das Doppelte der Folter und der Geißel- „hiebe, als die Räuber hatten erdulden müssen, ausstehen und sodann zwi-' „sehen den Räubern verbrennen, so daß der Selige durch das Beispiel „Christi geehrt wurde. (1) Eine ganze Schaar Soldaten, Ammon, Zenon, „Ptolemäus und JngeneS nebst dem alten Theophilns standen vor dem „Gerichtsplatze. Wie nun einer als ein Christ verhört wurde und schon zum „Verleugnen geneigt schien, knirschten sie, die daneben standen, mit den „Zähnen, winkten ihm mit dem Gesicht und mit den Händen zu und mach- „ten mit dem ganzen Körper Geberden. Wie sie nun dadurch die allge- „meine Aufmerksamkeit auf sich zogen, liefen sie zuvorkommend, bevor „Jemand sie griffe, zum Richterstnhl hin und bekannten, sie seyen Christen. „Darüber erschrocken der Statthalter und die Beisitzer (2) und während „diejenigen, welche verurtheilt werden sollten, voll getrosten MntheS über „das, was sie leiden sollten, erschienen, waren die Richter verzagt. Dann „aber schritten sie von dem Gerichtsplatze weg im feierlichen Aufzuge und „freuten sich über ihr Zeugniß, da Gott sie so herrlich hatte triumphiren „lassen." ZWeiundvierjigsLes H anptstück. Was Dionpsius weiter erzählt. „Noch wurden aher sehr viele Andere in den verschiedenen Städten und „Dörfern von den Heiden umgebracht, von welchen ich nur Einen als Beispiel anführen will. Ein gewisser Jschyrion war bei einer obrigkeitlichen ttt Indem nämlich Christus Mischen zwei Mördern sein Leben endigte. (2) Es mochte ihnen wohl sehr bedenklich vorkommen, daß Männer, von denen man verlangte, daß sie für das Vaterland und gewissermaßen auch für die alte väterliche Religion sterben sollten, nicht nur Christen, sondern auch für ihren Glauben zu sterben bereit waren. 2Z-1 Devins. Jahr Christus 251. Kornelius. „Person Verwalter um Lohn. Diesem befahl sein Lohnherr zu opfern. „Als Jschynon sich dessen weigerte, schimpfte ihn jener und mißhandelte „ihn sogar, wie er noch länger ans seiner Weigerung beharrte. Zuletzt „aber, daJschyrion dieß Alles anshielt, nahm jener eine sehr große Stange, „rannte sie ihm durch den Bauch und die Eingeweide und tödtete ihn so. „Waö soll ich aber von der Menge derjenigen reden, welche in den Einöden „und ans den Bergen umhergeirrt und vor Hunger, Durst, Kälte, durch „Krankheiten, Räuber und wilde Thiere umgekommen sind? wovon diejenigen, welche übrig geblieben, Zeugen ihrer Erwählnng und ihres Sieges „sind. Jndeß zur Bestätigung der Sache will ich nur diesen Einen Vorfall „anführen. Ein gewisser Eharenion, ein sehr betagter Greis, war Bischof „von NilopoliS. (1) Dieser war mit seiner Gattin auf das arabische Ge- „birge geflohen ,(2) aber nicht mehr zurückgekehrt, und obgleich die Brüder „Alles durchsuchten, so konnten sie doch weder sie selbst, noch ihre Leichname „auffinden. Viele wurden auch auf dem arabischen Gebirge von den bar. „barischen Saracenen zu Sklaven gemacht und von diesen konnten Einige „nur mit Mühe um schweres Lösegeld losgekauft werden, bei Andern „aber war dieß bis jetzt noch gar nicht möglich. Dieß habe ich, mein Bru- „der, nicht ohne guten Grund erzählt, sondern damit du wissest, was und „wie viel Schreckliches uns betroffen hat, wovon diejenigen, welche es „am meisten zu empfinden hatten, wohl noch mehr wissen mögen." Kurz darauf fährt Dionysius also fort: „Diese unsere göttlichen Märtyrer „selbst, die nun Beisitzer Christi (5) und Genossen seines Reiches und Theil- „nehmcr an seinem Gerichte und Mitrichter sind, haben sich einiger der „gefallenen Brüder, die der Beschuldigung, geopfert zu haben, überwiesen „waren, angenommen. Und da sie ihre Umkehr und ihre Reue sahen und „urtheilten, daß sie dem angenehm seyn könne, der lieber die Reue des „Sünders, als seinen Tod will, so nahmen sie sie an, gaben sie der Kirche „wieder und ließen sie an ihren Gebeten und an ihren Mahlzeiten Theil (4) (t) Eine Stadt in Mittelägypten. (2) Das auf der Ostseite des Nils zwischen diesem Flusse und dem arabischen Meerbusen in langer Kette sich hinziehende Gebirge j. Dschibbcl Mokkatcm. (3) Man glaubte nämlich in der alten Kirche, daß der Märtyrcrtod sogleich zu dem Herrn in das Paradies führe, so wie, daß die Märtyrer mit Christus zu Gericht sitzen würden. . (4) Es gab eine zweifache Gemeinschaft in der Kirche: die Gemeinschaft des GebetS und die Gemeinschaft der Sakramente. Die Gemeinschaft des Gebets ward den Büßenden nach Verlauf einer gewissen Zeit gestattet, allein die Gemeinschaft des Leibes Christi erhielten sie erst, wenn sie nach langen Bußfristen mit der Kirche ausgesöhnt waren. Man sehe den Ilten, 12tcn und I3tcn Kanon des nicänischen Konciliums, woraus erhellt, daß die Gemeinschaft des Gebets für die Büßenden die letzt- Stufe zur Gemeinschaft der Sakramente gewesen. Dieß gilt nämlich von der öffentlichen Gemeinschaft, da den Büßenden zugestanden wurde, öffentlich mit dem ganzen Wolke in der Kirch- zu beten. Allein in dieser Stelle des Dionysius ist von der Privatgemeinschaft die Rede, welche von Einzelnen mit der öffentlichen verwechselt wird. Privatgcmeinschaft nenne ich die, welche von einer Privatperson und nicht vom Bischof, der eigentlich das Recht dazu hat, Jemand zugestanden wird. Z. B. wenn die Bekenner und Märtyrer die Gefallenen, von denen sie um ihr Mitleid und Vermittlung gebeten wurden, gütig aufnahmen und ihnen erlaubten, mit ihnen zu beten. Diese Gemeinschaft, ungeachtet sie ihnen von den Märtyrern und Presbytern zugestanden Decius Jahr Christus 251 — 252. Kornelius. 23S „nehmen. Was rathct ihr uns nun in dieser Beziehung, meine Brü- „der? Was sollen wir thun? Sollen wir ihrer Meinung und Ansicht „beitreten, sollen wir ihr Urtheil und ihre Huld gullig seyn lassen und nachsichtig seyn gegen diejenigen, deren sie sich erbarmt? Oder sollen wir ihr „Urtheil für ein ungerechtes erklären, uns selbst zu Benrtheilern ihres Ur- „theils auswerfend'^- Diesen Zusatz, daß er deren Erwähnung that, welche zur Zeit der Verfolgung ans Schwachheit gefallen waren, machte Dionysius nicht ohne guten Grund. Dreiundvierzigstes Hauptstück. Von Novatus, (1) seinem Charakter und seiner Sekte. Denn Novatus, ein Presbyter der Kirche zu Rom, erhub sich voll Uebermuthes gegen diese, als wenn sie gar keine Hoffnung zur Seligkeit hätten, selbst dann nicht, wenn sie auch Alles thun würden, was zu einer aufrichtigen Bekehrung und zu einem lautern Bekenntnis; erfordert würde und ward dadurch der Stifter einer eigenen Sekte, nämlich derer, die sich in der Aufgeblasenheit ihres Sinnes selbst die »Reinen" (2) nannten. Deshalb versammelte sich eine sehr zahlreiche Synode von K0 Bischöfen zu Rom und noch viel mehr Presbyter und Diakonen, die Bischöfe in den Provinzen beriethen für sich, was zu thun sey, und endlich fiel der allgemeine Beschluß dahin ans, den Novatus nebst denen, die sich mit ihm in ihrer Aufgeblasenheit erhoben hätten und diejenigen, welche seine bruderhassende und menschenfeindliche Meinung zu billigen Willens wären, von der Kirche auszuschließen, dagegen diejenigen Brüder, welche in das Unglück gefallen wären, durch die Mittel der Buße zu heilen und zu pflegen. ES sind noch Briefe vorhanden von dem römischen Bischof Kornelius an den Bischof der Gemeinde zu Antiochia, Fabius, welche Nachrichten über die Vorgänge auf der römischen Synode und das Gutachten aller in Italien, Afrika und in den dortigen Gegenden enthalten. Auch haben wir noch andere Briefe in lateinischer Sprache von CyprianuS (?) und seinen Mitbischöfen in Afrika, aus welchen sich ergibt, daß auch sie darüber einverstanden seyen, daß denen Hülfe werden müsse, die in Versuchung gerathen seyen, und daß der Urheber dieser Ketzerei und mit wurde (denn die meisten Märtyrer waren aus dem geistlichen Stande), gab ihnen weiter kein Recht, sondern war nur eine Art von Präjudicium, daß sie hernach vom Bischof zur öffentlichen Gemeinschaft des Gebets, zugelassen würden. Valcsius. (t) Der Name dieses Presbyters ist nicht Novatus, sondern Novatianus, wie ihn auch Eusebius unter 7, 8 nennt, allein auch mehrere andere Griechen nennen ihn Novatus, veranlaßt zu diesem Jrrthum, weil wirklich ein Novatus, aber nicht Presbyter zu Rom, sondern zu Karthago, sich in diesem Streite thätig erwies. (2) Bcrmuthlich nach Ephes. 5, 27. (?) Bischof von Karthago. Seine Briefe in dieser Angelegenheit sind noch vorhanden, so wie sich auch die Briefe des Kornelius und verschiedener römischer Aeltcsten, auch ein sehr schön geschriebener von Novatianus selbst, in der Sammlung von Cyprians Briefen finden. Diese zusammengenommen sind auch die vorzüglichsten Quellen und Urkunden zu diesem Streite. 2J6 Decius. Jahr Christus 252. Kornelius. ihm alle seine Anhänger mit allem Rechts von der katholischen Kirche ausgeschlossen werden sollen. Diesen war noch ein anderer Brief des Kornelius beigefügt über die Beschlüsse der Synode, und sodann noch einer von den Unternehmungen des Novackis. Um nun die Leser meiner vorliegenden Geschichte mit seinen Umständen bekannt zu machen, dürfte es nicht unpassend seyn, einige Stellen aus demselben hier einzuschalten. Kornelius unterrichtet darin Fabius von dem Charakter des Novatus und gibt davon folgende Schilderung: „Damit dn aber nicht wissest, daß „dieser saubere Manu schon längst heimlich nach dem Bisthum gestrebt „und diese seine freche Begierde bei sich verborgen gehalten, indem er „das zum Deckmantel seines Wahnsinns brauchte, dasi er gleich Anfangs „die Bekenner auf seiner Seite gehabt, so will ich cö dir sagen. Mari- „mns, ein Presbyter unserer Kirche, und Urbanus, beide Männer, welche „zweimal den herrlichsten Ruhm dun?) ihr Bekenntnis; geerntet, sodann „Sidonius und Celeriuns, ein Mann, welcher alle Arten von Foltern „durch die Gnade Gottes auf daö Standhafteste ertragen und durch die „Stärke seines Glaubens der Schwäche seines Fleisches Kraft verliehen „und den Widersacher mächtig überwunden hatte — diese Männer nun „kehrten, nachdem sie ihn durchschaut und seine Bosheit, Falschheit, „seine Meineide und Lügen, seine Ungeselligkeit und seine wolfsartige „Feindschaft entdeckt hatten, wieder zur heiligen Kirche zurück und ge- „staudeu in Gegenwart einer beträchtlichen Anzahl von Bischöfen und „Presbytern und sehr vieler Laien, voll Schmerz und Reue, daß sie sich „durch dieses betrügerische, arglistige Thier hatten verleiten lassen, auf „eine kurze Zeit sich von der Kirche zu trennen, alle seine Kunstgriffe „und Bosheiten, die er seit langer Zeit bei sich zu verbergen gewußt „hatte." Sodann fährt Kornelius etwas weiterhin fort: „Wir haben, „geliebter Bruder, eine ganz unbegreifliche Veränderung und Umwandlung , die in kurzer Zeit mit ihm vorgegangen, gesehen. Denn der trefft „liche Mann, der durch die schrecklichsten Eide versichert hatte, daß er „im Geringsten kein Verlangen nach dem Bisthume trage, trat plötzlich, „als wenn er aus einer Maschine auf den Platz käme, als Bischof auf. „Da nämlich dieser vorgebliche Lehrer und Vertheidiger der kirchlichen „Lehre (b) das Bisthum, das ihm nicht von oben herab gegeben war, „an sich zu zieben und an sich zu reißen sich unterfing, so erwählte er „sich zwei Eehülfcn, die ihre Seligkeit aufgegeben hatten, um sie in einen „kleinen ganz unbeträchtlichen Tbeil von Italien zu schicken und von da- „her drei Bischöfe, ungebildete, höchst einfältige Leute, durch erdichtete „Vorstellungen trügerischer Weise herbeizulocken. Er ließ ihnen nämlich „versichern und betheuern, es sey nöthig, daß sie schleunig in Rom sich „einfänden, damit daselbst jegliche Spaltung, von welcher Art sie auch (i) Diese Worte sind wohl Anspielungen auf Novatians noch vorhandene Schrift Won der Glaubcnsrcgcl oder Won der Dreieinigkeit. Decius. Jahr Christus 252. Kornelius. 2Z7 „seyn möge, durch ihre und anderer Bischöfe Vermittlung gehoben wurde. „Wie diese zu Rom erschienen, so ließ er sie als Leute, die, wie schon „gesagt, gegen die Ränke und die Verschmitztheit schlechter Menschen zu „treuherzig waren, von einigen Leuten seines Gelichters, die dazu den „Auftrag hatten, einschließen und zwang sie dann um die zehnte Stunde, „als sie trunken waren und vor Rausch taumelten, mit Gewalt ihm „durch eine eingebildete und ungültige Handauflegnng (1) das Bisthnm „zu übertragen, das er jetzt, ohne daß es ihm gebührte, durch seine „hinterlistigen Ränke zu behaupten sucht. Jndeß nicht lang darauf kehrte „einer dieser Bischöfe zur Kirche zurück, seinen Fehltritt unter Thränen „bekennend. Diesem haben wir ans die Fürbitten des ganzen anwesenden „Volkes die Laienkommnnion (2) ertheilt, den andern beiden Bischöfen „aber Nachfolger erwählt und in ihre Gemeinden geschickt. Jener eifrige „Vertheidiger des Evangeliums (5) wußte also nicht, daß nur Ein Bi- „schof in der katholischen Kirche seyn solle. Und doch konnte es ihm nicht „unbekannt seyn, daß in derselben 46 Presbyter, (4) 7 Diakonen,(5) 7 Un- „terdiakonen , (6) 42 Akoluthen, (7) 62 E.rorcisten , (8) Vorleser (9) und „^hürhüter, (10) und über 1500 Wittwen und Hülfsbedürftige sich bcfin- „den, welche alle die Gnade und Menschenliebe des Herrn ernährt. Allein „gleichwohl konnte nicht einmal eine so große und in der Kirche so nöthige „Menge, so wie die durch Gottes Vorsehung reiche und zahlreiche Schaar(ll), (1) Kornelius nennt diese Ordination des NovatianuS eingebildet und ungültig, 1) weil sie von Bischöfen einer andern Provinz vorgenommen wurde, nicht von denen, die das Recht hatten, einen Bischof von Rom zu weihen , dergleichen der Bischof von Ostia, Libur rc. waren, 2) weil sie von Betrunkenen worden, 3) weil es gewaltthätig, 4) weil es um die zehnte Stunde (etwa 4 Uhr Rachmittags), 5) weil in Abwesenheit des Volks und der Geistlichkeit und endlich 6) weil es geschah, da schon ein anderer Bischof rechtmäßig ordinirt war. Valcsius. (2) Hiermit zeigt Kornelius an, daß dieser Bischof von ihm abgesetzt und in den Laicnstand versetzt wurde. Die andern beiden Bischöfe wurden nicht allein abgesetzt, sondern auch cxcommunicirt. Valesius. . (3) Weil er sich so gern der Uebcreinstimmung mit den Evangelien rühmte. (4) Aus dieser Stelle kann man schließen, wie viele Kirchen damals die Christen zu Rom gehabt. Denn da jeder Presbyter seine eigene Kirche hatte, so müssen, wenn 46 Presbyter da gewesen sind, eben so viele Kirchen seyn. Auch Optatus sagt, daß zu der Zeit der Verfolgung des Diokletian über 40 Kirchen zu Rom gewesen. Valcsius. (5) Es ist auffallend, daß bei einer so großen Menge von Kirchendienern nur 7 Diakonen genannt werden. Wahrscheinlich bezieht sich die Siebcnzahl auf die sieben Diakonen der Gemeinde zu Jerusalem. Apostelg. 7, 3—6, welche man im dritten und vierten Jahrhundert, obgleich unrichtig, für das Vorbild des ganzen kirchlichen Diakonats hielt. (6) Sic gingen den Diakonen in ihren äußerlichen Amtsvcrrichtungen zur Seite, weil diesen, allen ihren Amtsverrichtungcn nachzukommen oft sehr schwer, wo nicht unmöglich war. (7) Aufwärtcr der Bischöfe bei ihren Amtsvcrrichtungen. (8) Sie verrichteten die Gebete über die Täuflinge und diejenigen, die man von bösen Geistern besessen glaubte. (9) Sie hatten die heilige Schrift in den Gemeindeversammlungen vorzulesen und auch die hier gebrauchten biblischen Handschristen zu verwahren. livi Sic führten die Aufsicht über das Acußerc der kirchlichen Versammlungsplätze, Reinigung derselben, Schließung und Ocffnung der Kirchcnthürcn u. s. w. (tt) Kornelius theiit hier seine ganze Gemeinde in drei Klassen. Zu der ersten gehören die, welche von der Gemeinde unterhalten werden oder die Geistliche» nebst den Wittwen und Armen, zu der andern die, welche das Meiste zu ihrer Unterhaltung beitragen oder die Reichen, und zu der dritten das übrige Volk, welches zwar nichts erhielt, aber auch wenig oder nichts gab. 238 Decius. Jahr Christus 252. Kornelius. „ucbft einem großen und unzählbaren Volke ihn von seinem so verzwei- „felten und unsinnigen Vorhaben abhalten und zur Kirche zurückrufen." Etwas weiterhin setzt Kornelius noch Folgendes hinzu: ..Wohlan nun, „jetzt wollen wir noch weiter anführen, auf welche Werke oder welche „Cvnnez'ivnen vertrauend, er nach dem Bisthum gestrebt hat. Etwa „deßwegen, weil er sich von Anfang an in der Kirche befunden, viele „Kämpfe für sie gekämpft und der Religion wegen viele und große Gefahren „bestanden hat ? Nein, keineswegs. Denn ihm war die Veranlassung zum „Glanben der Satan, der in ihn gefahren war und eine geranmeZeit in ihm „gewohnt hatte. Wie ihm von den E.vorcisten Hülfe wurde, fiel er in eine „schwere Krankheit und empfing, weil man ihn dem Tode nahe glaubte, „in dem Bette selbst, worin er lag, die Taufe durch Besprengung,(ä) wenn „man anders von einem solchen Menschen überhaupt sagen kann, daß er „wirklich die Taufe empfangen habe. Jndeß empfing er nach seiner Wie- „dcrgenesung nicht einmal das Uebrige, was ihm noch nach dem kirchlichen „Gebrauche ertheilt werden sollte, namentlich auch nicht von dem Bischöfe „die Confirmation. (2) Da er aber diese nicht empfangen hat, wie konnte „er des heiligen Geistes theilhaftig werden ?" Erwas weiterhin fährt Kornelius so fort: „Zur Zeit der Verfolgung hat er aus Feigheit und Liebe „zum Leben geleugnet, daß er ein Presbyter sey. Wie er nämlich von den „Diakonen dringend gebeten und aufgefordert wurde, er möchte doch das „Gemach, worin er sich eingeschlossen hatte, verlassen und den Brüdern „beistehen, in so weit es für einen Presbyter Pflicht und möglich ist, den „in Gefahr befindlichen und des Beistandes bedürftigen Brüdern solchen „zu leisten, so war er so weit entfernt, ihrer Bitte zu willfahren, daß er „unwillig wegging und sie stehen ließ mit den Worten, er wolle nicht weiter „Presbyter seyn, sondern er sey ein Anhänger einer andern Philosophie."(Z) (1) Damals geschah die Taufe gewöhnlich noch mit Untcrtauchung. Nur bei Kranken machte man eine Ausnahme und man ertheilte ihnen die Taufe durch Besprcngung. Allein manche, die zu sehr an dem Aeußcrlichen klebten, hegten den, schon damals von Cyprian mit Nachdruck bekämpften Wahn, daß eine Taufe letzterer Art keine vollgültige sey und sie unterschieden die durch Besprcngung Getauften von andern Christen durch den Namen Climen Diese wurden in dem zwölften Kanon des neu-cäsarecnsischen Konciliums sogar von der Presbyterwürde ausgeschlossen (2)'Darunter ist die Handauflcgung zu verstehen, wodurch die Bischöfe den Getauften den heiligen Geist mitthcilten. Wenn auch die Presbyter und im Nothfall auch die Diakonen taufen durften, so stand doch die Ausübung des heiligen Aktes der Handauflcgung nur den Bischöfen zu, welche daher zuweilen ihre Kirchsprengel durchwandern mußten, um den durch ihre Landgeistlichcn Getauften die Konfirmation zu erthcilen. Rcandcr (Kirchcng. I. t. p. 39t) äußert sich über diese Stelle folgendermaßen: Wir können hier nur rathcn, um die zum Grunde liegende Thatsache von der Entstellung durch die gehässige Darstellung des Kornelius zu sondern. Unter der „andern Philosophie" ist wohl wahrscheinlich das zurückgezogene Ascetcnlcben im Verhältnisse zu dem geistlichen Stande zu verstehen. Rovatian mochte eine Zeit lang sich als Ascet in die Einsamkeit zurückgezogen und den öffentlichen Geschäften sich entzogen haben. Das paßt zu dem strengen Charakter, der sich in seinen Pönitenzgrundsätzcn aussprach, und als Ascet konnte er auch bei der Gemeinde in besonderem Ansehen stehen. Novation mochte darin Unrecht gehabt haben, daß er, durch einen falschen Ascetismus verleitet, die christliche Liebe vergaß und seine geistliche Ruhe und Einsamkeit nicht verlassen wollte, um den seiner pricstcrlichen Hülfe bedürftigen Brüdern zu dienen, aber Kornelius erlaubte sich, dieser Handlungsweise einen andern Beweggrund, der zu dem Charakter Rovatians gar nicht paßte, unterzuschieben. Decius. Jahr Christus 252. Kornelius. 2Sil Nach einigen wenigen Sätzen fährt sodann Korneune noch weiter also fort: ..Dieser saubere Mensch hat die Kirche Gottes verlassen, in welcher er, ^nachdem er geglaubt, auö Gefälligkeit des Bischofs, der ihm zur Ein- weihung zum Presbyter die Hände aufgelegt, des Presbyteramtes ge- „würdigt worden war. ES wollte eö zwar nicht bloß die ganze Geistlichkeit, „sondern auch viele Laien (1) nicht zulassen, da es nicht erlaubt war, daß „einer, der, wie dieser im Bette durch Lesprengnng die Taufe empfangen „hatte, irgend eine geistliche Wurde bekleide, allein der Bischof (2) bat, „man möchte ihm doch nur bei diesem die Weihung zum Presbyter erlauben." Hierauf führt Kornelius noch Folgendes an, das unter den Tollheiten dieses Mannes noch die allerärgste ist. Er erzählt nämlich Folgendes: „Wenn er das Abendmahl hält und jedem seinen Theil auetheilt „und in die Hände gibt, so zwingt er die armen Leute, statt ihnen den „Segen zu ertheilen, zu schwören, wobei er mir beiden Händen die Hände „des Empfangenden festhält und nicht eher loslaßt, als bis sie folgenden „Schwur — ich will ihn wörtlich anführen — gesprochen haben: Schwör „m ir bei demLeibe undBlute u n se re 6 H err n I es u C h rist i, „daß du mich niemals verlassen und dich zu Kornelius „wenden willst. Und so darf der unglückliche Mensch nicht früher das „Abendmahl genießen, als bis er ihn verflucht hat. Und anstatt daß derselbe, wenn er das Vrod empfängt Amen (3) spricht, muß er sagen: „I ch wil l nicht wied er zu Kornelius halte n." Und noch etwas weiterhin sagt Kornelius noch Folgendes: „Uebrigens wisse, daß er bereits „verlassen ist und allein steht, da ihn Tag für Tag die Brüder verlassen „und zur Kirche zurückkehren. Auch hat der selige Märtyrer Moses, der „erst neulich ein schönes und bewundernswürdiges Märtyrerthnm bei uns „bestanden hat, als er noch am Leben war, wie er des Menschen Frechheit „und Wahnsinn sah, alle Gemeinschaft mit ihm und seinen fünf Presbytern, welche sich zugleich mit ihm von der Kirche getrennt hatten, abgebrochen." Am Ende seines Briefs gibt noch Kornelius ein Verzeichnis; derjenigen Bischöfe, welche zu Rom sich eingefunden und den Unsinn des Novatns verdammt hatten, worin er ihre Namen nebst den Kirchen, welchen ein jeder vorgestanden, meldet. Auch diejenigen, welche nicht zu Rom erschienen, aber dem Beschlüsse der vorgedachten schriftlich beigetreten waren, führt er dem Namen und den Städten nach, woher ein jeder geschrieben, an. Dieß ist es, was Kornelius dem Fabins, Bischof zu Antiochien, schriftlich gemeldet. (1) Die Presbyter konnte» ehemals ohne Beistimmung der Geistlichkeit und des Volks vom Bischof nicht ordinirt werden. Vom Stimmrechte des Volkes bei der Wahl derselben zeugen auch die Väter des nicänischen Konciliums; ja das Volk galt dabei so viel, daß es öfters stürmisch und aufrührerisch verlangte und cS auch dahin brachte, daß dieser oder jener zum Presbyter gemacht wurde. Valcsins. (2) Wahrscheinlich Fabianus. (3) Dieß sagte sonst der Kommunikant beim Empfang des Abendmahls, wenn der Presbyter gesagt hatte: Lorpus I)vmi»i. 2 stst Decius. Jahr Christus 252. Kornelius. Vierundvierzigstes A)auptstück. Die Erzählung des Dionysius von Serapion. (1) An eben diesen Fabius, der einigermaßen zum Schisma sich hinneigte, schrieb auch der Bischof Dionysius von Alexandrien einen Brief, worin er vieles von der Buße spricht, die Kämpfe der so eben erst damals zn Alexandrien zu Märtyrern gewordenen beschreibt und unter den übrigen Erzählungen einen Vorfall anführt, der alle Bewunderung verdient und den wir unserer Geschichte einzuverleiben nicht umhin können. Die Worte des Dionysius sind folgende: „Ich will dir aber nur dieß eine Beispiel aufführen, das bei uns vorgefallen ist. ES befand sich unter uns ein gläu- „biger Greis, Namens Serapion, der eine lange Zeit tadellos gelebt hatte, „in der Versuchung aber gefallen war. Dieser bat oft, (2) aber Niemand „nahm Rücksicht auf ihn, weil er geopfert hatte. Er fiel darauf in eins „Krankheit und blieb drei Tage in einem fort sprach- und empfindungslos. „Am vierten Tage erholte er sich ein wenig, rief seinen Enkel zu sich her „und sprach: Aber mein Kind, wie lange haltet ihr mich auf? Ich bitte, „eilet und absolvirt mich geschwinde. Rufe mir einen von den Presbytern (2) herbei! Nachdem er diese Worte gesprochen, verlor er wieder die „Sprache. Der Knabe eilte fort zum Presbyter. Es war Nacht, dieser „krank und konnte somit nicht kommen. Weil ich aber befohlen hatte, daß „man den Sterbenden, wenn sie darum bäten, und hauptsächlich, wenn sie „schon früher darum gefleht hätten, die Lossprechung ertheilen solle, damit „sie voll guter Hoffnung aus der Welt scheiden konnten, so gab der Pres- „byter dem Knaben ein wenig geweihtes Brod und befahl ihm, es anzufeuchten und es dem Alten in den Mund fließen zu lassen. (4) Der Knabe „kam damit zurück. Wie er sich näherte, ehe er noch hereintrat, erholte „sich Serapion wieder und sprach: Bist du da, mein Kind? — Der Pres- „byter konnte also nicht kommen? Nun so thue du geschwind, was er dir „besohlen hat. Der Knabe befeuchtete das Brod und ließ es ihm zugleich „in den Mund fließen. Kaum hatte es der Greis hinabgeschlnckt, als er „seinen Geist aufgab. Ist er also nicht offenbar so lange aufbewahrt und „beim Leben erhalten worden, bis er absolvirt war und, nachdem er Vergebung seiner Sünde erhalten, wegen des vielen Guren, das er gethan, „von Christo anerkannr werden konnte ?" So weit Dionysius. (t) Dieser Serapion ist nicht mit dem im t2tcn Hanptst. dieses Buches angeführten zu verwechseln. <2) Nämlich man möchte ihn wieder in die Gemeinde aufnehmen. (Z) Absolvircn konnte eigentlich nur der Bischof; allein da dieser, namentlich in den größer» Städten, nicht überall gegenwärtig scyn konnte, so hatten gewöhnlich Presbyter die Obliegenheit, Kranke auf ihr Verlangen zu absolvircn. l4) Es war ei» alter Brauch, Kranken durch andere Personen das Abendmahl zu schicken. Devins. Jahr Christus 252. Kornelius. 241 Füusundvier;ig stcs Hailptstück. Brief des Dionysius au Novatus. Wir wollen nun sehen, was eben dieser Dionysius auch an Novatus, der damals die Gemeinde zu Rom verwirrte, geschrieben hat. Da dieser die Schuld des Abfalls und der Spaltung auf einige Brüder schob, als wenn er von diesen so weit zu gehen gezwungen worden wäre, >o schrieb Dionysius auf folgende Weise an ihn: „Dionysius dem Bruder Novatus „seinen Grusi. Wenn du, wie du sagst, wider deinen Willen fortgerissen „worden bist, so wirst du dieß dadurch beweisen, daß du freiwillig nm- „kehrst. Denn du hättest auch alles Mögliche lieber erdulden sollen, um „in der Kirche Gottes keine Spaltung zu stiften. Und ein Märtyrerthum „zu Verhinderung einer Spaltung in der Kirche wäre nicht minder herrlich, „als ein Märtyrerthum, um kein Götzendiener zn werden, gewesen, ja „meiner Ansicht nach noch etwas Größeres. Denn in diesem Fall wird „einer nur für seine einzelne Seele ein Märtyrer, in jenem aber für die „ganze Kirche. Wenn du jetzt noch die Brüder überredest oder zwingst, zur „Eintracht zurückzukehren, so wird das Gute, das du dadurch thust, größer „seyn als dein Fehltritt; letzterer wird dir nicht angerechnet, jenes hingegen gepriesen werden. Wenn sie dir aber nicht folgen wollen, und es „dir also unmöglich ist, so eile doch, deine eigene Seele zu retten. Ich „wünsche dir, daß du, nach dem Frieden trachtend, im Herrn wohl leben „-mögest." Diestschrieb Dionysius an Novatus. S' echsundvierzigstes Hanptstnck. Von den andern Briefen des Dionysius. Dionysius schrieb auch einen Brief an die Brüder in Aegypten von der Buße, worin er seine Ansicht über die Gefallenen äußert und Grade des Falls bestimmt. Auch hat man von ihm eine besondere Schrift Von der B u ße an Konvn, den Bischof der Gemeinde zu HermopvliS, (1) und eine eindringliche Ermahnungsschrift an seine Heerde zu Alexandrien, so wie eine Schrift vom Märtyrerthum an OrigeneS und eine an die Brüder in Laodicea, welchen Thelymidres als Bischof vorstand. Desgleichen schrieb Dionysius auch einen Brief von der Buße an die Brüder in Armenien, deren Bischof Meruzaneö war. Ueberdicß verfaßte er auch ein Schreiben an den römischen BischofKornelius, nachdem er dessen Brief wider Novatus erhalten hatte. Er benachrichtigte in demselben den Kornelius, daß er von Helenus, dem Bischof zu Tarsus in Cilicien, und den übrigen Bischöfen, die bei ihm gewesen, so wie von FirmilianuS in Kappadocien und Thevktistus in Palästina ans eine Synode nach Antiochien, wo Einige die Spaltung des (t) Eine Stadt in Aegypten. Eusebius Kircheilgeschichte. ^ 242 Decius. Jahr Christus 252. Kornelius.* Novatus in Ansehen bringen wollten, eingeladen worden scy. Ferner meldete er darin, er habe die Nachricht erhalten, daß Fabins verschieden und daß DemetrianuS dessen Nachfolger in dem Bisthum zu Antiochien geworden scy. Von dem Bischof zn Jerusalem meldet er wörtlich Folgendes: „Der treffliche Alexander ist im Gefängniß, in das er geworfen wurde, „selig entschlafen." Weiter hat man noch einen zweiten Brief von Dionysius an die Römer, durch den Hippolytuö, Von Diakonatsachen. An dieselben schrieb er auch noch einen andern Brief Vom Frieden, begleichen Von der Buße, ferner noch einen andern an die dortigen Bekenner, welche noch der Meinung des Novatus anhingen. An eben dieselben verfaßte er noch zwei andere Schreiben, als sie zur Kirche zurückgekehrt waren. Ueberdieß pflog Dionysius noch mit sehr vielen Andern schriftlichen 'Umgang und ist dadurch denjenigen, welche sich noch jetzt mit seinen Schriften beschäftigen, vielfach nützlich geworden. Ende des sechsten Buche«. — Siebentes Buch. V orred e. Das siebente Buch der Kirchengeschichte soll uns wiederum der große(i) alexandrinische Bischof Dionysius, welcher alle Begebenheiten seiner Zeit in den Briefen, die er uns hinterlassen, stückweise erzählt, mit seinen eigenen Ausdrücken verfassen helfen. Meine Erzählung wird gleich mit demselben den Anfang machen. Erstes Hanptstück. Von der schlechten Handlungsweise des Dccius und Gallus. Nachdem Decius noch nicht ganz zwciJahre(2) regiert hatte, so wurde er nebst seinen Söhnen getödtet(Z) und Gallus überkam die Regierung. Um " Gallus und Völusianus. I. Chr. 252. Kornelius. (1) Nicht allein Eusebius, sondern fast alle alte Väter geben dem Dionysius den Beinamen des Großen. Valesius. (2) Eusebius legt ihm in der Chronik nur 1 Jahr und 3 Monate (bester 4) bei. Aber Aurelius Victor (vo ümes-nid. onp. 29) sagt, die Dreier wären nach zurückgelegtem zweitem Regierungsjahr umgekommen. In Victors Auszüge (en>>. 29) aber Heist es, Dccius habe 3l> Monate regiert. Eusebius legt dem Dccius nur 1 Jahr und 3 Monate bei, weil er dem Philippus 7 Jahre zugelegt, der doch nur <> Jahre regiert hatte. Valesius. Ucbcr- haupt muß man sagen, daß in Ansehung der Chronologie nirgends so viel Verwirrung de, Eusebius ist, als in diesem Zeitraum. (3) Er wurde i. I. 251 bei Abrutum oder Forum Trcbronii in Mosten nebst seinem älter» Sohne Etruscus von den Gothen erschlagen, oder versank während der Schlacht in einem Sumpfe. Der jüngere, Hostilianus, fand zu Rom seinen Tod, entweder in Folge der Pest oder der Hinterlist des Gallus. Gallus und Volustanus. I. Chr. 252. Kornelius. ^ 21? diese Zeit starb Origenes nach zurückgelegtem 69stem Jahre seines Alters. In einem Briefe an Hermannon äußert sich Dionysius über Gallus folgendermaßen: „Aber auch Gallus sah daS Schlechte von Decius nicht ein, „noch bemerkte er, was jenen gestürzt hatte, sondern er stieß an eben den- „selben Stein, der ihm vor Augen lag, an. Denn da seine Regierung „glücklichen Fortgang hatte und ihm Alles nach Wunsch von Statten ging, „so schickte er die heiligen Männer, welche für seinen Frieden und für seine „Gesundheit zu Gott beteten, in die Verbannung. Er verfolgte demnach „zugleich (l) mit diesen die Gebete für seine Person." So viel Dionysius von Gallus. Zweites H a u p t j't ü ck. Was für Bischöfe damals zu Rom gewesen. Nachdem in der Stadt Rom Kornelius gegen drei Jahre das Bisthum iune gehabt hatte, (2) so wurde Lucius sein Nachfolger; dieser verwaltete aber nicht volle acht Mvnaie dieses Amt, als er starb und die bischofliche Würde dem Scephanus hinterließ. An diesen Stephauus hat Dionysius seinen ersten Brief von der Taufe gerichtet. Es hatte sich nämlich damals ein nicht geringer Streit über die Frage erhoben, ob man diejenigen , die sich von irgend einer Ketzerei bekehrten, durch die Taufe reinigen solle. Denn es war ein alter Brauch gewesen, daß man sich bei dergleichen Leuten bloß des Gebetes mit Auflegung der Hände bediente. Drittes Hauptstück. Wie Eppriauus nebst den ihm anhängenden Bischöfen zuerst der Meinung gewesen, daß man diejenigen, welche von ketzerischem Jrrthum zurückkehrten, durch die Taufe reinigen müsse. Cyprianus, der Hirte der Gemeinde zu Karthago, war unter den damaligen Bischöfen der erste, welcher dafür hielt, man dürfe sie nur dann erst, wenn sie durch Taufe von ihrem Jrrthum gereinigt seyen, zulassen.(3) Allein Stephanus glaubte, mau solle sich keine Neuerung gegen den althergebrachten Brauch erlauben, und wurde sehr unwillig hierüber. ^ Lucius, 2tstcr Bischof zu Rom. Stephanus, 22stcr Bischof zu Rom. I. Chr. 254. (1) Andere Kirchcnschriststellcr wissen nichts von einer Christcuverfolgung unter Gallus. (2) Er wurde vom Kaiser Gallus nach Ccntumcellä sLivitn Veoolü») in Etruricn in die Verbannung geschickt; ein gleiches Schicksal hctraf seinen Nachfolger Lucius. (3) Man sehe hievon unter den Briefen Cyprians den 64sten, Elsten u. ff. Cyprian hielt bekanntlich über diesen Punkt drei Synoden oder sogenannte Concilia zu Karthago. Auf dem ersten waren 6ä, aus dem andern 71 und auf dem dritten 87 Bischöfe. Von dem letzter» befinden sich die Akte» uuter den Werken Cyprians. Stroth. Iii* 24-4 Gallus und VolujlauuS. I. Chr. 254. Stsphauusb Viertes Hauptstück. Wie viel Briefe Dionysius hierüber geschrieben. Dionysius verhandelte nun über diesen Gegenstand mit ihm durch Briefe und meldet ihm zuletzt, daß nach dem Aufhören der Verfolgung die Kirche» überall die Neuerung des Nooatus verabscheut und wieder Frieden mit einander gemacht hatten. Seine Worte sind folgende: Fünftes H a u p t stü ck. Von dem Frieden nach der Verfolgung. ..Wisse nun, Bruder, daß alle früherhin von einander getrennten „Kirchen im Orients und noch weiterhin, (1) mit einander verbunden sind „und alle Gemeindevorsteher mit einander in Eintracht stehen nnd sich des .wider Erwarten zn Stande gekommenen Friedens ungemein freuen, näm- ..tich Demctrianus zu Antiochien, Theoktistus zu Casaren, Mazabanes(2) „der Nachfolger des verstorbenen Alexanders in Aelia, Marinus inTyrus, „Heliodorus, der Nachfolger des verstorbenen Thelymidres zu Lavdicea, „Helenus zu Tarsus und alle Gemeinden in Cilicicn, so wie Firmiliauus „und alle Gemeinden Kappadociens. Denn, um meinen Brief nicht zu „lang und meine Worte nicht beschwerlich zu macheu, führe ich nur die „angesehensten Bischöfe mit Namen an; ferner ganz Syrien und Arabien, „wohin ihr immer Unterstützungen (5) schickt und erst neulich noch geschrieben habt, sodann Mesopotamien, Pontus und Bithynien, und um es „kurz zu sagen, Alle aller Orten freuen sich höchlich der Eintracht und der „brüderlichen Liebe und preisen Gott deßwegen." So weit Dionysius. Nachdem Stephanus sein Amt zwei Jahre lang verwaltet hatte, wurde Zsystus sein Nachfolger. An diesen schrieb Dionysius einen zweiten Brief wegen der Taufe, worin er zugleich die Meinung und das Urtheil des Ste- phanuS und der übrigen Bischöfe anführt. Von ersterem sagt er Folgendes: „Er hatte nun schon früher von Helenus, FirmilianuS und allen Bischöfen „von Cilicien, Kappadocien. Galatien und allen weiter daran grenzenden „Provinzen geschrieben, daß er aus dem Grunde die Geimeinschaft mit „ihnen aufhebe, weil sie die Ketzer wieder taufen. Bedenke aber doch nur „die Wichtigkeit der Sache. Denn es ist in der That, wie ich böre, in den „ansehnlichsten Versammlungen der Bischöfe. (4) der Schluß gefaßt worden. ^ (I. Chr. 256.) Ztystus II., 23ster Bischof zu Rom. (!) Hierunter sind die Gemeinden in Mesopotamien, Osroctw und Arabien zu verstehen. (2) D. i. Jerusalem. Siehe Buch 4, Kap. 6. (3) Die Wohlthätigkeit der römischen Gemeinde gegen auswärtige und zum Thcil sehr entfernte Gemeinden ist schon oben 4, 23 gerühmt worden. (4) Nämlich auf der Synode zu Jkonium, wovon Firmilianus in seinem Briese an Cyprian schreibt und auf den afrikanischen Concilicn, die theüs unter dem Agrippinus, theils unter Cyprian gehalten worden desgleichen auk dem Concilium zu Synnada, wovon Gallus u. Volnsianus. I. Chr. 256. Xystus Ii. 2tS „daß diejenige!», welche von einer Ketzerei herüber kämen, vorerst unter die „Katechumenen aufgenommen werden, und sodann von dem Schmutz des „alten unreinen Sanerteiges abgewaschen und gereinigt werden sollen. „Ueber dieses Alles habe ich bittweise an ihn geschrieben." Weiterhin sagt er: „Auch unfern geliebten Brüdern und MicpreSbytern Dionysius und „Philemon, welche frnherhin die Ansicht des Srephanus gethcilt und über „denselben Gegenstand an mich geschrieben haben, habe ich zuerst nur ziemlich kurz, jetzt aber weitläufiger geschrieben." So viel von der gedachten Streitsache. S e ch s t e s H a u v t lt ü ck. Von der Ketzerei des SabclliuS. In eben diesem Schreiben gibt Dionysius auch von den Sabelliani- schen (1) Ketzern, als welche zu seiner Zeit hervortraten, folgende Nachricht: „Von dem kürzlich zu Ptvlemais in Pentapolis(2) aufgebrachten Lehrsatze, „welcher gottlos ist und viele Lästerungen gegen den allmächtigen Gott und „Dater unsers Herrn Jesu Christi, so wie großen Unglauben in Betreff sei- „nes eingebornen Sohnes, des Erstgebornen aller Kreatur, des Mensch gewordenen Logos und völligen Mangel an Ahnung des heiligen Geistes „enthält, habe ich, da von beiden Seiten sowohl Schreiben an mich gelangt, «als auch Brüder, die sich mit mir besprechen wollten, zu mir gekommen „sind, nach dem Maße meiner Kräfte unter dem Beistande Gottes Einiges nuten Kap. 7. Auf dcr Synode zu Jkonium waren nach Augustinus 55 Bischöfe. Uebrigcns behielten die Orientalen und besonders die Kappadocicr den Gebrauch, die Ketzer wieder zu taufen , beständig bei, wie aus des Basilius erstem und zweitem kanonische» Brief an den Amphilochius erhebt, ja, dieser Gebrauch währte bei ihnen bis zur erste» konstantinopol. Synode. Balesius. Ucbrigens drohte Stcphanus nicht allein den Asiaten, sondern auch und vornämlich dem Cyprian mit stmen Afrikanern, an welche er sehr stolze Schreiben ergehen ließ, daß er alle Gemeinschaft mit ihnen aufheben wolle. Stroth. (l) Die Lehrsätze des Sabellius waren nach Martinis Darstellung folgende: „Es ist „nicht mehr als eine einzige göttliche Hypostasis oder Person; der Logos ist eine Kraft „Gottes, die sich seit der Schöpfung dcr Welt unter den Menschen wirksam erwiesen, aber „nie eine eigene Persönlichkeit erhalten hat, nie ein besonderes für sich bestehendes Subjekt „geworden ist. Diese Kraft Gottes vereinigte sich nun zu der bestimmten Zeit mit dem „Meujchcn Jesu, wirkte auf ihn, wie auf keinen ander» Menschen und verließ ihn nicht „eher, als bis er Alles, was u: Bcseligung dcr Menschen von ihm geschehen sollte, „vollbracht hatte. Dieser Mensch Jesus hieß nunmehr Sohn Gottes, weil er, außer „seiner wunderbaren Erzeugung, mit einer göttl'chcn Kraft ausgerüstet war. Der heilige „Geist ist auch eine Kraft Gottes, die zur Beförderung dcr Tugeno und zur Besserung unter „den Menschen wirkt. Wenn Sabellius dessen ungeachtet Batcr, Sohn und Geist drei „PerMen nannte, so hatte er nur drei verschiedene Kräfte oder Kraftäußerungm in dcr „Gottheit im Sinne, indem er sich Gott in einen» dreifachen Kraft- oder Wirknngsverhält- „niß dachte, als die oberste Ursache aller Dinge, als den Erleuchter der Menschen durch „Einicnkung seiner Geisteskraft in den Menschen Jesu und als Beförderer dcr Besserung „und Tugend unter den Menschen. Ebenso hatte Sabellius, »venu er von einem Unter- „schicd Mischen Vater, Sohn und Geist sprach, nur drei verschiedene Kräfte in Gott und „die verschiedenen Arten ihrer Wirksamkeit im Sinne." H2) Eine Landschaft in Nordafrika, so genannt von den fünf Städten, welche in ihr lagen, nämlich Beremca, Arsinoe, Ptolcmais tj. Tolometa), Apollonia und Eyrcne. 2^6 Gallus n. VolussannS. I. Chr. 256. Justus ZI. »zu besserer Belehrung in Briefen (1) abgefaßt, wovon ich dir die Abschriften schicke." Siebentes H a np t siu ck. Ahn dem höchst vcrabschcuungswürdigen Jrrthum der Ketzer, und der dem Dionysius von Gott gewordenen Erscheinung, so wie von der Kirchcnrcgcl, die er überliefert bekommen. In seinem dritten Briefe von der Taufe, welchen er an den Presbyter Philemon zu Rom geschrieben hat, bemerkt derselbe Dionysius Folgendes: „Ich habe sowohl die Schriften, als die Ueberlieferungen der Ketzer kennen „gelernt und meine Seele eine Zeit lang mit ihren höchst abscheulichen Ge- „danken befleckt, indeß doch den Nutzen davon gehabt, daß ich sie bei mir „selbst widerlegt habe und jetzt nur noch viel mehr verabscheue. Und da „ein Bruder unter den Presbytern mich davon abhalten wollte, weil er befürchtete, ich möchte mich von dem Schlamme ihrer Schlechtigkeit fort- „schwemmen lassen und Schaden an meiner Seele nehmen, wobei er allerdings, wie ich selbst einsah, Recht hatte, so kam eine Erscheinung, von Gott „gesandt, welche mich stärkte. Und es erging eine Stimme an mich, welche „mir mit deutlichen Worten befahl: „Lies nur Alles, was du in die Hände „bekommst. Denn du hast Fähigkeit genug, Alles zu bsurtheilen und zu „prüfen, und dicß ist dir von Anfang an auch die Ursache zum Glauben geworden.« Ich glaubte der Erscheinung als übereinstimmend mit jener Aufforderung des Apostels, die er an die Stärkern richtet: „Werdet geschickte „Geldwechsler.« (2) Nachdem Dionysius hieraus Einiges von den Ketzereien überhaupt gesagt, fährt er weiter also fort: „Folgende Regel und Norm „habe ich von unserem seligen Vater (3) Heraklas überkommen. Diejenigen, welche von den Ketzern zur Kirche kamen, wiewohl sie vorher von derselben abgefallen waren, noch mehr aber diejenigen, welche nicht einmal „abgefallen waren, sondern dem Scheine nach Gemeinschaft mit derselben „hielten, daneben aber angegeben waren, daß sie einen der Jrrlehrer be- „suchten, jagte er aus der Kirche hinaus und nahm sie, wenn sie baten, nicht (1) H!cr scheinen die Briefe gemeint zu scyn, die er an Ammon, Bischof von Bcrenica, an Telesphorus und Euphranor wider den Sabcllius geschrieben, von welchen Eusebius unten Kap. 26. redet. Walcsius. (2) D. h. werdet geschickt, die echten und die unechten Münzen von einander zu sondern. Diese von den Kirchenvätern häusig angeführten und bald Christo, bald dem Paulus zugeschriebenen Worte finden sich so, wie sie hier stehen, nirgends im neuen Testamente, weshalb denn Ußher annimmt, es scyen dieselben aus dem Evangelium an die Hebräer genommen, eine Annahme, welche bei vielen Gelehrten Beifall gefunden hat und welcher die von Cotclier, daß sie entweder aus der mündlichen Tradition oder einem bessern Apokryphen entnommen scy, verwandt ist. Indeß ist es nicht nöthig, zu einer solchen Annahme seine Zuflucht zu nehmen, da sie bei der bekannten Freiheit der Kirchenväter in den Citationen aus der heiligen Schrift als ebenso gut in 1 Thess. 5, 21. wie bei ihrer allegorisirendcn Auslegungsweise in Matth. 25, 27. enthalten angenommen werden und soweit eben gut als Worte des Apostels, wie als Worte Christi betrachtet werden können. HS) Noch in diesem und vielen folgende!: Jahrhunderten wurde der Name eines Vaters (Papa) allen Bischöfen ertheilt. Gallus u. Volusianns. I. Chr. 2ü6. Tystus II. 247 „eher wieder auf, als bis sie Alles, was sie bei den Widersachern gehört, „öffentlich gestanden hatten. Dann ließ er sie znr Gemeinschaft zu, ohüe „weiter eine zweite Taufe bei ihnen für nöthig zu halten. Denn sie hat- „ten den heiligen Geist schon vorher von ihm empfangen." Nachdem sodann Dionysius sich noch weiter über diese Streitfrage umständlich verbreitet hat, fährt er also fort: »Ich habe auch erfahren, daß die Afrikaner dieß „nicht bloß jetzt erst eingeführt haben, sondern daß auch schon lange vorher „zu den Zeiten der Bischöfe voraus in den volkreichsten Gemeinden und auf „den Synoden der Brüder zu Jkonium(l) und Synnada und sonst noch bei „vielen Andern dieselbe Ansicht herrschte, deren Beschlüsse umzustoßen und „dadurch Streit und Zank zu erregen ich nicht über mich gewinnen kann. „Denn du sollst, heißt es in der Schrift, (2) die Grenzen deines Nächsten, »welche deine Vorfahren gesetzt haben, nicht verrücken." Der vierte seiner Briefe über die Taufe ist an den Dionysius zu Rom gerichtet, welcher damals noch die Presbyterwürde bekleidete, bald darauf aber das dortige Biöthum überkam. Man kann aus demselben ersehen, wie auch dieser von dem Dionysius zu Alexandrien das Zeugniß eines gelehrten, trefflichen Mannes erthcilt wird. Unter Anderem, das er ihm schreibt, thut er auch des Novatus folgendermaßen Erwähnung. Achtes Haupt stück. Von dem Irrglauben des Novatus. „Den Novatianus hassen wir mit Recht, da er die Kirche getrennt, „mehrere Brüder zu Gottlosigkeiten und Lästerungen verleitet, eine „höchst frevelhafte Lehre von Gott eingeführt und unfern so gütigen Herrn „Jesus Christus als unbarmherzig verleumdet hat, so wie außerdem das „heilige Bad der Taufe ungültig macht, den Glauben und das Bekenntniß, „welches derselben vorangehen(Z) muß, verkehrt und aus seinen Anhängern „den heiligen Geist völlig vertreibt, wenn auch sonst Hoffnung vorhanden „gewesen wäre, daß er geblieben oder zurückgekehrt seyn würde." Neuntes Hauptstück. Von der gottlosen Tanfe der Ketzer. Der fünfte Brief des Dionysius ist an den römischen Bischof Zkystus geschrieben. Er bringt darin Vieles gegen die Ketzer vor und erzählt sodann <11 Eine Stadt in der klcinasiatischen Landschaft Lycaom'cn, j. Eogni. (2, 5 B. Mos. 19, 14. (3) Die Katcchumencn mußten, ehe sie die heilige Taufe empfingen, das Symbolum, welches ihnen gegeben war, auswendig hersagen. Hierauf wurden sie von dem Priester gefragt »nd antworteten auf jeden Punkt: Ich glaube. Die letzte Frage war: Glaubst du ein ewiges Leben und die Vergebung der Sünden durch die heilige Kirche? wie Cyprianus im 7vstcn und 76stcn Briefe lehrt. BalesiuS. 2-Z8 Gallus n. Volusianus. I. Chr. 256- Äystns ZI. folgenden Vorfall, der sich bei ihm ereignet hatte, mit folgenden Worten: »Und in der That, lieber Bruder, bedarf ich des NatheS und bitte »dich um deine Meinung bei folgendem Vorfall, der mir begegnet ist, damit „ich keinen Mißgriff begehe. Wie neulich die Tanfhandlnng vorgenommen „wurde, war ein Mann dabei anwesend, der unter den versammelten Brn- „dern für einen alten Gläubigen galt und schon vor meiner Erwählung, „ja ich glaube gar schon vor der Einsetzung des HeraklaS, an den Versamm- „lungen Theil genommen hatte. Dieser trat, nachdem er die Fragen und »Antworten angehört hatte, weinend und sich selbst beklagend, zu mir hin, »fiel mir zu Fußen und bekannte und betheuerte höchlich die Taufe, die er »bei den Ketzern empfangen habe, sey nicht von dieser Art und habe mit „dieser im Geringsten nichts gemsin. Denn jene seh voll Gottlosigkeit und »Lästerung. Er sagte, er werde von den heftigsten Gewissensbissen gequält „und getraue sich nicht, die Augen zu Gott aufzuschlagen wegen der gottlosen Worte und Gebrauche, unter welchen er getauft worden sey. Deß- »wegen bitte er um die Ertheilnng dieser ganz läutern Reinigung, Aufnahme und Gnade, (b) Allein ich wagte es nicht, dieß zu thnn, sondern »entgegnete ihm, seine vieljährige Gemeinschaft mit der Kirche sey für ihn „hinlänglich. Denn da er seit so langer Zeit die Bsnediktion angehört, das „Amen (2) mitgesprochen, beim Tische gestanden, die Hände zur Empfangnahme der heiligen Speise ausgestreckt, (?) und an dem Leibe und dem „Blute unsers Herrn Jesu Christi so lange Zeit Theil genommen hat, „so möchte ich mich nicht wohl erkühnen, ihn von Neuem durch die Taufe „einzuweihen. Ich hieß ihn indessen guten Muths sehn und mit festem „Glanben und gutem Gewissen an dem heiligen Abendmahl Theil nehmen. „Allein er hört nicht auf zu trauern und zittert, zum Tische hinzugehen und „getraut sich kaum auf vieles Bitten, dem Gebete beizuwohnen.« Außer den genannten Briefen des Dionysius hat man auch noch einen andern Brief von ihm über die Taufe, welcher in seinem und seiner Gemeinde Namen an st'ystus und an die römische Gemeinde gerichtet ist, worin er eine weitläufige Untersuchung über die vorliegende Streitfrage anstellt, so wie überdieß noch einen an den römischen Dionysius, den Lucianus (ss) betreffend. So viel hievvn. (1) D. h. Er verlangte noch einmal getaust zu werden. (2) Dieß that nämlich die ganze Gemeinde, nachdem der Priester die Benediktion beim Abendmahl vollendet hatte. (3) Es erhellt aus dieser Stelle, daß sich die Alten damals noch eines Tisches und nicht eines steinernen Altars bedient und das Abendmahl stehend, nicht knieend empfangen haben. Beim Hinnehmen des Brods, welches sie mit der rechten Hand empfingen, hielten sie die linke unter, damit nichts auf die Erde siel. (4> Dieser Lucianus ist nicht weiter bekannt. Der berühmte Schriftsteller von Samo- sata ist es wohl nicht. Stroth vcrmuthet daruiwer den römischen Bischof Lucius, der auch Lucianus genannt worden sey, Danz den Presbyter Lucianus von Karthago, dessen Eypria- mis in seinem 27stcn Briefe gedenkt. Vassriamls. Jahr Christus 254. Tystus U. 2Ll4 Jehntes HaNpLstück. Bon Valcrianus und der Verfolgung unter ihm. Gallus und die übrigen Kaiser (1) hatten noch nicht volle zwei Jahre auf dem Throns gesessen, als sie ermordet wurden und Balerianus mit seinem Sohne Gallieuuö ihnen in der Regierung folgte. Wie sich Dionysius auch über diesen äußert, kann man aus seinem Briefe an Hermammvn ersehen, worin folgende Stelle vorkommt: „Dem Johannes „ist es gleichfalls geoffenbart worden. Es heißt bei ihm: (2) Und es ward „ihm gegeben ein Mund zu reden große Dinge und Lästerung und es wurde „ihm Macht gegeben 42 Monate lang. (Z) Beides ist bei Balerianus zu? „Verwunderung eingetroffen. Hiebei muß mau vorzüglich die Art und „Weise seines frühern Benehmens in Betrachtung ziehen, so lange er gegen „die Männer Gottes gütig und wohlwollend war. Denn keiner der frühem „Kaiser, nicht einmal diejenigen, welche offenbar Christen gewesen seyn „sollen,(4) war so liebreich und huldvoll gegen sie gesinnt wie Valcrianus. „Er behandelte sie im Ansauge seiner Regierung ganz öffentlich auf daS „freundlichste und wohlwollendste und sein ganzes Hoflager war voll von „gottesfürchtigen Männern und eine Gemeinde Gottes. Der Lehrer und „Ober-Vorsteher der ägyptischen Magier (S) aber beredete ihn, diesen Gesinnungen zu entsagen und forderte ihn einestheils aus, die unschuldigen, „heiligen Männer zu verfolgen und zu todten als Leute, welche sich seinen „ganz abscheulichen und greuelhaften Beschwörungen widersetzten und dieselben verhinderten — denn eS gab unter ihnen und gibt noch welche, die „durch ihre bloße Gegenwart und ihren Blick, wie auch durch Anblasen und „Reden schaden, (K) die Blendwerke der bösen Geister zu zerstören vermögen andcrutheils ricth er ihm, unreine Einweihungen, abscheuliche Zaubereien und eitle Opfer anzustellen, unglückliche Kinder zu schlachten, die „Kinder unglücklicher Eltern zu opfern, die Eingeweide Neugeborner zu „durchforschen und die Gebilde Gottes zn zerfleischen und zn zerschneiden, „als würde ihm dadurch Glück entstehen." Etwas weiterhin fährt Diony- (1) Hierunter versteht Eusebius thcils des Gallus Sohn und Mitrcgentcn Bolusianus, theils seinen Gegenkaiser Acmilianus. Erstercr wurde von ihren Soldaten, als Acmilianus gegen sie zog, letzterer von seinem Heere, beinr Anrücken des Balerianus gctödtct. Ucbri- gens währt, wie Stroth richtig bemerkt, die Verwirrung in der Zeitrechnung noch immer fort. Denn Gallus kam eigentlich gegen das Ende des Jahrs 253 ums Leben; es sind aber schon lange vorher Dinge erzählt, die thcils ins Jahr 254, thcils 256 und noch später hingehören. (2t Offenb. 13, 5. (3) Diese 42 Monate sind von der Zeitdauer der Ehristcnvcrfolgung Valcrianus zu verstehen; denn in den ersten drei Jahren seiner etwa siebenjährigen Regierung war er den Christen günstig. (4) Hierunter ist Philippus mit seinem Sohn und vielleicht auch Alexander Severus zu verstehen. Der letztere hatte in seiner Hauskapclle unter den Büsten der Menschen, welche er für Wesen höherer Art hielt, auch die Büste Christi und soll die Absicht gehabt haben, Christus unter die römischen Götter aufnehmen zu lassen. (u> So nennt Dionysius den Marrianus, einen Günstling Balerianus, weil er sich wohl viel mit Magic abgab und die Magier beschützte. lü) Bezieht sich wohl auf das Aussprechen des Ramens Christi. 2Zsi ValevmnuS. Jahr Christus 237. TystuS II sinS also fort.- „Makrianus hat ihnen (1) also einen herrlichen Dank für «die in Aufsicht gestellte Herrschaft dargebracht, welcher früher, da er kaiserlicher allgemeiner Rechnungsrath hieß, (2) weder etwas zum allgemeinen »Besten, noch einen gesunken Rath gedacht hat, sondern welcher jenem „Fluche des Propheten verfaü'sn ist: Wehe denen, die aus eigenem Herzen „weissagen und nicht auf das allgemeine Lesse sehen. HZ) Denn er hat weder „einen Vegriss von einer allgemeinen (4) Vcnssehung gehabt, noch ist ihm «ein leiser Gedanke an das Gericht dessen gekommen, der vor Allem und in «Allein und über Allem ist. Er ist daher auch ein Feind seiner allgemeinen „Kirche geworden und hat sich selbst von der Erbarmung Gottes ausgeschlossen „und dieselbe von sich zurückgewiesen und seine Seligkeit so weit als möglich von sich entfernt und die Bedeutung seines Namens (5) dadurch an „sich bewahrheitet." Etwas weiterhin fährt Dionysius also fort: „Valeria- „uus ließ sich von diesem Menschen zu einer solchen Handlungsweise be- stimmen und gab sich dadurch der Schmach und der Schande preis nach «dem Ausspruche des Propheten Jesaias:(6) Sie haben sich ihre Wege ge- „wahlt und ihre Greuel, welche ihre Seele gewollt hat. Ich aber will erzählen, was ihnen zum Spotte ist und will ihnen vergelten ihre Sünden. „Makrianus aber brannte vor Begierde nach der Herrschaft, (7) obgleich „er sie nicht verdiente; da er aber seines verkrüppelten Körpers (8) wegen „sich selbst den Purpur nicht anlegen konnte, so stellte er seine beiden Söhne, «welche damit die Sünden des Baters auf sich nahmen, an die Spitze der „Regierung. Denn an ihnen ging Gottes Drohung: Ich will bei denen, »die mich hassen, die Sünden der Väter an den Kindern heimsuchen bis ins «dritte und vierte Glied, (9) augenscheinlich in Erfüllung. Denn da er „seine eigenen bösen Begierden, die er nicht befriedigen konnte, auf den (1) Den bösen Geistern. Der Sinn ist: Da die Aussprüche der bösen Geister ihn die Herrschast hoffen ließen, so bezeigt er ihnen dadurch seinen Dank, daß er den Valcrianus zu einer Verfolgung der Christen beweg. (21 'O? x?ri rcZn xackvX« 7,sz-v/ixro? eluttv, , nAcu euXo/ou, säe x«öo?.i,xöu Dieß Wortspiel, das in der Folge noch weircr fortgesetzt wird, einigermaßen ausdrücken zu können, habe ich den in der Ucbersetzung stehenden Ausdruck erwählen müssen. Stroth. (3) Ezcch. 13, 3. (4) Noch immer Anspielung auf den Titel dieses Ministers, der bei den Griechen elliptisch x«öc>7cxv5, bei den Lateinern Rationalis genannt wurde. Stroth. (5) Er hieß Makrianus und zeaxoäv heißt fern. (6) Jes. 66, 3. 4. (7) Nach der Gcfangcnnehmung des Valcrianus, welchen Makrianus zum Kriege gegen die Perser bewogen und an dieselben verrathen haben soll, warf sich Makrianus zum Kaiser auf und nahm seine beiden Söhne Quietus und Makrianus zu Mitregcntcn an, wiewohl man nach Dionysius glauben sollte, Makrianus habe die Regierung nicht selbst geführt, sondern sie auf seine Söhne übergetragen, wurde aber, als er gegen Gallienus zog, in Jllyrikum oder an der thracischen Grenze nebst dem einen seiner Söhne von Aureolus, auch einem der 30 Tyrannen, wie Makrianus, geschlagen und gctödtet. Sein anderer Sohn, Quictus, kam im Orient durch Odenatus um das Leben. Ucbrigcns rühmt der Ge- schichtschrciber Trcbellius Pollio den Makrianus und seine Söhne als treffliche Männer. vortete hierauf: Wir beten keinen andern „Gott an. Der Statthalter Aemilianiis sagte sodann zu „ihnen: Ich sehe, daß ihr zugleich undankbar und unem- „pfiIid lich gegen die Güte uuserer Kaiser seyd. Deswegen „dü rft ih r eu ch nich t länger in dieserStadt aufhalten, son- „d ern i h r >verdet nach Libyen g eschickt werden und z w ar an „einen O r t, Na m en s Kep hr o: De n n di eß ist de r Ort, w elchen „ichaufBefehl unserer Kaiser dazu erwählt habe. Es ist „aber unter keiner Bedingung euch oder Andern erlaubt, „Zusammenkünfte zu halten oder auf die sogenannten „Fried höfe (1) zugehen. Ze ig t e s sich a b er, daß e i n e r an d e n „von mir euch angewiesenen Ort nicht gegangen ist oder „wird er in einer Versammlung getroffen, so wird er sich „selbst in Gefa hr stürzcn. Denn an der gehörigen Aufsich t „so ll e 6 nich t fe h le n. Gc h t a ls o hin, wohin ihr angewiesen „se yd." So trieb er mich also, obgleich ich krank war, fort, ohne mir „auch nur einen einzigen Tag Aufschub zu geben. Was habe ich nun also noch (!) Die Märtyrer genossen einer sehr großen Verehrung in der christlichen Kirche. Man sammelte nicht bloß sorgfältig ihre Gebeine und setzte sie bei, sondern besuchte auch ihre Gräber, betete auf denselben und versammelte sich an ihrem Todestage an denselben, las daselbst Erzählungen von ihren Bekenntnissen und Leiden vor und feierte die Kommunion. Deswegen und weil der Besuch derselben das Glaubcnsfcuer der Christen zu entflammen pflegte, scheint Acmilianus dem Dionysius den Besuch der Friedhöfe verboten zu haben. Gerade so, wie hier Acmilianus dem Dionysius, verbot der Prokonsul von Afrika, Paternus, dem Cyprianus in derselben valerianischen Verfolgung die Versammlungen der Christen und den Besuch der christlichen Begrabnißplätzc bei Todesstrafe. Balcrianus. Jahr Christus 257. stsystus U, 2Sl! „fürZeit gehabt, Zusammenkünste zu halten(l) oder nicht zu haltenA' Weiterhin fahrt sodann Dionysius also fort: „Dennoch haben wir nicht unterlassen , sichtbare Zusammenkaufte mit der Hülfe des Herrn zu halten, son- „dern ich oersammelte die Leute in der Stadt mit dem größten Eifer, wie „wenn ich zugegen wäre, zwar dem Körper nach, um mich so auszudrücken, „abwesend, im Geiste aber gegenwärtig. (2) In Kephrv hielt sich übrigens „eine ansehnliche Versammlung Gläubiger bei uns auf, bestehend theilö „ans Brüdern, welche uns aus der Stadt gefolgt waren, theils aus solchen, „welche aus dem übrigen Aegypten sich daselbst zusammengefunden hatten. „Auch hier öffnete uns Gott die Thüre zu seinem Wort. Anfänglich zwar „wurden wir verfolgt, mit Steinen geworfen, später aber verließen nicht „wenige von den Heiden ihre Götzen nud bekehrten sich zu Gott. Damals „wurde durch uns zuerst der Saame des Worts, das sie vorher nicht ange- „nvmmen hatten, ausgestreut. Und gleich als habe darum uns Gott zu „ihnen geführt, führte er uns auch wieder von dannen, sobald wir diesen „Beruf erfüllt hatten. Denn Aemilianus wollte uns in Gegenden verletzen , die, wie er glaubte, noch rauher und libyscher waren. Er befahl „uns also sämmtlich im mareotischen Distrikt zusammenzukommen und „wies einem jeden seinen Flecken in demselben an. Wir aber kamen mehr „an die Heerstraße zu wohnen, um am ersten ergriffen werden zu können. „Denn er veranstaltete und richtete es so ein, daß er, wenn er uns ergreifen „lassen wollte, alle leicht in seine Gewalt bekommen konnte. Als ich den „Befehl erhielt, mich nach Kephro zu begeben, ging ich dennoch bereitwillig „und gelassen dorthin ab, obgleich ich nicht wußte, wo der Ort lag und bei- „nahe den Namen davon vorher nicht gehört hatte. Wie mir aber angekündigt wurde, mich von da weg in die kolluthionische Gegend (s) zu ver- „fügen, so wissen Alle, wie mir dabei zu Muthe war. Denn hier muß ich „mich selbst anklagen. Anfänglich war ich darüber höchst unmuthig und „unzufrieden. Denn wenn uns auch die Gegenden bekannter und nicht so „fremd waren, so war doch, wie es hieß, die ganze Landschaft von Brüdern „und tugendhaften Menschen völlig entblößt und den Belästigungen von „Seiten der Reisenden, so wie den Anfällen der Räuber ausgesetzt. Indessen tröstete ich mich wieder, als die Brüder mich darauf aufmerksam „machten, daß dieselbe näher an Alexandrien sey, und habe Kephro uns „einen ausgebreiteten Umgang mit Brüdern aus Aegypten verschafft, so „daß wir große Versammlungen daselbst halten konnten, so würden wir „bei der größern Nähe der Stadt häufiger den Anblick unserer eigentlich (t) Germanus gab nämlich dem Dionysius Schuld, cr habe vor dcm Ausbruch der Verfolgung keine Brüderveriammlung gehalten, sondern sich durch die Flucht gerettet. Denn so oft sonst eine Verfolgung bevorstand, pflegten die Bischöfe vorher das Volk zu versammeln und es zur Standhastigkeit im Glauben an Christum zu ermahnen. Hierauf tauften sie die Kinder und Katechumenen, damit diese nicht ungetanst aus der Welt gehen möchten und theilten den Gläubigen das Abendmahl aus, da es ungewiß war, wie lange die Verfolgung dauern würde. Valcsius. (2) Anspielung auf l Kor. 5, S. G) Ln dem mareotischen Distrikt in Unier-Aegypte». 2S4 Valeriana. Jahr Christus 257. Tystus Ii. Geliebten, Vertrauten und Freunde genießen können. Denn sie würden „dahin kommen und sich daselbst aufhalten und es könnten hier, wie in etwas „entfernt liegenden Vorstädten, (O besondere Versammlungen gehalten wer- „deu, was denn .auch geschah. Etwas weiterhin schreibt Dionysius ferner „von seinen Begegnisseü Folgendes: „Germanus brüstet sich mit seinen „vielen Bekenntnissen. Er we/st' freilich von Vielem zu erzählen, was ihm „begegnet ist. Allein wie viele Urthals. wie sie gegen uns ergangen sind, „kann er zählen? wie viele AchtSerklärungrA und Einziehungen der Güter ? „Raub des Vermögens? Entsetzung der Würden? Geringschätzung weltlicher Ehre? Verachtung des Lobs des Statthalters Und des Senats, der „Drohungen der Widersacher, des Geschrei's, der Gefahren, der Verfolgun- „gen, des JrrsalS, der Bedräugniß und mancherlei Roth Erduldung, der- „gleichcn mir unter Decius und Sabiuus(2) begegnet ist, dergleichen noch „bis jetzt unter Aemiliauus? Wo hat sich denn aber damals Germanus „sehen lassen? Wo ist von ihm gesprochen worden? Doch ich begebe mich „meiner großen Thorheit, in die ich des Germanus wegen gsrathen bin und „überlasse daher die Erzählung aller Einzelnheiten den Brüdern, welche da- „mit bekannt sind." Derselbe Dionysius gedenkt auch in seinem Briefe an Domitius und Didymus mehrerer Umstände bei der Verfolgung mit folgenden Worten: „Es wäre überflüssig, die Unsrigen namentlich an- „zuführen, da ihrer viel und diese dazu euch unbekannt sind. Nur das „wöget ihr wissen, daß Männer und Weiber, Junge und Alte, Mädchen „und bejahrte Frauen, Soldaten und Bürgerliche, daß jedes Geschlecht und „jedes Aster theils durch Geißel und Feuer, theils durch Schwert im Kampfe „überwunden und die Kronen empfangen haben, bei Andern aber war auch „eine lange Zeit nicht hinreichend genug, um dem Herrn angenehm zu er- „scheinen, waS auch, wie es scheint, bis jetzt bei mir noch nicht der Fall ist. „Daher hat er mich auf eine ihm bekannte bequemere Zeit aufgehoben, er, „der da sagt: Ich habe dich zur angenehmen Zeit erhört und dir am Tage „des Heils geholfen. (3) Da ihr nach unserem Zustande fragt und wissen „wollt, wie wir uns befinden, so habt ihr wenigstens gewiß gehört, wie wir „als Gefangene von einem Hauptmann und einigen Beamten (4) und ihren „Soldaten und Gerichtsdienern weggeführt worden sind, nämlich ich, Kajus, „Faustus, PetruS und Paulus, wie aber einige Mareoter, (5) die dazu (1) Wo die Borstädte etwas weit von der Stadt entfernt waren, da waren die Einwohner derselben nicht gehalten, die großen gottesdienstlichen Versammlungen in der Stadt zu besuchen, sondern m der Borstadt wurden besondere Zusammenkünfte entweder in einer Kirche oder an einem andern dazu bequemen Ort gehalten. Ferner nennen die Griechen nicht allein die wirklichen Borstädte UHoäarei.«, sondern auch ziemlich entlegen^ Flecken und Dorfer. Balesius. (s) Der letztere war unter Decius Statthalter von Aegypten. e3) 2 Korinth. 6, 2. (4) Hierunter sind die sogenannten Duumviri, ein bürgerlicher Magistrat von Alexandrien, zu verstehen. (5) Man sehe oben B. 6. Kap. 40. Diese hier angezogene Stelle aus dem Briefe an Domitius und Didymus gehört also nicht hieher, sondern weiter zurück unter die Regierung des Decius. Valexianus. Jahr Christus 257. Tystuö il 255 „kamen, uns gegen unfern Willen und ohne daß wir folgen wollten, ihnen „mit Gewalt entrissen und fortgeschleppt haben. Nun sind wir — näm- „lich ich, Kajus und Petrus — getrennt von den übrigen Brüdern, allein, „und leben in einem öden, schmutzigen Orte Libyens, drei Tagreisen von „Parätonium,(1) eingeschlossen." Sodann fährt Dionysius etwas weiterhin also fort: „In der Stadt haben sich, um die Brüder heimlich zu besuchen, verborgen — von den Presbytern: Maximus, DioSkorus, Demetrius und Lucius — (denn Faustinus und Aquilas, welche den Heiden zu „bekannt sind, irren in Aegypten umher) — von den Diakonen Fanstus, „Eusebius und Charemon, die einzig noch übrig gebliebenen, da die andern „an der Krankheit (2) gestorben sind. Den Eusebius hat Gott von Anfang „an dazu gestärkt und ausgerüstet, den im Gefängniß befindlichen Beken- „nern die Dienstleistungen unerschrocken zu erweisen und die Bestellung „der vollendeten, seligen Märtyrer nicht ohne Gefahr zu besorgen. Denn „der Statthalter fährt noch immer fort, diejenigen, welche vor ihn gebracht „werden, theils, wie gesagt, auf eine grausame Weise zu tödten, theils mit „Foltern zu martern, theils im Gefängnisse und in Banden abzehren zu „lassen, wobei er keine Besuche bei ihnen gestattet und nachforschen läßt, „ob sich vielleicht jemand sehen lasse. Dennoch erquickt Gotc die Bedräng- „ten, durch die Vereitwilligkeit und Beharrlichkeit der Brüder." So weit Dionysius in diesem Briefe. Ich bemerke hiebei noch, daß Eusebius, welchen Dionysius als DiakonuS genannt hat, bald darauf Bischof der Gemeinde zu Laodicea in Syrien worden ist. (Z) Maximus aber, den er damals noch einen Presbyter nannte, nach Dionysius selbst die Leitung der Gemeinde zu Alexandrien als sein Nachfolger überkommen (4) hat, Faustns dagegen, der damals mit ihm als Bekenner sich hervorgethan hatte, lebte bis zu der Verfolgung in unfern Tagen und starb sehr alt und hochbetagt zu unserer Zelt den Märtyrertod durch Enthauptung. Bis hieher, was sich zur damaligen Zeit mit Dionysius zugetragen hat. Zwölftes Hauptstück. Bo» denen, die zu Casaren in Palästina Märtyrer geworden. In der erwähnten Verfolgung des Valerianus zeichneten sich drei Männer zu Cäsarea in Palästina durch ein glänzendes Bekenntnis; aus und wurden mit einem herrlichen Märtyrertode geschmückt, indem sie den wilden Thieren vorgeworfen wurden. Der eine von ihnen hieß Priökns, der andere Malchus und der dritte Alexander. Diese wohnten, wie es heißt, auf dem (1) Eine Seestadt in der Landschaft Marmarika in Nordafrika. (2) Man sehe unten das 22ste Hauptst. Es suchte nämlich damals eine furchtbare Pest das gesammte römische Reich eine ganze Reihe von Jahren heim. (?) Man sehe hicvon unten Hauptst. ?2. (4) Unten Hauptst. 28. 256 Valenunus. Gallienus. I. Chr. 257 — 259. .ssystus Ii. Lande und machten sich zuerst selbst wegen ihrer Nachläßigkeit und Trägheit Vorwurfe, daß sie der Kampfpreise, welche die Zeitumstände denen, die von Verlangen nach dem Himmel glühten, darreiche, gar nicht achteten, wenn sie nicht die Märtyrerkrvne vorher an sich rissen. Nachdem sie dieß mit einander überlegt hatten, gingen sie nach Cäsarea, traten vor den Richter und wurden so des vorgedachten Endes theilhaftig. Ucberdieß erzählt man, daß außer ihnen in derselben Verfolgung in derselben Stadt eine Frau den nämlichen Kampf durchgekämpft habe. Diese soll eine Anhängerin der Sekte MarcionS gewesen seyn. Dreizehntes Hauptstürk. Von dem Frieden unter Gallienus. Nicht lange darauf wurde Valerianus Sklave der Barbaren (1) und sein Sohn führte nun die Regierung allein. (2) Dieser hegte mildere Ne- giernngsgrundsätze. Er that sogleich durch Edikts der Verfolgung gegen uns Einhalt und erließ ein Rcscript, daß unsere NeligionSlehrer die Freiheit haben sollten, ihren gewöhnlichen Verrichtungen nachzukommen. Das Rescript ist folgendes: (3) »Der Selbstherrscher und Kaiser Publins Licinius »Gallienus Augnstns, der Fromme, der Glückliche, dem Dionysius, Pin- »nas, Demetrius und den übrigen Bischöfen seinen Gruß. Ich habe den »Befehl ertheitt, daß die segensreichen Wirkungen meiner Gnade sich über »das ganze Reich verbreiten und daß sie (ä) von den für religiöse Zwecke »bestimmten Ocrtern sich entfernen sollen. (5) Ihr könnt euch auch in dieser »Absicht dieses meines schriftlichen Befehls bedienen, so daß euch Niemand »beunruhigen kann. Und dieses, was ihr nach der von uns ertheilten Erlaubnis; ausüben könnt, ist euch bereits vor geraumer Zeit von mir zuge- »standen worden. Deshalb wird auch der Großschatzmeister Aurelins Cy- „renius über den von mir ertheilten Befehl wachen." Dieß habe ich zu desto größerer Verständlichkeit aus dem Lateinischen übersetzt, meiner Geschichte — einverleibt. Noch hat man auch eine andere Verordnung desselben Kaisers, welche an andere Bischöfe gerichtet ist, worin er ihnen die Wiederbesitznahme der Plätze zu den sogenannten Friedhöfen gestattet. (1) Valerianus gerieth nämlich durch Venrath in die Gewalt der Perser und soll unter ihnen in schmählicher Dienstbarkcit — der Pcrserkönig Sapor setzte ihm, wenn er sein Pserd bestieg, jedesmal seinen Fuß auf den Racken— hingealtcrt seyn. t2h Er war schon früher Mitregcnt seines Baters gewesen. (3) Eusebius gibt hier nicht das ursprüngliche Edikt des Gallienus, sondern das Rescript, wodurch dasselbe nach der Besitzung des MaurianuS aus Aegypten angewandt wird. >4) Die Heiden. sü) Gallienus erkannte somit die christliche Kirche als eine gesetzmäßig bestehende Korporation an, da nur eine solche nach der römischen Staatsverfassung ein gemeinsames Gut besitzen konnte. Gallieuus. Jahr Christus 259. Tystus II. (Dionysius). 257 Vierzehntes H a u p t ft ü c!i. Was für Bischöfe damals geblüht. Damals stand noch der römischen Gemeinde Xystns(i) vor, der antio- chenischen nach Fabianus Demetrius, und der zu Casare« in Kappadocien Firmilianus, so wie den Gemeinden im Pontns Gregvrins und dessen Bruder Athenodvrus, beide Schüler des Origenes. Nachdem zu Casare« in Palästina Theoktistns verschieden war, so überkam das Bisthum daselbst Domnus, und da dieser nach nicht gar langer Zeit starb, so wurde Theo- teknus, der noch zu unserer Zeit gelebt hat, sein Nachfolger. Auch dieser war aus der Schule des Origenes hervorgegangen. Ferner bestieg zu Jerusalem nach dem Tode des Mazabanes den bischöflichen Stuhl Hymenäus, der ebenfalls zu unserer Zeit viele Jahre lang in Ansehen gestanden hat. Fünfzehntes Hauptstürk. Wie Marinas zu Cäsarca ein Märtyrer geworden. Um diese Zeit, während die Gemeinden aller Orten Frieden hatten, wurde zu Cäsarea in Palästina ein gewisser Marians, der einen ansehnlichen militärischen Rang bekleidete und durch Geburt und Reichthum sich auszeichnete, um des Zeugnisses Christi willen enthauptet. Die Veranlassung dazu war folgende. Die Weinrebe ist eine gewisse Auszeichnung bei den Römern und wer sie bekommt, wird, wie man sagt, Centurio. Da nun eine solche Stelle erledigt war, so sollte Marinas vermöge seines bisher bekleideten Ranges in dieselbe vorrücken. Als er schon ans dem Punkte stand, die Stelle zu bekommen, so trat ein anderer vor den Richterstuhl und erklärte, Marinas könne nach den alten Gesetzen keine römische Kriegswürde bekleiden, weil er ein Christ sey und den Kaisern nicht opfere. Ihm vielmehr gebühre die Stelle. Der Richter, Achäus war sein Name, ließ sich, wie es heißt, dadurch bestimmen, den Marinus zuerst zu fragen, welcher religiösen Ansicht er sey. Wie er sah, daß dieser sich beharrlich als einen Christen bekannte, so gab er ihm drei Stunden Bedenkzeit. Als Marinus ans dem Gerichtshofe herausging, trat Theoteknus, der Bischof von Cäsarea, zu ihm hin, zog ihn gesprächsweise mit sich fort, faßte ihn bei der Hand und führte ihn in die Kirche. Hierinnen stellte er den MarinuS an das tzei- tigthum, (2) schlug dessen Mantel ein wenig zurück und zeigte auf der einen Seite auf das ihm zur Seite hängende Schwert, auf der andern Seite hielt er ihm aber zugleich das Evangelienbuch vor und hieß ihn zwischen beiden (t) Andern Nachrichten zufolge war Lystus schon unter Balerianus Märtyrer geworden, nachdem er etwas über ein Jahr Bischof gewesen. Eusebius, der in diesem Zeitraum Alles durch einander verwirrt und chronologische Unrichtigkeiten auf Unrichtigkeiten häuft, widerspricht sich in Ansehung des Zystus selbst, dem er in seiner Chronik acht Jahre, unten im 27sten Hauptstück dieses Buches aber cilf Jahre beilegt. Stroth. (2) Derjenige heilige Thcil des Tempels, wo sich der Tisch des Herrn befindet. Eusebius Kirchengcschichtc. 17 25? Gallienus. Jahr Christus 259. Tystus II. (Dionysius), nach Gefallen wählen. Wie nun Marinus ohne Bedenken seine Rechts ausstreckte und nach der heiligen Schrift griff, sprach Thcoteknns zu ihm: Nun, so halte fest an Gott, halte fest, und mögest du erlangen, was du dir gewählt hast, gestärkt von ihm. So gehe hin im Frieden. Als Marinus alsbald darauf aus der Kirche zurückkehrte, rief ihm der Herold zu und forderte ihn vor Gericht; denn die ihm gegebene Frist war bereits verstrichen. Marinus erschien vor Gericht, bekannte deßhalb mit noch größerer Offenheit seinen Glauben und ward alsbald, so wie er war, zum Tode geführt und vollendet. Sechzehntes Hauptstück. Erzählung von AstpriüS. Bei diesem Vorfalle machte sich Astyrius, ein Mann aus dem römischen Senatorstaude, von den Kaisern sehr wohl gelitten und seiner edeln Herkunft und seines Vermögens wegen allgemein angesehen, durch seine fromme Furchtlosigkeit einen Namen. Dieser war damals zugegen, als der Märtyrer vollendet wurde, nahm, mit einem sehr kostbaren weißen Kleide ange- than, die irdische Hülle desselben auf seine Schultern, trug sie fort, kleidete sie sodann auf das Reichste ein und ließ sie auf eine anständige Weiss bestatten. Von diesem Astyrius erzählen seine Freunde, welche bis auf unsere Zeit gelebt haben, unter tausend andern Dingen folgendes Wunder. Siebzehntes Hauptstück. Von den Zeichen der Wunderthätigkcit unscrS Erlösers zu Pancas. Bei Cäsarea Philippi, (1) welches die Phönicier Paneas nennen, soll in die Quellen , welche man am Fuße des sogenannten panischen Berges zeigt und aus welchen auch der Jordan hervorfließt, an einem gewissen Festtage allemal ein Opferthier geworfen worden seyn. Dieses sey durch die Wirkung des Teufels auf eine wunderbare Weise verschwunden und dieser Umstand sey den dabei Anwesenden als ein ausgezeichnetes Wunder erschienen. Als nun einst auch Astyrius sich dabei eingefunden und sah, wie die Menge über den Vorfall in Verwunderung gerieth, so habe ihn ihres Jrr- thumS gejammert und er habe seine Blicke gen Himmel gerichtet, den Gott über alles durch Christum gebeten, den volksversührerischen Teufel in seiner Blöße hinzustellen und seiner Verführung der Menschen ein Ende zu machen. Nachdem Astyrius sein Gebet gesprochen, sey das Opferthier alsbald auf der Oberfläche der Quellen wieder geschwommen und so habe sich da« Wun» st) Eine Stadt in Galiläa, auf den Münzen auch Ncronias genannt, gegründet von dein Tetrarchen Philippus in der Nähe der zerstörten Stadt Dan. Gallienus. Jahr Christus 259. Tystus !!. (Dionysius). 259 der daselbst verloren, ohne daß später noch ein Wunder an dieser Stelle sich ereignet hätte. Achtzehntes Hauptjiüek. Von dcr Bildsäulcft) , welche die blntflüssige Frau errichten lassen. Da ich der Stadt Paneas Erwähnung gethan habe, so halte ich es nicht für gut, eine Erzählung zu übergehen, deren Keuntniß auch sür unsere Nachkommen von Werth seyn dürfte. ES sott nämlich die Blutflüssige, welche nach den heiligen Evangelien (2) durch unfern Erlöser Befreiung von ihrem Leiden fand, von dorther gekommen seyn; man zeige noch jetzt ihr Haus in der Stadt und es dauern noch bewunderungswürdige Denkzeichen der Wohlthätigkeit des Heilandes gegen sie fort. Es stehe nämlich ans einem hohen Steine bei der Thürs ihres Hauses eine eherne Bildsäule einer Frau, die, auf ein Knie niedergebeugt, einer Flehenden gleich, die Hände vorwärts ausstreckt. Ihr gegenüber stehe von demselben Metall aufrecht die Bildsäule eines Mannes, welcher, mit einem Doppelmantel anständig bekleidet, seine Hand gegen die Fraü ausstrecke. Zu seinen Füßen, an der Säule selbst, wachse eine fremdartige Pflanze, welche bis an den Saum des metallenen Doppelmantels heraufgehe und ein Heilmittel gegen mancherlei Krankheiten abgebe. Diese Mannsgesialt nun soll das Bild Jesu seyn. ES hat sich auch bis auf unsere Zeit erhalten und ich habe es mit eigenen Augen gesehen, als ich die Stadt Paneas besuchte. Und man darf sich keineswegs darüber wundern, daß diejenigen Heiden, welche einstens von unserem Erlöser Wohlthatcn erhielten, dergleichen etwas machen ließen, da wir auch Bildnisse(Z) seiner Apostel, Paulus und Petrus, und Christus selbst mit Farben gemalt auf noch vorhandenen Gemälden gesehen haben , indem die Alten, wie leicht zu erachten, an ihrer Gewohnheit festhaltend , nach heidnischer Sitte diese Männer als Wohlthäter auf solche Art bei sich zu verehren pflegten. (1) Daß eine solche Bildsäule, wie sie hier von Eusebius beschrieben wird, in Paneas gar nicht vorhanden gewesen sey, durfte wohl gegen den Augenzeugen Eusebius nicht behauptet werden; ob sie aber wirklich Christum und die blutslüssigc Frau vorgestellt habe, ist eine andere Frage, welche schon langst verneint worden ist. Gicscler in seiner Kirchcn- geschichte äußert sich darüber also: „Nach der Analogie vieler Münzen zu urthcilcn, war ,„jenes Denkmal einem Kaiser (wahrscheinlich Hadrian) zu Ehren gesetzt und vielleicht eines ^,in dcr Inschrift vorkommenden amrhpr oder istcm wegen von Christen falsch gedeutet." (2) Matth. S, 20—23. Mark. 5, 25—34.' Luk. 8, 43- 48. (3) Die ersten Spuren von Abbildungen Christi finden wir bei den Karpokratianern, «iner gnostischen Sekte (Iren, t, 25), und in der Hauskapelle des Kaisers Alexander Severus , wo (nach Lamprid. C. 29) neben den Bildnissen seiner Vorfahren auch die Standbilder von Christus, Abraham, Orpheus !c. aufgestellt waren. Ucbrigcns läßt sich dieses, wie Neander richtig bemerkt, aus dem damaligen Religionscklccticismus leicht erklären. 47« 2K9 Gallienus« I. Chr. 259 —''60. Xystns N. (Dionysius). N e u n) ehutes Haupt stück. Von dem Stuhle des Bischofs Jakobus. . Denn der Stuhl des Jakobns, der zuerst das Bisthum bei der Gemeinde zu Jerusalem von dem Erlöser selbst st.) und den Aposteln überkommen hat und von welchem die heilige Schrift sagt, daß er ein Bruder Christi genannt worden sey, ist noch bis jetzt aufbewahrt worden und die dortigen Bruder halten ihn von jeher sehr hoch und beweisen dadurch Allen deutlich, welche Ehrfurcht man sowohl vor Alters, als auch noch jetzt den heiligen Männern ihrer Frömmigkeit wegen erwiesen hat und noch erweist. So weit hievon. Iwanzigstes Hautpstück. Von den Festbricfcn des Dionysius, worin er auch einen Passahkanon bekannt macht, Außer den schon angeführten Briefen verfaßte damals Dionysias auch seine noch vorhandenen Festbriefe, (2) worin er über das Passahfest in erhabenen Worten sich ausspricht. Der eine derselben ist an Flavius gerichtet, der andere an Domitius und Didymus. In letzterem macht er einen achtjährigen (5) Passahkanon bekannt und behauptet zugleich, das Passahfest solle nur nach der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche gefeiert werden. Außer diesen schrieb er auch noch einen andern Brief an seine Mitpresbyter (ä) zu Alexandrien, so wie noch andere Briefe an verschiedene Personen, und dieß, während die Verfolgung noch fortdauerte. EiNUnd zwanzigstes H auptstück. Von den Begebenheiten zu Alcpandria. Nachdem der Friede noch nicht lange wieder hergestellt war, so kehrte Dionysius nach Alexandrien zurück. Wie aber daselbst von Neuem Aufruhr und Krieg sich erhoben und keine Möglichkeit für ihn vorhanden war, alle Brüder, welche sich ans die eine oder die andere Seite geschlagen hatten, zu besuchen, so unterhielt er sich abermals am Passahfeste ans Alexandrien selbst schriftlich, wie wenn er in fremdem Lande sich befände, mit ihnen. (t) Es war eine alte Sage in der christlichen Kirche, daß Jakobus von Christus selbst zum Bischof geordnet worden sey. i.2) Diese Festbricfe waren eine Art von Programm, worin die Bischöfe von Alexandrien sowohl ihrer Gemeine, als auch den ihrem Patriarchat unterworfenen Bischöfen das Passahfcst bekannt machten und zugleich eine oder die andere Religionsmaterie zur Erbauung abhandelten. Stroth. (3) Die Meisten nahmen damals einen achtjährigen Ostercyklus an; Andere verdoppelten dieß und rechneten nach einem ttijährigen CykluS, wie HippolytuS. Man sehe oben B. ö, K. 22. Stroth. (4) Die Ausdrucke Bischof und Presbyter waren zuerst gleichbedeutend; später führte derjenige, welcher im Presbyterkollcgium den Vorsitz hatte, ausschließlich jenen Namen, wurde aber nur als primus inter pures betrachtet. GallieunS. Jahr Christus 260. TystnS Ii. (Dionysius). 2K1 Später schrieb Dionysius einen andern Festbrief an Hierax, einen ägyptischen Bischof, worin er des damaligen Aufruhrs der Alexandriner folgendermaßen Erwähnung thut: „WasWunder ist es, wenn es mir schwerfällt, »mich mit entfernter Wohnenden auch nur schriftlich zu unterhalten, da es „für mich keineswegs leicht ist, mit mir selbst zu reden und meiner eigenen »Seele zu ratheu? Denn ich muß an mein eigenes Herz, an die Brüder, die „unter Einem Dache mit mir wohnen und die Eines Sinnes mit mir sind, „an die Mitglieder derselben Gemeinde Briefe schreiben, und sehe nicht eiu- „Mal die Möglichkeit, wie ich sie nur abschicken soll. Denn eS wäre leichter, „nicht nur in das Ausland, sondern vom Oriente nach dem Occident zu kom- „men, als von Alexandrien nach Alexandrien. Denn noch oder, ungangbarer, als jene große unwegsame Wüste, welche Israel in zwei Menschen- altern durchwandert hat, ist die mittelste Straße von Alexandrien. Und »die stillen, ruhigen Häfen der Stadt bieten ein Bild jenes Meeres dar, „welches gespalten und, so zu sagen, durch eine Mauer geschützt, den Israeliten einen Durchgang bereitet hat, während die Aegyptier auf ihrem „Pfade ersäuft wurden. Denn oft erscheinen sie von den vielen in ihnen „vorfallenden Mordthaten gleich dem rothen Meere. Den Fluß aber, wel- „cher an der Stadt vorbeifließt, steht man zuweilen trockener als die wasser- „lvse Wüste und noch ausgedörrter, als jene Wüste, bei deren Durchwan- „derung Israel so sehr gedürstet hat, daß eS wider Moses schrie und in »welcher ihm auf Veranstaltung dessen, der allein Wunder thut, Wasser »auö einem schroffen Felsen geflossen ist; zuweilen aber tritt er so sehr ans, »daß er die ganze Umgegend, alle Wege und Felder unter Wasser setzt und „die Herbeiführung der großen Fluth zu Noa's Feiten droht. Beständig „aber fließt er, von Blut und Mord und darin ertränkten Menschen befleckt, „dahin, wie er einst von Mose für Pharao gemacht wurde, als er in Blut „verwandelt und stinkend ward. Und welches andere Wasser konnte wohl „das Reinigungsmittel des alles reinigenden Wassers (1) werden? Wie »vermöchte der große, unermeßliche Ocean dieses bittere Meer, wenn er sich »darüber ergösse, wegzuspülen? Oder wie könnte der große Strom, der »aus Eden sich ergießt, wenn er auch die vier Ausflüsse, in welche er sich »theilt, in dem einzigen Gihon vereinigte, den Bluteiter abwaschen? Oder „wann wird die durch die von allen Seiten her aufsteigenden bösen Dünste »verdüsterte Luft wieder hell und rein werden? Denn es steigen von der Erde »solche Düfte, von dem Meere solche Winde, von den Flüssen solche Dünste »und von dem Hafen solche Nebel empor, daß der Than nichts anderes ist, „als Eiter von den in allen Elementen faulenden todten Körpern. Und „da wundern sie sich denn noch und wissen nicht, woher die anhaltende »Pest, (2) woher die schweren Krankheiten, woher die mannigfaltigen Seilst) Das Wasser wurde sowohl bei den Heide», als hernach bei den katholischen Christen zu Reinigungen und Entsiindigungen gebraucht. (2) Sie dauerte vom Jahre 250 bis zum Jahr 265 ohne Unterbrechung und wuthetc nicht bloß in Aegypten, sondern in jeder Provinz, jeder Stadt und fast jeder Familie des 202 Gallieuuö. I. Chr. 260—261. Xystus n. (Dionysius), „chen, woher das so häufige und mannigfaltige Sterben der Menschen? „Warum unsere große Stadt nicht mehr eine so große Menge Einwohner, „auch von den unmündigen Kindern bis zu den ältesten Greisen gerechnet, „in sich faßt, als sie vormals bloß an sogenannten Halbalten ernährte? „Sondern derer vom äostcn bis zu dem 70sten Jahre waren damals so viel „mehr, daß man jetzt ihre Zahl nicht einmal ergänzen konnte, wenn man „auch jetzt alle Personen vom läten bis zum Losten Jahre in das Verzeich- „niß für die öffentliche Getreideaustheilung eintragen würde und diejenigen, welche dem Aussehen nach noch sehr jung sind, sind gleichsam Altersgenossen derer geworden, (1) die sonst die betagtesten Männer waren. „Allein obgleich sie das menschliche Geschlecht immer mehr verringert und „hingerafft werden sehen und seine gänzliche Vertilgung immer mehr um „sich greift, so zittern sie dennoch nicht.« Z w e iu ndzwauzigstes H a u p t st ü ck. Von der damals herrschenden Krankheit. Als sodann eine pestartige Krankheit auf den Krieg folgte und das Passahfest wieder herannahte, so unterhielt sich Dionysius wiederum mit den Brüdern in einem Schreiben, worin er die Große des Jammers folgendermaßen schildert: „Den andern Menschen (2) dürften vielleicht die „gegenwärtigen Umstände keine schickliche Zeit zu einer Festfeier scheinen. „Allein diese haben überhaupt keine schickliche Zeit dazu, weder jetzt, noch „sonst, nicht nur nicht in diesen traurigen Verhältnissen, sondern nicht „einmal in solchen, die man für recht vergnügt halten mochte. (Z) Jetzt „ist Alles nur Ein Wehklagen; Alle trauern, und Klagen und Jammern „tönt durch die ganze Stadt wegen der großen Anzahl derer, die schon ge- ,.starben sind und noch täglich sterben. Denn, wie es von den Erstgebornen „der Aegyptier geschrieben steht, also ist auch jetzt ein großes Geschrei. „Denn es gibt kein Haus, worin sich nicht ein Todter befände. Und möchte „nur dieß allein seyn! Denn wir haben schon vorher vieles Ungemach erduldet. Zuerst haben sie uns verfolgt, aber, obgleich von Allen allein „verfolgt und zum Tode gebracht, haben wir dennoch auch damals das Fest „gefeiert. Jeder Ort, wo wir eine ober die andere Art von Trübsal erduldet „haben, ward uns zum festlichen Versammlungsort — Feld, Wüste, Schiff, „Wirthshaus, Kerker. Das fröhlichste aller Feste aber haben die vollendeten „Märtyrer gefeiert, welche im Himmel ihr Mahl hielten. Hierauf folgte „Krieg und Hunger. Dieß haben wir gemeinschaftlich mit den Heiden er- römischcn Reichs. Eine Zeit lang starben in Rom täglich 5V00 Menschen und viele Städte wurden gänzlich entvölkert. (1) D. i., sie müssen an deren Stelle treten. (2) D. h. den Heiden. (3) Man sieht deutlich, daß Dionysius hier den Satz vortragen wollte: Ein Gottloser ist niemals geschickt, ein Fest zu feiern. Stroth. GallienuS. I. Chr. 260-961. XystuS II. (Dionysius). 2ki3 „tragen, so daß wir das, was sie uns zugefügt, allein trugen, von dem „aber, was sie einander selbst zufügten und litten, auch einen Theil tragen „mußten. Wiederum erfreuten wir uns sodann des Friedens Christi, den „er uns allen gegeben hat. Jndeß nur eine sehr kurze Erholung wurde uns „und ihnen zu Theil, als noch die gegenwärtige Krankheit ausbrach, ein «Ereigniß, das für sie furchtbarer, als alles Furchtbare, und grausenhafter, „als jedes Unglück war, und dessen Wirkungen, wie sich einer ihrer Schrift- „steller (1) äußert, allein mächtiger waren , als irgend Jemand vermuthen „konnte. Für uns aber waren sie dieß nicht, sondern vielmehr ein nicht „geringeres UebungS» und Prüfungsmittel, als die übrigen. Denn auch „uns hatte sie nicht verschont, allein mit vorzüglicher Heftigkeit wüthete sie „unter den Heiden." Weiterhin fährt Dionysius also fort: „Die meisten „unserer Brüder schonten ihrer selbst nicht in der Fülle der Liebe und der „Bruderliebe, sondern sie hielten an einander fest, besuchten, ohne sich zu „verwahren, die Kranken, dienten ihnen unermüdlich und pflegten sie um „Christi willen und schieden mit ihnen auf das Freudigste aus dem Leben, „indem sie sich mit den Leiden Anderer ansteckten, die Krankheit von ihren „Nächsten gleichsam auf sich herüberleiteten und voll Bereitwilligkeit ihre „Schmerzen in sich aufnahmen. Ja, Viele starben selbst, nachdem steAndere „durch ihre Sorge am Krankenbette wieder hergestellt und deren Tod gleich- „sam auf sich verpflanzt hatten. Diese erfüllten den gemeinen Ausdruck, „den man sonst für eine gewohnliche Höflichkeitsformel gehalten, und gingen „als „allerergebenfte Diener" aus der Welt. Auf diese Weise endeten die „Besten unter den Brüdern bei uns, einige Presbyter, Diakonen und „mehrere Wohlbelobte aus dem Volke, ihr Leben, so daß ein solcher Tod, „weil er die Frucht großer Frömmigkeit und kräftigen Glaubens ist, einem „Märtyrertode nicht nachzustehen scheint. Sie nahmen die Leiber der Heiligen auf ihre Arme und ihren Schoos, drückten ihnen die Angen zu und „schlössen ihnen den Mund, trugen sie auf ihren Schultern, legten sie «zurecht, drückten sie an sich, umfaßten sie, wuschen sie und kleideten sie „ein und hatten nach einer Weile ein gleiches Schicksal, da immer die „Uebriggebliebenen ihren Vorgängern folgten. Bei den Heiden aber fand „das gerade Gegentheil statt. Sie stießen diejenigen, welche anfingen krank „zu werden, von sich, flohen von den Theuersten hinweg, warfen die Halb- „todten auf die Straßen hin, ließen die Todten unbegraben liegen und „suchten so der Ansteckung und Mittheilung des Sterbens auszuweichen, „der man doch aller angewandten Mittel ungeachtet nicht leicht entgehen „konnte." Nach diesem Briefe, als die Verhältnisse zu Alexandrien wieder friedlich sich gestaltet hatten, schrieb Dionysius wieder einen Festbricf an die Brüder in Aegypten und verfaßte außerdem noch mehrere andere Briefe. Man hat auch einen solchen von ihm über den Sabbath und (t) Man könnte glauben, dieß sey ein Ausdruck eines gleichzeitigen heidnischen Schriftstellers, allein er findet sich in einer Rede des Pcriklcs bei Lhucydides Ii, b4> 264 Gallienus. I. Chr. 262 — 265. Zcystus II. (Dionysius), einen andern von derUebung. In einem andern Briefs an Hermammon und die Brüder in Aegypten spricht er viel von der Schlechtigkeit des Decius und seiner Nachfolger und thut sodann des Friedens unter Gallie- nus Erwähnung. Dreiund)wan)igstes Hanptstück. Von der Regierung des Gallienus. Doch eö ist das Beste, wir hören seine eigenen Worte, welche also lauten: »Jener (I) nun, der von zwei Kaisern vor ihm den einen vcrrathen, „den andern bekriegt hatte, ging schnell mit seiner ganzen Familie gänzlich »zu Grunde. Gallienns aber wurde von Allen einstimmig zum Kaiser ausgerufen und anerkannt, er, der zugleich alter und neuer Kaiser war, da „er es schon vor jenen war und es noch nach ihnen blieb. Nach dem Ausspruch des Propheten Jesaias: Siehe, was von Anfang ist, das kommt „und ist neu , was jetzt aufgeht. (2) Denn wie ein Gewölk, das unter den „Sonnenstrahlen hinzieht und sie aus einige Zeit verdeckt, die Sonne verdunkelt und an ihrer Stelle gesehen wird, sodann aber, wenn dasselbe „vorübergezogen ist oder sich vertheilt hat, die schon vorher aufgegangene „Sonne von Neuem wieder aufgeht und zum Vorschein kommt; also ist „auch Makrianus, der die Hand nach der Krone des Gallienus ausgestreckt „und sich selbst zum Kaiser aufgeworfen hatte, dieß bereits nicht mehr, wie „er es denn überhaupt nicht gewesen ist, Gallienus aber ist es auf dieselbe „Weise, wie er es schon früher gewesen. Das Reich hat, so zu sagen, sein „Alter abgestreift, seinen frühern traurigen Zustand abgelegt und ist jetzt „zu blühenderer Kraft gelangt (3) und wird weit gesehen und gehört und „breitet sich überallhin aus.« Dionysius gibt sodann auch noch die Zeit, da er dieses schrieb, mit folgenden Worten an: »Es fällt mir wiederum »ein, an die Dauer der kaiserlichen Regierung zn denken. Denn ich sehe, „daß die genannten Ruchlosen in kurzer Zeit namenlos geworden sind. Un- »ser geheiligter und gottgefälliger Kaiser aber hat das siebente Jahr (ä) „überschritten und ist jetzt im neunten Jahre seiner Regierung , si, welchem „wir das Fest feiern wollen.« (t) Die Rede ist hier von Makrianus, der den Valerianus an die Perser verrathen und hernach sich gegen Gallienus in Aegypten und im Orient zum Kaiser aufgeworfen hatte. Valcrianus und Gallienus werden hier Kaiser genannt, die vor ihm regiert, weil theils Gallienus schon Mitregcnt seines Vaters gewesen, daher auch seine Rcgierungsjahre von 254 an gerechnet werden, theils Makrianus wirklich eine Zeit lang im Orient als Kaiser regiert und dafür erkannt worden, daher jene Kaiser gar wohl seine Borfahren genannt werden konnten. Stroth. (2) Jes. 43, 19. (3) Dies, ist ganz falsch. Das römische Reich kam wohl zu keiner Zeit sowohl durch von allen Seiten herstürmende äußere Feinde, als auch durch zahllose Aufstände und Empörungen im Innern dem Rande des Abgrundes näher, als gerade unter der Regierung des sorglosen, liederlichen Gallienus. , (4) Ehristopherson wollte hier setzen: das achte Jahr. Allein Dionysius redet hier von der Zeit, da er wirklich auch in Aegypten regierte. Denn zwischen dieser Zeit hatte Makrianus ein Jahr lang in Aegypten regiert. Stroth. Gallienus. Jahr Christus 265. Xystus II. (Dionysius). 265 Vierundzwan ) igstes Hauptstück. Von Nepos und der Spaltung, die er vcranlapte. Zlußer allen diesen Schriften hat Dionysius auch zwei Bücher über die Verheißungen verfaßt. Veranlassung dazu gab ihm Nepos, ein ägyptischer Bischof, welcher die den Heiligen in der Schrift gegebenen Verheißungen auf eine zu jüdische Art erklären (l.) lehrte und behauptete, es würde ein Jahrtausend voll sinnlicher Lust auf dieser Erde stattfinden. Da er glaubte, aus der Offenbarung Johannis seine Meinung beweisen zu können, so verfaßte er eine Schrift über diesen Gegenstand unter dem Titel: Widerlegung der A ll e g orist e n. (2) Gegen ihn erhob sich Dionysius in seinen Büchern über die Verheißungen, in deren erstern er seine eigene Ansicht über diesen Satz darlegt, in deren zweiten aber er sich über die Offenbarung Johannis ausspricht. Er thut darin gleich zu Anfang des Nepos mit folgenden Worten Erwähnung: „Da sie eine gewisse Schrift des Nepos „vorweisen, auf die sie sich sehr stützen, als wenn darin unwidersprechlich «bewiesen wäre, daß das Reich Christi auf Erden seyn werde, so gestehe ich, „daß ich zwar in mancher andern Hinsicht den Nepos schätze und liebe seines „Glaubens, seiner Arbeitsamkeit und des Fleißes wegen, den er auf die „heilige Schrift verwandt, so wie wegen seiner zahlreichen geistlichen Lieder, „an welchen bis jetzt noch viele der Brüder ein großes Gefallen finden, und „daß ich den Mann in dieser Beziehung mehr hochachte, als ehe er aus „der Welt schied; allein lieb und über Alles schätzbar ist mir die Wahrheit. „Ist etwas Wahres gesagt, so muß man es ohne Neid billigen und loben; „untersuchen und berichtigen aber müssen wir, wo uns eine Schrift nicht „der Wahrheit gemäß vorkommt. Wäre Nepos selbst zugegen und würde „seine Meinung bloß mündlich vortragen, so würde eine bloße Besprechung, „welche durch gegenseitiges Fragen und Antworten die Streitenden überzeugt und annähert, hinreichend seyn. Allein, da er ein Buch hievon herausgegeben hat, daö nach der Ansicht Einiger sehr überzeugend seyn soll, „und da einige Lehrer seines Anhangs das Gesetz und die Propheten für „nichts achten, den Evangelien zu folgen versäumen, die Briefe der Apostel „gering schätzen, hingegen die in diesem Buche vorgetragene Lehre als ein „großes, verborgenes Geheimuiß erheben und die einfältigen Brüder unter „uns sich keinen großen und erhabenen Begriff von der herrlichen und wahrhaft göttlichen Erscheinung unseres Herrn, noch von unserer Auferstehung «von dcn Todten, der Versammlung zu ihm und Verähnlichnng mit ihm «machen lassen, sondern sie bereden, kleinliche, hinfällige und den gegenwärtigen ähnliche Dinge in dem Reiche GorreS zu hoffen, so Halle» wir ct> D. h. ganz buchstäblich. (2) Hierunter sind Origencs und seine Schule verstanden, welche die Offenbarung Johannis sowohl, als die meisten Schriften des alten Testaments nicht anders vor dem Vorwurf der darin herrschenden jüdischen Denkungsart zu retten wußten, als durch allegorische Erklärung. Stroth. Gallienus. Jahr Christus 263. Xystus !l. (Dionysius), „es für nothwendig, gegen unfern Bruder Nepos, wie wenn er gegenwärtig wäre, mit widerlegende» Gründen zu sprechen." Etwas weiterhin fährt Dionysius so fort: „Als ich in dem Distrikt von Arsinoe war, wo, „wie du weißt, diese Lehrmeinung schon seit längerer Zeit sich verbreitet „hatte, so daß sogar Abfall ganzer Gemeinden daraus entstanden, so berief „ich die Presbyter und Lehrer der Brüder in den Dörfern zusammen, wo- „bei auch jeder von den Brüdern, der da wollte, erscheinen konnte, und ver- „anlaßte sie, öffentlich eine Untersuchung dieser Lehre anzustellen. Sie brachten mir nun dieses Buch als einen Schild nnd eine nnbezwingliche Mauer, „und ich setzte mich zu ihnen drei Tage nach einander hin vom Morgen bis „auf den Abend, um den Inhalt desselben zu widerlegen. Hiebei mußte ich „das gesetzte, wahrheitsliebende, der Belehrung empfängliche und verständige Benehmen der Brüder über die Maßen bewundern. Wir trugen einander in Ordnung und mit Sanftmuth die Fragen, Zweifel und Beistim- „mung vor, und hüteten uns sorgfältig, einmal angenommene Meinungen, „wenn sie auch nicht als der Wahrheit gemäß sich erzeigten, mitHartnäckig- „keit und auf jegliche Weise zu vertheidigen. Auch bogen wir den Einwürfen nicht aus, sondern wir suchten vielmehr, so viel möglich, den Gegenwand fest im Auge zubehalten und denselben zn beweisen, ohne uns zu „schämen, wenn Gründe uns dazu nöthigten, unsere Ansicht zu ändern und „beizustimmen, sondern wir nahmen mit gutem Gewissen, ganz aufrichtig, „unsere Herzen stets zu Gott gewandt, das an, was durch Beweise und „Aussprüche der heiligen Schrift bestätigt wurde. Zuletzt bekannte und „bezeugte der Vorkämpfer und Verbreiter dieser Lehre, Korakion, vor den „Ohren aller anwesenden Brüder, daß er derselben, nun durch die Gegen- „gründe hinlänglich überzeugt, weder weiter zugethan seyn, noch ihrer erwähnen, noch sie lehren wolle. Die übrigen anwesenden Brüder aber „freuten sich über die Verhandlungen, über die Nachgiebigkeit gegen alle „und über die Ausgleichung. FünfundzW anzig st es H anptstürK. Von der Offenbarung des Johannes. Etwas weiterhin äußert sich sodann Dionysius über die Offenbarung Johannis folgendermaßen: „Einige nun von denen vor uns haben das „Buch gänzlich verworfen und ihm allen Werth abgesprochen, indem sie „es Satz für Satz durchgingen und bewiesen, daß es ohne Sinn und Znsam- „menhang sey. Sie behaupteten, die Aufschrift betrüge, denn es sey kein „Werk des Johannes; ja es sey nicht einmal eine Offenbarung, was unter „einem so starken, dichten Schleier von Unverständlichkeit verborgen liege. „Und geschweige daß irgend ein Apostel, so sey nicht einmal ein heiliger „oder rechtgläubiger Mann der Verfasser dieses Buches gewesen, sondern „Cerinthus, der auch die nach ihm benannte cerinthianische Sekte gestiftet, Gallienus. Jahr Christus 263. Xystus II. (Dionysius). 267 „habe seiner Ausgeburt einen gewichtigen Namen vorsetzen wollen. Denn „dieß sey der Grundsatz seines Systems gewesen, das Reich Christi werde „ein irdisches seyn, und er habe geträumt, dasselbe werde in solchen Genüssen bestehen, wonach er selbst als ein ganz sinnlicher, fleischlich ge- „sinnter Mensch begehrte, nämlich in Befriedigung des Bauches und der „thierischen Triebe, das heißt in Essen, Trinken, Hochzeitfrenden und in „Festen, Opfern und Opfermahlzsiten, durch welche Ausdrucke er jenes zu „beschönigen glaubte. Ich für meine Person möchte es mir nun wohl nicht „getrauen, das Buch ganz zu verwerfen, weil es viele Bruder hochschätzen, „sondern die Ansicht, welche ich davon gefaßt, ist vielmehr diese, daß es „über meinen Verstand reicht, und daß es einen verborgenen, ganz wun- „derbaren Sinn aller darin vorkommender Dinge enthalte. Denn wenn „ich es auch nicht verstehe, so vermuthe ich doch wenigstens, daß ein tieferer „Sinn in den Worten liege. Ich messe und beurtheile dieß nicht nach „meiner eigenen Urtheilskraft, sondern ich räume hier dem Glauben mehr „ein und halte dafür, daß es zu hoch ist, als daß es von mir begriffen „werden könnte. Und ich verwerfe das nicht, was ich nicht habe verstehen „können, sondern ich bewundere es desto mehr, je unverständlicher es mir „ist." Nachdem Dionysius sodann das ganze Buch geprüft und gezeigt hat, es sey unmöglich, dasselbe nach dem geraden Wortsinn zu verstehen, fährt er also fort: „Nachdem der Prophet seine ganze sogenannte Weissa- „gung vollendet, preist er sowohl diejenigen, welche sie bewahren würden, „als auch vvrnämlich sich selbst selig.(i) Selig ist, sagt er, der da bewahrt „die Worte der Weissagung in diesem Buch, und ich Johannes, der solches „gesehen und gehört habe. Daß nun der Verfasser des Buches Johannes „heiße und daß dasselbe einem Johannes angehöre, will ich nicht streiten. „Denn ich gebe zu, daß es das Werk eines heiligen, gottbegeisterten Mannes „ist. Aber das möchte ich nicht leicht einräumen, daß dieser Johannes der „Apostel ist, der Sohn deö Zebedäus, der Bruder des Jakobns, welchen „das Evangelium, das den Titel Evangelium Johannis führt, und der „katholische Brief zum Verfasser hat. Denn ich schließe es ans der ganzen „Manier und Einkleidung, die in jenem und diesen beiden Schriften herrscht, „so wie ans ihrer ganzen Ausführung, daß ihr Verfasser nicht einer und „derselbe ist. Denn der Evangelist setzt nirgends seinen Namen bei, noch „kündigt er sich selbst an, weder im Evangelium, noch in dem Briefe." Und etwas weiterhin sagt Dionysius ferner: „Johannes aber nennt sich nirgends „als Verfasser, weder unmittelbar von sich selbst noch als von einem Andern „redend. Der Verfasser der Offenbarung hingegen setzt gleich zu Anfang „seinen Namen hin: „Offenbarung Jesu Christi, die ihm (Gott) gegeben „hat, seinen Knechten in Bälde zu zeigen und seinen Engel gesund und sie „durch dicjen bekannt gemacht seinem Knechte Johannes, der bezeuget hat (1) Offcnb. 22, 7. 3. Ucbrigens zieht Dionysius die griechische» Worte xcc/cö noch zu dein vorhergehenden ^lccxcc^wo?, wodurch denn der in der Übersetzung ausgedrückte Sinn entsteht, während sie einen eigenen Satz bilden sollten: Und ich bin Johannes, der :c. 268 GallienuS. Jahr Christus 203. Tystuö II. (Dionysius), „das Wort Gottes und sein Zcugniß, so viel er gesehen hat."(1) Sodann „schreibt er auch einen Brief: „Johannes den 7 Gemeinden in Wen. Gnade „sey mit euch und Friede." (2) Der Evangelist hat aber seinen Namen nicht „einmal dem katholischen Briefe vorgesetzt, sondern ohne Umschweif mit „dem Geheimniß der göttlichen Offenbarung selbst begonnen: „Was von „Anfang gewesen ist, was wir gehört, waö wir gesehen haben mit nnsern „Augen." (Z) Denn wegen dieser (4) Offenbarung preist auch der Herr den „Petrus selig, wenn er sagt: „Selig bist du, Simon, Bar Jona, denn „Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein himm- „lischer Vater." (5) Auch nicht in dem dem Johannes zugeschriebenen „zweiten und dritten Briefe, die doch beide sehr kurz sind,(ö) steht der „Name des Johannes an der Spitze, sondern es ist ohne Nennung eines „Namens „Der Aelteste" geschrieben. Aber jener hielt es sogar nicht für „hinreichend, Einmal sich zu nennen und sodann in seiner Erzählung fort- „zufahren, daß er nochmals wiederholt: „Ich Johannes, euer Bruder und „Mitgenosse in der Trübsal, im Reiche und in der Geduld Jesu, war ans „der Insel, welche Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des „Zeugnisses Jesu." (7) Ja, auch am Ende der Offenbarung sagt er noch: „Selig ist, der da bewahret die Worte der Weissagung in diesem Buch und „ich, Johannes, der solches gesehen und gehöret hat." Daß nun ein Johannes „der Verfasser der Offenbarung ist, dieß muß man ihm aufsein Wort glauben; „was es aber für ein Johannes sey, ist nicht so klar. Denn er nennt sich „nicht, wie im Evangelium so oft, den Jünger, welchen der Herr lieb „hatte, noch welcher an der Brust des Hern gelegen, noch den Bruder des „Jakobus, noch sagt er von sich, daß er den Herrn selbst g.esehen und ge- „hört habe. Denn er würde doch eines von den angeführten Ausdrücken „sich bedient haben, wenn er sich näher hätte bezeichnen wollen; allein von „diesem allem kein Wort. Er nennt sich nur unfern Bruder und Mitge- „ Nossen und einen Zeugen Jesu und preist sich selig, weil er die Offenbarungen geschaut und gehört. Ich halte aber dafür, daß Viele den gleichen „Namen mit dem Apostel Johannes geführt haben, welche aus Liebe zu „ihm und aus Bewunderung und Nacheiferung und in dem Wunsche, gleich „ihm geliebt zu werden von dem Herrn, auch denselben Namen angenom- „men haben, so wie man bei den Kindern der Gläubigen häufig die Namen (t> Offenb. 1, 1. (2) Offenb. 1, 4. (3) 1 Joh, 1, 1. (4) Diese Worte stehen hier so zu sagen in einer Parenthese. Dionysius kommt bei Gelegenheit, da er von der Offenbarung des göttlichen Geheimnisses redet, auf den Petrus, den Christus wegen dieser Offenbarung selig preist. Stroth. (5) Matth. lS, 17. (ö) Was in der Kürze der Briefe für ein näherer Grund sich zu nennen liege, läßt sich nicht bestimme». Vielleicht ist es dieser, daß die Briefe wegen ihrer Kürze mehr tie Form von Briefen haben, dahingegen jene längere eher Büchern und Abhandlungen ähnlich sind, und daß sie also als eigentliche Briefe auch am ersten die bei allen Briefen übliche Vorsehung des Namens haben sollten. Stroth. s7) Offenb. t, 9. Gallieuns. Jahr Christus 263. Xystus II. (Dionysius). 2«'.» „Petrus und Paulus antrifft. Es kommt auch noch ein anderer Johannes, „mit dem Beinamen Markus, in der Apostelgeschichte vor, welchen Barnabas und Paulus als Begleiter mit sich nahmen und von dem es heißt: „Sie hatten auch den Johannes zum Dienerest) Ob dieser Johannes die „Offenbarung verfaßt hat, kann ich nicht wohl sagen, denn es wird nicht „gemeldet, daß er mit ihnen nach Asien gekommen, sondern es heißt: „Da „Paulus und sein Begleiter von Paphos wegfuhren, kamen sie nach Perge „in Pamphylien. (2) Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte „nach Jerusalem zurück." (3) Ich glaube vielmehr, daß cö ein Anderer ge- „wesen ist, nämlich einer von denen, die in Asien waren. Denn es sollen „sich in Ephesus zwei Grabwähler befunden haben, und jedes derselben soll „Grabmal des Johannes genannt worden seyn. Auch aus den Gedanken, „den Ausdrücken und deren Verbindung kann man sehr wahrscheinlich abnehmen , daß dieser ein Anderer gewesen als jener. Denn das Evangelium „und der Brief stimmen mit einander überein und fangen auf gleiche Weise an, „jenes: „Im Anfang war das Wort," dieser: „Was von Anfang an war." „In jenem heißt es: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnete unter uns „und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit als des eiuge- „borncn Sohnes vom Vater," (ä) dieser sagt eben dasselbe mit einer nur „unbedeutenden Veränderung: „Was wir gehört, was wir mit unfern „Augen gesehen, was wir geschaut und unsere Hände betastet haben, von „dem Worte des Lebens, und das Leben ist erschienen." (S) Dieses schickt „er nämlich voran, weil er, wie er in der Folge zeigt, gegen solche streitet, „welche behaupteten, Christus sey nicht im Fleische erschienen. Deßwcgen „setzt er auch noch mit Bedacht hinzu: „Und was wir gesehen haben, bezeugen wir und verkündigen euch das ewige Leben, welches war bei dem „Vater und uns erschienen ist. Was wir gesehen und gehöret haben, das „verkündigen wir euch." Johannes bleibt sich selbst treu und weicht nicht „von seinem Vorsätze ab, sondern trägt alles in einerlei Perioden und mit „einerlei Wörtern vor. Wir wollen deren einige in der Kürze bemerken. „Wer ihn mit Aufmerksamkeit liest, wird in beiden Schriften häufig die „Wörter Leben, Licht, Vermeidung der Fiusteruiß, häufig die „Wörter Wahrheit, Gnade, Freude, Fleisch und Blut deS „Herrn, Gericht, Vergebung der Sünde, Liebe Gottes „gegen uns, dasGebot unsererLiebe gegen einander, in? „gleichen, daß man alle Gebote halten solle, so wie Ueber- „windung der Welt, des Teufels, des Anrichrists, Ver- „heißung de6 heiligen G eiste6, Kindsch aft Go ttes, den uns „durchgängig abgeforderten Glanben und allenthalben den „Vater und Sohn finden. Und kurz, wenn man durchgängig auf das (t) Apostelg. 13, 5. (2) Eine Landschaft im Südwesten Klrinasiens. <3) Apostclg. t3, 13. (4) Ev. Joh. 1, 14. (5) 1 Joh. 1, 1. 2.. 270 GalliennS. Jahr Christus 263. A'ystuS II. (Dionysius). Eigentümliche Rücksicht nimmt, so liegt offenbar im Evangelium und dem „Brief ein und dieselbe Färbung vor Augen. Aber ganz entfernt hievvn „und verschieden ist die Offenbarung; sie steht keiner dieser Schriften nahe, „hat auch, um mich so auszudrücken, mit keiner derselben Verwandtschaft, „ja nicht eine Sylbe mit ihnen gemein. Ja in dem Briefe — denn von „dem Evangelium will ich nicht sprechen — findet sich eben so wenig eine „Erwähnung von der Offenbarung oder eine Anspielung ans sie, als in „dieser von jenem, während doch Paulus in seinen Briefen etwas von ,,seinen -Offenbarungen zu verstehen gibt, die er aber nicht besonders aufgeschrieben hat. Uebcrdieß läßt sich auch aus der Schreibart abnehmen, wie „verschieden das Evangelium und der Brief von der Offenbarung sind. „Jene sind nicht bloß ohne Verstoß gegen die griechische Sprache, sondern „auch in Hinsicht der Ausdrücke, Schlüsse und Verbindung der Sähe mit „großer Zierlichkeit abgefaßt und eS fehlt viel, daß sich ein Barbarismus, „Solocismus oder überhaupt ein Idiotismus darin fände. Denn der Ver- „fasser besaß, wie es scheint, beide Gaben, welche beide ihm der Herr ge- „schenkt hatte — die Gabe der Erkenntnis; und die Gabe des Ausdrucks. „Daß dieser aber eine Offenbarung gesehen, so wie höhere Erkenntnis; „und die Weiffagungsgabe empfangen habe, will ich zwar nicht bestreiken, aber das sehe ich deutlich, daß seine Sprache und sein Ausdruck „nicht rein griechisch sind, sondern daß er sich barbarischer Wendungen „und zuweilen Solöcismen bedient, die ich aber jetzt hier anzuführen nicht „für nothwendig halte. Denn es glaube ja Niemand, daß ich dicß, um „darüber zu spotten, gesagt habe, sondern meine einzige Absicht war, „die Ungleichheit dieser Schriften zu zeigen." S ech s u n d zw a n zi g stcs Haupt st ü ck. Von den Briefen des Dionpsins. Außer diesen hat man noch mehrere andere Briefe von Dionysius, z. B. die gegen Sabellius an Ammvn, den Bischof der Gemeinde zu Berenice — den an Tclesphorus — den an Euphrauor und einen andern au Ammvn und Enporus. Auch verfaßte er über denselben Gegenstand (1) noch vier andere Abhandlungen, die er seinem Namensbruder Dionysius zu Rom zueignete. Ueberdieß besitzen wir noch mehrere andere Briefe von ihm, so wie einige umfassendere Schriften, welche in Briefform geschrieben sind, z. B. die Bücher von der Natur, welche er seinem Sohne Timothcos zuschrieb und das Buch von den Versuchungen, welches er (1) Nämlich den Sabcllianismus, wovon die vorigen vier genannten Briefe handelten. Einige Bischöfe in Pentapolis hielten eine Synode wider den Dionysias, den sie ebenfalls irriger Meinungen von der Gottheit Christi beschuldigten, die er in seinem Streit wider den Sabellius geäußert, und verklagten ihn dcßwegen beim Bischof Dionysius zu Rom. Bei diesem vertheidigte er sich in vier Schriften, die Hm Titel fuhren: Widerlegung und Nertheidigung. Stroth. Gallienus. Jahr Christus 267. Dionysius. 271 ebenfalls dem Euphranor zueignete. Außerdem sagt er in einem Briefe an Bastlides, Bischof der Gemeinden in Pentapolis, er habe über den Anfang des Predigerbnchs eine Erklärung verfaßt. Auch hat er uns verschiedene andere Briefe an diesen Basilides hinterlassen. Bis hieher ist Dionysius unser Führer gewesen. Nun aber wollen wir nach der Erzählung dieser Begebenheiten auch die Geschichte unserer Zeit zur Kenntniß der Nachwelt bringen. Sieticnundjwanzig stes Hanpt st il ck. Bon Paulus von Samosata und der von ihm zu Antiochien angerichteten Ketzerei. Nachdem XysiuS 1k Jahre lang (1) der römischen Gemeinde vorgestanden hatte, so wurde ein Namensbruder des Dionysius von Alexandrien sein Nachfolger. Um dieselbe Zeit schied auch Demetrianus zu Antiochien aus der Welt und Paulus von Samosata (2) überkam (Z) die bischöfliche Würde. Da dieser der kirchlichen Lehre völlig entgegen, niedrige und geringe Vorstellungen von Christus hatte, als sey er seiner Natur nach ein gewöhnlicher Mensch gewesen, (ä) so wurde Dionysius von Alexandrien eingeladen, auf die Synode zu kommen. Allein dieser cutschuldigte sich mit seinem hohen Alter, so wie mit seiner körperlichen Schwäche und blieb also mit seiner persönlichen Gegenwart ans, that aber in einem Schreiben zu wissen, welche Ansicht er von vorliegender Streitfrage habe. Die übrigen Hirten der Gemeinden aber eilten sämmtlich von allen Seiten her nach Antiochien als gegen den Verwüstcr der Heerde Christi und versammelten sich daselbst. (t) Man erinnere sich der Anmerkung oben zu Hauptstück 14. Einige legen dem Tystus 1 Jahr und etwas darüber, Andere 2 Jahr und 11 Monate, noch Andere nur bloß 11 Monate bei. Am allcrgröbsten ist aber doch hier der Jrrthum des Eusebius, der endlich unten Hauplst. 32 bei Eutychianus durch einen andern Jrrthum wieder gut gemacht wird. Stroth. (2) Jetzt Somaisath, eine Stadt in Syrien an einem der Ucbergängc am westlichen Ufer des Euphrat, berühmt auch als Geburtsort des bekannten Spötters Lucianus. (3) Man sagt, durch die Verwendung seiner Gönncrin Zcnobia, der damaligen Königin von Palmyra und eines großen Theiles des Orients. Daß übrigens Paulus dieser für das Judmthum und die Philosophie eingenommenen Königin zu Gefallen seine Lehre aufgestellt habe, wie Einige behaupten, bedürfte noch eines nähern Beweises. (4) Paulus ging nämlich von dem strengen Prinzip des Monotheismus aus und stellte daher als ersten Grundsatz auf, daß es nur Eine göttliche Substanz oder Person geben könne. Er berief sich auf die Stelle: Der Herr, dein Gott, ist ei» einiger Gott. Daraus folgerte er: also kann Christus nicht Gott, sondern Mensch seyn. Ob er aber gleich Christus seiner Natur nach für einen gewöhnlichen Menschen hielt, so schrieb er ihm doch Vorzüge zu, die ihn vor allen andern Menschen auszeichneten. Dicß verdankte Jesus der Einwirkung des göttlichen Logos, welchen Paulus, ungeachtet er von keinem persönlichen Unterschied im West» der Gottheit reden wollte, als göttliche Kraft in Beziehung auf Jcsum anerkannte. Der Logos vereinigte sich mit dem Menschen Jesus und wirkte auf ihn in höhcrem Grade, als auf die Propheten, und wegen dieser Einwirkung heißt Jesus der Sohn Gottes. Durch dieselbe gelangte übrigens Jesus zu einer so großen moralischen Vollkommenheit, daß man rhm im eigentlichen Sinne göttliche Würde beilegen kann. Nach der Vollendung des irdischen Geschäftes Jesu hörte die Einwirkung des göttlichen Logos auf ihn auf. 272 Gallicnus. Jahr Christus 267. Dionysius.'" AchLuud)wKN)igstes Kauptjinck. Bon den ausgezeichneten Bischöfen, welche damals einen Namen gehabt. Die ausgezeichnetsten unter diesen waren Firmilianuö, Bischof zu Cäsarca in Kappadocien, die Gebrüder Gregorius und AthenodoruS, Hirten der Gemeinden in Pontus, ferner Hclemis, Bischof zu Tarsus, und Ni- komas, Bischof der Gemeinde in Jkonium, so wie Hymenäus, Bischof der Gemeinde zu Jerusalem, Theoteknus, Bischof in dem benachbarten Cäsarea und überdieß noch Maximus, welcher den Brüdern zu Bostra mit großer Auszeichnung vorstand. Uebcrdieß könnte ich noch Viele nebst den Presbytern und Diakonen herzählen, die um eben dieser Sache willen in der genannten Stadt damals sich versammelten. Jndeß die Angeführten waren die berühmtesten darunter. Alle kamen nun zu bestimmten Zeiten oft und viel zusammen und in jeder Sitzung wurden verschiedene Sätze und Streitfragen in Anregung gebracht, wobei Paulus und sein Anhang ihre irrige Lehre noch zu verbergen und zu verdecken suchten, die Gegenpartei aber die Ketzerei und die Lästerung wider Christum zu enthüllen und ans Licht zu ziehen sich beciferte. Während dieser Zeit, im 12ten Jahre der Negierung des GallienuS, starb Dionysius, nachdem er der Gemeinde zu Alexandrien 17 Jahre als Bischof vorgestanden hatte und Maximus wurde sein Nachfolger. Gallienns aber hatte die Negierung 15 ganze (1) Jahre geführt, als Klaudius sein Nachfolger wurde, von welchem nach einer zweijährigen Regierung die Obergewalt auf Aurc- lianus überging. N eunund? wan? igstes Hauptstü ck. Wie Paulus von einem Presbyter, Namens Malchion, der ei» Sophist (2) gewesen, überführt und darauf seiner Würde entsetzt worden. Um diese Zeit ward die letzte Synode (5) von sehr vielen Bischöfen gestalten. Auf dieser wurde der Urheber der autiochenischen Ketzerei völlig entdeckt, und nachdem er von allen der Heterodoxie für schuldig befunden, vvn der ganzen allgemeinen Kirche ausgestoßen. Vornämlich widerlegte * Klaudius II. 269. Dionysius. Aurelianus. I. Chr. 271. (1) Nämlich 7 gemeinschaftlich mit seinem Vater und 8 allein. (2) Dieser durch Sokrates und Aristophanes so verächtlich gemachte, aber in späterer Zeit wieder zu Ehren gelangte Name bezeichnete damals einen Lehrer und Meister im prosaischen Ausdruck, war also ungefähr gleichbedeutend mit Rhetor, Redckünstlcr. (Z) Die Gelehrten sind sowohl über die Zahl der antiochcnischcn Synoden wider Paulus, als über die Zeit, da sie gehalten worden, verschiedener Meinung. Einige nehmen zwei Synode» an, Andere drei. Pcarson scheint gar nur eine einzige zulassen zu wollen. Mir scheint es gar keinem Zweifel unterworfen zu scyn, daß mehrere Synoden gehalten worden. Die letztere, welche die wichtigste war, auf welcher 70 bis 80 Bischöfe versammelt waren, und von welcher Paulus abgesetzt wurde, ward, wie Einige wollen, im Jahr 269, nach der Meinung Anderer aber im Jahr 27» gehalten. Eusebius setzt in seiner Chronik Pauls Absetzung in das Jahr 267 z allein seiner Chronik ist in diesem Zeitraum fast gar nicht zu traue». Stroth. Aurelianus. Jahr Christus 271. Dionystus. 273 und überführte ihn, so sehr er auch sich verbergen wollte, Malchion, ein kenntnißreicher Mann und namentlich Vorsteher der zu den griechischen Unterrichtsanstalten gehörigen Sophistenschnle zu Antiochia, aber auch zugleich wegen der außerordentlichen Reinheit seines Glaubens an Christus einer Presbytcrstelle bei der dortigen Gemeinde für würdig gehalten. Dieser stellte eine Disputation mit Paulus an, welche von Gcschwind- schreibcrn nachgeschrieben wurde und welche, wie wir wissen, noch jetzt zu haben ist, und war der einzige unter allen, welcher diesen Mann, so versteckten und trügerischen Sinnes er auch war, in seiner Blöße darzustellen vermochte. Dreißigstes Hauptstück. Von dem Briefe der Bischöfe gegen Paulus. Die versammelten Bischöfe verfaßten nun nach gemeinsamem Beschlüsse ein Schreiben an den römischen Bischof Dionysius und an den alexandrinischcn Maximus, und schickten dasselbe in alle Provinzen. Sie setzten darin jedermänniglich ihre Bemühungen auseinander und gaben von der verkehrten Heterodoxie des Paulus und von den Widerlegungen und den Fragen, welche sie gegen ihn aufgeworfen, so wie von seinem ganzen Lebenswandel und Charakter Nachricht. Es dürfte nicht unpassend seyn, aus demselben für die Nachwelt folgende Stellen meinem Geschichtswerke einzuverleiben: „Dem Dionysius und Maximus und allen unfern ,,Mitdienern auf der Erde, den Bischöfen, Presbytern und Diakonen „und der ganzen allgemeinen Kirche unter dem Himmel wünschen Helenus, „Hymenäus, Theophilus, Theoteknus, Maximus, Proklus, Nikomas, „Aelianns, Paulus, Bolanus, Protogenes, Hierax, Eutychius, Theodoras, Malchion und Lucius, so wie alle übrigen, die nebst uns Bischöfe, Presbyter und Diakonen in den Städten und Gegenden in der „Nähe sind und die Gemeinden Gottes, als unfern geliebten Brüdern „in dem Herrn, allen Segen." Bald darauf fahren sie weiter also fort: „Wir haben zugleich an viele auch weit entfernte Bischöfe geschrieben und „sie eingeladen, diese verderbliche Lehre heilen zu helfen, namentlich auch „an den Bischof Dionysius in Alexandrien und den Bischof Firmilianus „in Kappadvcien, seligen Angedenkens. Der crstere schrieb nach Antiochien „zurück, würdigte aber weder den Urheber des Jrrthnms eines Grußes, „noch richtete er den Brief an ihn, sondern an die ganze Gemeinde. Eine „Abschrift von demselben folgt hier. Firmilianus aber war zweimal nach „Antiochien gekommen und hatte, wie wir, die wir dabei gewesen sind, „wissen und bezeugen, und wie es auch noch viele Andere mit uns wissen, „seine Neuerungen verdammt; wie aber Paulus seine Meinung zu ändern „versprach, so glaubte und hoffte Firmilianus, die Sache könne ohne „einigen Nachtheil für die Religion in Richtigkeit gebracht werden und Eusebius Kirchcngcschichte. Ig 274 AnrelianuS. Jahr Christus 271. Dionysius. „verschob also sein Urtheil, betrogen von dem, der seinen Gott und „Herrn verlängnet und den Glauben, welchen er vormals hatte, nicht „verwahrt hat. Firmilianns wollte indessen, weil er Paulus gottes- „lengnende Bosheit kennen gelernt hatte, auch jetzt wieder nach Antio- „chien sich begeben und war bereits bis Tarsus gekommen, allein als wir „uns versammelt hatten, ihn einluden und auf seine Ankunft warreten, „starb er." Etwas weiterhin entwerfen sie von dem Leben und Wandel des Paulus folgende Schilderung: „Da er von der Richtschnur des Glaubens abgefallen und zu falschen, unachten Lehrsätzen übergetreten ist, so „ist es nicht nothig, daß man seine Handlungen, als eines Mannes, der „draußen ist, benrtheile, weder dieß, daß er, der früher arm und ein „Bettler gewesen, und weder von seinen Voreltern einiges Vermögen „überkommen, noch durch irgend ein Gewerbe oder eine Beschäftigung „sich ein solches erworben hatte, nun zu einem übermäßigen Reichthum „.gelangt ist durch Gottlosigkeit, Kircheuraub und durch das, was er von „den Brüdern durch Fordern oder Vedräuen erpreßt, indem er Leute, „die beleidigt worden, hintergeht und ihnen gegen Bezahlung Hülfe ver- „spricht, aber auch diese täuscht und von der Streitenden Bereitwilligkeit „zum Bezahlen, um nur der lästigen Sache los zu werden, Gewinn „zieht und ohne etwas dafür zu lhnn, und so die Religion als ein Erwerbsmittel betrachtet, noch daß er hochmüthig ist, sich überhebt und „weltliche Ehrenftellen bekleidet, sich lieber Duceuarius (1) als Bischof „genannt wissen will, auf den öffentlichen Plätzen hoffärtig einherschreitet, „während des Gehens öffentlich Briefe liest und diktirt, umgeben von einem „großen Gefolge solcher, die ihm voranschreilen oder nachfolgen, so daß „sogar unser Glaubewegen seiner Aufgeblähtheir und seinesHochmulhs an- „gefeindet und gehaßt wird. Eben so wenig wollen wir die Prunksucht dieses „Menschen bei den kirchlichen Versammlungen, welche er voll eiteln Haschens „nach äußerlicher Ehre eifrigst zeigt, wodurch er die Gemüther der Nn- „erfahrenen zur Bewunderung hinreißt, erwähnen. Er hat sich nämlich „eine Bühne und einen erhabenen Thron errichten lassen nicht wie ein „Jünger Christi, und hat gleich den weltlichen Obrigkeiten ein geheimes „Stübchen, (2) das er auch nach seinem Namen nennt. Er schlägt mir „der Hand an die Hüften, (3) stampft mit den Füßen auf die Bühne (1) Der Ducenarius war ein kaiserlicher Prokurator, welch.r von den Einkünften den Namen hatte, welche in 200,000 Scstertccn (etwa 9000 Neichsth.) bestanden. Aus Sellerö uniiguilies ut pnlin^rn p. 166 ff. erhellt, daß dieses Amt besonders in Syrien stattfand. Paulus erhielt dieses bedeutende Amt wahrscheinlich von seiner Gönnen» Zcnobia, so lange diese Herrin des Orients war. (2) Es war ein mit Schranken eingeschlossener und mit Vorhängen verdeckter Ort, worin die Obrigkeiten und Richter saßen und denen, die etwas bei ihnen zu suchen hatten, Bescheid crtheilten. (6) So wie es noch jetzt Handlungen gibt, die bei Personen vom weltlichen Stande nicht auffallen, bei einem Geistlichen aber unanständig seyn würden, so war es mit dem Schlagen an die Hüfte. Dieß war seit uralten Zeiten ein Zeichen des heftigen Unwillens, auch wohl der Drohung und des Zorns, wovon wir hin und wieder bei den alten Schriftstellern viele Beispiele finden. Eine für eine» Bischof eben so unschickliche Handlung war das Stampfen. Anrelianns. Jahr Christus 271. Dionysius. 275 „und schimpft und schmäht auf diejenigen, welche ihn nicht loben, nicht, „wie in den Theatern geschieht, die Tücher schwenken noch lauten Bei- „fall zurufen (t) und aufspringen wie die ihm anhängenden Männer „und Weiber thun, die ihm auf eine so unziemliche Weise zuhören, son- „dern die ihm mit Anstand und Nuhe, als im Hause Gottes, zuhören. „Auf bereits verstorbene Erklärer des göttlichen Wortes schmäht er in „öffentlicher Versammlung auf eine plumpe und pöbelhafte Weise, sich „selbst aber erhebt er in hochprangenden Worten, als wenn er nicht „ein Bischof, sondern ein Sophist und Marktschreier wäre. Die Lieder „zu Ehren unsers Herrn Jesu Christi wurden von ihm außer Gebrauch „gesetzt, unter dem Vorgeben, sie seyen neu und von Männern neuerer „Zeit verfaßt, dagegen bestellte er Weiber, welche ihm selbst zu Ehren „am ersten Passahtage mitten in der Versammlung Lieder absingen „mußten, wobei einem schon, wenn man nur sie hört, die Haare zu „Berge stehen möchten. Aehnliches läßt er auch durch die ihm schmeicheln- „den Bischöfe der benachbarten Ortschaften (2) und Städte und die Pres- „by-cr in ihren Vorträgen an das Volk vorbringen. Denn (um vor- „läufig etwas von dem anzuführen, was in der Folge gemeldet werden „soll) er will nicht mit uns bekennen, daß der Sohn Gottes vom Himmel „herabgskommen sey. Und dieß ist nicht bloß eine von uns ohne allen ..Beweis hingestellte Behauptung, sondern erhellt vielfach au-S den Akten, „die wir euch schicken, hauptsächlich aber ans der Stelle, wo er sagt, Jesus „sey von hienieden. Diejenigen aber, welche ihre Lieder singen und ihn „lobpreisen, sagen von ihrem gottlosen Lehrer, er sey ein Engel, der vom „Himmel herabgekommen sey. Und dieß sucht der Hochmüthige nicht zu „verhindern, sondern ist sogar dabei zugegen, wenn, es gesagt wird. Wir „wollen auch nicht über seine und seiner Presbyter und Diakonen Gesellschafterinnen, (5) wie die Antivchensr sie nennen, sprechen. Jenen hilft »er sowohl dieß, als auch ihre andern unheilbaren Dergehungen, um die »er weiß und deren er sie überwiesen hat, verbergen, um sie sich dadurch »verbindlich zu machen und damit sie, aus Furcht für sich selbst, nicht »wagen sollen , ihn wegen dessen, was er in Wort und That Unrecht thut, »anzuklagen; ja er hat sie sogar noch reich gemacht. Deßhalb wird er von »denen, die nach dergleichen Dingen trachten, geliebt und bewundert. »Doch wozu sollen wir dieß schreiben ? Wir wissen ja, meine Geliebten, »daß der Bischof und die ganze Geistlichkeit dem Volke Muster in allen »guten Werken seyn soll. Auch ist uns nicht unbekannt, wie Viele dadurch, »daß sie solche Gesellschafterinnen zu sich genommen haben, gefallen oder (1) Diese böse Gewohnheit^ daß man dem predigenden Bischof während der Predigt lauten Beifall zujauchzte, so daß er oft deßwegm innehalten mußte, riß in der Folge dennoch cm und wurde nicht mehr für böse gehalten, wie denn dem Chrysostomus dieß oft widerfahren ist. Stroth. M Hierunter sind die in der alten Kirche sehr häufigen, aber in der spätem Kirche nicht mehr cxistirenden Landbischöfe (eiwrepisenpi, vpisvopi rursle, s. Man!) verstanden, welche aber untcrgwrdnet und in manchen Stücken beschränkt waren. (3) ^rwrecrauroe. ^ „ 2 70 Auvelianus. Jahr Christus 27t. Dionysius. „wenigstens in Verdacht gekommen sind, daher er denn auch, zugegeben, „daß er sich nichts Ungebührliches erlaube, doch wenigstens den Verdacht, „ der ans so etwas natürlicherweise entspringen muß, hätte meiden sollen, „um Niemauden zu ärgern, noch viel weniger aber zur Nachahmung zu „reizen. Denn wie vermöchte derjenige einen Andern zu tadeln oder zur „Vorsicht zu ermahnen, nicht zu viel mit einer Person weiblichen Geschlechts beisammen zu seyn, daß er nicht salle, wie geschrieben steht, „welcher schon eine von sich entlassen und noch zwei blühende, wohlgebildete „Personen bei sich hat und sie ans seinen Reisen mit sich nimmt, auf wel- „chen er noch dazu der Schwelgerei und Völlerei fröhnt. Darüber seufzen „und wehklagen denn Alle in der Stille, allein sie fürchten seine Macht „und Tyrannei so sehr, daß ihn anzuklagen Niemand wagt. Jndeß über „dergleichen Dinge würde man, wie wir uns schon früher erklärt haben, ..einen Mann zur Rede stellen, welcher doch wenigstens noch eine katholische „Denknngsart hätte und der noch zu uns gezählt würde; allein von einem „Menschen, der das Geheimniß unserer Religion verspottet hat und mit „der verruchten Ketzerei des Artemas (1) — denn warum sollte man nicht „endlich seinen Varer nennen — groß r-hnt, glauben wir keine Rechenschaft „über solche Handlungen zu fordern nöthig zu haben." Sodann setzen sie ^ am Ende des Schreibens noch Folgendes hinzu: „So haben wir uns also „genvthigt gesehen, diesen Widersacher Gottes, der nicht nachgeben wollte, „auszuschließen und an seiner Stelle der katholischen Kirche einen andern „Bischof, nach Gottes Fügung (wie wir hoffen), zu setzen, nämlich des „seligen Demetriauus, der vor Paulus dieser Kirche mit Ruhm vorgestan- „den, Sohn DomnuS, einen Mann, der mit allen einem Bischöfe geziemenden Gaben geziert ist. Wir thnn euch dieß deßwegen zu wissen, „damit ihr an ihn schreibet und die GcmcinschaflLbriefe(2) von ihm an- „nehmet. Paulus aber mag an Artemas Briefe schreiben und die, welche „dieselbe Anficht wie Artemas haben, mögen Gemeinschaft mit diesem halbsten." Dieses haben wir hier anzuführen für nothwendig gehalten. Da nun Paulus zugleich mit seiner Nechtgläubigkeit auch daS Bischnm verloren hatte, so wurde, wie schon gesagt, Domnus sein Nachfolger in Leitung der Gemeinde zu Antiochien. Allein weil Paulus auf keine Weise ans dem Kirchenhause (3) weichen wollte, (4) so wurde der Kaise-r Aurelianus deß- halb angegangen, der die Sache auf das Angemessenste entschied. Er befahl (1) Oder Artemon. Man sehe oben 5, 28. ^/.Diejenigen Briefe, welche besonders die ncugewordcnen Bischöfe an die übrigen hcrumschicktcn und darin theils ihre Gelangung zum bischöflichen Stuhl meldeten, thcils zu crcennm gaben, daß sie in der Kirchcngemcinschast mit ihnen stehen wollten. Stroth. ... /je) darunter ist wohl das dem Bischöfe von der christlichen Gemeinde zur Wohnung uberlasscne Haus zu verstehen; Jos. Mcde versteht darunter das dem Gottesdienste gewidmete Haus. Vielleicht könnte es, wie Stroth annimmt, beides zugleich gewesen seyn. (4» Paulus behielt nach dem Absetzungsurtheil noch einige Jahre lang seine Stelle und unterwarf sich dem Ausspruch der Bischöfe nicht im Vertrauen auf seine Gönncrin Zcnobia. r.rst nach ihrem stürze gingen die Bischöfe den Kaiser Aurelianus an, und dieß war im dritten Jayre seiner Regierung. Aurelianus. Jahr Christus 271. Dionysius." 277 nämlich, daö Haus denjenigen einzuräumen, mit welchen die christlichen Bischöfe in Italien und in der Stadt Rom in brieflichem Verkehr stünden. (1) Auf diese Art wurde also der gedachte Mann zu seiner größten Schande von der weltlichen Macht aus der Gemeinde getrieben. So war Aurelianns damals gegen uns gesinnt. Allein im Verlaufe seiner Negierung änderte er seine Gesinnung gegen uns und er ließ sich bereits durch den Rath gewisser Leute dazu bewegen, (2) eine Verfolgung gegen uns zu veranstalten. Schon sprach man allenthalben viel davon. Da er aber eben im Begriffe dazu war und das Edikt gegen uns beinahe schon (Z) unterzeichnete, erreichte ihn die göttliche Strafgerechtigkeit und hielt ihn gleichsam an dem Ellenbogen von seinem Unternehmen zurück, dadurch allein einen glänzenden Beweis gebend, daß die weltlichen Fürsten gegen die Gemeinden Christi nichts vermögen, wenn eö nicht die für sie streitende Macht nach ihrem göttlichen, himmlischen Ermessen der Züchtigung und Besserung wegen zu den Zeiten, welche sie selbst für angemessen erachtet, zulassen will. Nachdem nun Aurelianns 6 Jahre (ü) geherrscht hatte, so wurde ProbnS sein Nachfolger, und auf diesen nach einer eben so langen Regierung folgte Karns mit seinen beiden Söhnen Karinuö und Nnmeriauus. Auch diese hatten noch nicht volle Z Jahre regiert, als die Obergewalt anfDiokletianus und diejenigen, welche hernach von ihm zu Reichsgenvssen (5) angenommen wurden, überging. Unter diesen fand die Verfolgung statt, welche wir erlebt haben und die damit verbundene Zerstörung der Kirchen. Jndeß ' Felix, 25stcr Bischof zu Rom. I. Chr. 273. Aurclianus. I. Chr. 273. Felix. Probus. I. Chr. 276. Felix. Karus. I. Chr. 285. Diokletianus. Felix. (I. Chr. 276.) Eutychianus. 26fter Bischof zu Rom. (1) O. h. welchen diese Bischöfe für ihren Mitbruder erkennen würden. AurelianuS that dieß wohl aus Politik, weil er die Abhängigkeit der Provinzen von der Hauptstadt durch alle Mittel wiederherzustellen suchte. (2) Es bedurfte dessen vielleicht nicht, da dieser Kaiser ein eifriger Anhänger des orientalischen Sonnenkultus war und die Nebcrzeugung hatte, daß die Wohlfahrt des Staates und Herrlichkeit des Reichs mit der strengen Beobachtung der Staatsrcligiou auf das engste zusammenhänge. (3) Der fast gleichzeitige Verfasser der dem Lactantius zugeschriebenen Schrift eis mm-tidus psesoouwi'iim berichtet, das Edikt ftp schon ertasten gewesen, habe aber noch nicht bis zu dem Tode des Kaisers zu den entfernten Provinzen gelangen können. Auch Andere lassen schon die Verfolgung, die als die neunte gezählt wird, beginnen. Am wahrscheinlichsten ist es aber, wib Reander bemerkt, daß der Bericht des Eusebius, der das Wenigste sagt, die Wahrheit enthält und daß das Uebrige durch Ueberlieferung hinzugesetzt worden. (4) AurelianuS wurde zwischen Hcraklca und Byzanz umgebracht am 3. April des Jahrs 275, nachdem er 4 Jahre und ungefähr 4 Monate regiert hatte. Eusebius und Andere, die ihm 6 Jahre bürgten, rechnen nach julianischcn Jahren, die auf beiden Seiten nicht voll sind. Hierauf folgte ein Interregnum von 6 Monaten, worauf Tacitus zum Kaiser ernannt wurde. Nachdem dieser nach einer Regierung von 260 Tagen zu Tarsus entweder umgebracht worden oder am Fieber gestorben war (denn die Art seines Todes ist unbekannt), wurde Probus in Jllyrien und Florianus zu Rom Kaiser, welcher letztere aber schon nach 89 Tagen bei Tarsus seinen Tod fand. Probus wurde nach einer Regierung von 6 Jahren und 3 ganzen Monaten in Jllyricum von seinen eigenen Leuten gctödter, ungefähr im Anfang des Augusts des Jahrs 282. Der Kaiser Karus wurde im Jahr 284 vom Blitz erschlagen, Numerianus aber ungefähr im September desselben Jahres und Ka- rinus im Jahr 285 umgebracht. Pagi. (5) Es waren dieß Marimianus, der zum Mit-AugustuS, und Valerius und Konstantins (mit dem Beinamen ChloruS), die zu Cäsaren ernannt wurden. 278 Divkletianus. Jahr Christus 285. Felix. (Kajus 27. B. zu N.)"' kurz vorher war zu Rom Felix (I) der Nachfolger des Dionysius geworden, welcher S Jahre die bischöfliche Würde bekleidet hatte. Einnnddreißigs5 es H auplst ück. Von der verderblichen Irrlehre der Mamchäer, welche damals zuerst ihren Anfang genommen. Um diese Zeit bereitete auch MaaeS, der dem Verstände nach ein wahrer Maneö (2) war und dessen Name seiner teuflischen Ketzerei entsprach, Diokletianus I. Ch. 236. Marccllinus 28. Bisch, zu Rom. (I. Ch. 281.) Euth- chianus. (I. Ch. 232) Kajus. (1) Eusebius setzr in seiner Chronik den Lied des Dionysius und die Erhebung des Felix in das Z. 277. sie gehört aber ins I. 271. Im I. 277 war schon Eutychianus im zweiten I. auf dem Stuhl. (2) Ein Wortspiel mit der Bcdcuttmg des griechischen ParticipiumS gowsi?, welches einen Rasenden bedeutet, oayon der bei den Griechen gewöhnliche Sclavenname, Manes herkommt. Bei diesem Ketzer aber war es kein griechischer, sondern ein persischer Name den er sich selbst beigelegt haben soll, da er vorher Kubrikus geheißen. Die Alten suchten darin ein Werk der Vorsehung, daß er sich von ungefähr einen solche» Name» beilegen mußte, der im Griechischen eine so schlimme Bedeutung hätte. Stroth. Da die Nachricht, welche Eusebius von Manes und seiner Partei gibt, äußerst kurz und unbefriedigend ist, und die Schriften von Beausobres (liist-üre üo hiuniobe« et Ziunielieisme) und von Bauer manchem Leser zu weitläufig ftyn dürfen, so möge hier ein kurzer Abriß von des Manes Lehre nach Gicselers Darstellung (Kirchcngesch. B. 1. p. 223 ff.) folgen: Sein Religionesyfrcm beruht auf der Annahme zweier ewigen, neben einander bestehenden und sich begrenzenden Reiche, dem Reiche des Lichts und dem Reiche der Finsterniß, jenes von Gott, dieses von dem Dämon oder der Hylc beherrscht. Nachdem durch einen Krieg zwischen beiden Reichen die Grenze durchbrochen war, und sich nun in der Mitte die Lichtmalerci mit der Malerei der Finsterniß gemischt hatte, ließ Gott aus dieser vermischten Malerei durch den lebendigen Geist nnLssu«, Spiritus vivons) die Welt bilden, damit nach und nach hier die gefangene Lichtmalerci (losus pnssidilis) wieder ausgeschieden, und die alte Grenze wiederhergestellt würde. Zwei erhabene Licht- naturcn Christis (von ihm lieber clextra luminis, nsi «iöl» «xcanv? Nvg ?c. genannt) und der heilige Geist, jener in Sonne und Mond (nsvvs), dieser im Acther wohnend, leiten diese Rückkehr der Lichtmalerei, während der Dämon und die bösen Geister, an die Gestirne gefesselt, sie zu verhindern suchen. In jedem Menschen wohnt außer der Lichtscrle auch eine böse Seele: es ist seine Aufgabe, jener die Herrschaft über diese zu verschaffen, von den in der Natur, besonders in gewissen Pflanzen, zerstreuten Lichtelcmenten so viele wie möglich mit ihr zu vereinigen, sie dadurch von den Fcsseln des bösen Princips zu befreien und ihr den Weg zur Rückkehr in das Lichtreich zu bahnen. Nachdem die Menschen ' von dem Dämon durch falsche Religionen (Judenthum und Heidenthum) lange irre geleitet waren, stieg Christus von der Sonne in einem Scheinkörpcr zur Erde hinab, um zur Verehrung des wahren Gottes hinzuleiten und durch seine Lehre den Lichtseelen zu ihrer Befreiung zu verhelfen. Seine Lehre wurde aber schon von den Aposteln nicht ganz verstanden, und nach seinem Tode'von Christen noch mehr verfälscht; er verhieß dcßhalb noch einen größern Apostel, den und dieser ist in Man! erschienen. Die Schriften des neuen Testaments verwarfen die Mamchäer thcilS ganz, theils hielten sie dieselben für iaterpolirt; dagegen gebrauchten sie andere vorgeblich apostolische Schriften, so wie auch Manis eigene Schriften bei ihnen im höchsten Ansehen standen. Ihre Moral zweckte dahin ab, der guten Seele durch die höchste Enthaltsamkeit das Uebergewicht über die böse Seele zu verschaffen, und theilte sich in daS signucnium oris, sign, manus u. sign, siuus. Da die strenge Beobachtung derselben der Partei schon in der ersten Generation ein Ende gemacht haben würde, so theilte Man! seine Anhänger in zwei Klassen (olecti, porkoeti, und »miliares (xarTMzisuor) und erließ der zweiten die Beobachtung der drückendsten Gesetze. Der Gottesdienst der Mamchäer war sehr einfach, den Sonntag feierten sie durch Fasten, den Todestag des Man! durch ein jährliches Fest. Ossst«: Taufe und Abendmahl geHorten zu dem geheimen Gottesdienste der Elccti. Man! selbst sandte 12 Apostel aus, um Diokletiauns. Jahr Christus 296. Marzellinus. 279 seine Verkehrnng des Glaubens zu. Ihn hatte sicherlich der Teufel selbst, der Satan, der Feind Gottes, zum Verderben Vieler auftreten lassen. Ssiner Sprache, seinem Charakter und seiner ganzen Lebensweise nach ein Barbar und von Vatur besessen und rasend, machte er sich an ein Unternehmen, das diesen Eigenschaften entsprechend war und wagte es, Christum selbst vorzustellen. Er gab sich, zn seinem Wahnsinn hin noch von Stolz bethört, bald für den Paraklet und den heiligen Geist selbst ans, bald erwählte er sich, wie Christus, zwölf Jünger zn Theilnehmern seiner Neuerung. Er sammelte falsche, gottlose Lehrsätze von vielen längst erloschenen Sekten, flickte sie zusammen und gosi sie gleich einem tvdtlichcn Geiste von Persien über das ganze Rom.erreich aus. Von dieser Zeit an ist der gottlose Name der Manichäer noch bis jetzt überall verbreitet. So verhält cS sich" mit der Entstehung auch dieser fälschlich sogenannten Erkenntnis;, welche um die erwähnte Zeit entstand. IweinndÄreißigkcs Haupt stück. Von den zu unserer Zeit selbst ausgezeichneten Kirchenlehrern und welche von ihnen noch bis zu der Zerstörung der Kirchen gelebt. Nachdem Felix (1) 5 Jahre laug der römischen Kirche vorgestanden, so wurde um diese Zeit Eutychianus sein Nachfolger, der aber noch keine ganze 10 Monate «.2) sein Amt bekleidet harte, als er es dem Kajus, der zu unserer Zeit lebte, hinterließ. Dieser stand etwa 15 Jahre (3) demselben vor. worauf Marcellinus sein Nachfolger wurde, der noch die Verfolgung erlebte. Zu ihrer Zeit war in Antiochien nach Domnus Timäus Bischof, dessen Nachfolger zu unsere Zeit Cyrillus wurde. Unter seiner Amtsführung haben wir den Dorotheas, einen unter seinen Zeitgenossen sehr gelehrten Mann, welcher des Presbyteramtes für würdig gehalten worden, kennen gelernt. Dieser beschäftigte sich sehr eifrig mit Erforschung der heiligen seine Lohre zu verbreiten, und ebenso wurden auch nachher fortwährend Elcet! zu diesem Zwecke ausgeschickt. Dabei blieb die Partei in einem sehr engen Verein, an dessen Spitze ein Einziger stand, welchem zunächst 12 Magistri, dann die 72 Bischöfe der Gemeinden untergeordnet waren. Durch die Geschichtsform, in welcher Mani so vieles Unbegreifliche begreiflich zu machen suchte, und durch die Weese seiner Anhänger wurden Viele angelockt; und die Manichäer breiteten sich schon bald nach dem Tode ihres Stifters nach -Vliica proconsuiaeis und von da bald weiter im römischen Reiche aus, obgleich sie hier nicht nur von den Katholiken heftig bestritten, sondern als eine aus dem feindlichen Pcrsien stammende Sekte auch von den heidnischen Kaisern mit besonders blutigen Gesetzen verfolgt wurden. (1) Felix, der am Lösten Dccbr. des I. 269 das Bisthum bekommen hatte, besaß dasselbe 5 Jahre, weniger 6 Tage, und starb am 22sten Dcc. des I. 274, woraus der Stuhl 13 Tage lang ledig stand. t2) Der Jrrthum, welcher hier obwaltet, ist schon oben angemerkt worden. Eusebius hat nämlich dem Eutochianus die Jahre entzogen, die er dem Xystus zu viel beigelegt. Nach Pagi starb Eutuchianus am 7ten Dcc. des I. 283 und hatte also den Stuhl 3 I. II Monate und 3 Tage besegen (3) Kajus, der am löten Dec. des Jahrs 283 das Bisthum antrat und bis zum Listen April des I. 296 verwaltete, hat seine Würde 12 Jahre 4 Monate und 7 Lage bekleidet. Pagi. 280 Divkletianus. Jahr Christus 296. Marcellmus. Schrift und erlernte auch die hebräische Sprache, so daß er sogar die hebräischen Schriften mit Fertigkeit lesen konnte. Er hatte eine vorzügliche Erziehung genossen und war in den griechischen Vorbereitnngswissenschaften keineswegs Fremdling, übrigens ein gsborner Eunuch, (1) daher ihm der Kaiser als einer Seltenheit seine Gewogenheit schenkte und ihm die Aufsicht über die Purpnrfärberei zu Tyrns übertrug. Diesen haben wir die heilige Schrift von der Gemeinde nicht ohne Geschick auslegen gehört. Nach Cyrillus überkam das Bisthum zu Antiochien Tyrannns, zu dessen Zeit die Zerstörung der Kirchen in ihrem vollen Gange war. Der Gemeinde zu Laodicea stand nach Sokrates Eusebius vor, ans Alexandrien gebürtig. Veranlassung zu seiner Uebersiedelnng von dieser Stadt in jene gab ihm der Handel mit Paulus von Samosata. Als er nämlich wegen des letztern nach Syrien gekommen war, so ließen ihn die dortigen Freunde der Religion nicht mehr nach Hause zurückkehren. Er war unter unfern Zeitgenossen einer der liebenswürdigsten Verehrer GotteS, wie auch schon aus den angeführten Worten des Dionysius ersichtlich ist. Sein 'Nachfolger war Anatolins und wie es im Sprichwort heißt, ein Tresslicher folgte dem andern. Dieser Anatolins war ebenfalls ans Alexandrien gebünig und nahm seiner Gelehrsamkeit, seiner griechischen Bildung und seiner philosophischen Kenntnisse wegen den ersten Rang unter den bewährtesten Männer» unserer Zeit ein. Denn er hatte es in der Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Logik, Physik und in den rhetorischen Künsten auf das Höchste gebracht, weßhalb ihn auch die Bürger Alexandria's gebeten haben sollen, eine Schule der aristotelischen Philosophie in ihrer Stadt zu errichten. Man erzählt sich eine ganze Reihe edler Handlungen von ihm, während der Belagerung des PyruchinmS (2) zu Alexandrien, wo er von Allen gewürdigt worden in daS höchste Magistratokollegium aufgenommen zu werden; indeß will ich als Beispiel nur folgenden einzigen Zug von ihm erzählen. Als es den Belagerten an Getreide fehlte, so daß schon der Hunger ihnen unerträglicher fiel, als die Feinde drausseu, so traf Anatolins, der zugegen war, folgende Veranstaltung. Der eine Theil der Stadt war auf Seite des römischen Heers und somit von der Belagerung frei. Eusebius — denn dieser hatte sich damals noch nicht nach Syrien übergesiedelt, sondern war noch zu Alexandrien — befand sich bei den Nichtbelagerten, und hatte sich einen solchen Ruhm und weitverbreiteten Namen erworben, daß er bis zu dem (1) Als Eunuch konnte Dorothcus nach der (offenbar aus dem Judcnthum stammenden) Regel? daß zum priesterlichen Amte auch körperliche Integrität und Vollkommenheit gehöre, eigentlich kein Kirchenamt bekleiden, allein die ältere Kirche war nachsichtig gegen körperliche Mängel, wenn nur sonst eine ausgezeichnete Tüchtigkeit vorhanden war. (2) Ammianus Marcellinus und Andere nennen diesen Platz, der einen Theil der Stadt Alexandrien ausmachte oder eine Vorstadt war, Bruchium, Epiphanius Brachium. Der letztere erzählt, daß in demselben die von Ptolomäus Philadclphus angelegte Bibliothek gestanden habe und daß dieser Platz jetzt wüste ftp. Die Belagerung selbst fällt in die Regierung des Klaudius, da, während dieser Kaiser im Norden des Reichs gegen die Germanen kämpfte, Zenobia durch ihren Heerführer Zabdas Aegypten besetzen ließ und eine Besatzung nach Alexandrien warf, der römische Heerführer Probus aber Widerstand leistete und zuletzt die Palmyreners aus Aegypten vertrieb. Divkletianus. Jahr Christus 296. MarcellinnS. 281 römischen Feldherrn drang. Diesem gab Anatolius Nachricht von denjenigen , welche während der Belagerung von Hunger umkamen. Kaum war Eusebius davon in Kenutniß gesetzt, als er es sich von dem römischen Feldherrn als die größte Gnade erbat, er möchte denjenigen, welche von den Feinden übergehen würden, das Leben schenken. Nachdem er Gewährung seiner Bitte erlaugt, setzte er den Anatolius sogleich davon in Kentniß. Sobald dieser diese Versicherung erhalten hatte, versammelte er den Rath der Alexandriner und forderte zuerst alle auf, die Friedenshand den Römern zu reichen; wie er sie aber über diesen Vorschlag aufgebracht sah, sprach er: So werdet ihr doch wenigstens, wie ich hoffe, nicht dagegen seyn, wenn ich euch rathe, alle überflüssigen uns selbst nichts nützenden Personen, nämlich alle Weiber, Kinder und Greise, aus den Thoren hinausgehen zulassen, wohin sie wollen. Denn wozu sollen wir diese Leute die doch bald sterben würden, ohne Zweck bei uns haben? Wozu sollen wir die Verkrüppelten und Verstümmelten durch Hunger aufreiben? Man muß bloß die Männer und die Jünglinge ernähren und das nöthige Getreide denjenigen, welche zur Verteidigung der Stadt tauglich sind, zukommen lassen. Nachdem er den Rath dnrch solche Gründe überzeugt hatte, stand er zuerst auf und gab seine Stimme dahin, man solle alle diejenigen, welche für den Kriegsdienst untauglich sehen, sie möchten männlichen oder weiblichen Geschlechts sehn, aus der Stadt schaffen, da sie doch, wenn sie bleiben und unnützer Weise in der Stadt verweilen würden, keine Hoffnung zum Leben hätten, sondern vor Hunger umkommen müßten. Da alle andern Senatoren diesem Vorschlage beitraten, so rettete Anatolius dadurch fast alle Belagerten, indem er Vorsorge traf, daß zuerst die Christen, sodann aber die andern Personen in der Stadt jeglichen Alters, nicht bloß solche, welche der Rathsbeschluß umfaßte, entwischen konnten. Es gingen nämlich auf die Rechnung der Letztern noch sehr viele Andere heimlicher Weise des Nachts mit Weiberkleidern angethan durch seine Vorsorge ans den Thoren und kamen zum römischen Heer. Hier nahm die von der langen Belagerung (1) Erschöpften alle Eusebius wie ein Vater und Arzt auf und erquickte sie durch jegliche Vorsorge und Pflege. Zweier solcher Hirten, die unmittelbar aufeinander folgten und welche durch göttliche Schickung nach dem erwähnten Kriege von Alexandrien nach Laodicea sich begeben hatten, wurde die Gemeinde dieser Stadt gewürdigt. Bücher hat Anatolius nicht sehr viele verfaßt; indessen haben wir doch so viele von ihm, daß wir daraus seine Gelehrsamkeit und seinen Neichthum an Kenntnissen ersehen können. Er trägt hierin besonders die Meinungen von: Passah vor. Es dürfte nicht undienlich sehn, hier Folgendes daraus anzuführen. (i) Sie hatte nämlich verschiedene Jahre gedauert. 282 Diokletimms. Jahr Christus 296. Marceilmus. Preiunddreinigstes Hanpt stück. Aus dcm Passahkanon des Anatolius. „Er hat(1) demnach im ersten Jahr den 'Neumond des erste» Monats, „welcher der Anfang des ganzen 19jährigen Cyklns ist, nach dem ägyptischen „Kalender am 26sten Phameiwth, nach dem maccdonischen im 22sten des „Monats Dysiros, und wie die Römer sich ausdrücke!., am Ilten vor dem „ersten April. (2) Man findet aber, daß die Sonne an diesem 26sten „Phamenolh (Z) nicht nur in das erste Zeichen des Thierkreises tritt, sondern „schon den vierten Tag in demselben ihre Bahn zurücklegt. Dieses Zeichen „pflegt man das erste Zwölftheil, das Aeqninoklium, den Anfang der Monate „das Haupt des Krestes und den Auslauf der Planeten zn nennen, das „Nächsivorhergehende aber den letzten Monat, das zwölfte Zeichen, das letzte „Jwslstel und das Ende des Kreislaufs der Planelen. Daher behaupten „wir auch, daß diejenigen, welche den ersten Monat in dieses Zwölftel setzen „und den vierzehnten Tag des Passah von da an reÄren , einen groben Jrr- „thnm begehen. Dieser Satz ist indessen nicht unser eigener, sondern er ist „schon den alten Inden, auch denen vor Christi Geburt, bekannt und aufs „genaueste von ihnen beobachtet worden. Dieß kann man aus Stellen des „Philo, Josephns und Mnsäus ersehen, indeß nicht allein aus diesen, sondern „auch aus noch altera Schriftstellern, nämlich aus den beiden Agatbobulen, „die den Beinamen L e h r e r führten und dem allberühmten Aristobulns, „welcher unter der Zahl jener 70 sich befand, die die heiligen, göttlichen „Schriften der Hebräer für Ptolemäus PhiladelphnS und seinem Vater „übersetzt haben und welcher Erklärnngsschristcn über das mosaische Gesetz „denselben Königen zugeeignet hat. Diese Alle sagen bei der Auflösung der „Fragen über das zweite Buch Mosis, Alle müßten gleichmäßig das Passah „nach der Frühlingstag- und Nachtgleiche in der Mitte des ersten Monats „schlachten. Dieß aber finde Statt, wenn die Sonne durch den ersten Theil „der Sonnenbahn oder wie Einige von ihnen es genannt haben, durch das (1) Du Walois will hier lieber lesen oder 6/c. Daher er auch übersetzt! Ilabus ixitur in primo unno novilunlmn >irimi inciisis etc. Allein er hätte sich an die üble Gewohnheit zu excerpircn, die Eusebius hat, erinnern sollen, da er aus dein Vorhergehenden dä« Subjekt oder sonst etwas, worauf sich die excerpirte Stelle bezieht, und ohne welches sie nicht füglich verstanden werden kann, nicht beibringt. Man sehe z. B. oben 5, 7 u. 8. Es muß also im Vorhergehenden cmwcdcr ein cigcntyümlicher Name gestanden haben, so daß Anatolius eines Andern Meinung vom Osterfest nebst besten Ostcrrcchnung anführt und von ihm sagt e/ces roirrm x. 7.. oder es ist dabei öros ö xcrvcöv zu verstehen. Zu dein erstem scheint auch Petavius geneigt zu scyn, der die Meinung hat, daß Anatolius hier einen Andern widerlege und eine ziemlich ausführliche Erklärung über diese schwere Stelle geliefert hat in seinem Animuüvers. !>,ander gerade entgegenstehen, und der Tag des Passahlamms auf den vierzehnten Tag, Abends, angesetzt ist, so wird der Mond seinen Stand der „Sonne gerade gegenüber haben, wie man dieß zur Zeit des Vollmonds „sehen kann. So wird also die Sonne in Frühlingsägninoktialzeichen, der „Mond aber nochwendiger Weise im Herbstäguinoktialzeichen stehen. Ich „weiß, daß sie auch noch sehr Viele andere Behauptungen vorbringen, die „theils wahrscheinlich sind, theils auf die strengsten Beweise sich stützen, „wodurch sie darzulegen suchen, daß das Passah und das Fest der unge» „säuerten Brode durchaus nach der Frühlingstag- und Nachtgleiche gefeiert „werden müsse. Doch ich unterlasse es, eine solche Masse von Bemessen „aufzusuchen, da uns die des Moses Gesetz verhüllende Decke weggenommen „ist und wir bereits mit unverhülltem Antlitz Christum und Christi Lehren „und Leiden allezeit wie in einem Spiegel sehen können. Uebrigens kön- „nen auch Stellen aus dem Buchs Henoch zum Beweise dienen, daß bei den „Hebräern der erste Monat um die Tag- und Nachtgleiche ist." Derselbe Anatolius hat auch Anfangsgründe der Rechenkunst in zehn Büchern hinterlassen, so wie auch verschiedene Proben seines Flesszes in der Theologie und seiner Kenntniß darin. Ihn wählte zuerst Theoteknus, Bischof von Casaren in Palästina, zum Bischof, da er ihn nach seinem Tode für seine Gemeinde zu gewinnen wünschte. Ja, sie standen beide zugleich sogar eine kleine Zeit derselben Gemeinde vor. (2) Allein als die Synode gegen Paulus ihn nach Antiochia einlud und er durch die Stadt Laodicea (S) reis'te, nöthigten ihn, da Eusebiuseben gestorben war, die dortigen Brüder zum Bleiben. Nach dem Tode des Anatolius wurde der letzte Bischof der dortigen Gemeinde vor der Verfolgung Stephanus, der zwar wegen seiner philosophischen Kenntnisse und der übrigen griechischen Bildung viele Bewunderung einerntete, aber keineswegs von derselben Liebe zur Religion bestell war, wie die Verfolgung iu ihrem weiteren Fort- (1) Nämlich daß die Sonne im Widder, der Mond aber in der Wage stehe, wie es in der Folge selbst erklärt wird. Denn das Osterfest soll am 14tcn Tage des Monden, mithin im Vollmond gehalten werde». Bekanntlich aber steht der Vollmond mit der Sonne in Opposition, folglich in der Wage, wenn die Sonne im Widder steht. Stroth. (2) Dieß ist also das zweite Beispiel eines Coadjutors, das uns bekannt geworden. Man sehe oben 6, 11. Auch scheint es, daß die Gemeinden in ihrem Wahlrecht oft gekränkt worden. Man vergleiche die eben angeführte Stelle, vergleiche das vorhergehende Ivtc Hauptst. Auch zu Antiochien setzten die versammelten Bischöfe den DomnuS und Kornelius in Italien zwei Bischest. Man sehe oben 6, 43. Stroth. (3) Eusebius scheint hier den Eusebius und Anatolius miteinander zu vermischen; denn zu Anfang des Hauptstiicks hatte er dasselbe von Eusebius erzählt; man mußte denn annehmen, daß Eusebius nur wenige Tage als Bischof gelebt. Wollte man sagen, Eusebius könnte bei Gelegenheit der ersten Antiochcnischcn Synode Bischof geworden seyn und Anatolius bei der letzter», so streitet hicrwiedcr, daß zur Zeit der erster» Synode das Brachium noch nichr erobert, folglich beide noch zu Alexandrien gewesen. 284 Divkletlanus. Jahr ChriftuS 296. MarcellinuS. gange bewiesen hat. Denn diese zeigte ihn mehr als einen verstellerischen, feigen und muthiosen Menschen, denn als einen wahren Philosophen. Gleichwohl sollte die Gemeinde darüber nicht zn Grunde gehen; sondern der, von Gott, dem allgemeinen Retter, selbst zum Bischof derselben gemachte Theodotns richtete sie sogleich wieder auf. Dieser TheodotuS war ein Mann , (1) dessen Wirksamkeit seinem Namen und seinem bischöflichen Berufe entsprach. In der Heilkunft, sofern sie den Körper betrifft, nahm er den ersten Rang ein; in Betreff der Seelenheilknnde aber, so wie der Menschenliebe, der Aufrichtigkeit, des Mitgefühls für Andere und der Dienstfertigkeit gegen diejenigen, die seiner bedürften, kam ihm Niemand gleich. Auch hatte er sehr viel in der Theologie gethan. Ein solcher Mann war Theodotns. Nachdem zu Cäsarea in Palästina Theoteknus sein Bisthum mit dem größten Eifer verwaltet hatte, so wurde Agapius sein Nachfolger darin, von dem wir wissen, daß er Vieles gearbeitet, für das Volk, dem er als Bischof vorstand, die treueste Sorge getragen und mit reichlicher Hand für Alle, besonders aber für die Armen, gesorgt hat. Zu seiner Zeit haben wir den Pamphilus, einen äußerst gelehrten und sich im Leben selbst als einen wahren Philosophen bewährenden Mann der des dortigen Presbyterthums gewürdigt worden war, kennen gelernt. Die Schilderung dieses Mannes seinem ganzen Wesen und Charakter, so wie seinen Grundsätzen nach, dürfte den Gegenstand eines umfangreichen Werkes bilden. Ich habe indessen von den Einzelnheiten seines Lebens, der von ihm errichteten Schule, den von ihm zur Zeit der Verfolgung in verschiedenen Bekenntnissen ausgestandenen Kämpfen, deßgleichen von der zuletzt ihm zn Theil gewordenen Märtyrerkrone, in einer eigenen Schrift, die von ihm handelt, gesprochen. Er war in Wahrheit der größte unter allen, welche hier gelebt haben. Unter denjenigen aber, die am meisten mit uns gleichzeitig sind, kennen wir zwei als sehr seltene Männer, nämlich den Pierins, einen Presbyter zu Alexandrien und den Mcletius, Bischof der Gemeinden in Pontus. Der eine derselben hatte sich durch seine ganz freiwillige Armuth und seine philosophischen Kenntnisse einen ehrenvollen Namen gemacht und war in theologischen Untersuchungen, Auslegungen und Predigten ungemein geübt. MeletiuS aber — die Gelehrten pflegten ihn den Honig (Z) von Attika zu nennen — entsprach ganz dem Ideal eines allseitig gebildeten Gelehrten. Der Stärke seiner Beredsamkeit ist Niemand im Stande, die gebührende Bewunderung zu zollen. Doch könnte man hier sagen, dieß sey bei ihm ein Geschenk der Natur gewesen. Wer vermöchte ihn aber an trefflicher umfassender Kennt- niß und ausgebreiteter Gelehrsamkeit zu übertreffen? Denn wer nur ein einziges Mal eine Probe mit ihm gemacht hätte, hätte bekennen müssen, daß er in allen Wissenschaften die größte Fertigkeit und Gelehrsamkeit best) TheodotuS heißt nämlich von Gott gegeben. (2) Hier liegt eine Anspielung auf des Meletius Namen zu Grunde; denn heißt der Honig. Divkletianus. Jahr Christus 302—305 (30ss). Marcellinus. 285 sitze. Nicht minder ausgezeichnet war die Tugend, die er im Leben bewies. Als einen solchen Mann habe ich ihn während ganzer 7 Jahre, als er zur Zeit der Verfolgung in den Gegenden Palästinas herumirrte, kennen gelernt. Bei der Gemeinde zu Jerusalem übernahm er nach dem kurz vorher erwähnten Bischof Hymenäus Zambdas das Bisthnm, und als dieser nicht lange darauf entschlief, bestieg Hermon, der letzte Bischof vor der Verfolgung, (1) zu unserer Zeit, den noch bis jetzt daselbst aufbewahrten apostolischen Stuhl. Nachdem zu Alexandrien Maximus 18 Jahre lang nach dem Tode des Dionysius das Bislhum verwaltet hatte, so wurde Theonas sein Nachfolger. Zu seiner Zeit hatte zu Alexandrien Achillas einen Namen, der neben Pierius mit der Presbyterwürde bekleidet und dem die Leitung der theologischen Schule anvertraut worden war. Dieser zeigte in seinen Handlungen so herrliche Früchte der Philosophie und einen so echten Charakter christlichen Wandels, als irgend ein Anderer. Nachdem Theonas 19 Jahre lang sein Amt verwaltet hatte, so wurde Petrus sein Nach, fvlger im Bisthum von Alexandrien. Auch dieser verwaltete mit der größten Auszeichnung dasselbe 12 Jahre lang, von welchen er nicht volle drei vor der Verfolgung der Gemeinde vorstand. Die übrige Zeit seines Lebens aber widmete er sich strengern Hebungen, sorgte aber dennoch für den gemeinen Nutzen der Gemeinden ans eine einleuchtende Art. Deß- halb wurde er im neunten Jahre der Verfolgung enthauptet und mit der Märtyrerkrone geschmückt. Hier schließen wir die Geschichte der Bischofsreihen, welche von der Geburt unseres Erlösers bis auf die Zerstörung der Kirchen 305 Jahre umfaßt. Nun wollen wir ferner die Kämpfe derer, welche zu unserer Zeit für die Religion muthig gestritten haben, ihrer Art und Zahl nach durch unsere Geschichte zur Kenntniß der Nachwelt bringen. Ende des siebenten Buches. Achtes Buch. Vorrede. Nachdem wir die Geschichte der Nachfolger der Apostel in sieben Büchern erzählt haben, so halten wir es für nöthig, in diesem achten die Begebenheiten unserer Zeit, welche eine genauere Darstellung erhesschen, zur Kenntniß der Nachwelt zu bringen. Unsere Erzählung wird also gleich damit beginnen. <1) Man sehe oben Hauptst. 19. 286 Diokletianus und Maximiauus. I. Chr. Z0^>. Maroelliuus. Erstes Hauptstürk. Von den Zuständen vor der Verfolgung zu unserer Zeit. Wie viele und wie große Ehre und Freiheit die durch Christus den Menschen verkündigte Lehre von der Verehrung des allmächtigen Gottes vor der Verfolgung unserer Zeit bei allen Menschen, bei Griechen, wie bei Barbaren, genossen hat, dieß auf eine angemessene Weise zu erzählen, übersteigt das Maß meiner Kräfte. Zum Beweise hievon dürfte aber das wohlwollende Benehmen der Machthaber (l.) gegen die Unsrigen dienen, denen sie sogar Statthalterstellen über die Provinzen anvertrauten und welche sie voll Geneigtheit gegen unsere Religion von der ihr Gewissen beängstigenden Nothwendigkeit zu opfern (2) befreiten. Was soll ich von den kaiserlichen Hoflenten, was von den Machthaber!, selbst sagen, die ihren Hofleuten erlaubten, ihre Religion vor ihren Augen frei in Wort und That zu üben und den Weibern , (Z) Kindern und dem Gesinde fast mit dem freien Bekenntniß des Glaubens groß zu thun gestatteten? Die Kaiser schenkten ihnen in einem ausgezeichneten Grade, mehr denn ihren Mitbedienten, ihre Gnade. Unter sie gehört jener Dorvtheuö, (ä) der ihnen unter Allen am meisten Treue und Anhänglichkeit bewies und dcßhalb bei ihnen mehr, als diejenigen, welche die ansehnlichsten Würden und Statthalterschaften bekleideten, in Ehren stand, so wie auch der berühmte Gorgonius und wer sonst noch, wie sie des Wortes Gottes wegen oerselben Ehre gewürdigt wurden. Ueberdieß konnte man sehen, welch einer ausgezeichneten Gewogenheit, welcher Berücksichtigung und welch einer freundlichen Behandlung die Vorsteher aller Gemeinden bei allen Ober- und Unterstatthaltern sich zu erfreuen hatten. Und wer vermöchte wohl die zahllosen Schaaren, die sich dem Christenthum zuwandten, die Menge der Versammlungen in jeder Stadt und den auffallenden Zulauf zu den Bethänsern schildern? Weßhalb die alten Gebäude nicht mehr zureichten, sondern geräumige Kirchen in allen Städten von Grund aus errichtet werden mußten. So sehr aber dieser Zustand im Verlaufe der Zeit Fortgang gewann und täglich wuchs und sich weiter verbreitete, so vermochte es doch kein Neid zu hemmen, noch war irgend ein böser Dämon im Stande, durch böse Künste dagegen zu wirken oder durch die Hinterlist der Menschen eö zu verhindern, so lange (t) Nämlich dcr beiden Auguste Diokletianus und Maximiauus und der Cäsaren Ga- lerianuS und Konstantius. (2> Bei der engen Verflechtung der heidnischen Staatsrcligion in alle politische und gesellschaftliche Einrichtungen lag den Statthaltern häufig das Opfern ob, da aber alle Christen darüber einstimmig waren, daß Mitmachung heidnischer Rcligionsceremonien durch keine Nothwendigkeit entschuldigt werden könne, so hatten die Christen bisher solche Würden abgelehnt. (3) Selbst des Diokletianus Gemahlin Priska und seine an den Cäsar Galcrius ver- hcirathetc Tochter Valeria waren, wenn nicht selbst Christinnen, doch wenigstens den Christen sehr günstig. (4) Er war, nach unserer- Art zu reden, Obcrkammerhcrr bei Diokletian oder Galcrius. Man sehe unten Hauptstück 6. Stroth. Diokletiauus und Maximianus. I. Cyr. 504. Marcellenus. 28? die allmächtige Hand Gottes sein Volk als dessen würdig bedeckte und beschützte. Allein als die Unsrigen über der immer mehr zunehmenden Freiheit in Nachlässigkeit und Trägheit verfielen, als die Einen die Andern beneideten nnd sich nnrer einander zankten und schimpften, und wir uns fast einander selbst, wenn es sich so traf, mit den Waffen deS Wortes wie mit Schwert und Speeren bekriegten, als Vorsteher mit Vorsteher sich entzweiten, als Gemeinden gegen Gemeinden Parteien bildeten nnd als niedrige Verstellung und Heuchelei bis zur höchsten Bosheit stiegen, da ließ das göttliche Gericht, schonend, wie es zu thun pflegt, bei noch fortdauernden öffentlichen Zusammenkünften der Gemeinden, mir allmälig und ans eine gemäßigte Weise die Strafe hereinbrechen, indem die Verfolgung mit unfern Brüdern im Ariegerstande anhnb. Als wir aber in völliger Unempstndlichkeit des Herzens gar nicht daran dachten, wie wir Gott uns geneigt und versöhnt machen könnten, sondern, gleich einigen Heiden, glaubten, Gott sorge und bekümmere sich gar nicht um unsere Angelegenheiten und daher ein Verbrechen ans das andere häuften, als unsere vermeintlichen Hirten mit Hintansetzung der Vorschriften der Religion von Zanksucht wider einander entbrannten (ist und weiter nichts lhaten, als daß sie Streit, Drohungen, Eifersucht und gegenseitigen Haß und Feindschaft immer weiter zu treiben und ihre Herrschsucht gleich einer angemaßten Herrschaft leidenschaftlich zu behaupten suchten, »da verdunkelte der Herr," nach einem Ausspruch des Jeremias, (2) „seine Tochter Zivu in seinen Zorn und stürzte die Herrlichkeit »Israels herab vom Himmel auf die Erde und gedachte nicht mehr des »Schemels seiner Füße am Tage seines Zorns, sondern es versenkte der »Herr alle Schönheit Israels und zerstörre alle seine Mauern. Und nach- »dem, was in den Psalmen (3) vorausgesagt ist, Hub er den Bund seines »Knechtes auf und entweiyre sein Heilgthnm auf der Erde durch die Zersiö- „rnng der Kirchen und zerstörte alle seine Mauern nnd brach seine Festungs- „werke. Die Haufen des Volkes, alle Vorübergehenden plünderten ihn. „Ueberdieß ist er noch ein Spott geworden seinen Nachbarn. Denn Gott »hat die Rechte seiner Feinde erhöht und die Hülse seines Schwertes abge- „wandt von ihm und sich seiner nicht angenommen im Krieg, sondern er „machte seiner Reinigung ein Ende und zerbrach seinen Thron an dem Bolchen. Er verminderte die Tage seines Lebens und zu dem Allen übergoß er »ihn mit Schande." Iwcites H a u p t st n ck. Von der Zerstörung der Kirchen. Dieses Alles nun ist zu unserer Zeit in Erfüllung gegangen, da wir mir eigenen Augen gesehen haben, nicht nur wie die Gotteshäuser nieder- (1) Hierunter wird die melctianischc Spaltung verstanden, welche sich einige Jahre nach der Verfolgung der Soldaten ereignete. Pagi. (2, Klagl. 2, 1 f. G) Psalm L9, 39 ff. 288 Diokletianus und Maximiauus. I. Chr. Ztttz. Marzellinus. ^ gerissen und von Grund aus zerstört, und wie die göttlichen und heiligen Bucher (1) mitten auf den öffentlichen Plätzen ins Feuer geworfen wurden, sondern auch wie die Hirten der Gemeinden theilö auf eine schimpfliche Weise sich da und dort verbargen, theils auf eine schändliche Art gefangen genommen und von den Feinden verspottet wurden. Da wurde nach einer andern Weissagung (2) „Verachtung über ihre Obersten ausgeschüttet „und Gott lief; sie irre gehen auf einem ungangbaren Pfade, nicht aber „auf dem Wege.« Jndeß halte ich es nicht für meine Aufgabe, die traurigen Schicksale, von welchen dieselben am Ende betroffen wurden, zu beschreiben, so wie es mir auch nicht angemessen scheint, ihre Strei- ligkeiten, die sie vor der Verfolgung unter einander hatten, und ihre Mißgriffe zu erzählen. Deßwegen haben wir beschlossen, nichts weiter von ihnen zu berichten, als das, wodurch das göttliche Gericht gerechtfertigt werden dürfte. Wir konnten uns also auch nicht bewogen finden, derer, welche durch die Verfolgung in Versuchung geriethen, oder derer, die an ihrem Heil völlig Schiffbruch litten und sich selbst in die Tiefen der Wogen stürzten, Erwähnung zu thun; sondern wir werden nur das unserer allgemeinen Geschichte einverleiben, was zuerst für uns selbst und sodann für die Nachwelt von Nutzen seyn dürfte. Gehen wir nun zu der Beschreibung der heiligen Kämpfe, der Zeugen für unfern Glauben, selbst über. Es war das 19te Jahr der Regierung des Kaisers Diokletianus, als im Monat DystrnS, der bei den Römern März(Z) heißt, da gerade das Leidensfest unseres Erlösers nahe (ft) war, allenthalben kaiserliche Edikte angeschlagen wurden, worin befohlen ward, die Kirchen bis auf den Grund niederzureißen und die heiligen Bücher durch Feuer zu vertilgen. Ferner sollten diejenigen, welche Ehrenstellen besäßen, dieselben verlieren, (5) und die in Diensien stünden, sollten, wenn sie in dem ^ Jahr Christus 305. (Nach Dionysius Zeitrechnung 303.) (1) Darunter wurden nicht nur die göttlichen Schriften, sondern auch, wie aus den Märtyrcrakten erhellt, alle kirchlichen Denkmale, Diptychen, Briefe, Kirchcnverordnungcn ?c. verstanden, wcßhalv Augustus diese Verfolgung eine Verfolgung der heiligen Bücher nennt. (2) Psalm 107, 40. (3) Galerius, der blindem Aberglauben ergeben, von Christenhaß erfüllt, Schwiegersohn des Diokletianus, hatte mehrere Jahre vergebens in diesen gedrungen, seine Zustimmung zur Verfolgung der Christen zu geben, bis dieser bereits ältliche und kränkliche Regent endlich dieselbe sich abprejftn ließ. Der 23. Februar 303, der in das Fest des Grenzgottes siel, wurde zum Anfangspunkt der Verfolgung auscrsehcn. Am Morgen dieses Tages wurde die Hauptkirche zu Nikomcdia von der kaiserlichen Leibwache der Erde gleich gemacht, am folgenden das im Text angeführte Edikt angeschlagen. Bis es in die Provinzen gelangte, mochte es allerdings März oder auch in den von der Residenz entfernteren April werden. Letzteren Monat nennt Eusebius in seiner Schrift von den palästinischen Märtyrern als den der Bekanntmachung des Edikts. (4) In der Chronik des Eusebius heißt es, daß es im Monat März, am Osterfeste selbst, geschehen scy; allein das Osterfest fiel nach Sealigcr und Pctavius in diesem Jahr auf den 18. April. (5) Der griechische Ausdruck r«? er orxericer? ist schon sehr verschieden erklärt worden. Rufinus übersetzt: „8> guis sorvurmn pernwnsissot l'llristiiuius, IwoiUUom co»- segui »on passet;" ein Sklave, der beim Christenthum verharrte, sollte nicht freigelassen werden können, und ihm stimmt Neandcr bei. Andere übersetzen: Privatleute sollten ihrer Diokletiauus u. Maximianus. I. Chr. 305 (303). Marcellinus. Bekenntniß des christlichen Glaubens verharren würden, der Freiheit verlustig gehen. Dieß ist der Inhalt des ersten Ediktes gegen uns. Bald darauf erschien nvch ein zweites, nach welchem alle Vorsteher der Gemeinden aller Orten zuerst in Fesseln gelegt, sodann aber auf jegliche Art zum Opfern gezwungen werden sollten. Drittes Haupt stück. Von dein Verhalte» derer, welche in der Verfolgung gekämpft habe». Damals nun boten sehr viele Vorsteher der Gemeinden, welche die grausamsten Martern mit Muth erduldeten, das Schauspiel großer Kämpfe dar. Sehr viele Andere aber, deren Seele durch Furcht erschüttert worden war, erlagen leicht ohne Weiteres dem ersten Anfall. Von den klebrigen aber hatte ein Jeder eine verschiedene Art von Martern zu erdulden. Der Eine wurde mit Geißelhieben gemartert, der Andere mit unerträglichen Foltern und Messern zerfleischt, wobei bereits Einige auf die elendeste Art ihren Tod fanden. Andere dagegen mußten ihren Kampf auf eine andere Art bestehen. Der Eine wurde nämlich mit Gewalt fortgestoßen und zu den abscheulichen, unheiligen Opfern hingeschleppt und konnte sodann fortgehen, als wenn er geopfert hätte, wiewohl er keineswegs wirklich geopfert hatte. Ein Anderer kam, ohne sich nur einmal den Airären genähert oder etwas Unreines angerührt zu haben, wenn Einige sagten, er habe geopfert und er diese Verleumdung still hinnahm, davon. Ein Anderer wurde halb tvdt aufgehoben und als ein schon wirklich Todter hingeworfen. Ein Anderer dagegen, der auf dem Boden lag, wurde an beiden Füßen mit fortgezogen und hernach zu denen gezählt, die geopfert hatten. Ein Anderer schrie und betheuerte mit lauter Stimme, daß er nicht geopfert habe; ein Anderer rief, er sey ein Christ und zeigte sich stolz auf das Bekennt- uiß dieses seligmachenden Namens. Wieder ein Anderer behauptete beharrlich, er habe nicht geopfert und werde niemals opfern. Dennoch wurden auch diese von der dazu beorderten zahlreichen bewaffneten Macht, indem man sie durch Schläge auf den Mund zum Schweigen zu bringen suchte und in das Gesicht und auf die Backen schlug, mit Gewalt fort- Freiheit beraubt werden. Am richtigsten ist wohl die Erklärung Stroths, dessen Worte ich hier anfuhren will: Sic fnämlich diejenigen, welche unter dem angcflibrtcn Ausdrucke Privatleute versicherst scheinen Alle von dem Schlüsse verführt zu scun: da hier der Vornehmen gedacht worden, so muß auch des Volkes Erwähnung geschehen. Allein wenn dieser Schluß gelten sollte, so hätte auch müssen der Geistlichen Erwähnung geschehen seyn. Das Edikt war zunächst nur gegen zwei Klassen von Leuten gerichtet, einmal gegen die, welche in kaiserlichen Remtern standen und zu ihrem Hausgesinde gehörten. Von diesen, als von Leuten, die in kaiserlichem Lohn und Pflicht standen und von welchen schon größtenchcils das Verhältnis, worin sie waren, ihre Thcilnehmung am Opfer» erforderte, verlangten die Kaiser zuerst, daß sie opfern sollten. Das Edikt, welches alle Christen betraf, kam erst später heraus, wie man aus dem Buche von den palästinischen Märtyrern Hauptstück ü. sehen kann. Eusebius Kirchcngcschichte. 1!) 'Z'.ls» Diokletiauus u. Maxlniianus. I.CHr. 30Ü (203). Marcelll'nus. gejagt. Einen so großen Werth legten die Feinde der Religion darauf, in allen Stücken das Ansehen zn haben, daß sie ihren Zweck erreicht hatten. Allein dieß gelang ihnen nicht auch bei den heiligen Märtyrern, von welchen eine genaue und vollständige Erzählung zu geben wir wohl nicht Worte genug haben durften. Viertes H a u p t st ü ck. Bon den berühmten Märtyrern Gottes, wie sie verschiedene Kronen im Keims für die Religion sich erworben und die ganze Welt mit dem Ruf ihres Namens erfüllt haben. Denn man konnte Tausende anführen, die einen bewunderungswürdigen Eifer für die Verehrung des allmächtigen Gottes bewiesen, nicht bloß seitdem die allgemeine Verfolgung gegen uns ausbrach, sondern auch noch viel früher, als noch die friedlichen Verhältnisse obwalteten. Denn als der Fürst dieser Welt zuerst anfing, so zu sagen, aus einem tiefen Schlafe zu erwachen und in der Zwischenzeit nach Decius und Valerianus heimlich und verborgen sich an die Gemeinden zu machen, aber noch nicht auf Einmal im Kriege gegen uns als Widersacher auftrat, sondern seine Versuche bloß gegen diejenigen, welche in Kriegsdiensten standen, richtete — er glaubte nämlich, wenn er diese zuerst niedergekämpft und besiegt haben würde, so werde er auf diese Weise auch die Uebrigen mit leichter Mühe bewältigen können — so konnte man die meisten Kriegsmänner mit der größten Bereitwilligkeit sich für das bürgerliche Leben entschließen sehen, um nicht die Religion des allmächtigen Weltschöpfers ableugnen zu dürfen. Denn als der Oberfeldherr (sein Name (i) ist mir unbekannt) zuerst mit der Verfolgung gegen das Heer anfing, die Soldaten musterte und ihnen die Wahl ließ, ob sie entweder Folge leisten wollten und so im Fortbesitze des von ihnen bekleideten Ranges bleiben oder dagegen im Falle des Ungehorsams gegen den kaiserlichen Befehl desselben verlustig gehen, so zogen die meisten Streiter Christi sein Bekenntniß ohne Zaudern und Bedenken der scheinbaren Ehre und dem Wohlstande, worin sie sich befanden, vor. Bereits aber tauschte hie und da der Eine und der Andere Verlust nicht bloß seines Ranges, sondern auch seines Lebens (2) gegen das feste Beharren bei dem Glauben ein, da derjenige, der den Anschlag gegen uns veranstaltete, schon damals mit einigem Maß und Ziel sogar zum Blutvergießen bei Einigen zu schreiten wagte. Denn die Menge der Gläubigen schreckte (t) In seiner Chronik nennt ihn Eusebius Vcturius. (2) In diese Zeit setzt die ums Jahr 520 zuerst erwähnte und später eben so oft bestrittene als geglaubte Sage den Untergang der aus lauter Christen bestehenden thcbaischcn Legion, welche unter ihrem Anführer Mauritius von dem Augustus Maximianus zur Verfolgung ihrer Mitbrüdcr in das Abendland beordert, bei Agaunum (jetzt St. Maurice im Kanton Wallis) sich weigerte, dem Kaiser hierin zu gehorsamen und sodann niedergemetzelt wurde. Diokletiauus n. Maximiamis. I. Chr. 505 (503). Marcellinus. 291 ihn und hielt ihn noch zurück, auf Einmal im Kriege gegen Alle loszubrechen. Als er aber offenbar den Kampf führte, waren so viele Märtyrer Christi in allen Städten und Ländern zu sehen, daß es unmöglich ist, ihre Zahl in Worte zu fassen. Fünftes Haupt stück. Von den Vorgängen zu Nikomcdiei. Sobald das Edikt gegen die Kirchen an einein besuchten öffentlichen Orte zu Nikomedien angeschlagen war, ging ein nicht gemeiner, sondern ein durch die hohe weltliche Würde ausgezeichneter Mann, von Eifer um Gott getrieben und von feurigem Glauben erfüllt, hin und riß dasselbe als höchst gottloses und frevelhaftes ab und in Stücke(1) und zwar gerade zu einer Zeit, wo zweiKaiser in derselben Stadt anwesend waren, nämlich der älteste unter allen und der, welcher den vierten Herrscherplatz (2) nach ihm einnahm. Dieser Mann nun, der sich zuerst auf diese Weise damals hervorthat, duldete die Strafe, die auf eine so kühne That natürlich folgen mußte, (?) behielt aber einen freudigen und unerschütterlichen Muth bis zu seinem letzten Athemzuge bei, Sechstes Hauptstück. Von dem kaiserlichen Hofgesinde. Aber als vor Allen, welche in der Geschichte, sey es bei Griechen oder Barbaren, als bewunderungswürdige und ihres muthigen Benehmens wegen berühmte Männer hoch gepriesen werden, ausgezeichnete und hervorleuchtende Märtyrer stellt uns dieser Zeitpunkt den DorotheuS und die übrigen Hofpagen auf. Denn wiewohl diese der höchsten Ehre bei ihrem Hern genossen und von diesem wie leibliche Kinder behandelt wurden, so hielten sie doch die Schmähungen, die Leiden und die viel- fachen neu wider sie ersonnenen Todesarten, welche sie um der Religion willen trafen, in der That für einen größern Reichthnm, als zeitliche Ehre und Wohlleben. Ich will nur das Ende eines von diesen anführen und meinen Lesern selbst den Schluß daraus auf das, was die Uebrigen zu leiden hatten, überlassen. Es wurde Einer von ihnen in der genannten (t) Nicht bloß dieß, sondern er sagte noch spöttisch: Da seyen wieder Siege über die Gothen und Sarmatcn angeschlagen (chaot. oa>>. 13). (2) Eusebius versteht unter dem ersten den Dioklctianus und unter dem andern den Cäsar Galerius. Jndcß darf man aus unserer Stelle nicht schließen, als hätte Galerius wirklich den vierten Platz unter den Machthaber» eingenommen, sondern er war völlig gleichen Ranges mit dem Cäsar Konstantius, ja, es ist um so weniger glaublich, da sich der erste Augustus den Galerius und der zweite den Konstantius zum Rcichsgehulfen wählte. <3) Er wurde lebendig verbrannt. Seinen Namen nennen weder Eusebius, noch kactantius, aber die Grieche» feiern sein Andenken unter dem Namen des Johannes. 19* 292 Diokletiamisu.Maximianus. I. Chr. 505 (503). Marcellinus. Stadt vorgeführt im Beiseyn der genannten Kaiser. Wie man ihn nnn opfern hieß, und er sich dessen weigerte, wurde der Befehl ertheilt, er solle nackt in die Höhe gezogen und so lange mit Geißeln am ganzen Körper zerfleischt werden, bis er erliegen und auch wider seinen Willen das, was ihm befohlen worden, thnn würde. Allein er erduldete diese Pein, ohne zu wanken. Bereits waren die Knochen bei ihm sichtbar. Da rieben sie ihm Weinessig und Salz in die zerfleischten Theile seines Körpers. Da er aber auch gegen diese Schmerzen gleichgültig blieb, so wurde noch Feuer und ein Rost herbeigebracht und das Uebrige seines Körpers gleich einem Braten, nicht auf einmal, damit er nicht plötzlich ende, sondern nach und nach gebraten, wobei diejenigen, die ihn auf den Scheiterhaufen legten, ihn nicht früher abnehmen durften, als bis er sich auch nach solcher Pein bereit erklären würde, das Befohlene zu thun. Er aber hielt fest an seinem Vorsatze und gab als Sieger mitten unter den Qualen seinen Geist auf. Dieß war der Märtyrertod eines von den kaiserlichen Pagen, der wirklich seines Namens würdig war. (l) Er hieß nämlich Petrus. Die Märtyrerthümer der Andern, die nicht geringer waren, übergeheich, um nicht zu weitläufig zu werden. Nur das bemerke ich noch, daß Dorotheas und Gorgonius nebst mehreren Andern vom kaiserlichen Hofstaate nach vielfachen Kämpfen ihr Leben durch den Strick endigten und so den Preis eines herrlichen Sieges davon trugen. Zu eben dieser Zeit wurde auch AnthimnS, der damalige Vorsteher der Gemeinde zu Nikomedia, um des Bekenntnisses Christi willen enthauptet. Ihm wurde noch eine große Anzahl Märtyrer beigesellt, als in eben diesen Tagen in dem Kaiserpalaste zu Nikomedia eine Feuerobrnnst durch irgend einen unbekannten Zufall (2) ausgebrochen war. Da nämlich das Gerücht den falschen Verdacht dieser That allgemein auf die Unsrigen wälzte, so wurden auf einen Befehl des Kaisers die dortigen Gottesverehrer ohne Unterschied haufenweise theilö mit dem Schwerte hingerichtet, theils verbrannt. Und es heißt, daß Männer und Weiber mit einem gewissen göttlichen Mnthe, der sich nicht ausdrücken läßt, in den brennenden Scheiterhaufen gestürzt seyen. Eine andere nicht unbedeutende Anzahl banden die Henker auf Kähne fest und warfen sie in die Tiefe (1) Wegen seiner Standhaftigkcit. Denn Perm heißt bekanntlich ein Fels. (2) Lactantius (Cap. 14) erzählt, Valerius habe das Feuer selbst angelegt, um den Zorn seines Schwiegervaters durch die Beschuldigung, die Christen seyen die Urheber des Brandes, noch mehr gegen diese zu reizen, eine Beschuldigung, der eine fünfzehn Tage nach der ersten ausgcbrochenc zweite Fcuersbrunst allerdings vielen Schein geben mußte. Konstantin der Große, der selbst damals in Rikomedicn anwesend war, schreibt dagegen (in seinem nrat. ->) das Feuer dem Blitze zu und sieht darin ein Strafgericht Gottes. Manfred (Leben Konstantins des Großen) äußert sich über diesen Vorgang folgendermaßen: „Daß beide hnämlich Eusebius und Lactantius) die Chri- „sten von aller Schuld befreien und als schwer Verleumdete bemitleiden, versteht sich von „selbst. Aber man darf nur ihre eigenen unwahrscheinlichen und einander aufhebenden Erklärungen — Galerius habe selbst das Feuer angelegt; ein Blitz vom Himmel habe es „entzündet — ins Auge fassen und zugleich den Umstand erwägen, daß Verschnittene, in der Regel Christen und Christenfreunde, als Theilnchmer an der Thar genannt wurden, um die richtige Ansicht zu finden. Diokletiannsli.Maximianus. I.Chr. 505 (505). Marcellinus.* 20.5 des Meeres, (i) Die kaiserlichen Pagen aber, welche man nach ihrem Tode auf die gebührende Weise zur Erde bestaltet Halle, glaubten ihre Herrn wieder ausgraben und in das Meer werfen lassen zu müssen, damit nicht, wenn sie in Gräbern lägen, Einige sie anbeten und, wie sie wenigstens glaubten, für Götter halten möchten. (2) Dieß sind die Vorfälle, welche bei dem Beginne der Verfolgung zu Nikomedia sich ereigneten. Wie aber nicht lange nachher Einige in dem sogenannten melitinischen Lande, (Z) Andere aber in Syrien ihre Hand nach der Krone auszustrecken wagten, (4) so erging ein kaiserlicher Befehl, daß die Gemeindevorsteher aller Orten in Ketten und Banden geworfen werde» sollten. Da konnte man Scenen sehen, wie sie keine Worte zu schildern vermögen. Eine unzählbare Menge wurde aller Orten in die Gefängnisse gebracht und die Kerker, sonst bestimmt für Mörder und Schänder der Gräber, füllten Bischöfe, Presbyter, Diakonen, Vorleser und Erorcisten, so daß sie für diejenigen, welche wegen wirklicher Verbrechen vernrtheilt waren, keinen Raum mehr boten. Auf die ersten Edikte folgte sodann noch ein anderes, nach welchem die Eingekerkerten, im Falle sie opfern würden, auf freien Fuß gesetzt, würden sie sich aber dessen weigern, mit tausend Martern gepeinigt werden sollten. Wer vermöchte nun die Zahl der Märtyrer zu berechnen, die auf dieß in den einzelnen Provinzen des Reichs, besonders aber in Afrika, Mauri- tanieu, Thebais und Aegypten hingerichtet worden sind? Aus letzterem Lande begaben auch sich Einige in andere Städte und Provinzen und wurden daselbst Märtyrer. (5) Siebente» Hauptstnck. Von den Ncgpptcrn, die in Phönicicu Märtyrer geworden. Diejenigen von ihnen, welche in Palästina, so wie diejenigen, welche zu Tyrns in Phönicien hervorleuchteten, sind uns bekannt. Wel- ^ I. Chr. 30k. (Dionysius 304.) Marcellus, 29stcr Bischof zu Rom. DioklctianuS! I. Chr. 30k. Marcellus. (t> Das Ersäufen wurde im Alterthum als die schmählichste Strafe angesehen, indem ein Ersäufter gleichsam unwürdig gehalten wurde, in die Erde verscharrt zu werden. (2) Stroth glaubt mit Wahrscheinlichkeit, daß sie diesen Verdacht vermuthlich aus der damals schon großen Verehrung der Reliquien geschöpft haben dürften. (3) Eine Landschaft in der kleinasiatischen Provinz Kappadocien, hart an der Grenze von Armenien, zu welchem Lande sie auch später gerechnet wurde. (4) Wer in Mclitene dieß that, ist unbekannt. Den Aufstand in Syrien glaubt Valesius in einer Rede des Sidonius gefunden zu haben. Nach diesem Redner war ein Tribun, Namens Eugenius, von 500 Soldaten zur Annahme des Purpurs gezwungen worden und bemächtigte sich Antiochiens, wurde aber nebst seinen Truppen von den Einwohnern dieser Stadt alsbald überwältigt. Die Kaiser scheinen bei ihrem Befehle angenommen zu haben, daß die Geistlichen den Bewegungen in beiden Ländern nicht fremd gewesen seyen oder daß sie ähnliche Versuche nähren könnten. (ö) I» diesem Jahre wurde auch der römische Bischof MarcellinuS ein Märtyrer und Marcellus sein Nachfolger. 294 Diokletianus. Jahr Christus 306. Marcellus, cher Zuschauer mußte nicht über die unzählbare Menge Geißelhiebe erstaunen und über die Standhaftigkeit, welche diese wahrhaft wunderbaren Kämpfer der Religion dabei bewiesen, über den Kampf, welchen sie unmittelbar nach den Geißelhieben mit blutdürstigen wilden Thieren zu bestehen hatten, über die Anfälle, welche Panther, verschiedene Bären, wilde Eber und Stiere, mit Feuer und glühendem Eisen in Wnth gesetzt, dabei auf sie machten , nnd über die bewunderungswürdige Standhaftigkeit, welche jene heldenmüthigen Männer allen diesen Thieren entgegensetzten ? Ich bin selbst zugegen gewesen und habe die göttliche Macht nnsers Erlösers Jesu Christi, für den sieZeugniß ablegten, gegenwärtig gesehen, wie sie sich an diesenMär- tyrern deutlich wahrnehmen ließ. Denn die nach Menschenblut lechzenden Bestien getrauten sich längere Zeit nicht, die Körper der gottgeliebten Männer zu berühren oder sich nur ihnen zu nähern, sondern sie rannten vielmehr auf die Andern los, welche sie von außen durch allerlei Reizungen wüthend machten. Nur allein die heiligen Kämpfer, welche nackt dastanden, mit den Händen klatschten nnd sie auf sich Herzogen (dieß war ihnen zu thun befohlen worden), berührten sie nicht einmal, sondern, wenn sie auch zuweilen ans sie losliefen, so gingen sie, wie von einer höhern Macht zurückgestoßen, wieder zurück. Dieß währte eine geraume Zeit so fort nnd versetzte die Zuschauer in keine geringe Verwunderung, daher man, weil ihm das erste nichts zu Leide gethan hatte, noch ein zweites und drittes Thier auf einen und denselben Märtyrer losließ. Der unerschrockene Muth dieser Heiligen nnd die den jungen Körpern inwohncnde feste unbewegliche Standhaftigkeit war hiebei zum Erstannen. So sah man einen Jüngling von noch nicht völlig 20 Jahren, wie er ohne Fesseln dastand, die Hände in Gestalt eines Kreuzes ausgestreckt, mit furchtlosem, ruhigem Gemüthe aufs Inbrünstigste zu Gott betete und weder seinen Standpunkt veränderte, noch von dem Orte, wo er stand, zurückwich, obgleich Bären nnd Panther Wnth und Tod gegen ihn schnarfbten und ihn beinahe schon anpackten, denen aber, ich weiß nicht wie, durch eine geheime göttliche Kraft der Nachen, so zu sagen , gesperrt ward und welche sodann wieder zurückliefen. So benahm sich dieser. Wiederum konnte man Andere sehen — es waren ihrer im Ganzen fünf — welche einem wüthend gemachten Stiere vorgeworfen wurden. Dieser warf zwar die Andern , welche von anßenher hinzutraten , (l.) mit seinen Hörnern in die Luft nnd zerfleischte sie, so daß man sie halbtodt wegtragen mußte; allein nur den heiligen Märtyrern konnte er, wenn er voll Wuth und Ungestüm auf sie losrannte, sich nicht einmal nähern, sondern, mit den Füßen stampfend, die Hörner bald da, bald dorthin, wie zum Stoßen kehrend und, gereizt durch glühendes Eisen, Wnth nnd Verderben schnaubend, wurde er von der heiligen Vorsehung wieder zurückgezogen, daher man denn, weil der Stier ihnen im geringsten nichts zu Leide gethan (U Hierunter sind diejenigen verstanden, welche außerhalb den Schranken standen, um die Thiers anzureizen und auf die Märtyrer loszujagen. Diokletianus. Jahr Christus 506. Marcellus. 295 hatte, andere Thiere auf sie losließ. Endlich nach manchen schrecklichen Anfällen von diesen wurden sie alle mit dem Schwerte erwürgt und erhielten statt der Erde die Wellen des Meeres zum Grabe. Achtes Hauptstück. Von den Märtyrern in Aegypten. Solches war der Kampf derjenigen Aegyptier, welche zu Tyrus für die Religion kämpften. Aber auch diejenigen Aegyptier, welche in ihrem eigenen Vaterlande Märtyrer geworden, verdienen unsere Bewunderung. Denn hier starben ungemein viele Männer, Weiber und Kinder der Lehre unseres Erlösers willen, mit Geringschätzung des zeitlichen Lebens, eines verschiedenen Todes. Die Einen wurden, nachdem sie Zerfleischungen durch eiserne Krallen, die grausamsten Foltern und Geißelhiebe und noch unzählige andere Peinigungen, deren bloße Erzählung schon Entsetzen erregt, erduldet, den Flammen überantwortet, Andere wurden im Meer ertränkt, noch Andere boten unerschrocken ihren Nacken den Henkern dar, Einige starben auch unter den Foltern, Andere fanden ihren Tod durch Hunger. Wieder Andere wurden an das Kreuz geschlagen, entweder nach gewöhnlicher Art der Miflethäter, oder ans eine noch gransamere Weise mit abwärts gerichtetem Kopf angeheftet und so lange in diesem Znstande am Leben gelassen, bis sie der Hunger (1) tödtete. Neuntes Haupt stück. Von den Märtyrern in ThcbaiS. (2) Alle Beschreibung aber übertreffen die Martern und die Qualen, welche die Märtyrer in Thebais erdulden mußten. Sie wurden statt der Krallen (Z) mit scharfen Scherben am ganzen Körper zerfleischt, bis das Leben sie verließ. Weiber wurden an einem von beiden Füßen angebunden und mit gewissen Maschinen in die Höhe gezogen, daß sie, den Kopf herunterhängend, in der Luft schwebten und so mit ihren völlig nackten, unbedeckten Körpern Allen, die es sahen, den schändlichsten, empörendsten und unmenschlichsten Anblick darboten. Noch Andere wurden an Bäume und deren Aeste gebunden und fanden vermittelst dieser ihren Tod. Man zog nämlich die stärksten Baumäfte vermittelst eigener Maschinen zusammen, band die Märtyrer mit den Beinen an beiden Seiten an und ließ dann die Aeste wieder in ihre eigentliche und natürliche Lage zurückschnellen, damit (t) Die Kreuzigung selbst nämlich führte oft erst noch mehreren Togen den Tod herbei. (2) So hieß der südliche Theil von Aegypten oder Obcrägyptcn. - (Z) »l-uE, im Lateinischen nnxula, ein wahrscheinlich Klauen oder Krallen ähnliches Marterwerkzeug, womit man die Missethäter in die Seite stach oder sie ihnen aufriß. 296 DiokletianuS. Jabr Christus 506. Marcellus, so die Mieder, zu deren Marter diese Erfindung ausgedacht war, in Einem Augenblicke auseinandergerissen wurden. Und dieses Alles dauerte nicht blaß einige wenige Tage oder überhaupt nur eine kurze Zeit, sondern ununterbrochen mehrere Jahre fort. Bald wurden ihrer mehr als zehn, bald über zwanzig an der Zahl getödtet. Zuweilen wurden nicht weniger als dreißig, auch wohl nahe zu an sechszig, ein andermal hundert an Einem Tage, Männer, Weiber und ganz kleine Kinder auf mannigfaltige und abwechselnd wiederholte Art getödtet. Ich selbst habe während meines Aufenthalts in diesen Gegenden gesehen, wie Viele auf Einmal an Einem Tage rheils die Strafe der Enthauptung, theils des Feuertodes erleiden mußten. Die Mordschwerter selbst wurden zuletzt abgestumpft, abgenutzt und zerbrachen; die Henker mußten einander vor Erschöpfung wechselSwcise ablösen. Damals sahen wir aber auch einen bewunderungswürdigen Drang, eine wahrhaft göttliche Kraft und Bereitwilligkeit bei denen, die an den Christus Gottes gläubig geworden waren. Denn kaum war das Urtheil gegen die Ersten gesprochen, so eilten sogleich Andere von andern Seiten her zum Richterstuhl und bekannten steh als Christen, unbekümmert um die Leiden und mannigfaltigen Arten von Foltern, und unerschrocken und frei die Religion des allmächtigen Gottes bekennend. MissFreude, Heiterkeit und lächelnder Miene vernahmen sie das letzte Todesurtheil, ja, sie sangen und schickten Loblieder und Worte des Dankes zu dem allmächtigen Gott bis zu ihrem letzten Athemznge empor. Wenn schon diese Bewunderung verdienen, so sind derselben in einem noch viel höheren Grade diejenigen würdig , welche durch Neichthnm, edle Geburt und Würde , so wie durch Beredsamkeit (1) und philosophische Bildung vor Andern ausgezeichnet, alles dieses der wahren Religion und dem Glauben an unfern Erlöser und Herrn Jesus Christus nachsetzten. Zu diesen gehörte Philoromus, der ein ansehnliches Amt, nämlich das eines Verwalters der kaiserlichen Gefälle zu Alexandrien bekleidete und vermöge seines Ranges und seiner römischen Würde, von einer Wache Soldaten umgeben, täglich Recht zu sprechen pflegte, so wie Philcas, Bischof der thmnitischen Gemeinde, (2) ein durch seine Konnexionen in seinem Vaterlande und seine Aemter angesehener und durch philosophische Kenntnisse ausgezeichneter Mann. Diese wurden von sehr vielen sowohl Blutsverwandten als andern Freunden, gebeten, ja, sogar von Männern, die in Ehrenämtern gestanden und von Richtern selbst angegangen, sie möchten doch mit sich selbst Mitleid haben und auf ihre Kinder und Frauen Rücksicht nehmen, konnten aber dessen ungeachtet im geringsten nicht bewogen werden, die Liebe zum Leben vorzuziehen und die Gebote, welche unser Erlöser in Betreff des Bekenntnisses und der Verleugnung gegeben, bei Seite zu setzen, sondern stellten mit einem männlichen, (1) Die Beredsamkeit machte nach den Begriffen der Alten den wesentlichsten Theil einer wissenschaftlichen Bildung aus und der höhere oder niedere Grad ihres Besitzes galt als Maßstab der letzteren (2) Thmuis war eine Stadt in Unterägypte». Diokletianus. Jahr Christus 306. Marcellus. 2i»7 philosophischen Muthe oder vielmehr mit einer frommen, gottergebenen Gesinnung allen Drohungen und Rohheiten des Richters Standhastigkeit entgegen und ließen sich beide enthaupten. Zehntes Haupt stück. Schriftlicher Bericht des Märtyrers Phileas von dem, was zu Alexandrien sich zugetragen. Da wir oben bemerkt haben, daß Phileas auch ein durch weltliche Kenntnisse ausgezeichneter Manu gewesen sey, so mag er selbst einen Zeugen von sich abgeben und theils sich selbst schildern, theils aber auch von den Märtyrerthümeru, welche zu seiner Zeit zu Alexandrien vorgefallen, eine genauere Nachricht, als ich es vermochte, in folgender Stelle geben. Aus dem Briefe des Phileas an die Thmuiten. „Da alle diese Beispiele, (1) Muster und schöne Denkmäler in der heiligen Schrift für uns niedergelegt sind, so richteten die seligen Märtyrer, „welche bei uns waren, ohne Bedenken das Auge ihres Geistes aufrichtig „zu dem allwaltenden Gotte empor, entschlossen sich zu dem Tode für die „Religion und hielten fest an ihrem Berufe. Denn sie waren überzeugt, „daß unser Herr Jesus Christus um unsertwillen Mensch geworden ist, da- „mit er alte Sünde ausrotte und uns die Mittet zum Eingänge in das „ewige Leben verschaffe. Denn er hielt es nicht für einen Raub (2), Gott „gleich zu seyn, sondern begab sich dessen und nahm Knechtsgestalt an und „seinem Aeußern nach wie ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich „selbst bis zum Tode, selbst bis zum Tod am Kreuze. Deßwegen er- „duldeten die Christum im Herzen tragenden Märtyrer, nach den „hoher» Gütern strebend, jegliches Leiden und jegliche nur ersinnliche „Pein nicht nur einmal, sondern mehrere schon zum zweitenmale und wäh- „rend die Soldaten in Drohungen gegen sie, die nicht bloß in Worten be- „standen, sondern auch in Handlungen übergingen, mit einander wetteiferten, blieben sie selbst fest auf ihrem Entschlüsse. Denn die vollkommene „Liebe vertreibt die Furcht. (3) Allein welche Worte wären im Stande, „ihren hohen Muth und ihre männliche Standhastigkeit bei jeder Marter „zu schildern ? Denn da ein Jeder, der da wollte, seine Rohheit an ihnen „ausüben konnte, so wurden die Einen mit Prügeln geschlagen, Andere „mit Rurheu, Andere mit Geißeln, noch Andere mit Riemen, wieder Andere mit Stricken. Es war ein wechselvoller Anblick von Martern, der „von vieler Bosheit zeugte. Einige wurden, die Hände auf den Rücken „gebunden, an einen Pfahl gehenkt und ihnen mit gewissen Maschinen alle (1) Diese Stelle ist, wie man sieht, aus der Mitte des Briefs genommen und diese Ausdrücke beziehen sich mithin auf das Vorhergegangene, hier nicht Angeführte. (2) Phuipp. 2, 6 ff. l J -ch, 4, 18. 298 Diokletianus. Jahr ChristuS Z06. Marcellus. „Glieder ausgedehnt. Hernach zerfleischten ihnen die Folterknechte ans Befehl den ganzen Körper, nicht bloß, wie bei Mördern geschieht, die Seiten, „sondern auch den Bauch, die Schienbeine und die Backen. Andere wurden „unter der Säulenhalle an Einer Hand anfgehenkt und schweben gelassen, „wobei ihnen die Ausdehnung der Glieder und Gelenke einen Schmerz ver» „ursachte, der jeden andern an Heftigkeit übertraf. Noch Andere wurden, „das Gesicht einander zugekehrt, an die Säulen gebunden, ohne jedoch mit „den Füßen die Erde zu berühren, so daß durch die Schwere des Körpers „die Bande nur noch stärker angezogen wurden. Und dieß mußten sie aus- „halten nicht bloß so lange, als der Statthalter (1) mit ihnen sprach oder sie „anhörte, sondern fast den ganzen Tag hindurch. Denn wenn er auch zu „Andern sich hinbegab, so ließ er bei den ersten einige von seinen Gerichts- „dienern zur Beobachtung zurück, ob etwa der Eine oder der Andere, von „den Qualen übermannt, nachzugeben scheine (2) und befahl zugleich , die „Bande ohne Gnade anzuziehen und sie sodann, wenn sie verschieden, her- „abzuwerfen und fortzuschleppen. Denn, sagte er, man dürfe im geringen keine Rücksicht gegen uns beobachten, sondern sie sollten nur so gegen „uns denken und handeln, wie wenn wir bereits keine Menschen mehr wären. „Dieß war die zweite Marter nach den Schlägen, welche unsere Feinde „gegen uns erfunden hatten. Es gab auch Einige, welche nach den Foltern „in den Block gelegt und deren Füße bis zum vierten Loch ausgespannt „wurden, und welche, da sie wegen ihrer noch frischen, von den Schlägen „herrührenden Wunden, die sie am ganzen Körper hatten, nicht gerade „sitzen konnten , krumm sich über den Block legen mußten. Andere lagen, „von übermäßigen Schmerzen der Folter gequält, ans dem Boden hinge- „streckt und boten durch die vielen und mannigfaltigen Spuren der gegen „sie ausgedachten Martern, die sie an ihren Leibern trugen, noch einen viel (t) Sein Name war Hicrocles. (2) Um dieß war es hauptsächlich zu thun, wie auS folgender Stelle des LaktantiuS erhellt, welche auch einiges andere in diesem Buche von Eusebius Erzählte theils bestätigen, thcils erklären kann. Bei diesem Schriftsteller heißt es viv. Inst. V. lt. unter Anderem: „Jene „sind die Schlimmsten, denen einiger Schein von Güte fälschlich zusagt; denn jener ist ein „größerer und grausamerer Henker, der sich vornimmt, keinen zu lödten. Es ist daher „zu bestimmen unmöglich, wie viele und große Martern derlei Richter erfunden haben, um „den Endzweck ihres Vorhabens zu erreichen. Dieses thun sie aber nicht etwa bloß darum, „daß sie sich rühmen mögen, sie hätten keinen der Unschuldigen gctödtet (denn ich hörte selbst „einige darob sich rühmen, daß in diesem Betracht ihre Rechtspflege unblutig gewesen sey), „sondern aus Eifersucht, daß sie nicht selbst unterliegen und jene den Ruhm ihrer Tapferkeit „davon tragen. Daher denken sie beim Nachsinnen über die Art der Strafen auf nichts „Anderes, als auf ihre Siege; sie wissen nämlich ganz wohl, daß dieses ein Streit und „Kampf sey. Ich selbst sah in Bithynicn einen Oberrichter, der sich außerordentlich, gleichkam, als hätte er ein barbarisches Volk überwunden, dessen brüstcte, daß Einer, nachdem „er zwei Jahre lang mit großer Standhastigkeit widerstanden hatte, am Ende gefallen ist. „Sie streiten nämlich bloß des Sieges wegen, daher ihre ausgesuchte Marter, womit sie „die Leiber (der Christen) quälen; daher ihre Vorsicht, daß sie nicht untcr den Martern „sterben, gleichsam, als wenn bloß der Tod zur Seligkeit führte, und nicht die Marter», „die nach dem Verhältnis; ihrer Größe auch einen größcrn Ruhm der Tugend erwerben. ..Daher ihre halsstarrige Thorheit, mit der sie befehlen, fleißige Sorge zu tragen für die „Gemarterten, daß ihre Glieder zu neuen Martern hergestellt und frisches Blut zum Vergießen ihnen gegeben werde." Diokletianus. Jahr Christus 506. Marcellus. 2i)v „grausenhafteren Anblick, als da ihnen dieselben selbst zugefügt wurden. „Bei solchen Umständen starben Einige unter den Martern und beschämten „den Widersacher durch ihre Standhaftigkeit, Andere, die halb todt in dem „Gesängnisse eingeschlossen gehalten wurden, erlagen nach wenigen Tagen „den Schmerzen und verschieden. Die Uebrigen aber, die durch Heilung „ihre Herstellung wieder erlangt hatten, gewannen durch die Länge der „Zeit und durch den Aufenthalt in dem Gefängnisse noch mehr Muth. Als „ihnen nun ein Befehl die Wahl ließ, ob sie das nnheilige Opfer berühren „und so unbelästigt bleiben und die verabscheuungswürdige Freiheit von „ihnen erlangen, oder nicht opfern und die Todesstrafe erleiden wollten, so „gingen sie ohne Bedenken auf das Bereitwilligste zum Tode. Denn sie „wußten, was uns in der heiligen Schrift vorgeschrieben ist, wo eS heißt: „Wer andern Göttern opfert, soll ausgerottet werden, und an einer andern „Stelle: Du sollst keine andere Götter neben mir haben.« (l.) Dieß sind die Worte des wahrhaften Philosophen und gottliebenden Märtyrers, welche er vor seinem Endurtheil noch aus dem Gefängnisse an die Brüder in seinem Sprengel schickte und worin er ihnen theils seine Umstände auseinandersetzte, theils sie crmahnte, an der christlichen Religion auch nach seinem bald bevorstehenden Ende fest zu halten. Doch wozu soll ich weitläufig seyn und immer neue Kämpfe der gottseligen Märtyrer auf der ganzen Erde auf neue Kämpfe berichten, zumal da sie nicht mehr auf gewöhnliche Weise, sondern wie in einem eigentlichen Kriege angegriffen wurden. Eilftes Hanptstück. Bon Vorfällen in Phrpgien, Denn es wurde in Phrygien eine ganze Stadt, (2) deren Bewohner Christen waren, von Soldaten eingeschlossen, in Brand gesteckt und die Einwohner nebst Weibern und Kindern unter lauter Anrufung Christi, des allmächtigen Gottes verbrannt, weil sämmtliche Bewohner der Stadt — Nentmeister, Vorsteher, alte in Amt und Würden und das ganze Volk — sich als Christen bekannten und dem Befehl den Götzen zu opfern auch nicht im Mindesten Folge leisteten. Auch ein anderer Mann, der eine römische Würde bekleidete, Adauktus mit Namen, aus einem vornehmen italienischen Geschlechte, der alle Ehrenstufen am kaiserlichen Hofe durchlaufen und sogar das Amt eines Kammerpräsidenten tadellos verwaltet, daneben aber auch durch die schönen Früchte seiner Religiosität und durch die Bekenntnisse des Christus Gottes sich ausgezeichnet hatte, bestand den Kampf für die Religion, während er noch das letztere Amt verwaltete und wurde mit der Krone des Märtyrerthums geschmückt. (1) 2 B. Mos. 22, 20 und 20, 3. (2) Laktantius (viv, i»sM. 5. 1 >,) erzählt denselben Vorfall, spricht aber nur von einem Vcrsammlungshaus der Christen, das mit diesen verbrannt worden sco. Äuch er nennt den Namen der Stadt nicht. 30t» Diokletianns. Jahr Christus 306. Marcellus. Zwölftes Hanptstü ck. Von sehr viclcn andern Männern und Weibern, welche ans verschiedene Weise den Kampf bestanden. Wozu soll ich nun die Uebrigcn namentlich anfuhren oder die Menge der Männer aufzählen oder ein Bild von den vielfachen Martern, der bewunderungswürdigen Märtyrer Christi entwerfe»? Einige von ihnen wurden mit Beilen hingerichtet, wie es denen in Arabien erging; Andern wurden die Beine gebrochen, wie denen in Kappadocieu, Andere wurden an den Füßen, den Kopf abwärt« gekehrt, aufgehängt und dann ein gelindes Feuer darunter augemacht, so daß sie an den aus dem brennenden Holze aufsteigenden Rauche erstickten, wie es in Mesopotamien der Fall war; noch Andere wurden der Nasen, Ohren und Hände beraubt und ihnen auch die andern Glieder und Theile des Körpers zerstümmelt, wie es in Alexandrien geschah. Wozu soll ich das Andenken derer zu Antiochia erneuern, von denen Einige auf Rosten über dem Feuer gebraten wurden, nicht um sie zu lödten, sondern um sie langsam zu martern, einige Andere aber es vorzogen, ihre Rechte in das Feuer zu strecken, als daß sie das unheilige Opfer berühren wollten ? Andere suchten der Versuchung dadurch zu entgehen, daß sie, ehe sie noch gegriffen wurden und ihren Verfolgern in die Hände fielen, sich selbst von hohen Stockwerken herabstürzten und so den Tod in Vergleichung mit der Bosheit der Gottlosen noch für ein Glück hielten. Es war auch zu Antiochien eine heilige, an tugendhafter Gesinnung bewunderungswürdige Frau, welche auch sonst noch ihres Neichthums, ihrer Geburt und ihres guten NamenS wegen in dieser Stadt allgemein berühmt war und welche zwei durch blühende körperliche Schönheit auszeichnete Jungfrauen zu Töchtern hatte, die von ihr in den Grundsätzen des Christenthums erzogen worden waren. Als nun der heftige Neid, der gegen sie rege geworden, auf jede Art sich geschäftig erzeigte, sie in ihrem Versteck aufzuspüren, so erfuhr man, daß sie sich auswärts aufhielten und gab sich alle Mühe, sie nach Antiochien zu bringen. Wie sie nun im Netze der Soldaten gefangen sich befanden und die Mutter sich und ihre Töchter in einer völligMilslosen Lage sah, stellte sie ihnen alles Fürchterliche vor, daS sie von den Menschen zu gewarten hätten und ermahnte sich und sie, daß sie das Unerträglichste unter allem Fürchterlichen — die Drohung mit Entehrung gar nicht einmal anhören sollten. Ja es sey, fuhr sie fort, die Hingebung der Seele in den Dienst des Satans ärger, als aller Tod und jegliches Verderben. Das einzige Befreiungsmittel aus diesem allem sey die Zuflucht zu dem Herrn. Hierauf faßten sie alle Einen Entschluß, brachten ihre Kleider auf eine anständi.ge Weise in Ordnung und baten sodann, als sie mitten auf dem Wege waren, die Wache, etwas bei Seite gehen zu dürfen, worauf sie sich selbst in einen vorbeifließenden Fluß stürzten. Diese nun stürzten sich selb st ins Wasser. Diokletianus. Iah» Christus 306. Marcellus. 361 Zwei andere Jungfrauen dagegen in dem nämlichen Antiochien, in Allem gottselig und wahrhafte Schwestern, vornehm von Geburt, reich an Vermögen, jung von Jahren, schön von Gestalt, ehrsam der Gesinnung, fromm dem Charakter nach und ausgezeichnet durch ihren Fleiß, wurden ans den Befehl der Diener des Teufels in das Meer geworfen, gleich als wenn die Erde nicht werth gewesen wäre, solche Zierden zu tragen. Solches nun fiel zu Antiochien vor. Schaudervoll aber anzuhören ist das, was Andere im Pontns leiden mußten. Man durchbohrte ihnen mit einem spitzigen Rohre die Finger von den Spitzen der Nägel an, Andern wurde geschmolzenes noch sprudelndes und glühendes Blei den Rücken hinab gegossen und die geheimsten Theile des Körpers damit versengt. Andere mußten an den Geschlechtsteilen und Eingeweiden garstige, unbeschreibliche Martern ohne alles Erbarmen erdulden, welche jene edeln und gerechten Richter um ihre Geschicklichkeit zu zeigen, als wenn dazu eine große Kunst gehörte, im Wetteifer ersannen und wobei sie sich bemühten, durch die Erfindung immer neuer Qualen einander zu überbieten, gleichsam als stritten sie sich um dafür ausgesetzte Preise. Als sie aber schon daran verzweifelten, die Qualen noch höher treiben zu können, und müde vom Morden und der Ver- gicßung des Blutes satt und überdrüssig geworden waren, so war das letzte von diesen Drangsalen, daß sie ans das verfielen, was ihnen Güte und Menschlichkeit zu seyn dänchte, um das Ansehen zu haben, als erlaubten sie sich keine Grausamkeit mehr gegen uns. Denn, sagten sie, es zieme sich nicht, daß die Städte mit dem Blute der Bürger besudelt, noch daß die gegen jedermänniglich gütige und gelinde Negierung der Kaiser in den Ruf der äußersten Grausamkeit gebracht würde; es müsse sich vielmehr der Segen der menschenfreundlichen kaiserlichen Negierung über Alle erstrecken und es sollte fernerhin Niemand mehr mit dem Tode bestraft werden. Diese Strafe sey gegen uns vermöge der Menschenfreundlichkeit der Herrscher aufgehoben. Es ging sodann der Befehl , (1) man solle den Christen die Augen ausstechen und das eine Bein lähmen. Dieß war denn also bei ihnen Menschenliebe, dieß die gelindeste Strafe, die sie gegen uns verhängen konnte. Die Folge dieser Menschenliebe der Gottlosen war, daß man ans keinerlei Weise die Zahl derer bestimmen konnte, welchen theils zuerst das rechte Auge ausgestochen und sodann sie HUHnng mit einem glühenden Eisen ausgebrannt, theils der linke Fuß Äir der Kniekehle ebenfalls mit glühenden Eisen gelähmt wurde uud welche man sodann zu den Bergwerken in der Provinz weniger zur Arbeit, als zur Mißhandlung und Qual verurtheilte. Außer diesen allen ist auch die Menge derer unberechenbar, welche diese oder jene Kämpfe, welche nicht einmal herzuuenncn nützlich ist, (denn ihr standhaftes Betragen ist über alle Beschreibung erhaben) bestehen mußten. In (1) Bon dcm Echae Mariminus, wie Laktantius ( widersetzen konnte, so beschränkte er sich auf die Niederreißung der christlichen Kirchen^ ohne eine Verfolgung gegen die Christen zu verhängen. (6) Cäsar war er, seit sei» Vater Augustus geworden. (7) Der Cäsar Severus war von Valerius zum Augustus erhoben worden und hatte Italien zu seinem Rcgicrungsanthcil erhalten. Gegen diesen crhub sich Marcntius, e-^ohir des Marimianus, und dieser selbst, indem er seine Einsamkeit in Lucanicn verließ und nochmals den Purpur nahm, an der Spitze der Leibwache und Severus wurde getödtet. Auf dieß ernannte Galerius den Licinius zum Augustus (!1 Nov. 307) und überließ ihm die jllprischcn Provinzen. GaleriuS. Jahr Christus 508. (Dionysius 506.)" 303 wurde Licinius mit gemeinschaftlicher Zustimmung der Kaiser zum Selbstherrscher und Augustus ernannt. Dieß verdroß den Maximinus, (4.) der damals allein unter allen noch den Cäsartitel führte, ungemein. Er riß daher als ein äußerst herrschsüchtiger Mensch diese Würde an sich und ernannte sich selbst zum Augustus.(2) Damals starb derjenige Kaiser, von dem ich erzählt habe, (5) daß er nach seiner Abdankung den Purpur noch einmal umgelegt habe, da von ihm entdeckt wurde, daß er dem Kvnstantinus auf eine hinterlistige Weise nach dem Leben trachte, eines äußerst schimpflichen Todes.(4) Er war der erste unter den Kaisern, dessen Gemälde, Bildsäulen und was der Art sonst noch den Kaisern zu Ehren aufgerichtet wird, als die eines Gottlosen und höchst Verruchten, weggenommen wurden. Vierzehntes H a u p t st ü ck. Von dem Charakter der Feinde der Religion. Sein Sohn Maxeutius, der sich zu Rom die Herrschaft angemaßt hatte, stellte sich zuerst, um das römische Volk sich geneigt zu machen und ihm zu schmeicheln, (5) als ob er unfern Glauben angenommen hätte. Er befahl deßhalb seinen Untergebenen von der Verfolgung gegen die Christen abzulassen, um das Ansehen eines Freundes der Religion zu gewinnen und viel gelinder und gütiger als die frühern Herrscher zu erscheinen. Aber er erfüllte keineswegs in der Wirklichkeit die Erwartungen, die man von ihm gehegt hatte, vielmehr verfiel er auf jegliche Art ron Frevelhaftigkeit und ließ keine Abscheulichkeit und keine Ausschweifung uuausgeübt, sondern Ehebruch und Unzucht aller Art wurden von ihm begangen. Er trennte rechtmäßige Gattinnen von ihren Ehemännern, entehrte dieselben und schickte sie alsdann mit Schimpf und Schande ihren Gatten zurück. Und solche Handlungen erlaubte er sich nicht bloß bei geringen, unscheinbaren Leuten, sondern eS waren näm- " Galerius Licinius Konstantin und Maxcntius I. Ch. 311. «.Dionys. 309.) Eusebius 30stce Bischof zu Rom. I. Chr. 310. (1) Weil er schon vor Konstantinus und Licinius Cäsar gewesen. Sein Reichsanthcil war Syrien und Aegypten. (2) Wie Maximinus dem Galerius meldete, daß das Heer ihn als Augustus begrüßt habe, so sah sich dieser genöthigt, ihn als solchen anzuerkennen. (3) Wen» diese Stelle nicht verdorben ist, so findet hier ein Gedächtnißfehler des Eusebius Statt. Denn in dem Bisherigen wurde eine Widcrannahme des Purpurs von Seiten des Maximianus mit keinem Worte gedacht. (4) Da der alle Maximianus und Maxcntius sich durchaus nicht ertragen konnten, so begab sich der erstcrc zu seinem Schwiegersohn Konstantin nach Gallien, wo er, als er in Konstantins Abwesenheit am Rheine sich zum drittenmale zum Augustus machen wollte, durch den Strick — sey es freiwillig aus Verzweiflung, scy es auf Konstantins Befehl — seinen Tod fand. (5) Stroth glaubt aus dieser Stelle schließen zu dürfen, daß die Christen damals der Zahl nach schon das Uebcrgewicht über die Heiden gehabt haben, während Gibbon annimmt, daß vor Konstantins Bekehrung mehr als der zwanzigste Thcil der Unterthane» des römischen Reichs zur Fahne des Kreuzes übergegangen sey. Eusebius Äirchengeschichte. ZI ZW GaleriuS ec. I. Chr. 311. (Dionys. 309.) Eusebius, lich die ersten und ausgezeichnetsten römischen Senatoren, welche er auf diese Art beschimpfte. Alles, Leute aus dem Volk, wie obrigkeitliche Personen, Vornehme wie Geringe, fürchteten sich vor ihm und litten unter dem Druck seiner schrecklichen Tyrannei. Und obgleich sie sich ruhig verhielten und das harte Sklavenjoch trugen, so konnten sie dennoch der blutdürstigen Grausamkeit des Tyrannen nicht entgehen. So gab einst er aus einer unbedeutenden Veranlassung das römische Volk der Mordlnst seiner Leibwache preis, wobei eine zahllose Menge römischer Bürger mitten in der Stadt zu Boden gestreckt wurde von den Speeren und Waffen nicht der Scythen oder anderer Barbaren, sondern ihrer eigenen Landslente. Die Menge der Senatoren, welche er hinrichten ließ, um sich ihres Vermögens zu bemächtigen, ist unberechenbar, da hunderte derselben zu verschiedenen Zeiten unter mancherlei erdichteten Verwänden umgebracht wurden. Allen seinen Frevelthateu aber setzte der Tyrann dadurch die Krone auf, daß er auf Zauberei verfiel. Er ließ Behufs magischer Besichtigungen, bald schwangern Frauen den Bauch aufschneiden, bald die Eingeweide neugeborner Kinder durchforschen, bald Löwen tödten, auch stellte er geheimnißvvlle Zeremonien an, um Dämonen zu citiren und den Krieg abzuwenden. Denn er lebte der gewissen 'Hoffnung, daß er dadurch den Sieg erlangen werde. Es ist unbeschreiblich, durch welche Unthaten Maxentius, so lange er zu Rom die Gewaltherrschaft übte, seine Unterthansn in der Sklaverei erhielt, so daß sie sogar in den äußersten Mangel an den unentbehrlichsten Lebensmitteln versetzt wurden, dergleichen nach dem Zeugniß unserer Schriftsteller noch nie zu Rom gewesen ist. Maximinus hingegen, der Tyrann im Osten, schloß heimlich mit dem zu Rom als mit einem echten Bruder in der Gottlosigkeit ein Bünd- niß m>,d suchte seine Gesinnung so lange als möglich geheim zu halten; allein er wurde in der Folge entdeckt und erlitt seine gebührende Strafe-. Es war wahrhaft zum Erstaunen, wie nahe dieser mit dem Tyrannen zu Rom an Bosheit verwandt und verbrüdert war, oder vielmehr, wie sehr er den ersten Preis darin und den Siegerlohn in der Schlechtigkeit der Handlungsweise vor diesem davon trug. Denn die vornehmsten Zauberer und Magier wurden von ihm der höchsten Auszeichnung gewürdigt, weil er im höchsten Grabe furchtsam und abcrgläubig und er für den Irrthum des Götzen- und Dämonendienstes außerordentlich eingenommen war. Er vermochte ohne Wahrsagerei und Orakelsprüche es nicht einmal zu wagen, etwas auch nur mit den Fingerspitzen, um mich so auszudrücken, zu verrücken. Deßwegcn verfolgte er auch die Unsrigen heftiger und häufiger als die frühern Kaiser. Er befahl in allen Städten Tempel zu erbauen, und durch die Länge der Zeit verfallene mit allem Fleiß wieder herzustellen. Auch bestellte er in allen Städten und Orten Götzenpriester und setzte über dieselben in jeder Provinz einen Oberpriester, der im öffentlichen Dienste alle Stufen desselben mit dem groß- GaleriuS :c. I. Chr. 3k 1. (Dionys. 309.) Eusebius. 307 ten Ruhme durchlaufen haben mußte und gab ihm eine Schaar Solda. teu als Ehrenwache bei. Ohne Scheu ertheilte er allen Zauberern als frommen und den Göttern werthen Männern Statthalterschaften und die größten Vorrechte. In der Folge beschwerte und drückte er nicht etwa die eine oder die andere Stadt oder einen einzelnen Bezirk, sondern ganze ihm unterworfene Provinzen mit Beitreibungen von Steuern an Gold, Silber und unermeßlichen Geldsummen, mit den härtesten Lasten und mit verschiedenen Verurtheilungen. Den Wohlhabenden nahm er ihr von ihren Vorfahren erworbenes Vermögen und schenkte häufig große Reichthümer und ganze Haufen von Geld den ihn umgebenden Schmeichlern. Der Völlerei und Trunkenheit war er so leidenschaftlich ergeben, daß er bei den Zechgelagen seines Verstandes und seiner Sinne nicht mehr mächtig war, und in dem Zustande der Trunkenheit Befehl gab, worüber er am andern Tage, wenn er wieder nüchtern war, Reue empfand, (k.) Er ließ im Trünke und in der Schwelgcrei keinem den Vorzug und erwies stch gegen seine ganze Umgebung — Befehlende sowohl als Gehorchende — als ein Lehrer des Lasters. Dadurch bewirkte er, daß das Heer in jeglicher Schwelgerei und Ausschweifung verweichlichte, die Statthalter und KriegShauptleute aber, die so zu sagen, mit ihm tyrannistrten, lud er zur Räuberei und Habsucht gegen Unterthanen ein. Wozu soll ich von den wollüstigen Schandthaten dieses Menschen erzählen? Wozu die Menge derer herrechnen, welche zum Werkzeug seiner Lüste dienen mußten? Es war ihm nicht möglich, durch eine Stadt zu gehen, ohne daß er nicht auf jegliche Weise Frauen entehrt oder Jungfrauen entführt hätte. Und wirklich gelaug ihm dieß bei allen, nur nicht bei den Christen, welche den Tod nicht fürchteten und die seine Tyrannei, so groß sie auch war, für Nichts achteten. Denn die Männer erduldeten den Tod durch Feuer, Schwert und Annagetung, durch Versenken in die Meeresriefen und durch wilde Thiers, sie erduldeten das Abhauen der Glieder, das Brenneisen, das Ausstechen und Heraus- reissen der Augen und Verstümmelungen, überdies; Hunger, Arbeit in den Bergwerken und Fesseln, aber sie wollten doch bei allen diesen lieber zeigen, was sie für ihre Religion zu erdulden im Stande wären, als daß sie die Verehrung des wahren Gottes mit der Verehrung der Götzen vertauscht hätten. Auch die Weiber nicht minder, als die Männer, von der Lehre des göttlichen Worts gestärkt erduldeten theils dieselben Kämpfe, wie die Männer und trugen denselben' Siegespreis der Tugend davon, theils übergaben sie, wenn sie zur Schändung weggeschleppt wurden, lieber ihr Leben dem Tod, als ihren Körper der Entehrung. Unter allen Frauen, welche dem Maximums zur Befriedigung seiner Lust hatten st) Auch der Auszug des Aurclius Victor c. 40. berichtet von Maximmus: „Im Austande der Trunkenheit seiner Sinne nicht mehr mächtig, gab er oft harte Befehle," setzt jedoch hiczu: voll Reue darüber verordnete er, daß die Bollziehung derselben bis auf dm folgenden Morgen, wann er nüchtern scy, aufgeschoben werden solle. 20 * 308 Valerius :c. I. Chr. 31t. (Dionys. 309.) Eusebius." dienen müssen, war nur eine einzige zu Alexandrien, eine sehr vornehme und angesehene Christin, welche über die leidenschaftliche und ungezügelte Begierde des Tyrannen durch eine wahrhaft männliche Standhaftigkeit den Sieg davon trug. Sehr angesehen wegen ihres Reichthums, ihrer Geburt und ihrer Bildung ging ihr die Keuschheit über dieses Alles. Diese vermochte der Tyrann, so viele Znmuthungen er ihr auch gemacht hatte, den- noch nicht zu tödten, obgleich sie zum Sterben bereit war, da die Leidenschaft seinen Zorn überwog, sondern er bestrafte sie mit der Verbannung und beraubte sie ihres ganzen Vermögens. Auch sehr viele andere Frauen, welche von den Stalthaltern der Provinzen die Drohungen mit Schändung nicht einmal anhören konnten, erduldeten jegliche Art von Marter, Folter und Todesstrafe. Sind diese unserer hohen Bewunderung werth, so verdient dieselbe im höchsten Grade eine Frau zu Rom, ebenfalls eine Christin, welche die vornehmste und züchtigste unter allen war, an welchen der dortig« Tyrann Marentius, der gerade, wie Maximinus handelte, seine Brutalität auszuüben versuchte. Wie diese hörte, daß Leute, welche der Tyrann zu dergleichen Geschäften zu gebrauchen pflegte, vor dem Hause wären und daß ihr eigener Mann, der zudem noch Präfckt von Rom war, ans Furcht in ihre Fortführung gewilligt habe, so bat sie sich einen kleinen Aufschub aus, um sich gehörig zu putzen und ging in ihr Zimmer. Als sie sich hier allein sah, erstach sie sich mit einem Schwerte, verschied sogleich und hinterließ denen, welche sie wegführen sollten, ihren Leichnam, that aber durch die That selbst, welche lauter als alle Worte spricht, allen Menschen, sowohl den jetzt lebenden, als den nachkommenden, zu wissen, daß die Tugend der Christen das einzig Unbesiegliche und Unzerstörbare sey. In einem so hohen Grade herrschte also zu einer und derselben Zeit die Lasterhaftigkeit, welche von den beiden, den Orient und den Occident beherrschenden Tyrannen verübt wurde. Wer könnte nun, wenn er der Ursache so großer Unfälle nachforscht, als solche die Verfolgung gegen uns zu erklären Bedenken tragen, zumal da diese so große Zerrüttung nicht früher ihr Ende erreichte, als bis die Christen die freie Ausübung ihres Glaubens wieder zurück erhielten. Fünfzehntes Hauptstück. Von dem, was die Heiden betroffen. Es hörten wenigstens während hl) des ganzen zehnjährigen Zeitraums der Verfolgung gegen uns wechselseitige Nachstellungen und innerlicher Krieg (2) bei ihnen nicht ans. Das Meer konnte nicht befahren werden. ' Jahr Christus 31t. Melchiades 3Istec Bischof zu Rom. (1) Während dieser Zeit, nämlich im I. Chr. 311, starb der römische Bischof Eusebius, nachdem er den Stuhl zwei Jahre und acht Monate besessen h«tte. Ihm folgte Melchiades, ein Afrikaner. Stroth. «2) Im Westen stand Konstantinus gegen Marentius, im Osten Licinius gegen Maxi- minus zum Kampf genistet. Wenn auch noch kein offener Krieg war, so war doch Alles zum Ausbruche eines solchen reif. GaleriuS zc. Jahr Christus 311. MelchiabeS. .109 Kam einer irgend woher zu Schiffe, so mußte er alle Martern ausstehen, sich foltern, die Seiten zerfleischen und unter Peinigungen aller Art sich befragen lassen, ob er nicht von den Feinden käme und zuletzt noch die Strafe des Kreutzes- oder des Feuertodes erdulden. Ueberdieß wurden aller Orten Schilde und Harnische verfertigt, Geschosse, Spieße und andere Kriegsbedürfnisse herbeigeschafft, Kriegsschiffe und andere Erfordernisse zu einer Seeschlacht zusammengebracht und Jedermann mußte täglich einem feindlichen Einfall entgegen sehen. Hiezu gesellten sich noch in der Folge Hunger und Pest, wovon ich zu seiner Zeit das Nöthige beibringen werde. (1) Sechszehntes Hauptstück. Wie sich die Sachen zu unserem Vorthcil gewendet. Solches sind die Vorfälle, die sich während der ganzen Verfolgung ereignet haben, welche durch die Gnade Gottes im zehnten Jahre gänzlich aufhörte, nachdem sie schon seit dem achten Jahr« etwas nachzulassen angefangen hatte. Denn als die himmlische Gnade Gottes uns wieder mit gütigem und huldvollem Auge anblickte, da veränderten auch unsere Regenten und zwar gerade diejenigen , (2) von welchen früher der Krieg gegen uns erregt worden war, wieder alles Erwarten ihre Gesinnung, widerriefen ihre Edikte und löschten durch für uns sehr günstige Manifeste und die gütigsten Verordnungen die hoch emporlodernde Flamme der Verfolgung aus. Aber es war nichts Menschliches, was dieß bewirkte, nicht Mitleiden oder Menschenliebe der Herrscher, wie wohl Jemand glauben möchte, nein, weit gefehlt — denn sie ersannen vielmehr vom Beginne der Verfolgung an bis auf diesen Zeitpunkt immer mehr Grausamkeiten wider uns und immer neue Qualen wurden bald da, bald dort durch die verschiedensten Mittel und Wege wider uns hervorgebracht — es war die offenbare Aufsicht der göttlichen Vorsehung selbst, welche wieder versöhnt war mit ihrem Volke und sich an den Urheber der Leiden machte und den Anstifter alles Uebels(Z) in der ganzen Verfolgung mit ihren Strafen heimsuchte. Denn obgleich dieß nach dem göttlichen Gericht so kommen mußte, so sagt doch die Schrift: (4) Wehe dem, durch welchen Aergerniß kommt. Ihn ergriff also die von Gott verhängte Strafe und von seinem Leib anfangend schritt sie fort zur Seele. ES entstand nämlich mit einem Male mitten um die Schamtheile eine eiterhafte Beule und darauf inwendig ein fistulöses Ge- chwür, welches die innersten Theile unheilbar anfraß. Daraus kam eine (1) Man sehe unten 9, 8. (2) Ungeachtet Eusebius hier in der Mehrzahl redet, so versteht er doch unter dem Ausdruck: gerade diejenigen :c. bloß den Marimianus Valerius, welcher seiner Erzählung zu Folge der grimmigste Feind der Christen war und den DiokietianuS zur Verfolgung aufgehetzt hatte. (3) Valerius. (4) Matth. 18, 7. 310 GaleriuS :c. Jahr Christus 511. Melchiades. unsägliche Menge Würmer hervor und eiu pestilentialischer Geruch verbreitete sich überall, da ihm die ganze Masse seines Körpers wegen seiner Gefräßigkeit auch schon vor dieser Krankheit zu einem außerordentlichen Grad von Fettigkeit angewachsen war. Dieß ging nun in Fäulniß über und bot allen denen, welche sich näherten, einen unerträglichen und schauderhaften Anblick dar. Von den Aerztcn wurden einige, weil sie den Ungeheuern Gestank durchaus nicht zu ertragen im Stande waren, hingerichtet, andere bei der völligen Unheilbarkcit, weil sie der ganz aufgeschwollenen Körpermaße keine Hülfe zu schaffen wußten, auf das Unbarmherzigste umgebracht. Siebzehntes ,per,(4) sechsmal Besieg er der Armenier, Besieg er der „Meder, Besieger der A d i ab eu e r, (5) zwanzigmal Besitzer der Trib u ne n g ew a l t, nennzehnmal I m p e r a t or, (g) (1) Zu Nicomedia, der damaligen Residenz des Galerms, wurde dieses Edikt im Josten April angeschlagen. Lt. Imot. üo mort. pers. c. 35. (2) Da die Stelle eines Obcrpriestcrs, die höchste geistliche Würde zu Rom, von der höchsten Wichtigkeit und dem größten Einflüsse auf mancherlei Staatsangelegenheiten war, so trugen die Kaiser kein Bedenken, dieselbe anzunehmen und mit in ihren Titeln zu führen. (3) Die Sarmaten waren ein Volk im ehemaligen Gebiete Polens, der kleinen Tartarei und den angrenzenden Ländern. (4) Ein Volk an der Nicder-Donau. (5) Ein Volk in Assyrien. (6) Imperator war zu den Zeiten der Republik ein Ehrentitel, der den siegreichen Feldherrn im Heer von dem Volk erthcilt wurde. Zu den Kaiscrzciten bezeichnete er den Kaiser. Nahmen abir die Kaiser den Titel in vollem Sinne an, so setzten sie ihn hinter ihren Rainen und bemerkten dabei, wie oft sie ihn angenommen hatten. Valerius ;c. Jahr Christus 21 t. MelchiadeS. Kll „a ch tmalKon snl, Vater desVaterlands undProkonsul und „Flavins, V a l e r i u s K o n st a u t i n u 6, A u g u st u 6, K a i- „se r u n d S e l bst h e r r s che r, der gütige, der glückliche, der „unüberwindliche Oberpriestsr, fünfmal Besitzer der „T r ibn n e n g e w a l t, fünfmal I m p er a t or, K o n s u l, Vater „des Vaterlands und Prokonsul und Valerius L i c i- „nianus, August ns, Kaiser und Selbstherrscher, der „gütige, der glückliche, der unüberwindliche Ober- Priester, fünfmal Besitzer der T r i b u n e n g e- „walt, dreimal Imperator, Konsul, Vater des Vater« „la nd s und Proko nsul (1) entbieten den Bewohnern „ihrer Provinzen ihren Gruß." „Unter andern Veranstaltungen, welche wir zur Wohlfahrt und zum „Besten des Staats treffen, waren wir früher auch darauf bedacht, Alles „den alten Gesetzen und der Staatsverfassung des Reiches gemäß wieder „herzustellen und dafür zu sorgen, daß auch die Christen, welche die Religion ihrer Väter verlassen haben, zu einer bessern Denknngsart zurück- ,,kehrten, da sie gewissermaßen eine solche Anmaßung und ein solcher Unsinn „ergriffen hatte, daß sie nicht mehr jenen Einrichtungen der Alten, welche „vielleicht in frühern Zeiten sogar ihre eigenen Voreltern getroffen hatten, „folgten, sondern nach eigener Willkür und wie es einem Jeden einfiel, sich „eigene Gesetze machten, dieselben beobachteten und nach ihren verschiedenen „Meinungen verschiedene Sekten stifteten. Da nun eine Verordnung „von uns erfolgte, daß sie zu den von den Alten gemachten Einrichtungen „zurückkehren sollten, so sind sehr Viele in Gefahr gerathen, sehr Viele in „Bestürzung versetzt worden und haben mancherlei Tvdesarten erlitten. „Weil wir nun wahrnehmen, daß die Meisten, indem sie bei demselben „Unsinn verblieben, weder den himmlischen Gottern die schuldige Verehrung „erwiesen, noch den Gott der Christen ehrten, so haben wir vermöge unserer „Menschenliebe und unserer beständigen Gewohnheit, nach welcher wir allen „Menschen Gnade zu ertheilen pflegen, aus eigener Bewegung für gut „befunden, auch auf sie unsere Gnade auszudehnen, daß sie wiederum „Christen seyn und ihre gewöhnlichen Versammlnngshäuser wiederum auf- „bauen dürfen, doch unter der Bedingung, daß sie gegen die Ordnung des „römischen Staats nichts vornehmen. Den Richtern aber werden wir in „einem anderweitigen Rescripte zu wissen thun, wie sie sich zu verhalten „haben. Sie sind also nun nach dieser ihnen von uns erwiesenen Gnade „verbunden, zu ihrem Gott für unser Wohl, für das Wohl des Staats U) Der Name des Licinius nebst seinen Wein fehlt in einer der bekannt gewordenen Handschristen, in der Ausgabe des Stephanus und bei Rufinus. Christophcrson 'will Konstantins lesen; allein dieser paßt gar nicht in das 2i)stc Jahr des Galcrius. Ucbrigenö sehen wir aus der gemeinschaftlichen Vorsehung der Namen der Kaiser, daß noch keine völlige Trennung des Reichs im strengsten Verstände vorgenommen worden. Es verdient auch bemerkt zu werden, daß der Name des Cäsar Mariminus diesem Edikt nicht mit vorgesetzt worden. Stroth. 312 Galerius :c. Jahr Christus 341. Melchiades. „und für ihr eigenes zu beten, daß sowohl der Staat in jeder Hinsicht wohl „erhalten bleibe, als auch sie ruhig in ihren Wohnungen leben können." Dieß ist der Inhalt des erlassenen Edikts, welches aus dem Lateinischen sst) in das Griechische bestmöglichst übertragen worden ist. Jndeß ist es Zeit, daß wir auf die folgenden Begebenheiten unfern Blick richten. Folgendes wird als eine Ergänzung zum achten Buche in einigen Handschriften gefunden. Der Urheber dieses Edikts wurde alsbald nach diesem Bekenntnisse von seinen Schmerzen befreit und starb. Man sagt von ihm, daß er der erste Urheber alles Unglücks der Verfolgung gewesen sey. Denn schon lange vorher, ehe sich die übrigen Kaiser nur regten, habe er die in Kriegsdiensten stehenden Christen und vor allen Andern diejenigen, die au seinem Hofe lebten, mit Gewalt vom Glauben abwendig zu machen gesucht, indem er jene ihres militärischen Ranges beraubte, diese aber auf das Entehrendste mißhandelte, ja, bereits über Einige die Todesstrafe verhängte, zuletzt aber seine Neichsgenossen zu der allgemeinen Verfolgung bestimmte. Es würde Unrecht seyn, wenn ich das Ende dieser mit Stillschweigen übergehen wollte. Von den vier Kaisern, welche im Besitze der Obergewalt waren, legten, wie schon gemeldet, (2) diejenigen zwei, welche an Alter und Rang vorangingen, ehe noch zwei volle Jahre seit dem Anfange der Verfolgung verflossen waren, die Regierung nieder, brachten die übrige Zeit ihres Lebens als gewöhnliche Bürger und Privatleute zu und nahmen folgendes Lebensende. Der erste an Alter und Würde wurde von einer langwierigen, schmerzhaften Kränklichkeit verzehrt, der zweite nach ihm endete nach einer gewissen ihm von Dämonen gewordenen Voraussagung durch den Strick sein Leben zur Strafe für die vielen von ihm verübten Frevelthaten. Von den beiden andern, die nach diesen folgten, erging es dem zweiten, der, wie wir bemerkt haben, der Urheber der ganzen Verfolgung gewesen, so, wie wir vorhin erzählt haben. Der ihm im Range vorangehende aber — der gütige und milde Kaiser Konstantius — der sich während seiner ganzen Negierung auf eine den Thron ehrende Weise benommen, sich aber auch sonst gegen alle und jede gütig und wohlwollend bewiesen, namentlich auch keine» Theil am Kriege gegen uns genommen hatte, und der die unter seinem Scepter stehenden Gottesverehrer weder haßte, beschädigen, noch kränken, auch keine Kirchengebäude zerstören lassen, noch sonst Neuerungen gegen tl) Die lateinische Urschrift hat sich glücklicherweise bei I.-iat. ort. pers. v. 34, erhalten und in der deutschen Uebertragung ist auch auf sie Rücksicht genommen worden. Denn die griechische Ucbersetzung dieses, so wie noch mehrerer anderer aus dem Lateinische» übersetzter Stücke in Eusebius ist oft ungenau, dunkel und zuweilen nur dann verständlich, wenn man sie wörtlich in das Lateinische zurück überträgt. (2) Oben Hauptst. 13. KonstantinsS u. Licminö. Jahr Christus Z12. Melchiades. 313 uns angefangen/ hatte, nahm ein höchst glückliches und seliges Lebensende, der einzige, der als Kaiser in Frieden und Nuhm verschied und seinen leiblichen Sohn, einen in jeder Beziehung vernünftigen und frommen Regenten, zum Nachfolger hinterließ. Dieser wurde alsbald ^on dem Heer zuwi unumschränkten Kaiser und Augustus ausgerufen und befolgte in Betreff unserer Religion die frommen Grundsätze seines Vate rs. Ein solch »es Lebensende hatten die zu verschiedenen Zeiten (1) genannten vier Kaiser. Der unter diesen allein noch Ueberlebende, von welchem ich kurz vorhin gesprochen, war es, der nebst den übrigen, welche .nachher z u Mitregenten angenommen wurden, das vorhin erwähnte Bek.ennt.nß durch das öffentlich angeschlagene Wnndgt überall bekannt machte,, Ende des achten Buches. Neuntes Buch. Erstes Hauptstück. Von der vorgeblichen Gnade des Mariminus. Das vorhin' angeführte kaiserliche Widerrufungsedikt wurde überall und allenthalben in Asten und in den herumliegenden Provinzen angeschlagen. Nachdem di>:ß gedachtcrmaßen geschehen war, so befahl Maximinus, der Tyr'ann im Orient, der gottloseste Mensch, den es je gegeben hat und der heftigste Gegner der Religion des allmächtigen Gottes, welchem l>er Inhalt des Edikts keineswegs gefiel, statt des öffentlich bekannt gema ch ten Ediktes den ihm untergebenen Statthaltern nur mündlich, mit dem feindlichen Verfahren wider uns inne zu halten. Da er nämlich dem T es ehle der an Rang über ihm stehenden Kaiser sich auf keine andere Ari t i vidersetzen durfte, so suchte er nun das vorhin angeführte Edikt geheim z> i halten und gab sich alle Mühe, daß es in den ihm unterworfenen 'Pr ovinzen nicht bekannt würde; er befahl daher seinen Statthaltern nur mi südlich, die Verfolgung gegen uns einzustellen. Diese theilten den Inhalt des Befehls einander schriftlich mit. Demnach also that SabinuS, der die höchste römische Würde, die eines Präfektus Prätorio,(2) be kleidete, den Statthaltern der einzelnen Profi) Konstantius starb nämli ch zu Eboracum oder York in England, Mariinianus Herculius im I. 310 zu MarseiU e, Galerius im I. 311 und Diokletianus im I. 313. (2) Der Präfcktus Prätor.jo oder Befehlshaber der Leibwache war mit der bürgerlichen ' und Kriegsgcwalt des römisch'en 5 Meiches bekleidet. Leibwache und Palast, Gesetze und Finanzen, Kriegsherr und Provinzen > waren seiner Aufsehcrsorge anvertraut. lllck Konstantmus n. LiciuiuS. Jahr Christus 21,?. Melchiades. vinzen die Willensmeinung des Kaisers in einem lateinischen Schreiben kund, das in der Uebersetznng also lautet: „Die Majestät unserer crha- „bensten Kaiser und Herrn hat es sich schon längst zum Gegenstand »ihrer fortgesetzten, andächtigen Bemühungen gemacht, aller Menschen Sinn »zu dem heiligen, richtigen Lebenswege hinzuleiten, damit auch diejenigen., »welche einem dem römischen fremden Branche zu folgen schienen, ven „unsterblichen Göttern die schuldige Verehrung erweisen. Allein die Hals- „starrigkeit und der nnbiegsamste Eigensinn einiger Menschen ist so weit „gegangen, daß sie weder die Billigkeit des kaiserlichen Befehls von „ihrem Vorsatze zurückbringen, noch die gedachte Strasse schrecken konnte. „Da es nun geschehen ist, daß durch ein solches Verhalten sich Viele „selbst in Gefahr stürzten, so hat die Majestät unserer großmächtigen „Kaiser und Herrn, in Betracht, daß es ihren erhabenen Grundsätzen „zuwider sey, daß die Leute um solcher Ursachen willen so großen Gefahren ausgesetzt werden, vermöge der ihnen inwohnenden Großmulh „und ihrer landesväterlichen Gesinnung meiner E reell er :z aufzutragen, an .„deine Wohlweisheit zu schreiben, daß wenn ein Christ bei der Beobachtung der Religion seines Volkes betroffen wird, cm dich enthaltest, „ihn auf irgend eine Art zu beunruhigen und zu gefährden und nicht „dahin erkennest, daß er um solcher Ursache willen mit irgend einer c „Strafe zu belegen sey, indem die Erfahrung eines so si nigra Zeitraumes „erwiesen hat, daß sie aus keine Weise dazu gebracht: werden können, „ihrer so großen Verstocktheit zu entsagen. Demnach soll deine Wohl- „weisheit an die Justiz- und Finanzverwalter, an die Stadtvorstände „und an die Vorsteher des zu einer jeden Stadt gehörigen Bezirkes „schreiben, daß sie es wissen, daß sie sich nicht weiter, als in diesem „Schreiben befohlen ist, mit den Christen zu befassen haben." Auf dieß setzten die Statthalter in den Provinzen, in dem Glauben, daß sie die wahre Willensmeinung des Kaisers, welche in dem Schreiben enthalten sey, ihnen kund thäten, die Justiz - und Finanzverwalter, die Stadtvorstände und die Beamten auf dem Lande durch Wriefe von dem kaiserlichen Befehle in Kenntniß. Allein sie beschränkten sich nicht darauf, sondern sie suchten auch noch früher durch die That selbst den vermeint- ten kaiserlichen Befehl zu vollziehen. Sie l ießen deßwegen alle diejenigen, welche um des Bekenntnisses der Religion willen eingekerkert in den Gefängnissen saßen, heraus und setzten sie in Freiheit. Eben so wurden auch diejenigen, welche zur Strafe in die Bergwerke geschickt worden waren, frei gegeben, in der irrigen M einmig , daß dieß der wahre Wille des Kaisers sey. Dieses war aber kau m also geschehen, als man mit Einemmal wie ein Licht, das aus dunklor Nacht hervorleuchtet, in jeder Stadt die Gemeinden sich versammeln, zahlreiche Zusammenkünfte halten und die gewöhnlichen Betstunden be suchen sehen konnte. Dieß setzte die ganze Menge der ungläubigen Heiden in ein nicht geringes Erstaunen. Voll Verwunderung über das Wunderbare einer solchen Konstantinus u. Linning. Jahr Christus 312. Melchiadcs. Z15 Veränderung riefen sie laut, der Gott der Christen sey groß und der allein wahre. Von den Unsrigen aber nahmen diejenigen, welche den Kampf in der Verfolgung treu und standhaft durchgekämpft hatten, wiederum ihr gegen Jedermann freies, offenes Benehmen an; diejenigen dagegen, welche am Glauben erkrankt waren und an ihren Seelen Schiffbruch gelitten hatten, eilten voll Begierde zu ihrer Heilung, baten die Starken inständig, ihnen die rettende Hand zn reichen und flehten zu Gott, daß er ihnen gnädig seyn möchte. Hierauf kehrten auch die edeln Kämpfer der Religion, welche von ihren Leiden in den Bergwerken befreit waren, in ihre Heimath zurück, fröhlich und vergnügt durch alle Städte gehend und voll von einer unaussprechlichen Heiterkeit und einer durch keine Worte auszudrückenden Freimüthigkeit. Zahlreiche Schaaren zogen, mitten auf den Landstraßen und öffentlichen Plätzen, in Liedern und Psalmen Gott preisend, ihres Weges einher und man konnte jetzt diejenigen, welche noch kurz vorher unter den größten Mißhandlungen in Ketten und Banden aus ihrer Heimath vertrieben worden waren, mit heiterem und freudevollem Gesicht wieder Besitz von ihren Wohnungen nehmen sehen, so daß auch diejenigen, welche früher Mord gegen uns geschnaubt hatten, wie sie dieses ganz unverhoffte Wunder sahen, uns zu dem Ereignisse Glück wünschten. Zweites Hauptstü ck. Von der hierauf erfolgten Verschlimmerung. Allein dieß vermochte der Tyrann, (l) welcher, wie gesagt,lden Orient beherrschte, als ein Mann, der alles Gute haßte und allen Tugendhaften hinterlistig nachstellte, nicht länger zu ertragen, sondern es waren nicht volle sechs Monate, während welcher er die Sachen so gehen ließ, als er alle möglichen Mittel zur Störung des Friedens anwandte. Zuerst suchte er uns unter einem gewissen Vorwande von den Zusammenkünften auf den Begräbnißplätzen abzuhalten. Hierauf richtete er eine Gesandtschaft an sich selbst, indem er durch einige schlechte Menschen die Bürger von Antio- chia anstiftete,' sie sollten sich als die größte Gnade von ihm den Befehl erbitten, daß es keinem Christen erlaubt seyn solle, in ihrer Stadt zu wohnen. Eben so wurden Andere von ihm veranlaßt, das Nämliche zu thun. Anstifter von allem diesem war,Thcoteknus zu Antiochien selbst, ein gewaltthätiger, schlechter Mensch, der sich mit Zauberei abgab und nichts mit seinem Namen (2) gemein hatte. Er verwaltete das Amt eines Nennneisters zu Antiochien. (1) Mariminus sing auf erhaltene Nachricht von dem Tode desGalcrius, der ungefähr vier oder fünf Monate nach dem Widcrrufunqsedikt erfolgte, die Verfolgung im Orient von Neuem an. Stroth. (2) Der Name bedeutet Gottcskind. Skg KvnstantinuS u. Ll'ciniuS. Jahr Christus 5t2. MelchiadeS. Drittes Hauptstück. Von dem nc« errichteten Götzenbilds zu Antiochien. Dieser Mann nun bekämpfte uns auf jegliche Weise und machte eS sich zur Aufgabe, die Unsrigen auf jede mögliche Art wie gottlose Diebe aus den Winkeln aufzuspüren. Nachdem er uns zu verleumden und zu verklagen Alles angewandt hatte und an dem Tode sehr Vieler Schuld gewesen war, so errichtete er zuletzt unter allerlei Gaukeleien und Zaubereien ein Bild des Jupiter Philius (1) und stellte dabei unreine Einweihungen, eitle Mysterien und abscheuliche Reinigungen an und brachte seine Gaukelei durch Orakel, die er zu ertheilen vorgab, bis vor den Kaiser selbst. Und wirklich reizte dieser Mensch durch Schmeicheleien, die dem Kaiser gefielen, den Teufel gegen uns auf und sagte, der Gott verlange, daß die Christen als seine Feinde aus der Stadt und ihrer Umgegend vertrieben würden. Viertes H a u p t st ü ck. Von den Beschlüssen der Städte wider uns. Nachdem es diesem nach Wunsch gegangen war, so begannen die obrigkeitlichen Personen aller Städte des Regierungsantheils des Maximinus einen gleichen Beschluß zu fassen, wozu die Statthalter der Provinzen, als sie bemerkten, daß dieses dem Kaiser wohlgefällig sey, ihre Untergebenen unter der Hand veranlaßten. Da der Tyrann auch ihnen wegen ihrer Beschlüsse sein gnädiges Wohlgefallen durch ein Rescript zu erkennen gab, so entbrannte wiederum von Neuem die Verfolgung gegen uns. Es wurden Priester der Götzenbilder in den Städten angeordnet und überdies; von Maximinus selbst (2) Oberpriester, wozu Männer genommen wurden, welche sich durch eine ausgezeichnete Verwaltung aller ihrer öffentlichen Aemter Ruhm erworben hatten. Diese ließen sich die Besorgung des Dienstes ihrer Gottheiten auf das Eifrigste angelegen seyn. Um es kurz zu sagen, der ausschweifende Aberglaube des Regenten veranlaßte alle seine Unterthanen, Befehlende sowohl als Gehorchende, ihm zu Gefallen Alles sich gegen uns zu erlauben, i» der Meinung, sie könnten ihm für die Wohlthaten, die sie von ihm zu erlangen hofften, keinen größern Dank abstatten, als wenn sie Mord gegen uns schnaubten und neue Bosheiten gegen uns verübten. (t) Diesen Beinamen führte Jupiter als Beschützer der Freundschaft. (2) Die Priestcrstellcn in den Provinzen waren bisher von den Rathskollegicn besetzt worden und zwar mit solchen aus ihrer Mitte, welche die Municipalämtcr mit Ruhm bekleidet hatten; jetzt ernannte sie Mariminus selbst, um sicher die ausgezeichnetsten Männer des Senats und solche, von denen er die eifrigste und einflußreichste Wirksamkeit für die Wiederbelebung des Heidcnthums erwarten konnte, zu denselben befördern zu können. Kvnstautiuus u. Licinius Jahr Christus 312. MelchiadeS. 317 Fünftes Hauptstück. Von den erdichteten Akten. Sie erdichteten demnach Akten des Pilatus (1) und unsers Erlösers, welche mit allerlei Lästerungen gegen Christum angefüllt waren. Diese schickten sie auf Geheiß des Maximinus in seinem ganzen Negierungsantheil herum und begleiteten sie mit dem Befehl«, man solle sie überall, in der Stadt, wie auf dem Lande, an öffentlichen Oettern zu Jedermanns Kennt, niß anschlagen und die Schullehrer sollten dieselben statt der gewöhnlichen Schulfächer mit ihren Schülern treiben und sie von diesen auswendig lernen lassen. Während dies; also geschah, ließ ein anderer Kriegsbefehlshaber, Dnx bei den Römern genannt, (2) in der Stadt Damaskus in Phönieien einige übel berüchtigte Weibspersonen von einem öffentlichen Platz weg aufgreifen und zwang sie durch die Drdhung mit der Folter, zu Protokoll zu geben, daß sie einst Christen gewesen seyen und Mitwissenschaft von deu Gottlosigkeiten der Christen hätten, daß diese selbst in den Kirchen grobe Ausschweifungen sich erlaubten und was er sonst noch zu Verlästerung unserer Religion gesagt wissen wollte. Diese ihre Aussage nahm der Dur zu Protokoll und schickte sie an den Kaiser, auf dessen Befehl auch diese Akten aller Orten und in allen Städten bekannt gemacht wurden. Sechstes Haupt stück. Von denen, welche zu dieser Zeit Märtyrer geworden. Allein nicht lange nachher wurde der genannte Kriegsbefehlshaber sein eigener Mörder und büßte so die Strafe für seine Bosheit. Wir aber mußten aufs Neue fliehen, wiederum grausamere Verfolgungen erdulden und die Statthalter aller Provinzen setzten uns wiederum aufs Heftigste zu, so daß sogar einigen angesehenen Christen, welche ergriffen worden waren, ohne Gnade das Todesnrtheil gesprochen wurde. Von diesen wurden drei, welche sich als Christen bekannt hatten, in der Stadt Emesa in Phönieien den wilden Thieren vorgeworfen. Unter ihnen befand sich der Bischof Sil- vanus,(Z) ein Mann von sehr hohem Alter, der sein Amt ganzer vierzig (t) Dieser Akte» hat Eusebius schon oben l, 8. erwähnt. „Schon früher mag/ äußert sich Neandcr über dieselben, „es mancherlei von Christen und Heiden herrührende „Recensionen der <>oti> I'ilatt gegeben haben, und so mag diese neue Dichtung der Bosheit „ans einer altern Grundlage hervorgegangen seyn. Vielleicht ist es auch ungenau, wenn „gesagt wird, daß jene -mm erst damals erdichtet worden j vielleicht hatte der fanatische „Haß der Helden schon in einer früher» Seit der diokletianischen Verfolgung ein solches Nach- „wcrk hervorgebracht und man suchte es nur jetzt besonders zu verbreiten. Das müßte „mau annehmen, wenn diese aeM ganz dieselben wären mit denjenigen, auf welche sich ein „heidnischer Priester als Seugniß gegen die Gottheit Christi bei einem Verhör in einem „fruhrrn Jahr der diokletianischen Verfolgung berief." (2) Die Duccs befehligten die Soldatcnabtheilungcn in den Provinzen und die Be- satzungsvölkcr längs den Grenzen. l3) Dieser und die folgenden hier genannten Märtyrer sind eben die, deren Eusebius schon oben L, 13., wohin sie eigentlich nicht gehörten, erwähnt hat. 318 Konstautinns u. Licinins. Jahr Christus 312. Melchiades. Jahre bekleidet hatte.- Um dieselbe Zeit wurde auch Petrus, welcher der Gemeinde zu Alexandrien mit dem größten Ruhm vorgestanden und den sowohl sein tugendhafter Lebenswandel, als auch seine Vertrautheit mit der heiligen Schrift zu einem der würdigsten Bischöfe machte, ohne alle Ursache ergriffen und wider alles Erwarten nur so plötzlich und ohne allen Grund, augeblich auf einen Befehl des Maximus, enthauptet. Mit ihm hatten mehrere andere ägyptische Bischöfe ein gleiches Schicksal. Lucianus, Presbyter der Gemeinde zu Antiochien, ein in jeder Hinsicht trefflicher, in seiner Lebensart mäßiger und durch seine theologischen Kenntnisse berühmter Mann, wurde in die Stadt Nikomedien, wo damals der Kaiser sich gerade aufhielt, geschleppt und, nachdem er vor diesem selbst eine Schntzrede für die Lehre, welche er bekannte, abgelegt, in das Gefängniß geworfen und daselbst getödtet. Solches Leid fügte uns in kurzer Zeit der Tugendfeind Maximums zu, daher denn auch diese letztere wider uns erregte Verfolgung »och viel härter schien, als die frühere. Siebentes Hauptstiiek. Von dem gegen uns durch Anschlag an den Säulen bekannt gemachten Edikte. Mitten in den Städten wurden — was sonst niemals geschehen war — die Beschlüsse der Städte gegen uns und überdieß Abschriften der kaiserlichen Rescripte in Erz eingegraben, an Säulen (1) öffentlich bekannt gemacht. Die Kinder in den Schulen führten täglich die Namen Jesus und Pilatus und dessen uns zum Hohn erdichtete Akten im Munde. Es erscheint mir hier unerläßlich, das an den Säulen ausgestellte Nescript des Maximinns selbst hieher zu setzen, damit einestheils die großsprecherische, übermüthige und gotthassende Frechheit dieses Menschen, anderntheils die ihn auf dem Fuße verfolgende, rastlose, das Böse hassende, göttliche Strafgerechtigkeit, über die Gottlosen, von welcher verfolgt Maximums nicht lange nachher in Ansehung unserer die entgegensetzten Entschlüsse faßte und solche durch geschriebene Verordnungen bekannt machte, offenbar werde. Sein Nescript lautet wörtlich also: » Abschrift der Uebersetzung des Rescripts des Maximinus aus die Beschlüsse der Städte gegen uns, von der Säule zu Tyrnö genommen. „Endlich hat doch einmal die schwache Kühnheit des menschlichen Verbandes vermocht, alle Dunkelheit und allen Nebel des Jrrthnms, welcher „vormals die Erkenntniß der weniger gottlosen, als elenden Menschen mit (1) Hiermitte sind nicht Säulen an einem Gebäude zu verstehen, sondern solche, die zu dem Ende auf öffentlichen Plätzen aufgerichtet waren, daß etwas daran bekannt gemacht werden sollte. Wenn übrigens Eusebius sagt, daß dieß sonst nicht geschehen sey, so scheint er damit nur sagen zu wolle», daß die Edikte sonst nicht in Erz gegraben, sondern nur auf Papier geschrieben worden seyen. KoustantinuS u. Licinins. Jahr Christus I12. Mclchiades. 31i> „einer verderblichen Fmsterniß der Unwissenheit umhüllte und auf ihr lastete, „abzuschütteln und zu zerstreuen und einzusehen, daß Alles von der gütigen „Vorsorge der unsterblichen Götter verwaltet und geordnet wird. Es ist „unbeschreiblich, wie erfreulich, wie angenehm und wohlgefällig es unö „gewesen ist, daß ihr einen so sprechenden Beweis eurer religiösen Gesin- „nung gegeben habt, da es auch schon vorher Niemanden unbekannt war, „eine wie große Achtung und Verehrung ihr gegen die unsterblichen Götter „heget, ihr, die ihr nicht einen Glauben an leere und gehaltlose Worte, „sondern unaufhörliche, wunderbare Beispiele ausgezeichneter Thaten kennt. „Deßwegen dürfte eure Stadt mit vollem Rechte ein Sitz und eine Woh- „nung der unsterblichen Götter genannt werden. Es weisen wenigstens viele „Zeichen deutlich darauf hin, daß sie durch den Besuch der himmlischen „Götter blüht. Und nun siehe, da diese eure Stadt, welche Alles, woran „ihr irgend hätte gelegen seyn sollen, vernachlässigt und die vormals gewöhnlichen Gebete für ihre Angelegenheiten bei Seite gesetzt hatte, bemerkte, „daß die Anhänger jener verfluchten Thorheit wiederum allmälig sich zu „verbreiten und gleich einem vernachläßigten, erloschenen Scheiterhaufen „bei neuem Aufleben des Feuerbrands in die größte Flamme auszubrechen «anfangen, so hat sie alsbald ohne alles Zandern ihre Zuflucht zu unserer „Güte, als dem Hort aller Frömmigkeit, genommen und um Heilung und „Hülfe gebeten. Daß euch diesen heilbringenden Gedanken wegen eurer „aufrichtigen Religiosität die Götter selbst eingegeben haben, ist offenbar. „Demnach hat also jener höchste und größte Zeus selbst, der eurer berühmten Stadt vorsteht, der eure vaterländischen Götter, Weiber, Kinder, „Hecrd und HauS wider gleiches Verderben schützt, euren Seelen diesen heilsamen Einfluß eingehaucht, indem er euch offenbarte und zeigte, wie trefflich, „wie herrlich und heilbringend es ist, der Anbetung und den Opfern der „unsterblichen Götter mit der schuldigen Verehrung sich zu nahen. Denn „wer könnte so sinnlos oder alles Verstandes so völlig beraubt seyn, daß er „nicht einschen sollte, daß es eine Wirkung der liebevollen Sorge der Götter „ist, daß weder die Erde den ihr anvertrauten Saamen verweigert und die „Hoffnung des Landmanns mit leerer Erwartung täuscht, noch daß ein „ruchloser Krieg ungehindert seinen Schauplatz auf Erden aufschlägt, bei „verpesteter Luft die Körper vom Tode hinweggerafft werden, noch daß sich „durch das Wehen gewaltiger Winde das Meer mit hohen Wogen aufthürmt, „noch daß unerwartet losbrechende Stürme ein verderbliches Ungewitter „erregen, noch daß ferner die Allernährerin und Allmntter Erde von „ihren untersten Klüften ans mit fürchterlichem Beben sich aufreißt, noch „auch daß die auf ihr befindlichen Berge durch entstehende Schlünde versenkt „wenden. Daß alle diese und noch andere schwerere Unfälle früher häufig „sich ereignet haben, ist Jedermann bekannt. Und dieses Alles ist wegen „des verderblichen Wahnes der grundlosen Thorheit jener ruchlosen Menschen „geschehen, als dieser ihre Seelen beherrschte und fast die ganze Welt mit „Schmach bedeckte." Etwas weiterhin wird sodann also fortgefahren: 320 Konstantinus u. Licim'uS. Jahr Christus 312. Melchiades. „Möchten sie doch in den weiten Ebenen die blühende n Saaten sehen, wie „sie mit ihren Aehren Wellen werfen, die Wiesen, wie sie durch frucht- „baren Regen mit Pflanzen und Bäumen geschmückt sind, und die Lust, „wie sie wiederum mild und gemäßigt geworden ist. Alle sollen sich „ferner darüber freuen, daß durch eure Frömmigkeit, durch eure Opfer „und den Gottesdienst die Macht des so starken und so gewaltigen Mars „gemildert ist und sollen vergnügt darüber seyn, daß sie deßwegen eines „heitern Friedens in Sicherheit und Ruhe genießen kimnen. Und alle diejenigen, welche jenen blinden Jrrthum und Abweg gänzlich verlassen „haben und zur richtigen und gesunden Einsicht wieder zurückgekehrt sind, „mögen sich noch mehr freuen, daß sie, so zu sagen , von einem unerwartetsten Sturme oder einer gefährlichen Krankheit befrnt worden sind und „sich einen angenehmen Lebensgenuß für die Zukunft bereitet haben. Wenn „sie aber bei ihrer verfluchten Thorheit verharren sollten, so sollen sie, wie „ihr verlangt habt, von eurer Stadt und eurer Umgegend verbannt und „ferne davon gehalten werden, damit auf diese Weise eure Stadt gemäß „euren lobenswürdigen Bemühungen in dieser Beziehung von jeder Be- „fleckung und Gottlosigkeit befreit werde und nach ihrer angeerbten Neigung „mit der schuldigen Verehrung die Opfer der unsterblichen Götter besorge. „Damit ihr aber erkennet, wie wohlgefällig uns in dieser Beziehung eure „Bitte gewesen und wie unjer Herz auch ohne Dekrete und Bitten aus „freier, eigener Bewegung zum Wohlthun geneigt ist, so erlauben wir „deiner Excellenz, jede auch noch so große Gnade, die ihr wünscht, für diese „eure gottergebene Gesinnung zu erbitten. Wollt also nur bald dieß thun „und sie empfangen. Denn ohneAufschub soll sie euch zu Theil werden. Diese „eurer Stadt gewährte Gnade soll für alle Zeiten ein Zengniß von eurer „frommen Verehrung der unsterblichen Götter geben und soll euren Söhnen „und Enkeln verkündigen, daß ihr eine für diese enre Gesinnung wohlver- „diente Belohnung von unserer Gnade erhalten habt." Dieses wurde wider uns in allen Provinzen öffentlich bekannt gemacht und benahm uns, wenigstens menschlicher Einsicht nach, alle gute Hoffnung in Betreff unserer Angelegenheiten, so daß, nach dem bekannten göttlichen Ausspruch, (1) sogar die Auserwählten, wenn eS möglich wäre, Anstoß hierüber gelitten haben würden. Bereits war alle Hoffnung bei den meisten von uns fast erstorben und diejenigen, welche das erwähnte Rescript gegen uns zu besorgen hatten, waren in einigen Provinzen fast noch auf dem Wege, als auf Einmal der seine Kirche schirmende Gott seine himmlische Hülfe uns erzeigte und dem Uebermuth der Tyrannen gegen uns gleichsam Zügel anlegte. (!) Matth. 24, 24. Konstautinns u. Liciuins. Jahr Christus 312. Melchiades. 32 i. Achtes Hauptstück. Vo» dem , was hieraus in der Hungers -, Pest - und Kriegszeit erfolgt ist. Die gewöhnlichen Regen nnd Regengüsse hörten zur Winterszeit auf, in gewöhnlicher Menge auf die Erde zu fallen, eine nnerwarteteHungersnoth brach aus nnd überdcm die Pest, und dazu noch eine andere gefährliche Krankheit, welche in einem Geschwüre bestand, das seinen Namen von dem flammenartigen Aussehen führte und Karbunkel genannt wurde. Diese verbreitete sich nach und nach über den ganzen Körper und versetzte die daran Leidenden in große Gefahr; besonders aber hielt es um die Augen herum sehr lange an und zog einer großen Menge von Männern, Weibern und Kindern Blindheit zu. Uebcrdieß bekam der Tyrann Krieg mit den Armeniern, welches Volk von Alters her Freund und Bundesgenosse der Römer war. Da diese, ebenfalls Christen, sich die Verehrung des wahren Gottes sehr angelegen seyn ließen, (1) so versuchte der Gottesfeind sie zu zwingen, den Götzen und Dämonen zu opfern und machte sie dadurch aus Freunden zu Feinden und aus Bundesgenossen zu Gegnern. Dieses Alles floß plötzlich zu Einer und derselben Zeit zusammen nnd beschämte die freche Prahlerei des Tyrannen gegen die Gottheit, weil er keck sich gerühmt hatte, daß wegen seines Eifers für die Götzen und der Verfolgung gegen uns zu seiner Zeit weder Hungersnoth, noch Pest, noch ein Krieg sich ereignet habe. Diese nun zugleich und zu einer und derselben Zeit hereinbrechenden Leiden bildeten auch gleichsam das Vorspiel zu seinem völligen Sturze. Er selbst war im Kriege gegen die Armenier mit seinen Legionen unglücklich, die übrigen Einwohner der ihm unterworfenen Städte aber wurden zugleich von Hunger und Pest auf eine furchtbare Art heimgesucht, so daß man für Ein Maß Waizen 2500 attische Drachmen (2) zahlte. Unzählbar war die Menge derer, welche in den Städten starben, noch größer aber die Anzahl derer auf dem Lande und in den Dörfern, so daß die Steuerlisten, früher angefüllt mit einer sehr großen Menge von Landleuten, jetzt beinahe völlig ausgestrichen wurden , da fast alle mit einmal aus Mangel an Nahrung und an einer pestartigen Krankheit ihren Tod fanden. Einige trugen kein Bedenken, das, was ihnen das Thenerste war, für ein klein wenig Speise an die Reicheren hinzugeben, Andere verkauften nach und nach ihre Besitzchümer nnd gerie- then dadurch in die äußerste Dürftigkeit, Einige kauten auch unbedeutende Abfallstückchen Heu und aßen ohne Scheu schädliche Kräuter, welche ihre Gesundheit zerstörten und ihnen den Tod brachten. Einige in ihren Städten vornehme Frauenzimmer ergriffen aus Mangel das schimpfliche (1) Das schon früher in Armenien bekannte Ehristcnthum war vor Kurzem erst durch einen gewissen Grcgorius, der von dem Lichte, das er brachte, der Erlcuchter genannt, und der Bischof daselbst wurde, in einem weiter» Umfange in diesem Lande eingeführt worden. Was des Mariminus Krieg gegen die Armenier betrifft, so merkt man dabei an, daß dicß der erste Krieg gewesen, der wegen der christlichen Religion geführt worden ist. (2) Ein ungeheurer Preis, wenn die Nachricht wahr oder die Lesart richtig ist. Den» die Drachme betrug ungefähr 5 Hz Groschen. Eusebius Kirchengcschichte. 21 322 Koustantinus u. Licinius. Jahr Christus 312. Melchiades. Nothmittel, daß sie auf den öffentlichen Plätzen betteln gingen, während die Scham in ihrem Gesichte und das Anständige ihres Anzuges zu erkennen gaben, daß sie einst eine gnte Erziehung genossen hatten. Einige wankten und schwankten, ganz abgezehrt, Gespenstern gleich und bereits mit dem Tode ringend, hin und her, stürzten, aus Unvermögen, sich aufrecht zu halten, mitten in den Straßen hin, baten , ans dem Bauche hingestreckt, flehentlich, ihnen ein Stückchen Brod zu reichen und schrien noch, während sie in den letzten Zügen lagen, über Hunger, zu diesem kläglichen Ausrufe allein noch stark genug. Die Neichen erstaunten über die Menge Bettler und wurden zuletzt, nachdem sie sehr viel hergeschenkt hatten, hart und unbarmherzig, weil sie erwarten mußten, es würde ihnen selbst in kurzer Zeit eben so, wie den elenden Bettlern, gehen. Bereits lagen mitten ans den öffentlichen Plätzen und in den Gassen nackte Leichname mehrere Tage lang unbegraben zerstreut da und boten denen, die es sahen, einen höchst traurigen Anblick dar. Bereits wurden auch Einige von den Hunden verzehrt, wcßwegen die noch Lebenden die Hunde todt zu schlagen anfingen, ans Furcht, sie möchten wüthend werden und Menschen fressen wollen. Nicht weniger raffte aber auch die Pest ganze Häuser und Familien weg, besonders solche, welche, weil sie an Lebensmitteln keinen Mangel litten, der Hunger nicht aufzureiben vermochte. So mußten denn viele Reiche, Befehlshaber, Statthalter und tausend andere in Würden stehende Personen eines ganz schnellen und jähen Todes sterben, gleich als. wären sie absichtlich von dem Hunger der Pest überlassen worden. Alles war voll Wehklagen, auf allen Gassen, Straßen und öffentlichen Plätzen konnte man nichts Anderes hören, als Leichenklagen, begleitet von dem bei ihnen gebräuchlichen Flötenspiele und Getöse. (1) Aus diese Art raffte der Tod, der mit den vorhin gedachten zwei Waffen, mit Pest, und mit Hunger, stritt, in kurzer Zeit ganze Familien hinweg, so daß man sogar zwei und drei Leichname beisammen zur Bestattung tragen sehen konnte. Dieß war derLohn für die Großprahlerei des Maximians und die Beschlüsse der Städte wider uns. Die allseitige Dienstwilligkeit und die Frömmigkeit der Christen zeigte sich damals allen Heiden in einem hellen Lichte. Denn sie waren die Einzigen, welche inmitten so großer und so vieler Drangsale ihr Mitgefühl und ihre Menschenliebe durch die That selbst bewiesen. Die Einen von ihnen beschäftigten sich täglich unablässig mit Wartung und Ve^ gräbuiß der Sterbenden (es gab aber Unzählige, welche Niemanden hatten, der für sie gesorgt hätte), die Andern versammelten die gesammte Menge der Ausgehungerten der ganzen Stadt an Einen Ort und theilten unter alle Brod aus. Als daher dieser Umstand zur allgemeinen Kunde kam, so priesen sie den Gott der Christen und bekannten, durch die Thatsachcn selbst überführt, daß die Christen die einzigen wahrhaft Frommen und Gottes- (s) Bei den Alten wurden die Leichen unter lauten Klagen und traurigem Flötenspiel zu Grabe getragen. Man erinnere sich des Matth.-9, 23. vorkommenden Beispiels von der Kochtcr des Jairus. Konstantinus n. Licinius. Jahr Christus 512. Melchiades. .'>2." fürchtigeu wären. Bei diesem Allen zeigte der große und himmlische Schutzgort der Christen durch die vorhin erwähnten Vorfälle seine Drohung und seinen Unwillen gegen alle Menschen für all die übermäßigen Leiden, die sie unS verursacht hatten; uns aber ließ er wiederum den gnädigen Strahl seiner Fürsorge für uns in vollem Glänze leuchten und das Licht des Friedens wie aus einer dichten Finsterniß auf das Wunderbarste strahlen, Allen kund machend, daß Gott selbst immer der Lenker unserer Schicksale gewesen, der zwar nach Umständen sein Volk mit Strafen heimsucht und züchtigt, allein sich wiederum nach hinlänglicher Züchtigung gegen diejenigen, die ihre Hoffnung auf ihn setzen, gnädig und barmherzig erzeigt. Neuntes H au pt stü ck. Von dem Siege der gottseligen Kaiser. Denn als Kvnstantinus, der, wie wir oben gemeldet haben, Kaiser von einem Kaiser entsprossen und ein Frommer von einem höchst frommen und vernünftigen Vater erzengt war, und Licinius, der zweite im Range nach ihm,(1) beide durch Klugheit und Gottseligkeit ausgezeichnet, von dem allmächtigen Gott, dem Allherrscher und dem Erretter, als gottgeliebte Männer gegen die beiden gottlosesten Tyrannen erweckt wurden und einen förmlichen Krieg gegen sie führten, so wurde, da Gott ihnen beistand, zu Rom Maxentius von Kvnstantinus auf die wunderbarste Weise gestürzt und im Orient kam ebenfalls der jenen nicht lange überlebende Maximinus durch Licinius, der damals noch nicht von Wahnsinn befallen war, (2) auf die schimpflichste Art ums Leben. Zuerst zog Konstantinus, der auch an Würde und Rang des KaiserthumS der erste war, voll Erbarmen mit den zu Rom von dem Tyrannen Unterdrückten, nachdem er den Gott des Himmels und dessen Logos, den Erlöser aller Menschen, Jesum Christum, im Gebet um Beistand angerufen hatte, mit seinem ganzen Heere aus, um den Römern ihre alte Freiheit wieder zu verschaffen. Maxentius, welcher mehr Vertrauen auf seine Zauberkünste, als auf die Ergebenheit seiner Unterthanen setzte, wagte nicht einmal, sich aus den Thoren der Stadt hervorzumachen, sondern suchte alle Oerter, Bezirke und Städte, die ihm um Rom und ganz Italien herum unterworfen waren, mit einer zahllosen Menge Soldaten und Tausenden von Kriegsschaaren zu decken. Der Kaiser Konstantinus aber, auf den Beistand Gottes vertrauend, griff das erste, zweite und dritte Heer des Tyrannen an und schlug sie alle vollständig, rückte sodann weit in Italien vor und stand bereits ganz nahe bei Rom. Da zog, um dem Konstantinus einen Kampf mit den Römern um des Tyrannen willen zu ersparen, Gott selbst diesen gleichsam in Fesseln weit (1) Dieß ist unrichtig. Beide besaßen völlig gleichen Rang. (2) D. h., der damals noch nicht, wie spater, ein Feind der Christen war. 2b * tiVsi Konstantiuns u. Licinius. Jahr Christus 312. Melchiados. heraus vor die Thore (1) und bestätigte die Wahrheit jener in der alten Zeit gegen die Gottlosen verrichteten, in der heiligen Schrift aufgezeichneten, von sehr Vielen als Fabeln verworfenen, von den Gläubigen aber geglaubten Wunder durch die That selbst bei Allen ohne Unterschied, Gläubigen und Ungläubigen, welche das Wunder mit ihren eigenen Augen sahen. Denn gleichwie zu den Zeiten Mösts und der ehemaligen gottseligen hebräi- cheiff Nation Gott die Wagen Pharao's und seine Macht in das Meer gestürzt! 2)chud die drei Mann hoch auf denselben stehenden erlesenen Streiter im rolhsn Meere ertränkt und mit den Finthen bedroht hatte, also versanken Maventius und die Krieger und Leibwächter um ihn in die Tiefe, wie ein Stein, als er vor der Macht Gottes, die bei Äonstantinus war, den Rücken wandte und über den vor ihm befindlichen Fluß setzen wollte, über welchen er selbst eine Schiffbrücke, ein Mittel zu seinem Verderben, geschlagen hatte. Von ihm hätte man mit Recht sagen können: „Er hat >,eine Grube gegraben und bereitet und er wird selbst in die Grube fallen, „welche er gemacht hat. Sein Unglück wird auf sein eigenes Haupt kom- „men und auf seinen Scheitel wird seine Bosheit zurückfallen." (3) Denn die Schiffbrücke über den Fluß zerriß, der Uebergang stürzte zusammen und die Schiffe versanken plötzlich sammt den Menschen in der Tiefe und zwar der Erzgottlose zuerst, sodann auch seine Leibwächter, die er bei sich hatte, nach der Weissagung der heiligen Schrift: „Sie sind versunken, wie Blei „im großen Wasser." hä) Diejenigen, welche von Gott den Sieg erhalten hatten, konnten demnach mit Recht, nicht nur mit Worten, sondern in der That selbst das singen und sagen, was einst diejenigen, welche der große Diener Gottes, Moses, führte, gegen den ehemaligen gottlosen Tyrannen gesungen hatten: „Lasset uns dem Herrn singen, denn er hat sich „glorreich verherrlicht. Roß und Reiter hat er in das Meer gestürzt. Der „Herr ist mir ein Helfer und Beschützer gewesen zu meiner Rettung" und ferner: „Wer ist dir gleich unter den Göttern, Herr? Wer ist dir gleich? „Du bist verherrlicht durch die Heiligen, bewunderungswürdig durch deine „Herrlichkeit, du Wunderthäter." (5) Dieß und was demselben verwandt und ähnlich ist, sang KonstantinnS dem allwaltenden Gott, der ihm den Sieg verliehen, durch die That selbst und zog trinmphirend in Rom ein. Hier empfingen ihn Alle zusammen, die vom Senat, die übrigen Vornehmsten und das ganze römische Volk sammt Weibern und Kindern mit freude- (1) Nach Aurel. Victor rückte Maxcntius bis Saxa rubra, neun römische Meilen von der Stadt entfernt. (2) 2 B. Mos 15 , 4. 5. (Z) Psalm 7, 15. 1ö. Diese Schriftstcllc führt Eusebius an, weil, wie aus seinem Leben Konstantins 1, 38. deutlicher erhellt, er glaubte, Maxcntius habe diese Brücke, bei welcher man die eisernen Riegel oder Bänder wegnehmen konnte, und von welcher auch Aurel. Vitt. C. 4V. und Zosim. II. 15, S. 7. sprechen, bauen lassen, um die Person Konstantins zu verderben; allein es geschah mehr, um einem Theile des konstantinischen Heeres, falls er unvorsichtig andränge, dieses Schicksal zu bereiten, und den andern aufzuhalten. (4) 2 B. Mos. 15, 10. <51 2 B. Mos. 15, 1. 2. 11. Konstantinus n. Licinius. Jahr Christus 312. Melchiades. 323 vollem Blick und Herzen als einen Erlöser, Retter und Wohlthäter unter Freudenruf und unermeßlichem Frohlocken. Konstantinns aber, der gleichsam eine angeborne Frömmigkeit besaß, ließ sich weder durch dieses Geschrei im geringsten irre machen, noch durch die Lobeserhebungen aufblasen, sondern, sich der göttlichen Hülfe sehr wohl bewußt, befahl er alsbald, das Siegeszeichen des heilbringenden Kreuzes in die Hand seines Bildnisses zu setzen. Sie errichteten ihm dcßhalb an dem besuchtesten öffentlichen Platze der Stadt eine Bildsäule, das heilbringende Zeichen des Kreuzes in der rechten Hand, unter welche Konstantinus folgende Inschrift in lateinischer Sprache zu setzen befahl: Durch dieses heilbringende Zeichen, das wahre Zeichen des Muthes, habe ich eure Stadt von dein Joche des Tyrannen errettet und befreit, und dem rö mischen Sc nat undVolk mit der Freiheit seinen alten Glanz und die alte Herrlichkeit zurückgegeben. Hierauf suchten Konstantinus und mit ihm der Kaiser Licinius, der damals noch nicht, wie später, in Wahnsinn gefallen war, Gott, den Urheber alles Glücks, das ihnen widerfahren, sich geneigt zu machen und beide erließen einstimmig und gemeinschaftlich ein vollständiges und umfassendes Gesetz zu Gunsten der Christen und schickten dem Maximinus, der damals noch über die Provinzen im Oriente herrschte, und ihre Freundschaft zu erschmeicheln suchte, einen Bericht von den Wundern, die Gott an ihnen gethan, von dem Siege über den Tyrannen, so wie das Gesetz selbst zu. Diesen, als einen Tyrannen, schmerzten zwar die zugekommenen Nachrichten ungemein, allein da er nicht den Schein haben wollte, als bequeme er sich nach Andern, aber auch nicht den Befehl geheim halten, aus Furcht vor denen, die ihn gegeben, so erließ er nvthgedrnngen, wie aus eigener Bewegung, zuerst folgendes Schreiben an die ihm untergebenen Statthalter, worin er Dinge, die er niemals gethan hatte, zum Schein wider sich selbst erdichtete. Abschrift der Uebersetzung von dem Briefe des Tyrannen Maxi m i n u 6. „Iovius M aximinus Augustus dem Sabinu 6 seinen Gruß. „Ich habe die Ueberzeugung, daß es deiner Excellenz und allen Menschen begannt scyn wird, daß unsere Herrn und Väter Diokletianus undMaximia- „nnö, als sie sahen, wie alle Menschen die Verehrung der Götter verlassen „und der Christenpartei sich zugesellt, den ganz geeigneten Befehl gegeben „haben, daß alle Menschen, welche die Verehrung der unsterblichen Götter „aufgegeben haben, durch öffentliche Züchtigung und Strafe wieder zu ihrer „Verehrung zurückgebracht werden sollen. Allein wie ich zuerst mit gutem „Glücke in den Orient kam und bemerkte, daß an manchen Orten sehr viele „Leute, welche dem Staate nützlich seyn konnten, ans vvrgedachter Ursache „von den Nichtern verbannt worden, so gab ich allen und jedem derselben „den Befehl, daß für die Folge keiner von ihnen gewaltthätig gegen die Be- „wohner der Provinzen verfahren, sondern vielmehr dieselben durch Freund- „lichkeit und Ermahnungen zu dem Dienste der Götter zurückzubringen 32 sagt ausdrücklich, er sey eines natürlichen Todes gestorben, Zosimus (2, 13) nur, er sey gestorben, Aurelius Victor (Cap. 41) scheint einen gewaltsamen Tod anzunehmen. Laktanrius (üe moitid. perseout.) erzählt dasselbe, was Eusebius, setzt aber hinzu, Maximinus habe zuvor aus Verzweiflung Gift genommen, das, weil er sich vorher übersättigt, die gehoffte Wirkung nicht gcthan habe, aber im Körper zurückgeblieben sey und ihn in Raserei versetzt habe. „Ans dieß schlug er seinen Kopf gegen die Wand, bis ihm die Augen aus den Höhlen herausfielen, da er des Gesichtes beraubt war, sah er Gott, wie er mit weißgekleideten Engeln über ihn Gericht hielt. Nun rief er aus, wie Leute auf der Tortur, nicht er, sondern Andere haben es gethan, bat Christum häusig um Verzeihung und flehte ihn kläglich an, er möchte sich seiner erbarmen. KonstantiunS u. Licinius. Jahr Christus 313. MelchiadeS. 331 Eilstes Hauptstück. Von dem letzten Untergänge der Feinde der Religion. Nachdem mm Maximians, welcher von allen Feinden der Religion noch allein übrig, aber auch zugleich der ärgste gewesen war, ein solches Ende genommen hatte, so wurden die Kirchen durch die Gnade des allwaltenden Gottes von Grund aus neu aufgebaut und die Lehre Christi leuchtete zur Ehre des allmächtigen Gottes und gewann die frühere Freiheit in vollerem Maaße zurück, hingegen wurden die gottlosen Feinde der Religion mit der äußersten Schande und Schmach bedeckt. Denn zuerst wurde gerade jeuer Maximinus von den Kaisern für den ärgsten Feind erklärt und in öffentlichen Anschlägen der ruchloseste, verabscheuungswürdigste und gvtt- verhaßteste Tyrann genannt. Alle Gemälde, welche ihm und seinen Kindern zu Ehren (l.) in allen Städten aufgestellt waren , wurden theils von oben herunter auf den Boden geworfen und zerbrochen, theils wurden die Gesichter mit einer dunkeln Farbe überschwärzt und dadurch unkenntlich gemacht. Eben so wurden alle ihm zu Ehren errichteten Bildsäulen herunter geworfen und zerbrochen und waren Allen, welche ihren Muthwillen daran auslassen und sie beschimpfen wollten, als ein Gegenstand des Spottes und des Hohnes ausgesetzt. Hierauf wurden auch den andern Feinden der Religion alle ihre Würden genommen und Alle diejenigen von den Anhängern des Maximinus getvdtct, welche von ihm unter den Statthaltern vorzüglich waren geehrt worden und die, aus Schmeichelei gegen ihn wider unsere Religion mit Heftigkeit gewüthet hatten. Unter ihnen war Peuce- tius, (2) ein vor allen Andern von ihm bevorzugter und hochgeehrter Mann und sein bester Freund, den er zwei- und dreimal zum Konsul und zum Finanzminister gemacht hatte, deßgleichen Kulcianus, der ebenfalls alle obrigkeitlichen Aemter durchlaufen und sich auch durch unzählige Hinrichtungen der Christen in Aegypten einen großen Namen gemacht hatte, so wie noch viele Andere, durch welche hauptsächlich die Tyrannei des Maximums war bestärkt und gesteigert worden. Auch den Theoteknus forderte die göttliche Gerechtigkeit zur Strafe, welche keineswegs vergessen hatte, was er gegen die Christen verübt. Es hatte geschienen, daß ihm wegen der Aufrichtung des Bildes zu Antiochien das Glück lachte und er war von Maximinus schon mit einer Statthalterschaft belohnt worden. Als aber Licinius in die Stadt Antiochien kam, so ließ er die Zauberer aufsuchen und die Propheten und Priester des neu gemachten Götzenbildes auf die Folter bringen und sie befragen, auf welche Art sie ihren Betrug gespielt hätten- Da tck) Es ist bekannt, daß dicfi eine gewöhnliche Ehre war, die den Kaisern und ihrer Familie wicdcrfuhr. Ucbrigens erzählt Laktantius im 50stcn Hanptst. des angeführten Buchs, daß Maximinus zwei Kinder gehabt habe, einen Sohn von acht Jahren und eine Tochter von sieben Jahren. Ihre Mutter ließ Licinius in den Fluß Orontcs werfen. Stroth. (2) Rufinus nennt ihn Peuccdius; Walesius aber behauptet mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit, daß sein Name im Lateinischen Picentius geschrieben werden muffe. 2 Konstant inus u. Licinius. Jahr Christus Z1I. Melchiades. die Qualen der Folter ihnen Geständnisse erpreßten , so erklärten sie, daß das ganze Geheimnis; eine durch die Kunstgriffe des Theoteknus veranstaltete Betrügerei sey. Auf dieß verhängte Licinius die verdiente Strafe über Alle und ließ zuerst den Theoteknus und hierauf auch die Theilnehmer an seinem Gaukelspiel nach vielen Martern tvdten. Auf diese Alle folgten auch die Kinder des Maximinns, welche er bereits deS kaiserlichen Ranges und der Aufstellung in Gemälden und Abbildungen theilhaftig gemacht halte. Auch die Verwandten des Tyrannen, welche vormals voll Stolzes gewesen waren und es sich hatten beigeheu lassen, alle Menschen unterdrücken zu wollen, erhielten mit der größten Schmach dasselbe Schicksal, wie die oben Genannten. Denn sie hatten sich nicht weisen lassen, (1) noch hatten sie jene Ermahnung der heiligen Schrift eingesehen oder verstanden: „Verblaßt euch nicht auf Fürsten, auf Söhne der Menschen, bei welchen keine »Hülfe ist. Sein Geist wird ausgehen und wird zurückkehren in sein „Land. An demselben Tage werden alle ihre Anschläge zu Grunde „gehen."(2) Nachdem auf diese Weise alle Gottlosen ans dem Wege geräumt waren, so behielten Konstautinns und Licinius die ihnen gebührende Herrschaft allein, in aller Sicherheit und unangefochten. Diese legten nach Wegschaffung aller Gottlosigkeit, das ihnen von Gott erzeigten Guten eingedenk, ihre Liebe zur Tugend und zu Gott, ihre Verehrung desselben und ihre Dankbarkeit gegen ihn durch die zu Gunsten der Christen erlassenen Gesetze an den Tag. Ende de« neunten Buches. Zehntes B m G» Erstes Haupt st ü ck. Von dem Frieden, den uns Gott verschafft hat. Gott, dem Allherrscher und Könige des Weltalls sey nb e r A lles Da n k dargebracht; der größte Dank aber auch unserem Erlöser und dem Erretter unserer Seelen, Jesus Christus, durch welchen wir bitten, daß der Friede fest und unerschüttert und frei von äußerlichen Stürmen, so wie von Stürmen der Seele immerdar erhalten werden (1) Eine Anspielung auf Psalm 2, tv. (2) Psalm t4S, 3. 4. Konstantiuns u. Liciuius. Jahr Christus 315. Melchmdes. möge. Da ich auf dein Verlangen, heiligster Paulinus, (l) das zehnte Buch den vorangegangenen Büchern der Kirchengcschichte angereiht habe, so will ich dir dasselbe zuschreiben und dich, so zu sagen, zum Siegel des ganzen Werkes erklären. Mit Recht werden wir hier auch eine vollständige feierliche Rede Von d e r Wie d e r e rn e n e r n n g derKirchen als einen ordentlichen Theil mit einrücken, gehorsam dem Befehle des heiligen Geistes, der also lautet, (2) „Singet dem Herrn ein neues Lied, „denn er hat Wunder gewirkt, Es hat ihn errettet seine Rechte und „sein heiliger Arm. Der Herr hat seine Rettung bekannt gemacht, vor „den Heiden hat er seine Gerechtigkeit geoffenbarct.« Und allerdings wollen wir jetzt jenem Ausspruche gemäß, welcher ein neues Lied zu singen gebietet, ein solches anstimmen, da wir nun nach jenen schrecklichen und düstern Schauspielen und Erzählungen das zu sehen und zu feiern gewürdigt worden sind, was viele wirklich gerechte Männer und Märtyrer Gottes vor uns auf der Erde zu schauen gewünscht haben und doch nicht schauten und zu hören und doch nicht hörten. (Z) Doch diese, die so schnell vorangeeilt, sind eines viel besseren Looses theilhaftig geworden, indem sie in den Himmel selbst und in das Paradies der göttlichen Wonne verseht wurden;.wir aber müssen bekennen, daß auch dieses unser Glück größer ist, als wir verdient haben und können nicht genug erstaunen über die Gnade dessen, der uns dieses große Geschenk gegeben hat; wir bewundern und verehren ihn, wie es sich gebührt, mit ganzer Seele und bezeugen die Wahrheit der in der heiligen Schrift enthaltenen Weissagungen, worin es heißt: (4) „Kommt her und schaut die Werke Gottes, die Wunder, die er gethan hat auf Erden. Er hat die Kriege „beigelegt bis an das Ende der Erde. Er wird den Bogen zerbrechen, „die Waffen zerschlagen und die Schilde mitt Feuer verbrennen.« Da dieß Alles in Betreff unserer deutlich in Erfüllung gegangen ist, so wollen wir voll Freude darüber unsere Erzählung weiter.fortführen. Die ganze Partei der Feinde Gottes war nun auf die angegebene Weise ausgerottet und dem Blicke der Menschen so plötzlich entzogen, daß wiederum ein göttlicher Ausspruch in Erfüllung ging, welcher also lautet: (5) „Ich habe den Gottlosen über die Maßen erhöht gesehen und hoch er- „haben, wie die Cedern des Libanon. Und ich ging vorüber und siehe, „er war nicht mehr. Ich suchte seinen Ort und er ward nicht gefunden." Fortan leuchtete nun schon ein heiterer, Heller Tag, von keinem Gewölke (t) Dieser Paulinus war anfänglich Presbyter zu Antiochien, darauf wurde er Bischof zu Tyrus, welches Amt er mit Ruhm verwaltete. Nach der Absetzung des Eusta- hius wurde er als Bischof »ach Antiochien berufen, wie wir aus dem vierten Kap. der Schrift des Eusebius wieder dem Marcellus sehen. Philostorgius meldet im töten Kap. Zes dritten Buchs, daß er dieß Amt nur sechs Monate lang bekleidet und darauf gestorben sey. Sein Tod ist also in das Jahr 328 zu setzen. Valcsius. (2) Psalm 93, I. 2. (3) Anspielung auf Matth. t3, 17. (4) Psalm 46, 8. 9. (5) Psalm 37, 35. 36. 334 Konstanrinus u. Licinius. Jahr Christus 313. Melchiades- gotrübt, mit den Strahlen himmlischen Lichtes den Gemeinden Christi auf der ganzen Erde und selbst diejenigen, welche außer unserer Gesellschaft (1) waren, konnten mit uns desselben Genusses, oder doch wenigstens eines Abflusses und eines Theils der uns von Gott geschenkten Guter theilhaftig werden. Iweites Hauptstück. Von der Wicdcraufbauung der Kirchen. Alle Menschen waren nun von der drückenden Herrschaft der Tyrannen erlöst, und, von den früher» Leiden befreit, bekannte ein Jeder auf seine Art, daß der Beschützer der Frommender allein wahre Gott sey. Wornämlich aber waren wir, die wir auf den Christ GotteS unsere Hoffnungen gesetzt hatten, voll einer unaussprechlichen Heiterkeit und in Allen wohnte eine gewisse göttliche Freude, da wir sahen, daß alle Oerter, die noch vor Kurzem durch die Gottlosigkeit der Tyrannen in einen Trümmerhaufen verwandelt worden waren, wie nach einem langen, tödtlichen Verderben wieder auflebten und daß die Tempel wieder von Grund aus bis zu einer erstaunlichen Höhe aufgebaut wurden und einen weit größern Glanz erhielten, als die früher zerstörten gehabt hatten. Allein auch die höchsten Machthaber selbst sicherten uns durch eine Reihe zu Gunsten der Christen erlassenen Gesetze noch mehr die uns von Gott erwiesene hohe Gnade. Au die Bischöfe gelangten, persönlich von dem Kaiser, Schreiben, so wie Würden und Geschenke an Geld. Es dürfte nicht unpassend seyn, diese Schreiben, ans dem Lateinischen in das Griechische übersetzt, an seinem Orte dieser unserer Geschichte, als einem heiligen Denkmale einzuverleiben, damit sie auch zur Kenntniß der Nachwelt gelangen. Drittes Hanptstnck. Von den aller Orten gehaltenen Kirchweihuiigcn. Hieraus stellte sich ein uns Allen Erwünschtes und ersehntes Schauspiel dar. In allen Städten waren Einweihungsfeierlichkeiten, Weihungcn der so eben neuerbanten Gotteshäuser, zahlreiche Versammlungen der Bischöfe, Zusammenströmen von Leuten ans fernen, fremden Ländern, gegenseitig (t) Es scheint, daß hierunter nicht bloß die Heiden zu verstehen sind, welche sonst gewöhnlich ol eEcockku genannt werden; vielmehr gibt der Zusatz rss ?sst«5 -ckrsterö zu erkennen, daß hierunter auch die Juden und die abgesonderten christlichen Parteien gedacht werden müssen, wie es auch die Sache selbst erfordert. Denn das Gleiche, was sie zu genießen hatten, war die Religionsfreiheit, welche nach dem erstcrn Edikt des Konstan- rinus Allen crtheilt wurde, wie aus dem im fünften Hauptst. angcftihrtrn Edikt erhellt. Stroth. Kvustiiutiuus u. Li'ciuiuö. Jahr Christus 313. Melchiades. war die Liebe eines Volks gegen das andere, denn sie versammelten sich als Glieder des Leibes Christi zu Einem Ganzen. Es wurde nun nach der Weistagung des Propheten, welche das Zukünftige auf eine mystische Art voraussagt, (2) Gebein an Gebein, und Fuge an Fuge gefügt und was sonst noch diese prophetische Stelle in dunkeln Worten untrüglich vorhersagte. Es zeigte sich die Eine Kraft und Macht des göttlichen Geistes, welche aste Glieder durchdrang. Ein Herz und Ein Sinn Aller, ein und derselbe Glau» beuseifer, Ein übereinstimmendes Lob der Gottheit aus Aller Munde. Die Bischöfe verrichteten den Gottesdienst und die Priester ihre priesterlichen Verrichtungen auf das Vollkommenste. Hehre Gebräuche wurden in den Kirchen beobachtet, theils durch Psalmensingen und Anhören des uns von Gott gegebenen Worts, theils durch Verrichtung mystischer, heiliger Dienste, (2) und die geheimuißvollen Zeichen des Leidens unsers Erlösers (5) wurden anSgetheilt. Zugleich verehrten Menschen jeglichen Alters und Geschlechts ans voller Sinneskraft mit freudigem Herzen und Gemüth Gott, den Geber alles Guten, durch Gebet und Danksagung. Es hielt auch jeder von den anwesenden Bischöfen eine feierliche Rede und suchte nach bestem Vermögen die Feierlichkeit zu verherrlichen. Viertes H n i. p t st ü ck. Festrede über unsere glücklichen Verhältnisse. Es trat auch ein Mann von mittelmäßigen Talenten (ä) auf, welcher eine Rede verfertigt hatte, und hielt dieselbe in Gegenwart sehr vieler als zu einer Kirchenfeierlichkeit versammelten Bischöfe, welche mit Stille und Anstand zuhörten. Er wandte sich dabei gegen einen ganz vortrefflichen und gottseligen Bischof, (5) durch dessen Bemühungen der Tempel zu Tyrus, der bei weitem schönste in ganz Phönicien, auf das Herrlichste erbaut zu Stande gekommen war. Festrede auf die Aufbauung der Kirchen, gesprochen von Paulinus, Bischvf zu Tyrus. (6) (1) Ezechiel 37, 7. (2) Darunter scheinen die von den Diakonen, Presbytern und Bischöfen vor und während des Abendmahls verrichteten Handlungen zu verstehen zu seyn. Srroth will den Ausdruck bloß auf die Verrichtungen der Diakonen bei dieser heiligen Handlung beschränkt wissen und sucht seine Behauptung durch die Bemerkung zu unterstützen, daß die Verrichtungen der Diakonen um diese Zeit, außerdem, daß sie Wittwen und Arme zu besorgen hatten, theils in Singen, theils in Austhcilung des heiligen Abendmahls bestanden, welches sie jedoch nicht konsckrirtcn, sondern dieses that der Priester. (3) Darunter dürfte wohl eher mit mehreren Neucrn das Abendmahl, als, wie einige Aeltcre wollen, die Taufe zu verstehen seyn. (4l Es ist die höchste Wahrscheinlichkeit, ja, so gut als gewiß, daß dicß Eusebius selbst gewesen. Seine Freundschaft mir dem Paulinus, dem die Rede, so wie das ganze Buch, zugeeignet ist, seine Schreibart, die in der Rede herrscht, die Art, wie er sich über den Redner ausdrückt und endlich die Einrückung der Rede selbst, lassen uns nicht daran zweifeln. Stroth. (5) Nämlich gegen den Paulinus, der damals Bischof von Turus war. (6) Diese Festrede ist das älteste, »och vorhandene Dokument solcher Kasualredcn. 33« Konstantinns u. Licinins. Jahr Christus 515. Melchiades. „Ihr Freunde Gottes und Priester, die ihr angethan seyd mit dem „heiligen Tatar, geschmückt mit der himmlischen Krone der Herrlichkeit, „gesalbt mit dem göttlichen Oele und bekleidet mit dem Priestergewande „deö heiligen Geistes und du, Ruhm und Ehre dieses neuen, heiligen „Gottestempels, der du von Gott mit der Einsicht des Alters begabt bist, „der du aber treffliche Werke und Thaten einer jugendlichen, kräftigen Tugend „vollbracht hast, du, dem der die ganze Welt umfassende Gott selbst „die ausnehmende Ehre verliehen hat, Christo, seinem eingeboruen und „erstgebornen Wort und seiner heiligen, gottgcziemenden Braut diese „irdische Wohnung zu bauen und zu erneuern, weßhalb man dich denn „nun einen neuen Bezaleel(l) nennen mag, der die Hütte des Herrn ver- „fertigt hat, oder einen Salomo, den König eines neuen, viel herrli- „cheren Jerusalems oder auch einen neuen Zorvbabel, der den Tempel des „Herrn mit einem weit herrlicheren Glänze, denn der frühere hatte, um- „geben hat, so wie ihr, Schaase der heiligen Heerde Christi, Sin „tugendvoller Reden, Schule der Sittsamkeit, würdige und gottselige „Zuhörer der Religion: längst zwar konnten wir, die wir von den „erstaunenswerthen Zeichen Gottes und den wundervollen Wohlthaten „des Herrn gegen die Menschen durch Lesung der heiligen Schrift „Kunde erhalten haben und belehrt waren, Lobgesänge und Lieder „zu Gott emporsenden und sprechen: (2) „Gott, wir haben es gehört „mit unfern Ohren. Unsere Vater haben es uns erzählt das Werk, „das du gethan hast in ihren Tagen, in den Tagen der Vorzeit;" jetzt „aber, da wir nicht mehr bloß durch Hörensagen und Gerüchte den „gewaltigen Arm und die himmlische Rechte unsers allgütigen Gottes und „Königes der Könige kennen lernen, sondern wirklich gewissermaßen mit „unfern eigenen Augen sehen, daß das, was in allen Zeiten aufgezeichnet worden, zuverläßig und wahr ist, können wir ein zweites Sie- „geslied singen und mit lauter Stimme die Worte ausrufen: (5) „Wie „wir es gehört haben, also haben wir es auch gesehen in der Stadt „des Herrn der Kräfte, in der Stadt unseres Gottes." Und was könnte „dieß für eine Stadt anders seyn, als eben diese neuerrichtcte und von „Gott gebaute, welche ist die Kirche des lebendigen Gottes, der Pfeiler „und die Grundfeste der Wahrheit, von welcher ein anderer göttlicher „Ausspruch also lautet: (4) „Herrliches wird von dir geredet, du Stadt „Gottes." Da uns in diese der allgütige Gott durch die Gnade seines „Eingeboruen versammelt hat, so singe jeder der Gerufenen mit lauter „Stimme und spreche: (5) „Ich freue mich über diejenigen, welche mir „gesagt haben, wir wollen in das Haus des Herrn wandeln," und (N Man sehe zweites Buch Mösts 3t, 2. > 2) Psalm 44, t. <3) Psalm 47, ö. (4) Psalm 87, 3. «5) Psalm 122, t. Konstantinus u. Lioinius. Jahr Christus 315. MelchiadeS. 337 „wiederum:(1) „Herr, ich habe lieb die Pracht deines HauseS und die „Stätte der Wohnung deiner Herrlichkeit." Und nicht bloß ein jeder einzeln für sich, sondern alle auf einmal laßt uns einstimmig und „einmüthiglich ihn preisen, aufjauchzen und sprechen: „Groß ist der „Herr und hvchgelobt in der Stadt unseres Gottes, auf seinem heiligen „Berg. (2) Denn er ist wahrhaftig groß und groß sein Haus, hoch „und lang und schon vor den Söhnen der Menschen. Groß ist der „Herr, der allein Wunder thut. Groß ist er, der Großes und Uncr- ,,forschliches thnt, Herrliches und Erstaunliches, dessen keine Zahl(3) „ist. Groß ist er, der die Zeiten und Stunden verändert, der Könige „einseht und absetzt, (ä) der den Dürftigen aufrichtet von der Erde und „den Armen erhöht aus dem Kothe.(5) Er stürzt Fürsten von ihren „Thronen und erhebt Schwache von der Erde. Er überhäuft die Hungrigen mit Gütern und zerbricht den Arm der Uebermüthigen. (6) Und „so hat er nicht bloß den Gläubigen, sondern auch den Ungläubigen „die Ucberlieferung des Alterthums bewahrheitet, er, der Wunderthäter, „der Großthäter, der Herr über Alles, der Schöpfer der ganzen Welt, „der Allgewaltige, der Allgütige, der einzige und alleinige Gott, ihm „laßt uns das neue Lied singen und in Gedanken hinzusetzen: „Ihm, „der allein Wunder thut; denn seine Güte währet ewiglich, (7) ihm, „der große Könige schlägt und gewaltige Könige tödtet; denn seine Güte „währet ewiglich. (8) Er gedachte an uns in unserer Erniedrigung und „erlösete unö von nnsern Feinden. (9) Laßt uns nie aufhören, den „Allvater laut zu preisen. Aber auch den laßt unö immer mit unserem „Munde ehren, der die zweite Ursache unseres Glückes ist, der uns zur „Gottcserkenntniß einleitet, den Lehrer der wahren Religion, den Verdichter der Gottlosen, den Tyranncntödter, den Sittenverbesserer, Je- „sum, der unser Heiland ist, die wir ohne Hoffnung waren. Denn er „allein hat als der einzige, allgütigs Sohn eines allgütigen Vaters, „dem Willen seines menschenliebenden Vaters gehorchend, mit großer „Bereitwilligkeit die Natur von uns, die wir unten im Verderben lagen, „angenommen, wie ein trefflicher Arzt der Rettung der Kranken wegen „die Ucbel untersucht, Eckelhastes berührt, bei fremden Leiden selbst „Schmerzen empfunden und uns, die wir nicht bloß krank waren, nicht „.bloß an schmerzhaften Geschwüren und eiternden Wunden litten, son- „dern bereits bei den Todten lagen, selbst aus den Schlünden des To- „dcs durch sich selbst errettet, da kein anderer himmlischer Geist so viele (1) Psalm 26, 8. (2) Psalm 48, t. (3) Hieb 9, 19. (4) Daniel 2, 2l. (5) Psalm 113, 7. l61 Luk. 1, 52. 53. (71 Psalm 136, 4. (8) Psalm 135, 17. 18. (9) Psalm 135, 23. 24. Eusebius Kirchcngeschichte. 22 Konstantmus u. Licinius. Jahr Christus 515. Melchiades. »Gewalt besaß, daß er ohne Nachtheil die Rettung so vieler Menschen „hatte bewerkstelligen können. Er war demnach der Einzige, welcher „unser tiefliegendes Verderben berührte, der Einzige, welcher unsere „Leiden ertrug, der Einzige, welcher die Strafe für unsere Sünden auf »sich nahm, welcher uns, die wir nicht erst halb todt waren, sondern »bereits verwesend und einen häßlichen Geruch verbreitend in den Grä- »bern lagen, uns ehemals und jetzt durch seine menschenfreundliche Sorge „stärkte, ganz gegen unsere eigene Hoffnung und Erwartung rettete, »und uns der Güter seines Vaters im Ueberflnsse theilhaftig machte, »er, der Lebensgeber, der Lichlspender, unser großer Arzt, König und »Herr, der Christ Gottes. Jndeß damals, als das ganze Meuschenge- „schlecht durch die Verführung abscheulicher Dämonen und die Wirksamkeit gotthassender Geister in dunkler Nacht und tiefer Finsternis; vergraben lag, genügte schon seine einmalige Erscheinung, um die festen Bande „unserer Sünden wie Wachs, das von den Strahlen der Sonne schmilzt, „zu lösen. Jetzt aber, da der das Gute hassende Neid und der daS »Böse liebende Teufel wegen dieser so hohen Gnade und Wohlthat fast „zerbarst und seine ganze todbringende Macht wider uns zu Felde »ziehen und zuerst, gleich einem tollen Hunde, welcher die gegen ihn »geworfenen Steine mit den Zähnen anfaßt und seine Wuth gegen die »ihn Abtreibenden an den gegen ihn geschleuderten leblosen Gegenständen „ausläßt, seinen thierischen Zorn die Steine der Kirche und die leblosen „Materialien der Gebäude entgelten ließ und die Kirchen, wie er wenig- „stens wähnte, verödete, sodann sein schreckliches Gezisch und seine „Schlangenlaute bald in den Drohungen der gottlosen Tyrannen, bald „in den verleumderischen Verordnungen ruchloser Statthalter hören ließ „und noch dazu seinen Tod ausspie und mit mörderischem und seelcn- „verdcrbendem Gift die von ihm ergriffenen Seelen vergiftete und beinahe durch die todbringenden Opfer todtcr Götzenbilder tödtete, zuletzt »aber noch jedes wilde Thier und jegliches Ungeheuer in Menschengestalt „wider uns hetzte, erschien wiederum plötzlich und unerwartet nach einer »hinreichenden Uebung, welche die bravsten Streiter seines Reichs durch „ihre Beharrlichkeit und Standhaftigkeit in jeder Beziehung bewiesen „hatten, der Engel des großen Raths, der große Schaarenführer Gottes, „vertilgte alle seine Widersacher und Feinde und machte sie zu nichts, „so daß man glauben könnte, daß nicht einmal ihr Name je da gewesen „sey; seine Freunde und Angehörigen aber erhnb er nicht nur bei allen »Menschen, sondern sogar bei den Mächten des Himmels, bei Sonne, „Mond und Sternen und bei dem ganzen Himmel und der ganzen Welt »über alle Herrlichkeit, so daß nun, was noch nie sonst geschehen ist, „die obersten Machthaber im Bewußtseyn der von ihm erhaltenen Würde »den todten Götzenbildern in das Gesicht speien, die gottlosen Gebräuche „bei Verehrung der Dämonen mit Füßen treten und über den allen »ihnen von ihren Vätern überlieferten Jrrthum lachen und nur einen Konstantinus u. Llcim'us. Jahr Christus 515. Mclchiades. 339 „einzigen Gott ehren und aller Menschen gemeinschaftlichen Wohlthäter „anerkennen, Christus als Gottes Sohn und Konig über Alles erkennen, „ihn an Säulen Retter nennen und seine Grvßthaten und Siege über die „Gottlosen mitten in der welthcrrschenden Stadt mit kaiserlichen Buchstaben „zum unvergänglichen Andenken aufzeichnen, so daß unter Allen von Ewigkeit her Christus, unser Erlöser, allein auch von den auf Erden am Hochelsten Stehenden nicht als ein gewöhnlicher, von Menschen herstammender „König anerkannt, sondern als echter Sohn des allmächtigen Gottes und „selbst Gott angebetet wird. Und dieß mit Recht. Denn welcher König „hat sich je einen so hohen Ruhm erworben, daß sein Name von allen Zun- „gcn erschallt wäre, in allen Ohren getönt hätte? Welcher König hat so „fromme und so weise Gesetze gegeben, daß er es dahin gebracht hätte, daß „sie von einem Ende der Welt bis an das andere, so weit man hören kann, „von allen Menschen fortwährend gelesen worden wären? Welcher hat die „barbarischen und rohen Sitten wilder Völker durch seine milden und menschenfreundlichen Gesetze verdrängt ? Wer hat, ganze Jahrhunderte hindurch „von Allen bekriegt, eine solche übermenschliche Tapferkeit gezeigt', daß er „täglich noch blüht und immerdar jung bleibt? Wer hat ein Volk, das vor- „dem nicht einmal dem 'Namen nach bekannt war, sondern über die ganze „Erde hin, so weit die Svune scheint, nicht einmal in einem verborgenen „Winkel der Erde, gegründet? Wer hat seine Krieger mit den Waffen der „Frömmigkeit dergestalt verwahrt, daß sich ihre Seelen in den Kämpfen „gegen die Widersacher fester als Diamant erwiesen ? Welcher König herrscht „nachstciuem Tode so gewaltiglich und führt Heere an, errichtet Siegeszei- „chen über seine Feinde und füllt jeglichen Ort, jegliches Land und jegliche „Stadt, unter den Griechen, wie bei den Barbaren, mit seinen königlichen „Palästen und mit den Weihgeschcnken heiliger Tempel an, dergleichen hier „die wunderschönen Zierrathen und Weihgeschenke dieses Tempels sind, „welche schon an und für sich wahrhaft majestätisch und großartig, erstan- „nens- und bewunderungswürdig und wahrhaft sprechende Beweise des „Reiches Christi sind ? Denn auch jetzt hat er gesprochen und es ist geschehen, ^er hat geboten und es ist dagestanden, (t) Denn was wäre auch im Stande „gewesen, dem Winke des Wortes, das der König aller Könige, der oberste „Fürst und selbst Gott ist, sich zu widersetzen? Doch, um dieß näher zu „betrachten und zu erklären, würde es eines besondern Vortrages bedürfen, „so wie auch, um zu beschreiben, wie groß der Eifer derjenigen gewesen, „welche an diesem Baue arbeiteten und wie hoch der von uns als Gott Ge- „priescne ihn anschlägt, er, der in den lebendigen Tempel, den wir selbst „ausmachen, hineinsieht und in das aus lebendigen, starken Steinen gebaute „HauS hineinschaut, dessen guten und festen Grund die Apostel und Pro- „pheten bilden und dessen Eckstein Jcsus Christus selbst ist, welchen zwar „nichr bloß die Baumeister jenes alten, jetzt nicht mehr bestehenden, sondern (t) Psalm 33, S. 33^ 340 KonstantinnS u. Licinius. Jahr Christus 315. Melchiades. „auch die des jetzigen Baues als schlechte Baumeister schlechter Werke ver. „morsen haben, welchen aber der Bater nicht nur damals, sondern anch „jetzt als bemährt erkannt und zum Eckstein dieser unserer neuen Kirche „gesellt hat. Dieser lebendige Tempel des lebendigen Gottes nun, den mir „selbst ausmachen — ich meine jenen größten, Gottes mahrhaft würdigen „Tempel, dessen innerstes Heiligthum den Blicken der Menge entzogen und „mahrhaft heilig und das Heligthum der Heiligen ist — wer mochte, wenn „er ihn geschaut hat, es wagen, etwas von ihm auszusagen? Wer anders „vermochte aber auch nur einen Blick hineinzuwerfen in den heiligen Bezirk, „als allein der größte Hohepriester Aller, welchem allein die Geheimnisse „jeder vernünftigen Seele zu erforschen gestattet ist? Doch vielleicht ist auch „noch einem Andern, der den zweiten Platz nach diesem einnimmt, dasselbe „vergönnt, nämlich dem Anführer dieser Schaar, welchen der oberste Hohe» „priester selbst mit der zweiten Stelle des Priesterthums allhier beehrt, den „Hirten eurer göttlichen Heerde, welcher durch die Wahl und das Urthcil „des Vaters euer Volk überkommen und welchen er sich als seinen Diener „und Dolmetscher verordnet hat, dem neuen Aaron oder Melchisedek, welcher „dem Sohne Gottes ähnlich geworden ist, indem er immer bleibt und durch „euer aller gemeinschaftliches Gebet von ihm erhalten wird. Ihm allein „nun scy es nach jenem ersten, obersten Priester erlaubt, wo nicht die erste, „doch die zweite Stelle in der Aufsicht und Beobachtung des Innern eurer „Seele einzunehmen, ihm, der durch Erfahrung und durch die Länge der „Zeit Jeden von euch genau erforscht, durch seinen Eifer und seine Sorgfalt „euch Alle in der Zucht und in der Religion unterwiesen hat und mehr als „jeder Andere im Stande ist, von dem, was er mit göttlicher Hülfe vollbracht hat, auf eine der That entsprechende Weise Rechenschaft zu geben. „Unser erster und größter Hoherpriester nun, der Sohn, thut Alles, was „er den Vater thun sieht, auf gleiche Weise, wie dieser. (1) Dieser aber, „gleichfalls auf ihn als auf den ersten Lehrer mit den ungetrübten Augen „des Verstandes hinblickend, betrachtet Alles, was er ihn thun sieht, als „ein Urbild und brachte ein so viel möglich ähnliches Nachbild davon zu „Stande, in nichts jenem Beseliel nachstehend, welchen Gott selbst mit dem „Geiste der Weisheit, Einsicht und den übrigen künstlerischen Kenntnissen „und Eigenschaften erfüllt(2) und zum Nachbildner himmlischer Urformen „des Tempels berufen hat. Da nun auch dieser auf dieselbe Weise ein „Bild von dem ganzen Christus, welcher ist das Wort, die Weisheit und „das Licht, in seinem Herzen trug, so ist eö unbeschreiblich, mit welch einem „hohen Sinne, mit welch reicher und verschwenderischer Hand des Geistes „und mit welcher Freigebigkeit von eurer Seite, die ihr von dem edlen „Wetteifer beseelt wäret, in Betreff freigebiger Beiträge nicht hinter seinem „Vorsätze zu bleiben, er diesen herrlichen Tempel des höchsten Gottes, wel- „cher sichtbar ist, nach dem Vorbilde dessen, welcher unsichtbar ist, in hoher (1) Joh. 5, 19. (2) Nach 2 Mos. 31, 3. Konstantinus n. Licinius. Jahr Christus 3t 5. Melchiades. Z41 „Aehnlichkeit hingestellt hat. Vor allen andern schenkte er diesem Orte >,— denn anch davon muß gesprochen werden — welcher dnrch die Hinterlist »unserer Feinde mit Unreinigkeiten jeder Art überschüttet war, seine Aufmerksamkeit und gab der Bosheit derer, die Schuld daran waren, keineswegs nach, sondern er machte, wiewohl er bei der großen Menge von „Plätzen in unserer Stadt einen andern hätte wählen und Erleichterung „in Hinsicht der Arbeit finden und sich von mancher Mühe befreien können, „sich zuerst selbst an das Werk, sodann stärkte er das ganze Volk mit großer „Freudigkeit, sammelte ans der ganzen Menge Eine große Schaar und „kämpfte den ersten Kampf, es für billig haltend, daß gerade diejenige „Kirche, welche von den Feinden bestürmt worden war, welche zuerst zu „leiden gehabt, welche dieselben Verfolgungen, wie wir, und noch vor unö „ausgestanden und einer Mutter gleich ihre Kinder verloren hatte, auch an „der großen Gnade des Allgütigen vor allen andern Theil nehme. Denn „nachdem der große Hirte die reißenden Thiere, die Wolfe und alle grausamen und wilden Bestien verjagt und, wie die beilige Schrift sagt,(1) „die Zähne der Löwen zermalmt hatte, so wollte er, daß ihre Kinder wiederum „an Einem Punkt zusammenkommen und richtete, wie es billig war, einen „Stall für die Heerde auf, um den Feind und den Nachgierigen zu beschämen (2) und um das gottfeindliche Unterfangen der Gottlosen in seiner „vollen Blöße hinzustellen. Und jetzt ist es aus mit den Gottverhaßten, „da sie schon vorher nichts waren. Nachdem sie eine kurze Zeit geschreckt „hatten und geschreckt worden waren, erlitten sie die wohlverdiente Strafe „und richteten sich selbst, ihre Freunde und ihre Familien völlig zu Grunde, „so daß die ehedem in die Tafeln der heiligen Schrift eingegrabenen Weissagungen sich durch den Erfolg als wahr erwiesen, in welchen das göttliche „Wort sowohl andere Wahrheiten enthält, als auch namentlich Folgendes „in Betreff ihrer spricht:(Z) „Die Sünder haben das Schwert gezogen, sie „haben ihren Bogen gespannt, um den Armen und Dürftigen niederzuwerfen, und zu erwürgen diejenigen, die geraden Herzens sind. Ihr Schwert „möge ihnen in das Herz dringen und ihr Geschoß zerbrochen werden." Und „wiederum: »Ihr Andenken ist verschwunden mit ihrem Schall und du hast „ihren Namen ausgelöscht für die Ewigkeit und für die Ewigkeit der Ewigfeiten, (ä) Denn da sie im Unglück waren, haben sie geschrien, und es „war Keiner, der sie rettete, sie haben zum Herrn geschrien und er erhörte „sie nicht. (V) Sie sind gebunden worden und sind gefallen, wir aber sind ..aufgestanden und haben unö aufgerichtet." Auch das, was in den Worten: „Herr, in deiner Stadt wirst du ihre Bildnisse verächtlich machen,"(ö) „vorausgesagt ist, hat sich vor Aller Augen als wahr erwiesen. Ein solches (1) Psalm 58, 6. (2) Psalm 8, 3. (3) Psalm 37, 14. 15. (4) Psalm 9, 5. 6. (5) Psalm 18, 42. (6) Psalm 73, 2V. 342 Konstautiuus u. Licinius. Jahr ChristuS 315. Melchiades. „Lebensende nun haben diejenigen, welche, den Giganten gleich, einen „Kampf gegen Gott erhoben hatten, genommen. Der Kirche aber, welche „verlassen und von Menschen für verloren gehalten war, ward für ihre „Ausdauer im Glauben das jetzige Glück zu Theil, so daß folgende „Weissagung des Jesaias(t) auf sie Beziehung hat: „Freue dich, durstige „Wüste, jauchze Wüste, und blühe, wie eine Lilie! Die Wüsten werden „blühen und jauchzen. Werdet stark, ihr müden Hände und ihr schlaffen Knie. „Tröstet euch, ihr Kleinmüthigen, seyd stark, fürchtet euch nicht. Siehe, „Gott vergilt und wird vergelten, er wird selbst kommen und euch erretten. Denn es ist, heißt es, in der Wüste Wasser hervorgebrochen „und eine Kluft hat sich aufgethan im durstigen Lande. Und das was- „serlose Land wird sich in See'» verwandeln und die Wasserguclte in „dürstendes Land'" Und diese in Worten vorausgesagte Prvphezeihung „ist in der heiligen Schrift niedergelegt worden; allein ihre Erfüllung „selbst haben wir nicht mehr durch Höreusagen, sondern durch die That „selbst erfahren. Diese wasserlose Wüste, diese hülflvse Wittwe, „deren „Pforten sie, wie in einem holzreichen Walde, mit Aexteu einschlugen, „mit Beilen und Jimmcräxten zerbrachen, deren Bücher vertilgend, sie „das Heiligthum Gottes mit Feuer verbrannten, das Zelt seines Na- „mens entweihten , (2) welche Alle, die vorübergingen , nachdem sie vor- „her ihren Zaun zerbrochen hatten, aberndteten, welche ein wildes „Schwein vom Walde verheerte und ein wildes Thier abfraß,(?) ist »nun, sobald es Christo gefallen hat, durch seine wunderbare Kraft ge- „worden gleich einer Lilie. Denn auch damals erfuhr sie auf seineu „Wink, als den eines sürsorgenden VaterS, Züchtigungen. Denn welchen „der Herr lieb hat, den züchtiget er; er schlägt jeden Sohn, den er „ausnimmt." (4) Nachdem sie aber mit Maß und, so weit es nöthig war, „gezüchtiget war, so kam ihr von oben herab das Gebot, von Neuem „sich zu freuen, und sie blühte auf, wie eine Lilie und duftete mit göttlichem Wohlgeruch alle Menschen au, denn es brach, wie es in der „Schrift heißt, Wasser hervor in der Wüste, die Quelle der göttlichen „Wiedergeburt durch das heilige Bad. Und jetzt ist das, was kurz „vorher noch Wüste gewesen, zu einem See geworden, auf das durstige „Land sprudelte eine Quelle lebendigen Wassers und die Hände, welche „vorher müde gewesen, sind in Wahrheit stark geworden und große und „sprechende Beweise der Stärke dieser Hände sind hier die Werke vor „euren Augen. Aber auch die Knie, welche einst schwach und schlaff „gewesen, haben ihre Fähigkeit, zu gehen, zurück erlangt und wandeln „den Weg zur Gotteserkenntniß gerade fort, zur Heerde des allgütigen „Hirten hineilend. Wenn aber auch Einige bei den Drohungen der (1) Jes. 35, t. 2. 3. 4. 6. 7. (2) Psalm 74, 6. 7. (3) Psalm 80, 12. 13. (4) Hcbc. 12, ß. KvnstantinnS n. LiciniuS. Jahr Christus 315. Melchiadeö. A Uj „Tyrannen in ihren Seelen erstarrten, so laßt sogar diese das seligma- „chende Wort Gottes nicht ohne Pflege und übersieht sie nicht, sondern es „heilt sie mit liebender Sorgfalt und fordert sie zu Empfangnng der „Tröstungen Gottes auf mit den Worten: Tröstet euch, ihr Kleinmü- „thigen, seyd stark, fürchtet euch nicht. Nachdem unser neuer trefflicher „Jorobabel mit den scharfen Ohren des Verstandes das weissagende „Wort gehört hatte, daß diejenige, welche wegen Gott öde wurde, dieses „Glückes genießen solle, so ließ er nach jener herben Gefangenschaft und „dem Grunde der Verwüstung die leblose Leiche nicht außer Acht, sondern „machte sie vor allen andern mit eurer Aller altgemeinen Uebereinstim- mnng dem Vater durch Bitten und Anflehen geneigt, nahm den, der „a.'k-n lebendig macht von den Todten, zum Mitstreiter und Bundesgenossen an und richtete die Gefallene wieder auf, nachdem er sie vor- „her von allem Unrath gereinigt und gesäubert hatte. Allein er legte „ihr nicht ihr ehemaliges altes Gewand um, sondern ein solches, wie „er es aus der heiligen Schrift kennen gelernt hatte, in welcher(1) es „deutlich heißt: „ES soll die Herrlichkeit dieses letzten Hauses größer „werden, als die des ersten gewesen ist." Er umfaßte demnach einen viel „größern Raum und sicherte den äußern Umfang mit einer das Ganze „in sich begreifenden Ringmauer, welche dein Ganzen zu einer festen „Schntzwehr dienen sollte. Ein ansehnlicher, hochragender Vorhof er- „streckte sich gegen die Strahlen der aufgehenden Sonne hin, welcher „auch denen, welche weit außerhalb des heiligen Bezirks standen, be- „gueme Gelegenheit zur Betrachtung des Innern gab und auch die Blicke „der unserer Religion nicht Angehörigen zu den ersten Eingängen gewiffer- „maßen hinzog, damit Niemand vorübergehen könnte, ohne von dem „Andenken an die frühere Oede und dem Anschauen des gegenwärtigen „unerwarteten Wunders heftig ergriffen zu werden, wodurch er hoffte, „daß dadurch der in solcher Stimmung sich Befindende herbeigezogen „und schon durch den Anblick selbst zum Eintreten bewogen werden könnte. „Wenn man aber zu den Thoren hineingegangen war, so gestattete er „nicht, daß man sogleich mit unreinen, ungewaschenen Füßen das Hei- „ligthnm betrat, sondern er ließ zwischen dem eigentlichen Tempel und den „ersten Eingängen einen ansehnlichen Zwischenraum und schmückte diesen „mit vier auf allen Seiten schrägen Hallen, womit er den Ort in Gestalt „eines Vierecks umgab und welche allenthalben auf Säulen sich erhoben. „Den Zwischenraum zwischen diesen umschloß er mit einem verhältniß- „mäßig hohen hölzernen Gitterwerk. Den Mittlern Raum zwischen den „Hallen aber ließ er offen und frei, damit man den Himmel schauen „und die helle, reine Luft im Glanz der Sonnenstrahlen sehen könnte. „Hier stellte er die Zeichen der heiligen Reinigungen auf, indem er dem „Tempel gegenüber Quellen einrichtete, welche den in das Innere des (1) Hagg. 2 , 10. 344 Kvnstantimis u. Licinius. Jahr Christus 316. Melchiades. „heiligen Bezirks Eintretenden eine große Wenge Wassers zur Reinigung „spendeten. Und dieß ist der erste Aufenthaltsort der Eintretenden, „welcher Allen ein Schauspiel von Zierlichkeit und Pracht, denen aber, „die noch der ersten Anfangsgrunde bedürfen, eine passende Stelle darbietet. Nach diesem machte er durch mehrere andere innere Vorhöfe „die Zugänge zu dem Tempel offen, indem er wiederum gegen die Mvr- „gensonne hin drei Pforten auf einer und derselben Seite erbauen ließ. „Die mittlere derselben war die zu beiden Seiten an Größe und Weite „zu übertreffen bestimmt, Er schmückte sie auf das Herrlichsie mit ehernen „Platten, die mit Eisen befestigt waren, und mit mancherlei Verzierungen „in halberhabener Arbeit und gab ihr gleichsam als einer Königin die «andern als Trabanten bei. Auf dieselbe Weise ordnete er auch für die „spalten zu beiden Seiten des ganzen Tempels eine gleiche Zahl von „Vorhöfen an und brachte auf jenen, um reichliches Licht von oben „herabfallen zu lassen, verschiedene Oeffnungen an und verzierte sie mit „ganz feiner Arbeit aus Holz. An das königliche Haus aber verwandte „er reichere und kostbarere Stoffe, wobei er in Betreff der Kosten eine „großartige Freigebigkeit zeigte. Ich halte es hier für überflüssig, die „Länge und Breite des Gebäudes zu beschreiben und die herrliche Schönheit, die unbeschreibliche Größe, den glänzenden Anblick der Arbeit, die „himmelan ragenden Gipfel und die auf denselben befindlichen kostbaren Cedern „des Libanon, deren selbst die heilige Schrift zu erwähnen nicht vergessen „hat, wenn sie sagt:(ck) «Es wird sich freuen das Holz des Herrn und „die Cedern des Libanon, welche er gepflanzt hat,« mit Worten auszudrücken. Und was soll ich jetzt über die so weise, künstlerische Anordnung des Baues und über die außerordentliche Schönheit der einzelnen „Theile weitläufig mich verbreiten, da das, was die Augen sehen, jede „Belehrung durch das Gehör überflüssig macht? Nachdem er nun auf „diese Weise den Tempel vollendet und ihn mit hohen Thronen zu Ehren „der Vorsteher und noch mit Sitzen in gehöriger Ordnung durch den „ganzen Tempel hin ausgeschmückt hatte, so stellte er noch inmitten des „Tempels das Allerheiligste, den Altar, auf und umgab auch ihn, um „die Menge davon abzuhalten, mit einem hölzernen Gitterwerk, das mit „der höchsten künstlerischen Feinheit ausgearbeitet war und dessen Anblick „bei Jedem, der es sah, Bewunderung erregte. Jndeß selbst der Fuß- Hoden entging seiner Aufmerksamkeit nicht: er schmückte ihn auf das „Herrlichste mit Marmor. Hierauf wandte sich seine Aufmerksamkeit auf „das, was außerhalb des Tempels sich befindet. Er baute zu beiden „Seiten auf das Künstlichste Anbäue und große Gemächer, welche an „den Seiten mit der Basilika in Verbindung standen und mit den „Pforten, welche mitten hinein in den Tempel führen, zusammenhangen. „Diese errichtete unser so friedliebender Salomon, der Erbauer des Tempels (l) Psalm 104, 16. KonstantinuS u. Licinius. Jahr Christus 515. Melchiades. 34» „Gottes, für diejenigen, welche noch der Reinigung und Abwaschung „durch Wasser und den heiligen Geist bedürfen, so daß jene oben ange- „führte Prophezeihung sich nicht mehr auf Worte beschränkt hat, sondern „wirklich in Erfüllung gegangen ist. Denn es ist jetzt in Wahrheit die „letzte Herrlichkeit dieses Hauses größer geworden, als die erste gewesen „ist. Denn da der Hirle und Herr der Kirche, welcher einmal für diese „den Tod erlitten, nach seinem Leiden den Körper, den er um ihret- „willen voll Schmutzes angezogen, in einen glänzenden und herrlichen «verwandelt, und das bereits verwesende Fleisch von dem Verderben zur „Unsterblichkeit geführt hatte, so war es ganz natürlich und nothwendig, „daß auch sie die Heilsanstalt des Erlösers mit genieße. Denn sie „hat von ihm eine noch viel größere Verheißung, als dieses, erhalten „und sehnt sich nach der noch viel größern Herrlichkeit der Wiedergeburt „in der Auferstehung eines unvergänglichen Körpers mit den Schaaren „der Engel des Lichts in der über die Himmel hinaus liegenden Residenz „Gottes mit Christus Jesus selbst, dem Allwohlthäter und Heiland, „ununterbrochen in alle Ewigkeit theilhaftig zu werden. Jndeß ist doch „für die Gegenwart, die weiland Verwittwete und Verlassene durch die „Gnade Gottes mit diesen Blumen geschmückt und, wie der Prophet „sagt, wahrhaftig geworden, wie eine Lilie. Wie sie aber, angethan mit „dem Brautgewande und dem Kranz der Schönheit ans dem Haupte, von „Jesaias(l) jauchzen und mit preisenden Worten Gott, ihrem Könige, ehr- „fu.chtsvollen Dank darzubringen gelehrt wird, darüber wollen wir ihre „eigenen Worte hören: „Es freue sich des Herrn meine Seele. Denn er „hat mich angethan mit dem Mantel des Heils und mit dem Gewände der „Freude. Denn er hat mir, wie einem Bräutigam, einen Kranz aufgesetzt „und mich geschmückt, wie eine Braut und wie ein Land, das seine Blumen „hervorsprossen läßt. Und wie ein Garten aufgehen läßt seinen Saamen, „also hat der Herr Gerechtigkeit und Freudigkeit aufgehen lassen vor allen „Völkern." Solches nun jauchzte sie. Wie ihr aber der himmlische Bräutigam, das Wort, Jesus Christus selbst, wieder antwortet, darüber höre „die Worte des Herrn: „Fürchte dich nicht, daß du beschimpft worden bist, „noch kümmere dich, weil man dich geschmäht hat. Denn du wirst deiner „langen Schande vergessen und der Schmach deiner Wittwenschaft nicht „eingedenk seyn. Nicht wie eine verlassene und kleinmüthige Frau hat dich „der Herr gerufen, noch wie ein Weib, das gehaßt worden von Jugend „auf. Denn Gott hat gesprochen: einen kleinen Augenblick habe ich dich „verlassen, aber mit ewigem Erbarmen werde ich mich deiner erbarmen. „In lindem Zorn habe ich wein Angesicht von dir gewandt, aber mit ewigem „Erbarmen werde ich mich deiner erbarmen, hat gesprochen der Herr, dein „Erlöser. (2) Wache auf, wache auf, die du getrunken hast ans der Hand „des Herrn den Becher seines Grimms. Denn den Becher des Verderbens, (1) öt, 10 ff. (2) Ich 54, 4. 6. 7. 8. 34V Kvnstantinus u. Licinius. Jahr Christus .) 15. Melchiades. »den Pokal meines Zorns, hast dn ausgetrunken und geleert. Und es war »keines oon allen deinen Kindern, die du geboren, das dich tröstete, und »keines war, das dich bei der Hand genommen hätte. Siehe, ich habe aus «deiner Hand genommen den Becher des Verderbens, den Pokal meines »Zorns, und du wirst nicht ferner trinken ans ihm. Ich werde ihn geben «in die Hände derer, die dich beleidigt, und derer, die dich erniedrigt »haben.(1) Stehe auf, stehe auf, ziehe an die Kraft, ziehe an deine Herr- »lichkeit. Schüttle den Staub ab und erhebe dich. Lasse dich nieder, lose »ab die Bande deines HalseS. (2) Erhebe ringsherum deine Augen und „siehe deine Kinder versammelt. Siehe, sie sind versammelt worden und „zu dir gekommen. So wahr ich lebe, spricht der Herr. Du sollst sie alle »wie einen Schmuck anziehen und sie dir umlegen, wie den Schmuck einer „Braut. Deine Wüsten und was verdorben war und verfallen , wird jetzt »zu enge seyn für deine Bewohner, und eS werden weit entfernt werden von „dir diejenigen, welche dich verschlungen haben. Denn es werden dir in »die Ohren sagen deine Söhne, welche du verloren hast: der Raum ist mir „zu enge; verschaffe mir einen Ort, wo ich wohnen kann. Und du wirst »in deinem Herzen sprechen: Wer hat mir diese gezeugt? Ich bin kinderlos »und eine Witttve. Wer hat mir diese erzogen? Ich bin allein gelassen „worden. Wo waren mir denn diese?"(Z) Dieses hat Jesaias vorausge- „sagt, dieses ist schon in alter Zeit in Betreff unserer in der heiligen Schrift „niedergelegt worden. Wir aber sollten von der Wahrhaftigkeit dieser »Worte endlich auch durch die That selbst überzeugt werden. Denn da der «Bräutigam, das Wort, solches seiner Braut, der gottgeweihten und heiligen Kirche, zurief, so war es natürlich, daß dieser hier der Braut, »ihr, der Verlassenen, gleich einem Leichname daliegenden und von »allen Menschen aufgegebenen, auf euer Aller gemeinschaftliches Gebet, eure „Hände entgegenreckte, sie aufrichtete und erhub, nach dem Winke »Gottes, des Allwaltenden, und durch die reiche Macht Jesu Christi und „sie sodann so ausstattete, wie er aus der Beschreibung der heiligen Orakel „belehrt worden war. Es ist nun dieß zwar ein sehr großes, nicht genug „anzustaunendes Wunder, namentlich für diejenigen, auf welche nur die „äußere Erscheinung Eindruck macht. Aber wunderbarer noch, als alle „Wunder, sind die Urbilder, ihre geistigen Vorbilder und die gotteswür- „digen Muster, ich meine die Erneuerungen des göttlichen Baues in unfern „Seelen, welchen der Gottsohn selbst nach seinem eigenen Bilde geschaffen, »in allen Stücken und in jeder Beziehung mit Gottähnlichkeit begabt, und „als eine unsterbliche Schöpfung, als ein unkörperliches, vernünftiges, »jedem irdischen Stoffe fremdes, mit eigener Intelligenz begabtes Wesen, „nachdem er es einmal ans dem Nichts zum Seyu hervorgerufen hatte, sich „und dem Vater zur heiligen Braut und zum allheiligen Tempel bereitet (1) Jcs. 5t, 17. 18. 22. 23. 12) Jes. 52, 1. 2. 13) Jes. 49, 18-21. Kvnstantinus u. Licinins. Jahr Christus 316. Melchiades. 347 «hat. Dieß sagt er auch deutlich in den Worten:(i) »Ich werde wohnen „und hernmwandeln unter ihnen und ich werde ihr Gott seyn und sie »werden mein Volk seyn." Und so beschaffen ist die vollkommene, reine „Seele, welche ursprunglich so erschaffen worden ist, daß sie das Bild „des himmlischen Wortes trug. Allein nachdem sie durch den Neid und „die Eisersucht des das Böse liebenden Teufels ans freier, eigener Wahl »sich der Liebe zur Sinnlichkeit und dem Laster hingegeben hatte, da „wich die göttliche Kraft von ihr und da sie gleichsam verlassen war von „einem Beschützer, so zeigte es sich, daß sie ohne Mühe zu fangen und „den Nachstellungen derer, die sie längst beneideten, leicht ausgesetzt »sey. Und niedergeworfen durch die Stnrmwerkzeuge und die Maschinen »ihrer unsichtbaren Widersacher und geistigen Feinde, that sie einen so „unglücklichen Fall, daß in ihr nicht ein Stein mehr von Tugend auf „dem andern blieb, sondern daß sie, aller natürlichen Begriffe von Gott „gänzlich beraubt, völlig todt zu Boden lag. Als sie aber, sie, die nach dem „Ebenbilde Gottes geschaffen war, so dalag, so schädigte sie nicht ein Eber „aus dem Walde, den wir mit unfern Augen sehen können, sondern „ein verderblicher Dämon und nur unserem Verstände begreifbare Ungeheuer. Diese zündeten sie auch mit Leidenschaften, als mit den brennen- „den Pfeilen ihrer Bosheit, an, steckten das wahrhaft göttliche Heilig- „thum Gottes mit Feuer in Brand und entweihten auf der Erde das »Zelt seines Namens. Hierauf begruben sie die Elende unter vieler »aufgeschütteter Erde und ließen keine Hoffnung zu irgend einer Rettung „übrig. Allein das göttliche, heilbringende Wort, das für sie sorgte, „stellte sie, nachdem sie die gebührende Strafe für ihre Sünden empfanden, wiederum von Neuem her. Vor allem Andern gewann es die „Gemüther unserer obersten Gewalthaber selbst und reinigte mit Hülfe »dieser gottgeliebten Männer die ganze Welt von allen gottlosen und „verderblichen Menschen und selbst von den grausamen und gottverhaßten „Tyrannen: hierauf führte es die ihm wohlbekannten Männer, die sich „ihm längst zu lebenslänglichen Priestern geweiht hatten, die aber „heimlich in jenem Sturm der Bodrängniß von seinem Schirm bedeckt »worden waren, hervor an das Tageslicht und ehrte sie nach Verdienst »mit dem reichlichen Geschenke des Geistes; sodann reinigte und wischte »es durch diese die Seelen, welche vor Kurzem noch beschmutzt und voll „mannigfachen Schuttes und Unraths der gottlosen Befehle waren, mit „den strafenden Worten der göttlichen Lehre, als wie mit Hacken und „Spaten, und nachdem es den Raum aller eurer Seelen rein und «glänzend gemacht hatte, so übergab es ihn diesem allweisen und gottge- „liebten Führer, welcher sonst auch voll Urtheils und Ueberlegung, besonders auch die Gesinnung der ihm anvertrauten Seelen genau durch- »sorscht und prüft und vom ersten Tage an, um mich so auszudrücken, (I) 3 B. Mos. 26, tS. S48 Konstantinus n. LiciniuS. Jahr Christus Ii5. Melchiades. „bis jetzt noch nicht zu bauen aufgehört hat, indem er bald glänzendes Gold, »bald reines, lauteresSilber, bald kostbare und werthvolle Steine bei euch Allen „einfügt, fo daß wiederum die heilige, geheimnißvolle Weissagung (1) durch »die Werke an euch in Erfüllung geht, nämlich die: »Siehe, ich mache dir „deine Steine zu einem Karfunkel, deinen Grund zu einem Sapphir, deine «Brustwehren zu Jaspis, deine Thore zu Krystall, deine Mauer zu auserlesenen Steinen und alle deine Söhne gelehrt von Gott und großen Frieden »deinen Kindern und du sollst in Gerechtigkeit erbaut werden.« Er baute „nun in Gerechtigkeit und vertheilte die Kräfte des ganzen Volkes nach »Gebühr. Die Einen umschloß er nur mit dem äußern Umkreis und umgab „sie mit der Mauer des wahren Glaubens. Dieser ist eine ansehnliche „große Menge, welche keinen bessern Bau zu ertragen vermag. Den Andern «theilte er die Eingänge in den Tempel zu und beauftragte sie, an der Thüre «sich aufzuhalten und die Hineintretenden zu geleiten. Diese könnte man „nicht unpassend den Vorhv.f des Tempels nennen. Andere stützte er mit «den ersten Säulen, welche außen um den Hof im Viereck herumlaufen, und „setzte sie in die ersten Niegel des Buchstabens der vier Evangelien. Andere «setzte er zu beiden Seiten um den Tempel herum, welche zwar noch Kate- „chumenen und im Wachsthum und Fortschrc-ten begriffen, aber doch nicht «sehr weit weg und entfernt -sind von dem Schauen der innersten Geheim- «nisse Gottes, dessen die Gläubigen sich erfreuen. Von diesen nahm er die «reinen Seelen, welche durch die heilige Taufe wie Gold gereinigt worden «sind, und stützte sodann die Einen mit Säulen, welche bei weitem kostbarer «sind, als die äußern, nämlich mit den tiefsten und geheimnißvollsten Lehren »der Schrift, die Andern aber erleuchtete er mit den dem Lichte zugerichteten »Oeffnungen. Den ganzen Tempel aber schmückte er mit dem Einen großen »Vorhofe des Preises des Allherrschers, des einzigen und alleinigen Gottes; »zu beiden Seiten der Macht des Vaters aber stellte er Christum und den »heiligen Geist als zweite Lichtstrahlen hin und zeigte die Klarheit und das »Licht der Wahrheit im Einzelnen durch das ganze Gebäude hin in ihrer »höchsten Fülle und Hohheit. Ueberdieß erkor er sich überall und allwärts «her die lebendigen, festen und starken Steine der Seelen und errichtete aus „Allen den großen, königlichen Tempel, glänzend und voll Lichtes sowohl »innen, als außen, indem nicht nur die Seele und der Geist, sondern auch „der Leib mit dem blumenreichen Schmuck der Keuschheit und Enthaltsamkeit «geziert ist. Auch befinden sich in diesem Tempel Throne und unzählige „Bänke und Sitze, nämlich in allen Seelen, in welchen die Gaben des heiligen Geistes sich niedergelassen haben, wie sie weiland auch den heiligen „Aposteln nnd ihrer Genossenschaft sich kund gegeben haben, denen sich da und »dort Feuerflämmchen zeigten und auf deren Jeden es sich senkte. (2) Aber «in dem obersten Vorsteher wohut, wie billig, der ganze Christus; in «denen aber, welche den zweiten Rang nach ihm einnehmen, in dem Verhältnis;, (1) Ies. 54, !t. 12. 13. (2) Apostelgcsch. S, 3. Konstantinus u. Licinius« Jahr Christus ZI 5. Melchiades. Z49 „wie ein Jeder die Theile der Kraft Christi und des heiligen Geistes zu „fassen vermag. Die Seelen Einiger könnten auch als Sitze von Engeln „betrachtet werden, nämlich die Seelen derer, welche einem Jeden von jenem „zum Unterricht und zur Bewachung übergeben sind. Aber der heilige, „große und einzige Altar, wer könnte dieß anders seyn, als die Reinigkeit „der Seele des allgemeinen Priesters und das Heiligthnm der Heiligthümer, „welchem zur Rechten der große Oberpriester Aller steht? Jesus selbst, der „Eingebvrne Gottes, der das wohlriechende Näucherwerk und die unblutigen , geistigen Opfer des Gebets heiteren Blickes mit dem Rücken der »Hand von Allen aufnimmt und es seinem Vater im Himmel, dem Gott „über Alles, darbringt, zuerst selbst ihn anbetend und allein dem Vater die „würdige Verehrung erweisend, hierauf aber auch ihn bittend, er möchte „uns gnädig bleiben und gütig allezeit. So beschaffen ist der große Tem- „pel, welchen der große Schöpfer des Weltalls, das Wort, in der ganzen „Welt errichtet und auch zum geistigen Bilde dessen, was jenseits des Him- „mclsgewölbes ist, auf Erden gemacht hat, damit von der ganzen Schöpfung „und von allen vernünftigen Wesen auf Erden der Vater geehrt und angebetet würde. Aber jene himmlische Gegend und die dortigen Urbilder der „Nachbildungen hienieden, jenes obere Jerusalem und jenen himmlischen „Berg Sion, und die überirdische Stadt des lebendigen Gottes, in welcher „unzählbare Chöre der Engel und eine Gemeinde der Erstgebornen, die „eingeschrieben sind in das Buch des Himmels, mit für uns unauSsprcch- „lichen und nnfaßlichen Lobgesängen ihren Schöpfer und den Allbeherrscher „verehren — wo ist ein Sterblicher, der dieß nach Gebühr zu preisen vermöchte? „Denn kein Auge hat es gesehen und kein Ohr hat es gehört und „es ist in keines Menschen Herz gekommen, das Gott bereitet hat denen, „die ihn lieben." (I) Da wir aber schon jetzt Alle dieser Herrlichkeiten theil- „weise gewürdigt worden sind, so laßt uns Alle insgesammt auf Einmal, „Männer, Weiber und Kinder, Kleine und Große, mit Einem Herzen und „mit Einer Seele den U>Heber solchen Glückes zu bekennen und zu preisen „nicht aufhören, (2) „der gnädig ist allen unfern Sünden, der heilet alle „unsere Krankheiten, der unser Leben vom Verderben erlöset, der uns krönet „mit Mitleiden und Erbarmen, der unsere Begierde mit Gütern erfüllt. „Denn er handelt nicht mit uns nach unfern Sünden, noch vergilt er uns „nach unfern Missethaten. Denn so weit der Aufgang vom Niedergang „entfernt ist, so weit hat er die Uebertretungen von uns entfernt. Wie ein „Vater sich seiner Kinder erbarmet, also erbarmet sich Gott derer, die ihn „fürchten." Dieß laßt uns für jetzt und für alle folgenden Zeiten lebendig „im Gedächtniß behalten, laßt uns den Urheber deS heutigen Festes und „dieses herrlichen Frendeutages, den Vorstand dieses Festes, bei Tag und „Nacht, zu jeder Stunde und, um mich so auszudrücken, mit jedem Athem- „zuge im Geiste vor Augen haben, laßt uns ihn lieben und verehren mit (t) t Korinth. 2, 9. (3) Psalm 103, 3. 4. Ut. t2. t3. 350 Konstantinus u. Licinius. Jahr Christus 516. Melchiades. „aller Kraft der Seele. Und nun laßt uns aufstehen und mit lauter „Stimme voll Andacht ihn anflehen, daß er uns in seiner Stelle bis au das „Ende bewahren und beschützen und uns seinen Frieden fest und dauerhaft „für alle Zeiten schenken möge in Christo Jesu, unserem Heiland, durch „welchen ihm sey Ehre in alle Ewigkeit. Amen." Fünftes H aup t st ü ck. Abschriften der kaiserlichen Gesetze. Nun wollen wir auch noch die Verordnungen der Kaiser Konstantinus und Licinius, aus der lateinischen Sprache übersetzt, (1) beifügen. Abschrift der aus der lateinischen Sprache übersetz« ren kaiserlichen Verordnungen. „Da wir schon längst in Erwägung gezogen haben, daß die Freiheit der „Religion nicht zu verwehren sey, sondern daß man eines Jeden Willen „und Gutdünken die Freiheit lassen müsse, die Religion nach eigener Wahl „auszuüben, so haben wir schon früher oerordnet, daß ein Jeder und ua- „mentlich auch die Christen den Glanben ihrer Sekte und ihrer Religion „beibehalten dürfen. Weil aber viele verschiedene Sekten (2) in jenem „Ncscript, wodurch denselben eine solche Erlaubniß ertheilt wurde, ausdrücklich beigefügt sind, so hat es sich vielleicht getroffen, daß Manche von „ihnen bald nachher von einer solchen Beobachtung der Religion zurückgetreten sind. Deßhalb haben ich, der Kaiser Konstantinus, und ich, der „Kaiser Licinius, als wir beide glücklich nach Mailand gekommen waren „und daselbst Alles, was das Wohl und das Glück des Staats betrifft, zum «Gegenstand unserer Aufmerksamkeit gemacht hatten, unter Anderem, was „in mancher Hinsicht von allgemeinem Nutzen schien, oder vielmehr vor allem „Andern das anzuordnen für gut befunden, was zur Verehrung und zum „Dienste der Gottheit gehört, nämlich, daß wir es der freien Wahl der „Christen und allen Andern anheimstellen, diejenige Religion zu bekennen, „welche sie wollen, damit die Gottheit und das himmlische Wesen, wer eS „auch seyn mag, uns und Allen, die unter unserer Regierung stehen, gewo- „gcn und gnädig seyn könne. Demnach haben wir in der reinsten und (1) Dieses Reskript ist von den Worten an: Deßhalb haben ich A., auch noch in der lateinischen Urschrist bei I.uctant, de mortis, pmsccutor, cap, ',8 erhalten. Die griechische Ucbersctzung ist an mehreren Stellen dunkel und durch Mißverständnisse der lateinischen Urschrift verfehlt und entstellt und es würde hier eine Ucbertragung aus der letztem folgen, wenn es sich nicht darum handelte, wie Eusebius das Reskript verstanden und wenn nicht vielleicht der griechischen Ucbersctzung eine andere Form desselben zu Grunde läge; doch wurde für passend gefunden, die Abweichungen der lateinischen Urschrift von der griechischen Uebersetzung zu bemerken, (2) Hat, wie nach dem Folgenden im vcrmuthcn ist, wo das lateinische conditio immer mit ceiyecrca übersetzt ist, gestanden: 8ml cum »mltne nc divmsac conditivncs discrtc ndditno csscnt, so lautet die Uebersetzung: Da aber viele verschiedene Bedingungen ausdrücklich angeführt waren, wobei wir freilich den Inhalt dieser Bedingungen nicht kennen, da das erste Gesetz des Konstantin und Licinius — ohne Zweifel das 9, 9. erwähnte — nicht auf uns gekommen ist. Kvnstantinns n. Licinius. Jahr Christus ZI6. Melchiados. „besten Absicht anordnen wollen, daß durchaus Niemand die Freiheit zu „versagen sey, die Religion oder Weise der Christen anzunehmen und ausrauben, sondern daß es einem Jeden frei gestellt seyn solle, sein Herz derjenigen Religion zuzuwenden, die er für sich selbst am ersprießlichsten hält, „damit uns die Gottheit in Allem ihre gewöhnliche Fürsorge und Huld „erweisen könne. Diesen nnsern Willen haben wir schriftlich kund zu thnn „für nöthig erachtet, auf daß mit völliger Unterlassung der Hernennung „derjenigen Sekten, (l) welche in unserem ersten Schreiben an deine Excel- „tenz(2) in Betreff der Christen enthalten waren, auch alles dasjenige, was „zu hart und unserer Milde unangemessen schien, aufgeht ben werde und „daß nun ein Jeder, welcher die christliche Religion bekennen will, dieß frei „und nngenirt ohne irgend eine Belästigung thun könne. Wir haben deine „Ereellenz auf das Umständlichste davon in Kenntniß zu setzen für gut „befunden, damit du wissest, daß wir den Christen die freie, unbedingte „Erlanbniß, ihrem Gottesdienst nachzukommen, ertheilt haben. Da wir „nun dieses den Christen ohne alle Einschränkung verstattet haben, so wird „deine Excellenz einsehen, daß eben damit auch Andern, die ihrer „Religion und ihrer Weise nachkommen wollen, die Erlanbniß dazu „gegeben ist. Denn es ist offenbar der Ruhe unserer Zeiten angemessen, „daß ein Jeder die Freiheit habe, sich eine Gottheit zu wählen und die „zu verehren, welche er will. Dieß ist aber von uns in der Absicht geschehen, „daß es nicht das Ansehen habe, als wollten wir irgend eine Art, Gott zn „verehren und ihm zu dienen, in irgend einer Beziehung beeinträchtigen. „Außerdem verfügen wir noch in Betreff der Christen insbesondere, daß „ihre Oerter, an welchen sie vormals zusammenzukommen pflegten (in Hin- „sieht deren in dem vorigen Schreiben an deine Excellenz eine andere Be- „stimmung getroffen worden ist), wenn solche Jemand entweder von unserer „Kammer oder von sonst Jemand gekauft hat, von demselben den Christen „nnentgeldlich und ohne irgend einen Ersatz des dafür erlegten Kaufpreises, „sonder Anstand und ohne alle Zweideutigkeit zurückgegeben werden sollen. „Auch wenn Jemand dergleichen Oerter geschenkt bekommen hat, soll er sie „auf das Schleunigste den Christen Heransgeben. Und wenn diejenigen, „welche dieselben entweder erkauft oder geschenkt bekommen haben, eine Vergütung von unserer Gnade verlangen sollten, so mögen sie sich an den „Statthalter der betreffenden Provinz wenden, (ä) damit auch sie durch „unsere Gnade berücksichtigt werden. Dieß Alles soll der Körperschaft der „Christen durch deinen Vorschub sogleich und ohne einige Zögerung verab- „folgt werden. Und da, wie bekannt, die genannten Christen nicht bloß st) In der Urschrist heißt es: ^nwtis omnidus »ninino coiuiitionidus, mit völliger Aufhebung aller Bedingungen. (2) Darunter ist der Präftktus Prätorio zu verstehen. (3) Im Lateinischen heißt es: 3i pnwvoriiU, llo nostra Iienevolnntia niiguicl vi- cai'ium >»>swle»t, wenn sie für gut halten, mögen sie von unserer Gnade eine Entschädigung verlangen. Der griechische Ucbersetzer hielt das Wort vioarinni für das A-isc. und Bezeichnung des Amtmannes, des Vicarius oder Landeshauptmanns der Provinz, daher die im Texte gegebene Ucbersetzung. 332 Konstantinus u. Licinius. Jahr Christus Zl5. Melchiades. „diejenigen Oerter, an welchen sie zusammenzukommen pflegten, sondern „außer denselben auch noch andere im Besitz hatten, welche nicht Eigen- „thum eines Einzelnen, sondern Gerechtsame der ganzen Körperschaft, „d. h. der Christen überhaupt waren, so hast du den Befehl zu erlassen, „daß dieselben insgesammt vermöge des schon von uns angeführten Ge- „setzes ohne den geringsten Anstand den gedachten Christen, d. h. jeder „einzelnen Gemeinheit und Gesellschaft derselben, zurückgegeben werden, „wobei jedoch die abgedachte Bestimmung festzustellen ist, daß alle diejenigen, welche dieselben gedachtermaßen nnentgeldlicb zurückgeben, dafür „Schadloshaltung von unserer Güte zu erwarten haben. Bei diesem Allem „mußt du den gedachten Gemeinheiten der Christen nach bestem Vergnügen Vorschub leisten, damit unser Befehl auf das Schleunigste vollzogen und damit auch in dieser Beziehung durch unsere Gnade für die „allgemeine öffentliche Ruhe gesorgt werde. Denn vermöge dieser Ver- „fahrnngsweise wird, wie schon gedacht, die göttliche Fürsorge, die wir „schon-bei vielen Gelegenheiten erfahren haben, uns alle Zeit hindurch „sicher verbleiben. Damit aber der Inhalt dieses unseres Gesetzes und „unserer gnädigen Willeusmeinung zur allgemeinen Kenntuiß Aller gegangen kann, so ist dieses unser Schreiben aller Orten öffentlich anzu- „schlagen und Allen bekannt zu machen, auf daß diese unsere gnädige „Verordnung Niemand verborgen bleiben möge."(1) Abschrift einer andern Verordnung, wodurch die Kaiser zu erkennen geben, daß nur der katholischen Kirche die Schenkung zu Theil geworden. „Gey gegrüßt von uns, sehr hochgeschätzter Auulinus!(2) ES ist „die Weise unserer Gnade so, hochgeschätztester AnulinuS, daß wir das, „was der Gerechtsame eines andern zuständig ist, nicht nur nicht beein- „trächtigt wissen, sondern auch wiederherstellen wollen. Deshalb wünschen „wir, daß du, sobald du dieses Schreiben empfängst, wenn etwas von „dem, was der katholischen (Z) Kirche der Christen in den Städten oder „auch an andern Orten zuständig gewesen, jetzt aber von Bürgern oder „andern Personen besessen wird, Veranstaltungen treffest, daß dasselbe „alsbald ihren Kirchen zurückgegeben wird, sintemal es unser Wille ist^ „daß das, was dieselben Kirchen vormals besessen haben, ihrer Gerecht- (t) „Dieses Ncsceipt — bemerkt Ncander darüber in seiner Kirchcngcschichte — enthielt in der That weit mehr, als das erste Tolcranzcdikt des Kaisers Gallienus, denn durch das letztere war nur das Christcnthum in die Klasse der rulixlonos licNuu des römischen Reiches aufgenommen worden; jenes neue Gesetz aber enthielt die Einführung einer allgemeinen und unbedingten Re ligions- u n d G cw i ssc n s frei h eit, in der That etwas ganz Neues, was mit der bisherigen Politisch-religiösen Denkart vom Standpunkt der herrschenden Staatsrcligion im Widerspruch stand i ein Prinzip, welches ohne dm mittelbaren Einfluß des Christenthums schwerlich ans Licht würde gekommen seyn, obgleich der Gesichtspunkt, von welchem aus diese allgemeine Duldsamkeit hier festgestellt wird, keineswegs der rein christliche ist." (2) Dieser Anulinus war P'rokonsul von Afrika, wie aus dem folgenden kaiserliche» Schreiben erhellt. (3) D. h. der rechtgläubigen Kirche. Konstantinus u. Licinius. Jahr Christus 54 6. Melchiades. 353 „same wieder zurückerstattet werde. Da nun deine Excellenz einsehen wird, „daß dieser unser Befehl in den unzweideutigsten Ausdrucken abgefaßt „ist, so trage Sorge, daß Alles, mögen es Gärten, Gebäude oder was „sonst immer seyn, was zur Gerechtsame ihrer Kirchen gehört, ihnen aus „das Schleunigste wieder herausgegeben werde, damit wir erfahren mögen, „daß du diesem unserem Befehl auf das Genaueste nachgekommen setzest. „Lebe wohl, hochgeschätztester und gelicbtester Anulinus." Abschrift eines Schreibens, worin der Kaiser befiehlt, daß um der Vereinigung und Eintracht der Kirche willen (1) eine Versammlung der Bischöfe zu Rom gehalten werden solle. „Konstantinns Augustns dem römischen Bischof Miltiade6(2) und „dem Markus seinen Grnß. „Da von dem hochansehnlichen Prokvnsul von Afrika, Anulinus,(Z) „verschiedene dergleichen Anklageschriften an mich gelangt sind, des Jn- „balts, daß Eäcilianns, der Bischof von Karthago, von einigen seiner „Amtsgenossen in Afrika verschiedener Sachen beschuldigt werde, und es „ein sehr schmerzhafter Gedanke für mich ist, daß in denjenigen Pro- „vinzen, welche die göttliche Vorsehung aus freier Wahl meiner Majestät „übergeben, und worin eine zahlreiche Volksmenge sich befindet, das „Volk als schlechteren Gesinnungen nachhängend und gleichsam sich trennend (t) Die Veranlagung dieses kaiserliche» Schreibens war folgende: Nachdem die Verfolgung in Afrika aufgehört hatte, war man tarauf bedacht, einen neuen Bischof zu Karthago an des Mcnfurius Stelle zu wählen. Die benachbarten Bischöfe kamen in dieser Absicht nach Karthago und Cäcilianus wurde durch die Mehrheit der Stimme» gewählt, und vom aptungitanischcn Bischof Felir ordinirt- Botrus, Keleusius und einige Andere, die zum Theil Mitbewerber des Bisthums gewesen waren, errichteten eine Partei wider ihn, woran besonders ein gewisses reiches Frauenzimmer, Namens Lucilla, großen Anthcil nahm, weil sie den Majorinus, der ihr Klient war, gern zum Bisthum befördern wollte. Sie zogen den tigisitanischen Bischof Sckundus nebst vielen andern numidischcn Bischöfen mit in ihr Jntercge, welche um so viel bereitwilliger Theil daran nahmen, weil thcils jener sich dadurch für beleidigt hielt, daß er als Primas von Numidien ihn nicht ordinirt hatte, theils diese, daß sie nicht mit zu der Ordination waren eingeladen worden. Sie beriefen deswegen ein Koncilium, wozu über 70 Bischöfe sich versammelten und wobei Sckundus, Donatus und unter der Hand Lucilla die wirksamsten waren. Man forderte den CücilianuS vor und gab ihm Schuld, daß er theils, da er Diakonus gewesen, sein Amt nicht recht verwaltet habe, theils daß er von Traditorcn (so hießen diejenigen, welche den Religionsfeinden die heiligen Bücher auslieferten) wäre ordinirt worden. Da er nicht erschien, vcrurthcilten sie ihn abwesend, setzten ihn ab und wählten den Majorinus statt seiner zum Bischof, welche Wahl Lucilla vorzüglich durch ausgctheilte, große Summen unterstützte. Hieraus entstanden nun zwei Parteien, die sich beiderseits zu verstärken, und endlich beim Prokonsul, ja beim Kaiser selbst Unterstützung suchten. Zu gleicher Zeit wurde hiedurch der Grund zu der großen donatistischcn Spaltung gelegt. Der Prokonsul Anulinus übersandte die Klaglibelle von der Partei des Majorinus, und darauf erfolgte diese Antwort des Kaisers. Stroth. (2) Diesen Namen führt er ebenfalls; in der römischen Kirche ist er sonst unter dem Namen Melchiades bekannter. Wer hier der genannte Markus gewesen, ob ein römischer Presbyter, ob derjenige, der nach dem Silvesur Bischof zu Rom geworden, ist nicht bekannt. Stroth. (3) Der Brief des Anulinus, wobei er die beiden ihm überreichten Schriften übersandte, deren eine die Aufschrift führt: Klaglibell der katholischen Kirche, enthaltend die Verbrechen des Cäcilianus, übergeben von der Partei des Majorinus, steht bei Augustinus im 88sten Briefe, im Listen Theile der Werke dcs Augustinus, S. 244 der benedict. Ausgabe. Stroth. Eusebius Kirchengcschichte. 23 354 Kvnstcmttmis n. Licinius. Jahr Christus ZlZ. Melchiades.^ „erfunden wird und daß die Bischöfe unter einander Zwistigkeiten haben, „sv habe ich für gut gefunden, daß Cäcilianus selbst mit den 10 Bischöfen, die ihn anklagen wollen, und mit 10 andern, die er selbst zu „seiner Verantwonnng für nvthwcndig erachtet, steh auf einem Schiffe „nach Rom begebe, um dort in eurer und eurer Amtsgenossen Reticins, „Maternus und Marinns Gegenwart, welchen ich deßhalb bereits nach „Rom zu eilen befohlen habe, verhört werden zn können, wie ihr wißt, „daß es dem verehrnngswnrdigsten Gesetze gemäß ist. (1) Damit ihr aber „auch eine vollständige Kenntniß von der ganzen Sache erhalten könnt, „so habe ich Abschriften der Aufsätze, die durch den AnnlinuS an mich „geschickt worden sind, meinem Briefe beigelegt und an eure vorerwähnten „Amlsgenoffen gesandt. Wenn Ew. Ehrwnrden dieselben gelesen hat, so wird „sie ermessen können, auf welche Art die vorgedachte Streitsache auf das „Genaueste zn benrtheilen und nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit „zn entscheiden seyn wird, indem eurer Aufmerksamkeit nicht entgangen ,,seyn kann, daß ich gegen die rechtmäßige katholische Kirche eine solche »Verehrung hege, daß es mein Wunsch ist, daß ihr im Geringsten keine „Spaltung voer Trennung an irgend einem Orte übrig lasset. Die göttliche Gnade des großen Gottes möge euch, Hochgeschätztesie Männer, „viele Jahre lang bewahren!" 'Abschrift ei n es Sch r eibe n 6, worin derKaiser befiehl t, daß eine zweite Synode gehalten werden solle, um alle Trennung unter den Bischöfen a n fz n he b e n.(2) „Konstantinns Angnstns dem Bischof Chrestns von Syrasä sei- „nen Gruß. »Ich habe zwar schon früher, da einige Leute auf eine schlechte und „verkehrte Weise sich von der heiligen Religion, von der himmlischen „Kraft und von der katholischen Kirche zu trennen anfingen, Willens, „dergleichen Streitigkeiten unter ihnen ein Ende zn machen, den Befehl „erlassen, daß ans Gallien einige Bischöfe abgeschickt, so wie saß auch „aus Afrika von beiden sich daselbst mit großer Heftigkeit unablässig „streitenden Parteien einige vorgcfordcrt werden sollen, damit in Gegenwart des Bischofs von Rom der streitige Gegenstand vermittelst der „genauesten Untersuchung durch sie seine Erledigung finden könne. Allein °° Z. Chr. 311. Silvester, 32ster Bischof zu Rom. (1) Nämlich dem göttiichcn Gesetze, das da befiehlt, daß man keinen unvcrhört verdammen solle. Uebrigens erhellt aus dem folgenden kaiserl. Schreiben, daß die hier genannten Bischöse Maternus, Marinus und Reticius gallische Bischöfe gewesen. Stroth. (2) Cäcilianus war von der Synode, welche zu Rom im Oktober des 313ten Jahres gehalten wurde, für unschuldig erklärt worden, deren Ausspruch unter Anderem dieß mit sich brachte, daß, wenn an einem Orte zwei Bischöfe wären, deren einer von Majorinus, der andere von Cäcilianus ordinirt worden, so sollte der bleiben, der zuerst wäre ordinirt worden, und für den andern sollte bei der nächsten Vakanz gesorgt werden. Die Partei des Donatus und Majorinus wollte sich hiebci nicht beruhigen, sondern drang auf eine weitere Untersuchung der Sache. Dieß veranlaßte den Kaiser, eine anderweitige zahlreiche Synode anzuordnen, welche zu Arles in Gallien gehalten wurde, und wozu er auch durch diesen Brief den Bischof von Syrakus berief. Stroth. Konstautinns n. Licinius. Jahr Christus ZI Silvester. .355 „weil einige, wie es so zu geschehen pflegt, mit Nichtachtung ihrer eigenen „Wohlfahrt und der der heiligsten Religion schuldigen Verehrung auch „noch jetzt ihre Privatfeindschaften fortzusetzen nicht aufhören und sich „mit dem schon gefällten Urtheil nicht zufrieden geben wollen, mit „der Behanvtung, daß es nur sehr wenige gewesen wären, (1) welche „ihren Spruch und ihr Urtheil gefällt hätten und daß diese ohne vorhergegangene genaue Untersuchung der einer solchen bedürfenden Umstände „zu schnell und hitzig sich mit Fällung des UrtheilS beeilt hätten, und „da ans diesem allem der Uebelstand sich ergibt, daß einestheils gerade „diejenigen, welche eine gleichgestimmte, brüderliche Einträchtigkeit gegen «einander hätten beobachten sollen, auf eine schändliche oder vielmehr abscheuliche Weise sich von einander trennen, anderntheils diejenigen, deren „Gesinnung von der heiligsten Religion abgewandt ist, auf diese Art «Gelegenheit zum Spott erhalten, so habe ich es für meine Pflicht ge- ..halten, Sorge zutragen, daß der Gegenstand, welchen man nach schon „.ausgesprochenem Urtheile durch freiwillige Uebereinkunft hätte beruhen „lassen sollen, doch wenigstens jetzt einmal durch die Gegenwart vieler „seine Erledigung finden könnte. Da wir nun bereits den Befehl er- „theilt haben, daß eine große Anzahl Bischöfe aus sehr vielen vcrschie- „denen Orten in der Stadt Arelate (2) bis zum ersten August (Z) zusammenkommen sollen, so haben wir geruht, auch dir zuschreiben, du „sollest dir vom hvchansehnfichen Korrektor (ä) von Sicilien Latronianns „ein öffentliches Fuhrwerk geben lassen, und zwei Männer vom zweiten „Sitze, (5) die du dir nach deinem eigenen Gefallen auswählen magst, „und überdieß drei Diener zur Aufwartung unterwegs mit dir nehmen „und innerhalb des bestimmten Termins an dem vorherbesagten Orte „dich einfinden, damit durch deine Ehrwürdcn und durch die einhellige „und einmüthige Einsicht der andern daselbst Versammelten, auch diese „Sache, welche bis jetzt auf eine schlechte Art durch gewisse schimpfliche „Zänkereien fortgedauert hat, nach Abhörung alles dessen, was von den „beiden streitenden Parteien, denen wir gleichfalls zu erscheinen befohlen „haben, gesagt werden kann, endlich einmal zur geziemenden Religion „und Glanben und zur brüderlichen Eintracht zurückgeführt werden könne. «Der allmächtige Gott möge dich viele Jahre lang gesund erhalten!" (t) Es waren nämlich außer dem Bischof zu Rom und den drei genannten gallischen Bischöfen noch 13 italiänischc Bischöfe zugegen, deren Namen Optatus nennt. Stroth. (-) Jetzt Arles in Frankreich. (3) Des Jahrs 314. f4) So hieß unter den Kaisern eine Art Landvögtc, welche über die Mittlern Provinzen gesetzt waren. (5) Dicß sind die Presbyter. Rur sie und der Bischof saßen, doch so, daß der Stuhl des Bischofs höher war, als der ihrige. Uebrigens behauptete Hieronymus zu seiner Zeit noch, daß Bischof und Presbyter einerlei scy und daß jener weiter nichts scy als der erste Presbyter. Man sehe den Brief -ul Lva-zrinni im I'om. II. seiner Werke S. 220. Stroth. 33 ^ 356 Konstautinus u. Licinius. Jahr Christus Zsst. Silvester. Sechstes Hauptst ü ck. Abschrift eines Schreibens, durch welches der Kaiser den Gemeinden Geld schenkt, (t) „Konstautinus Augnstus dem Bischof Cäcilianuö von Karthago sei- „nen Gruß. „Da ich geruht habe, in allen Provinzen von Afrika, Numidien „und Manritanien gewissen Dienern der rechtmäßigen und heiligsten „katholischen Religion zu ihren Ausgaben einen Beitrag reichen zu lassen, „so habe ich an den hochansehnlichen Kammerpräsidenten von Afrika, „Ursns, ein Schreiben ergehen lassen, worin er angewiesen ist, deiner „Ehrwnrden 5000 Folles(2) auszahlen zu lassen. Wenn du nun die ermähnte Geldsumme in Empfang nehmen lässest, so sorge dafür, daß „dieses Geld allen Vorgedachten nach der von Hosius (Z) an dich gesandten Anweisung ansgetheilt werde. Wenn du aber bemerken solltest, „daß, um meine Geneigtheit gegen euch alle in dieser Beziehung voll zu „machen, noch etwas fehle, so magst du ohne Bedenken, was du noch „für nothig erachtest, von unserem Kammerrath HeraklideS fordern. „Denn ich habe ihm mündlich den Befehl erthcilt, wenn deine Ehrwürden »etwas an Geld von ihm verlangen sollte, es ohne irgend ein Bedenken „auszahlen zu lassen. Da ferner zu meiner Kenntniß gelangt ist, daß „einige verkehrte Menschen das Volk der heiligsten und katholischen Kirche „durch gewisse schändliche Verführungen irreleiten wollen, so sey dir zu „wissen gethan, daß ich dem Prokonsul Annlinus und dem Vice-Statt- „halter Patricus mündlich den Befehl ertheilt habe, sie sollen unter „allem Andern auch vorzüglich darauf die gebührende Sorgfalt richten „und es sich nicht beigchcn lassen, wenn dergleichen vorfällt, solches zu „übersehen. Wenn du demnach bemerkst, daß Leute dieser Art bei demselben Wahnsinn beharren, so wende dich ohne Bedenken an die gedachten Nichter und trage darauf an, daß sie dieselben, wie ich ihnen „mündlich befohlen habe, zur Srrafe ziehen können, (st) Die Gnade des „großen Gottes möge dich viele Jahre lang schützen." (k) Konstantin wollte wahrscheinlich — wie Schrökh vermnthct — den katholischen Lehrern in Afrika dadurch den Schaden ersetzen, den sie entweder durch die Donatisten oder unter Maxcntius erlitten hatten. (L) Ein um diese Zeit sehr üblicher Münznamc. Es ist aus Nachrichten der Alten und besonders des Epiphanius (llo »wnss. ei punäil. p. t84) klar, daß es zweierlei FolleS gegeben, davon die eine Art ungefähr der L25ste Thcil der andern war. Die geringere Art war, nach dem Zeugnisse des Suidas und Anderer, den Obolcn gleich; man sieht aber wohl, daß diese hier nicht anzunehmen sey, weil sonst die ganze geschenkte Summe nicht viel über t000 Ncichsthalcr betragen haben würde, welches für so weitläustige Provinzen sehr wenig gewesen wäre. Nimmt man aber die größere Art an, so betrug es eine Summe, die sich über 70,000 Reichsthalcr bclicf, und diese ist hier nach aller Wahrscheinlichkeit anzunehmen, Stroth. (3) Der hier genannte Hosius war ohne Zweifel der berühmte Bischof zu Eorduba in Spanien, der beim Kaiser sehr viel galt. Eusebius gedenkt seiner noch einigemal, doch ohne Namen im zweiten und dritte» Buch vom Leben Konstantins. Stroth. (4) Es ist zu bemerken, daß dieß der erste öffentliche landesherrliche Befehl ist, denjenigen, die von der gewöhnlichen Lehre des größern Theils abgehen würden, mit obrigkeitlicher Gewalt Einhalt zu thun. Konstantinus u. Licinius. Jahr Christus 514. Silvester. 357 Siebentes Hauptstück. Von der Befreiung der Geistlichen von öffentlichen Acmtern. (t) Abschrift des kaiserlichen S chreib ens, (2) worin er befiehlt, daß die Vorsteher der Gemeinden von allerTheil» nähme an öffentlichen Aemtern frei seyn sollen. „Sey gegrüßt von uns, sehr hochgeschätzter Anulinus! »Da aus mehreren Vorgängen erhellt, daß die Vernachläßigung und „Verachtung derjenigen Religion, in welcher die höchste Ehrfurcht vor dem „heiligsten himmlischen Wesen am vollkommensten erhalten wird, über den „Staat sehr große Gefahren gebracht, daß dagegen ihre gehörige Beobachtung und Ausübung dem römischen Reiche das größte Gedeihen und allen „Menschen ein ausnehmendes Heil durch die göttliche Gnade zuwege gebracht „hat, so habe ich, mein hochgeschätztester Annlinns, für dienlich erachtet, daß „die Männer, welche mit dem gebührenden heiligen Sinn und mit der ernsten „Beobachtung dieses Gesetzes ihre Dienste der Besorgung der göttlichen' „Religion widmen, für ihre Bemühungen würdige Vergeltung erhalten. „Es ist darum mein Wille, daß alle diejenigen, welche innerhalb der dir „anvertrauten Provinz in der katholischen Kirche, welcher Cäcilianus vor- „steht, ihre Dienste dieser heiligen Religion weihen, Kleriker, wie man sie „zu nennen pflegt, durchaus von allen öffentlichen Bedienungen befreit „seyn sollen, damit sie nicht auf irgend eine Art durch einen Jrrthum „oder ein heilloses Straucheln von dem der Gottheit gebührenden Dienst „abgezogen werden, sondern vielmehr im Gegentheil ohne irgend eine Belästigung ihrem eigenen Gesetze nach leben. Denn indem sie den Dienst „der Gottheit aufs Eifrigste verrichten, so erwächst daraus, wie ich überzeugt bin, dem Staate unglaublich große Hülfe. Lebt wohl, hochgeschätztester „und geliebtester Anulinus." Achtes Hauptstück. Von der später sich zeigenden Schlechtigkeit des LiciniuS und von seinem Sturze. Ein solches Glück nun schenkte uns die göttliche und himmlische Gnade der Erscheinung unseres Erlösers, ein solcher Ueberflnß au Gutem wurde durch den Frieden, dessen wir genossen, allen Menschen zu Theil. Und so befanden wir uns in lauter Freude und Festlichkeiten. Allein der Anblick dessen, was er sah, war dem das Gute hassenden Neide und dem das Böse liebenden Teufel unerträglich, so wie auf der (t) Darunter sind die sogenannten eben so beschwerlichen als kostspieligen Municipali- tätsämtcr ( >). Silvester andern Seite auch für den Licinius das unglückliche Schicksal der vorhin erwähnten Tyrannen noch nicht hinreichend war, ihn klug und weise zu machen. Denn obgleich eö ihm sehr wohl erging in seinem Reiche, obgleich er der nächsten Ehre nach dem großen Kaiser Konstantinns und der Verschwägernng ( l) und vornehmsten Verwandtschaft mit ihm gewürdigt worden war, so unterließ er eS doch, jenem im Guten nachzuahmen, sondern war vielmehr in der Verworfenheit und Schlechtigkeit ein Nacheiferet' jener gottlosen Tyrannen und zog es vor, den Grundsätzen derer zu folgen, deren Untergang er mit seinen eigenen Augen angesehen hatte, als in der Gesinnung und Freundschaft des Bessern zu verharren. Voll Neid gegen seinen großen Wohlthäter erhob er einen frevlerischen und schweren Krieg gegen diesen, ohne Rücksicht auf die Gesetze der Natur zu nehmen, ohne der Eide, ohne des Blutes, ohne der Vertrags eingedenk zu seyn. Denn KonstantinuS hatte ihm als ein höchst gütiger Kaiser Zeichen des aufrichtigsten Wohlwollens gegeben, hatte sich der Verwandtschaft mit ihm nicht geweigert und hatte ihm die ehrenvolle Verheirathuug mit seiner Schwester nicht abgeschlagen, sondern ihn gewürdigt, seines alten Adels und seines altkaiserlichen Blutes (2) theilhaftig zu werden, und ihm als Schwager und Mitkaiscr das Recht gegeben, an der Negierung des ganzen Reiches Thcil zu nehmen und ihm keinen geringen! Theil der römischen Provinzen zu regieren und zu beherrschen geschenkt, als er selbst hatte. (Z) Allein Licinius that von diesem Allem gerade das Gegcntheil, ersann täglich mancherlei Anschläge gegen den Bessern und erdachte alle Arten von Nachstellungen gegen ihn, um seinem Wohlthäter mit Bösem zu vergelten. Anfänglich versuchte er seine Anschläge geheim zu halten und heuchelte noch Freundschaft gegen Konstautin, stellte ihm aber mit Hinterlist und Trug sehr häufig nach, wodurch er am leichtesten seinen Zweck zu erreichen hoffte. Allein Gott war der Freund, Fürsorger und Beschützer des KonstantinuS, welcher alle im Geheimen und in der Dunkelheit gegen diesen bereitete 'Nachstellungen au das Licht brachte und zu Schanden machte. So viel vermag die starke (1) Licinius satte im Jahr 613 die Konstantia, die Schwester des Konstantmus, gcheirathct. (2) Das konstantinischc Geschlecht leitete seine Abkunft vom Kaiser Klaudius II. (regierte von 268-270) ab, den wiederum die Sage theils zu einem natürlichen Sohne des jüngcrn GordianuS, theils zu einem Rachkommen der alten trojanischen Könige machte. (o) Dicß ist völlig unrichtig. Licinius hatte seine Erhebung zum Augustus im geringsten nicht dem KonstantinuS, sondern dem Valerius, und einen Thcil der von ihm beherrschten Lander theils ebenfalls dem letztern, theils seinem Schwerte zu verdanken. Welcher von beiden, als der Krieg zwischen ihnen ausbrach, Recht hatte, ist bei den spärlichen Gcschichtsquellen der damaligen Zeit schwer zu entscheiden. Zosimus gibt dem Licinius Recht. Indessen waren es zwei Kriege, welche KonstantinuS und Licinius mit einander führten. Im ersten wurde Licinius in zwei Schlachten, bei Cibalis und Mardia, geschlagen und mußte um Frieden bitten, dcr ihm gegen Abtretung seiner sämmllichcn europäischen Besitzungen, mit Ausnahme Thracicns, gewährt wurde (615). Acht Jahre später entstand ein zweiter, für Licinius noch unglücklicherer Krieg, in welchem dieser sich nach dem Verlust dcr großen Schlacht von Adrianopel dcr Gnade des Siegers ergeben mußte, welcher zwar vor der Hand ihm das Leben schenkte, aber später zu Thcssalonich ihn tobten ließ. Eusebius scheint im Texte bloß von dem zweiten Kriege zu reden- Kvnstautinus u. Licinius. I. Chr. 514 — 519. Silvester. ZZ9 Rüstung einer ausgezeichneten Gottseligkeit zur Schutzwehr gegen die Feinde und zur Bewahrung der eigenen Wohlfahrt. Von dieser beschützt, entging unser gottgeliebtester Kaiser den arglistigen Nachstellungen des Verruchten. Wie dieser sah, daß ihm seine heimlichen Nachstellungen im geringsten nichr nach Wunsch von Statten gingen, da Gott jegliche Hinterlist und alle Tücke dem gottgeliebten Kaiser entdeckte, so erhub er, weiter nicht mehr im Stande, verborgen zu bleiben, einen offenbaren Krieg. Indem er aber gegen Konstantinuö seine Waffen zu tragen beschlojstn hatte, schickte er sich zugleich auch an, gegen den alimächtigen Gocr, den Konstantinus, wie er wohl wußte, verehrte, zu Felde zu ziehen. Deun nun fing er an, die unter seiner Regierung stehenden Gottcoverehrer, die seinem Reiche nie im geringsten irgend einen Nachtheil gebracht hatten, nach und nach im Stillen zu bekämpfen. Und dieß that eck, von der ihm angebornen Bosheit zu der schrecklichsten Blindheit gezwungen. Er führte sich daher weder das Andenken derjenigen, die vor ihm die Christen verfolgt hatten, vor Augen, noch auch derer, die er selbst wegen ihrer Gottlosigkeiten verderbt und bestraft hatte, sondern aller vernünftigen Ueberlegnng beraubt oder vielmehr im Zustande völligen Wahnsinnes, beschloß er, Gott selbst, den Beschützer des Konstantinns, statt des von ihm Beschützten, zu bekriegen. Zuvorderst vertrieb er alle Christen von seinem Hofe, wodurch der Unglückliche sich selbst des Gebetes beraubte, welches dieselben für ihn und für alle Menschen zu Gott nach väterlicher Weise zu verrichten pflegen. Sodann erließ er den Befehl, daß alle Soldaten in den Stadien (1) abgedankt werden und ihrer Eyren verlustig gehen sollten, wenn sie nichr den Götzen opfern wollten. Doch dieß waren noch Kleinigkeiten in Ver- gleichung mit dem Aergern, das darauf folgte. Jndeß wozu soll ich Alles, was jener Gvttesverächter verübte, einzeln und stückweise erzählen? Wie er, der Allergesetzloseste, gesetzwidrige Gesetze erfand ? Erließ er doch eine Verordnung, daß man gegen keinen der Unglücklichen in den Gefängnissen durch Darreichung von Speise sich menschenfreundlich bezeigen, noch derer, welche in Fesseln und Banden vor Hunger verschmachteten, sich erbarmen, noch daß überhaupt Jemand gut seyn, noch daß denjenigen, die von der Natur selbst zum Mitleiden mit ihren Nebenmenschen hingetrieben werden, etwas Gutes gethan werden solle. Dieß war denn offenbar ciue höchst rücksichtslose nud grausame Verordnung, welche jede sanftere Regung verbannen mußte. Allein ihr noch beigefügt war die Strasbestimmnng, daß Jeder, der Mitleiden äußern würde. Gleiches mir dem Gegenstande seines MitteiSens leiden müßte, und daß diejenigen, welche den Unglücklichen einen menschenfreundilcheu Dienst erzeigten, in Ketten und Banden geworfen werden und die gleiche Strafe, wie Jene, erdulden sollten. So lauteten die Verordnungen des Licinins. (1) Stach einer Vcrgleichung dieser Nachricht mit der im Leben Konstantins 1, 34. enthaltenen sind unter diesem Ausdruck wohl weniger in wirklichen Kriegsdiensten stehende Soldaten, als Diener der Beamten, im Lateinischen vtlicinlos, igmnritoros, im Griechischen aber auch Soldaten genannt, zu verstehen. 360 KonstantinuS u. Licinius. Jahr Christus 319. Silvester. Wozu soll ich seine Neuerungen in Betreff der Heirathen oder der Sterbenden herzählen, Neuerungen, wodurch er die alten, trefflich und weise abgefaßten Gesetze der Römer abzuschaffen sich herausnahm und dagegen einige barbarische, grausame und in der That ungesetzmäßige und gesetzwidrige Gesetze einführte? Er erfand überdies; tausenderlei Titel von Auflagen, (1) mancherlei Stenern an Gold und Silber und wiederholte Ausmessungen der Felder zum Nachtheil der von ihm beherrschten Provinzen und suchte sogar von Leuten auf dem Lande, die nicht mehr am Leben, sondern schon längst gestorben waren, einen höchst drückenden Gewinn. Wozu soll ich die Landesverweisungen erzählen, welche dieser Menschenfeind über völlig Unschuldige verhängte, wozu die Verhaftungen verschiedener Männer von Stand und Ansehen, denen er ihre jungen Frauen entriß und sie einigen garstigen Dienern als Werkzeuge schnöder Lust übergab, wozu erzählen, mit wie vielen verheiratheten Frauen und Jungfrauen er, ein Mann im höchsten Alter, (2) noch seinen Mnthwillen trieb und seine unmäßige« Begierden sättigte — wozu, sage ich, soll ich dieß Alles der Länge nach erzählen, da das Ausschweifende seiner letzten Thaten machte, daß die erster» nur als geringfügig und als nichts erscheinen ? Denn zuletzt ging er in seinem Wahnsinn sogar so weit, daß er sich an die Bischöfe machte, weil er sie als die Diener deö allmächtigen Gottes für Gegner seiner Unternehmungen ansah. Er machte sich indeß noch nicht offen an sie ans Furcht vor dem mächtigern Konstantinns, sondern nur heimlicher und hinterlistiger Weise, und ließ die vorzüglichsten von ihnen durch Nachstellungen von Seiten seiner Statthalter ans dem Wege räumen. Die Art und Weise aber, wie er sie umbringen ließ, war eine ganz neue und bisher noch nicht erhörte. Was er aber bei Amasea und den übrigen Städten von Pontns verübte, übersteigt alles Uebermaß von Grausamkeit. Er ließ daselbst die Kirchen Gottes theils von Neuem (1) Du Valois hat einige Stellen aus dem Aurelius Viktor und Libanius angeführt, worin gesagt wird^, daß Licinius den Landlcuten sehr zugcthan gewesen und daß die Städte unter ihm sehr geblüht hätten. Ich muß noch hinzufügen, daß Zosimus gerade dasselbe von Konstantin erzählt und noch weit ärgere Gclderprcssungen ihm beilegt, als Eusebius dem Licinius. „Er erschöpfte — schreibt er im 38sten Kapitel des 2tcn Buches, unauf- „hörlich die kaiserlichen Einkünfte durch Schenkungen, welche er unnützen und unwürdigen „Leuten gab und nannte seine Verschwendung bei denselben Freigebigkeit. Dagegen drückte „er die Kontribuenten. Er legte den Kauflcuten im ganzen Reich und sogar den ärmsten „Krämern in den Städten eine Kontribution an Gold und Silber auf. So oft das jedes- „malige vierte Jahr herannahte, sah man nichts als Weinen und Wehcklagen in allen „Städten. Und wenn die Zeit selbst kam, so wurden Geißel und Folter bei denen gebraucht, „die aus Armuth nichts geben konnten. Eltern ließen ihre Töchter schänden, um nur von „dem Gewinn den Steuereinnehmern den Tribut bezahlen zu können lc." In Ansehung der Verschwendung des Konstantinus bezeugt auch Aurelius Viktor dasselbe. Ich gebe gerne zu, daß Josimus aus Abneigung gegen Konstantinus die Sache übertrieben, habe auch die Stelle nicht in der Absicht angeführt, um den „gottgelicbten Kaiser" anzuschwärzen, allein muß man denn auf der andern Seite dem eben so einseitigen und offenbar parteiischen Eusebius gerade Alles glauben? Hieraufhabe ich die Leser aufmerksam machen wollen, das» fie die zwischen Eusebius und Zosimus in der Mitte liegende Wahrheit selbst suchen. Stroth. (2) Auch dieß ist mit rhetorischer Freiheit übertrieben. Licinius war um diese Zeit ungefähr 55 Jahre alt. Valesius. Konstantinus u. Licinius. I. Chr. 519—52ss. Silvester. JLI dem Erdboden gleich machen, theils schließen, damit Niemand von den gewöhnlichen Besuchern daselbst zusammenkommen, noch Gott den gebührenden Dienst erweisen könnte. Denn er glaubte, von seinem bösen Gewissen auf solche Gedanken gebracht, nicht, daß die Gebete daselbst für ihn dargebracht würden, sondern war vollkommen überzeugt, daß wir für den gottgeliebten Kaiser Alles thäten und von Gott Gnade für ihn erflehten. Daher suchte er seinen Zorn an uns auszulassen. Diejenigen von den Statthaltern, welche ihm schmeicheln wollten und wußten, daß sie dem Verworfenen dadurch wohlgefällig seyen , belegten einige Bischöfe mit den gewöhnlichen Strafen der Missethater, und Männer, die im geringsten nichts verbrochen hatten, wurden ohne alle Ursache fortgeschleppt und Mördern (1) gleich bestraft. Andere mußten eine ganz neue Todcsart erdulden. Man zerhackte nämlich ihre Körper mit einem Schwert in viele Stücke und warf sie nach dieser unmenschlichen, höchst schauerlichen Scene in die Tiefe des Meeres, den Fischen zur Speise. Auf dieß begann von Neuem die Flucht der gottseligen Männer. Wiederum nahmen Felder, wiederum Einöden und Wälder und Berge die Diener Gottes auf. Da dieß auf diese Art dem Gottlosen von Statten ging, so nahm er sich nun weiter vor, eine neue Verfolgung wider Alle zu erregen. Und wirklich würde er seinen Zweck erreicht haben, ohne daß ihm etwas im Wege gewesen wäre, das den Fortgang seines Unternehmens gehemmt hätte, wenn nicht Gott, der Beschützer seiner Seelen, dem, was geschehen sollte, ans das Schnellste vorgegriffen und wie in tiefer Finsternis; und in der dunkelsten Nacht einen großen Stern und Retter ans einmal Allen hätte erglänzen lassen, indem er seinen Diener Konstantinus mit hohem Arm gleichsam an der Hand in diese Gegenden führte. Neuntes Hanptst ü ck. Von dem Siege des Konstantinus und was den Untcrthancn des römischen Reichs durch ihn zu Thcil geworden. Diesem schenkte Gott von oben herab vom Himmel Trophäen und Sieg über die Gottlosen als wohlverdienten Lohn seiner Frömmigkeit, den Bösewicht aber warf er nebst allen seinen Nathgebern und Freunden hingestreckt zu des Konstantinus Füßen. Wie nämlich der letztere es in seinem Wahnsinn bis zum Aeußersten trieb, da glaubte der Kaiser, der Freund Gottes, daß es nicht länger zu ertragen sey; er zog deßwegen seine Klugheit zu Nathe, vermischte die strengen Grundsätze der Gerechtigkeit mit denen der Menschenliebe, beschloß, voll des besten Willens, den unter dem Tyrauncnjoche Schmachtenden zu Hülfe zu kommen und unternahm es, durch die Hinwcg- räumung einiger weniger Bösewichter einen sehr großen Theil des Men- (l) Darauf scheint der ältere Wiktor anzuspielen, wenn er Kap. 4!. sagt, dem Licinius ftp es noch nicht Befriedigung genug gewesen, berühmte Philosophen unschuldiger Weise wie Sklaven kreuzigen zu lassen. Eusebius Kirchengeschichte. 362 Kvustautinns u. Licinius. I. Chr. ZI5—7>2ss. Silvester, schcngcschlechts zu retten. Denn während er früher nur den Eingebungen seiner Menschenliebe svlgte und Mitleiden mit dem hatte, der keiner Theil- nahme werth war, so kam es diesem nicht zu Statten, da er keineswegs von seiner Bosheit abließ, sondern im Gegeutheil noch seine Wuth gegen seine Unterthanen steigerte; diesen Unglücklichen aber, die vvn diesem grausamen Ungeheuer gequält wurden, blieb keine Hoffnung zur Rettung übrig. Dcß- wegen mischte der Beschützer der Tugend mit der Liebe zum Guten Haß gegen das Böse und zog in Begleitung seines Sohnes Krispus,(1) des menschenfreundlichsten Fürsten, aus, um seine rettende Hand Allen, die zu Grunde gehen wollten, zu reichen. Sodann trugen beide, Vater und Sohn, unter der Leitung und unter dem Beistande des allwaltenden Gvries, des Sohnes Gottes, des Erlösers Mn', nachdem sie ringsherum ihre gegen die Gottesverächter hinausgeführte Streitmacht vertheilt hatten, einen leichten Sieg davon, da ihnen in der Feldschlacht selbst Alles von Gott nach Wunsch erleichtert wurde. So waren denn also diejenigen, die noch gestern und ehegesteru Tod und Drohungen geschnaubt hatten, plötzlich und ehe man es sich versah, nicht mehr, ihrer wurde auch nicht einmal dem Namen nach mehr gedacht, und ihre Gemälde und andere Ehrendenkmäler traf die verdiente Schande, lind was Licinius mit eigenen Augen bei den vorigen gottlosen Tyrannen gesehen hatte, eben dasselbe widerfuhr jetzt ihm auf gleiche Weise. Denn da weder er selbst sich hatte zurechtweisen lassen, noch durch die Strafe Anderer klug geworden, sondern aus demselben Wege der Gottlosigkeit, wie jene, gewandelr war, so stürzte er jetzt mit vollem Rechte in denselben Abgrund. Und dieser lag denn auf solche Art darniedergestreckl da. Der durch jegliche Tugend der Gottseligkeit ausgezeichnete große Sieger Konstantin dagegen nahm mit seinem Sohne Krispus, den gottgefälligen und seinem Vater in allen Stücken ähnlichen Fürsien, Besitz von seinem Orient und errichtete wieder ein einziges vereintes Nömerreich, wie es vormals gewesen, indem sie alle Lande vom Aufgang bis zum äußersten Untergang nebst Mittag und Mitternacht ihrem friedlichen Scepter unterwarfen. Den Menschen war nun alle Furcht vor denen, welche sie einst bedrückt hatten, benommen, und sie feierten deßwegen herrliche Fest- und Freudentage. Alles strahlte von Heiterkeit und mit freudelächelndem Antlitz und heiteren Blickes sahen diejenigen einander an, die vorher niedergeschlagen gewesen waren. Mit Neigen und Lobgesängen pries man in den Städten und auf dem Lande vor allen Andern Gott, den allwaltenden König (wie sie es als Christen gelehrt worden waren) und sodann den frommen Kaijer nebst seinen gottgeliebteu Söhnen. Das Andenken an die alten Leiden war verschwunden, Vergessenheit aller Gottlosigkeit eingetreten; man lebte nur dem Genüsse des gegenwärtigen und der Hoffnung des zukünftigen (t) Dieser talentvolle, treffliche Sohn Konstantins war schon im Jahr 315 von seinem Vater zum Cäsar ernannt worden. Er endigte später, von seiner Stiefmutter Fausta eines blutschänderischen Angriffs auf ihre Keuschheit beschuldigt, als er ihre Liebesanträge abwies, zu Pola in Jstrien auf Befehl seines Vaters entweder durch Nachrichtcrshand oder durch die sanfteren Wirkungen des Gifts sein Leben. Konstantinus u. Liciuius. Jahr Christus 32si. Silvester. Ltt.Z Glückes. Allenthalben wurden Edikte des siegreichen Kaisers, die durchaus den Geist der Menschenfreundlichkeit athmeten, und Gesetze, die Beweise seiner Freigebigkeit und echten Frömmigkeit enthielten, angeschlagen. Da nun auf diese Art jegliche Tyrannei ausgerottet war, so verblieb dem Kon- stantinus und seinen Söhnen allein das ihnen zukommende Reich sicher und unangefochten. Diese löschten die Gottlosigkeit aller frühern Kaiser aus und, des ihnen von Gott geschenkten Guten sich bewußt, bewiesen sie ihre Liebe zur Tugend und zu Gott, so wie ihre Frömmigkeit und ihre Dankbarkeit gegen das göttliche Wesen durch ihre Handlungen, welche sie Jedermann offen vor Augen legten. Ende des zehnte» und letzten Buches der Kirchcngcschichtc. Druckse!) ler, welche man zu entschuldigen bittet. Seite 7 Linie 11 von oben ist zu lesen derselbe Lehrer statt dieselbe Lehre. — IN — 17» —- — Lenden st. Landen, cbendas. L.35 makkabäischcn st. mannabäischcn. — Iii — 3l — — diesem gemäß st. diesen gemäß, ebcudas. L. 32 Talente st. TalaS. — 18 — 25 — — nun st. nur. — 29 29 — — Osrocs st, OSroene. — 33 — 33 — — Flgccus st. Flavius. — 39 — 23 — — Hartes st. Partei. — 30 — 3 — — Unfälle st. Anfälle. — 31 — 2 — — Korbonas st. Korbon. — 38 — Iii — — gewaltigen st. gewaltiger. 01 — 13 — — von welchen st. von welchem. — 03 — «i — — nachdem er unzählige st. nachdem unzählige, cbendas. L. 33 Dionysius st, Diongsius. — 03 ^ 39 — — Dalläus st, DallauF. — 71 — 31 — von denen st. vor denen. — 79 — 0 — — fährt st, führt. — 83 — 39 ^ — tontuvorat st. tertaverat u. L. 39 cruclelitutv st, curtelitstv. — 89 — 22 — — sodann sind die Briefe st. sodann die Briefe, cbendas, L. 23 ist zu lesen: gehört der dem Iakobns und dem IudaS zugeschriebene Brief, n. L. 39 Hauptsiück 39 st, 3, 9. — 95 — 17 — — Abhandlungen st. Gedanken. — 98 — 3 — — diese st. dieß. — 199 — 35 — — Ist hinter Judcnthum ein Komma st. eines Punktums zu sehen — 192 — 31 -- — Petrus st. Petrum. — 199 — 13 — — Quictus st. L.nictus. —- 117 — 7 — — Serenius Granianus st. Scrcnnius, — 118 — 35 — — guter Gott st. ungerechter Gott. —>120 Hier ist die Stelle der Anmerkungen 2 u, 3 verwechselt. — 123 Linie 33 von oben Hohenpriester st. Hohenpriestern. — 129 — 17 — — unbestrittenen st. bestrittenen. — 138 — 0 — — Sartuniliancr st. Saturnitianer. cbendas. L. 32 Niccphorus st. Niphorus. — 139 — 12 — — zu Anderem st. zum Andern, cbendas. L. 29 Laccdämonicr st. Landämonier. — 131 — 29 — — Autolykus st. Autolikus. — 133 — 29 — ^ ist hinter Jesus daS Komma zu streichen ». L. 31 Hohelied statt eines Punktums ein Komma, hinter Hiob aber ein Punktum zu sehe». — 135 — 0 — — Apollinaris st. Appollinaris. 365 Seite 149 Linie 39 von oben benannt st. bekannt. ». L. 19 ist hinter darstellen daS AnführungS- zcichcn z» setzen, dagegen am Ende der Parenthese zn streichen. — Attalus st. Attabus. — bei nns st. bei ihnen. — Trajanus st. TrajancS. — nennten statt nannten. — ist welche zu streichen. — palästinensisch st. palästincsssch. — ist hinter Apelles das Komma zn streichen. — ist hinter Marimilla statt des PnnktumS ein Kolon zn setzen. — Diesen st. Diesem. — von katholischem st. katholischen, ebend. L. 19 Prophetin st. Prophctine. ebend. in der zweiten Anmerkung «vrcä st. ccvruv. — hassenden st. Hassenden. — rechtgläubige» st. recht gläubigen. — Lätns st. Cätns. — ans diese st. ans dich. — ist hinter Sohn noch hinzuzusetzen bei sich und L. 35 Plu- tarchus st. Platarchns. n. 37 HcraklaS st. Herakles zn lesen. — den Ungläubigen st. dem Ungläubigen. > Anmerkung ist am Ende hinznzuscizcn: angeführt, bcn Germanien st. Germanien. — ist zu setzen: seinen Gruß in dem Herrn st. seinen in dem Herrn. — In st. An. — Freunde st. Fende und in der Anmerkung der Diamantene st. der Diamantus. 17 — und in Anmcrk. 2 ist Thcodotio» st. Theodolion zu lesen. — — barbarischen st. hebräischen, u. Anmerk. 1 und Dinge z. B. st. »nd die z. B. n. Anmcrk. 2 unter Qualen und Tod st. und der Qualen und Tod. — — wie auch st. wiewohl auch.! — — Thcoktistns st. Theoklisins. L. 31 Bostra st. Hostra. und Anmerk. 3 stortus komsnus st. stortus komsiii. — — Mammäa st. Mannäa. — — Nun st. NuniZ. — — schriftliche Bearbeiter st. christliche Bearbeiter n. L. 3!> HcraklaS st. Herakles. — — Protoktctus st. ProtokletuS. — — Nachdem nach Mariminus st. Nachdem Mariminns. L. 22 u. 23 nahmen st. nahm, setzten st. setzte. — — bestimmte sie st. bestimmte für. L. 23 an der dortigen st. an die dortigen und in der Anmcrk. Phädimus von Amasea st. Phaidinus von Amases. — — seinen st. seinem. L. 22 Bostra st. Hostra. — — Apostaten st. Aposteln. L. 32 Sampsäer st. Samphäer. — — dennoch ab st. dennoch, ebend. L. 19 Bcsas st. Besses. L. 41 Jsidorus st. Thidorus. — — InAenuus st. liiAeros. — — Chärcmon st. Charenion. 1, L. 2 unten st. unter — 239 Linie 9von oben ist nicht zu streichen. 237 Anmerk. i, L. 4 von Betrunkenen vollzogen worden st. von Betrunkenen worden. — 134 — 33 — 139 — 5 — 1li4 — 3 — 193 — 49 — 197 — 27 — 198 — 33 — 171 — 5 — 173 — 38 — 179 — 8 — 179 — 3 183 — 11 — 189 — 22 — 193 — 39 — 194 — 22 193 — 13 — 199 — 21 — 2»1 Zu der — 292 ! Linie 39 > - 294 — 2 — 299 — 8 — 298 — 29 — 299 — li, 211 — 33 212 — 19 — 214 — o — 213 — 218 — 24 — 229 — 33 — 221 — 24 — 222 - 3 — 223 — 4 224 — 3 227 — 24 — 232 — 7 233 — 21 — 234 — 12 — 233 Anmcrk. 3Kli Seite 242 Anmerk. 3. L. 1 von oben 'i'orohrunii st. 4'ro!>r»ini. — 243 Linie 3 von oben Ilormammon st. Iloinumnun. — 244 — 30 — — Gemeinschaft st. Geimeinstbaft. — 246 Anmerk. 2, L. 1t somit eben so gut st. somit eben gut. — 247 Linie 12 von oben vor uns st. voraus. L. 17 diesem st. dieser. — 240 — 26 — — ist schaden zu streichen »nd Anmerk. 2, L. 2 Erstere wurden st. Erster wurde zu lesen. — 250 Anmerk. 2 xtr-cci sZ«cil.^3«g jl. Xx/oziLvog xlv«!., /ZcccriXLcox. — 255 Linie 24 von oben geworden ist. <3) MarimnS st. worden ist. f3) Maxiinns. cbend. L. 29 Zeit st. Zelt. — 256 Anmerk. 1, L. 3 Nacken st. Racken. — 263 — bei Thucidides 2, 64 st. bei Thucydidcs II. 64. — 267 Linie 25 von oben der ich solches st. der solches, cbend. L. 40 gesandt st. gesuno. — 271 Anmerk. 4, L. 6 Diese verdankte st. Dies! verdankte. — 274 Linie 4 Venoben bewahrt st. verwahrt, cbend. L. 30 zeigt und wodurch, st. zeigt, wodurch. — 275 — 24 ^ — welche auf ihn st. welche ihn. — 277 Anmerk. 4, L. 3 beilegen st. bürgten. — 278 — 2. L.^15 Lichtmatcric mit der Materie der Finsternis! st. Lichtmalcrei mit der Malerei der Finsterniß (und überhaupt immer Materie st. Malerei.) u. L. 16 iruböst« st. Tii'Lvu«. L. 10 Christus st. ChristiS. L. 42 ist hinter Fest das Punktum zu streiche». — 280 Linie 8 von oben vor der Gemeinde st. von der Gemeinde. L. 25 aristotelischen st. aristvtclilschcr. — 281 — 3 — — durch Hunger st. von Hunger. — 282 ist die Ucberschrift: DrciunddreißigsieS Hanptstück zu streichen u. L. 24 seinen für seinem, und Anmerk. 1. Ostcrrechnung st. Ostcnrechnung zu lesen. — 283 Linie 11 von oben sehr viele st. sehr Viele. Anmerk. 2, L. 3 Stelle, ingleichen st. Stelle, vergleiche und Anmerk. 3. L. 5l!rurliium st. str-minnm. — 284 — 11 — — bedurften st. bedürften. — 285 r-- 5 — — übernahm nach st. übernahm er nach. — 286 Anmerk. i Galerins st. Galerianus. — 287 Linie 23 von oben in seinem st. in seinen. L. 28 Hciligthum st. Heilgthnm. — 288 Anmerk. 1, L. 3 Augustinns st. Augustus. Anmerk. 3 ergebene und erfüllte st. ergeben und erfüllt. — 201 Linie 10 von oben ist die zn streichen und L. 12 als ein höchst gottloses st. als höchst gottloses. — 202 Anmerk. 2. L. 6 in seiner »rot. »cl coetum st. in seinem orut. scl ourl. ebcnd. L. 7 Manso st. Manfred. — 205 Linie 10 von oben um der Lehre st. der Lehre. — 206 — 3 — — würden st. wurden. — 300 — 6 — — ist das Komma hinter Martern zu streichen. L. 14 verstümmelt st. zcrstümmclt. — 301 — 43 — — möglich st. nützlich. — 303 — 2 — Peleus st. Pelcnb. L. 16 ihre Schicksale st. ihr Schicksal. 20 Gastmähler st. Gastnächten. — 304 Anmerk. 3 Eborakum st. Evorakum. Anm. 5. L. 2 Christ st. Geist. — 305 Linie 10 von oben trachtete st. trachte. L. 30 ist zu intcrpunktircn: GalcriuS. Licinius, Konstantin und Marcntius. Anmerk. 3. L. 2 einer Wiederannahme st. eine Wiederannahme. Anmerk. 4. L. 1 vertragen st. ertragen. 367 Seite 3N» Linie 1 von oben vornämlich st. nämlich, L. 8 gab er einst st. gab einst er. L. 3» für den st. er für den. — 3N7 — 21 — gegen die Uuterthancn st. gegen Unterthanen. — 30!» — 18 -- — wider alles st. wieder alles. — 31« — 4 - — Diese st. Dicfi. -- 311 — 5 — — hinter unüberwindlich ist ein Komma zu fegen. L. 7 bei nnd Valerius sollte eine neue Linie anfangen. 312 — 3» — — weder haßte, noch beschädigen st. weder haßte, beschädigen. L. 37 Kirchcngebaudc hatte zerstören lassen st. Kirchcngebäudc zerstören lassen. — 313 — 27 — — nur st. nun. 317 — 15 — — Christinnen st. Christen. — 318 — — — Mariminus st. Maximus. L. 27 ist hinter Strafgerechtigtcit das Komma zu streichen. 31!) — 2» ^ — jegliches st. gleiches. 32N — und durch euer» Gottesdienst st. durch den Gottesdienst. — 324 10 ^ — bedeckt hatte st. bedroht hatte. — 328 24 — Verordnung, die st. Verordnung, das. — 33N — 17 ^ — unerschrocken eines ruhmvollen Todes st. eines unerschrockene» ruhmvollen Todes. L. 1!) aufgestellt st. hcrumgeirrt. — 332 — — — des ihnen st. das ihnen. ,— 333 — 8 ist hinter durchdrang statt des PunklnmS ein Komma zu sehen. L. 3N vor Paulinus st. von Paulinus. — 338 — 44 alten st. alten. — 33!) — I!) — — Der Sah: Wer hat ein Volk :c. muß so umgeändert werden: Wer hat ein Volk, das vordem nicht einmal dem Namen' nach bekannt war, nicht in einem verborgenen Winkel der , Erde verborgen, sondern soweit dicSonne scheint, gegründet. — 341) — 5, — gestellt st, gesellt. L. 8 Hciliglhum st. äzcligthnm. L. 15 dem st. den. — 343 — IN ^— — Greuel st: Grund. — 35N — 3 — seinem Stalle st. seiner Stelle. L. 20 aller Andern st. allen Ander». , — 351 — 15 — — ungcirrt st. ungenirt. — 353 Anmcrk, . 2, L. l Z Silvester st. Silvcfur. — 354 Linie 25 von oben Syrakus st. Shrasae. - 35» — 24 — — Patricius st. Patricus.