AZ8 Konstantinns u. Licinius. Jahr Christus 7> >). Silvesterandern Seite auch für den Licinius das unglückliche Schicksal der vor-hin erwähnten Tyrannen noch nicht hinreichend war, ihn klug und weisezu machen. Denn obgleich eö ihm sehr wohl erging in seinem Reiche,obgleich er der nächsten Ehre nach dem großen Kaiser Konstantinns undder Verschwägernng ( l) und vornehmsten Verwandtschaft mit ihm ge-würdigt worden war, so unterließ er eS doch, jenem im Guten nach-zuahmen, sondern war vielmehr in der Verworfenheit und Schlechtigkeitein Nacheiferet' jener gottlosen Tyrannen und zog es vor, den Grund-sätzen derer zu folgen, deren Untergang er mit seinen eigenen Augenangesehen hatte, als in der Gesinnung und Freundschaft des Bessernzu verharren. Voll Neid gegen seinen großen Wohlthäter erhob er einenfrevlerischen und schweren Krieg gegen diesen, ohne Rücksicht auf dieGesetze der Natur zu nehmen, ohne der Eide, ohne des Blutes, ohneder Vertrags eingedenk zu seyn. Denn KonstantinuS hatte ihm als einhöchst gütiger Kaiser Zeichen des aufrichtigsten Wohlwollens gegeben,hatte sich der Verwandtschaft mit ihm nicht geweigert und hatte ihm dieehrenvolle Verheirathuug mit seiner Schwester nicht abgeschlagen, sondernihn gewürdigt, seines alten Adels und seines altkaiserlichen Blutes (2)theilhaftig zu werden, und ihm als Schwager und Mitkaiscr das Rechtgegeben, an der Negierung des ganzen Reiches Thcil zu nehmen undihm keinen geringen! Theil der römischen Provinzen zu regieren und zubeherrschen geschenkt, als er selbst hatte. (Z) Allein Licinius that vondiesem Allem gerade das Gegcntheil, ersann täglich mancherlei Anschlägegegen den Bessern und erdachte alle Arten von Nachstellungen gegen ihn,um seinem Wohlthäter mit Bösem zu vergelten. Anfänglich versuchte erseine Anschläge geheim zu halten und heuchelte noch Freundschaft gegenKonstautin, stellte ihm aber mit Hinterlist und Trug sehr häufig nach, wo-durch er am leichtesten seinen Zweck zu erreichen hoffte. Allein Gott warder Freund, Fürsorger und Beschützer des KonstantinuS, welcher alle imGeheimen und in der Dunkelheit gegen diesen bereitete 'Nachstellungen audas Licht brachte und zu Schanden machte. So viel vermag die starke
(1) Licinius satte im Jahr 613 die Konstantia, die Schwester des Konstantmus,gcheirathct.
(2) Das konstantinischc Geschlecht leitete seine Abkunft vom Kaiser Klaudius II. (regiertevon 268-270) ab, den wiederum die Sage theils zu einem natürlichen Sohne des jüngcrnGordianuS, theils zu einem Rachkommen der alten trojanischen Könige machte.
(o) Dicß ist völlig unrichtig. Licinius hatte seine Erhebung zum Augustus im gering-sten nicht dem KonstantinuS, sondern dem Valerius, und einen Thcil der von ihm beherrsch-ten Lander theils ebenfalls dem letztern, theils seinem Schwerte zu verdanken. Welchervon beiden, als der Krieg zwischen ihnen ausbrach, Recht hatte, ist bei den spärlichenGcschichtsquellen der damaligen Zeit schwer zu entscheiden. Zosimus gibt dem LiciniusRecht. Indessen waren es zwei Kriege, welche KonstantinuS und Licinius mit einanderführten. Im ersten wurde Licinius in zwei Schlachten, bei Cibalis und Mardia, geschlagenund mußte um Frieden bitten, dcr ihm gegen Abtretung seiner sämmllichcn europäischenBesitzungen, mit Ausnahme Thracicns, gewährt wurde (615). Acht Jahre später entstandein zweiter, für Licinius noch unglücklicherer Krieg, in welchem dieser sich nach dem Verlustdcr großen Schlacht von Adrianopel dcr Gnade des Siegers ergeben mußte, welcher zwarvor der Hand ihm das Leben schenkte, aber später zu Thcssalonich ihn tobten ließ. Eusebiusscheint im Texte bloß von dem zweiten Kriege zu reden-