Konstantinus u. Licinius. Jahr Christus 514. Silvester. 357
Siebentes Hauptstück.
Von der Befreiung der Geistlichen von öffentlichen Acmtern. (t)
Abschrift des kaiserlichen S chreib ens, (2) worin erbefiehlt, daß die Vorsteher der Gemeinden von allerTheil»nähme an öffentlichen Aemtern frei seyn sollen.
„Sey gegrüßt von uns, sehr hochgeschätzter Anulinus!
»Da aus mehreren Vorgängen erhellt, daß die Vernachläßigung und„Verachtung derjenigen Religion, in welcher die höchste Ehrfurcht vor dem„heiligsten himmlischen Wesen am vollkommensten erhalten wird, über den„Staat sehr große Gefahren gebracht, daß dagegen ihre gehörige Beobach-tung und Ausübung dem römischen Reiche das größte Gedeihen und allen„Menschen ein ausnehmendes Heil durch die göttliche Gnade zuwege gebracht„hat, so habe ich, mein hochgeschätztester Annlinns, für dienlich erachtet, daß„die Männer, welche mit dem gebührenden heiligen Sinn und mit der ernsten„Beobachtung dieses Gesetzes ihre Dienste der Besorgung der göttlichen'„Religion widmen, für ihre Bemühungen würdige Vergeltung erhalten.„Es ist darum mein Wille, daß alle diejenigen, welche innerhalb der dir„anvertrauten Provinz in der katholischen Kirche, welcher Cäcilianus vor-„steht, ihre Dienste dieser heiligen Religion weihen, Kleriker, wie man sie„zu nennen pflegt, durchaus von allen öffentlichen Bedienungen befreit„seyn sollen, damit sie nicht auf irgend eine Art durch einen Jrrthum„oder ein heilloses Straucheln von dem der Gottheit gebührenden Dienst„abgezogen werden, sondern vielmehr im Gegentheil ohne irgend eine Be-lästigung ihrem eigenen Gesetze nach leben. Denn indem sie den Dienst„der Gottheit aufs Eifrigste verrichten, so erwächst daraus, wie ich über-zeugt bin, dem Staate unglaublich große Hülfe. Lebt wohl, hochgeschätztester„und geliebtester Anulinus."
Achtes Hauptstück.
Von der später sich zeigenden Schlechtigkeit des LiciniuS und von seinem Sturze.
Ein solches Glück nun schenkte uns die göttliche und himm-lische Gnade der Erscheinung unseres Erlösers, ein solcher Ueberflnß auGutem wurde durch den Frieden, dessen wir genossen, allen Menschenzu Theil. Und so befanden wir uns in lauter Freude und Festlichkeiten.Allein der Anblick dessen, was er sah, war dem das Gute hassendenNeide und dem das Böse liebenden Teufel unerträglich, so wie auf der
(t) Darunter sind die sogenannten eben so beschwerlichen als kostspieligen Municipali-tätsämtcr (<Ioo»,i»nvs, ouiinles rc.) verstanden, von deren Uebernahme auch die heidnischenPriester, so wie die jüdischen Patriarchen befreit waren.
(2) Dieser Brief sowohl, als der nächstvorhergehendc, gehen, der Zeitordnung nach,denen voran, die an den Miltiadeö und Chrcstus geschrieben und oben geliefert wordensind. Auf den hier stehenden Brief war jenes Schreiben des Anulinus bei Augustin dieAntwort und hierauf folgte erst das Schreiben an Miltiades.