Kvnstautinus u. Licinius. I. Chr. 514 — 519. Silvester. ZZ9Rüstung einer ausgezeichneten Gottseligkeit zur Schutzwehr gegen die Feindeund zur Bewahrung der eigenen Wohlfahrt. Von dieser beschützt, entgingunser gottgeliebtester Kaiser den arglistigen Nachstellungen des Verruchten.Wie dieser sah, daß ihm seine heimlichen Nachstellungen im geringsten nichrnach Wunsch von Statten gingen, da Gott jegliche Hinterlist und alleTücke dem gottgeliebten Kaiser entdeckte, so erhub er, weiter nicht mehr imStande, verborgen zu bleiben, einen offenbaren Krieg. Indem er abergegen Konstantinuö seine Waffen zu tragen beschlojstn hatte, schickte er sichzugleich auch an, gegen den alimächtigen Gocr, den Konstantinus, wie erwohl wußte, verehrte, zu Felde zu ziehen. Deun nun fing er an, die unterseiner Regierung stehenden Gottcoverehrer, die seinem Reiche nie im gering-sten irgend einen Nachtheil gebracht hatten, nach und nach im Stillen zubekämpfen. Und dieß that eck, von der ihm angebornen Bosheit zu derschrecklichsten Blindheit gezwungen. Er führte sich daher weder das An-denken derjenigen, die vor ihm die Christen verfolgt hatten, vor Augen,noch auch derer, die er selbst wegen ihrer Gottlosigkeiten verderbt undbestraft hatte, sondern aller vernünftigen Ueberlegnng beraubt oder viel-mehr im Zustande völligen Wahnsinnes, beschloß er, Gott selbst, denBeschützer des Konstantinns, statt des von ihm Beschützten, zu bekriegen.Zuvorderst vertrieb er alle Christen von seinem Hofe, wodurch der Un-glückliche sich selbst des Gebetes beraubte, welches dieselben für ihn undfür alle Menschen zu Gott nach väterlicher Weise zu verrichten pflegen.Sodann erließ er den Befehl, daß alle Soldaten in den Stadien (1)abgedankt werden und ihrer Eyren verlustig gehen sollten, wenn sie nichrden Götzen opfern wollten. Doch dieß waren noch Kleinigkeiten in Ver-gleichung mit dem Aergern, das darauf folgte. Jndeß wozu soll ichAlles, was jener Gvttesverächter verübte, einzeln und stückweise erzählen?Wie er, der Allergesetzloseste, gesetzwidrige Gesetze erfand ? Erließ er docheine Verordnung, daß man gegen keinen der Unglücklichen in den Ge-fängnissen durch Darreichung von Speise sich menschenfreundlich bezeigen,noch derer, welche in Fesseln und Banden vor Hunger verschmachteten,sich erbarmen, noch daß überhaupt Jemand gut seyn, noch daß den-jenigen, die von der Natur selbst zum Mitleiden mit ihren Nebenmen-schen hingetrieben werden, etwas Gutes gethan werden solle. Dieß wardenn offenbar ciue höchst rücksichtslose nud grausame Verordnung, welchejede sanftere Regung verbannen mußte. Allein ihr noch beigefügt wardie Strasbestimmnng, daß Jeder, der Mitleiden äußern würde. Gleichesmir dem Gegenstande seines MitteiSens leiden müßte, und daß diejeni-gen, welche den Unglücklichen einen menschenfreundilcheu Dienst erzeigten,in Ketten und Banden geworfen werden und die gleiche Strafe, wie Jene,erdulden sollten. So lauteten die Verordnungen des Licinins.
(1) Stach einer Vcrgleichung dieser Nachricht mit der im Leben Konstantins 1, 34.enthaltenen sind unter diesem Ausdruck wohl weniger in wirklichen Kriegsdiensten stehendeSoldaten, als Diener der Beamten, im Lateinischen vtlicinlos, igmnritoros, im Griechischenaber auch Soldaten genannt, zu verstehen.