356 Konstautinus u. Licinius. Jahr Christus Zsst. Silvester.
Sechstes Hauptst ü ck.
Abschrift eines Schreibens, durch welches der Kaiser den Gemeinden Geld schenkt, (t)
„Konstautinus Augnstus dem Bischof Cäcilianuö von Karthago sei-„nen Gruß.
„Da ich geruht habe, in allen Provinzen von Afrika, Numidien„und Manritanien gewissen Dienern der rechtmäßigen und heiligsten„katholischen Religion zu ihren Ausgaben einen Beitrag reichen zu lassen,„so habe ich an den hochansehnlichen Kammerpräsidenten von Afrika,„Ursns, ein Schreiben ergehen lassen, worin er angewiesen ist, deiner„Ehrwnrden 5000 Folles(2) auszahlen zu lassen. Wenn du nun die er-mähnte Geldsumme in Empfang nehmen lässest, so sorge dafür, daß„dieses Geld allen Vorgedachten nach der von Hosius (Z) an dich ge-sandten Anweisung ansgetheilt werde. Wenn du aber bemerken solltest,„daß, um meine Geneigtheit gegen euch alle in dieser Beziehung voll zu„machen, noch etwas fehle, so magst du ohne Bedenken, was du noch„für nothig erachtest, von unserem Kammerrath HeraklideS fordern.„Denn ich habe ihm mündlich den Befehl erthcilt, wenn deine Ehrwürden»etwas an Geld von ihm verlangen sollte, es ohne irgend ein Bedenken„auszahlen zu lassen. Da ferner zu meiner Kenntniß gelangt ist, daß„einige verkehrte Menschen das Volk der heiligsten und katholischen Kirche„durch gewisse schändliche Verführungen irreleiten wollen, so sey dir zu„wissen gethan, daß ich dem Prokonsul Annlinus und dem Vice-Statt-„halter Patricus mündlich den Befehl ertheilt habe, sie sollen unter„allem Andern auch vorzüglich darauf die gebührende Sorgfalt richten„und es sich nicht beigchcn lassen, wenn dergleichen vorfällt, solches zu„übersehen. Wenn du demnach bemerkst, daß Leute dieser Art bei dem-selben Wahnsinn beharren, so wende dich ohne Bedenken an die ge-dachten Nichter und trage darauf an, daß sie dieselben, wie ich ihnen„mündlich befohlen habe, zur Srrafe ziehen können, (st) Die Gnade des„großen Gottes möge dich viele Jahre lang schützen."
(k) Konstantin wollte wahrscheinlich — wie Schrökh vermnthct — den katholischenLehrern in Afrika dadurch den Schaden ersetzen, den sie entweder durch die Donatisten oderunter Maxcntius erlitten hatten.
(L) Ein um diese Zeit sehr üblicher Münznamc. Es ist aus Nachrichten der Altenund besonders des Epiphanius (llo »wnss. ei punäil. p. t84) klar, daß es zweierleiFolleS gegeben, davon die eine Art ungefähr der L25ste Thcil der andern war. Die ge-ringere Art war, nach dem Zeugnisse des Suidas und Anderer, den Obolcn gleich; mansieht aber wohl, daß diese hier nicht anzunehmen sey, weil sonst die ganze geschenkte Summenicht viel über t000 Ncichsthalcr betragen haben würde, welches für so weitläustige Pro-vinzen sehr wenig gewesen wäre. Nimmt man aber die größere Art an, so betrug es eineSumme, die sich über 70,000 Reichsthalcr bclicf, und diese ist hier nach aller Wahrschein-lichkeit anzunehmen, Stroth.
(3) Der hier genannte Hosius war ohne Zweifel der berühmte Bischof zu Eorduba inSpanien, der beim Kaiser sehr viel galt. Eusebius gedenkt seiner noch einigemal, dochohne Namen im zweiten und dritte» Buch vom Leben Konstantins. Stroth.
(4) Es ist zu bemerken, daß dieß der erste öffentliche landesherrliche Befehl ist, den-jenigen, die von der gewöhnlichen Lehre des größern Theils abgehen würden, mit obrig-keitlicher Gewalt Einhalt zu thun.